Zwei Stunden in der „Fußballzeitreise“

Zwei Stunden in der „Fußballzeitreise“

Wer kann etwas mit Hans Tilkowski anfangen? Und wer hat schon einmal etwas von Ottmar Walter gehört und weiß, was Schraubstollen sind?

Um solche Geschichten geht es in der „Fußballzeitreise“ in Bad Tabarz/Thüringen, einem kleinen Fußballmuseum, welches mit viel Liebe und Herzblut von einem Verein betrieben wird.

Horst Eckel war schon dort. Auch Uwe Seeler, Andreas Brehme, Pierre Littbarski und Reiner Calmund. Dieser redet bekanntlich sehr gerne und viel, doch in der „Fußballzeitreise“ soll der ehemalige Leverkusener Manager eher ehrfürchtig und staunend ruhig gewesen sein.

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Das ging mir bei meinem Besuch ähnlich, denn was in der „Fußballzeitreise“ präsentiert wird, ist wahrlich historisch. Man sieht zum Beispiel Original-Autogrammkarten von Sepp Herberger, Horst Eckel und Uwe Seeler. Aber auch Fußballschuhe aus den 1910er-Jahren, alte Fußbälle, Pokale und von ehemaligen und aktuellen Fußball-Stars unterschriebene Trikots.

3000 Flaschen Bier zur WM 1966

Was aber die „Fußballzeitreise“ besonders macht, sind die Geschichten, die man erfährt, wenn man eine Führung mitmacht. Denn der Vereinsvorsitzende Marcel Wedow hat mit sehr vielen Zeitzeugen gesprochen. So zum Beispiel mit Gerd Müller, der zu Marcel Wedow meinte, dass er während seiner Zeit bei den Fort Lauderdale Strikers in den USA „zum Glück nicht Torschützenkönig“ geworden ist. Er hätte „nach Washington gemusst“, was aber kein Vergnügen gewesen wäre, weil die „Englischkenntnisse nicht gut“ waren.

Marcel Wedow hat sich aber auch schon mit Beteiligten der WM 1966 unterhalten. So soll der DFB-Tross damals die Reise nach England mit 3000 Flaschen Bier angetreten haben.

Aber auch zur WM 1954, dem „Wunder von Bern“, erfährt man allerhand. Zudem gibt es in der „Fußballzeitreise“ ein Radio zu bestaunen, welches die Weltmeister von damals geschenkt bekommen hatten.

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Einen nicht unwesentlichen Teil der „Fußballzeitreise“ nimmt aber auch der DDR-Fußball ein, der häufig auf das Sparwasser-Tor bei der WM 1974 reduziert wird. So erfährt man in Bad Tabarz etwas über Peter Ducke und Manfred Kaiser, die, wenn sie heute spielen würden, Mega-Stars wären und bei Vereinen wie dem FC Bayern München oder dem FC Barcelona spielen würden.

Der „Fußballzeitreise“, welches von seinen Machern ehrenamtlich betrieben wird, wünscht man einen größeren Rahmen und mehr Aufmerksamkeit, auch weil es aufgrund der Vielzahl an Erinnerungsstücken einen gewissen Platzmangel gibt.

Doch bekanntlich gibt es sehr viele leidenschaftliche Fußball-Enthusiasten. Wie zum Beispiel die Redakteure des Magazins „11 Freunde“. Einer davon hatte Marcel Wedow und die „Fußballzeitreise“ kürzlich besucht.

Ich selbst werde sicherlich noch einmal nach Bad Tabarz fahren, denn meine zwei Stunden in der „Fußballzeitreise“ waren ein echtes Erlebnis. Besonders einprägsam war eine Signatur auf einem Trikot, die Deutschlands Torwart bei der Weltmeisterschaft 1966, Hans Tilkowski, in der „Fußballzeitreise“ hinterlassen hat. „Und er war nicht drin.“ Zur Geschichte des Wembley-Tores sieht man übrigens in der "Fußballzeitreise" eine Tageszeitung, die am Tag nach dem WM-Finale erschienen ist.

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