Die Vereine der Serie A erleben in den internationalen Wettbewerben der Saison 2025/26 eine der bittersten Phasen ihrer jüngeren Geschichte. Während die höchste italienische Spielklasse zu Hause weiterhin spannend und ausgeglichen bleibt, droht den Klubs in der UEFA Champions League ein historisches Desaster. (Bild: IMAGO / NurPhoto)
Inter Mailand, der souveräne Klassenprimus Italiens, scheiterte bereits in den Playoffs am krassen Außenseiter Bodø/Glimt aus Norwegen (1:3 im Hinspiel, 1:2 im Rückspiel), Juventus Turin kassierte bei Galatasaray ein demütigendes 2:5 (trotz 2:1-Pausenführung), und der SSC Napoli flog schon in der Ligaphase raus – inklusive eines 2:6-Debakels bei PSV Eindhoven. Nur Atalanta Bergamo konnte mit dem glücklichen Einzug ins Achtelfinale in letzter Sekunde gegen den BVB etwas Gesicht wahren.
Fabio Capello, der als Spieler und Trainer Legendenstatus genießt, bringt das Problem auf den Punkt:
„Italienische Mannschaften spielen in einem sehr langsamen Tempo. Wenn sie auf Teams treffen, die Pressing und hohes Tempo spielen, fehlt ihnen die Qualität, sie sind das hohe Tempo nicht gewohnt und machen Fehler. Das ist der Schlüssel. Im Moment sind wir nicht aggressiv genug“, so der ehemalige Fußballlehrer.
„Sobald in der Serie A das Tempo angezogen wird, wird sofort gepfiffen – ein Tackling ist zu hart, ein Ohr wird berührt, und der Spieler geht zu Boden. Deshalb sind das die Ergebnisse. Wir spielen langsam, leider, und wenn das Tempo steigt, ist es schwer, gefährlich zu werden.“
Das 79-Jährige Trainer-Urgestein nennt damit einen der Kernpunkte: Die Serie A hat sich taktisch in eine Komfortzone eingerichtet, in der Schiedsrichterentscheidungen, wenig Pressing-Resistenz und ein gemäßigtes Spieltempo dominieren. Im europäischen Vergleich wirkt das veraltet.
Non volevo leggere alcun commento sulla partita della Juve, mi sono imbattuto su questo commento di Fabio Capello, che esprime esattamente ciò che penso io. Erano anni che non vedevo giocare la squadra con questo ❤️ ed anche se è stata eliminata, sono felice per questa partita ⬇️ https://t.co/MyL1CzhWdd
— Roby59 📣🤍🖤🎼🎧🪘 (@Roby5917) February 26, 2026
Finanzielle Kluft wird immer größer
Der sportliche Niedergang hat vor allem ökonomische Wurzeln. Laut UEFA-Berichten und Deloitte Football Money League 2026 liegt die Serie A bei den Gesamteinnahmen klar auf Platz vier in Europa (hinter Premier League, Bundesliga und La Liga), teilweise sogar auf Platz fünf bei den Matchday-Einnahmen. Die Premier League allein generiert fast 7,5 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie Italiens knappe 2,9 Milliarden.
• TV-Rechte in Italien: ca. 1,2 Mrd. €
• Premier League: ca. 3,4 Mrd. €
• Stadion-Einnahmen Serie A insgesamt: oft unter 450 Mio. € (viele Klubs teilen sich veraltete oder kleine Arenen)
Ohne moderne Stadien, ohne starke internationale Vermarktung und mit sinkenden TV-Geldern (der neue DAZN/Sky-Deal brachte sogar weniger als der vorherige) fehlt das Geld, um Top-Talente langfristig zu halten. Die besten italienischen Spieler (und viele Ausländer nach kurzer Zeit) wandern ab – vor allem nach England, aber auch nach Deutschland, Spanien oder Frankreich.
Alessandro Del Piero brachte es kürzlich so auf den Punkt: „Die Investitionskraft ist sehr niedrig geworden. Andere Märkte sind viel, viel größer geworden als unserer. Probleme? Unsere Stadien. Wir wissen, dass wir da besser performen müssen …“
#Vergara verso la #Nazionale? Ecco la posizione di #Gattuso in vista degli spareggi #Mondialihttps://t.co/wlXwgdn1Jw #Napoli pic.twitter.com/V3mVlxZJtV
— Napolicalcionews.it (@NCN_it) February 26, 2026
Nachwuchsförderung und Spielphilosophie
Ein weiteres strukturelles Problem: Die italienischen Akademien produzieren zu wenig sofort einsatzfähige Profis für das internationale Top-Niveau. Viele Serie-A-Klubs setzen stattdessen auf günstige Ausländer oder Leihspieler, statt konsequent junge Italiener zu integrieren – Pio Esposito, Davide Barthesagi oder Antonio Vergara bilden da die Ausnahme. Talente emigrieren früh – und tauchen dann oft als Gegner wieder auf (wie diverse Ex-Serie-A-Spieler, die italienische Klubs in dieser Saison demütigten).
Kurzfristig hilft nur eine radikale Kehrtwende: aggressiveres Pressing trainieren, Tempo erhöhen, Schiedsrichter sensibilisieren und vor allem in Infrastruktur investieren. Langfristig braucht die Serie A eine neue TV-Rechte-Strategie und endlich den Mut zu Stadion-Neubauten. Fabio Capello formulierte es schon vor Jahren sinngemäß so: Der deutsche Weg – starke Nachwuchsarbeit, hohes Tempo, mutige Spielweise – sei das Vorbild.
Bis dahin bleibt der Eindruck: Der stolze italienische Fußball ist international nicht mehr konkurrenzfähig – und das tut weh, wenn man an die goldene Ära von 1980 bis 2010 denkt, als Milan, Juventus, Inter und die Roma Europa beherrschten und Teams aus der Serie A noch gefürchtet wurden. Die aktuelle Saison könnte der Tiefpunkt sein – oder der Weckruf, den viele seit Jahren fordern. Denn die Nationalmannschaft hat das Problem schon vor Jahren angedeutet.



