Es ist passiert. Supertalent Endrick verlässt Real Madrid bis zum Sommer 2026 auf Leihbasis zu Olympique Lyon. Die Rolle des Bankdrückers kostete dem Ausnahmetalent den Platz in Carlo Ancelottis Selecao. Doch ist die Truppe von Trainer Paulo Fonseca der richtige Ort für unseren Protagonisten? (Bild: IMAGO / PsnewZ)
Der 19-jährige brasilianische Stürmer Endrick Felipe, einst als das größte Talent Südamerikas gefeiert, hat im Dezember 2025 einen überraschenden Schritt gewagt: Er wechselte auf Leihbasis von Real Madrid zu Olympique Lyonnais. Bis zum 30. Juni 2026 trägt der ehemalige Palmeiras-Spieler das Trikot der Franzosen – eine Entscheidung, die auf den ersten Blick wie ein Rückschritt wirkt.
Doch bei genauerer Betrachtung könnte Lyon genau der richtige Ort sein, um Endricks Karriere wieder in Schwung zu bringen. Mehr Spielminuten, weniger Druck und eine entwicklungsfreundliche Umgebung sprechen dafür, dass der Wechsel nach Frankreich langfristig klüger ist als ein Verbleib im Star-Ensemble der Königlichen.
🗣️ Michael Gerlinger, Lyon’s GM: “Endrick is already helping us with our image.
— Madrid Xtra (@MadridXtra) January 6, 2026
His announcement video generated 20 million views, a RECORD for us.
It’s clear that his level of fame is very high.” @lequipe pic.twitter.com/PlxfJ0VRvn
Keine Perspektive unter Alonso
Endrick kam im Sommer 2024 mit riesigen Erwartungen zu Real Madrid. Das Ausnahmetalent aus Palmeiras kostete rund 60 Millionen Euro (47,5 Millionen fix plus bis zu 12,5 Millionen an Bonuszahlungen). In seiner ersten Saison 2024/25 kam er auf 37 Einsätze und sieben Tore – respektabel für einen 18-Jährigen.
Doch unter dem neuen Trainer Xabi Alonso änderte sich alles: In der laufenden Saison 2025/26 absolvierte Endrick bis zu seinem Wechsel in die Ligue 1 nur drei Kurzeinsätze, insgesamt knapp 100 Spielminuten standen auf seinem Konto. Die Konkurrenz um Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Rodrygo war einfach zu groß. Endrick saß meist auf der Bank, und seine Chancen auf eine Berufung in Brasiliens Kader für die WM 2026 schmolzen dahin.
Genau hier setzt der Wechsel an. Lyon, aktuell Fünfter in der Ligue 1 und Tabellenführer in der Europa-League-Gruppenphase, bietet Endrick das, was er am dringendsten braucht: regelmäßige Spielpraxis. Trainer Paulo Fonseca sucht nach dem Abgang von Alexandre Lacazette und Georges Mikautadze einen neuen Goalgetter – und Endrick soll die Nummer 9 übernehmen. In Madrid war er oft nur Joker; in Lyon könnte er von Beginn an starten. Fonseca’s flüssiger Angriffsstil passt perfekt zu Endricks Stärken: Explosivität, Torinstinkt und gutes Kombinationsspiel.
Zudem herrscht in Lyon weniger medialer Druck als im Bernabéu, wo jeder Fehlschuss zur Krise hochstilisiert wird. Die Ligue 1 ist wettbewerbsstark, aber nicht so gnadenlos wie La Liga. Historisch hat Olympique Lyon eine starke Tradition in der Förderung junger Talente – Stars wie Karim Benzema, Nabil Fekir oder Rayan Cherki haben hier den Sprung zum Topstar geschafft. Unter dem früheren Eigentümer John Textor (der auch brasilianische Clubs wie Botafogo besaß) gab es zudem schon regelmäßig Verbindungen nach Südamerika, um brasilianischen Spielern den Einstieg in Europa zu erleichtern.
ENDRICK EN SU PRIMER ENTRENAMIENTO CON EL LYON. 🔥🔥🔥 pic.twitter.com/7xgkq0rwKN https://t.co/rV7NZYiGek
— MT2 (@madrid_total2) January 7, 2026
Die vertraglichen Details zwischen Real Madrid und Lyon
Der Deal ist eine reine Leihe bis Saisonende ohne Kaufoption oder -pflicht. Real Madrid bleibt voll im Besitz der Rechte und sieht den Wechsel als Entwicklungsmaßnahme – ähnlich wie bei früheren Leihen von Talenten. Lyon zahlt eine Leihgebühr von maximal 1 Million Euro, die jedoch abhängig von Endricks Einsätzen sinkt: Für je fünf Startelf-Einsätze reduziert sich die Gebühr um 200 Tausend Euro. Bei regelmäßiger Spielzeit könnte die Gebühr sogar auf null sinken – ein cleverer Anreiz von Madrid, um sicherzustellen, dass Endrick wirklich spielt.
Zusätzlich übernimmt Lyon etwa die Hälfte von Endricks Gehalt. Der Brasilianer hat bei Real einen Vertrag bis 2030 (mit Option), und die Madrilenen signalisieren klar, dass sie an sein Potenzial glauben - im Sommer 2026 wollen sie ihn tärker zurückholen.
Endrick selbst äußerte sich bei seiner Präsentation in Lyon motiviert: Er habe sogar Rat von Carlo Ancelotti (seinem Ex-Trainer bei Real und aktuellem Brasilien-Coach) eingeholt, der ihm empfahl, sich ausleihen zu lassen:
„Ich habe mit Carlo Ancelotti gesprochen. Er hat mir seinen Rat gegeben. Er hat mir gesagt, was ich tun kann, um mich zu verbessern, und das hat mich wirklich berührt. Seine Botschaft war: Geh, spiel, entwickle deinen Fußball. Ich habe immer auf seinen Rat gehört, also habe ich mir gesagt: Los geht’s. Er hat mir Anweisungen gegeben, was ich tun kann, was ich tun muss, um mich zu verbessern […] Sein Rat war, dorthin zu gehen, wo ich spielen kann, wo ich glücklich sein kann“, verriet Endrick.
Fazit
Der junge Stürmer fürchtet offen, die WM 2026 zu verpassen, wenn er weiter auf der Bank bleibt. „Ich werde alles tun, um in die Seleção zurückzukehren“, daher scheint Endrick voll motiviert in die Ligue 1 zu kommen. Real Madrid bleibt jedoch der Traumklub, doch für die nächsten sechs Monate ist Lyon die sinnvollere Option zur WM 2026.
Wenn Endrick in Frankreich explodiert, könnte er im Sommer als reiferer Spieler zurückkehren – und damit vielleicht das brasilianische WM-Ticket lösen. Ein kluger Schachzug für alle Beteiligten, zumal die Königlichen die Einsatzzeit mit weniger Ablöse belohnen werden. Daher gibt es gleichermaßen keine finanziellen Hindernisse die die Entwicklung unseres Protagonisten behindern könnten.








