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Warum ein WM-Ausschluss des Iran das falsche Zeichen wäre – ein Kommentar

Warum ein WM-Ausschluss des Iran das falsche Zeichen wäre – ein Kommentar

Die seit Wochen andauernden Proteste im Iran - man kann mittlerweile bereits von einer Revolution sprechen - schlagen weltweit große Wellen. Das iranische Regime antwortet mit Gewalt, Folter, Mord und Vergewaltigungen. Nun wurde die FIFA und der IOC aufgefordert, den iranischen Fußballverband zu suspendieren und Iran von der WM 2022 in Katar auszuschließen. Doch genau das würde dem Regime in Iran in die Karten spielen. (Bild: IMAGO / GEPA pictures)

Das Regime antwortet mit brutaler Gewalt auf die friedlichen Demonstranten. Sie werden festgenommen, geschlagen, gefoltert und ermordet. Frauen werden auch vergewaltigt und unter den Opfern gehören auch kleine Mädchen. Dabei schreckt das Regime nicht davor zurück, auch gegen berühmte Persönlichkeiten vorzugehen. Journalisten, Aktivisten und sogar Sportler werden nicht verschont. Zahlreiche ehemalige Nationalspieler des Team Melli wurden verhaftet, nachdem sie öffentlich Kritik am Regime äußerten. Kürzlich wurde sogar der Pass von der iranischen Fußballlegende Ali Daei eingezogen.

Die Kletterin Elnaz Rakabi wurde unter Folter dazu gezwungen, ein falsches Dementi abzugeben, wonach sie "schlicht vergessen habe, ihr Kopftuch zu tragen und damit kein politisches Statement beabsichtigte".

Ein Ausschluss von der Fußball-Weltmeisterschaft würde in erster Linie die iranischen Fußballer sowie die Fans und alle Iranerinnen und Iraner treffen und bestrafen. Schuld daran wäre das Regime und müsste die Wut, Enttäuschung und Trauer aller Iraner:innen verantworten. Der dadurch aufkommende Druck auf die Mullahs wäre immens.

Auf der anderen Seite zeigen die Geschehnisse der letzten Wochen, dass sie sich nicht mal vom Sport beeindrucken lassen. Es ist den Mullahs ein Dorn im Auge, dass der Iran bei der WM 2022 in Katar gegen die politischen Erzfeinde USA und England antreten muss. Gemeinsame Fotos, Austausch der Flaggen-Wimpeln und ein herzlicher Umgang unter den Fußballern, aber auch den Fans, würde dem Regime sauer aufstoßen. Am meisten fürchten sie politische Statements der Fußballer und Fans.

Auch wenn nach den FIFA-Regularien die Verbreitung von politischen Botschaften jeglicher Art durch Spieler und Funktionäre verboten ist, würde das die Fußballer nicht davon abhalten, ihre Solidarität für die iranische Bevölkerung in irgendeiner Weise zum Ausdruck zu bringen und die Revolution zu unterstützen. Auch wenn es bei einer WM eigentlich ausschließen um Fußball gehen sollte, kann ausgerechnet die viel diskutierte und stark kritisierte WM in Katar als Bühne für die Menschlichkeit genutzt werden. Denn bei aller Liebe zum Fußball gibt es dennoch Wichtigeres. Diese WM wird anders alle anderen zuvor.

Fazit

Schließt man Iran von der WM aus, nimmt man den den Iranerinnen und Iranern die Möglichkeit, auf das diktatorische Regime und der massiven Unterdrückung von Frauen, Kindern und auch Männern hinzuweisen und mit gezielten Aktionen Druck auf sie auszuüben. Man muss die iranischen Sportler unterstützen, schließlich riskieren sie ihr Leben, indem sie sich öffentlich klar gegen das Regime positionieren. Außerdem könnten die Mullahs den Westen als "die Bösen" darstellen, die die Sportler und Fans bestrafen würden, und so von den eigenen Missetaten ablenken. Daher muss man Iran bei der WM 2022 in Katar teilnehmen lassen.

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