Der Fluch der deutschen WM-Siegtorschützen

Insgesamt viermal wurde eine deutsche Nationalmannschaft Fußballweltmeister. Dabei fielen die Entscheidungen in den Finals jeweils sehr knapp aus. Das DFB-Team konnte bei seinen Triumphen immer nur mit einem Tor Unterschied gewinnen. Dementsprechend gibt es vier deutsche WM-Siegtorschützen.

1954 Helmut Rahn zum 3:2 gegen Ungarn
1974 Gerd Müller zum 2:1 gegen Holland
1990 Andreas Brehme zum 1:0 gegen Argentinien
2014 Mario Götze zum 1:0 gegen Argentinien

Doch irgendwie scheint ein Fluch auf Matchwinner der deutschen WM-Geschichte zu liegen. Denn obwohl enthusiastisch gefeiert und bis heute verehrt, brachten diese magischen Momente allen vier Torschützen in der Zeit danach wenig Glück.

Los ging es mit Helmut Rahn, dessen Tor das „Wunder von Bern“ begründete.

Im Ruhrpott ist der „Boss“ ein Idol, besonders in seiner Heimatstadt Essen. Helmut Rahn konnte bei seinem Karriereende 1965 zwar auf eine sehr erfolgreiche Zeit als Fußballer zurückblicken, doch das Leben danach geriet zur Achterbahnfahrt. Erfolglose Versuche in der Geschäftswelt, eine Gefängnisstrafe, ausufernde Alkoholexzesse und ein weitgehendes Zurückziehen aus der Öffentlichkeit.

Selbst Sönke Wortmann mit seinem Kinofilm „Das Wunder von Bern“, bei dem er die Hauptfigur war, verweigerte der „Boss“ eine Zusammenarbeit.

Seine Geschichte vom entscheidenden Linksschuss erzählte Helmut Rahn lieber in seiner Stammkneipe, der „Friesenstube“ in Essen. Gemischt mit etwas Verbitterung über Gehälter, die nach seiner Zeit im Fußball bezahlt wurden. 2003 starb der WM-Held im Alter von 73 Jahren. Bis heute wird er jedoch wie eine Kultfigur verehrt.

„Der Bomber der Nation“

Gerd Müller hat eine Karriere hingelegt, die seinesgleichen sucht. Welt- und Europameister, dreimal Gewinner des Europapokals der Landesmeister, viermal deutscher Meister, Pokalsieger. Dazu 365 Bundesligatore in 427 Partien – bis heute unerreicht. Das Portal transfermarkt.de hat kürzlich berechnet, dass Gerd Müller in der Saison 1971/72 einen Marktwert von fast 200 Millionen Euro gehabt hätte, wenn man heutige Maßstäbe anlegt.

Doch die Zeit nach seiner Fußballerlaufbahn kann man als tragisch bezeichnen. Der Alkohol war ein Gegner, den der „Bomber der Nation“ nicht besiegen konnte. Seine Bayern, die wohl ihren heutigen Status nie ohne Gerd Müller erreicht hätten, ließen ihn jedoch nicht fallen und gaben ihm in den 1990er Jahren einen Posten als Co-Trainer. Trotzdem hätte man dem gebürtigen Nördlinger ein angenehmeres Leben nach der Karriere gewünscht. Dann schlug auch noch eine Demenz zu. Heute lebt der einstige Weltklassestürmer in einem Betreuten Wohnen.

Eiskalte Nerven im WM-Finale 1990

Dass ein Elfmeter ein ganzes Land in einen Freudentaumel stürzen kann, bewies Andreas Brehme bei der WM 1990. Während des ganzen Turniers präsentierte sich die DFB-Elf als das beste Team. Auch im WM-Finale gegen Argentinien und Diego Maradona war die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer haushoch überlegen. Kurz vor Schluss fehlte aber noch das entscheidende Tor. Plötzlich gibt es Elfmeter und Andreas „Andy“ Brehme soll Deutschland zum Fußballweltmeister machen.

Der gebürtige Hamburger bleibt eiskalt und verwandelt den Strafstoß mit einem platzierten Rechtsschuss gegen den als Elfmeter-Killer bekannten Sergio Goycochea.

Acht Jahre später beendete Andreas Brehme seine Karriere bei seinem Herzensklub Kaiserslautern. Sicherlich hat der Linksverteidiger nicht die heutigen Gehälter verdient, doch Anfang der 1990er Jahre gab es in Italien, und auch in der Bundesliga, schon Millionengagen. Trotzdem soll Andreas Brehme einen Großteil seines Vermögens verloren haben. Spendenaufrufe für den einstigen Helden wurden bekannt, sowie Auftritte in der Provinz für Touristen, die sich mit ihm im Rahmen eines Urlaubs unterhalten durften. Das klingt nach einstigen Schlagerstars, die heute in Autohäusern auftreten, aber nicht nach einem Mann, den 1990 jeder Fußballfan auf der Welt kannte.

„MACH IHN! ER MACHT IHN!“

Um Geld muss sich hingegen Mario Götze wohl nie wieder in seinem Leben Sorgen machen. Jahrelang hat der heute 28-Jährige beim BVB und den Bayern sehr gut verdient. Doch Mario Götze war zum Anfang seiner Karriere ein Versprechen, wie es in der Gegenwart Kai Havertz ist. Bei Mario Götze machte das Wort „Jahrhunderttalent“ die Runde und es wurden Vergleiche mit Lionel Messi gezogen.

An einem Julitag im Jahr 2014 stand der Mittelfeldspieler tatsächlich ganz oben auf dem Fußballolymp, doch danach ging es eigentlich nur noch stetig bergab.

Zwei Jahre schoben ihn die Bayern nach Dortmund ab, nachdem er in München nie die Erwartungen erfüllte. Auch beim BVB blieb Mario Götze glücklos. Er war nur noch ein Schatten vergangener Tage. Im besten Fußballalter, mit 28 Jahren, verzichteten die Schwarz-Gelben auf seine Dienste und somit kann man die Karriere des Mario Götze als unvollendet bezeichnen. Er selbst hätte sicherlich auch viel mehr von sich erwartet.

Was bei allen vier WM-Siegtorschützen bleibt, sind die Emotionen und Glücksmomente, die sie Millionen von Menschen beschert haben. Ihre Heldentaten bleiben in ewiger Erinnerung, doch irgendwie scheint ein Fluch auf Torschützen zu lasten, die die deutsche Nationalmannschaft zum Weltmeister machen.

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