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Kommentar: Aytekins fehlender Respekt vor dem Spiel

Kommentar: Aytekins fehlender Respekt vor dem Spiel

Es war DER Aufreger des 6. Spieltags in der Fußball-Bundesliga. Der Platzverweis von Mahmoud Dahoud in der 40. Spielminute im Samstags-Topspiel und Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund erhitzt nach wie vor die Gemüter der Beteiligten und den Fußballfans sowie Experten. Insbesondere die vom Schiedsrichter des Spiels, Deniz Aytekin, gelieferte Begründung nach dem Spiel hat eine breit gefächerte Diskussion entfacht.

Was war passiert? Bereits früh im Spiel erhielt Mo Dahoud in der 10. Spielminute nach einem Foulspiel eine berechtigte und unumstrittene gelbe Karte. In der 40. Spielminute foulte der Gelb-vorbelastete Dahoud seinen Gegenspieler, Joe Scally, welches Aytekin sofort abpfiff und auf Freistoß gegen den BVB entschied. Direkt nach seinem Pfiff winkte Dahoud mit einer Handbewegung in Richtung Aytekin ab, obwohl es ein eindeutiges Foulspiel war. Aytekin zeigte dem Dortmunder die zweite gelbe Karte und schickte ihn mit Gelb-Rot runter. Der BVB musste fortan in Unterzahl den 1:0 Rückstand aufholen, was ihnen letztendlich nicht gelang und nach 37 Bundesligaspielen in Folge mit mindestens einem eigenen Treffer, mussten sie mit einer 1:0 Niederlage im Gepäck die kurze Heimreise antreten. Die gelbe Karte erhielt Mo Dahoud allerdings nicht für das Foulspiel, sondern für das Abwinken in Richtung des Referees, der dies als unsportliches Verhalten wertete und dementsprechend geahndet hat.

Eine Sache des Respekts

Aytekin hat ausgeführt, dass er einige Minuten vorher Raphael Guerreiro wegen vehementen Abwinkens mündlich ermahnt hatte, da ein solches Verhalten nicht gerade ein Paradebeispiel für ein respektvolles Miteinander ist. Deshalb hat er Dahoud dann wegen seinem Abwinken die gelbe Karte gezeigt, um „ein Zeichen zu setzen“.

In der Sache richtig und regeltechnisch korrekt

Es steht außer Frage, dass sich Sportler gegenseitig mit Respekt begegnen sollten und ein Abwinken von Schiedsrichterentscheidungen genauso wenig darunter subsumiert werden kann, wie sogar das Abwinken in Richtung der eigenen Mitspieler. Nicht wenige Trainer ahnden solch ein Verhalten bereits im Training. Auch muss berücksichtigt werden, dass es beim Foulspiel von Dahoud keine zwei Meinungen gibt und vor allem vor dem Hintergrund, dass er bereits vorbelastet gewesen ist, sein Verhalten absolut unnötig und der Platzverweis auch regelkonform gewesen ist.

Das fehlende Fingerspitzengefühl

Auf der anderen Seite kommt man nicht drumherum, Aytekin in dieser Szene das sogenannte Fingerspitzengefühl, mit welchem Fußballschiedsrichter ein Spiel leiten sollen, abzusprechen. Was hat Dahoud mit dem Abwinken von Guerrerio zu tun? Hat Dahoud die Ermahnung Guerreiros überhaupt mitbekommen? Hat Aytekin den Kapitän der Dortmunder darauf angesprochen? Es handelt sich um ein Derby, der Favorit ist in Rückstand geraten und wir schreiben die 40. Spielminute. Bis dato war es kein übermäßig hitziges Spiel, weshalb eine Signalsetzung notwendig gewesen wäre. Dahoud hat außerdem lediglich ein einziges mal kurz abgewunken. In fast allen Spielen gibt es viel heftigere Ablehnungen, ohne dass diese geahndet werden. Natürlich kann dies nicht als Argument dienen, die Entscheidung von Aytekin als „falsch“ zu bezeichnen. Trotzdem muss man ganz klar konstatieren, dass die Entscheidung zu hart gewesen ist und von einem national wie international so erfahrenen Schiedsrichter eine andere Vorgehensweise zu erwarten war. Mats Hummels hat nach dem Spiel noch von seinem Rüffel an Dahoud in der Halbzeitpause berichtet und zunächst ehrlich eingestanden, dass die Entscheidung richtig und das Verhalten von Dahoud absolut unnötig gewesen ist. Doch genau dieser stets ehrliche und direkte Hummels hat nach Sichtung der Szene seine Meinung teilweise revidiert und das Abwinken als „viel zu wenig für eine gelbe Karte“ bezeichnet. Im selben Atemzug hat er allerdings auch erklärt, dass man als gelbvorbelasteter Spieler dem Schiedsrichter keinen Grund für einen Platzverweis geben dürfe.

Fazit

Die Entscheidung war regeltechnisch richtig und unter dem Aspekt des respektvollem Miteinander, vor allem gegenüber dem Schiedsrichter auch nachvollziehbar. Sehr schlau war das Verhalten von Dahoud ebenfalls nicht, zumal das abgepfiffene Foulspiel schon an Unbedachtheit kaum zu übertreffen war. Unter den Umständen des Spiels und vor allem der Begründung Aytekins, aufgrund einer vorigen Ermahnung eines BVB-Spielers ein Zeichen setzen zu wollen, muss man die Entscheidung allerdings für viel zu streng bewerten. Aytekin hat die Situation ganz klar überbewertet und damit das Spiel entscheidend beeinflusst und letztendlich auch entschieden. Man kann sogar so weit gehen, Aytekin ebenfalls fehlenden Respekt gegenüber dem Fußballspiel zu unterstellen. Zumal Emotionen im Profisport einfach dazu gehören und menschlich sind, und man nicht jedes Verhalten auf die Goldwaage legen sollte.

Ob der eine oder andere Spieler sich in Zukunft ruhiger verhalten und andere Schiedsrichter ein Abwinken strenger bewerten wird sich zeigen.


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