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Sebastian Hoeneß gegen Julian Nagelsmann – das Duell der Ehemaligen

Sebastian Hoeneß gegen Julian Nagelsmann – das Duell der Ehemaligen

Die TSG Hoffenheim empfängt am Samstag beim 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga den FC Bayern München. Das letzte Heimspiel gegen die Bayern in der Saison 20/21, konnte die Hoeneß-Elf mit einem klaren 4:1 Sieg für sich entscheiden. Gelingt den Kraichgauern der nächste Coup? (Foto: IMAGO / Avanti)

Die formstarken Hoffenheimer sind als Tabellenvierter auf Champions-League-Kurs und strotzen nach vier Siegen in Folge nur so vor Selbstvertrauen. Drei der letzten fünf Heimspiele gegen die Bayern konnte die TSG außerdem für sich entscheiden. Doch auch die Bayern werden, nach dem 7:1 Erfolg im Champions-League-Achtelfinale gegen RB Salzburg unter der Woche, mit breiter Brust antreten und mit nicht weniger als einen Auswärtssieg zufrieden sein. Im Fokus stehen dennoch die beiden Trainer. Nicht nur für den Hoffenheim-Trainer Sebastian Hoeneß ist es ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Verein. Denn auch Julian Nagelsmann kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Der Meistertrainer Hoeneß

Mit den Bayern-Amateuren gelang dem gebürtigen Münchener in der Aufstiegssaison 2019/20 der Gewinn der Meisterschaft in der 3. Liga. Mit einer fulminanten Aufholjagd in der Rückrunde, in der man in 19 Spielen 13 Siege und vier Unentschieden einfahren konnten, verdrängte Hoeneß mit seiner jungen Truppe den MSV Duisburg von der Tabellenspitze. Dabei waren die Duisburger vom ersten bis zum 33. Spieltag noch Tabellenführer. Doch wie gelang Hoeneß der Turnaround?

Bevor Hoeneß die FCB-Reserve übernahm, trainierte er ausschließlich Jugendmannschaften und musste sich erstmal im Seniorenbereich einfinden. Auffällig war, dass er in der Rückrunde von seiner bis dato präferierten Grundordnung abwich. Sowohl bei der U19 der Bayern als auch bei der Reserve ließ der 39-jährige seine Mannschaft stets im 4-1-4-1 beziehungsweise 4-2-3-1 auflaufen, also mit derselben Formationen, mit der auch die Profis agierten. In der Rückrunde der Saison 2019/20 wechselte er die Grundordnung ließ sein Team häufig in einem 4-4-2 spielen, wodurch dann auch der Erfolg kam. Ein Indiz dafür, dass der UEFA-Pro-Lizenz-Trainer nicht nur taktisch versiert ist, was heutzutage von jedem Trainer erwartet wird, sondern durch seine Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, in der Lage ist, für sein Team die passende Taktik zu finden.

Der Comebacker

Auch bei der TSG Hoffenheim lief es anfangs nicht gut für Hoeneß. Nachdem er mit zwei Siegen gegen den 1. FC Köln und die Bayern in die Saison gestartet ist, folgte eine Serie von sieben Spielen in Folge ohne Sieg mit nur mageren drei Punkten. Zwar überstand die TSG die Gruppenphase der Europa League ohne Niederlage und zog in die Zwischenrunde ein, dort war allerdings gegen den Underdog Molde FK Endstation und spätestens nach dem DFB-Pokal-Aus in der zweiten Runde gegen Greuther Fürth stand der Chefcoach arg in der Kritik. Es schien, als ob das "Projekt-Hoeneß" gescheitert war und Rufe nach einem Rausschmiss wurden lauter. Lediglich TSG-Mäzen Dietmar Hopp hielt an ihm fest und so durfte Hoeneß dennoch weitermachen. Trotz einer dürftigen Punkteausbeute von 1,26 Punkten pro Spiel und einem enttäuschenden 11. Tabellenplatz sprach man dem Trainertalent das Vertrauen aus und ging mit ihm in die Saison 2021/22.

Auch in der laufenden Saison konnte Hoeneß die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen und ein Abgang galt nach 11 Punkten aus den ersten neun Spielen als sicher. Doch dann wechselte er, ähnlich wie bei den FCB-Amateuren zuvor, die Grundordnung und spielte fortan mit einer Dreierkette, der lang ersehnte Erfolg trat nun ein. Seit der Systemumstellung lief es plötzlich wie am Schnürchen und es folgte eine Serie von sieben Spielen mit fünf Siegen und zwei Unentschieden. Die Kraichgauer spielen dabei nicht nur erfolgreichen, sondern auch schönen Fußball und sind zu einer variablen und schwer ausrechenbaren Mannschaft geworden.

Mia-san-Mia im Blut

Als Sohn von Dieter Hoeneß und Neffe von Uli Hoeneß wurde ihm der Fußball und der Erfolg in die Wiege gelegt. Einer der Gründe für seinen Wechsel als Jugendtrainer von RB Leipzig nach München war die Freundschaft zwischen Uli Hoeneß und Dietmar Hopp. Doch der berühmte Name bringt nicht nur Vorteile mit sich.

Gerade zu Schulzeiten war das nicht so einfach. Da hat man sich schon gewünscht, dass das keine Rolle spielt, sondern dass man der Sebastian ist, wie jeder Mitschüler auch.

Der Name war wie Onkel Uli kürzlich meinte, sowohl Fluch als auch Segen. Mittlerweile kann man sagen, dass der Segen überwiegt und er sich unabhängig von seinem Familiennamen einen Namen gemacht hat.

Trotz seiner fehlenden Erfahrung steuerte Hoeneß das Team mit einer Ruhe und Gelassenheit zum Erfolg und ließ sich von den Unruhen nicht beeinflussen. Bei der Mannschaft ist er nicht nur aufgrund seiner Fähigkeiten als Fußballtrainer sehr beliebt, sondern vor allem wegen seiner persönlichen Art. Die Spieler schätzen, dass Hoeneß stets ein offenes Ohr für seine Spieler hat, allen Spielern eine faire Chance gibt und durch gezielte Rotation auch dafür sorgt, dass die meisten Spieler ausreichend zum Einsatz kommen. Unstimmigkeiten in der Mannschaft gab es nicht mal, als es nicht so rund lief. Er setzt auch verstärkt auf den Nachwuchs und entwickelt die Spieler weiter.

Ausblick

Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, bei der beide Trainer mit taktischen Kniffen versuchen werden, den Gegner auszutricksen und als Sieger vom Platz zu gehen. Die Statistik spricht für die TSG und im Gegensatz zu den Bayern haben die Kraichgauer nichts zu verlieren. Beim Rekordmeister wird es hauptsächlich darauf ankommen, ob die unbeständige und wackelige Verteidigung der Offensive von Hoffenheim standhalten kann. Gelingt es den Bayern hinten sicher zu stehen, dürfte sie sich angesichts der wiedererstarkten Offensive den Dreier nicht nehmen lassen.

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