Was macht eigentlich Lucio?

Was macht eigentlich Lucio?

Er war eine echte Abwehr-Legende, Weltmeister und Champions-League-Sieger. Lucio, bürgerlich Lucimar da Silva Ferreira, begeisterte in den 2000ern die Fußballwelt. Hierzulande war Lucio, der bei Bayer Leverkusen und dem FC Bayern unter Vertrag stand, vor allen Dingen durch seine Sturmläufe in die gegnerische Abwehr bekannt. Doch was macht Lucio heute? (Foto: IMAGO / MIS)

Zur Jahrtausendwende holte der damalige Leverkusener Manager Reiner Calmund zahlreiche Talente aus Brasilien in die Bundesliga. Ze Roberto oder Roque Junior sind nur zwei Beispiele. Im Januar 2001 stellte „Calli“ seinen neusten Brasilien-Export vor:

„Das ist ein Killer. Der tritt Eisenbahnschienen durch.“

Tatsächlich wirkte der damals 22-Jährige martialisch und er sollte gegnerischen Spielern wirklich das Fürchten lehren. Mit einem exzellent besetzten Bayer-Team um Michael Ballack war Lucio auch erfolgreich. Leider reichte es 2002 für ihn und Leverkusen nur zu drei zweiten Plätzen in Meisterschaft, Pokal und Champions League. Entschädigt wurde Lucio hingegen in diesem Jahr durch den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft mit der brasilianischen Nationalmannschaft, für die er insgesamt 105 Länderspiele bestritt.

2004 folgte der Ruf aus München. Mit dem FC Bayern gewann er in der Folgezeit drei deutsche Meisterschaften. Ehrfurchtsvoll nannten ihn seine Mitspieler alsbald „Tier“, für seinen vorbildlichen Einsatzwillen und seine Kampfkraft. Mit dem Argentinier Martin Demichelis bildete Lucio schließlich in der Meistersaison 2007/08 ein zuverlässiges Innverteidigerduo, welches in dieser Spielzeit lediglich 21 Gegentore kassierte, was damals ein neuer Bundesligarekord war.

2009 kam dann aber Louis van Gaal an die Isar und der Holländer machte gleich zu Beginn seiner Amtszeit klar, dass er nicht auf Lucio baut und sich dieser einen neuen Verein suchen könne. Lucio zeigte sich tiefenttäuscht:

„Ich habe mich gefragt: Warum muss ich gehen? Warum muss ich Bayern verlassen? Ich war sehr glücklich, hatte da mein Haus, meine Familie, meine Kinder. Alles war so schön. Ich glaube, ich wäre niemals vom FC Bayern weggegangen.“

Jose Mourinho, der damalige Trainer von Inter Mailand, griff dankbar zu und schnappte sich den Weltklasse-Verteidiger. Mit Lucio als Abwehrchef feierten die Mailänder in der Saison 2009/10 das Triple, mit dem Gewinn der Champions League im Finale gegen seinen Ex-Club. Revanchefühle kamen bei Lucio aber nicht auf, eher Freude, dass ihn die Bayernfans nach dem Spiel feierten.

Lucio war mit 32 Jahren am Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Nach einem glücklosen Engagement bei Juventus Turin ging es 2013 zurück in die brasilianische Heimat, wo er für den FC Sao Paolo und Palmeiras spielte. In der Saison 2015/16 gab es ein kurzes Gastspiel beim FC Goa in der indischen Liga, bevor Stationen beim SE Gama und bei Brasiliense, einem brasilianischen Viertligisten folgten. Im Januar 2020 gab Lucio schließlich mit 41 Jahren sein Karriereende bekannt.

Glücklicher Familienvater, tiefer Glauben und FCB Legends

In Brasilien ist der Weltmeister von 2002 natürlich ein Idol. Hin und wieder wird der Ex-Abwehrspieler nach seiner Meinung zum aktuellen Fußballgeschehen gefragt, auch weil er, wie seine damaligen Teamkollegen Ronaldo, Rivaldo, Roberto Carlos oder Ronaldinho den letzten WM-Titel für Brasilien holten.

Doch die große Bühne brauchte Lucio noch nie. Eher sind ihm seine Familie und seine Liebe zu Jesus wichtig.

So ist es eher unwahrscheinlich, dass Lucio in den Profifußball zurückkehrt. Als Trainer oder Manager etwa. Auch weil der Brasilianer in seiner Karriere hervorragend verdient und finanziell ausgesorgt hat.

Dennoch hat er schon an Partien der FC Bayern Legends teilgenommen. Zum Beispiel bei einer Südamerikatournee 2019/20.

So konnte er mit Spielern wie Giovane Elber, Jörg Butt, Ivica Olic oder Martin Demichelis Fans des deutschen Rekordmeisters erfreuen. In München denkt man ohnehin gerne an Lucio zurück, auch weil er trotz seiner spielerischen Klasse immer bescheiden und auf dem Boden geblieben ist.

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