Le Mans, eine Region, die seit jeher für ihr historisches 24-Stunden-Rennen bekannt ist, versucht seit einigen Jahren, sich auch in der Welt des Fußballs zu etablieren. Dies geschieht dank des Projekts des Le Mans FC, einem französischen Verein, der in der Ligue 2 spielt und einen ähnlichen Weg wie das walisische Wrexham beschreitet. (Bild: IMAGO / Icon Sport)
Aber gehen wir der Reihe nach vor: Der Anteil des Vereins befindet sich in den Händen von OutField Capital, einem brasilianischen Fonds, der sich international im Sportsektor etabliert hat und in Brasilien zum führenden Fondsmanager mit einer eigenen Sportabteilung geworden ist, wie die Investition in den brasilianischen Verein Coritiba zeigt.
An dem Projekt sind auch bekannte Persönlichkeiten aus der Welt des Sports beteiligt, wie Novak Djokovic, der Miteigentümer des Le Mans FC geworden ist, und die ehemaligen Formel-1-Piloten Felipe Massa und Kevin Magnussen, die Anteile erworben haben. Aymeric Magne, Mitglied des Verwaltungsrats von OutField, erklärte, dass das Hauptziel des Vereins darin bestehe, eine solide Grundlage mit modernen Prinzipien zu schaffen, um die Mannschaft an die Spitze des französischen Fußballs zu bringen.
Die Liste der Investoren des Clubs wurde durch den Beitritt von Thibaut Courtois, Torwart von Real Madrid, der offiziell Aktionär wurde, und Georgios Frangulis, Eigentümer eines Unternehmens für gesunde Ernährung und Verlobter von Aryna Sabalenka, derzeit Nummer 1 in der WTA-Rangliste im Damentennis, erweitert.
🚨🇫🇷 Thibaut Courtois becomes one of the owners of Le Mans FC, investing in the French club.
— Fabrizio Romano (@FabrizioRomano) February 19, 2026
The investors group already includes Novak Djokovic, Felipe Massa, Kevin Magnussen. pic.twitter.com/j1oz5rseUF
Ein starkes Kollektiv statt große Namen
All diese Neuzugänge und Veränderungen zeugen vom Ehrgeiz dieses Vereins. Le Mans, die Symbolstadt des Motorsports, meint es nun auch im Fußball ernst. Die Mannschaft ist in dieser Saison in die Ligue 2 aufgestiegen und liegt derzeit auf dem fünften Tabellenplatz, nur drei Punkte hinter dem Tabellenführer Troyes und damit voll im Rennen um die Aufstiegsränge.
Auf der Bank sitzt Patrick Videira, ein französischer Trainer, der seine erste große Chance im Profifußball erhält, nachdem er zuvor Assistenztrainer beim Istres FC und Trainer des korsischen Vereins AS Furiani-Agliani war.
Auf dem Platz mit einer 3-5-2-Formation, einem Mannschaftswert von nicht mehr als 10 Millionen Euro und einem Durchschnittsalter, das zu den niedrigsten der Ligue 2 gehört. Auf dem Platz fallen natürlich keine internationalen Namen auf, aber die Stärke der Mannschaft liegt im Kollektiv: vom französisch-ghanaischen Kapitän Edwin Quarshie (30) über die Stürmer Dame Gueye (30) und William Harhouz (26) bis hin zum Torhüter Nicolas Kocik (27). Das Aushängeschild ist sicherlich der 19-jährige Isaac Cossier (19), Innenverteidiger des Jahrgangs 2006, ausgeliehen vom OSC Lille.
Das Projekt ist langfristig angelegt, und Le Mans steht nicht unter dem Druck, um jeden Preis den Aufstieg schaffen zu müssen, aber die Zukunft sieht rosig aus. An der Seite von Thierry Gomez, Präsident des Le Mans FC, wird OutField die notwendigen Ressourcen bereitstellen, um das Wachstum des Projekts stetig zu fördern. Der nächste Schritt? Der Bau eines Sportzentrums, das der Förderung lokaler Talente gewidmet ist.
Yohou 👉 Robin 👉 Bourabaa 👉 Rabillard 👉 Gueye 🎯 pic.twitter.com/dmHtnB0onr
— LE MANS FC (@LEMANSFC) February 24, 2026
Von der Regionalliga in die Ligue 1?
Nach den Jahren in der Ligue 1 und dem Abstieg im Jahr 2009 folgten für Le Mans schwierige Zeiten, die aufgrund finanzieller Probleme und hoher Verschuldung zur Liquidation des Vereins führten, sodass dieser in den französischen Regionalligen neu starten musste. Nach der Liquidation beschloss der französische Fußballverband den Abstieg des Vereins in die 6. Liga.
Anschließend startete Le Mans als Amateurverein neu und wurde später in den unteren Ligen neu organisiert und professionell aufgebaut. Seitdem wurde der Grundstein für den Wiederaufstieg gelegt, auch dank einer neuen Unternehmenspolitik:
Nach schwierigen Jahren hat der Verein wieder professionelles Niveau erreicht, sich von der Krise erholt und spielt nun in der Ligue 2, mit gezielten Investitionen und einem langfristigen Projekt, das auch von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten aus dem Sportbereich unterstützt wird.
Gervinho, Sessegnon und das Halbfinale der Coupe de la Ligue
Le Mans war in der Vergangenheit eine Wohlfühloase für viele Stürmer, allen voran Gervinho. In der Saison 2006/07 investierten die Franzosen etwas mehr als 600 Tausend Euro, um ihn vom belgischen Verein Bevern zu verpflichten. Eine Investition, die sich auszahlen sollte, denn der Ivorer gehörte zu den Protagonisten jener Spielzeiten mit einem Rudi Garcia auf der Trainerbank, Stéphane Sessègnon im Mittelfeld und den Toren des Brasilianers Túlio de Melo.
Mit dem ehemaligen Trainer der Roma auf der Bank wurde eines der wichtigsten Ergebnisse in der Geschichte des Vereins erzielt: das Halbfinale der Coupe de la Ligue, in dem Le Mans gegen Lens unter der Leitung von Jean-Pierre Papin verlor. Ein außergewöhnlicher Weg, auf dem Garcias Mannschaft auch die Hürde Lyon nahm, das damals von Juninho Pernambucano und einem sehr jungen Karim Benzema angeführt wurde.
Gervinho au Mans FC en Ligue 1 avec le big sponsor Loué... Quelle époque. pic.twitter.com/xwLzcke9YP
— Point de Penalty (@_PointDePenalty) February 20, 2026
Prognose
Le Mans war lange Zeit eine der besten Mannschaften der Ligue 2 und hatte eine sehr lange Serie ohne Niederlage (17 Spiele). Auch wenn es kürzlich mal ein oder zwei Dämpfer gab (z. B. 1:1 gegen Guingamp), bleibt die Mannschaft extrem stabil, defensiv solide und punktet regelmäßig.
Die Investoren und Aktionäre bringen nicht nur Geld, sondern durch die Promis auch Strahlkraft, bessere Transfers, Infrastruktur-Investitionen und höhere Ambitionen. Der neue Präsident/Verwaltungsrat-Chef sagt ganz offen: „Wir glauben, dass der Club in die Ligue 1 gehört“ und strebt damit die französische Elite an.
Le Mans stieg 2024/25 als Zweiter aus der National (3. Liga) direkt wieder in die Ligue 2 auf und hat sich dort sofort etabliert – statt Abstiegskampf spielen sie oben mit. Das ist für einen frischen Aufsteiger sehr ungewöhnlich und zeigt, dass der Kader und Trainer Patrick Videira sehr gut arbeitet.
Der Aufsteiger hat aktuell die fünftbeste Bilanz der Liga, und mit drei Punkten nur minimalen Rückstand auf die direkten Aufstiegsplätze, eine sehr stabile Form und plötzlich richtig viel Geld + Promi-Power im Rücken. Deshalb wird der Verein derzeit als echter Aufstiegskandidat gehandelt – die Chancen stehen so gut wie seit über 15 Jahren nicht mehr. Selbst wenn der Aufstieg diese Saison nicht gelingt, scheint der Verein optimal aufgestellt um bald wieder Geschichte in der höchsten französischen Spielklasse zu schreiben.



