Jonathanslz

Götterdämmerung - Ein Gipfeltreffen unter neuen Vorzeichen

Wenn am Samstag Abend der BVB den FC Bayern München in der Bundesliga empfängt, treffen der Erste und Dritte der Tabelle aufeinander. Doch anders als in den Vorjahren grüßen derzeit die Dortmunder von der Tabellenspitze. Vor dem richtungsweisenden Duell für die nächsten Wochen haben wir einen Blick auf die Stimmungslage auf beiden Seiten geworfen.

„Von mir aus kann es so weitergehen.“ sagt Marco Reus in die Mikrofone der Reporter. Am vergangenen Samstag, direkt nach dem mühsamen 0:1 Sieg des BVB gegen den VfL Wolfsburg kamen diese Worte vom Dortmunder Angreifer. Eine Bestandsaufnahme, die angesichts der derzeitigen schwarz-gelben Erfolgssträhne, durchaus angebracht ist. Dass es am kommenden Wochenende zum Duell mit dem großen Rivalen aus München kommt, hatte Reus in diesem Moment womöglich schon im Hinterkopf. Wobei man die Mannschaft des FC Bayern aufgrund ihrer schier unbrechbaren Dominanz der letzten Jahre wohl lange nicht mehr ernsthaft als Rivalen bezeichnen konnte, da sie auf nationaler Ebene schlichtweg in ihrer eigenen Liga spielten. Bei den letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Bundesliga konnte man zwar aufgrund der Kaderbesetzungen von einem Top-Spiel reden, wirkliche Brisanz konnten diese Duelle aufgrund der Übermacht der Bayern jedoch nicht entfalten. Doch die Vorzeichen haben sich in dieser Saison gedreht.

Der BVB schwimmt unter seinem neuen Trainer Lucien Favre auf einer Erfolgswelle von Sieg zu Sieg und wird dabei von einer aufregenden Mannschaft mit jungen und vielversprechenden Talenten wie Sancho, Larsen und Hakimi getragen. Im Süden der Republik herrscht dagegen Katerstimmung. Am vergangenen Spieltag gab es nach einer uninspirierten Vorstellung wieder nur ein 1:1 gegen den vermeintlichen Underdog aus Freiburg. Ein weiterer Tiefpunkt einer Saison, die bis dato alles anderem als dem Selbstverständnis der Münchner entspricht. Sowohl in der Liga als auch in der Champions League hat man Federn gelassen, im DFB-Pokal konnte man sich zuletzt nur mühevoll mit 2:1 gegen den Viertligisten aus Rödingshausen durchsetzen.

Nebenschauplätze wie die öffentliche Trainerdiskussion, bei der Niko Kovac mit Aussagen wie „am Ende muss er seinen Kopf für die Rotation der letzten Spiele hinhalten“ von den Verantwortlichen in der Presse angezählt wird, um einige Tage später, in einer denkwürdig widersprüchlichen Pressekonferenz, zu behaupten dass man sich als eine „lange nicht gesehene Einheit“ präsentieren möchte, tun ihr übriges dazu.

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft, dessen Stammkader sich zu großen Teilen aus Spielern des FC Bayern zusammensetzt, bei der WM im Sommer sang- und klanglos die Segel strich, scheint sich dieser Trend bei vereinzelten Spielern nun fortzusetzen.

Teilweise blutleere Auftritte mit bislang wenig Offensivdrang prägten das Münchner Spiel dieser Saison. Spieler wie Müller, Hummels und Boateng laufen ihrer Form aus früheren Tagen meilenweit hinterher. Besonders erschreckend ist die Bilanz von Manuel Neuer, der in der Liga diese Saison erst zwei Mal zu Null spielen konnte, und in den letzten 5 Spielen keinen einzigen Torschuss parieren konnte. Jeder Ball, der gefährlich auf sein Tor kam, landete auch in diesem. Aber auch andere Stars wie Ribery oder James schaffen es derzeit kaum dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Der angestrebte Umbruch im Kader hat den Motor ins Stocken gebracht, Trainer Kovac scheint bei den Spielern auch nicht wirklich als Autoritätsperson akzeptiert zu werden.

Alles in allem sind die Bayern in dieser Saison überraschend verwundbar. So verwundbar wie sie es lange nicht waren und man mitunter dachte, es auch nie wieder werden.

Auf der anderen Seite geht man in Dortmund nach den turbulenten letzten Jahren seinen Weg konsequent weiter und scheint mit Lucien Favre auch endlich den passenden Mann gefunden zu haben, der aus der sehr jungen Mannschaft einen Titelanwärter zu formen.

Eng umkämpfte Spiele wie das in Wolfsburg, in denen in der vergangenen Saison aufgrund fehlender Erfahrung am Ende oft Punkte hergeschenkt oder liegen gelassen wurden, werden nun in aller Regel für sich entschieden. Eine ganz entscheidende Qualität auf dem Weg zum Titel, die sonst immer ein Erfolgsmerkmal der Münchener war.

Der BVB hat mit großem Abstand die beste Offensive der Liga, aber auch defensiv zeigt sich die ebenfalls sehr junge Abwehrreihe um Hakimi, Diallo und Akanji sattelfest und Torwart Roman Bürki ist mittlerweile endlich der lang ersehnte sichere Rückhalt geworden.

6 Jahre ist es her, dass die Dortmunder den Rivalen aus dem Süden zum letzten mal vom Thron stoßen konnten. Am Samstag Abend können sie nun zeigen ob sie als Mannschaft schon reif genug sind einen großen Schritt dahin zu tun, dies nach langer Zeit wieder einmal zu schaffen.

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Quo vadis, HSV - Ehrenrunde oder Absturz? Teil 2

Nach der Defensive beim letzten Mal, widmen wir uns in diesem Teil nun den alten und neuen Mittelfeldspielern des HSV:

Wer geht?

Albin Ekdal: Der Schwede ist mit Sicherheit ein zentraler Mittelfeldspieler, der, wenn er in Form ist, vielen Bundesligisten weiterhelfen würde. Leider konnte er dies, aufgrund immer wiederkehrender Verletzungspausen, nur viel zu selten auch auf dem Spielfeld zeigen. Er hat offen kommuniziert, dass er eher zu einem Wechsel tendiert und auch die Verantwortlichen scheinen ihm dabei keine Steine in den Weg zu legen, da er es nie so richtig geschafft hat in Hamburg anzukommen. Durch seine ansprechenden Auftritte bei der WM werden sicherlich einige Vereine auf ihn aufmerksam geworden sein und es wird mitunter noch eine kleinere Ablösesumme dabei herausspringen.

Sejad Salihoviic: Er kam in der Winterpause und wurde damals von Sportchef Jens Todt verpflichtet, um im Abstiegskampf eine erfahrene Kraft dazuzubekommen, die das Offensivspiel und den Konkurrenzkampf beleben soll. Wirklich auszeichnen konnte er sich dabei nicht. Sein Vertrag läuft aus und wird auch nicht verlängert.

Walace: Als amtierender Olympiasieger wurde der Brasilianer im Winter 2017 für 9,2 Millionen von Gremio Porto Alegre verpflichtet und sollte das fehlende Puzzleteil für das zentrale Mittelfeld werden. Seine spielerischen Qualitäten und Stärken im Zweikampf hat er immer wieder angedeutet, jedoch schien er sich auf das Abenteuer Abstiegskampf nicht richtig einlassen zu können. Auch die Distanz zu seiner Familie schien Probleme zu bereiten. Dauerhaft in die Mannschaft spielen konnte er sich somit nie wirklich. Nachdem Christian Titz ihn in die Innenverteidigung stellen wollte kam es zum Bruch. Walace beharrte auf seine Position im Mittelfeld und Titz blieb nichts anderes übrig als hart zu bleiben und ihn aus der ersten Mannschaft zu verbannen. Leider konnte der Verein sein fußballerisches, aber auch marktwertliches Potential nicht ausnutzen. Walace wechselt nun für immerhin noch 6 Millionen Euro zu Hannover 96 und wird dort einen neuen Anlauf in der Bundesliga wagen.

Wer bleibt?

Matti Steinmann: Er war der Shootingstar unter Christian Titz in den ersten Wochen. Nachdem er es in den Jahren zuvor nicht geschafft hatte in der ersten Mannschaft Fuß zu fassen und auch Leihen zu unterklassigen Vereinen nicht den erhofften Erfolg herbeigeführt hatten, schien sich seine Profikarriere schon auf dem Abstellgleis zu befinden. Titz beförderte ihn als eine seiner ersten Amtshandlungen zu den Profis und Steinmann fand sich direkt in der Startaufstellung wieder. Mit überraschend starken Auftritten erspielte er sich als Eigengewächs direkt die Sympathie der eigenen Fans. Mit seiner Leichtigkeit und Ballsicherheit war er der entscheidende Schlüssel für die Umsetzung von Titz' System und Ideen. Zwar wird er auf seiner Positionen mit neuen Konkurrenten konfrontiert werden, jedoch ist er nach den letzten Wochen der vergangenen Saison einer der Hoffnungsträger für die Zukunft.

Lewis Holtby: Mit einem großen Namen und ebenso großen Erwartungen an ihn, kam Lewis Holtby vor mittlerweile 4 Jahren nach Hamburg. Die Leistungen, die ihn in Mainz und auf Schalke zum Nationalspieler machten, konnte er dabei nur selten abrufen. Was man ihm jedoch nie vorwerfen konnte, war, dass er nicht für den Erfolg des HSV kämpfen würde. Immer wieder war er an der Spitze der gelaufenen Kilometer in einem Spiel zu finden, auch wenn er spielerisch dabei nicht immer zu überzeugen wusste. Trotz seines immensen Einsatzes fand er sich zwischenzeitlich sogar auf der Tribüne wieder. Sein hohes Gehalt und die Erwartungshaltung an ihm, haben es ihm in Hamburg oft nicht leicht gemacht. Unter Christian Titz blühte auch er wieder auf. Mit einigen sehr wichtigen Toren hat einen großen Teil zur beinahe erfolgten Rettung beigetragen. Sein Vertrag lief im Sommer aus, jedoch haben die Verantwortlichen es geschafft ihn zu einer Verlängerung zu deutlich verringerten Bezügen zu überreden. Von mittlerweile nur noch knapp einer Million Euro ist hierbei die Rede. Er scheint sich mit dem HSV sehr zu identifizieren und im Verein wohlzufühlen. Kann er seine zuletzt gezeigten Leistungen aufrecht erhalten, wird er ein entscheidender Faktor im Rennen um den Aufstieg sein.

Aaron Hunt: Für Hunt galt über weite Strecken dasselbe wie für Holtby. Als ehemaliger Bremer hatte er in schlechten Zeiten meist einen sehr schweren Stand bei den Fans und wurde häufig zum Sündenbock gemacht. Lethargie, mangelnder Einsatz und fehlendes Tempo wurden ihm dabei oft vorgeworfen. Doch auch er stabilisierte sich zu Ende der vergangenen Saison und ließ dabei sein spielerisches Können immer öfter aufblitzen, unvergessen bleibt dabei sein Weitschusstor gegen Schalke am 29. Spieltag, der die Hamburger Aufholjagd erst so richtig einläutete. Auch sein Vertrag lief aus, den er ebenfalls zu geringeren Bezügen verlängerte. Er ist an guten Tagen in der Lage sowohl den entscheidenden Pass zu spielen, als auch selbst torgefährlich zu werden. Qualitäten die vor allem gegen die vielen tief stehenden Gegner wichtig sein werden. Schießt er den HSV zurück ins Oberhaus, werden ihm wohl auch die letzten Hamburger seine Bremer Vergangenheit verziehen haben.

Wer kommt?

Christoph Moritz: Ähnlich wie Lewis Holtby kennt Moritz Trainer Titz persönlich schon seit längerem, da er für ihn in der Vergangenheit als Privattrainer tätig war und daher auch als sein Wunschspieler galt. Er kommt ablösefrei vom 1.FC Kaiserlautern und bekleidet im zentralen Mittelfeld eine ähnliche Position wie Matti Steinmann. In den Testspielen fand er sich bereits öfter in der Startformation wieder und übernahm dabei sogar zeitweise das Kapitänsamt, woran das große Vertrauen, das Titz in ihn steckt, deutlich zu erkennen ist. Seine Verletzungshistorie ließ seine Karriere leider stocken, bleibt er von Blessuren weitestgehend verschont kann auch er ein wichtiger Baustein der Mannschaft werden.

Khaled Narey: Narey wurde für knapp 2 Millionen Euro von Greuther Fürth verpflichtet und ist ein Spieler, der vor allem auf der rechten Außenbahn beheimatet ist. Sportchef Ralf Becker sieht ihn sowohl als Alternative für die Offensive als auch Defensive. In der vergangenen Saison konnte er mit 6 Treffern und 1 Assist auf sich aufmerksam machen. Narey gilt als schneller und technisch versierter Spieler, in den bisherigen Testspielen wusste er ebenfalls zu überzeugen. Es bleibt abzuwarten, ob er sich letztendlich auf der rechten Verteidiger Position wiederfindet oder den abgewanderten Nicolai Müller in der Offensive ersetzen wird. Das Potential für beide Aufgaben sind bei ihm wohl vorhanden.

Sonstige:

Mit Moritz-Borni Kwarteng und Aaron Opoku stoßen 2 Nachwuchspieler für das offensive Mittelfeld zur Mannschaft. Vor allem Opoku wird der Schritt in die engere Auswahl des Kaders bereits zugetraut, jedoch ist wie bei den meisten jungen Spielern abzuwarten ob sie ihr Potential dauerhaft im Profigeschehen abrufen können.

Nach dem Mittelfeld wird im nächsten Beitrag mit dem Sturm der Teil der Mannschaft behandelt, bei dem sich derzeit die größten und am meisten diskutiertesten Veränderungen abspielen.

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Quo vadis, HSV - Ehrenrunde oder Absturz? Teil 1

Nachdem wir die Abläufe, die mittlerweile zum Abstieg des HSV geführt haben, näher beleuchtet haben, widmen wir uns jetzt den Aussichten des HSV für die Zukunft und vor allem der kommende Saison. Dabei werden wir auf die Veränderungen des Kaders in den einzelnen Mannschaftsbereichen, das Trainerteam und die neue Führungsriege schauen und sehen ob der Dino es schafft die 2. Liga zu einem einjährigen Ausflug werden zu lassen oder ob der selbe Absturz in die Niederungen des Profifußballs droht wie anderen ehemaligen Traditionsvereinen. In Teil 1 beschäftigen wir uns dabei mit der Defensivabteilung der Mannschaft.

Tor:

Wer geht?

Christian Mathenia: In seinen zwei Jahren beim HSV hat er es nie wirklich geschafft sich als Stammtorhüter durchsetzen und hat sich mit Äußerungen über einen Wechsel noch während der Saison den Kredit bei den Fans verspielt. Wechselt für 500.000 Euro Ablöse zum 1. FC Nürnberg.

Wer bleibt?

Julian Pollersbeck: Kam zu Beginn der vergangenen Saison als U21-Europameister mit großen Vorschusslorbeeren vom 1.FC Kaiserslautern, hatte jedoch große Startschwierigkeiten. Aus dem Umfeld der Mannschaft waren Stimmen zu hören, die ihm eine mangelnde Einstellung zum Profidasein unterstellten und er fand sich deshalb sowohl unter Markus Gisdol, als auch Bernd Hollerbach meist auf der Bank wieder. Wurde von Christian Titz dann zur neuen Nummer 1 ernannt und rettete dem HSV mit zahlreichen spektakulären Paraden einige Punkte. Kann er diese Form beibehalten, wird er ein entscheidender Pfeiler des Grundgerüsts der Mannschaft für die neue Saison sein.

Tom Mickel: War vergangene Saison Keeper Nummer 3 und wird nach dem Abgang Mathenias wohl zur Nummer 2 aufsteigen. Gilt als solider Rückhalt und ist für die Rolle des Ersatzkeepers in Liga 2 eine absolut zufriedenstellende Lösung.

Wer kommt?

Morten Behrens: Als Keeper der U23 spielte auch er bereits letzte Saison unter Trainer Christian Titz. Hat nun einen Profivertrag bis 2020 unterschrieben und reiht sich als Keeper Nummer 3 in das Torhütertrio ein.

Verteidigung:

Wer geht?

Dennis Diekmeier: Sein Vertrag läuft in diesem Sommer aus und wird nicht mehr verlängert. Verlässt den HSV als dienstältester Profi, kam in den letzten Wochen unter Titz jedoch kaum noch zum Zuge und verlor seinen Stammplatz an Kapitän Sakai.

Kyriakos Papadopoulos: Beim Griechen stehen die Zeichen ebenfalls auf Abschied. Er gehört auch zu den Spielern, die über den größten Markt verfügen und wahrscheinlich auch eine entsprechende Ablöse einbringen werden. Gehörte in den letzten eineinhalb Jahren zwar zu den Leistungsträgern und rettete dem HSV mit starken Zweikämpfen und einigen Toren den ein oder anderen Punkt, war jedoch auch zum Ende, aufgrund seiner gelegentlichen Aussetzer, fehlenden Schnelligkeit und Schwächen im Spielaufbau nicht unumstritten. Bis jetzt stand vor allem eine Rückkehr nach Griechenland zu seinem Herzensverein PAOK Saloniki im Raum, jedoch ist eine Entscheidung hier noch nicht gefallen und es könnte sich auch noch ein zahlungskräftigerer Abnehmer finden.

Mergim Mavraj: Wurde bereits bei Titz' Amtsantritt aussortiert und spielt in den Planungen des Trainers keine Rolle mehr. Er wird sich einen neuen Verein suchen.

Bjarne Thoelke: Wurde vom ehemaligen Sportchef Jens Todt als Backup zu Beginn der vergangenen Saison geholt, konnte sich jedoch nicht wirklich in die Mannschaft spielen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert.

Wer bleibt?

Gideon Jung: Soll als Eigengewächs des HSV ein Gesicht der neuen Mannschaft werden und verfügt nach den vergangenen Spielzeiten schon über einige Erstligaerfahrung, gilt zudem auch als von Titz geschätzt. Ein solider Innenverteidiger, der in der kommenden Saison wohl einen Stammplatz relativ sicher haben wird.

Rick van Drongelen: Ein junger Innenverteidiger mit großem Potential. Hat in den letzten Wochen der Saison bereits seine Feuertaufe in der finalen Phase des Abstiegskampfes bestanden. Für ihn gibt es sicherlich Interessenten, mit finanziell verlockenden Angeboten, jedoch soll er, sofern diese Angebot nicht unmoralisch werden, gehalten werden.

Gotuku Sakai: Als Kapitän der Mannschaft verkündete er noch am Abend des feststehenden Abstieges, dass er mit in die zweite Liga gehen wird. Daraufhin hat er Wort gehalten und seinen Vertrag noch einmal bis 2020 verlängert. Ist auf der Position des Rechtsverteidigers gesetzt.

Douglas Santos: Sein Verbleib ist noch nicht gesichert, da er in der Rückrunde zu den wenigen Lichtblicken des HSV gehörte.Trainer Christian Titz jedoch mächte ihn unbedingt halten, da er mit Tatsuya Ito zusammen weiterhin die linke Seite, über die in den letzten Spielen am meisten Wirbel gemacht wurde, erhalten soll. Auch hier wird sich die Entscheidung danach richten, ob noch einmal ein Angebot eingehen wird, dass sowohl den Spieler, als auch den Verein überzeugt. Ansonsten wird der HSV hier wohl an seine Schmerzgrenze gehen und ihn halten.

Josha Vagnoman: Der 17-jährige Außenverteidiger gilt als eines der begehrtesten Hamburger Eigengewächse. Viele Topvereine wie Manchester City, Borussia Dortmund oder RB Leipzig haben bereits ihre Fühler nach ihm ausgestreckt. Doch in den vergangenen Tagen hat er seinen ersten Profivertrag bis 2021 unterschrieben. Er identifiziert sich mit dem HSV und möchte seine nächsten Entwicklungsschritte auch bei seinem Heimatverein gehen. Kann sowohl auf der linken, als auch rechten Außenverteidigerposition spielen und wird den beiden etablierten Kräften Santos und Sakai Druck machen.

Wer kommt?

David Bates: Die Verpflichtung des ablösefreien schottischen Innenverteidigers wurde im April relativ überraschend bekannt gegeben. Der 21-jährige kommt von den Glasgow Rangers, über seine Stärken und Schwächen ist noch relativ wenig bekannt, er soll jedoch über eine hohe Geschwindigkeit und Zweikampfstärke mit seinen 1,93 Meter verfügen. Welche Rolle er spielen wird, ist deshalb noch nicht zu erahnen.

Es lässt sich festhalten, dass der HSV bereits in der Defensivabteilung, mit Pollersbeck, Santos und van Drongelen, versucht seine Leistungs- und Hoffnungsträger zu halten und gleichzeitig durch den Verkauf von Spielern wie Papadopoulos, die der angestrebten Spielphilosophie, trotz ihres mitunter großen Namens, nicht vollumfänglich entsprechen, etwas Geld in die Kasse zu spülen. Beim nächsten Mal werden wir uns dann den Planungen für die Offensive des neuen HSV-Kaders widmen.

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Wer hat an der Uhr gedreht..?

Nach 54 Jahren ununterbrochener Ligazugehörigkeit ist es nun soweit: Die Stadionuhr des Hamburger SV hat ausgedient. Trotz Millioneninvestitionen in den Kader und einer nicht mehr erwarteten Aufholjagd, die beinahe zur erneuten Rettung geführt hätte. Ein Abstieg an dem viele Personen mitgewirkt haben. Im Vordergrund und im Hintergrund. Wir haben einen genaueren Blick auf die internen Reibereien der vergangenen Jahre geworfen.

Der Rauch in der Nordkurve ist verflogen. 12. Mai 2018, 17:31. Abpfiff. Der HSV gewinnt sein letztes Heimspiel der Saison mit 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Da der VFL Wolfsburg parallel jedoch sein Heimspiel gegen den bereits vorher feststehenden Absteiger aus Köln ebenfalls gewonnen hat, steht der erstmalige Abstieg des Hamburger SV aus der 1. Bundesliga fest. Dass dies passieren könnte, war bei 2 Punkten Rückstand, einem deutlich schlechteren Torverhältnis und der Tatsache, dass die Wolfsburger das schlechteste Auswärtsteam der Saison empfangen, trotz der positiven Auftritte der letzten Wochen, abschätzbar. Unsicher war man sich über die aufkommenden Reaktionen des Publikums. Das, was sich ereignete, war dann an Emotionalität jedoch kaum zu überbieten. Nachdem bereits 10 Minuten vor Schluss allen klar war, dass es mit dem Wunder nichts mehr wird, nutzten ein paar Dutzend sogenannter Fans die Gunst der Stunde. Unter einem schwarzen Transparent maskieren sie sich, um anschließend die Nordtribüne in eine große schwarze Wolke zu tauchen. Feuerwerkskörper flogen aufs Spielfeld. Eine Hundertschaft von Polizisten muss sich als Wand diesem Szenario gegenüberstellen. Gerade als man befürchtete, die Situation könnte auf sehr traurige Weise ausufern, stemmen sich die 55.000 restlichen Hamburger Zuschauer gegen die schwarze Meute. Mit Pfiffen und Parolen - „Wir sind Hamburger und ihr nicht“ - distanziert sich das gesamte Stadion von der Gruppe, die scheinbar nur auf den feststehenden Abstieg gewartet hat. Als sich das Schauspiel auflöst und der Rauch sich legt, verschwinden die Verursacher in den Gängen des Stadions. Zurück bleibt nur ein Transparent, das in der allgemeinen Wahrnehmung unbeachtet bleibt.  „Mit HSVPlus wäre das nicht passiert“ ist hierauf zu lesen.
So sehr sich die Anhängerschaft auch von diesem Bruchteil ihrerseits abgrenzen und nicht repräsentieren lassen will, symbolisieren jedoch genau diese unrühmlichen Minuten im Volksparkstadion die Grabenkämpfe im eigenen Verein, die nach langen erfolglosen Jahren nun tatsächlich im erstmaligen Abstieg des Bundesliga-Urgesteins geendet haben.

Was nun aber soll dieses Plakat aussagen?

Unter dem Titel HSVPlus wurde 2014 ein Konzept für die seit langen Jahren angestrebte Ausgliederung der Fußballabteilung des HSV vorgestellt, salonfähig gemacht und letztendlich auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung auch von der Mehrheit der HSV-Mitglieder bewilligt. Der HSV lag in diesen Tagen bereits am Boden. Nach einer katastrophalen Saison, die man trotz gerade mal 27 Punkten und grausamer fußballerischer Darbietungen, durch zwei schmeichelhafte Unentschieden in der Relegation gerade so rettete, war der Stolz des Vereins und seiner Anhänger tief verletzt. Die gesamte Fußballnation fing an den HSV als Klassenclown des Fußball-Oberhauses anzusehen. Von HSVPlus versprach man sich viel. Neue finanzielle Möglichkeiten, eine Professionalisierung der Vereinsstrukturen und mehr Fachkompetenz in den entscheidenden Gremien. „Auf nach Europa!“ war der Slogan - „Mit HSVPlus wäre das nicht passiert“ der Tenor seiner Befürworter. Den Standpunkt Hamburg besser nutzen. Das Maximum aus den vorhandenen Ressourcen herausholen. Ein Plan, der soweit so gut klingt. Doch es gibt Gegner. Einige sogar. Dass der HSV seine Unabhängigkeit an einen Geldgeber abtrete, behaupten sie. Dass der Verein durch das Mitspracherecht der Fans das Herz seiner Identität verliere. Dass gerade diese Geisteshaltung den HSV erst in diese sportliche und wirtschaftliche Misslage gebracht habe. 

Doch woher kommen diese Stimmen?

Es sind die Personen, die zum damaligen Zeitpunkt den Verein vorder- und hintergründig führen. Im Präsidium und im Aufsichtsrat. Und auch in den Fanabteilungen, die wissen, durch HSVPlus massiv an Einfluss verlieren zu würden.

Damals stellt der „Supporters Club“, der größte Hamburger Fanklub, jeweils ein Mitglied des 12-köpfigen Aufsichtsrates. Auch die anderen Räte werden auf der jährlichen Mitgliederversammlung gewählt. Ein übliches Verfahren, das auf den ersten Blick demokratisch und vernünftig erscheint. Was sich auf diesen Versammlungen dann jedoch tatsächlich abspielt, ist an Abstrusität und Unprofessionalität kaum zu überbieten. Durch unzählige überlange Redebeiträge der Alteingesessenen wird die Veranstaltung künstlich derart in die Länge gezogen, dass den meisten Besuchern nach stundenlangem Sitzen irgendwann die Luft ausgeht und sie diese verlassen, bevor die Wahl begonnen hat. Übrig bleiben immer die gleichen Gesichter, die schlussendlich die Personen wählen, die ihre Interessen am meisten vertreten. Das Endprodukt ist ein Aufsichtsrat, in dem nicht, wie sonst üblich, Fachleute aus Sport und Finanzen sitzen, sondern Journalisten, Schauspieler und Ultras. Die dann die Geschicke des Vereins beaufsichtigen und leiten sollen. Ein Zustand, der jedem Laien katastrophal erscheinen sollte. Jedoch schaffen diese Leute es, durch Vermarktung des Feindbildes der Kommerzialisierung ihres Vereines, sich immer wieder im Sattel zu halten.

Allen voran stehen hier zwei Personen. Der erste von ihnen ist Jürgen Hunke, ein Hamburger Unternehmer, der zu Beginn der 90er Jahre Präsident des Vereins war und ihn durch, wohlwollend formuliert, unaufgeregte Jahre leitet. Unter dem Strich steht nach den großen Erfolgen der 80er, mit dem Gewinn von 3 deutschen Meisterschaften, dem DFB-Pokal und dem damaligen Europapokal der Landesmeister, eine Ära ohne Titel im Niemandsland der Liga. Er verliert seinen Posten, doch seinen Einfluss im Verein hat er sich, durch Klüngeleien und strategischer Diffamierungen seiner Gegner, immer beibehalten. Immer weder schafft er es die nötigen Stimmen zu generieren um in den Aufsichtsrat einzuziehen. Zu ihm gesellt sich Manfred Ertel, ein ehemaliger Journalist für den Spiegel. 2013 wird er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt. Der kurze Draht zu den Zeitungen ist schnell zu erkennen, in der Medienstadt Hamburg ein strategischer Vorteil. Aufmerksam auf sich macht er in seiner Amtszeit vor allem mit einem Post im Zuge des Steuerskandals um Uli Hoeneß. „FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeness zu JVA München.“ schrieb der selbst ernannte Verfechter Repräsentant der Tradition und Erfolge des Hamburger SV damals auf seiner Facebook-Seite. 

An vorderster Front kämpfen beide unter dem Deckmantel der Entfremdung von den Fans, gegen jeden, der versucht ihnen ihre Position und ihren Einfluss streitig zu machen.
Das große Gesicht dieses Feindbilds, das sie erfolgreich in die Köpfe zahlreicher HSV-Anhänger einpflanzen, ist Bernd Hoffmann. 

Bernd Hoffmann übernimmt 2003 das Amt des Vorstandsvorsitzenden des HSV. Er ist ein Mann der Wirtschaft ohne fußballerische Vergangenheit. Ein Ruf, der ihm oft negativ vorauseilt. Nach den mageren 90er Jahre, auch unter Hunkes Führung, ruft er bei seiner Wahl den Angriff auf Europas Spitze aus.
Das Stadion ist komplett modernisiert, die Kompetenz das Maximum aus dem Standort Hamburg heraus zu holen besitzt er. „In 5 Jahren unter die Top 20, in 10 Jahren unter die Top 10 Europas.“ ist seine berühmte damals vorgegebene Marschroute.

Ein Sprung in die Zukunft: Das Jahr 2010. Der HSV ist in den letzten Jahren ständiger Vertreter im internationalen Geschäft. Zwischenzeitlich mausert man sich sogar zum Bayern-Jäger, schafft es als erster Verein diese in der neuen Allianz-Arena zu schlagen. Zusammen mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer gestaltet er den Aufschwung. Er selbst leitet den Verein kompromisslos wie ein Unternehmen. Beiersdorer sorgt sowohl mit seinem guten Auge, als auch menschlicher Wärme, gepaart mit enormen Verhandlungsgeschick, dafür, außergewöhnliche Juwelen an die Elbe zu locken. Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Daniel van Buyten, Ivica Olic, Nigel de Jong, Jerome Boateng. Sie alle machen ihre ersten großen Schritte hin zu einer erfolgreichen Karriere während dieser Zeit beim HSV. Im April 2010 steht man im Europa-League Halbfinale. Das Finale findet kurze Zeit später im eigenen Stadion statt. Man ist zwei Spiele davon entfernt sich endlich wieder zumindest auf den kleinen Fußballthron Europas zu setzen. Und das zuhause. Gegner im Halbfinale ist der FC Fulham. Eine Hürde, dessen Überwindung auf dem Weg zum großen Ziel als Formsache erscheint.

Der lange ausgearbeitete Plan scheint aufzugehen. Doch das Konstrukt zeigt inzwischen Risse. Hoffmann und Beiersdorfer geraten vor der Saison in einen Machtkampf. Hoffmann hinterfragt Beiersdorfers Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit, die vermehrt auch teure Missverständnisse beinhalten. Beiersdorfer empfindet dies als Eindringen in seinen Kompetenzbereich. Es kommt zum Bruch. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich. Beiersdorfer muss noch vor Saisonbeginn seinen Hut nehmen. Es ist ein Riss im Erfolgskonstrukt, der eine nicht mehr aufzuhaltende Kettenreaktion auslöst. Hoffmann verpasst es, einen adäquaten Nachfolger zu präsentieren. Die Unruhe in der Führungsebene überträgt sich auch auf die Mannschaft. Der HSV unterliegt dem FC Fulham schließlich nach einem 0:0 und 1:2. Es wird der bis heute letzte internationale Auftritt der Hamburger sein.

Nun beginnt der Abwärtsstrudel. Hoffmann übernimmt sich und leitet die sportlichen Geschicke zunächst eigenverantwortlich. Aufgrund fehlender Alternativen wird letztlich nach zäher Suche der ehemalige HSV-Spieler und Neuling in diesem Bereich Bastian Reinhardt als neuer Sportchef installiert. Der sportliche Abstieg nimmt Formen an. Das internationale Geschäft wird verpasst. Mit einem Kader der finanziell auf die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben ausgelegt ist. Immer konzeptloser werden teure Notkäufe getätigt um die Minimalziele zu erreichen. Hoffmann wird nun der Status des Hamburger Sonnenkönigs angedichtet, der sich selbst überschätzt und als Alleinherrscher jede sportliche Kontinuität zunichte macht. Was unter den Teppich gekehrt wird, ist die Linie hinter Hoffmanns Handlungen. Er war es, der vor ihrer letzten gemeinsamen Saison Beiersdorfer den damals jungen Trainer Jürgen Klopp ans Herz gelegt hat. Dieser entschied sich jedoch für Martin Jol, der nach einer Saison bereits wieder das Weite suchte. Bis heute rechtfertigt sich Beiersfdorfer damit unter Jol die erfolgreichste Saison seit 20 Jahren gespielt zu haben. Mit Blick auf die Erfolgsgeschichte Klopps beim BVB wird deutlich wie schwer die Differenzen in dieser Frage wohl schon gewogen haben. In einem Interview kurz nach Beiersdorfers Demission erklärt Hoffmann, vor allem auch die nötige Entwicklung im Nachwuchs des HSV zu vermisst zu haben und äußert sich kritisch über die Transferausgaben von über 70 Millionen Euro der Jahre zuvor, von denen sich nur sehr wenige als Leistungsträger in der Mannschaft etablieren konnten. Er kritisiert genau die Punkte, für die er im Nachhinein verantwortlich gemacht wird. Doch seine Gegner bringen sich in Stellung. In Tenor der Medien ist er bereits als isolierter Mann an der Spitze etabliert worden und langsam kippt auch die Unterstützung innerhalb des Vereins, vor allem im Aufsichtsrat. Durch den ausbleibenden sportlichen Erfolg und den dadurch wachsenden finanziellen Herausforderungen bekommen die Revolutionäre immer mehr Rückenwind und die Stimmenverhältnisse auf den Mitgliederversammlungen wandeln sich zu ihren Gunsten. Der bereits anfangs erwähnte Ablauf im Vorfeld der Wahlen findet statt. Im Frühjahr 2012 ist es dann soweit. Die Hoffmann-Gegner um Jürgen Hunke haben die Mehrheit im Aufsichtsrat erlangt und seine Entlassung wird umgehend beschlossen.

Ab jetzt beginnt der sportliche Abwärtsstrudel ganz neue Fahrt aufzunehmen. Hoffmanns Gegner haben ihr Ziel erreicht und die Macht im Verein zurückgewonnen, ihre nun folgenden Entscheidungen verdeutlichen ihre sportliche Kompetenzlosigkeit jedoch auf ganzer Linie. Als neuer Vorstandschef wird Carl Edgar Jarchow vorgestellt. Ein Hamburger FDP-Politiker, dessen Qualifikationen für diesen Posten bis heute ungeklärt bleiben. Unter seiner Führung wird mit Michael Oenning ein Trainer installiert, der die Spielkultur der Mannschaft bis auf die Grundsteine erschüttert und bei jeder Möglichkeit betont, dass man eben nicht mehr Qualität habe und nicht zu viel erwarten sollte. Das letzte Überbleibsel aus der Hoffmann-Ära ist der neue Sportchef Frank Arnesen. Ein Mann, der einst Ronaldo und Ruud van Nistelrooy entdeckte und zum Durchbruch in Europa verhalf. Der auch der letzte in Hamburg war, der mit Spielern wie Hakan Calhanoglu, Gökhan Töre oder Rene Adler, Personal verpflichtete, das zu finanziellen Einnahmen verhalf oder dauerhaft die Mannschaft stärken konnte. Für den neuen Aufsichtsrat war er aufgrund seiner Verbindung zu Hoffmann natürlich nicht tragbar. So wurde auch ihm das Leben schwer gemacht, finanzielle Mittel verweigert, die ihm vorher versprochen wurden und ihm schließlich aufgrund der zwangsläufig stagnierenden sportlichen Entwicklung die Türen verschlossen und er musste seine Koffer packen. Das HSV Fanlager spaltet sich zu dieser Zeit in zwei Gruppen auf. Diejenigen, die froh waren mit Hoffmann die Wurzel allen Übels los zu sein, und diejenigen, die sahen, was sich dort wirklich abspielte. Das Konzept von HSVPlus trat ans Tageslicht.

Durch die Öffnung für Investoren sollte es finanziell wieder bergauf gehen und im Aufsichtsrat sollten zukünftig nur noch Experten aus den Teilbereichen der Wirtschaft, Sport und Marketing sitzen um den HSV wieder professionell aufzustellen. Es entwickelte sich eine Schlammschlacht zwischen den noch handelnden Personen und den Initiatoren von HSVPlus. Eine Auseinandersetzung, die sich wie gesagt bis in die Tiefen der Anhängerschaft mitzog. Es gab nur eine Seite auf der man stehen konnte. HSVPlus setze sich durch. Nun sollte wieder alles besser werden.
An der Spitze von HSVPlus steht ein alter Bekannter. Dietmar Beiersdorfer. In neuer Funktion als nun Vorstandsvorsitzender der neuen Fußball AG sollte er an alte Erfolgszeiten anknüpfen und den HSV zurück dorthin bringen wo man sich selbst sieht, die nationale Spitze. Die verantwortlichen Selbstdarsteller der Jahre zuvor schien man losgeworden zu sein. Dem neuen Aufbruch stand eigentlich nichts mehr im Wege. Doch warum ist der HSV vier Jahre später doch in der Zweiten Liga gestrandet?

Die Arbeit Beiersdorfers in seiner zweiten Amtszeit ist schwer eindeutig zu bewerten. Auf finanzieller und infrastruktueller Ebene sorgte er für sehr entscheidende Fortschritte. Das HSV Nachwuchszentrum wurde neu errichtet und mit Bernhard Peters wurde aus Hoffenheim ein Fachmann für diesen Bereich eingestellt. Die Früchte seiner Arbeit sind mittlerweile an Spielern wie Ito, Arp oder Steinmann zu erkennen. Den umstrittenen Investor Klaus-Michael Kühne vermochte er von einem überraschend risikobehafteten Investment zu überzeugen. Bis zu 30 Millionen Euro Darlehen sind aus seiner Tasche an den HSV geflossen. Um eine mögliche Abhängigkeit zu vermeiden, schaffte Beiersdorer es eine Klausel zu verankern, die dem HSV zusichert, das Geld nur im Erfolgsfall wieder zurückzahlen zu müssen. Hinzu kommt das Sponsoring des Hamburger Stadions, das nun wieder unter dem Namen Volksparkstadion läuft und für das der HSV von Kühne trotzdem mehr Geld erhält als von den bisherigen Namensgebern. Er erkennt die Zeichen der Zeit und zeigt Kreativität und Durchsetzungsvermögen bei der Umsetzung seiner Ideen.

Doch bei seiner Amtsübernahme 2014 ist die Hamburger Mannschaft ein Trümmerhaufen. Das Missmanagement hat sowohl im Gehaltsgefüge als auch in der Kaderzusammenstellung ein riesiges Ungleichgewicht hinterlassen. Mit den neuen finanziellen Möglichkeiten werden neue Spieler geholt, die der Mannschaft frischen Wind und neue Spielkultur einimpfen sollen. Doch kein Lasogga, Holtby oder Rückkehrer Van der Vaart schaffen es dem Spiel des HSV in den kommenden Jahren wirkliche Struktur zu verleihen. Den brachliegenden Kader von 2014 wieder zu reaktivieren entwickelt sich zu einer Sisyphus-Arbeit, die , begleitet von der nun ständig schwelenden Abstiegsangst, dazu führt, dass man es verpasst dem HSV ein, auf langfristigen Erfolg angelegtes, neues Gesicht zu verpassen. Und er macht Fehler. Obwohl man sowohl bei Mirko Slomka, als auch Bruno Labbadia, nach der jeweils spektakulären Rettung Zweifel hegte, dass sie die Mannschaft wirklich weiter entwickeln können, war man mehr oder weniger gezwungen sie aus Dankbarkeit im Amt zu halten, um sie schließlich im Laufe der kommenden Saison doch zu beurlauben. Trainerentlassung reiht sich an Trainerentlassung, Sportdirektor Peter Knäbel entmachtet sich durch die legendäre Rucksackaffäre und seiner eigenen Inthronisierung als Interimstrainer selbst und wird unhaltbar.

Beiersdorfer erkennt, dass ihm die Kontrolle über das Geschehen entgleitet. Peter Knäbel muss gehen und Beiersdorfer begeht den Fehler, der Bernd Hoffmann einst sein Amt gekostet hat, nun selbst und übt sowohl den Posten des Vorstandsvorstizenden als auch des Sportdirektors gleichermaßen aus. Seine Transfers sind keinesfalls Totalausfälle, jedoch hat es immer mehr den Anschein, als versuche er auf Gedeih und Verderb einen neuen Superstar a la Van der Vaart aus dem Ärmel zu zaubern. Teure Spieler wie Olympiasieger Walace oder Douglas Santos, die beide über beachtliche fußballerische Fähigkeiten verfügen, sich mit dem Bundesliga-Absteigskampf jedoch nur schwer arrangieren können, sind zwei sehr prägnante Beispiele. Es kommt, wie es kommen muss.
Die treibende Kraft im Aufsichtsrat ist mittlerweile Jens Meier. Auch ein Vertreter der alten HSV-Riege um Jürgen Hunke. Er schafft es die Stimmung im gesamten Aufsichtsrat gegen Beiersdorfer zu kippen und im Winter 2017 wird er schließlich entlassen. Die Geschichte wiederholt sich nun. Beiersdorfer als Vertreter des Kapitalismus, der den HSV zugrunde gerichtet hat und sich an Klaus-Michael Kühne verkauft hat wird aus reinem Aktionismus beurlaubt. Einen wirklich nachhaltigen Plan in der Hinterhand hat man dabei nicht.

Heribert Bruchhagen, der nach seinem Ende bei Eintracht Frankfurt eigentlich seinen Rückzug aus dem Profifußball verkündet hat, wird plötzlich Vorstandsvorsitzender. Jens Todt vom Karlsruher SC wird neuer Sportvorstand. Das einzige was von der Idee HSV Plus zu diesem Zeitpunkt noch übrig ist, ist der Name. Über die Arbeit des Duos Bruchhagen/Todt ist es schwer etwas wirklich konstruktives zu sagen. Bruchhagen verweigert die Zusammenarbeit mit Kühne und Todts Transfers beruhen wie im Fall Andre Hahn mehr auf persönlichen Beziehungen zu einzelnen Spielerberatern als auf einer fußballerischen Vision. Unter dem Strich muss man sagen, dass sie nach den turbulenten Vorjahren den Abstieg des HSV nur noch verwalten und zu Ende bringen. In der Winterpause dieses Jahres wird der Kader trotz alarmierender Leistungen, im Gegensatz zu Konkurrenten wie dem VFB Stuttgart unverändert gelassen um den Austausch mit Geldgebern zu vermeiden. Bereits im Herbst soll Bruchhagen auch die frühzeitige Beförderung von Christian Titz zum Cheftrainer abgelehnt haben. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Nach 54 Jahren 261 Tagen 0 Stunden und 36 Minuten ist es soweit. Das letzte Bundesliga-Urgestein ist abgestiegen. Ein Produkt vieler handelnder Personen.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Sündenböcke leicht auszumachen.
Klaus-Michael Kühne, der sich alle paar Monate mit einem Rundumschlag per Interview in die Geschehnisse einmischt. Er wird als unfähiger Investor stilisiert, der blind seine Millionen in den Verein pumpt und dann noch für Unruhe sorgt, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt. Über Kühnes sportliche Fachkompetenz ist bei einigen seiner Aussagen wohl wirklich zu streiten, wer jedoch sollte es ihm, bei genauerer Betrachtung der Konditionen, zu denen er dem HSV unter die Arme greift, verübeln, dass das Gemüt mit ihm, bei den mittlerweile verbrannten Millionen seines Privatvermögens, durchgeht.
Auch die großen Figuren wie Beiersdorfer und Hoffmann haben Fehler gemacht. Ganz entscheidende, die ihnen im Nachhinein ihren Job gekostet haben. Ihnen wird ebenfalls Unvermögen über die Führung des Vereins vorgeworfen. Doch Fehler in der sportlichen Führungsebene, von Fehleinkäufen bis zu persönlichen Fehltritten, gibt es bei jedem anderen Verein auch. Egal ob es der SC Freiburg oder der FC Bayern ist. 

n Hamburg jedoch schaffen es im vergangenen Jahrzehnt immer wieder mit Hunke und Ertel Personen im Hintergrund, von der Öffentlichkeit unbeobachtet, die Arbeit der Verantwortlichen, die mit Sicherheit nicht perfekt war, jedoch immer auch sehr entscheidende Früchte getragen hat, aus persönlichen Eitelkeiten und Machtstreben zu torpedieren und diskreditieren. Durch ihren Einfluss auf die Hamburger Presselandschaft, sind diese Schattenmänner eine nicht auszumerzende Gefahrenquelle. Ein genauerer Blick auf die Darstellungsweise von Hoffmann und Beiersdorfer auch in den großen deutschen Zeitungen, lässt eine erschreckende Einseitigkeit und Negativität erkennen. Die sportliche Inkonstanz die den beiden vorgeworfen wird ist jedoch vor allem durch diese immer wieder kehrenden Störfeuer begründet. Der Kampf gegen die sportliche Erfolgslosigkeit ist in Hamburg, trotz der derzeitigen Schieflage, noch immer zu gewinnen. Solange man jedoch auch gegen die Feinde im eigenen Verein kämpfen muss, wird nach jedem Aufschwung immer wieder der Absturz kommen. Gerade deshalb ist die Szene nach dem letzten Spiel im Volksparkstadion so symbolisch. Der Großteil der Hamburger erkennt die Zeichen der Zeit und ist gewillt vom Image der vergangenen Jahre, das von überzogenen Gehältern, internen Schlammschlachten und grausamem Fußball geprägt war, wegzukommen. Doch noch immer gibt es einen kleinen Teil unter ihnen, der aufgrund seines eigenen Geltungsdrang, das Bild des HSV in der gesamten Nation negativ prägt und die interne Arbeit immer wieder bremst und zunichte macht.

Seit dem Frühjahr ist Bernd Hoffmann wieder zurück beim HSV. Er hat die alten Zöpfe um Bruchhagen und Todt in der sportlichen Leitung abgeschnitten und stellt den Verein an den entscheidenden Posten sportlich wieder neu auf. Trotz des nicht mehr zu vermeiden gewesenen Abstiegs, scheint die Entwicklung dabei unter Trainer Christian Titz mit seinem neuen System zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich nach oben zu zeigen. Doch es zeichnen sich bereits neuer Gewitterwolken in der Ferne am Himmel ab. In den kommenden Wochen werden wir deshalb einen Ausblick in die Zukunft des HSV wagen, wie es sowohl sportlich mit der Mannschaft, als auch auf der Führungsebene weiter gehen könnte und ob man es schafft die alten Machenschaften hinter sich zu lassen und endlich wieder nur aufgrund von Erfolgen in die Schlagzeilen zu geraten.




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