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Revolution im Iran – so steht es um die iranischen Fußballer

Iranische Fußballer haben in der Bundesliga Tradition. Mit Ali Daei, Ashkan Dejagah, Vahid Hashemian und Ali Karimi konnten vier Iraner die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Mit Sardar Azmoun spielt aktuell ein weiterer iranischer Spieler in der Bundesliga bei Bayer 04 Leverkusen. Aktuell stehen einige von ihnen im Fokus, doch dabei geht es weniger um Fußball. Im Iran findet zurzeit eine von Frauen angeführte Revolution statt, in der das iranische Volk um ihre Freiheit kämpft und das terroristische Mullah-Regime stürzen will. Schätzungsweise 20.000 Menschen wurden verhaftet und größtenteils zum Tode verurteilt, vier Demonstranten wurden bereits hingerichtet und über 500 Menschen bislang ermordet. Viele Sportler haben sich dabei auf die Seite des iranischen Volkes, und damit gegen das Regime, gestellt und fürchten um ihr Leben und das ihrer Familien. (Bild: IMAGO / Sven Simon)

Ali Daei und seine Familie massiv unter Beschuss

Der ehemalige Welttorjäger (2022 von Cristiano Ronaldo überholt) war in der Bundesliga beim FC Bayern München, Hertha BSC Berlin und Arminia Bielefeld aktiv und war lange Zeit der einzige Fußballer, der über 100 Länderspieltore für sein Land erzielte. Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er als Cheftrainer in der ersten Iranischen Liga für diverse Vereine und war von 2008 bis 2009 sogar Nationaltrainer vom Iran.

Im Iran wird er nicht nur aufgrund seiner glorreichen Fußballerkarriere als Volksheld gefeiert. In den letzten Jahren machte er immer wieder auf die Unterdrückung der Frauen durch das Regime der Islamischen Republik aufmerksam und setzte sich unter anderem dafür ein, dass Frauen der Zutritt in die Fußballstadien gewährt wird. Während der seit über 100 Tagen andauernden Revolution im Iran ist er eine der lautesten Stimmen des unterdrückten iranischen Volkes und lehnte die FIFA-Einladung zur WM 2022 in Katar, weil er seine Landsleute nicht im Stich lassen wollte. Wegen seiner öffentlichen Kritik am Regime wurde er sogar für kurze Zeit verhaftet und ihm wurde vorübergehend der Pass eingezogen. Aktuell darf er das Land aufgrund eines gegen ihn erteilten Ausreiseverbot nicht verlassen.

„Ich danke Gott, dass ihr Flugzeug nicht von feindlichen Raketen getroffen wurde." (Ali Daei)

Nun wurde sogar seine Familie Opfer der Repressalien des Regimes. Seine Ehefrau und seine Tochter saßen im Flugzeug nach Dubai, wo sie für eine Woche verbleiben wollten, als der Flieger kurz vor Erreichen des Ziels auf der iranischen Insel Kish eine Notlandung durchführte. Auf Anweisung der Islamischen Republik mussten die Ehefrau und die Tochter von Ali Daei das Flugzeug verlassen und zurück nach Teheran fliegen. Laut offiziellen Angaben der Justizbehörden hatte man den Verdacht, dass seine Familie das Land verlassen und in die USA auswandern wollte, was Daei jedoch vehement dementierte. Es dürften reine Propaganda-Lügen des Regimes sein. Ali Daei hat bereits verlauten lassen, dass er sich nicht einschüchtern lassen und sich weiter für das iranische Volk einsetzen werde.

Ashkan Dejagah darf das Land nicht verlassen

Der in Teheran geborene und in Berlin aufgewachsene Deutsch-Iraner hat 160 Bundesligaspiele (19 Tore und 22 Vorlagen) für Hertha BSC Berlin und den VfL Wolfsburg absolviert. Sein größter Triumph war die Deutsche Meisterschaft mit den Wölfen in der Saision 2008/2009 unter Felix Magath, wo er in 27 Spielen zum Einsatz kam und zu den Leistungsträgern gehörte. Weitere Stationen des 57-fachen iranischen Nationalspielers waren der FC Fulham (2012-2014) und Nottingham Forest (2018) in England sowie zwei kurze Intermezzos in Katar. Aktuell steht der 36-jährige Offensivspieler im Iran beim FC Foolad unter Vertrag.

Auch Ashkan Dejagah hat das Regime der Islamischen Republik öffentlich kritisiert und sich an die Seite der Frauen im Iran gestellt. Für seine Unterstützung des iranischen Volkes und der Revolution im Iran wurde auch er für kurze Zeit in Haft genommen und musste seinen Pass abgeben. Obwohl er auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, darf er das Land nicht verlassen und somit auch nicht seine in Berlin lebende Familie besuchen.

Ali Karimi kämpft im Ausland für mehr Unterstützung

Der einst als "Asiens Maradonna" gefeierte Offensivkünstler wurde 2005 als großes Versprechen von Felix Magath zum FC Bayern München geholt. Zwar konnte er immer wieder seine überragende Technik aufblitzen, doch so richtig durchgesetzt hat er sich in München nicht, weshalb für ihn 2007 nach insgesamt 34 Bundesligaspielen (3 Tore und 4 Vorlagen) Schluss war beim Rekordmeister. 2011 wechselte er für ein halbes Jahr zum FC Schalke 04, wo er jedoch nur sporadisch zum Einsatz kam.

Karimi gehört ebenfalls zu den größten und lautesten Kritikern des Regimes und hat sich seit Beginn der Revolution auf die Seite des iranischen Volkes gestellt. Er verurteilte öffentlich die Morde, Hinrichtungen, Todesurteile und Vergewaltigungen an die unschuldigen Iraner:innen, die friedlich für ihre Freiheit auf die Straßen gehen. Hierfür musste er gegen seinen Willen das Land verlassen und sich ins Ausland absetzen, von wo er sich aktiv für die Revolution einsetzt. Dabei versucht er seine Kontakte, die er während seiner Laufbahn als Fußballer knüpfen konnte, einzusetzen und mehr Verbündete zu gewinnen, damit der Druck von außen auf das Regime größer wird und die Mullahs endlich gestürzt werden.

HSV-Legende Mehdi Mahdavikia positioniert sich gegen das Regime

Wenn Mahdavikia im Trikot des Hamburger SV den Ball am Fuß hatte, schallte durch das ganze Stadion "Meeeeeeeeeeeeeeehdi"-Rufe. Er trug die HSV-Raute von 1999-2007 und mauserte sich aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes auf der rechten Außenbahn zum absoluten Liebling der Fans. Er gewann sogar mit den Rothosen in der Saison 2005/2006 den UI-Cup und wurde 2004 Deutscher Ligapokalsieger. Für den HSV, den VfL Bochum und Eintracht Frankfurt absolvierte er insgesamt 255 Bundesligaspiele (29 Tore und 55 Vorlagen) und zählt noch immer zu den HSV-Legenden.

Nach seiner aktiven Spielerkarriere gründete er die "KIA Football Academy", mit der er iranische Talente fördert und ihnen hilft, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Von 2015 bis 2021 arbeitete er als Trainer im Jugendbereich des HSV bevor er dann die iranische U21-Nationalmannschaft als Cheftrainer übernahm, um sie auf die Qualifikation für die Olympischen Spieler 2024 in Paris vorzubereiten. Nachdem auch Mahdavikia öffentlich das brutale Vorgehen des Regimes verurteilte, räumte er seinen Posten im Oktober 2022 eigenwillig und zog damit seine Konsequenzen daraus.

Fußballer im Fadenkreuz der Politik

In jüngster Zeit keimt immer wieder die Diskussion auf, ob Fußball und Politik strikt getrennt werden sollten. Denn immer mehr Fußballer nutzen den Fußballrasen als Bühne, um politische Zeichen zu setzen. Wir erinnern uns alle an die Debatte um die One-Love-Kapitänsbinde oder dem Kniefall vor dem Spiel als Zeichen gegen Rassismus und für Toleranz. Auch die letzten beiden WM-Vergaben an Russland und Katar sind nicht selten Bestandteil von politischen Diskussionen, da auch der Fußball aufgrund seiner immensen Bedeutung in der Gesellschaft eine große Verantwortung trägt und sich zumindest die Einhaltung von Menschenrechte auf die Fahne schreiben sollte. Die letzten beiden Weltmeisterschaften zeigen allerdings, dass Länder, in denen auf Menschenrechte nicht viel gegeben wird sowie die FIFA den Fußball für eigene Zweck instrumentalisieren.

Gerade deshalb kann der Fußball und speziell die Fußballer:innen selbst dabei helfen, auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und das Thema in die breite Öffentlichkeit zu platzieren. Genau das haben sich iranische Fußballer wie Vouria Ghafouri, Kaveh Rezaei oder Hossein Mahini zu Herzen genommen und haben die Revolution und das iranische Volk unterstützt, und wurden von der Islamischen Republik für einige Zeit verhaftet. Bei der WM 2022 hat die iranische Nationalmannschaft bei ihrer umstrittenen Teilnahme am Turnier die große Bühne genutzt und im ersten Spiel gegen England die Hymne der Islamischen Republik als Zeichen des Protests nicht mitgesungen. Auch die iranische Futsal-Nationalspielerin, Shiva Amini, kann nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren, da sie im Urlaub in der Schweiz zum Kicken ihr Kopftuch ablegte.

Amir Nasr-Azadani wurde nun zu 26 Jahren Haft verurteilt, weil er sich an den Demonstrationen beteiligte und öffentlich das Regime kritisiert.

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WM-Vorschau Achtelfinale: Gelingt Marokko die Sensation?

Am letzten Spieltag in der Runde der letzten 16 trifft die Überraschungsmannschaft der Gruppenphase Marokko auf Spanien, während am Abend Portugal und Schweiz um das letzte Ticket fürs Viertelfinale kämpfen werden. Setzen sich die Favoriten durch oder gelingt einer Nation ein Coup? (Bild: IMAGO / PanoramiC)

Marokko mathematischer Favorit

Rein statistisch gesehen schafft es bei nahezu jeder Fußball-WM mindestens ein Außenseiter ins Viertelfinale. Bei der letzten WM 2018 in Russland waren es der Gastgeber selbst zusammen mit Schweden, 2014 war es Costa Rica, Ghana und Paraguay standen bei der WM 2010 im Viertelfinale, bei der WM 2006 in Deutschland sorgte die Ukraine für Furore, 2002 standen mit Südkorea, Senegal, Türkei und USA gleich vier Mannschaften im Viertelfinale, die vor dem Turnier krasse Außenseiter waren.

Auch wenn die Schweiz seit der WM 1954 im eigenen Land nie über das Achtelfinale hinausgekommen ist, kann man sie im Duell gegen Portugal nicht unbedingt als krassen Außenseiter bezeichnen. Daher muss Marokko eigentlich in die nächste Runde einziehen und das Nachbarland Spanien nach Hause schicken. Doch die Winter-WM ist sowieso ganz anders als anderen Weltmeisterschaften zuvor, sodass es gut ins Bild passen würde, wenn dieses "Gesetz" gebrochen werden würde.

Ballbesitz gegen Bollwerk

Mit 9 Toren hat Spanien zusammen mit England die meisten Treffer erzielt und ist damit die offensivstärkste Mannschaft im Turnier. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass 7 der 9 Treffer im Auftaktspiel gegen Costa Rica fielen und in den beiden anderen Gruppenspielen gegen Deutschland und Japan jeweils nur ein Treffer raussprang. Marokko dagegen hat genauso wie die Niederlande, USA, Tunesien, Kroatien und Brasilien nur ein Gegentor hinnehmen müssen und konnte dank ihrer defensiven Stabilität und ihrer Effizienz vor dem Tor als Gruppensieger weiterkommen.

Das Spiel wird wahrscheinlich so laufen, dass Spanien mit mindestens 70% Ballbesitz in der marokkanischen Spielfeldhälfte nach Lücken suchen wird und die Nordafrikaner kompakt stehen und auf Konter lauern werden. Gegen solche Teams tun sich die Spanier nicht selten schwer, sodass von einer zähen Partie ausgegangen werden kann.

Letzte WM für CR7

Für Cristiano Ronaldo geht es genauso wie für Lionel Messi darum, ihre glorreiche Karriere vollkommen zu machen und bei ihrer letzten WM den Pokal zu holen. Auf Vereinsebene haben beide alles abgeräumt, mit ihrer Nationalmannschaft haben beide die Kontinentalmeisterschaft gewonnen (Ronaldo 2016 Europameister mit Portugal; Messi 2021 Copa América-Sieger) und gefühlt in jeder Statistik neue Rekorde aufgestellt. Einzig der WM-Titel fehlt beiden. Die Portugiesen spielen daher nicht nur für ihr Land, sondern auch für Cristiano Ronaldo und seine Legacy.

Die Schweiz dürfte für die Portugiesen allerdings ein harter Brocken werden, denn die Truppe von Cheftrainer Murat Yakin weiß ganz genau, wie man gegen die Elf von Fernando Santos bestehen kann. Im Juni gelang den Eidgenossen nach einer 0:4 Niederlage im Hinspiel der Nations League, ein beachtlicher 1:0 Sieg im Rückspiel, wo Ex-Bundesligaprofi Haris Seferovic bereits in der ersten Spielminute per Kopf zur Stelle war.

Fazit

Marokko wird sich gegen Spanien durchsetzen und den obligatorischen Part des Underdogs in einem WM-Viertelfinale übernehmen. Dort werden sie auf Portugal treffen, die sich im Match gegen die Schweiz knapp durchsetzen werden.

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WM-Vorschau Gruppe B: Alles ist möglich

In der WM-Gruppe B kann jede Mannschaft noch weiterkommen oder ausscheiden. Selbst der Tabellenführer England könnte theoretisch noch auf den dritten Platz fallen, wenn sie das Britische Derby gegen Wales mit mehr als drei Toren Unterschied verlieren sollten, und das Parallelspiel zwischen Iran und USA nicht unentschieden ausgeht. England und Iran sind die Favoriten auf das Achtelfinale. (Bild: IMAGO / AFLOSPORT)

Iran gegen USA - Mehr als nur ein Fußballspiel

Beide Mannschaften würden mit drei Punkten ins WM-Achtelfinale einziehen und werden daher voll auf Sieg spielen. Das Weiterkommen in die K.O.-Phase wäre für beide Nationen ein Erfolg, wobei es für den Iran sogar das erste Mal wäre, da sie bei ihren bisherigen fünf WM-Teilnahmen immer in der Gruppenphase rausgeflogen sind. Bei diesem Match werden Erinnerungen an die WM 98 in Frankreich wach, als Iran die USA mit 2:1 schlug und so ihren ersten WM-Sieg überhaupt feiern konnten. Fußballerisch dürfte es ein Spiel auf Augenhöhe sein, wobei den Iranern zum Weiterkommen womöglich sogar ein Punkt reichen könnte (wenn Wales nicht gewinnen sollte) und sie deshalb leicht favorisiert in das Spiel reingehen.

Dabei gelten beide Nationen als verfeindet, allerdings nur auf politischer Ebene und nur zwischen den Regierungen, weshalb das Aufeinandertreffen nochmal eine zusätzliche Brisanz hat. Im Vorfeld der Partie wollte sich das US-Team mit der iranischen Revolution und den Protestierenden solidarisch zeigen, indem sie bei der iranische Flagge das Logo der islamischen Republik in der Mitte entfernten. Das iranische Regime reagierte erbost und forderte die FIFA sogar dazu auf, die USA von der WM auszuschließen. Das ARD übertragt das Spiel live im Free-TV ab 19:00 Uhr. Magenta-TV-Kunden können das Spiel auch auf dem Pay-TV-Sender der Telekom schauen.

Irans WM-Teilnahme ist zum Politikum geworden

Eigentlich ist die gesamte Weltmeisterschaft politisch stärker geprägt, als es der FIFA lieb ist, die sich ein rein aufs Sportliche beschränktes Turnier gewünscht hatte. Der Skandal um den WM-Botschafter von Katar, der Homosexualität als "geistige Krankheit" bezeichnete, das FIFA-Verbot zum Tragen der One-Love-Kapitänsbinde, dem generellen Verbot von Regenbogenfarben auf den Klamotten der Spieler und zu guter Letzt das Ausblenden des Flitzers im WM-Spiel zwischen Portugal und Uruguay durch die FIFA, was unstreitig eine Zäsur darstellt, sind die bestimmenden Themen in der WM-Berichterstattung. Sehr zum Unmut der FIFA.

Keine Nation steht so sehr im Mittelpunkt und wird so heiß diskutiert wie der Iran. Bereits vor dem Turnier stand ein WM-Ausschluss im Raum, allerdings entschied sich die FIFA dagegen. Nachdem medial nahezu ausschließlich über das Nichtmitsingen der Hymne der Islamischen Republik beim ersten WM-Spiel berichtet wurde, tauchten zahlreiche Bilder und Videos auf, worauf zu sehen war, wie katarische Ordner im Stadion, aber auch Polizisten auf den Straßen, Iraner:innen T-Shirts oder Flaggen wegnahmen, wo z.B. "Woman Life Freedom" (dt: Frauen Leben Freiheit) drauf stand. Nun hat das iranische Regime eine Drohung in Richtung der iranischen Fußballer und insbesondere deren Familien ausgesprochen, falls die Spieler erneut die Hymne nicht mitsingen sollten oder ein anderes Zeichen setzen.

England klarer Favorit - Wales hofft auf ein Wunder

Die letzten 6 Duelle konnten die Engländer allesamt für sich entscheiden und mussten insgesamt nur ein Gegentor hinnehmen. Auch die aktuelle Form spricht ganz klar für die Three Lions, allerdings kann bei einem Derby wahrlich alles passieren. Für Wales geht es um alles, dementsprechend werden sie hochmotiviert in das Spiel reingehen. Vieles wird von Superstar Gareth Bale abhängen, der das bisher einzige WM-Tor der Waliser erzielte.

Spannend wird die Frage nach der Startaufstellung der Engländer sein, nachdem der Coach der Three Lions, Gareth Southgate, in beiden WM-Spielen gegen Iran und USA exakt die selbe Elf aufbot. An Qualität mangelt es ihnen wahrlich nicht, denn die Bank ist mit Top-Stars wie Phil Foden, Jack Grealish, Marcus Rashford oder Jordan Henderson hochbesetzt, deren Ansprüche höher sind, als nur durch Einwechslungen Einsatzzeit zu bekommen. Southgate setzt auf ein eingespieltes Team und sieht darin den Schlüssel zum (WM-)Erfolg. Das Spiel wird nicht im Free-TV ausgestrahlt, sodass es nur auf dem Pay-TV-Sender Magenta-TV übertragen wird (ab 19:00 Uhr).

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WM-Vorschau Gruppe B: Alle Augen auf den Iran?

Das Auftaktmatch des zweiten Spieltags bestreiten Iran gegen Wales um 11:00 Uhr. Beide Mannschaften brauchen einen Sieg, um noch Chancen auf ein Weiterkommen in die K.O.-Phase zu haben. England kann dabei im Abendspiel um 20:00 Uhr gegen die USA das Ticket für die nächste Runde sichern. (Bild: IMAGO / eu-images)

Setzen die Iraner erneut ein Zeichen?

Nicht unbedingt wegen der fußballerischen Qualität, sondern eher der besonderen Situation im Iran blickt die ganze Welt auf das Spiel der Team Melli gegen Wales. Nach der 2:6 Niederlage, der höchsten Pleite des Iran bei einer WM, steht die beste Mannschaft Asiens unter Zugzwang. Nachdem die iranische Nationlmannschaft, wegen der Revolution im Land die Nationalhymne der Islamischen Republik nicht mitgesungen haben (hierfür droht ihnen im Iran die Todesstrafe) und ein Zeichen setzen wollten, erregten sie weltweit Aufmerksamkeit. In allen Medien wurde darüber berichtet, insbesondere auch aufgrund zahlreicher Plakate von den Fans, die ihre Solidarität mit dem iranischen Volk zeigten.

Dabei waren die Meinungen zwiegespalten, denn während alle den Mut der Spieler lobten, kritisierten die Iraner:innen, dass alle auf den Fußball schauten, während im Iran friedlich demonstrierende Bürger:innen vom Regime brutal niedergemetzelt wurden, worüber die wenigsten sprachen. Nun wird sich zeigen, ob die Iraner nach der herben Klatsche im ersten Spiel den Schalter umlegen können und sich auf den Fußball fokussieren können. Denn qualitativ kann das Team Melli allemal Wales schlagen. Die Truppe um Superstar Gareth Bale braucht nach dem 1:1 gegen die USA einen Sieg, um am letzten Spieltag im Derby gegen England in einer komfortablen Situation zu sein.

England kann das Ticket für die K.O.-Phase einlösen

Rechnerisch würden die Three Lions bei einem Sieg mit sechs Punkten sicher in der Runde stehen; sollte Wales nicht gewinnen stünden sie sogar als Gruppensieger fest. Das 6:2 gegen den Iran war zwar ein Auftakt nach Maß, doch aufgrund der besonderen Situation der Iraner wirklicher Gradmesser für den Favoriten. Gegen die USA wird es ein anderes Spiel werden, wo der Fokus ausschließlich auf Fußball liegen wird, wobei England zu den Nationen gehört, die wie auch die Deutsche Nationalmannschaft mit der viel diskutierten "One-Love-Binde" ein Zeichen setzen wollten, was die FIFA allerdings kurz vor WM-Beginn untersagte.

Der Superstar und Kapitän der Engländer, Harry Kane, blieb im Auftaktmatch noch torlos und möchte sein erstes WM-Tor erzielen. Der WM-Torschützenkönig von 2018 hat seine Blessuren auskuriert und ist fit für das Match gegen die U.S.-Boys. Die wiederrum dürfen sich keine Niederlage erlauben, insbesondere bei einem Sieg von Wales hätten die Amerikaner in ihrem letzten Spiel gegen Iran das Weiterkommen nicht mehr in der eigenen Hand. Dabei könnte es auch auf den BVB-Profi Gio Reyna ankommen, der das erste Spiel von der Bank aus verfolgen musste.

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Wer hat die meisten WM-Tore erzielt?

Vor dem WM-2022-Start stellen wir euch die Rekordtorschützen vor und zeigen, wer sein Torkonto aufstocken und in der Tabelle nach oben klettern kann. Welcher noch aktive Spieler, hat die meisten WM-Tore geschossen? Kleiner Tipp: Er kommt aus demselben Land, wie der WM-Rekordtorschütze. (Bild: IMAGO / Marca)

Insgesamt fünf deutsche Nationalspieler haben in ihrer Karriere bei Weltmeisterschaften zweistellig getroffen; so viele wie keine andere Nation. Nicht nur damit liegt Deutschland auf Platz 1, denn niemand hat so viele WM-Tore geschossen wie WM-2014-Weltmeister Miroslav Klose. 16 Tore in 24 Spielen sind absoluter Höchstwert, womit Miro einen Treffer mehr erzielt hat als Ronaldo "El Phenomino" Nazario. Bemerkenswert ist dabei, dass Klose nicht ein einziges Elfmeter-Tor erzielte. Dicht gefolgt hinter Ronaldo auf Platz 3 der ewigen Torschützenliste befindet sich Gerd Müller, der 14 Tore in nur 13 Spielen erzielen konnte und damit eine herausragende Torquote aufweist.

Jürgen Klinsmann
(11 Tore), Helmut Rahn und Thomas Müller (beide 10 Tore) komplettieren die Liste aller deutschen Spielen mit mindestens 10 WM-Toren. Dabei ist Thomas Müller der erfolgreichste aktive Spieler bei der WM und könnte noch ein paar Plätze nach oben klettern und die einen oder andere Fußball-Legende überholen. Von den aktiven und an der WM 2022 teilnehmenden Spieler, befinden sich lediglich Cristiano Ronaldo und Luis Suàrez (beide 7 Tore) sowie Harry Kane und Lionel Messi (beide 6 Tore) in den Top-50 und könnten noch in den Club der 10-WM-Tore-Spieler eintreten.

🔎 Top 50 der WM-Rekordtorschützen

1. Platz

  • 🇩🇪 Miroslav Klose (24 Spiele, 16 Tore)

2. Platz

  • 🇧🇷 Ronaldo (19 Spiele, 15 Tore)

3. Platz

  • 🇩🇪 Gerd Müller (13 Spiele, 14 Tore)

4. Platz

  • 🇫🇷 Just Fontaine (6 Spiele, 13 Tore)

5. Platz

  • 🇧🇷 Pelé (14 Spiele, 12 Tore)

6. Platz

  • 🇩🇪 Jürgen Klinsmann (17 Spiele, 11 Tore)
  • 🇭🇺 Sándor Kocsis (5 Spiele, 11 Tore)

7. Platz

  • 🇩🇪 Thomas Müller (16 Spiele, 10 Tore)
  • 🇩🇪 Helmut Rahn (10 Spiele, 10 Tore)
  • 🇦🇷 Gabriel Batistuta (12 Spiele, 10 Tore)
  • 🇵🇪 Teófilo Cubillas (13 Spiele, 10 Tore)
  • 🇵🇱 Grzegorz Lato (20 Spiele, 10 Tore)
  • 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 Gary Lineker (12 Spiele, 10 Tore)

8. Platz

  • 🇩🇪 Karl-Heinz Rummenigge (19 Spiele, 9 Tore)
  • 🇩🇪 Uwe Seeler (21 Spiele, 9 Tore)
  • 🇵🇹 Eusébio (6 Spiele, 9 Tore)
  • 🇮🇹 Roberto Baggio (16 Spiele, 9 Tore)
  • 🇪🇸 David Villa (12 Spiele, 9 Tore)
  • 🇮🇹 Christian Vieri (9 Spiele, 9 Tore)
  • 🇧🇷 Ademir (6 Spiele, 9 Tore)
  • 🇧🇷 Jairzinho (16 Spiele, 9 Tore)
  • 🇮🇹 Paolo Rossi (14 Spiele, 9 Tore)
  • 🇧🇷 Vavá (10 Spiele, 9 Tore)

9. Platz

  • 🇦🇷 Diego Maradona (21 Spiele, 8 Tore)
  • 🇩🇪 Rudi Völler (15 Spiele, 8 Tore)
  • 🇧🇷 Rivaldo (14 Spiele, 8 Tore)
  • 🇧🇷 Léonidas (5 Spiele, 8 Tore)
  • 🇺🇾 Oscar Miguez (7 Spiele, 8 Tore)
  • 🇦🇷 Guillermo Stábile (4 Spiele, 8 Tore)

10. Platz

  • 🇵🇹 Cristiano Ronaldo (17 Spiele, 7 Tore)
  • 🇺🇾 Luis Suárez (13 Spiele, 7 Tore)
  • 🇩🇪 Hans Schäfer (15 Spiele, 7 Tore)
  • 🇧🇷 Careca (9 Spiele, 7 Tore)
  • 🇳🇱 Johnny Rep (14 Spiele, 7 Tore)
  • 🇵🇱 Andrzej Szarmach (13 Spiele, 7 Tore)
  • 🇷🇺 Oldrich Nejedlý (6 Spiele, 7 Tore)
  • 🇭🇺 Lajos Tichý (8 Spiele, 7 Tore)

11. Platz

  • 🇦🇷 Lionel Messi (19 Spiele, 6 Tore)
  • 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 Harry Kane (6 Spiele, 6 Tore)
  • 🇩🇪 Lothar Matthäus (25 Spiele, 6 Tore)
  • 🇫🇷 Thierry Henry (17 Spiele, 6 Tore)
  • 🇧🇷 Bebeto (15 Spiele, 6 Tore)
  • 🇳🇱 Dennis Bergkamp (12 Spiele, 6 Tore)
  • 🇵🇱 Zbigniew Boniek (16 Spiele, 6 Tore)
  • 🇺🇾 Diego Forlán (10 Spiele, 6 Tore)
  • 🇬🇭 Asamoah Gyan (11 Spiele, 6 Tore)
  • 🇩🇪 Helmut Haller (9 Spiele, 6 Tore)
  • 🇨🇭 Josef Hügi (3 Spiele, 6 Tore)
  • 🇦🇷 Mario Kempes (18 Spiele, 6 Tore)
  • 🇩🇪 Max Morlock (5 Spiele, 6 Tore)
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Warum ein WM-Ausschluss des Iran das falsche Zeichen wäre – ein Kommentar

Die seit Wochen andauernden Proteste im Iran - man kann mittlerweile bereits von einer Revolution sprechen - schlagen weltweit große Wellen. Das iranische Regime antwortet mit Gewalt, Folter, Mord und Vergewaltigungen. Nun wurde die FIFA und der IOC aufgefordert, den iranischen Fußballverband zu suspendieren und Iran von der WM 2022 in Katar auszuschließen. Doch genau das würde dem Regime in Iran in die Karten spielen. (Bild: IMAGO / GEPA pictures)

Das Regime antwortet mit brutaler Gewalt auf die friedlichen Demonstranten. Sie werden festgenommen, geschlagen, gefoltert und ermordet. Frauen werden auch vergewaltigt und unter den Opfern gehören auch kleine Mädchen. Dabei schreckt das Regime nicht davor zurück, auch gegen berühmte Persönlichkeiten vorzugehen. Journalisten, Aktivisten und sogar Sportler werden nicht verschont. Zahlreiche ehemalige Nationalspieler des Team Melli wurden verhaftet, nachdem sie öffentlich Kritik am Regime äußerten. Kürzlich wurde sogar der Pass von der iranischen Fußballlegende Ali Daei eingezogen.

Die Kletterin Elnaz Rakabi wurde unter Folter dazu gezwungen, ein falsches Dementi abzugeben, wonach sie "schlicht vergessen habe, ihr Kopftuch zu tragen und damit kein politisches Statement beabsichtigte".

Ein Ausschluss von der Fußball-Weltmeisterschaft würde in erster Linie die iranischen Fußballer sowie die Fans und alle Iranerinnen und Iraner treffen und bestrafen. Schuld daran wäre das Regime und müsste die Wut, Enttäuschung und Trauer aller Iraner:innen verantworten. Der dadurch aufkommende Druck auf die Mullahs wäre immens.

Auf der anderen Seite zeigen die Geschehnisse der letzten Wochen, dass sie sich nicht mal vom Sport beeindrucken lassen. Es ist den Mullahs ein Dorn im Auge, dass der Iran bei der WM 2022 in Katar gegen die politischen Erzfeinde USA und England antreten muss. Gemeinsame Fotos, Austausch der Flaggen-Wimpeln und ein herzlicher Umgang unter den Fußballern, aber auch den Fans, würde dem Regime sauer aufstoßen. Am meisten fürchten sie politische Statements der Fußballer und Fans.

Auch wenn nach den FIFA-Regularien die Verbreitung von politischen Botschaften jeglicher Art durch Spieler und Funktionäre verboten ist, würde das die Fußballer nicht davon abhalten, ihre Solidarität für die iranische Bevölkerung in irgendeiner Weise zum Ausdruck zu bringen und die Revolution zu unterstützen. Auch wenn es bei einer WM eigentlich ausschließen um Fußball gehen sollte, kann ausgerechnet die viel diskutierte und stark kritisierte WM in Katar als Bühne für die Menschlichkeit genutzt werden. Denn bei aller Liebe zum Fußball gibt es dennoch Wichtigeres. Diese WM wird anders alle anderen zuvor.

Fazit

Schließt man Iran von der WM aus, nimmt man den den Iranerinnen und Iranern die Möglichkeit, auf das diktatorische Regime und der massiven Unterdrückung von Frauen, Kindern und auch Männern hinzuweisen und mit gezielten Aktionen Druck auf sie auszuüben. Man muss die iranischen Sportler unterstützen, schließlich riskieren sie ihr Leben, indem sie sich öffentlich klar gegen das Regime positionieren. Außerdem könnten die Mullahs den Westen als "die Bösen" darstellen, die die Sportler und Fans bestrafen würden, und so von den eigenen Missetaten ablenken. Daher muss man Iran bei der WM 2022 in Katar teilnehmen lassen.

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