Von allen ausländischen Legionären, die in der Bundesliga je für Furore sorgten, gehört Grafite zu den markantesten Figuren. Unvergessen wie der Brasilianer unter Trainer Felix Magath die sensationelle Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg gewann und zusammen mit Edin Dzeko die Liga aufmischte. Doch was macht der mittlerweile 46-jährige ehemalige Topstürmer eigentlich? (Bild: IMAGO / Sven Simon)
Der Brasilianer, geboren am 2. April 1979 in Campo Limpo Paulista, schrieb 2008/09 beim VfL Wolfsburg Geschichte: Mit 28 Toren in nur 25 Spielen holte er die Torjägerkanone, wurde Deutschlands Fußballer des Jahres und feierte mit den „Wölfen“ die bis heute einzige Meisterschaft des Klubs. Zusammen mit Edin Džeko bildete er eines der torgefährlichsten Duos der Ligageschichte – 54 gemeinsame Treffer in einer Saison übertrafen sogar den Rekord von Gerd Müller und Uli Hoeneß.
Nach dem Sensationsjahr ging es jedoch sportlich bergab. Grafite verließ Wolfsburg 2011 im Alter von 31 Jahren Richtung Al-Ahli Dubai, spielte später bei Al-Sadd in Katar und kehrte schließlich nach Brasilien zurück (Santa Cruz und Athletico Paranaense). Im Januar 2018 beendete der damals 38-Jährige seine Profikarriere endgültig – freiwillig und aus Leistungsgründen, wie er selbst schrieb:
„Ich kam zu dem Schluss, dass ich nicht mehr in der Form helfen kann, die der Klub braucht und die er von mir erwartet. Ich denke, ich kann in einigen Situationen nun wesentlich hilfreicher außerhalb des Platzes sein.“ Heute, mit 46 Jahren, ist Grafite längst nicht mehr vom Fußball verschwunden. Im Gegenteil: Er hat sich in Brasilien eine neue berufliche Heimat geschaffen.
Pasarán los años y esto de Grafite contra el Bayern Múnich en 2009 seguirá siendo una obra de arte.pic.twitter.com/eHzflrQphA
— GRADA B pro (@GradaBpro) June 18, 2025
TV-Experte bei TV Globo und SporTV
Der ehemalige Stürmer arbeitet hauptberuflich als Fußball-Experte für die großen brasilianischen Sender TV Globo und SporTV. Dort analysiert er regelmäßig Spiele – darunter auch Partien der Bundesliga, die in Brasilien durch die DFL-Rechte stark an Popularität gewonnen hat. Im ran-Interview Anfang 2025 erklärte er:
„Ich bin aktuell TV-Experte in Brasilien. Ich habe bislang schon einige Bundesliga-Spiele analysiert, am Samstag arbeite ich zum ersten Mal bei einem Spiel von Wolfsburg. Darauf freue ich mich sehr. Ich wünsche Wolfsburg viel Glück. Generell vermisse ich die Deutschen“, verriet Grafite.
Internationaler Markenbotschafter des VfL Wolfsburg
Der VfL hat die Verbindung zum Brasilianer nie abreißen lassen. Grafite ist weiterhin als internationaler Markenbotschafter für den Klub aktiv. Er nimmt an Events teil, besucht Wolfsburg und repräsentiert die Grün-Weißen weltweit – besonders in Brasilien. Bei einem Besuch 2023 sagte er gegenüber der Vereinswebsite:
„Es ist fantastisch, wieder zurück in Wolfsburg zu sein! Es ist mir immer ein großes Vergnügen und ich bin sehr stolz, da ich hier eine wunderbare und erfolgreiche Zeit hatte. Ich verbinde Wolfsburg mit vielen positiven Emotionen, auch da ich noch viele Menschen von hier kenne. Es fühlt sich immer ein bisschen so an, als würde ich nach Hause kommen.“
Globo definiu as escalas do primeiro jogo da final da Copa do Brasil, entre Flamengo x Atlético-MG, no próximo domingo (03), às 16h00.
— Narradores Brasileiros (@NarradoresB) November 1, 2024
TV Globo: Luis Roberto, Ana Thaís Matos e Júnior.
Sportv: Luiz Carlos Júnior, Eric Faria e Grafite. pic.twitter.com/1I49ReyW1U
Engagement gegen Rassismus
Ein weiterer wichtiger Pfeiler seines heutigen Lebens ist sein soziales Engagement. Grafite setzt sich seit Jahren lautstark gegen Rassismus ein – ein Thema, das ihm in Brasilien besonders am Herzen liegt. Er spricht öffentlich über Fälle wie die von Vinícius Júnior und lobt in Interviews immer wieder den Umgang mit Rassismus in Deutschland als vorbildlich. 2023 betonte er:
„Ich finde, der Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist hier in Deutschland wirklich sehr vorbildlich, nicht nur in Wolfsburg. […] Ja, das ist in Brasilien noch ein großes Problem, und es ist harte Arbeit dagegen erfolgreich vorzugehen.“
Abseits des Rampenlichts hält sich Grafite eher bedeckt. Es gibt keine Hinweise auf große unternehmerische Projekte. Sein Fokus liegt klar auf Medien, dem VfL und seinem gesellschaftlichem Engagement.
Kurz gesagt: Grafite hat den Übergang vom heiligen Grün ins TV-Studio und Ehrenamt geschafft – ohne Drama, aber mit bleibender Verbundenheit zu Wolfsburg. Wer heute die Bundesliga in Brasilien sieht, hört oft seine Stimme. Und wer in Wolfsburg die Meistertrophäe von 2009 betrachtet, denkt unweigerlich an den Mann mit dem legendären Hackentor gegen Bayern München – das Tor, das für die Ewigkeit bestimmt ist…



