Vor 25 Jahren fiel das Phantomtor von Thomas Helmer

Vor 25 Jahren fiel das Phantomtor von Thomas Helmer

Thomas Helmer hat in seiner Karriere viel erlebt. Der 54-Jährige, der seit 2015 den Doppelpass bei Sport 1 moderiert, hat über 380 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund und die Bayern bestritten. Mit dem BVB gewann er 1989 den DFB-Pokal, im Trikot der Münchener wurde er dreimal Deutscher Meister. Helmer war auch von 1990 bis 1998 Nationalspieler. Mit dem DFB-Team holte er 1996 den EM-Titel.

Doch Thomas Helmer, das gibt er selbst zu, wird bis heute auf eine Spielszene seiner Karriere reduziert. Das berühmt-berüchtigte Phantomtor, welches er am 23. April 1994 erzielte, hat Bundesligageschichte geschrieben.

Morddrohungen gegen den Schiedsrichter

Es hatte etwas von Slapstick, als die 23. Spielminute im Münchener Olympiastadion lief. Nach einer Ecke stand Thomas Helmer nur wenige Zentimeter vor dem Nürnberger Tor, doch mit einer ungeschickten Hackenbewegung bugsierte er den Ball am rechten Pfosten vorbei. Der damalige Nürnberger Keeper und heutige Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft Andreas Köpke, und auch die Spieler der Bayern, wollten gerade das Spiel fortsetzen, als Linienrichter Jörg Jablonski zum Erstaunen aller Beteiligten auf Tor entschied. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers vertraute seinem Assistenten und es stand 1:0 für die Münchener.

Auch Jahre danach steht Aussage gegen Aussage. Hans-Joachim Osmers schwört, dass er Thomas Helmer gefragt hat, ob der Ball im Tor war. Dieser hätte die Frage bejaht. Helmer wiederum behauptet, dass Osmers längst auf dem Weg zur Mittellinie war und er hätte in dem Moment wirklich geglaubt, dass der Ball hinter der Linie war, weil er kurzzeitig mit dem Rücken zum Tor stand und danach Andreas Köpke hinter der Torlinie lag.

Die Partie endete schließlich 2:1 für die Bayern, doch die Aufregung war groß, da die Fernsehbilder eindeutig bewiesen, dass Helmer kein Tor erzielt hatte. Auch damals ging es schon um sehr viel. Die Münchener kämpften im Fernduell mit Kaiserslautern um die Deutsche Meisterschaft und die lukrative Teilnahme an der Champions League. Die Nürnberger wiederum befanden sich mitten im Abstiegskampf und ein Punkt in München hätte am 32. Spieltag fast zum Klassenerhalt gereicht. Dementsprechend kochten die Emotionen hoch, obwohl es damals noch keine sozialen Netzwerke gab. Schiedsrichter Osmers erhielt sogar Morddrohungen und die Polizei musste vor seinem Haus Streife fahren.

Das DFB-Sportgericht entschied schließlich, dass die Begegnung wiederholt wird. Doch das Wiederholungsspiel gewannen die Bayern 5:0, was die Sache für Nürnberg nur noch schlimmer machte. Die Franken stiegen am Ende tatsächlich ab. Die Bayern wiederum wurden Deutscher Meister.

Fragen zum Phantomtor im Doppelpass nicht erlaubt 

Auch Jahre später erhielten im Großraum Bremen Leute mit dem Namen Osmers Drohanrufe, so zum Beispiel Landwirte und Ärzte.

Schiedsrichter Osmers, der damals in der Hansestadt lebte, arbeitete später für den Sportvermarkter Infront. Ein Foto mit dem Phantomtor hängt heute in seinem Hobbykeller. Jörg Jablonski, der an diesem 23. April 1994 auf Tor entschied, beendete 1996 entnervt seine Schiedsrichterlaufbahn. Das Phantomtor hatte ihn immer wieder eingeholt.

Auch Thomas Helmer wird immer wieder auf die Ereignisse von damals angesprochen. Gerne redet er jedoch nicht darüber. Gästen im Doppelpass wird sogar von der Redaktion gesagt, dass sie dieses Thema möglichst vermeiden sollen. Das gab Manni Schwabl, Beteiligter des Spiels zwischen den Bayern und Nürnberg, kürzlich zu Protokoll.

2013 erzielte Stefan Kießling ebenfalls ein Phantomtor. Die Aufregung war genauso groß wie bei Helmers Nichttor. Wenn nicht sogar größer, weil es inzwischen Facebook, Twitter und Co. gab.

Dass sich so etwas wiederholt, ist fast auszuschließen, da es heute die Torlinientechnik gibt. Diese hätte damals allen Beteiligten viel Aufregung erspart.

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