Nach etwas mehr als einem Jahr nach seinem Herzstillstand kämpft Eduardo Bove um seine Profifußballkarriere. Da er in Italien aufgrund der Sicherheitsauflagen nicht mit einem Defibrillator spielen darf, zieht es den ehemaligen Römer in die zweite englische Liga zum FC Watford. Doch kann er wieder seine alte Leistungsfähigkeit erreichen? (Bild: IMAGO / LaPresse)
Es war der 1. Dezember 2024, als die Serie A in Schockstarre verfiel. Im Stadio Artemio Franchi zu Florenz brach Edoardo Bove, damals 22 Jahre alt und auf Leihbasis bei der Fiorentina unter Vertrag, in der 17. Minute plötzlich zusammen. Das Spiel gegen Inter Mailand wurde sofort abgebrochen, der Mittelfeldspieler per Trage vom Platz gebracht und in ein künstliches Koma versetzt. Die Diagnose: ein plötzlicher Herzstillstand auf dem Feld – ein Szenario, das jeden Fußballfan an Christian Eriksen 2021 erinnerte.
Heute, gut ein Jahr später, steht Edoardo Bove vor einem neuen Kapitel. Der 23-jährige Römer hat seinen Vertrag bei der AS Roma einvernehmlich aufgelöst und steht kurz vor einem Wechsel zu Watford FC in die englische Championship. Der Medizincheck in England läuft bereits, ein zunächst sechsmonatiger Vertrag mit Option auf Verlängerung soll folgen. Für Bove bedeutet das: einen Neuanfang in England – fernab der italienischen Regelungen, die ihm mit implantiertem Defibrillator (ICD) derzeit den Profifußball in Serie A verbieten.
🚨💛🖤 Edoardo Bove to Watford, here we go! Deal in place after verbal agreement done revealed last week.
— Fabrizio Romano (@FabrizioRomano) January 17, 2026
Italian midfielder leaves AS Roma due to FIGC rules and restarts his career at Watford.
Six months initial deal plus option to extend until June 2031.
Medical on Monday 🐝 pic.twitter.com/JA582CYbDr
Der Transfer gleicht einem Wunder
„Ich möchte im Juni wieder spielen“, hatte Bove Ende 2025 in einem emotionalen Statement erklärt. „Wenn ich den Defibrillator behalte, kann ich in Italien nicht mehr antreten – aber fast überall im Ausland schon.“ Watford, aktuell im Kampf um den Aufstieg in die Premier League positioniert, bot genau diese Perspektive. Sporting Director Valon Behrami, selbst ehemaliger Serie-A-Profi, bezeichnete Bove als „Spieler auf Premier-League-Niveau“ und sprach von einem potenziellen „Wunder“, sollte der Transfer klappen.
Bove, 2002 in Rom geboren, durchlief die Jugendakademie der Giallorossi und debütierte 2021 unter José Mourinho in der ersten Mannschaft. Bis zu seinem Kollaps absolvierte er 65 Pflichtspiele für Roma (2 Tore), zeigte sich als energiegeladener, zweikampfstarker Box-to-Box-Mittelfeldspieler mit gutem Auge für den letzten Pass. Sein Leihwechsel zur Fiorentina 2024 sollte der nächste Karriereschritt werden – bis jener verhängnisvolle Sonntag alles veränderte.
Tränen im Stadion
Der Weg zurück war lang und psychisch extrem belastend. Nach erfolgreicher Operation, Reha und monatelanger Tests kehrte Bove emotional bewegt ins Stadion zurück – erst als Zuschauer beim Fiorentina-Roma-Spiel im Mai 2025, wo er seine Tränen nicht zurückhalten konnte. Nun folgt der sportliche Reset: In England, wo die medizinischen Vorgaben für ICD-Träger weniger restriktiv sind als in Italien, kann er wieder kicken.
Watford ist kein glamouröser Premier-League-Klub wie Arsenal oder Manchester City, aber ein ambitionierter Zweitligist mit italienischen Verbindungen (Behrami) und der Chance auf schnelle Spielpraxis. Für Bove könnte es das perfekte Sprungbrett sein – zurück in die Öffentlichkeit, zurück in den Profifußball und vielleicht sogar irgendwann zurück in die Premier League selbst.
Edoardo Bove’s contract terminated by mutual consent
— AS Roma English (@ASRomaEN) January 17, 2026
Always one of us, forever a Romanista 💛❤️
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Kann er wieder seine volle Leistungsfähigkeit erreichen?
Die Frage, die sich seit Monaten um den gebürtigen Römer dreht, lautet nicht nur, ob er jemals wieder Profifußball spielen kann – sondern ob er wieder der explosive, Box-to-box-Mittelfeldspieler werden kann, der er vor dem 1. Dezember 2024 war. Der 23-Jährige erlitt während eines Serie-A-Spiels einen plötzlichen Herzstillstand, wurde reanimiert und erhielt einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD).
Medizinisch und sportlich gesehen ist eine Rückkehr auf Top-Niveau keineswegs ausgeschlossen. Der prominenteste Vergleich ist sicherlich Christian Eriksen, der 2021 bei der EM dasselbe Schicksal erlitt, einen ICD bekam und seitdem in der Premier League (zunächst Brentford, dann Manchester United) auf höchstem Niveau spielte und nun mit 33 Jahren für den VfL Wolfsburg kickt. Eriksen selbst betonte mehrmals:
„Mit einem ICD bin ich auf dem Platz sicherer als jeder andere – es gibt keine Limits.“ Er erreichte nach der Reha wieder seine alte Klasse, inklusive intensiver Belastung, Zweikämpfen und 90-Minuten-Einsätzen.
Grund für Herzinfarkt nicht gefunden
Bei Bove selbst gibt es ermutigende Signale: Seit der Entlassung aus dem Krankenhaus (Dezember 2024) hat er intensives Training wieder aufgenommen. Berichte aus Januar 2026 (u. a. Gazzetta dello Sport, Sky Italia) sprachen von einem „sehr intensiven Training“ und einer „vollständigen Erholung“ in medizinischen Tests.
Im Juni 2025 hieß es bereits, er sei „fit für die Rückkehr“ – nun, ein halbes Jahr später, steht der Transfer kurz bevor. Der Grund für den Herzstillstand wurde trotz umfangreicher Untersuchungen nicht eindeutig gefunden, weshalb der ICD bleibt – doch das schließt Elite-Fußball in Ländern wie England nicht aus.
Natürlich birgt jeder Fall Unsicherheiten: Die Championship ist physisch fordernd, und der ICD erfordert regelmäßige Kontrollen sowie Vorsicht bei extremen Belastungen. Psychisch muss Bove den Schock verarbeiten – er kehrte emotional aufgelöst in Stadien zurück. Es wird daher sehr interessant sein, ob er genauso physisch in die Zweikämpfe geht wie vorher, oder ob er da etwas gehemmt sein wird. Doch der Wille ist definitiv da!
Edoardo Bove chegando para os exames médicos com o Watford. Depois do drama de sua parada cardíaca em campo, ele está pronto para retomar a carreira!
— Leonardo Bertozzi (@lbertozzi) January 19, 2026
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Fazit
Ja, eine volle Rückkehr auf sein früheres Leistungsniveau ist realistisch und durch Präzedenzfälle belegt. Der ICD schützt eher, als dass er behindert – vorausgesetzt, die medizinischen Checks in England (aktuell laufend) geben grünes Licht und die Rehabilitation weiterhin optimal verläuft.
Für Watford wäre Bove dann nicht nur ein Kämpfer mit Geschichte, sondern potenziell ein Spieler, der bewiesen hat: Man kann nach dem Schlimmsten umso stärker zurückkommen. Der Rasen wartet – und Bove ist bereit ihn wieder zu erobern.








