Lasse Eickel steht am Beginn einer Profikarriere, die sich beim gerade aufgestiegenen SC Paderborn in der 1. Bundesliga konkretisieren soll. Der Mittelstürmer aus dem Sauerland gilt im Verein als großes Stürmertalent. Noch ohne Pflichtspieleinsatz für die erste Mannschaft, wurde er fest in den Profikader integriert – doch besitzt Eickel wirklich schon das Potenzial für die 1. Bundesliga? (Bild: IMAGO / DeFodi Images)
Vom Sauerland in die Nullsieben-Akademie
Eickels fußballerische Wurzeln liegen beim FC Iserlohn, bevor er 2022 als U15-Spieler zum SC Paderborn wechselte. Seitdem durchlief er die Jahrgänge der Akademie konsequent und entwickelte sich zum torgefährlichsten Stürmer seines Alters. In der U17-Nachwuchsliga erzielte er 14 Tore in 24 Spielen, für die U19 kamen in der Saison 2025/26 rund 14 Treffer in 16 Partien der DFB-Nachwuchsliga hinzu, dazu ein Tor im Junioren-Pokal. Parallel sammelte er erste Erfahrungen im Männerfußball: Für die Regionalliga-Mannschaft des SCP kam er auf etwa elf Einsätze mit zwei Toren und einer Vorlage.
Der Sprung zur Nationalmannschaft folgte rasch. Bei der U17-Weltmeisterschaft 2025 in Katar gehörte Eickel zum Kader, nachdem er kurzfristig aus verletzungsbedingten Gründen nachgerückt war. Im Vorbereitungsspiel gegen Kanada traf er nach seiner Einwechslung platziert aus 14 Metern zum 2:0, gegen El Salvador erzielte er als Joker das 6:0 und wurde damit der erste Paderborner Spieler, der bei einer Junioren-WM für den DFB traf.
Insgesamt stehen für die U17 fünf Länderspiele und zwei Tore zu Buche, für die U19 kamen drei Kurzeinsätze in der EM-Qualifikation hinzu. Seit April 2026 bindet ihn ein Lizenzspielervertrag bis 2031. Sportchef Sebastian Lange betonte:
„Lasse hat sich bei uns hervorragend entwickelt. Er steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“
Lasse Eickel (18) (SC Paderborn) -> contrat pro pic.twitter.com/rbNL12i0NY
— 🇲🇫⚽ (@blazers_on_fire) April 15, 2026
Spielerprofil - Ein Stürmer mit Körper und Instinkt
Eickels größte Stärke liegt im Strafraum und in der Art, wie er dort Gefahr erzeugt. Er ist kein dribbelnder Flügelstürmer, der Räume erst erschafft, sondern ein Mittelstürmer, der Räume besetzt und Abschlüsse sucht. Mit 1,87 Metern und bereits gut entwickelter Physis bringt er die Grundvoraussetzungen eines Zielspielers mit.
Bei der U17-WM wurde er genau in dieser Rolle eingesetzt: Die Mitspieler suchten ihn gezielt, er holte Ecken heraus und stieg in übersichtlichen Situationen zum Kopfball hoch. Gegen Kolumbien touchierte ein solcher Kopfball den Pfosten, gegen Gladbachs U19 zwang er den Torhüter in der Nachspielzeit zu einer Parade. Das Kopfballspiel ist noch kein fertiges Alleinstellungsmerkmal, aber die Timing-Qualität und die Bereitschaft, den zweiten Pfosten und den Fünfmeterraum anzulaufen, sind klar erkennbar.
Noch klarer zeigt sich seine Abschlussqualität. Eickel trifft nicht nur aus kurzer Distanz, sondern variiert die Art des Schusses. Gegen Kanada schob er den Ball aus etwa 14 Metern frontal vor dem Tor platziert links unten ins Eck, eine ruhige, fast unaufgeregte Bewegung. Gegen El Salvador traf er nach Ballgewinn von halbrechts sicher mit rechts.
Im Halbfinale der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft gegen den 1. FC Köln zeigte er eine andere Facette: Nach einem langen Schlag des eigenen Torhüters landete der Ball über Umwege vor seinen Füßen, und Eickel feuerte aus rund 20 Metern perfekt ins linke Eck. Das war kein Zufallstreffer eines Jugendspielers, der einfach draufhält, sondern ein platzierter Distanzschuss in einer Verlängerung, in der jede Ungenauigkeit das Spiel hätte kippen können.
Dazu kommt ein Gespür für den richtigen Moment. Gegen El Salvador brauchte er nach seiner Einwechslung drei Minuten, um zu treffen. Gegen Köln war er in der Verlängerung der erste, der eine unübersichtliche Szene in ein Tor verwandelte. Das deutet auf eine Stürmermentalität hin, die über reines Laufen hinausgeht: Er bleibt im Spiel, auch wenn er lange nur Joker war, und positioniert sich so, dass der Ball ihn findet.
Körperlich auch gegen den Ball
Vor allem, geht er dahin, wo es wehtut – also in den engen Raum zwischen Innenverteidigern und Torhüter, statt am Strafraumrand auf den perfekten Pass zu warten. Körperlich steht er den älteren Jahrgängen schon jetzt wenig nach, was Trainer Ralf Kettemann ausdrücklich betont hat. Das ist für einen 18-Jährigen keine Selbstverständlichkeit.
Körperlichkeit im Zweikampf, das Festmachen von hohen Bällen und das Behaupten der Position gegen schiebende Innenverteidiger sind deshalb Stärken, auf denen Paderborn aufbauen kann. In der Bundesliga wird genau das der erste Filter sein: Ob er Flanken und Steilpässe nicht nur erreicht, sondern auch so bindet, dass Mitspieler nachstoßen können.
Trotz seiner großen Statur sind seine Pressingstärke, seine Explosivität und sein Antritt auf einem beeindruckenden Niveau. Vor allem bei hohem Pressing im vorderen Bereich sind der intensive Druck und der körperliche Kontakt, den er auf die Verteidiger ausübt, von einer Qualität, die den Spielaufbau des Gegners stören kann. Seine Spielfreude, seine Kampfkraft und sein Tempo sind erstklassig.
Sportchef Sebastian Lange sagte zur Beförderung in den Profikader:
„Wir werden Lasse Eickel fest in den Profikader integrieren. Er hat sich bei uns hervorragend entwickelt und steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“
Die Entwicklungsfelder
Schwächen ergeben sich vor allem aus dem Altersunterschied und der noch geringen Erfahrung gegen erwachsene Gegner. In der Regionalliga blieb die Ausbeute mit zwei Toren überschaubar, was darauf hindeutet, dass Tempo, Zweikampfführung und das Spiel mit dem Rücken zum Tor gegen körperlich reife Verteidiger noch Entwicklung brauchen.
Als Einwechselspieler bei der WM kam er oft erst in der Schlussphase und musste sich in begrenzter Zeit beweisen. Link-up-Spiel, Pressingverhalten und die Konstanz über 90 Minuten gegen Bundesliga-Niveau sind Bereiche, in denen er sich in den kommenden Monaten beweisen muss. Kettemann formuliert den Anspruch realistisch: Es wäre der Wunsch, dass Eickel in den nächsten Jahren irgendwann Stürmer Nummer eins werde, man lasse ihm aber zunächst Zeit.
Fußballfamilie und Sauerländer Bodenständigkeit
Der private Hintergrund erklärt viel von Eickels Mentalität. Sein Vater Sascha Eickel ist ein erfahrener Nachwuchstrainer, der selbst die U19 des SC Paderborn betreute, später bei Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig arbeitete und heute sportlicher Leiter der U23 von Borussia Mönchengladbach ist.
Lasse wuchs in Neheim auf, einem Umfeld, in dem Fußball und Bodenständigkeit zusammengehören. Seit der Saison 2025/26 lebt er im Sportinternat Paderborn und besucht das Reismann-Gymnasium – ein Alltag, der Disziplin und Selbstständigkeit fordert.
Diese Prägung zeigt sich in seinen öffentlichen Äußerungen. Den ersten Regionalliga-Einsatz beschrieb er als „echt cool“, das Training mit den Profis als neue, aber angenehme Erfahrung. Es fehlt das typische Selbstinszenieren mancher Talente; stattdessen wirkt er bescheiden und arbeitsbereit.
Die Nähe zum Vater, der den Weg durch die Nachwuchsleistungszentren kennt, dürfte ihm geholfen haben, Erwartungen einzuordnen und Rückschläge wie das frühe WM-Aus gegen Burkina Faso nicht überzubewerten. Gleichzeitig kann die familiäre Fußballkompetenz ein doppeltes Schwert sein: Der Vergleich und der interne Anspruch sind hoch, doch sie vermitteln auch ein realistisches Bild davon, wie lang der Weg vom Talent zum Bundesliga-Stammspieler ist.
Lasse Eickel 💎
— Scoutiger (@Scoutiger) February 13, 2026
Doğum tarihi: 28 Şub 2008
Boy: 1,87 m
Mevki: Forvet - Santrafor
Güncel kulüp: SC Paderborn 07 U19
Uzun boyuna rağmen sergilediği pres gücü, patlayıcılık ve ilk adım ivmesi dikkat çekici seviyede. Özellikle önde baskı anlarında savunma oyuncularına uyguladığı… https://t.co/oiqkIzmCEq pic.twitter.com/1COS214bfd
Potenzialeinschätzung: 7 / 10
Für mich liegt Eickels langfristiges Bundesliga-Potenzial bei einer 7. Das ist kein Superstar-Wert, aber eine ernstzunehmende Bewertung für einen 18-jähriges Eigengewächs bei einem Aufsteiger. Die 7 speist sich aus dem, was schon da ist: Größe, Abschlussruhe, Strafraumgespür und eine Torquote in der Jugend, die zeigt, dass er Chancen nicht nur bekommt, sondern auch verwertet.
Trainer und Verein behandeln ihn nicht als Mitläufer, sondern als möglichen späteren Stürmer Nummer eins. Der feste Profivertrag bis 2031 und die Integration in den Bundesliga-Kader sind dafür das stärkste interne Signal. Körperlich steht er älteren Spielern schon näher als viele Gleichaltrige, und die Mentalität wirkt belastbar: nach dem frühen WM-Aus sofort wieder da, hat er im Trainingslager sofort wieder Vollgas gegeben und verdiente sich den Spitznamen "Maschine" bei den ortsansässigen Medien.
Die Abzüge kommen vom Abstand zur ersten Liga. Noch fehlt das Pflichtspieldebüt bei den Profis, die Regionalliga-Ausbeute blieb überschaubar, und klassische Neuner-Schwächen gegen ausgereifte Innenverteidiger – wie Konstanz über 90 Minuten, Kombinationsspiel auf engem Raum – sind auf Erstliga-Niveau noch nicht geprüft. Eine 8 oder höher wäre erst gerechtfertigt, wenn er in der Bundesliga innerhalb von zwei Jahren regelmäßig trifft und nicht nur Minuten sammelt.
Realistisch bedeutet die 7 - Eickel kann sich beim SCP zum rotierenden, und später festen Erstliga-Stürmer entwickeln. Ein Sprung zum Top-Klub-Stammspieler oder zur A-Nationalmannschaft ist möglich, aber nicht die wahrscheinlichste Prognose - eher die eines soliden Bundesliga-Neuners.
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