Der SC Paderborn darf nach dem Erreichen der Aufstiegsrelegation von der Rückkehr ins deutsche Oberhaus träumen. Einer der Protagonisten dieses Erfolgs ist Talent Mika Baur (21). Der deutsche U21-Nationalspieler ist mit 10 Scorerpunkten entscheidend am möglichen Aufstieg der Westfalen beteiligt. Daher analysieren wir für euch den stärksten Allrounder der zweiten Liga. (Bild: IMAGO / Ulrich Hufnagel)
Werdegang
Mika Baur, geboren am 9. Juli 2004 in Salem am Bodensee, begann seine fußballerische Laufbahn bei den lokalen Vereinen FC Rot-Weiß Salem und FC Radolfzell, bevor er 2016 zum VfB Stuttgart wechselte und zwei Jahre später in die Jugend des SC Freiburg gelangte.
Dort reifte er zum Leistungsträger heran, absolvierte Spiele in der B- und A-Junioren-Bundesliga und feierte im Januar 2022 sein Debüt in der 3. Liga für Freiburg II – ein Auftritt, der ihm sofort den Rekord als jüngster Debüttorschütze in der Drittligageschichte bescherte, als er gegen den 1. FC Magdeburg zum zwischenzeitlichen 1:1 ausglich.
Insgesamt kam er für die zweite Mannschaft der Breisgauer auf 61 Einsätze und fünf Tore, ehe er im Sommer 2024 zum Zweitligisten SC Paderborn 07 wechselte. Nach einer zunächst schwierigen Eingewöhnungsphase mit nur sechs Zweitliga-Einsätzen in der Hinrunde folgte im Januar 2025 eine Leihe zu Dynamo Dresden in die 3. Liga, wo er mit 18 Partien und einem Tor maßgeblich zum Aufstieg beitrug.
„Mein Vater hat auf jeden Fall dazu geraten. Ich habe mit der Familie darüber gesprochen. Papa war begeistert davon, wusste von den Spielen, wo ich mit Freiburg II hier spielte, was Dynamo für ein Verein ist und was es aus der Vergangenheit bedeutet, für Dresden zu spielen. Er freut sich für mich“, verriet Baur über die beratende Rolle seines Vaters.
Zurück in Paderborn hat er sich in der Saison 2025/26 fest etabliert und zeigt mit 33 Ligaspielen und zehn direkten Torbeteiligungen eine beeindruckende Entwicklung, die den SC Paderborn in die Aufstiegsrelegation gegen den VfL Wolfsburg führte. Ironischerweise gehören die Wölfe zu den konkreten Interessenten um Baur, weshalb es sein kann, dass der junge Mittelfeldmann gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber ran darf.
🇩🇪 El @DynamoDresden obtiene la cesión del medio-ofensivo alemán Mika Baur (20 | #Paderborn) hasta final de temporada. pic.twitter.com/VLYAznT2WH
— Mercatosphera (@mercatosphera) January 17, 2025
Spielerprofil – Der kreative Allrounder
Baur agiert bevorzugt im zentralen oder defensiven Mittelfeld, ist mit 1,72 Metern Körpergröße kompakt und beidfüßig – eine Kombination, die ihm große Flexibilität verleiht. Er besticht durch eine hohe Dynamik, technisch saubere Ballverarbeitung und die Fähigkeit, aus dem Mittelfeld heraus das Spiel intelligent aufzuziehen.
In Paderborn hat er sich zu einem stabilen Leistungsträger entwickelt, der nicht nur Zweikämpfe führt, sondern auch kreative Momente setzt und in der laufenden Saison mit vier Treffern sowie zusätzlichen 6 Vorlagen glänzt. Denn Baur besticht gerade am Ball durch ein starkes progressives Passspiel über sämtliche Distanzen und gemeingefährlichen Flanken (33,3% Erfolgsquote). In diesen Disziplinen gehörte er zur absoluten Ligaspitze.
Aber auch gegen den Ball hat Mika einiges zu bieten. In 33 Partien konnte er vor allem durch seine Antizipation exzellente 162 Bälle erobern! 21 davon in des Gegners Hälfte, was zeigt, dass unser Protagonist für moderne hohe Pressingsysteme hervorragend geeignet ist und in beiden Phasen des Spiels viel zu bieten hat.
Der Kicker ordnete ihn in der Hinrundenrangliste der 2. Bundesliga in die Kategorie „herausragend“ ein, was seine Rolle als defensiver Anker mit offensiven Impulsen unterstreicht. Seine Stärke liegt in der Balance aus Zweikampfstärke, Ballzirkulation und der Fähigkeit, Räume zu überbrücken – Eigenschaften, die ihn zu einem modernen Achter machen.
Mika Baur is an underrated midfield maestro.
— emir (@EKscouting) January 25, 2026
I love how he constantly moves across the midfield. In possession, he keeps things secure, playing clean verticals and diagonals.
At just 21, he plays with impressive confidence. Energetic, attack-minded, and a strong all-rounder, he… pic.twitter.com/6UvEpKKObw
Die Entwicklungsfelder
Trotz seiner beeindruckenden Entwicklung bleibt Paderborns Nummer 14 mit seinen 1,72 Metern Körpergröße und einem Kampfgewicht von rund 62 Kilogramm ein eher leichter Mittelfeldspieler. Diese Physis bringt klare Limitationen mit sich, vor allem in Zweikämpfen gegen robustere und größere Gegenspieler, weshalb er in defensiven Zweikämpfen (Quote: 47,7%) noch Luft nach oben besitzt.
Sein Passspiel ist seine Stärke, doch auf engem Raum oder bei hohem Pressing der Gegner wirkt er gelegentlich überfordert, wenn der Ball schnell und hart kommt. Statistiken deuten darauf hin, dass er zwar viele Ballkontakte hat (über 1.900 in der Saison), aber wenn er ins Dribbling muss, nur 36,4 Prozent dieser Duelle gewinnt.
Lange Bälle und Distanzschüsse gehören zu seinen Stärken, doch die Trefferquote aus der zweiten Reihe bleibt ausbaufähig – viele Versuche verfehlen das Ziel oder werden geblockt, weshalb er da noch an seiner Effizienz arbeiten darf.
Ein weiterer Aspekt ist die Konstanz über 90 Minuten hinweg. Während Baur in vielen Spielen herausragend agiert (Kicker-Rangliste „herausragend“ im defensiven Mittelfeld), gibt es Phasen, in denen seine Präsenz etwas nachlässt, besonders in intensiven Partien oder bei Rückständen.
Die Leihe nach Dresden und die anfängliche schwierige Phase in Paderborn haben gezeigt, dass er mentale Rückschläge gut verarbeitet – dennoch fehlt ihm noch die Routine eines etablierten Bundesligaspielers, um über eine ganze Saison hinweg auf Top-Niveau zu performen und bei Rückständen wie ein Leader voranzugehen.
Privater Hintergrund und Einfluss auf Charakter sowie Mentalität
Der familiäre Hintergrund prägt Baur nachhaltig: Er ist der Sohn des Handball-Weltmeisters von 2007, Markus Baur, und Bruder von Kimi Baur, der aktuell in der U19 des SC Freiburg spielt. Die Sportbegeisterung in der Familie war von klein auf präsent – Mika probierte neben Fußball auch Handball und Tennis aus, blieb aber beim runden Leder hängen.
Sein Vater hat ihm nie direkten Leistungsdruck auferlegt, da die Sportarten unterschiedlich sind, doch die geteilten Erfahrungen aus dem Profisport haben ihn geformt. In einem Interview mit der Bild-Zeitung erklärte Baur dazu:
„Papa hat vieles genauso durchgemacht. Man fängt früh an, geht zeitig in den Leistungssport und verzichtet auf viele Dinge. Auch die Phase des letzten halben Jahres, wo ich in Paderborn wenig zum Einsatz kam, hat er erlebt. Da ist es immer gut, wenn man jemanden fragen kann, wie gehe ich damit um oder was ändere ich jetzt.“
Diese Offenheit im Umgang mit Rückschlägen und die Fähigkeit, professionell mit Phasen geringer Spielzeit umzugehen, spiegeln sich in seiner Mentalität wider: Baur wirkt resilient, lernwillig und teamorientiert. Die sportliche DNA der Familie hat ihm offenbar eine gesunde Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit mitgegeben, die ihn in kritischen Momenten stabil hält.
Prognose & Transfereinschätzung
Mit gerade einmal 21 Jahren, einem Marktwert von vier Millionen Euro und regelmäßigen Nominierungen für die U21-Nationalmannschaft verfügt Mika Baur über klares Potenzial für die Bundesliga. Seine Entwicklung ist vielen Bundesligisten und ausländischen Vereinen nicht verborgen geblieben.
„Mika Baur ist einer der großen Gewinner der bisherigen Saison. Er hat jetzt endgültig den Durchbruch geschafft und macht mit starken Leistungen regelmäßig auf sich aufmerksam. Vor allem seine herausragende Technik dürfte bei dem ein oder anderem Verein Interesse hervorrufen“, so TM-Marktwert-Koordinator Tobias Kröger.
Die Kombination aus technischer Reife, taktischer Disziplin und der mentalen Stärke, die er aus dem familiären Umfeld zieht, macht ihn zu einem Kandidaten für einen soliden Rotationsplatz oder sogar eine Stammrolle bei einem ambitionierten Bundesligisten. Vereine wie Werder Bremen und der VfL Wolfsburg sollen konkretes Interesse zeigen und könnten Baur zum Rekordabgang der Vereinsgeschichte der Westfalen machen (Rekord hält Zehnter mit 4,5 Mio).
Sollte er es nicht mit Paderborn über die Relegation in die 1. Bundesliga schaffen, ist ein Wechsel in die höchste deutsche Spielklasse diesen Sommer durchaus realistisch – nicht als Wunderkind, sondern als vielseitiger Mittelfeldspieler, der langfristig das Potenzial für die A-Nationalmannschaft mitbringt. Daher schätze ich sein Potenzial auf einer Skala von 1-10 mit einer 8 ein.



