Evan N'Dicka (19) - Frankfurts neuer Vallejo?

Evan N'Dicka (19) - Frankfurts neuer Vallejo?

Die Frankfurter Eintracht steht nach dem Abgang von Nico Kovac und zahlreicher Leistungsträger wie Boateng, Hradecky, Wolf und Mascarell vor einer schwierigen Saison. Neu-Trainer Adi Hütter hatte daher alle Hände voll zu tun in der Vorbereitung. Die jüngsten Ergebnisse stimmten die Fans der SGE für die neue Saison nicht gerade zuversichtlich. Vor allem die eklatante 0:5 Niederlage gegen den FC Bayern sorgte dafür, dass zahlreiche Experten die Hessen zum Kreise der Abstiegskandidaten zählten.

Am 25. August war es dann so weit, der erste Spieltag der neuen Bundesliga-Spielzeit stand an und die Eintracht musste sich auswärts gegen den enorm heimstarken Sportclub aus Freiburg beweisen.  Überraschenderweise mit in der Startaufstellung: Der gerade mal 19-jährige Neuzugang Obite Evan N’Dicka.

Der französische Innenverteidiger, welcher für fünf Millionen Euro von AJ Auxerre an den Main gewechselt ist, trieb das Freiburger Fan-Herz oftmals zur Verzweiflung. Denn die Breisgauer rannten nach dem Rückstand wütend das Tor der SGE an, doch die weiße Bastion der hessischen Krieger hielt stand, dabei die letzte eherne Instanz: Obite Evan N’Dicka!

Zusammen mit Sebastien Haller avancierte der gebürtige Pariser mit Wurzeln aus dem Kamerun zum Spieler des Spiels. Im Anschluss an den 2:0-Auswärtssieg sah sich Hütter in seinem Entschluss bestätigt.

Hütter zeigt sich begeistert von seinem Schützling

„Ich habe seine Leistung als hervorragend gesehen", huldigte der Fußballlehrer mit großem Pathos den Neuzugang. Die Wahl fiel gegenüber Routinier Russ sowie Talent Joel Knothe auf N'Dicka, "weil er in der Viererkette mit dem linken Fuß sicherlich auch einen Vorteil hat gegenüber zwei Rechtsfüßern."

Dieses beeindruckende Debüt des Youngsters sollte wohl auch Sportvorstand Fredi Bobic überrascht haben, prognostizierte er doch dem französischen Talent vor wenigen Wochen noch eine etwas längere Anlaufzeit. So schnell kann es gehen im Profifußball.

Vor wenigen Monaten waren die Fans des französischen Zweitligisten noch schockiert über den raschen Abgang des Eigengewächses, da dieser lediglich 12 Ligaspiele absolvierte hatte und die Anhängerschaft fest von einem Verbleib des U20-Nationalspielers ausging. Doch im Hintergrund standen einige renommierte Klubs wie Manchester City und der FC Liverpool, die neben der Eintracht um das Ausnahmetalent buhlten.

N’Dicka zeigte Reife, verzichtete auf ein Engagement bei den finanzstarken Premier-League-Klubs und entschied sich für die Eintracht. Zuvor informierte sich dieser genauestens über den Verein und kündigte gegenüber Eintracht TV bereits sein primäres Ziel an: „Ich will so häufig wie es geht spielen!“

Stärken:

Da die Hütter-Mannen bei der Neuankunft N’Dickas noch in den USA weilten, durfte sich der Neuankömmling zunächst im Training der U19 beweisen. Dort hob er sich nicht nur sportlich vom Rest der Truppe ab, sondern zeigte, dass er sich auf den Titel „teuerster Transfer der Klubgeschichte“ rein gar nichts einbildet.

„Er hat die Nähe der Kollegen gesucht und war sehr umgänglich“, lobte der technische Direktor Pezzaiuoli das Auftreten des Rookies, „er ist ein bodenständiger Typ.“ Neben seinen zwischenmenschlichen Vorzügen wandelt Evan Druck in stoische Ruhe um. Gegen den Sportclub wirkte er ebenso am Ball kein bisschen nervös, er spielte diesen auch unter aggressivem Pressing bedächtig zum nächsten Mitspieler. Scheute sich dabei auch nicht vor langen anspruchsvollen Bällen, brachte dabei fünf von acht ans Ziel.

Das Talent zeigte sich technisch versiert, bot ein ausnehmend sicheres Aufbauspiel und erreichte dabei eine sehenswerte Passquote von 87 Prozent. Trotz seiner imposanten Größe demonstrierte der Abwehrturm, dass er eine außerordentlich hohe Schnelligkeit besitzt. Eine Fähigkeit, die dem Frankfurter Spiel mit einer hochstehenden Abwehrkette absolut entgegenkommt.

Der 1,90 Meter-Hüne ist nicht nur eine Lufthoheit, sondern antizipierte gleichermaßen was das Zeug hielt. Laut Ligainsider.de rettete der Linksfuß insgesamt neun Mal in höchster Not! Ein absoluter Topwert, welcher recht nahe an Benjamin Pavards Bestmarke (11) aus der letzten Spielzeit herankommt.

Der letzte Fels in der Brandung

Selbst in Unterzahlsituationen wusste er sich subtil zu positionieren. Die Freiburger Petersen und Niederlechner hatten das gesamte Frankfurter Team überwunden, nur noch N’Dicka stand zwischen ihnen und Tormann Rönnow! So manch junger Verteidiger wäre überhastet rausgerückt.

Nicht so der SGE-Rookie! Dieser behielt die Nerven und bewegte sich auf den Millimeter genau so, dass er vom ballführenden Petersen nur schwer auszuspielen war und dabei beim Abspielversuch des deutschen Nationalspielers Niederlechner ins Abseits stellte. Dank Frankfurts Nummer zwei verpuffte eine sehr vielversprechende Torchance der Breisgauer im Nirvana.

Darüber hinaus gewann das Defensivtalent 60 Prozent seiner Zweikämpfe, verdeutlichte ihnen primär durch seine beeindruckende Physis die Grenzen. Dieser Teenager ist ein absolutes Mammut und nur schwer zu bezwingen. Kaum auszumalen, welche körperliche Wucht er in den nächsten Jahren noch entwickeln wird.

Schwächen:

So beeindruckend die Auftritte des Schlaks zu Beginn waren, so gibt es auch bei ihm noch das ein oder andere Defizit zu präzisieren. Die Passquote des Franzosen wurde aufgrund seiner blinden Befreiungsschläge etwas runtergezogen. Denn sobald er den Ball erobert hatte, schlug er die Pille blind nach vorne und dieser kam postwendend wieder zurück.

Viele Trainer legen enormen Wert darauf, das frisch eroberte Spielgerät in einen tödlichen Konter umzuwandeln. Daher muss Frankfurts Rekordmann lernen, wenn die Situation es erlaubt, den Gegenangriff einzuleiten, sobald er den Opponenten vom Runden getrennt hat.

Darüber hinaus wird bei ihm, wie bei vielen anderen Talenten, die Frage bestehen, ob er sein Leistungsniveau konstant halten kann. Diese Frage kann nur vage beantwortet werden, denn in Frankreichs zweiter Liga kam er aufgrund seiner Leistungsschwankungen zeitweise nur sporadisch zum Einsatz oder musste gar auf der Tribüne Platz nehmen. Zum Stammspieler schaffte er es erst zum Ende der Saison, und das über einen eher vergleichsweise kurzen Zeitraum.

Prognose:

Wenn wir diese Expertise resümieren, kommen wir zu folgendem Ergebnis: Obite Evan N’Dicka ist eine Kante, welche taktisch gut geschult, schnell, kopfballstark und passsicher ist. Seine Defizite wurden auf hohem Niveau erörtert, daher bekommt man nun einen Eindruck, weshalb Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner ihn zum Rekordeinkauf der Hessen machten.

Die Scouts des amtierenden Pokalsiegers haben bei der Leihe Vallejos schon einmal bewiesen, dass sie ein feines Näschen bei der Verpflichtung von Defensivtalenten besitzen. Wenngleich der Franzose gegen den SC vom verletzungsbedingten Ausfall Abrahams profitierte, so ist ihm ein Platz in der ersten Elf diese Saison absolut zuzutrauen, vor allem aufgrund des langfristigen Ausfalls Carlos Salcedos.

Eins scheint sicher, die Eintracht wird noch viel Freude mit N‘Dicka haben, denn er besitzt zweifellos das Potenzial zu einem echten internationalen Topspieler zu reifen und dieses Mal müssen Bobic & Co. nicht befürchten, dass irgendein Verein ihn (für geringes Entgelt) wieder abwirbt.


Bildquelle: Pixabay

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