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Darum ist Edin Terzic der perfekte BVB-Trainer

Darum ist Edin Terzic der perfekte BVB-Trainer

Mit der gesicherten Qualifikation für die Champions League Gruppenphase und dem DFB-Pokalsieg kann der BVB unterm Strich mit dem Saisonergebnis durchaus zufrieden sein. Edin Terzic hat die Mannschaft zum Saisonendspurt in die richtige Bahn gelenkt und seinem Herzensverein den ersten Titelgewinn seit 2017 beschert.

Nach der 1:2 Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am 27. Spieltag war die Champions League angesichts von sieben Punkten Rückstand mehr oder weniger abgeschrieben und es drohte der Super-GAU. Man setzte daher den Fokus voll auf den Gewinn des DFB-Pokals, nachdem die Bayern als Rekordpokalsieger und stets haushoher Favorit bereits in der zweiten Runde gegen Holstein Kiel die Segel streichen mussten. Bei einem solch seltenen Szenario reiben sich die übrig gebliebenen Mannschaften die Hände und machen sich berechtigte Hoffnungen auf den Pokal, allen voran der BVB, da die Meisterschaft oder ein internationaler Triumph ob der Macht der Bayern nach wie vor reine Utopie zu sein scheint.

Edin Terzic – der perfekte BVB-Trainer?

Einen nicht unerheblichen Anteil am erfolgreichen Saisonabschluss hat wie immer auch der Cheftrainer. Edin Terzic hat dieser verunsicherten, glücklos agierenden und mitunter in manchen Spielsituationen lethargisch wirkenden Mannschaft zum Saisonendspurt eine kriegsentscheidende, brutale Siegermentalität eingeimpft und den BVB wieder „BVB-like“ gemacht. Und genau letzteres hat seit Kloppo keiner seiner Nachfolger geschafft und auch genau deshalb wird der BVB nicht mit dem perfekten BVB-Trainer in die Saison gehen, sondern „nur“ mit Marco Rose.

Jeder im und um den Verein erinnert sich gerne an die Ära unter Jürgen Klopp, der es geschafft hat, aus einer noch in der Saison 2008/2009 abstiegsbedrohten Mannschaft einen Doublesieger und CL-Finalisten zu formen sowie mit seinem begeisternden Gegenpressing den europäischen Fußball zu revolutionieren. Auf dem Borsigplatz wurden endlich wieder Titel bejubelt. Mit Thomas Tuchel holte man erneut einen Trainer vom FSV Mainz 05 und erhoffte sich, einen „zweiten Klopp“ an die Seitenlinie zu holen, allerdings wohlwissend, dass Tuchel ein ganz anderer Trainertyp ist. Trotzdem hat man für die Bewertung der jeweiligen Cheftrainer stets Klopp´s Erfolge als Maßstab genommen und war deshalb nie rundum glücklich, was die Trainerbesetzung angeht. Sie suchten vergebens nach dem perfekten BVB-Trainer, doch wie sieht dieser aus? Wenn man ehrlich ist, wären sie nur mit einem Klopp-Klon vollends zufrieden gewesen, wenn überhaupt, und haben deshalb ganz drastisch ausgedrückt, jeden Trainer, der „anders“ war, letzten Endes geschasst.

Leidenschaft, Sieger-Mentalität und die Fans als 12. Mann

Wir alle kennen die Bilder des ehemaligen BVB-Trainers, wie er jeden Millimeter seiner Coaching-Zone beackert, seine Spieler zur maximalen Leistungsvermögensabschöpfung gepeitscht, die Dortmund-Fans ganz Diego-Simeone-like zu mehr Stimmung gepusht und Tore gegen Mannschaften wie Augsburg oder Freiburg so gefeiert hat, als ob es der entscheidende Finaltreffer eines WM- oder CL-Finales wäre. Diese Emotionalität hat er sowohl auf die Fans als auch auf seine Spieler übertragen, die sich fortan als unschlagbar fühlten und genauso auch bis zum Abpfiff auf dem Spielfeld aufgetreten sind, bis der Schlusspfiff ertönte. Genau diese Gefühlsausbrüche und Motivationsschübe vermisste man bei allen darauffolgenden Trainern. Tuchel war vielleicht sogar der lauteste, allerdings hörte man ihn entweder Kommandos gebend oder seine Spieler lautstark kritisierend, während man die anderen Coaches so gut wie gar nicht hörte.

Edin Terzic ist jedoch der erste Trainer, der die Mannschaft von der Seitenlinie nicht nur coacht, sondern sie auch pusht und die in Dortmund erwünschte Mentalität auslebt. Er hat Leidenschaft, Siegeswillen und den Glauben an die eigenen Stärken ins Team gebracht. Die Seitenlinie rennt er zwar nicht rauf und runter und regt sich auch nicht über eine falsche Einwurf-Entscheidung so auf, als ob davon die Meisterschaft abhängen würde. Wenn man jedoch sieht, wie er Tore und Siege frenetisch jubelt und sich kaum zurückhalten kann, wie er seine Spieler mit geballter Faust nach vorne peitscht und nach dem Abpfiff seine Spieler herzlich abklatscht und umarmt, erinnert das schon stark an Klopp und unterscheidet ihn doch erheblich von seinen Vorgängern. Als waschechter Dortmunder Junge und durch seine Vereinsliebe sind auch die Fans wieder voll hinter dem Team und können sich endlich wieder mit der Mannschaft identifizieren, was wir sicherlich mit Zuschauern und Fans im Stadion am deutlichsten erkennbar gewesen wäre. Man könnte sogar sagen, er bringt den etwas anderen „Stallgeruch“ mit. Mit seiner ruhigen, ehrlichen und seiner direkten aber sehr respektvollen Art, erfreut er sich auch großer Beliebtheit bei der breiten Öffentlichkeit, was vor allem bei Lucien Favre eines der größten Kritikpunkte gewesen sind.

Taktisch auf Augenhöhe mit Toptrainern

Den Vorgängern von Terzic wurden höchste taktische Raffinesse nachgesagt, was sie größtenteils auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Doch Terzic hat gezeigt, dass auch er den Fußball versteht und in der Lage ist, eine erfolgsbringende Taktik zu entwickeln und diese seiner Mannschaft so zu vermitteln, dass auf dem Platz die berühmtberüchtigte Handschrift des Trainers erkennbar wird. Dabei hat er sowohl mit einer Dreier- als auch mit einer Viererkette spielen lassen, was zeigt, dass er nicht nur taktisch variabel ist, sondern im Vorfeld des Spiels den Gegner perfekt analysiert.

Man darf nicht vergessen, sondern muss es sogar hervorheben, dass Terzic alle drei Duelle gegen den zukünftigen FCB-Trainer, Julian Nagelsmann, für sich entscheiden konnte, Marco Rose´s Gladbacher im DFB-Pokalhalbfinale besiegte, und gegen die Bayern vor allem in der ersten Halbzeit eindrucksvoll gezeigt, wie perfekt er sein Team auf das Spiel eingestellt hat. Die frühe 2-0 Führung war absolut verdient, indem sie den Plan des Trainers, die Bayern schon früh beim Spielaufbau zu stören, die Anspielstationen zu decken und gleichzeitig Pressing auf den ballführenden Spieler auszuüben, perfekt umgesetzt haben und ihre Chancen eiskalt genutzt haben. Dass sie am Ende des Spiels trotzdem mit leeren Händen dastanden, lag nicht an Terzic, sondern vielmehr an der individuellen Qualität der Bayern und ihrer in dieser Saison auszeichnenden Comeback-Fähigkeiten durch ihre überragende Mentalität. Auch gegen ManCity mit Pep Guardiola haben die Dortmunder sehr gut dagegengehalten und waren phasenweise sogar überlegen, und hätte Bellinghams irreguläres Tor korrekterweise gezählt, hätte der BVB womöglich das Halbfinale erreicht. Terzic hat in beiden Partien erneut unter Beweis gestellt, dass er gegen Toptrainer mehr als nur mithalten kann und auch in internationalen Spielen in der Lage ist, seiner Mannschaft einen erfolgsversprechenden guten Plan mit auf den Weg zu geben.

Terzic der Bessermacher und Krisenbewältiger

Für den Erfolg der Mannschaft scheut er auch nicht davor zurück, auch mal den Kapitän des Teams, Marco Reus, auf die Bank zu setzen und damit das Zeichen zu setzen, dass unter ihm das Leistungsprinzip vorherrscht. Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern hat er bezüglich Reus allerdings nicht eine Bestrafung des Spielers im Sinn gehabt und anstatt fortan nicht mehr auf ihn zu setzen, hat er Reus aus seiner Formkrise herausgeholt und zu alter Stärke verholfen hat. Auch den fast schon auf dem Abstellgleis gestellten und seit seiner Ankunft in Dortmund nie wirklich angekommenen Mo Dahoud hat er sein Vertrauen geschenkt und ihn zum Stammspieler gemacht, das dieser durch teilweise Weltklasse-Leistungen mehr als nur zurückgezahlt hat. Dahoud war einer der Garanten für den erfolgreichen Saisonendspurt.

Zwischen dem Bayern-Spiel am 24. Spieltag und dem Viertelfinalrückspiel gegen City konnte er aus acht Pflichtspielen nur zwei Spiele gewinnen und kassierte in dieser Phase vier Niederlagen, unter anderem die bittere Pleite gegen die Eintracht, wonach das Erreichen der CL-Gruppenphase ob der sieben Punkte Rückstand schier unmöglich schien. Doch Terzic bewahrte die Ruhe, stärkte die Spieler und bereitete sie jedes Mal auf neue perfekt auf die Spiele vor und startete in der Folge eine Serie mit sieben Siegen in Folge. Er kann also auch eine Krisensituation meistern und seine Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen. Bezeichnend dafür, ist die Aussage von Mats Hummels nach der 1:2 Pleite gegen Freiburg am 20. Spieltag, er nach dem Spiel ein kleines Loblied auf Terzic gesungen und ihn in Schutz genommen hat ("Seit Edin da ist, machen wir sehr viele Dinge sehr viel besser. Wir kriegen nur nicht die Ergebnisse, um das zu unterstreichen", sagte der Innenverteidiger bei Sky.).

Kann es in der nächsten Saison mit Terzic als Co-Trainer von Rose überhaupt funktionieren?

Das Wunschszenario des Vereins ist es, dass Terzic auch in der nächsten Saison bei seinem Herzensverein bleibt und im Trainerteam vom zukünftigen Cheftrainer arbeitet. Damit tut man Rose womöglich keinen Gefallen, denn der erfolgreiche und beliebte aktuelle Cheftrainer würde wie ein Damoklesschwert über Rose schweben und sobald die Ergebnisse ausbleiben, wird es Trainerdiskussionen mit lauten Rufen nach Terzic geben. Zudem wäre ein Behalten von Terzic auch kein Vertrauensbeweis gegenüber Rose, wenn der BVB seinen „Plan B“ behält, anstatt Rose vollständig den Rücken zu stärken und mit einer Trennung von Terzic zu zeigen, dass man voll und ganz auf den neuen Trainer setzt und absolut davon überzeugt ist, dass er der richtige Trainer für den BVB ist und man keinen Plan B bräuchte.

Terzic hat jedoch oft genug betont, dass er den Verein im Herzen trägt und genau wie die Führungsriege der Dortmunder auch in der nächsten Saison bleiben möchte. Er befindet sich jedoch in einer komfortablen Situation, da er aufgrund seiner Leistungen das Interesse anderer Vereine auf sich gezogen hat und aufgrund eines „Gentlemen-agreements“ den Verein verlassen darf, sollte es ein für ihn interessantes Angebot als Cheftrainer geben. Und an Interessenten mangelt es nicht, zwar hat er angeblich Eintracht Frankfurt bereits abgesagt, allerdings gibt es auch eine Premier League Clubs, die ein Auge auf ihn geworfen haben. Erfahrungen in England konnte er an der Seite von Slaven Billic als Co-Trainer bei West Ham United zwischen der Saison 15/16 - 17/18 sammeln.

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