Quo vadis, HSV - Ehrenrunde oder Absturz? Teil 2

Nach der Defensive beim letzten Mal, widmen wir uns in diesem Teil nun den alten und neuen Mittelfeldspielern des HSV:

Wer geht?

Albin Ekdal: Der Schwede ist mit Sicherheit ein zentraler Mittelfeldspieler, der, wenn er in Form ist, vielen Bundesligisten weiterhelfen würde. Leider konnte er dies, aufgrund immer wiederkehrender Verletzungspausen, nur viel zu selten auch auf dem Spielfeld zeigen. Er hat offen kommuniziert, dass er eher zu einem Wechsel tendiert und auch die Verantwortlichen scheinen ihm dabei keine Steine in den Weg zu legen, da er es nie so richtig geschafft hat in Hamburg anzukommen. Durch seine ansprechenden Auftritte bei der WM werden sicherlich einige Vereine auf ihn aufmerksam geworden sein und es wird mitunter noch eine kleinere Ablösesumme dabei herausspringen.

Sejad Salihoviic: Er kam in der Winterpause und wurde damals von Sportchef Jens Todt verpflichtet, um im Abstiegskampf eine erfahrene Kraft dazuzubekommen, die das Offensivspiel und den Konkurrenzkampf beleben soll. Wirklich auszeichnen konnte er sich dabei nicht. Sein Vertrag läuft aus und wird auch nicht verlängert.

Walace: Als amtierender Olympiasieger wurde der Brasilianer im Winter 2017 für 9,2 Millionen von Gremio Porto Alegre verpflichtet und sollte das fehlende Puzzleteil für das zentrale Mittelfeld werden. Seine spielerischen Qualitäten und Stärken im Zweikampf hat er immer wieder angedeutet, jedoch schien er sich auf das Abenteuer Abstiegskampf nicht richtig einlassen zu können. Auch die Distanz zu seiner Familie schien Probleme zu bereiten. Dauerhaft in die Mannschaft spielen konnte er sich somit nie wirklich. Nachdem Christian Titz ihn in die Innenverteidigung stellen wollte kam es zum Bruch. Walace beharrte auf seine Position im Mittelfeld und Titz blieb nichts anderes übrig als hart zu bleiben und ihn aus der ersten Mannschaft zu verbannen. Leider konnte der Verein sein fußballerisches, aber auch marktwertliches Potential nicht ausnutzen. Walace wechselt nun für immerhin noch 6 Millionen Euro zu Hannover 96 und wird dort einen neuen Anlauf in der Bundesliga wagen.

Wer bleibt?

Matti Steinmann: Er war der Shootingstar unter Christian Titz in den ersten Wochen. Nachdem er es in den Jahren zuvor nicht geschafft hatte in der ersten Mannschaft Fuß zu fassen und auch Leihen zu unterklassigen Vereinen nicht den erhofften Erfolg herbeigeführt hatten, schien sich seine Profikarriere schon auf dem Abstellgleis zu befinden. Titz beförderte ihn als eine seiner ersten Amtshandlungen zu den Profis und Steinmann fand sich direkt in der Startaufstellung wieder. Mit überraschend starken Auftritten erspielte er sich als Eigengewächs direkt die Sympathie der eigenen Fans. Mit seiner Leichtigkeit und Ballsicherheit war er der entscheidende Schlüssel für die Umsetzung von Titz' System und Ideen. Zwar wird er auf seiner Positionen mit neuen Konkurrenten konfrontiert werden, jedoch ist er nach den letzten Wochen der vergangenen Saison einer der Hoffnungsträger für die Zukunft.

Lewis Holtby: Mit einem großen Namen und ebenso großen Erwartungen an ihn, kam Lewis Holtby vor mittlerweile 4 Jahren nach Hamburg. Die Leistungen, die ihn in Mainz und auf Schalke zum Nationalspieler machten, konnte er dabei nur selten abrufen. Was man ihm jedoch nie vorwerfen konnte, war, dass er nicht für den Erfolg des HSV kämpfen würde. Immer wieder war er an der Spitze der gelaufenen Kilometer in einem Spiel zu finden, auch wenn er spielerisch dabei nicht immer zu überzeugen wusste. Trotz seines immensen Einsatzes fand er sich zwischenzeitlich sogar auf der Tribüne wieder. Sein hohes Gehalt und die Erwartungshaltung an ihm, haben es ihm in Hamburg oft nicht leicht gemacht. Unter Christian Titz blühte auch er wieder auf. Mit einigen sehr wichtigen Toren hat einen großen Teil zur beinahe erfolgten Rettung beigetragen. Sein Vertrag lief im Sommer aus, jedoch haben die Verantwortlichen es geschafft ihn zu einer Verlängerung zu deutlich verringerten Bezügen zu überreden. Von mittlerweile nur noch knapp einer Million Euro ist hierbei die Rede. Er scheint sich mit dem HSV sehr zu identifizieren und im Verein wohlzufühlen. Kann er seine zuletzt gezeigten Leistungen aufrecht erhalten, wird er ein entscheidender Faktor im Rennen um den Aufstieg sein.

Aaron Hunt: Für Hunt galt über weite Strecken dasselbe wie für Holtby. Als ehemaliger Bremer hatte er in schlechten Zeiten meist einen sehr schweren Stand bei den Fans und wurde häufig zum Sündenbock gemacht. Lethargie, mangelnder Einsatz und fehlendes Tempo wurden ihm dabei oft vorgeworfen. Doch auch er stabilisierte sich zu Ende der vergangenen Saison und ließ dabei sein spielerisches Können immer öfter aufblitzen, unvergessen bleibt dabei sein Weitschusstor gegen Schalke am 29. Spieltag, der die Hamburger Aufholjagd erst so richtig einläutete. Auch sein Vertrag lief aus, den er ebenfalls zu geringeren Bezügen verlängerte. Er ist an guten Tagen in der Lage sowohl den entscheidenden Pass zu spielen, als auch selbst torgefährlich zu werden. Qualitäten die vor allem gegen die vielen tief stehenden Gegner wichtig sein werden. Schießt er den HSV zurück ins Oberhaus, werden ihm wohl auch die letzten Hamburger seine Bremer Vergangenheit verziehen haben.

Wer kommt?

Christoph Moritz: Ähnlich wie Lewis Holtby kennt Moritz Trainer Titz persönlich schon seit längerem, da er für ihn in der Vergangenheit als Privattrainer tätig war und daher auch als sein Wunschspieler galt. Er kommt ablösefrei vom 1.FC Kaiserlautern und bekleidet im zentralen Mittelfeld eine ähnliche Position wie Matti Steinmann. In den Testspielen fand er sich bereits öfter in der Startformation wieder und übernahm dabei sogar zeitweise das Kapitänsamt, woran das große Vertrauen, das Titz in ihn steckt, deutlich zu erkennen ist. Seine Verletzungshistorie ließ seine Karriere leider stocken, bleibt er von Blessuren weitestgehend verschont kann auch er ein wichtiger Baustein der Mannschaft werden.

Khaled Narey: Narey wurde für knapp 2 Millionen Euro von Greuther Fürth verpflichtet und ist ein Spieler, der vor allem auf der rechten Außenbahn beheimatet ist. Sportchef Ralf Becker sieht ihn sowohl als Alternative für die Offensive als auch Defensive. In der vergangenen Saison konnte er mit 6 Treffern und 1 Assist auf sich aufmerksam machen. Narey gilt als schneller und technisch versierter Spieler, in den bisherigen Testspielen wusste er ebenfalls zu überzeugen. Es bleibt abzuwarten, ob er sich letztendlich auf der rechten Verteidiger Position wiederfindet oder den abgewanderten Nicolai Müller in der Offensive ersetzen wird. Das Potential für beide Aufgaben sind bei ihm wohl vorhanden.

Sonstige:

Mit Moritz-Borni Kwarteng und Aaron Opoku stoßen 2 Nachwuchspieler für das offensive Mittelfeld zur Mannschaft. Vor allem Opoku wird der Schritt in die engere Auswahl des Kaders bereits zugetraut, jedoch ist wie bei den meisten jungen Spielern abzuwarten ob sie ihr Potential dauerhaft im Profigeschehen abrufen können.

Nach dem Mittelfeld wird im nächsten Beitrag mit dem Sturm der Teil der Mannschaft behandelt, bei dem sich derzeit die größten und am meisten diskutiertesten Veränderungen abspielen.

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