• Home
  • Fussballtalente11
Fussballtalente11

Lucas Paquetá (21) – Brasiliens trickreicher Box-to-Box-Spieler

In letzter Zeit tauchte der Name Paquetá immer mal wieder in Verbindung mit einem Top-Klub auf. Mittlerweile haben sich angeblich viele große Vereine ein genaues Bild vom 21-jährigen Brasilianer gemacht, jedoch genießt er in Europa bei weitem noch keinen großen Bekanntheitsgrad. Aktuell ist er noch ein fast unbeschriebenes Blatt, weswegen wir dies nun ändern wollen.

Lucas Tolentino Coelho de Lima, wie er mit vollem Namen heißt, wurde in Rio de Janeiro geboren und wuchs auch dort auf. In der Jugend von Flamengo Rio de Janeiro ausgebildet, wurde der Linksfuß zu Beginn des Jahres 2017 in den Profikader aufgenommen. Auf sein Debüt musste der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler allerdings noch ein wenig warten. Erst Ende Mai wurde er spät im Ligaspiel gegen Clube Atlético Paranaense eingewechselt und durfte sein Können erstmals in Brasiliens höchster Spielklasse unter Beweis stellen. 

Durchbruch zum Stammspieler

Dieser Einsatz am dritten Spieltag der Campeonato Brasileiro Série A blieb zunächst für einige Zeit sein letzter, doch am 21. Spieltag war es dann soweit, sein erster Startelfeinsatz stand an. 90 Minuten lang agierte Paquetá gegen AC Goianiense in ungewohnter Rolle als Mittelstürmer, dabei gelang ihm auf Anhieb sein erster Assist. Das Talent war nun angekommen im Profifußball. In den nächsten Wochen erarbeitete er sich einen Platz in der ersten Elf von Flamengo und präsentierte sich eindrucksvoll. Der Durchbruch war ihm geglückt. 

Durch seine anhaltend beeindruckenden Darbietungen hat er es inzwischen sogar in die Seleção geschafft. Am achten September dieses Jahres feierte Paquetá sein Debüt im Team von Trainer Tite und wurde 20 Minuten vor Schluss im Freundschaftsspiel gegen die Vereinigten Staaten eingewechselt. 

Auf dem Zettel der ganz Großen 

Spätestens nach diesem ersten Spiel im Nationalteam war klar, um was für einen Rohdiamanten es sich bei ihm handelt und all diese Umstände sowie Leistungen blieben natürlich nicht gänzlich unentdeckt. Zwar läuft sein Vertrag noch bis Ende 2020, doch eine Ausstiegsklausel in Höhe von 50 Millionen Euro soll enthalten sein. Diese stellt für Klubs wie Manchester City, Manchester United, Real Madrid, den FC Barcelona oder außerdem Paris Saint-Germain erfahrungsgemäß kein Problem dar, weswegen Flamengo seinen Vertrag gerne verlängern würde, um die Ausstiegsklausel auf 70 Millionen Euro zu katapultieren. Dies bestätigte gleichermaßen Flamengos Vize-Präsident Ricardo Lomba: „Wir wollen, dass er bleibt, und wir tun alles, um ihn bei dem Klub zu halten, bei dem er sich als Spieler entwickelt hat.“ 

Doch bevor auch nur einer dieser kolportierten Interessenten Nägel mit Köpfen machen kann, verfügt der FC Valencia über ein Vorkaufsrecht für Paquetá. Heißt also, dass die Spanier jederzeit von diesem Recht Gebrauch machen und sich dieses Top-Talent sichern können. 

Was der junge Brasilianer aktuell so drauf hat und wo wir noch Verbesserungsbedarf sehen, werden wir Euch nun genau erläutern. 

Lucas Paqueta

Bildquelle: commons.wikimedia.org

Stärken:

Wenn du an den brasilianischen Fußball denkst, welche Fähigkeit kommt dir dann als erstes in den Sinn? Richtig, die beeindruckenden technischen Fähigkeiten. Am Ball ist Flamengos Nummer elf nämlich eine wahre Augenweide, da er über eine herausragende Ballbehandlung verfügt. Besonders sticht dabei seine ungemeine Gelassenheit am Ball heraus.

Darüber hinaus legt er noch ein überaus sicheres Passspiel an den Tag, wobei ihm seine fast schon Beidfüßigkeit definitiv zugutekommt. Sobald er zwischen der letzten Verteidigungslinie und dem Mittelfeld des Gegners mal zu viel Platz bekommt, wird es direkt brandgefährlich. Hat er in einer solchen Spielsituation nämlich den Ball wie üblich unter Kontrolle, muss sich die gegnerische Verteidigung direkt auf einen Schnittstellenpass vom allerfeinsten einstellen und versuchen, sich möglichst gut und vor allem schnell zu positionieren. Diese Gelegenheiten nutzt er bekannterweise blitzschnell aus und schippt den Ball überaus gerne über seine Kontrahenten in den Lauf seines Mitspielers hinweg. 

Unaufgeregter Spielaufbau 

Letztendlich spielt er aber nicht nur diese teilweise sehr entscheidenden Pässe, sondern ist ebenso im Spielaufbau immer eine der ersten Anspielstationen. Durch seine überaus abgeklärte Spielweise baut er das Spiel regelmäßig mit der nötigen Ruhe und Sicherheit aus der Tiefe heraus auf und kann es zum gegebenen Zeitpunkt auch mit einem langen Ball verlagern oder eröffnen. Dabei geht er besonders in der eigenen Hälfte nur sehr selten Risiko ein. 

Seine Passquote liegt aktuell bei überdurchschnittlichen 84 Prozent, was diese Affinität im Passspiel nochmals untermauert. Aufgrund seiner Kreativität, bemerkenswerten Übersicht, Spielintelligenz und der von ihm ausgehenden Torgefahr genießt er im Spiel Flamengos im Übrigen viele Freiheiten und ist somit immer wieder in der Lage, Chancen zu kreieren.

Nun kommen wir auf seine weiteren Offensivqualitäten zu sprechen. Zwar wird Paquetá mittlerweile auch immer mal wieder im zentralen Mittelfeld aufgeboten und nicht ausschließlich eine Position weiter vorne im offensiven Mittelfeld, doch seine hervorragenden Dribblings, mit denen er einen Hauch von Ronaldinho Gaúcho versprüht, zeigt er mit Vorliebe weiterhin. In Verbindung mit einer nicht zu unterschätzenden Geschwindigkeit sowie einer alles andere als üblen Beweglichkeit ist er definitiv ein Spieler, der nur äußerst schwer vom Ball zu trennen ist. 

So kommt er insgesamt sehr häufig an seinen Widersachern vorbei und nutzt dafür immer mal wieder Tricks aus seinem ausnehmend reichen Repertoire, um diese mit spektakulären Aktionen wie kleine naive Schuljungen aussehen zu lassen.

Der perfekte Lupfer

Eine solche Szene gab es beispielsweise im Ligaspiel gegen Fluminense zu bestaunen. Ungefähr zehn Meter in der gegnerischen Hälfte wurde er in halblinker Position mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und Gegenspieler angespielt und legte sich den halbhohen Ball gekonnt mit seinem linken Fuß und dem ersten Kontakt links am Gegenspieler in Richtung Zentrum vorbei. Zunächst sah es so aus, als hätte er sich den Ball zu weit vorgelegt und der direkt vor ihm postierte Verteidiger könne ihm diesen nun abnehmen, aber weit gefehlt. Wieder kam ein blitzschneller leichter Kontakt von seinem linken Fuß, mit dem er den Ball überaus elegant über den Gegenspieler lupfte und rechts an diesem vorbeiging. 

Den anschließenden Freiraum nutzte er dann für einen Distanzschuss, welcher in dieser Situation im Gegensatz zu sonst jedoch nicht überaus präzise war. 

In Bezug auf seine Fernschüsse konnten vergleichsweise schon ganz andere und wesentlich gefährlichere Versuche von ihm gesehen werden. Dank seiner ausgereiften Schusstechnik müssen die Keeper nämlich nicht nur aus dem Spiel heraus, sondern gleichermaßen bei Standardsituationen enorm aufpassen. 

In der Szene konnte der Zuschauer freilich sehen, dass er zu viel Platz dann doch schnell ausnutzen kann, aber auch unter gehörigem Druck hat er oft eine Lösung parat. Mithilfe seines großen Selbstvertrauens sowie seiner Physis und Balance schaffte er es in der Vergangenheit des Öfteren, das Runde perfekt abzuschirmen und in den sich irgendwann bietenden Lücke vorzudringen. So konnte der Brasilianer sogar eigenständig fünf Verteidiger hintereinander stehen lassen und anschließend auf den verdutzten Torhüter zulaufen. 

Der Box-to-Box-Mittelfeldspieler 

Doch was genau macht ihn nun zu einem sogenannten Box-to-Box-Spieler? Seine Ausdauer erlaubt es ihm, weite Weg mit nach hinten zu gehen und eine hohe Arbeitsrate an den Tag zu legen. Dadurch liefert er sich viele Duelle mit den gegnerischen Angreifern und zeigt sich dabei sehr zweikampffreudig. Diese Saison waren starke 69 Prozent seiner Tacklings erfolgreich, zudem gewann er für einen eigentlich offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler beeindruckende 52 Prozent seiner Zweikämpfe. Diese Fähigkeiten machen ihn zu einem perfekten zentralen Mittelfeldspieler, da er in beide Richtungen überaus effektiv agiert. Zu guter Letzt sollte man noch erwähnen, dass er trotz seiner nur 1,80 Meter vergleichsweise kopfballstark ist, da er diese Saison bislang 2,8 Kopfballduelle pro Spiel für sich entscheiden konnte. 

Schwächen:

In Sachen Defizite konnten wir genau drei bei ihm ausmachen. Da sehen wir als erstes noch Nachholbedarf im taktischen Bereich. Paquetá trifft zwar oft schnelle Entscheidungen, was an sich für ihn spricht und ihm in manchen Situationen hilft, doch taktisch gesehen sind sie nicht immer besonders sinnvoll. Deswegen sollte er sich teilweise einen Tick mehr Zeit nehmen, um dann eine bedachte Entscheidung zu treffen. Dann kamen wir auf seine enorm guten Distanzschüsse sowie Freistöße zu sprechen, doch sein Abschluss unmittelbar vor dem gegnerischen Tor ist definitiv ausbaufähig. 

Seine Torquote könnte er mit einem gezielten Training gewiss deutlich anheben. Am Ende müssen wir noch feststellen, dass seine Skills und spektakulären Aktionen zwar schön für die Galerie sind, allerdings weckt er dabei den Unmut seiner Opponenten und riskiert damit unnötig Verletzungen. Man sollte ihm zwar nichts verbieten, doch vielleicht sollte er sich ab und an mehr auf ein effektiveres Spiel konzentrieren. 

Prognose:

Es sollte dich nun nicht mehr überraschen, dass Paquetá zu den größten Talenten in ganz Brasilien gehört. Sein Debüt in der Nationalmannschaft war letztendlich nur eine Frage der Zeit aufgrund seines wachsenden Niveaus. Besonders die Kombination aus den hervorragenden Offensivqualitäten und den ebenso vorhandenen Fähigkeiten gegen den Ball machen ihn so wertvoll und dementsprechend begehrt. 

Die Scouts großer Klubs schlafen natürlich nicht, haben den jungen Südamerikaner bereits auf ihren Wunschzetteln notiert. Verwundern sollte dies anhand seines Potenzials und seiner Eigenschaften nun wirklich nicht. Auch jetzt könnte er so manchem großen Klub auf Anhieb ohne Zweifel weiterhelfen. 

Mailand, Paris oder doch Manchester? 

Eine mögliche Station könnte beispielsweise der Traditionsverein AC Mailand sein, der einen weiteren kreativen Impuls in der Offensive wahrlich gebrauchen könnte. Bei den Interessenten aus Paris oder Manchester würde er auf Jugendförderer wie Thomas Tuchel oder Pep Guardiola treffen, die beide schon mehrfach bewiesen haben, wie man aus Talenten Stars formt.

Nun können wir resümieren, dass er auf alle Fälle das Potenzial besitzt, sich in Europa durchsetzen und zu einem Weltklassespieler werden zu können. Die Anlagen dafür besitzt er jedenfalls, nur darf er nicht den Fokus verlieren. 

Der Schritt nach Europa steht unmittelbar vor der Tür und wer weiß, vielleicht sehen wir ihn schon im nächsten Jahr in einer der fünf Top-Ligen. Dann hätte er die besten Voraussetzungen, um sich auf höchstem sportlichem Niveau ins Rampenlicht zu spielen, um auch in der Selecao zu einem Leistungsträger zu avancieren. Denn eins scheint sicher, Lucas Tolentino Coelho de Lima ist ein Geschenk für viele Teams auf der Welt und wir sind uns sicher, dass er auch in Europa dafür sorgen wird, dass die Fanherzen höherschlagen, und er so manch jungen Kicker antreiben wird, es ihm gleich zu tun. 

Bildquelle: wikipedia.org

Beitrag teilen:
Fussballtalente11

Manuel Akanji (23) – Der Schweizer Prototyp des modernen Innenverteidigers

Im Januar 2018 holte Borussia Dortmund einen jungen Innenverteidiger aus der Schweiz, den hier in Deutschland vermutlich nur die wenigsten auf dem Schirm hatten. Skepsis bezüglich der hohen Ablösesumme von rund 21,5 Millionen Euro machte sich breit, doch die Verantwortlichen in Dortmund strahlten stoische Ruhe aus. Zorc & Co. waren sich sehr sicher, einen Spieler mit Potenzial zur Weltklasse verpflichtet zu haben. Bei dieser kleinen Anekdote handelt es sich um den mittlerweile 23-jährige Manuel Obafemi Akanji. Doch alles der Reihe nach.

Geboren wurde der Rechtsfuß in der kleinen Gemeinde Wiesendangen, die zum Bezirk Winterthur und dem Kanton Zürich gehört. Dort wuchs Manuel in einer sehr sportbegeisterten Familie auf. Auch seine Schwester Sarah ist eine hervorragende Fußballerin und kickt in der zweiten Schweizer Liga in Winterthur. Sein aus Nigeria stammender Vater spielt bis heute noch hobbymäßig Fußball und scheint ihm die Leidenschaft für diesen Sport in die Wiege gelegt zu haben. Akanjis Mutter hingegen widmet sich mit voller Hingabe dem Tennissport, sie scheint dort ihr Glück gefunden zu haben.

Den Lebenstraum eines Fußballprofis hatte das BVB-Talent damals noch nicht, sondern spielte nebenbei noch gerne Tennis oder war in der Leichtathletik unterwegs. Erst mit seinem Wechsel vom Heimatklub FC Wiesendangen in die Jugend des FC Winterthur im Jahr 2007 hörte er mit letzterem endgültig auf. Doch selbst nach diesem Schritt glaubte er noch nicht an den Durchbruch und die damit verbundene Profikarriere. „Als Jugendlicher war ich ein durchschnittlicher Spieler. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Profikarriere einschlagen könnte. Ich habe nur für den Spaß gespielt", gestand Manuel heute über seine Jugendzeit.

Die nächsten Schritte

Im Alter von 17 Jahren legte der Roger Federer-Bewunderer dann von der Physis her deutlich zu, ein gehöriger Wachstumsschub geschah. Dadurch war er fortan in der Lage, körperlich besser mithalten zu können. Im Sommer 2014 hatte er es dann endlich geschafft. Manuel wurde in den Profikader des FC Winterthur aufgenommen und konnte sein Talent ziemlich schnell im Profibereich zeigen.

Es dauerte nicht gerade lange, bis der große FC Basel auf das Defensivtalent aufmerksam wurde. Letztendlich verpflichtete der Schweizer Top-Klub Akanji im Sommer 2015 für rund 700.000 Euro Ablösesumme. Gut investiertes Geld, was sich mittlerweile herausgestellt hat.

„Dass er viel Talent hat, erkannte man ziemlich schnell. Da war ich beileibe nicht der Einzige“, beteuerte der damalige Sportchef des FC Basel Georg Heitz. Auf die Frage, was den jungen Innenverteidiger so auszeichnet, offenbarte dieser: „Eine spezielle Dynamik. Er drischt die Bälle nicht einfach weg, sondern spielt sie gepflegt raus. Dazu ist er intelligent, hat ein gesundes Selbstbewusstsein, das frei von Überheblichkeit ist. Und einen bemerkenswerten Ehrgeiz.“

Höhen und Tiefen in Basel

Angekommen in Basel lebte er sich gut ein und freundete sich besonders mit dem heutigen Schalker Breel Embolo an. Die Verantwortlichen des „Eff cee bee“ erkannten ausgesprochen schnell, dass er das zweiterfolgreichste Team der Schweiz enorm aufwerten könne. Doch Anfang 2016 folgte dann auch schon der Schock. Diagnose Kreuzbandriss! Eine lange Pause würde anstehen. Was andere weit zurückgeworfen und vermutlich in ein mentales Loch geworfen hätte, machte ihm scheinbar nichts aus. Er ließ sich nicht stoppen und kehrte im Februar 2017 wie Phönix aus der Asche auf das Grüne zurück.

Treibstoff für seine Motivation war laut eigener Aussage die Tatsache, dass manche nicht an ihn glaubten. Sie bezweifelten, ob Akanji sich nochmal von diesem Rückschlag erholen könne und schrieben ihn weitestgehend ab. Jedoch wollte er seinen Kritikern unbedingt das Gegenteil beweisen, tätowierte sich zudem den Spruch „Prove them wrong“, was auf Deutsch „zeige ihnen, dass sie falsch liegen“ heißt.

Der 1,86 Meter-Hüne zeigte auf beeindruckende Art und Weise direkt wieder sein volles Leistungsvermögen auf dem Platz und so gewann er mit dem FC Basel zwei Mal die Schweizer Meisterschaft und einmal den nationalen Pokal. Jedoch wurde der Führung des Klubs irgendwann bewusst, den Schweizer Nationalspieler nicht mehr lange halten zu können. So wurde kurz darauf über das Interesse vom BVB berichtet, der auf der Suche nach einem neuen Innenverteidiger war.

Borussia Dortmund eine „Herzensentscheidung“

Auch andere Klubs wie beispielsweise der große FC Barcelona oder auch der FC Liverpool sollen ihn auf der Beobachtungsliste ganz weit oben stehen gehabt haben, doch den Zuschlag bekam im Januar 2018 der strauchelnde Top-Klub Borussia Dortmund. Man zahlte, wie bereits erwähnt, satte 21,5 Millionen Euro für den Nationalspieler, da man von dessen Fähigkeiten vollständig überzeugt war. Für Akanji selbst war der Wechsel nach Dortmund eine Herzensentscheidung, auch in den Gesprächen mit der Verantwortlichen des Bundesligisten fühlte er sich rundum wohl. „Manuel hat sich mit seinen Leistungen ins Visier mehrerer europäischer Top-Klubs gespielt. Er hat in der Nationalmannschaft und in der Champions League schon nachgewiesen, dass er auf höchstem europäischem Niveau spielen kann", frohlockte BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den Neuzugang.

Sein Kumpel Embolo war von diesem Wechsel zum Erzrivalen natürlich in gewisser Weise nicht gerade angetan, er hätte ihn lieber bei den Königsblauen gesehen. „Ich bin froh, dass er endlich zeigen kann, was in ihm steckt. Für mich ist er einer der besten Innenverteidiger in der Schweiz und einer der besten seines Jahrgangs. Am liebsten würde ich ihn zu Schalke holen“, gestand der Gelsenkirchener einst.

Auf seinen ersten Einsatz in der Bundesliga musste er zunächst noch warten, doch gegen den damaligen Bundesligisten Hamburger SV war es dann soweit. Akanji spielte von Beginn an, bot eine außerordentliche Performance und wurde dafür von allen Seiten gelobt. Herausragend war vor allem seine Passquote, die bei exzellenten 92 Prozent lag.

Warum der Schweizer, dessen Lieblingsverein Manchester United ist, als Prototyp des modernen Innenverteidigers gilt, wollen wir Euch nun genauer erläutern.

Akanji Ch

Bildquelle: wikipedia.org

Stärken:

Akanji besitzt zunächst einmal mentale Stärke und ein Selbstvertrauen, welches so wohl nicht jeder im unbarmherzigen Profibereich an den Tag legt. Vor allem zeigt er dies auch deutlich nach außen hin und sagte in einem Interview: „Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ich habe einfach Vertrauen in meine Fähigkeiten." Für ihn ist dieses Vertrauen in die eigenen Qualitäten elementar, weil er dadurch den notwendigen Gleichmut auf dem Platz erlangt, welcher seinen nächsten großen Vorzug darstellt. Der Defensivspieler ist nämlich äußerst druckresistent und gerät so gut wie nie aus der Fassung, er agiert einfach wie ein Profipokerspieler absolut unbeeindruckt und zwar unabhängig vom Gegner oder der Situation.

Der Alptraum eines jeden Angreifers

Doch wie macht sich der gebürtige Neftenbacher in der Paradedisziplin für einen Verteidiger, den Zweikämpfen? Ganz einfach, er führt sie absolut kompromisslos und lässt dem Gegner ebenso durch seine ausgeprägte Physis nicht den Hauch einer Chance. Dabei zeigt der Dortmunder keinerlei Scheu vor großen Namen und schafft es teilweise sogar, seinen Kontrahenten über die komplette Distanz vollkommen aus dem Spiel zu nehmen.

Ab und an schafft natürlich auch er es nicht direkt in den Zweikampf und der gegnerische Spieler scheint ihm zunächst ein wenig zu entkommen, doch die Rechnung machen dann viele ohne den Schweizer. Abgehängt hat man ihn so schnell nämlich nicht. Durch seine für einen Verteidiger untypisch hohe Geschwindigkeit und seine ebenso respektable Reaktionsschnelligkeit gelingt es ihm im Gegensatz zu anderen Verteidigern auch dann noch, die Angreifer einzuholen und die Situation mit einem gekonnt getimten Tackling zu bereinigen.

So gehörte Akanji beim FC Basel schon zu den schnellsten Akteuren und auch beim BVB ist er mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 35 Stundenkilometern einer der schnellsten Spieler. Insgesamt gewann er in der aktuellen Saison bislang überragende 61,5 Prozent seiner Zweikämpfe. Dass Fouls bei ihm eine absolute Rarität sind und er seine Duelle in der Regel immer fair führt, ist besonders bemerkenswert.

Darüber hinaus hat der defensive Abräumer die Gabe, wiederkehrend direkte Duelle zu vermeiden. Durch seine ausgereifte Antizipation schafft er es, sich frühzeitig klug zu positionieren, um den Ball anschließend gekonnt abzufangen und dann den eigenen Ballbesitz zu sichern. Durch dieses kluge Stellungsspiel konnte er bislang im Schnitt 7,07 Bälle pro Partie klären, was der viertbeste Wert in der gesamten Liga ist.

Enorme Vorzüge im Spielaufbau

Doch er verfügt nicht nur über ein brillantes Defensivverhalten, sondern ist obendrein noch ausgezeichnet im eigenen Spielaufbau. Besonders das ist eine Fähigkeit, die neben starkem Zweikampfverhalten und Schnelligkeit von einem modernen Innenverteidiger gefordert wird. Dabei überzeugt er mit einem ausgesprochen sicheren und vor allem noch dazu unaufgeregten Kurzpassspiel, welches meistens den gewünschten Adressaten findet.

Nebenbei bemerkt hat er qualitativ hochwertige technische Fähigkeiten auf Lager und verfügt zudem noch über eine ausgeprägte Übersicht, durch die er jederzeit die beste Anspieloption ausfindig machen kann.

Dank seiner Beidfüßigkeit spielt es dabei auch keine allzu große Rolle, auf welchem Fuß der Ball gerade liegt, ankommen wird der Pass mit hoher Wahrscheinlichkeit. Teilweise schafft er gar, mit intelligenten Pässen ganze Verteidigungslinien aus dem Spiel zu nehmen und so dem Angriff unfassbare Geschwindigkeit zu verleihen. Grundsätzlich versucht er, die Spielsituationen spielerisch zu lösen, was er gleichermaßen selbst bestätigt. „Heute ist wichtig, der Mannschaft auch im Spielaufbau zu helfen. Das entspricht meinen Neigungen: Ich habe sehr gerne den Ball und versuche, nicht den langen Ball zu schlagen, sondern kontrolliert nach vorn zu spielen", so der Schweizer.

Abgesehen von seinen persönlichen Neigungen, schlägt er ebenso die langen Bälle ausnehmend präzise zu seinen Mitspielern, was seine Passquote mit bewundernswerten 89,2 Prozent unterstreicht.

Schwächen:

Bei ihm signifikante Defizite festzustellen, ist quasi nicht möglich. Lediglich zwei Sachen hat Akanji in der Vergangenheit selbst angesprochen, die er damals beabsichtigte zu verbessern. Zum einen ist dies sein Kopfballspiel, sowohl offensiv als auch defensiv. Denn in diesem fehlte ihm teilweise noch die nötige Durchsetzungskraft. Doch diese Schwäche hat er mittlerweile bereits abgelegt und sich in diesem Bereich deutlich gesteigert. So gewann er in dieser Saison bislang ganze 62,5% seiner Luftduelle.

Zum anderen hat er bei sich noch taktische Mängel im Defensivverhalten ausgemacht. Dafür hat Manuel nun mit seinem Landsmann Lucien Favre genau den richtigen Trainer, denn sein Landsmann gilt als ausgemachter Fachmann in taktischen Angelegenheiten und arbeitet sehr akribisch.

Prognose:

Schon der ehemalige Borussen-Coach Peter Stöger fand ausschließlich lobende Worte für den 23-Jährigen, wie auch Neu-Trainer Lucien Favre. Dieser hält außerordentlich viel von Akanji, weswegen er unter diesem auch unumstrittener Stamm- und Führungsspieler ist.

Seine Entwicklung ist dabei stets als positiv zu erachten und man merkt, dass er sich immer weiter steigern und seine Fähigkeiten perfektionieren kann, denn Schwächen besitzt er keine signifikanten mehr.

Interesse von Top-Klubs eine Frage der Zeit

Trotz seiner überzeugenden Entwicklung gibt es derzeit keine Gerüchte bezüglich Interesses von größeren Klubs. Dies wird sich aber sehr wahrscheinlich schnell ändern, wenn er weiterhin in diesem Maße abliefert.

Nun steht für ihn allerdings erstmal seine erste vollständige Saison in einer großen europäischen Liga an, weswegen wir gespannt seine Darbietungen im Fokus behalten werden. Mit Favre hat er ebenso mit großer Wahrscheinlichkeit den richtigen Trainer an seiner Seite, um in bestimmten Bereichen wie den taktischen Dingen noch einen weiteren Schritt nach vorne machen zu können.

Abschließend können wir feststellen, dass Akanji viele Eigenschaften mitbringt, die bei den ganz großen Klubs überaus gefragt sind. Außerdem stellt er bereits jetzt eine waschechte Herausforderung für so gut wie jeden Angreifer dar, denn so schnell kommt man an ihm nicht vorbei. Wir sehen bei ihm weiterhin Potenzial nach oben und denken, dass er in die Riege der Weltklasseverteidiger aufsteigen kann.

Dann wird er jedoch vermutlich auch bei einem größeren Verein unterkommen, alles andere wäre auch untypisch für den ambitionierten Eidgenossen. Doch bis dahin wird der bodenständige Akanji erstmal weiterhin beim BVB die Fans ins Schwärmen bringen.


Bildquelle: pixabay

Beitrag teilen:
Fussballtalente11

Evan N'Dicka (19) - Frankfurts neuer Vallejo?

Die Frankfurter Eintracht steht nach dem Abgang von Nico Kovac und zahlreicher Leistungsträger wie Boateng, Hradecky, Wolf und Mascarell vor einer schwierigen Saison. Neu-Trainer Adi Hütter hatte daher alle Hände voll zu tun in der Vorbereitung. Die jüngsten Ergebnisse stimmten die Fans der SGE für die neue Saison nicht gerade zuversichtlich. Vor allem die eklatante 0:5 Niederlage gegen den FC Bayern sorgte dafür, dass zahlreiche Experten die Hessen zum Kreise der Abstiegskandidaten zählten.

Am 25. August war es dann so weit, der erste Spieltag der neuen Bundesliga-Spielzeit stand an und die Eintracht musste sich auswärts gegen den enorm heimstarken Sportclub aus Freiburg beweisen.  Überraschenderweise mit in der Startaufstellung: Der gerade mal 19-jährige Neuzugang Obite Evan N’Dicka.

Der französische Innenverteidiger, welcher für fünf Millionen Euro von AJ Auxerre an den Main gewechselt ist, trieb das Freiburger Fan-Herz oftmals zur Verzweiflung. Denn die Breisgauer rannten nach dem Rückstand wütend das Tor der SGE an, doch die weiße Bastion der hessischen Krieger hielt stand, dabei die letzte eherne Instanz: Obite Evan N’Dicka!

Zusammen mit Sebastien Haller avancierte der gebürtige Pariser mit Wurzeln aus dem Kamerun zum Spieler des Spiels. Im Anschluss an den 2:0-Auswärtssieg sah sich Hütter in seinem Entschluss bestätigt.

Hütter zeigt sich begeistert von seinem Schützling

„Ich habe seine Leistung als hervorragend gesehen", huldigte der Fußballlehrer mit großem Pathos den Neuzugang. Die Wahl fiel gegenüber Routinier Russ sowie Talent Joel Knothe auf N'Dicka, "weil er in der Viererkette mit dem linken Fuß sicherlich auch einen Vorteil hat gegenüber zwei Rechtsfüßern."

Dieses beeindruckende Debüt des Youngsters sollte wohl auch Sportvorstand Fredi Bobic überrascht haben, prognostizierte er doch dem französischen Talent vor wenigen Wochen noch eine etwas längere Anlaufzeit. So schnell kann es gehen im Profifußball.

Vor wenigen Monaten waren die Fans des französischen Zweitligisten noch schockiert über den raschen Abgang des Eigengewächses, da dieser lediglich 12 Ligaspiele absolvierte hatte und die Anhängerschaft fest von einem Verbleib des U20-Nationalspielers ausging. Doch im Hintergrund standen einige renommierte Klubs wie Manchester City und der FC Liverpool, die neben der Eintracht um das Ausnahmetalent buhlten.

N’Dicka zeigte Reife, verzichtete auf ein Engagement bei den finanzstarken Premier-League-Klubs und entschied sich für die Eintracht. Zuvor informierte sich dieser genauestens über den Verein und kündigte gegenüber Eintracht TV bereits sein primäres Ziel an: „Ich will so häufig wie es geht spielen!“

Stärken:

Da die Hütter-Mannen bei der Neuankunft N’Dickas noch in den USA weilten, durfte sich der Neuankömmling zunächst im Training der U19 beweisen. Dort hob er sich nicht nur sportlich vom Rest der Truppe ab, sondern zeigte, dass er sich auf den Titel „teuerster Transfer der Klubgeschichte“ rein gar nichts einbildet.

„Er hat die Nähe der Kollegen gesucht und war sehr umgänglich“, lobte der technische Direktor Pezzaiuoli das Auftreten des Rookies, „er ist ein bodenständiger Typ.“ Neben seinen zwischenmenschlichen Vorzügen wandelt Evan Druck in stoische Ruhe um. Gegen den Sportclub wirkte er ebenso am Ball kein bisschen nervös, er spielte diesen auch unter aggressivem Pressing bedächtig zum nächsten Mitspieler. Scheute sich dabei auch nicht vor langen anspruchsvollen Bällen, brachte dabei fünf von acht ans Ziel.

Das Talent zeigte sich technisch versiert, bot ein ausnehmend sicheres Aufbauspiel und erreichte dabei eine sehenswerte Passquote von 87 Prozent. Trotz seiner imposanten Größe demonstrierte der Abwehrturm, dass er eine außerordentlich hohe Schnelligkeit besitzt. Eine Fähigkeit, die dem Frankfurter Spiel mit einer hochstehenden Abwehrkette absolut entgegenkommt.

Der 1,90 Meter-Hüne ist nicht nur eine Lufthoheit, sondern antizipierte gleichermaßen was das Zeug hielt. Laut Ligainsider.de rettete der Linksfuß insgesamt neun Mal in höchster Not! Ein absoluter Topwert, welcher recht nahe an Benjamin Pavards Bestmarke (11) aus der letzten Spielzeit herankommt.

Der letzte Fels in der Brandung

Selbst in Unterzahlsituationen wusste er sich subtil zu positionieren. Die Freiburger Petersen und Niederlechner hatten das gesamte Frankfurter Team überwunden, nur noch N’Dicka stand zwischen ihnen und Tormann Rönnow! So manch junger Verteidiger wäre überhastet rausgerückt.

Nicht so der SGE-Rookie! Dieser behielt die Nerven und bewegte sich auf den Millimeter genau so, dass er vom ballführenden Petersen nur schwer auszuspielen war und dabei beim Abspielversuch des deutschen Nationalspielers Niederlechner ins Abseits stellte. Dank Frankfurts Nummer zwei verpuffte eine sehr vielversprechende Torchance der Breisgauer im Nirvana.

Darüber hinaus gewann das Defensivtalent 60 Prozent seiner Zweikämpfe, verdeutlichte ihnen primär durch seine beeindruckende Physis die Grenzen. Dieser Teenager ist ein absolutes Mammut und nur schwer zu bezwingen. Kaum auszumalen, welche körperliche Wucht er in den nächsten Jahren noch entwickeln wird.

Schwächen:

So beeindruckend die Auftritte des Schlaks zu Beginn waren, so gibt es auch bei ihm noch das ein oder andere Defizit zu präzisieren. Die Passquote des Franzosen wurde aufgrund seiner blinden Befreiungsschläge etwas runtergezogen. Denn sobald er den Ball erobert hatte, schlug er die Pille blind nach vorne und dieser kam postwendend wieder zurück.

Viele Trainer legen enormen Wert darauf, das frisch eroberte Spielgerät in einen tödlichen Konter umzuwandeln. Daher muss Frankfurts Rekordmann lernen, wenn die Situation es erlaubt, den Gegenangriff einzuleiten, sobald er den Opponenten vom Runden getrennt hat.

Darüber hinaus wird bei ihm, wie bei vielen anderen Talenten, die Frage bestehen, ob er sein Leistungsniveau konstant halten kann. Diese Frage kann nur vage beantwortet werden, denn in Frankreichs zweiter Liga kam er aufgrund seiner Leistungsschwankungen zeitweise nur sporadisch zum Einsatz oder musste gar auf der Tribüne Platz nehmen. Zum Stammspieler schaffte er es erst zum Ende der Saison, und das über einen eher vergleichsweise kurzen Zeitraum.

Prognose:

Wenn wir diese Expertise resümieren, kommen wir zu folgendem Ergebnis: Obite Evan N’Dicka ist eine Kante, welche taktisch gut geschult, schnell, kopfballstark und passsicher ist. Seine Defizite wurden auf hohem Niveau erörtert, daher bekommt man nun einen Eindruck, weshalb Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner ihn zum Rekordeinkauf der Hessen machten.

Die Scouts des amtierenden Pokalsiegers haben bei der Leihe Vallejos schon einmal bewiesen, dass sie ein feines Näschen bei der Verpflichtung von Defensivtalenten besitzen. Wenngleich der Franzose gegen den SC vom verletzungsbedingten Ausfall Abrahams profitierte, so ist ihm ein Platz in der ersten Elf diese Saison absolut zuzutrauen, vor allem aufgrund des langfristigen Ausfalls Carlos Salcedos.

Eins scheint sicher, die Eintracht wird noch viel Freude mit N‘Dicka haben, denn er besitzt zweifellos das Potenzial zu einem echten internationalen Topspieler zu reifen und dieses Mal müssen Bobic & Co. nicht befürchten, dass irgendein Verein ihn (für geringes Entgelt) wieder abwirbt.


Bildquelle: Pixabay

Beitrag teilen:
Fussballtalente11

Top 5: Talente vor dem Durchbruch in La Liga 2018/19

Spaniens Eliteklasse geht in das Jahr eins nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo gen Italien. Zwar verliert La Liga damit eine ihrer schillerndsten Attraktionen, jedoch eröffnet dies gleichermaßen einigen aufstrebenden Talenten die Möglichkeit, aus dem Schatten des Portugiesen ins Rampenlicht zu rücken. Wir stellen euch fünf Kandidaten vor, die das Potenzial haben, diese Saison in der höchsten Spielklasse der iberischen Halbinsel den Durchbruch zu schaffen.

FC Barcelona: Carles Aleñá (20 / Zentrales Mittelfeld)

Barca

Die glorreiche La Masia-Akademie konnte in der letzten Dekade nach Xavi und Iniesta keine großartigen Talente mehr entwickeln, die das Niveau der beiden Ikonen nur annähernd erreichten. Dies soll sich nun in Persona von Carles Aleñá ändern. Das Talent des 20-jährigen zentralen Mittelfeldspielers fiel den Katalanen relativ früh auf, dennoch ließ man ihn in Ruhe reifen und wollte ihn nicht zu früh dem immensen Druck des rauen Profifußballs aussetzen.

Vor drei Jahren hob sich der Edeltechniker bereits in der UEFA-Youth-League 2015/16 mit sieben Scorerpunkten (6 Tore, 1 Vorlage) in acht Einsätzen deutlich vom Rest des Teams ab - war absoluter Antreiber und deutete an, dass er die berechtigten Hoffnungen auf das nächste große La Masia-Talent nähren kann. Letzte Saison sorgte er vor allem in La Liga 2 für Furore. Elf Tore und vier Vorlagen in 38 Partien waren der Garant dafür, dass Barca-Coach Ernesto Valverde dem U21-Nationalspieler Spaniens grünes Licht für den Profikader gab.

Aleñá ist ein exzellenter Ballkünstler, gesegnet mit einem brillanten Passspiel und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. Seine Dribblings sind ein purer Genuss, die Art und Weise wie er das für Barca typische Kurzpassspiel forciert und das Spiel dirigiert, machen Lust auf mehr. Das Talent verkörpert die typischen La Masia-Charakteristiken in sich. Wenngleich ihn ein schwerer Muskelbündelriss den Start von La Liga kostet, so sollte er sich im Laufe dieser Saison zweifellos zu einer echten Alternative im Kader der Blaugrana entwickeln.

Rayo Vallecano: Santi Comesaña (21 / Offensives Mittelfeld)

Rayo

Nach dem Abgang von Leistungsträger Fran Beltran zu Celta Vigo schaut man besorgt in das Mittelfeld des Aufsteigers. Dass die Verantwortlichen des Clubs aus dem Madrider Stadtviertel Vallecas noch keinen adäquaten Ersatz verpflichtet haben, könnte daran liegen, dass man Talent Santi Comesaña die ungewohnte Rolle des tiefliegenden Spielmachers durchaus zutraut.

Zwar ist der in Vigo geborene 21-jährige Spanier von Hause aus ein offensiver Mittelfeldmann, jedoch besitzt er mit seiner außerordentlichen Kreativität, Technik und Übersicht Fähigkeiten, die für einen Taktgeber unentbehrlich sind. Mit etwas Feinschliff könnte Rayo-Coach Michel den beidfüßigen Edeltechniker zu einem „improvisierten Beltran“ umfunktionieren.

Die Qualität besitzt Comesaña ohne Zweifel, was seine Ausstiegsklausel von 25 Millionen Euro ebenso untermauert. Auch wenn der 1,84 Meter-Mann noch sehr grün hinter den Ohren ist, so selbstbewusst ist seine Art und Weise wie er das Spiel aufzieht. 

Mit acht Scorerpunkten konnte der gebürtige Galizier in der letzten Zweitliga-Saison bereits auf sich aufmerksam machen und avancierte daher neben Real-Leihgabe Raul de Tomas (23) zu einem der Hoffnungsträger des spanischen FC St. Pauli. Möchte Rayo die Klasse halten, so wird es elementar für Übungsleiter Michel das Optimum aus Santi herauszukitzeln.

Espanyol Barcelona: Javi Puado (20 / Linksaußen)

Espanyol

Javi Puado ist ein noch sehr junges spanisches Talent, welches die letzte Saison aufgrund einer schweren Verletzung weitgehend verpasste. Nun ist der Linksaußen wiedergenesen und voller Tatendrang, seine Liebe zum Rasenballsport wiederaufzufrischen. Die Klubverantwortlichen schätzen das Potenzial des Youngsters ungemein und beförderten ihn trotz seines langen Ausfalls in den Profikader, in welchem er am 18. August beim Auswärtsspiel gegen Celta Vigo sein La Liga-Debüt gab.

Albert Sanchez, Technik-Trainer von Espanyols B-Team, beschreibt den Flügelstürmer als enorm antrittsstarken und mit einem exzellenten Antizipationsvermögen ausgestatteten Offensivspezialisten, der zu jeder Zeit des Spiels in der Lage ist ein Tor zu erzielen. Nach dem Abgang von Toptorschütze Gerard Moreno zum FC Villarreal wird es die größte Schwierigkeit für Trainer Rubi sein, dessen nun fehlende Torgefahr aufzufangen. Teil der Lösung könnte Javi Puado sein, welcher in der Vorbereitung seine Abschlussqualitäten bereits unter Beweis stellen konnte und für den Coach der „Periquitos“ mehr als nur eine Alternative darstellt.

SD Huesca: Cucho (19 / Mittelstürmer)

Huesca

Viele kleinere Vereine in den europäischen Topligen verfügen nur über ein geringes Budget, um auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Daher ist das Ausleihen von jungen Talenten ein altbewährtes Konzept, diese Problematik zu umgehen. La Liga-Aufsteiger Huesca darf sich in diesem Fall beim FC Watford für die zweijährige Leihe von Mittelstürmer Cucho bedanken.

Denn der 19-jährige Kolumbianer hatte mit sensationellen 16 Toren und sechs Vorlagen entscheidenden Anteil am Aufstieg der Aragonier. Einige Experten gaben ihm den Spitznamen „Strafraumfuchs“, da der aktuelle U20-Nationalspieler Kolumbiens einen tödlichen Torinstinkt besitzt. Dank seiner Schussgewalt kann der 1,77 Meter-Stürmer auch aus der Distanz oder mit ruhenden Bällen Schlussmänner bezwingen.

Darüber hinaus strahlt der quirlige Südamerikaner vor dem Tor eine stoische Ruhe aus, die selbst die herauseilenden Torhüter zu deren Nachteil ansteckt. Meist erwachen sie erst wieder, wenn sie den Ball nach einem kaltschnäuzigen Abschluss des Offensivtalents aus dem Netz beseitigen müssen. Aufgrund der Verpflichtung von Inters Samuele Longo wird der Kampf um den Platz im Sturmzentrum härter als in der Vorsaison.

Zwar hat Cucho seine Qualitäten in der Segunda Division unter Ex-Trainer Rubi mehr als nachgewiesen, dennoch gilt es nun auch für ihn, als Protagonist den neuen Huesca-Coach Leo Franco zu überzeugen. Schaut man sich die Startelf der „Azulcranas“ am ersten Spieltag der La Liga an, dann scheint Cucho den 41-jährigen argentinischen Fußballehrer von sich überzeugt zu haben, denn er startete beim 2:1 Auswärtserfolg über Eibar in einem 4-4-2-System an der Seite von Longo in vorderster Front.

Athletic Bilbao: Unai Núñez (21 / Innenverteidiger)

Athletic

Wenn eine Mannschaft aus Tradition nur Basken verpflichtet und trotzdem seit Jahren erstklassig bleibt, dann steckt dort gleichermaßen eine gute Jugendarbeit dahinter. Wie das jüngste Beispiel des 21-jährigen Unai Núñez beeindruckend demonstriert.

In seiner ersten La Liga-Spielzeit absolvierte der Innenverteidiger ganze 33 Ligapartien und darüber hinaus drei Auftritte in der Europa League. Nunez ist tatsächlich schon sehr weit entwickelt für sein Alter, begeht kaum Fehler und wirkt auf dem Platz enorm fokussiert. Er scheut keine Zweikämpfe, liebt ein robustes und zugleich faires Tackling, um seine Gegner zu eliminieren.

Das Abräumertalent überzeugt ebenso durch seine abgeklärte Spielweise und Cleverness im Zweikampf. Das ist auch dem FC Barcelona nicht entgangen. Die Blaugrana haben den U21-Nationalspieler Spaniens schon seit einem Jahr auf ihrer Einkaufsliste, doch nach der Vertragsverlängerung hat man erstmal Abstand genommen, behält ihn aber weiter im Fokus.

Sollte Unai Núñez seine Leistungen der letzten Saison bestätigen, dann wird er nächsten Sommer für den baskischen Traditionsverein kaum noch zu halten sein.

Beitrag teilen:
Fussballtalente11

Fabián Ruiz (22) - Setién als Lehrer des schönen Fußballs

Real Betis Sevilla zählte in der vergangenen Saison zu einer der größten Überraschungsmannschaften, denn der Klub aus Sevilla erreichte den 6. Platz und positionierte sich damit vor dem Stadtrivalen FC Sevilla. Dies liegt mitunter an dem Trainerwechsel vor der Saison, als man Quique Setién von UD Las Palmas für sich gewinnen konnte. Dieser installierte ein funktionierendes Positionsspiel, was nicht nur effektiv war, sondern auch noch schön anzusehen.

Der Vorteil bei Betis war dabei aber, dass er in Sevilla mehr Spieler hatte, die sich mit dieser Taktik identifizieren konnten und insgesamt einfach eine bessere individuelle Klasse hatten. Am Ende der Saison stand man dann mit zwei Punkten vor dem Erzrivalen und feierte eine erfolgreiche Saison hinter dem Meister FC Barcelona, den Madrid-Klubs, Valencia und Villarreal.

Eine der Entdeckungen der Saison war der junge Spanier Fabián Ruiz. Der zentrale Mittelfeldspieler passte perfekt in das System Setién’s, wodurch er sich zum Stammspieler entwickelte. Seine Position war vor der 3er-Abwehrkette als tiefstehender Spielmacher, mit dem ganzen Mittelfeld und Sturm vor der Nase.

Stärken:

Sein Spielstil kann als tiefstehender Spielmacher beschrieben werden. Er schafft es oft den Ball unter Druck zu gewinnen sowie zu halten, und mit seiner Technik schaffen es manchmal sogar vier Verteidiger gleichzeitig nicht, ihm den Ball abzunehmen! Er spielt viele Kurzpässe mit der Abwehrreihe, um die Offensive zu Laufwegen anzustiften. Das war besonders auffällig beim Spiel von Betis gegen Real Madrid, als man zwar 5:3 verlor, Ruiz jedoch der Mann auf dem Feld war, der die meisten Pässe spielte. Weiterhin beachtet er stark die vorgegebene Taktik, doch er schafft es immer wieder durch geschickte Antizipation, die Pässe der Gegner abzufangen und so wieder in Ballbesitz zu geraten.

Neben der Technik gefällt uns aber an Ruiz auch, dass er ein Gefühl für das Spielgeschehen hat und durch seine Läufe ohne den Ball in der Abwehr der Gegner Lücken für seine Mitspieler aufreißen kann. Zudem spricht auch für seine Spielintelligenz, dass er genau weiß, wie stark und zu welchem Timing er den Ball in den freien Raum spielen muss, damit der Mitspieler diesen ohne Probleme bekommt. Es wirkt geradezu so, als denkt er einen Schritt voraus und weiß genau, wie seine Mannschaftskollegen sich verhalten werden und kann davon profitieren, denn seine Pässe wirken dadurch noch intelligenter und unberechenbarer. Ein passendes Beispiel hierfür wäre am 17. Spieltag der La Liga, an dem Betis auf Athletic Bilbao traf. Das Spiel ging zwar 2:0 verloren, doch in der 49. Minute gab es eine herausragende Situation. Von Joaquin aus der Zentrale kommt der Ball auf Ruiz, der sieht, dass Durmisi ihn überläuft. Indem er dann aber kurz verzögert, sorgt er dafür, dass Durmisi sich in einer besseren Position befindet und er nun den perfekt getimten Ball spielen muss.

Ruhe als einer der wichtigsten Faktoren

In den vergangenen Jahren ist das physische Level der Spieler enorm gestiegen. Die Ausdauer der Spieler und die Tacklings werden immer besser und dementsprechend benötigt es Spieler, die dann auch unter Druck konsequent noch erfolgreiche Pässe spielen können. Sie haben einen kürzeren Zeitraum, um Entscheidungen zu treffen, und genau diese Skills bringt Ruiz mit, zwar nicht auf Weltklasseniveau, aber mit seiner Ruhe auf einem guten Weg dahin. Genau aus diesem Grund passte Ruiz so optimal in das System Setién’s, doch nun steht ein neues Abenteuer für ihn an.

Unter Ancelotti der nächste Schritt?

In der Serie A tritt Ruiz nun bei den Azzurri das Erbe von Jorginho an, der für eine Ablösesumme von 57 Mio. Euro zum FC Chelsea London gewechselt ist. Von dieser Summe wurden 30 Mio. direkt nach Sevilla überwiesen, um Ruiz nach Italien zu lotsen. Dort wird er dann unter der Trainerikone Carlo Ancelotti trainieren und sich hoffentlich weiter perfektionieren. Denn im Gegensatz zum Vorgänger Jorginho muss Ruiz noch etwas nachlegen. Wir wissen natürlich, dass beide nicht direkt miteinander zu vergleichen sind, da Ersterer eher defensiv ausgerichtet ist, man könnte ihn sogar als Sechser bezeichnen, während Ruiz mehr die Rolle des Achters einnimmt und mehr Offensivdrang hat.

Jorginho vs. Ruiz

Ruiz ist ebenso gut in der Defensive, keine Frage. Genauso wie in der Offensive kann er auch in der Defensive das Spiel lesen und Pässe abfangen. Er hat ein kompetentes Tackling mit einer enormen Arbeitsrate, die es ihm ermöglicht, sich mit nach hinten fallen zu lassen und defensiv auszuhelfen, falls es notwendig ist. Insgesamt ist Ruiz defensiv aber nicht so stabil wie Jorginho, aber mit ein wenig Training unter Carlo Ancelotti kann er seine Defensivqualitäten verbessern und somit zu einem noch mehr ausbalancierten zentralen Mittelfeldspieler werden. Hingegen zu Jorginho kann Ruiz aber für mehr Torgefahr auf der linken Mittelfeldzentrale sorgen, denn mit seinem linken Fuß konnte er schon den ein oder anderen gefährlichen Distanzschuss bei Betis Sevilla abliefern. Diese Gefahr aus der Ferne wird sich bei ihm nach und nach immer mehr steigern, das ist sicher, und irgendwann muss man bei ihm nicht nur aufpassen, dass er einen Schlüsselpass spielen könnte, sondern auch noch, dass er stattdessen schießen könnte.

Schwächen:


Bei ihm Defizite zu finden, war nicht gerade leicht. Seinen Abschluss könnte er auf jeden Fall noch verbessern, denn letzte Saison brachte er zwar viele seiner Schüsse aufs Tor, doch treffen konnte er nur dreimal. Dies führt zu einer Quote von lediglich 10%, welche nicht besonders gut ist. Zudem wäre es wünschenswert, wenn ein solch großer Spieler wie er noch ein wenig kopfballstärker werden würde. Dies würde sein Spiel nochmals aufwerten und ihn zu einem noch kompletteren Spieler machen.

Prognose:


Fabian Ruiz ist eines der vielversprechendsten Mittelfeldtalente in Spanien gewesen. Nach dem Abgang von Dani Ceballos zu Real Madrid erhielt Ruiz die Chance bei Betis und nutzte sie. Nun hat er nach dem Abgang von Jorginho die Chance, sich bei einem größeren Klub durchzusetzen. Man sollte aber nicht vergessen, dass er im Mittelfeld der Neapolitaner namhafte Konkurrenz hat. Unter anderem Zielinski könnte sich einen starken Zweikampf mit ihm liefern, wenn man davon ausgeht, dass Hamsik und Allan gesetzt sind. Jedoch besitzt Ruiz nicht nur auf dem Feld einen enormen Durchsetzungswillen, sondern auch abseits und er stellte des Öfteren unter Beweis, dass er ein richtiger Kämpfer ist. Mit seiner feinen Technik könnte er jedenfalls herausragen und den Umstieg von La Liga zur Serie A gut meistern. Wir sind gespannt, was für eine Rolle er in Ancelottis Spiel haben wird und wie er diese entgegennimmt. Insgesamt ist es auf jeden Fall eine sehr erfolgreiche Verpflichtung eines Talents, dass nicht viele Leute auf dem Schirm hatten. Doch wir sind uns sicher, dass er sich um einiges steigern und sich langfristig gesehen auch für die Nationalmannschaft empfehlen wird.

Beitrag teilen: