Wichtige Standortbestimmung oder Muster ohne Wert?

Knapp zehn Monate hat die deutsche Nationalmannschaft kein Spiel mehr bestritten. Die letzte Partie fand Mitte November gegen Nordirland statt. Seitdem befand sich vor allen Dingen Bundestrainer Joachim Löw im Wartestand, auch weil die EURO 2020 ausgefallen war.

Nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft 2018 sollte die EM als wichtige Standortbestimmung dienen und zeigen, ob das DFB-Team noch zur Weltspitze gehört.

Diese wichtige Frage, sie hätte auch über die Zukunft von Joachim Löw als Bundestrainer entschieden, wurde nun um ein Jahr verschoben, weil ab Juni 2021 die EURO nachgeholt werden soll.

So bleibt dem Weltmeistertrainer von 2014 mehr Zeit, um den Umbruch weiter voranzutreiben.

Dazu soll auch die Nations League dienen, die bis Ende des Jahres ausgetragen wird. Bei der ersten Auflage dieses neuen Turnieres blamierte sich „Die Mannschaft“ und wurde hinter den Niederlanden und Frankreich Gruppenletzter. Eigentlich hätte das den Abstieg in die Gruppe B bedeutet, doch die UEFA überarbeitete den Modus der Europa League und so darf das Löw-Team weiter in der erstklassigen Gruppe A spielen.

Hier trifft man nun auf Spanien, die Schweiz und die Ukraine. Sicherlich würde ein erneut schlechtes Abschneiden Joachim Löw nicht den Job kosten. Schließlich ist alles auf die Europameisterschaft ausgerichtet, doch gute Ergebnisse in der Europa League würden Ruhe in das Umfeld der deutschen Nationalmannschaft bringen.

Doch sicherlich geht es vor allen Dingen darum, ein schlagkräftiges Team für die Zukunft zu formen.

Der Umbruch ist in vollem Gange

Von den Weltmeistern sind inzwischen nur noch Manuel Neuer und Toni Kroos dabei. Langjährige Stützen wie Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels wurden vom Bundestrainer aussortiert, was zwar aufgrund der zuletzt gezeigten Leistungen des Trios eine äußerst diskutable Entscheidung ist, doch im Vordergrund steht, dass in der Nationalmannschaft eine neue Hierarchie aufgebaut wird.

Und hier ist das DFB-Team auf einem guten Weg. Neue und hungrige Spieler, die sehr talentiert sind, drängen immer mehr in den Vordergrund. Dabei bilden die Champions-League-Sieger Joshua Kimmich (25), Serge Gnabry (25), Niklas Süle (24) und Leon Goretzka (25) eine schlagkräftige Achse, die nun weiß wie man ein Endspiel gewinnt.

Dazu kommen Spieler, die sehr viel Potential haben. Kai Havertz (21), Leroy Sané (24) und Timo Werner (24) sind hier besonders zu nennen.

Doch gegen Spanien (Donnerstag 20.45 Uhr) und die Schweiz (Sonntag 20.45 Uhr) werden viele Spieler aus diesem Kreis nicht dabei sein. Hinzu kommt, dass alle Spieler einen unterschiedlichen Vorbereitungsstand haben. Das trifft aber auch auf die Iberer und die Eidgenossen zu.

So ist das Abschneiden in der Nations League dann wohl doch ein Muster ohne Wert. Vielmehr geht es darum, Spielsysteme einzustudieren und als Team und Gruppe zu funktionieren.

Bundestrainer Joachim Löw verzichtet vorerst auf Experimente. So hat der 60-Jährige für die beiden Partien mit Robin Gosens, Oliver Baumann und Florian Neuhaus lediglich drei Neulinge berufen.

Auf die Nationalspieler wartet bis Jahresende ein Mammutprogramm. Die Hinserie in den nationalen Ligen und in der Champions League und Europa League ist zu absolvieren. Hinzu kommen noch jeweils drei Länderspieltermine im Oktober und November.

Doch erst einmal gilt es, einen guten Start in die Nations League zu schaffen. Gegen Spanien ist das DFB-Team bei den Wettanbietern leichter Favorit. Interwetten vergibt auf einen Erfolg gegen den Weltmeister von 2010 eine Quote von 2,45. Spaniens Chancen werden mit einer Quote von 2,90 taxiert. Ein Unentschieden brächte eine Quote von 3,20.

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