18+ | Spiele mit Verantwortung | Es gelten die AGB | Glücksspiel kann süchtig machen | Wir erhalten Provisionen von den aufgeführten Wettanbietern

Kickfieber Sascha Darum nominiert Klopp Max Rosenfelder und Derry Scherhant
Derry Scherhant vom SC Freiburg im August 2026

(IMAGO / STEINSIEK.CH)

Darum nominiert Klopp Max Rosenfelder und Derry Scherhant

Unter Klopps 16 Debütanten stehen zwei Namen, die außerhalb des Breisgaus noch erklärt werden müssen: Max Rosenfelder und Derry Scherhant. Beide kommen vom aktuellen Bundesliga-Tabellenführer SC Freiburg. Beide sind erst 23 Jahre jung und haben noch kein A-Länderspiel. Und beide passen ungewöhnlich genau in das Bild, das Klopp von der Nationalmannschaft nach dem WM-Desaster zeichnen möchte.
Sascha Baharian Profile Image
Veröffentlicht: 18 September 2026, 11:45

Warum Freiburg für Klopp kein Randthema ist

Klopp hat das selbst kaum verschleiert. „Mentalität kann man nicht kaufen, aber entwickeln. Die Freiburger haben Mentalität. Das hat auch damit zu tun, wo sie herkommen“, sagte er bei der Kaderpräsentation. Vier Nominierte aus einem Verein, der weder den größten Etat noch die lautesten Namen hat, sind keine Zufallsquote. Sie sind Programm.

Der SC Freiburg steht nach drei Bundesliga-Spieltagen mit 10:1 Toren an der Tabellenspitze, hat alle sechs Pflichtspiele der Saison gewonnen und war im Frühjahr im Finale der Europa League. Julian Schuster hat den Verein nach Christian Streich nicht umgebaut, sondern weiterentwickelt: 

Intensives Anlaufen, klare Rollen, hoher Anteil selbst ausgebildeter oder gezielt integrierter Spieler. Genau das sucht Klopp. Er will Intensität, Flügelspiel im 4-3-3, defensive Stabilität als Voraussetzung für Offensive – und Spieler, die in zwei Jahren Stütze sein können, nicht nur für den nächsten Länderspielzyklus.

Freiburg liefert ihm beides: ein funktionierendes Kollektiv und Typen, die in diesem Kollektiv eine erkennbare Rolle haben. Rosenfelder und Scherhant stehen dabei für zwei unterschiedliche Bausteine derselben Idee.

Max Rosenfelder: Tempo in der Innenverteidigung

Rosenfelder ist Freiburger Eigengewächs, Rechtsfuß, rund 1,87 Meter, Innenverteidiger – und einer der schnellsten Spieler auf dieser Position in der Liga. Der Kicker maß ihn mit 35,91 km/h; schon in der U21 galt er als rasanter, ballsicherer Verteidiger mit Offensivdrang. Julian Schuster hat ihn nicht nur zentral, sondern auch rechts in der Viererkette eingesetzt. Beim 1:0 in Wolfsburg letzte Saison erzielte er dort sein erstes Bundesligator. Schuster beschrieb ihn als Spieler, der Räume überwindet, Gegner bindet und Torgefahr aus der Tiefe erzeugt.

Genau das macht ihn für Klopp interessant. Die DFB-Abwehr nach Neuer und Rüdiger braucht nicht nur Zweikämpfer, sondern Innenverteidiger, die im Aufbau mitspielen und gegen schnelle Konter Schritt halten. Rosenfelder ist kein klassischer Abräumer vom Typ Ginter, den Klopp bewusst nicht nominiert hat. Er ist jünger, schneller, offensiver – und noch formbar. Dass er zuletzt hinter Lienhart und Ginter oft auf der Bank saß, relativiert die Berufung nur auf den ersten Blick. Klopp nominiert nicht die aktuelle Startelf der Liga, sondern Profile mit Zukunft.

Die Einschränkung ist bekannt: Rosenfelders Körper. Patellasehne, Oberschenkel, immer wieder Wochen und Monate ohne Pflichtspiel. In der Saison 2023/24 fiel er komplett aus, 2025/26 bremsten ihn erneut muskuläre Probleme. Nagelsmann hätte ihn nach der U21-EM schon früher berufen wollen. Klopp holt ihn trotzdem – als Wette auf Potenzial und als Signal, dass Belastung, Regeneration und Entwicklung Teil des neuen DFB-Alltags sein sollen. Im ersten Kaderblock gegen die Niederlande und Griechenland bekommt Rosenfelder die Chance, sich im direkten Vergleich mit Tah, Schlotterbeck und Bisseck zu zeigen.

Derry Scherhant - der inverse Flügel, den Klopp sucht

Scherhant kommt den umgekehrten Weg. Geboren in Berlin, ausgebildet bei Hertha BSC, 2025 für rund zwei Millionen Euro nach Freiburg gewechselt. Linksaußen, Rechtsfuß, 1,85 Meter. Ein inverser Flügelstürmer: Er zieht nach innen auf den starken Fuß, sucht das Eins-gegen-eins, hat Zug zum Tor. Tempo, Dribbling und Flair sind seine Stärken, Entscheidungsfindung und Flanken die Entwicklungsfelder. Schuster wollte genau das:

Er kann eben auch diese Intensität gehen, die wichtig für unser Spiel ist.

Der Saisonstart 2026/27 hat die Berufung erzwungen. In sechs Pflichtspielen ein Tor und sechs Vorlagen, Höhepunkt das Conference-League-Hinspiel gegen Motherwell: ein Treffer, zwei Standards, die zu Toren führten. Lucas Höler sagte danach:

Sein feines Füßchen ist gut eingestellt. Er ist supergut drauf und hilft uns gerade brutal.

Scherhant teilt sich die linke Seite weiter mit Vincenzo Grifo, kann aber auch rechts spielen. Das macht ihn für Klopp doppelt nutzbar.

Hinzu kommt die Geschichte, die zum neuen DFB-Narrativ passt. Scherhant hatte erst vor wenigen Tagen im FAZ-Fragebogen Jürgen Klopp als Wunschtrainer genannt: 

Es wäre ein großer Traum, irgendwann einmal unter dem Bundestrainer spielen zu dürfen. 

Wenige Tage später war der Traum da. Klopp hat öffentlich betont, wie sehr den Debütanten die Nominierung bedeutet. Bei Scherhant ist das kein Marketing. Es ist dokumentiert.

Klopp bekommt nicht nur einen motivierten Debütanten, sondern darüber hinaus ein Flügelspieler mit Tempo und Abschlussdrang für das 4-3-3, das der neue Nationaltrainer angekündigt hat. Während etablierte Namen wie Sané und Leweling außen vor bleiben, bringt Scherhant Frische, Laufbereitschaft und eine gewisse defensive Arbeit gegen den Ball – statistisch eine seiner stärkeren Kategorien im Vergleich zu anderen Offensivspielern. 

Er steht im zweiten Kaderblock neben Wirtz, Adeyemi und El Mala. Das ist kein Stammplatz. Es ist ein offener Kampf auf der Position, auf der Deutschland seit Jahren zwischen Genie und Unzuverlässigkeit schwankt. 

Zwei Rollen, eine Botschaft

Rosenfelder und Scherhant sind keine fertigen Nationalspieler. Der eine kämpft mit dem eigenen Körper, der andere muss auf höchstem Niveau noch Konstanz nachweisen. Klopp weiß das. Sein erster Kader ist ausdrücklich kein Endzustand, sondern eine Bestandsaufnahme: 

Wir haben nicht geguckt, was haben wir nicht, sondern was haben wir." Was er in Freiburg gefunden hat? Beide tragen, genau wie der dritte nominierte Breisgauer Yannik Engelhardt, die Freiburger Alltagsmentalität mit: wenig Starallüren, hohe Trainingsintensität, Bereitschaft, Rollen zu teilen.Ob daraus Länderspiele werden, entscheidet die Nations League. 

Klopp hat den beiden die Tür geöffnet, weil sie in einem funktionierenden Verein klare Aufgaben erfüllen – und weil er nach der WM nicht mehr auf Namen setzen will, sondern auf Charakter und Entwicklungsspielraum. In Freiburg hat er beides gefunden. Die Nominierung erinnert an seine Transferpolitik im ersten Jahr beim BVB, als er aus vielen No-Names eine intensive Meistermannschaft formte.

Sascha
Sascha @sascha_baharian

Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹

Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams. 

PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.