
(IMAGO / Contrast)
Klopps Überraschungspaar | Warum Ebnoutalib und Keidel ins DFB-Team passen
Der Stürmer, den niemand auf dem Zettel hatte
Der 23-jährige Younes Ebnoutalib kickte vor zwei Jahren noch er in der Regionalliga bei Gießen. Dazwischen lag ein gescheiterter Italien-Versuch bei Perugia, dann der Sprung zu Elversberg. In der 2. Liga explodierte er: zwölf Tore in 17 Hinrundenspielen, Torschützenkönig der ersten Saisonhälfte, physisch und mental ein Spieler, der Spiele öffnet. Im Winter 2025/26 holte ihn Eintracht Frankfurt für rund acht Millionen Euro nach Hause.
Bei der SGE ist er kein reiner Bankdrücker-Joker. Er ist Zielspieler und Tiefenläufer zugleich: bindet Innenverteidiger, arbeitet gegen den Ball, hat ein Gespür dafür, wann er sich löst. Der Dreierpack zum Saisonauftakt bei Union Berlin (3:3) war die Visitenkarte. Klopp selbst brachte es auf den Punkt: Als er Ebnoutalib zum ersten Mal im Eintracht-Trikot sah, habe er sich gefragt:
„Wo haben die den denn her?“ Im Trainerstab habe es „keine Diskussion“ gegeben. „Seine Art zu spielen, seine Bereitschaft, seine Intelligenz, immer da zu sein.“ Er sei „ein Buch, das man gerne lesen würde“.
Genau das ist der Mehrwert für die Nationalmannschaft. Deutschland hat unter Nagelsmann oft einen Stürmer vom Typ Havertz gebraucht – intelligent, verbindend, aber nicht immer die physische Spitze. Ebnoutalib bringt Größe, Tempo (Höchstwerte um 35 km/h!) und Abschlussinstinkt mit. Er kann als klassische Neun dienen, aber auch als zweiter Stürmer neben Burkardt oder Havertz Räume aufreißen.
Dazu kommt die Geschichte: ein Late Bloomer mit Hunger, der sich nach Umwegen und einer parallelen Nominierung durch Marokko bewusst für den DFB entschieden hat – nachdem Klopp persönlich im Frankfurter Trainingszentrum mit ihm gesprochen hatte. Für einen Neuaufbau ist das Gold wert: Identifikation, Demut und der Wille, nichts als selbstverständlich zu nehmen.
🆕🇩🇪 Younes Ebnoutalib semble avoir 𝗖𝗛𝗢𝗜𝗦𝗜 l’Allemagne. 🇲🇦🤔
Un supporter le félicite pour sa convocation avec la sélection allemande.
Younes : « Merci ❤️ »
— « Qu’est-ce qui t’excite le plus avec la Mannschaft ? »
Younes : « Tout. » pic.twitter.com/K65PdFQFCM— FRMF Xtra (@FRMFXtra) September 16, 2026
Der Allrounder vom Dorfclub
Felix Keidel ist die noch größere Überraschung. Nach 13 Jahren beim FC Ingolstadt wechselte der 23-jährige Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für eine Ablöse von rund 400 Tausend Euro nach Elversberg. Mit den Saarländern stieg er sofort in die höchste deutsche Spielklasse auf. In der Bundesliga stand er in den ersten drei Spielen in der Startelf – und traf per Freistoß gegen Gladbach.
Nie ein DFB-Jugendspiel, nie auf dem großen Radar. Jetzt der erste Elversberger der Vereinsgeschichte in der A-Nationalmannschaft.
Seine Vereinsrolle erklärt die Nominierung besser als jede Statistik. In Ingolstadt war er das Eigengewächs, das überall funktionierte: Rechtsverteidiger, Linksverteidiger, zentrales und sogar offensives Mittelfeld. Bei Elversberg begann er als Außenverteidiger, steht in dieser Saison im defensiven Mittelfeld neben Lukasz Poreba. Trainer Vincent Wagner schätzt dessen Ausdauer, Zweikampfstärke und Übersicht. Keidel selbst sagt:
Die Position ist mir egal, ich suche den Weg zum Tor!
Freistöße, Flanken, Laufleistung – ein Spieler, der Lücken schließt, statt eine einzige Position zu besetzen. Für Klopp ist das die klassische Allzweckwaffe die bei jedem Turnier bei verletzungsbedingten Ausfällen besonders wertvoll werden und dem ehemaligen Liverpool-Coach aufgrund der taktischen Flexibilität ein besseres Ingame-Coaching ermöglichen.
Gegenpressing lebt von Spielern, die umschalten, laufen und mehrere Rollen verstehen. Deutschland hat seit Jahren eine Baustelle auf der rechten Abwehrseite: Nach Philipp Lahm und Kimmichs Verschiebung ins Zentrum experimentierten Flick und Nagelsmann mit Henrichs, Baku, Vagnoman – ohne dauerhafte Lösung.
Keidel ist kein fertiger Stammspieler auf höchstem Niveau. Er ist aber eine Option, die Klopp in der Breite testen kann: als rechter Verteidiger, als Sechser, als Flex-Spieler in einem System, das Intensität verlangt. In einem 44-Mann-Kader, der bewusst keine A- und B-Elf sein soll, ist genau diese Flexibilität der Punkt.
🚨🇩🇪 Felix Keidel, nominated by Jürgen Klopp for the Nations League if nothing extraordinary happens.
Debut for the 23 y/o right-back is expected. Keidel, revealed on Sky yesterday.
Already reported at the end of July: Jürgen Klopp’s first top priority is to find a new… pic.twitter.com/csgNI99Mrq— Florian Plettenberg (@Plettigoal) September 16, 2026
Was beide verbindet und was Klopp sucht
Beide Wege führen über Elversberg. Der Aufsteiger aus dem Saarland wird plötzlich zum Talentlieferanten: Ebnoutalib ging weiter nach Frankfurt, Bambasé Conté nach Hoffenheim, Nick Woltemade sogar nach Turin – und Keidel bleibt und wird trotzdem nominiert. Das ist kein romantisches Dorfclub-Märchen, sondern ein Hinweis auf Klopps Auswahlkriterium: nicht der Verein, sondern das, was der Spieler auf dem Platz macht und wie er geworden ist.
Klopp hat gesagt, er habe nicht geschaut, was fehlt, sondern was da ist.
Uns ist ganz, ganz viel Talent ins Auge gesprungen.
Ebnoutalib und Keidel stehen für den Teil dieser Sichtung, der jenseits der üblichen Bayern-, Dortmund- und Leipzig-Schiene liegt.
Der eine bringt eine physische, schlaue Mittelstürmer-Alternative und hat sich in einem Zweikampf der Verbände für Deutschland entschieden. Der andere bringt Laufbereitschaft, Variabilität und die Mentalität eines Spielers, der den Weg von der 3. Liga in drei Jahren bis zur Nationalelf gegangen ist. Beides passt zu einem Trainer, der Mannschaften über Intensität und Persönlichkeit formt – und der nach einem WM-Debakel bewusst neue Gesichter ins Training holt, statt nur die alte Hierarchie zu bestätigen.
Ob daraus Stammplätze werden, entscheidet nicht die Nominierung. Ebnoutalib muss in Frankfurt konstant treffen und darf nicht wieder zum Systemopfer werden. Keidel muss zeigen, dass Bundesliga-Startelf und Nations-League-Niveau nicht zwei verschiedene Welten sind. Aber als Signal ist die Berufung klar: Klopp will Spieler, die etwas durchgemacht haben, die mehrere Rollen können und die noch nicht glauben, sie gehörten selbstverständlich dazu. In Ebnoutalib und Keidel hat er zwei gefunden, die genau das verkörpern.
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Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹
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