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Ein bisschen Mia san Mia bei der SpVgg Greuther Fürth

Am 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga empfangen die Kleeblätter beim Freitagabend-Spiel um 20:30 Uhr (DAZN überträgt das Spiel live) den amtierenden Deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer, den FC Bayern München. Dabei treffen einige Akteure auf Seiten der Fürther auf ihren ehemaligen Arbeitgeber. Denn mit Julian Green, Timothy Tillman und Adrian Fein tragen morgen drei Spieler das grün-weiße Trikot, die in der Vergangenheit stets in Rot aufgelaufen sind. (Foto: IMAGO / foto2press)

Der "Bayern-Aufstieg"

Es sind jedoch nicht nur die drei aufgezählten Spieler, die eine FCB-Vergangenheit haben. Denn auch der Trainer von Greuther Fürth, Stefan Leitl, hat das Fußballspielen bei den Bayern gelernt. In München geboren und in Ismaning aufgewachsen durchlief er zwischen 1987 bis 1996 alle Jugendmannschaften des FC Bayern Münchens und schaffte es sogar 1996 in den Profikader, wo ihm allerdings Spielzeit in der 1. Bundesliga verwehrt wurde. Bis 1998 absolvierte er 25 Spiele für die Amateure bevor er seinen Heimatklub verließ. Nach einer Saison in der Regionalliga, wechselte er in die 2. Bundesliga zum 1. FC Nürnberg, für die es der ehemalige Mittelfeldspieler letztendlich auf 191 Spiele in der zweithöchsten deutschen Spielklasse brachte. Mit den Franken gelang sogar der Aufstieg in die 1. Bundesliga, wo er es in der Saison 2001/2002 auf 5 Einsätze brachte. Genau deshalb hatte und hat man in Fürth die Hoffnung, dass Leitl es schaffen wird, den 3 ehemaligen Bayern-Spielern zum Durchbruch zu verhelfen, auch wenns nicht im von den Spielern erhofften Trikot ist.

Der gescheiterte Durchbruch als geteiltes Schicksal

Timothy Tillman spielte im Gegensatz zu Fein und Green bereits in der Jugend bei Greuther Fürth und wechselte 2015 für kolportierte 500.000 Euro zur U17 nach München. Der Wechsel sorgte damals für Schlagzeilen, nachdem die Fürther heftige Kritik ausübten an der Abwerbung ihres „größten Talents seit 30 Jahren“, wie ihn der damalige Präsident der Fürther, Helmut Hack, beschrieb. In seiner Debütsaison gelangen ihm in der B-Junioren Bundesliga 23 Scorerpunkte in 23 Spielen (8 Tore und 15 Vorlagen), was sogar das Interesse von FC Barcelona in Form eines konkreten Angebots weckte. Ein Wechsel scheiterte am Veto von Uli Hoeneß, da die Bayern große Stücke auf ihn hielten und ihm den Sprung in die erste Mannschaft zutrauten. Dieser gelang ihm jedoch nicht, weshalb er nach einer gescheiterten Leihe beim 1. FC Nürnberg in der Saison 2018/2019 (6 Bundesligaeinsätze) – eine weitere Gemeinsamkeit mit Stefan Leitl – schließlich zurück zu den Kleeblättern kehrte. Die beiderseitigen Hoffnungen auf einen endgültigen Durchbruch des offensiv flexibel einsatzbaren Spielers haben sich bislang allerdings noch nicht erfüllt. Aktuell spielt sein ebenfalls hoch veranlagte jüngere Bruder, Malik Tillman, beim FCB und hat unter Julian Nagelsmann in der 1. Runde des DFB-Pokals beim 12:0 Sieg gegen den Bremer SV debütiert und gleich getroffen. Gestern wurde er mit einem Profivertrag bis zum 30.06.2024 ausgestattet.

Leihe als Rettung

Der US-Amerikaner ist von den drei Spielern derjenige, der einem Durchbruch beim FCB am nächsten war. Nachdem er 2009 zur U17 der Bayern wechselte, erlebte er in der Saison 13/14 seinen Höhepunkt, wo er in der Regionalliga Bayern 15 Tore und 8 Vorlagen in 23 Spielen für die zweite Garde der Münchener erzielen konnte und so die Aufmerksamkeit von Pep Guardiola erregte, der dem Ruf des Talentförderers vorauseilte und so Hoffnungen bei Green keimte. Seine guten Leistungen bei den Amateuren wurde allerdings nicht wie von ihm erhofft honoriert und er schaffte es lediglich drei Mal in der Bundesliga im Kader zu stehen, ohne eingesetzt zu werden. In der Champions League durfte er immerhin im letztlich unbedeutenden Spiel gegen ZSKA Moskau in 2 Spielminuten etwas Profiluft schnuppern. Nachdem er bei der WM 2014 von Jürgen Klinsmann für den Kader der USA nominiert wurde, erzielte er direkt bei seinem Debüt im Achtelfinale gegen Belgien in der 107. Spielminute den 2:1 Anschlusstreffer, der allerdings das Ausscheiden nicht verhindern konnte. Nach einer glücklosen Leihe beim HSV in der Saison 2014/2015 kehrte er zum FCB zurück, wo er allerdings wieder nur bei den Amateuren in der Regionalliga eingesetzt wurde. In der Sommer-Vorbereitung 2016 machte er unter Neu-Trainer Carlo Ancelotti mit 3 Treffern gegen Inter Mailand auf sich aufmerksam, doch seine Hoffnungen zumindest als Backup für Robert Lewandowski einen Kaderplatz zu ergattern wurden durch Verletzungsprobleme gestoppt. Es folgte ein kurzes und ebenfalls glückloses Intermezzo beim VfB Stuttgart, ehe er im Sommer 2017 nach Fürth wechselte und seitdem bei den Kleeblättern zu den Leistungsträgern gehört.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Im Gegensatz zu Timothy Tilmann und Julian Green spielt Adrian Fein aktuell nur auf Leihbasis in Fürth und besitzt bei den Bayern noch einen Vertrag bis zum 30.06.2023. Auch er galt als verheißungsvolles Talent und wurde zunächst nach Regensburg und anschließend zum HSV verliehen – eine weitere Gemeinsamkeit mit Julian Green –, wo er in der Saison 2019/2020 mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machen konnte. Beim PSV Eindhoven sollte er unter Roger Schmidt in der vergangenen Saison eigentlich den nächsten Entwicklungsschritt machen. Durchsetzen konnte er sich dort allerdings nicht und sammelte wenig Spielpraxis. In der aktuellen Saison reichte es bislang nur zu zwei Kurzeinsätzen.

Fazit

"Beim FC Bayern München gescheitert und ihr Glück suchend in Fürth gelandet". So in etwa könnte die Überschrift von Stefan Leitl, Julian Green, Adrian Fein und Timothy Tillman heißen. In Fürth erhofft man sich von den Ex-Bayern einen Hauch von „Mia san Mia“, um den Klassenerhalt zumindest spannend halten zu können. Immerhin konnten Leitl und Green einen großen Beitrag dafür leisten, dass die Fürther sich diese Saison in der höchsten deutschen Spielklasse beweisen können. Vielleicht sorgt die FCB-Vergangenheit für den extra Schub an Motivation und wir erleben morgen Abend ein kleines Bundesliga-Wunder.

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Wechselt Robin Gosens zum VfL Wolfsburg?

Mark van Bommel gehen kurz vor dem Saisonstart, mit dem anstehenden DFB-Pokalspiel gegen Regionalligist Preußen Münster am 08. August 2021, die Linksverteidiger aus. Nachdem sich Jérome Roussillon im Testspiel gegen AS Monaco, das die Wölfe mit 1:2 verloren, am Oberschenkel verletzt hat, erwischte es Paolo Otávio im Testspiel gegen Atletico Madrid (ebenfalls 1:2 Niederlage). (Foto: IMAGO / Buzzi)

Im Gegensatz zu Roussillon, der dem Team zum Bundesligastart womöglich wieder zur Verfügung stehen könnte, wird Otávio wegen einer schwerwiegenden Verletzung am rechten Sprunggelenk langfristig fehlen. In der von van Bommel favorisierten und in der Vorbereitungsphase ausnahmslos zurückgegriffenen Viererkette besteht nun hinten links Not am Mann und womöglich muss der VfL Wolfsburg nochmal am Transfermarkt aktiv werden. Es gibt zwar interne Alternativen, allerdings ist vor allem im Hinblick auf die Champions League Gruppenphase fraglich, ob die Qualität ausreicht.

Yannick Gerhardt könnte maximal aushelfen

Der gelernte zentrale Mittelfeldspieler hat zwar in der Vergangenheit diese Position bekleidet, zuletzt allerdings in der Bundesligasaison 17/18,wo er in der Hinrunde neun Startelfeinsätze als Linksverteidiger hatte, bevor er dann verletzungsbedingt den Großteil der Rückrunde zum Zuschauen verdammt war. Er könnte daher im Notfall einspringen und wird es vermutlich auch beim Pokalspiel, sofern Roussillon nicht rechtzeitig fit werden sollte, allerdings dürfte er keine Dauerlösung sein. Roussillon war selbst bereits in der abgelaufenen Saison in der Rückrunde nicht mehr gesetzt.

Außerdem haben die Wölfe auch kein Überangebot im zentralen Mittelfeld. Mit Josuha Guilavogui, Xaver Schlager und Maximilian Arnold, der aufgrund seiner Teilnahme an der Olympia 2020 in Tokio die Vorbereitung verpasst hat, hat van Bommel nur drei Spieler, die er auf dem internationalen Parkett ohne Bauchschmerzen aufstellen könnte. Der 18-jährige belgische Neuzugang, Aster Vranckx, ist aktuell noch angeschlagen und noch zu unerfahren, weshalb Gerhardt im Mittelfeld gebraucht wird.

Ein Rechtsverteidiger und ein junges Talent

Im Spiel gegen Atletico wurde Kevin Mbabu, gelernter Rechtsverteidiger, für Otávio nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung reingebracht. Doch als Rechtsfuß kann auch er keine längerfristige Lösung darstellen, auch wenn Phillip Lahm und vor allem Gianluca Zambrotta in der Vergangenheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass das keine Mission Impossible ist. Der junge Kobe Hernández-Foster dürfte mangels Erfahrung ebenfalls keine Alternative darstellen.

Robin Gosens als Königstransfer?

Der deutsche Nationalspieler, eines der wenigen Lichtblicke der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2020, könnte nicht nur ein Ersatz für Otávio sein, sondern die Position links hinten qualitativ auf ein höheres Level hieven und die Mannschaft verstärken. Erst kürzlich hat er verlautet, dass er nach wie vor davon träumt, in der Bundesliga zu spielen.

Zwar hat er sowohl bei der DFB-Elf als auch bei seinem aktuellen Verein, Atalanta Bergamo, die überwiegende Anzahl der Spiele in der Seria A den linken Part eines Fünfermittelfelds abgegeben, da Bergamo mit einer Dreierkette hinten spielt. Allerdings wurde er als Linksverteidiger ausgebildet und hat die meisten Spiele in der Eredivisie dort absolviert, weshalb es für ihn keine großartige Umstellung sein dürfte. Ihm kommen seine Zweikampfstärke, sein unglaubliches Laufpensum und seine Stärken in der Offensive zugute. Zudem verkörpert er die von van Bommel geforderte und erwünschte Mentalität und passt mit seiner authentischen Art und seiner Einstellung in das Wölfe-Team. Außerdem verfügt Robin Gosens mit unter anderem 15 Einsätzen in der Champions League auch über internationale Erfahrung.

Fazit:

Ein Transfer des 11-fachen deutschen Nationalspielers würde aus allen Gesichtspunkten Sinn machen. Allerdings dürfte ein Transfer nicht günstig werden, da Bergamo eine stattliche Ablösesumme fordert. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre und sein Marktwert wird auf 35 Millionen Euro geschätzt. Auch wenn die Teilnahme an der CL-Gruppenphase reichlich Geld in die Kasse der ohnehin nicht so klammen Wolfsburger gespült hat, steht aktuell eine negative Transferbilanz von 36 Millionen Euro zu Buche. Es zanken sich jedoch weiterhin Transfergerüchte um Josip Brekalo und Maxence Lacroix, deren Abgänge in die Verpflichtung von Gosens reinvestiert werden könnten.

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Manuel Gräfe gegen DFB – hat die Klage gegen die Altersgrenze Erfolg?

Manuel Gräfe darf in der kommenden Saison nicht mehr als Fußballschiedsrichter im Profifußball auf dem Platz stehen. Der bestbenotete Referee der abgelaufenen Bundesligasaison 2020/2021 (Kicker-Note: 2,09) hat die vom DFB aufgestellte Altersgrenze von 47 Jahren erreicht und muss deshalb, trotz selten gesehenen Lobhudeleien einiger Spieler und Trainer, seine aktive Karriere beenden, wobei er keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er gerne weitergepfiffen hätte. (Foto: IMAGO / Martin Hoffmann)

Bei einem Interview vor circa 3 Wochen hat er nun verraten, dass er gegen die aus einer vor langen Zeit erlassenden Richtlinie des Deutschen Fußball Bundes stammende Altersgrenze, wovon auch seine beiden Kollegen Guido Winkmann und Markus Schmidt betroffen sind, eine Klage wegen Altersdiskriminierung einreichen werde, deren Eingang der DFB nun am 09.07.2021 auch bestätigte. Dabei hat er auch betont, dass er keine Wiedereinsetzung in den Spielbetrieb bezwecke und im Falle einer erfolgreichen Klage nicht wieder als Schiedsrichter fungieren werde.

Liegt eine Altersdiskriminierung aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor?

Das AGG zielt nämlich nach seinem § 1 darauf ab, Benachteiligungen, genauer gesagt „weniger ungünstige Behandlungen“ (§ 3 Abs. 1 AGG), unter anderem aus Gründen des Alters zu beseitigen. Sanktioniert werden soll grundsätzlich jede direkte Anknüpfung an das Lebensalter. Die Altersgrenze des DFB könnte zum Beispiel gegen das in § 7 Abs. 1 AGG verankerte Benachteiligungsverbot verstoßen. Dann müssten Schiedsrichter „Beschäftigte“ im Sinne des § 6 Abs. 1 AGG sein, um in den Anwendungsbereich des AGG zu fallen.

Schiedsrichter sind keine Arbeitnehmer des DFB im Sinne des § 611a Abs. 1 BGB

Diesbezüglich hat allerdings das LAG Hessen (Urteil vom 15.03.2018, 9 Sa 1399/16) bereits entschieden, dass Schiedsrichter keine Arbeitnehmer wären, da es sich bei den zwischen ihnen und dem DFB geschlossenen Schiedsrichtervereinbarungen um Rahmenvereinbarungen handeln würde, und die Parteien mit der Schiedsrichtervereinbarung kein Arbeitsverhältnis im Sinne des § 611 Abs. 1 BGB begründet hätten. Die Schiedsrichter wären nicht in den Betrieb des DFB eingegliedert und würden ihre Tätigkeiten unabhängig von Weisungen des Verbandes erbringen, da die Rahmenvereinbarung lediglich die die Einzelheiten künftig abzuschließender Einzelverträge für die jeweiligen Spielleitungen regeln, selbst aber noch keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung begründen.

In einem anderen Verfahren hatte der I. Senat des Bundesfinanzhofs (Urteil vom 20.12.2017, I R 98/15) ebenfalls die Arbeitnehmereigenschaft von Fußballschiedsrichtern abgelehnt und sie als selbständig Tätige klassifiziert.

Zwar spricht für eine Weisungsgebundenheit, dass Schiedsrichter über seine Einsatzzeit- und -Ort, nicht frei verfügen kann, da sie sich an die Spielansetzung des DFB und den für das Spiel geltenden Vorgaben halten müssen. Auf der anderen Seite steht es ihnen frei, die Spielansetzungen anzunehmen, weshalb eher davon auszugehen ist, dass sie weiterhin nicht als Arbeitnehmer gelten.

Arbeitnehmerähnliche Personen aufgrund einer wirtschaftlichen Abhängigkeit vom DFB

Schiedsrichter könnten jedoch als Beschäftigte nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 AGG gelten und so in den Anwendungsbereich des AGG gelangen, indem sie als arbeitnehmerähnliche Personen anzusehen wären. Laut einer PM-Schiedsrichterhonorare vom DFB erhielt ein Bundesligaschiedsrichter in der Saison 2018/2019, unabhängig von den Honoraren, die er pro Einsatz bekommt, ein Grundhonorar in Höhe von 60.000 Euro. Unter Zugrundelegung dieser Werte, hätte Gräfe allein für seine 17 Einsätze in der 1. Bundesliga in der Saison 2020/2021 circa 145.000 Euro verdient.

Laut Statistischem Bundesamt betrug das Durchschnittseinkommen eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers im Jahr 2020 3.975 Euro brutto, also etwas weniger als 48.000 Euro, sodass die Vergütungen des DFB für die Schiedsrichter, auch bei Ausübung eines anderen Berufs, eine hohe Einkommensquelle und damit eine entscheidende Existenzgrundlage darstellen.

Die Altersgrenze ist nicht angemessen

Nach § 8 Abs. 1 AGG kann eine unmittelbare Benachteiligung durch eine unterschiedliche Behandlung aufgrund des Alters zulässig sein, wenn das Alter wegen der Art der auszuübenden Tätigkeit oder der Bedingungen ihrer Ausübung eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung darstellt, sofern der Zweck rechtmäßig und die Anforderung angemessen ist.

Die Sicherstellung, dass ein Bundesliga-Schiedsrichter die nötige körperliche Fitness mitbringt, um auf dem Niveau zu pfeifen, ist eine wesentliche und entscheidende Anforderung, ohne die es nicht möglich ist, ein Profifußballspiel zu leiten, sodass eine Altersgrenze durchaus einen legitimen Zweck darstellt, da sie für die Teilnahme an Wettkämpfen elementar ist. Zwar gehören Regelkunde und die Persönlichkeit ebenfalls zu den unabdingbaren Eigenschaften eines Fußballschiedsrichters, allerdings müssen auch sie in jedem Spiel mindestens 90 Minuten lang auf Ballhöhe sein und sich daher vor allem konditionell auf einem absoluten Top Level bewegen, was die regelmäßig für die Schiedsrichter verpflichtend stattfindenden Trainingseinheiten und Leistungstests untermauern.

Doch genau hier liegt die Krux. Das Alter hat unstreitig grundsätzlich negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper und seine Leistungsfähigkeit und sind daher untrennbar miteinander verknüpft. Allerdings dienen ja gerade die Leistungstests dazu, die körperliche Fitness zu prüfen und eine Bewertung dahingehend vornehmen zu können, ob die Leistungsfähigkeiten nach wie vor den Anforderungen an der Spielleitung eines Bundesligaspiels genügen, um dementsprechend zu performen. Auch das im zunehmenden Alter sich erhöhende Verletzungsrisiko wird in der Praxis durch gezielteres und medizinisch an den jeweiligen Körper angepasstes Training sowie durch regelmäßige Behandlungen (Physiotherapeut) vorgebeugt. Zudem können heutzutage zahlreiche neue Methoden viel aufschlussreichere Daten darüber bieten, als es noch zum Zeitpunkt der Einführung der Altersgrenze der Fall war.

Welche rechtlichen Folgen ergäben sich aus einem ungerechtfertigten Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot nach § 7 Abs. 1 AGG?

Aus § 15 Abs. 1 AGG könnte sich ein Schadensersatzanspruch ergeben. Hierfür müsste Manuel Gräfe allerdings darlegen, dass er ohne die Altersgrenze für die kommende Saison als Bundesliga-Schiedsrichter eingesetzt worden wäre und ihm dadurch die Vergütungen nicht erhalten kann. Doch genau an diesem Erfordernis dürfte der Schadensersatzanspruch scheitern, da der DFB die Rahmenvereinbarungen mit den Schiedsrichtern jährlich abschließt und seine Entscheidung abhängig von den Leistungen der bisherigen Saison, dem Bestehen der verschiedenen Tests sowie weiteren Kriterien trifft. Einen durchsetzbaren Anspruch darauf, für die kommende Saison auf die Schiedsrichterliste gesetzt zu werden, hat kein Schiedsrichter, und damit auch Manuel Gräfe nicht, da es letztendlich eine Ermessensentscheidung des DFB ist.

Fazit

Die Altersgrenze des DFB ist in diesem Zusammenhang nicht mehr zeitgemäß und stellt nach der hier vertretenen Ansicht unzulässige Altersdiskriminierung dar. Die UEFA hat sogar für die EM 2020 von Ihrer Altersgrenze von 45 Jahren eine Ausnahme gemacht haben und den 48-jährigen Schiedsrichter Björn Kuipers eingesetzt, ihm überdies die Leitung des Finalspiels übertragen.

Die Klage von Manuel Gräfe dürfte dennoch wenig Aussicht auf Erfolg haben, da die Darlegung etwaiger Ansprüche nicht gelingen werden dürften. Das Verfahren wird dennoch einen erheblichen Druck auf den DFB ausüben, vor allem dann, wenn eine unzulässige Altersdiskriminierung festgestellt wird. Eine Abschaffung der Altersgrenze wird der DFB freilich nicht vornehmen, allerdings erscheint eine Erhöhung der Altersgrenze im Bereich des Möglichen und des Wahrscheinlichen.

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Mit Hansi Flick gehört Deutschland zu den Titelfavoriten bei der WM 2022 in Katar

Aufgrund der Leistungen der deutschen Nationalmannschaft in den letzten drei Jahren, vor allem das Aus in der Gruppenphase der WM 2018 und den dürftigen Auftritten bei der EM 2020 mit der Niederlage im Achtelfinale gegen England, zählt die DFB-Elf nicht gerade zu den Favoriten für die WM 2022 in Katar. „Die Mannschaft“ hat nicht nur in den beiden großen Turnieren, sondern auch in der Nations-League und den EM-Quali-Spielen alles andere als überzeugt. Hoffnung keimt nun jedoch durch den zukünftigen Bundestrainer, Hansi Flick auf, der ab dem 1. August 2021 offiziell das Ruder beim DFB übernehmen wird.

Normalerweise haben die Nationalmannschaften nach einem großen Turnier zwei Jahre Zeit, um sich auf das nächste Turnier vorzubereiten und die Dinge, die schiefgelaufen sind, wieder gerade zu rücken oder aber nach einem Erfolg die Leistung weiter hochzuhalten. Hansi Flick hat nun aufgrund der Tatsache, dass die EM 2020 ein Jahr später ausgetragen wird, nur etwas mehr als 14 Monate Zeit, um die DFB-Elf wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Jogi Löw hat´s vermasselt

Er hat jedoch bereits beim FC Bayern München bewiesen, dass er in der Lage ist, in sehr kurzer Zeit eine unter ihre Möglichkeiten spielende Mannschaft, mit dem vorhandenen aber nicht Leistung bringenden Spielermaterial, auf das Leistungsniveau zu hieven, das den Fähigkeiten der Spieler entspricht. Denn die deutsche Nationalmannschaft gehört von der Qualität der Spieler immer noch zu den besten der Welt, auch wenn das der eine oder andere Experte und Fan anders sieht. Schaut man sich den EM-Kader an, befinden sich insgesamt 10 Spieler, die zu den letzten beiden Champions-League-Siegern FC Chelsea und FC Bayern, gehören. Der EM-Kader hat einen Marktwert von 896,5 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de) und liegt damit nach England und Spanien auf dem 3. Platz. Von fehlender Qualität kann daher keine Rede sein, eher von nicht voll ausgeschöpftem Potenzial einer Mannschaft, die weit unter ihren Möglichkeiten gespielt hat.

Über die Gründe lassen sich wie immer streiten; der Schuldige ist wie so oft, wenn eine Fußballmannschaft nicht performt, der Trainer und in der Tat kann man einige Entscheidungen von Jogi Löw kritisch hinterfragen, allen voran das falsche System mit der misslungenen Dreierkette und einen nicht im zentralen Mittelfeld spielenden Joshua Kimmich, der auf dieser Position zu den besten seiner Zunft gehört und als Antreiber bitter nötig gewesen wäre.


Flick wird Freude und Erfolg zurück in die Mannschaft bringen

Hansi Flick kommt für eine erfolgreiche Zukunft als Bundestrainer vor allem das Vertrauen der Spieler zugute, was nicht nur aufgrund der sehr erfolgreichen gemeinsamen Zeit bei der Nationalmannschaft, wo Flick von 2006 bis 2014 als Co-Trainer von Löw einen unglaublich starken Einfluss auf die sehr erfolgreiche Zeit hatte, mit dem WM-Titel 2014 als Höhepunkt. Nicht nur seine beispiellose Empathie zu den Spielern, sondern auch seine spieltaktischen Ideen, wurden vom gesamten Team mitsamt von Löw sehr geschätzt. Durch den Sextuple-Sieg mit den Bayern hat er nun auch unter Beweis gestellt, dass er auch als Cheftrainer zu den Besten seines Fachs gehört und sich den nötigen Respekt von den Spielern, aber auch den Fans verschafft und damit bringt er die besten Voraussetzungen mit, um die DFB-Elf wieder zu einer spielstarken und gefürchteten Mannschaft zu verwandeln.

Schließlich kommt noch hinzu, dass der harmoniebedürftige Heidelberger mit Oliver Bierhoff einen „Vorgesetzten“ hat, mit dem er zuvor schon erfolgreich zusammengearbeitet hat und ihn sehr schätzt. Man munkelt sogar, dass Flick einen Verbleib von Oliver Bierhoff in der Position des Direktors Nationalmannschaften und Akademie, als Bedingung für den Job als Bundestrainer gestellt hat. Es droht daher kein Konflikt, wie er ihn bei den Bayern mit Hasan „Brazzo“ Salihamidžić austragen musste, was schließlich auch zu seinem Abschied geführt hat.


Fazit

Hansi Flick wird höchstwahrscheinlich auf einen offensiven Ansatz setzen in seinem bewährten 4-2-3-1 System mit hochstehenden Verteidigern und dabei eine unter Löw in den letzten Jahren und vor allem bei der EM 2020 fehlende Achse, z.B. mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich als Doppelsechs bauen sowie Respekt und Harmonie ins Team impfen. Zudem wird er auch die in der DFB-Elf noch nicht funktionierenden Spieler wie Leroy Sané aber auch Timo Werner und Kai Havertz (die er übrigens zum FCB bringen wollte, aber am Veto von Brazzo scheiterte) erfolgreich in sein System einbauen und jungen Talenten, wie z.B. Jamal Musiala, Ridle Baku und Florian Wirtz, die Chance geben, den Neustart der Nationalmannschaft vorantreiben. Sollte Flick ähnlich erfolgreich sein, wie in seiner Amtszeit bei den Bayern und die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen, was sehr wahrscheinlich ist, wird die DFB-Elf zum absoluten Favoritenkreis bei der WM 2022 in Katar gehören und könnte sich ambitionierte Ziele setzen.

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Vertragspoker: Kingsley Coman möchte zum Top-Verdiener aufsteigen

Die Vertragsverhandlungen um eine Verlängerung des, bis zum 30.06.2023 gültigen Arbeitspapiers von Kingsley Coman beim FC Bayern München, sind ins Stocken geraten. Wieder einmal geht es ums Finanzielle, und erneut spielt der von Uli Hoeneß als „Piranha“ bezeichnete Spielerberater, Pini Zahavi, eine nicht unter zu bewertende Rolle. (Foto: IMAGO / PanoramiC)

Nicht nur als Bayern-Fan kommt es einem, nach dem jüngsten Vertragspoker um David Alaba mit bekanntem Ende, wie ein Déjà-vu-Erlebnis vor. Doch bereits vor dem Alaba-Poker gestalteten sich die letzten wichtigen Vertragsverhandlungen z.B. mit Robert Lewandowski (den ebenfalls Zahavi berät) und Manuel Neuer als äußerst schwierig, und dabei ging es ebenfalls hauptsächlich um das Gehalt und um die „Wertschätzung“, die allerdings stark von den finanziellen Wünschen abhängt und daher nicht selten als Ausrede verwendet wird, um nicht als „geldgeil“ abgestempelt zu werden.

Es fehlt ihm an Konstanz und Glanz

Mit kolportierten 8 Millionen Euro Jahresgehalt brutto befindet sich Coman in der Gehaltsliste der Bayern lediglich im Mittelfeld und verdient nicht einmal halb so viel wie Leroy Sané, der sich mit den kolportierten 18 Millionen Euro zusammen mit Neuer hinter Lewandowski (22 Mio.) auf Platz 2 befindet. Wenn man bedenkt, dass Coman bereits 200 Pflichtspiele für den deutschen Rekordmeister absolviert hat und mit insgesamt 41 Toren und 50 Assists statistisch gesehen in knapp jedem zweiten Spiel einen Scorerpunkt erzielt und 12 bedeutende Titel gewonnen hat (deutscher Superpokal nicht berücksichtigt), mag man seinen grundsätzlichen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung gut nachvollziehen können. Zumal er das goldene Tor im Champions-League-Finale der Saison 2019/2020 geschossen und in dieser Saison mit 29 Bundesligaeinsätzen seinen persönlichen Rekord gebrochen hat, was ob seiner langen Verletzungshistorie schon eine weitere Trophäe zur Folge haben müsste.

Auf der anderen Seite hat Coman noch nie mehr als 6 Bundesliga-Tore in einer Saison erzielt (18/19), was gerade für einen Offensivspieler mit großen Ambitionen schlicht zu wenig ist, vor allem für einen Spieler mit solch herausragenden Qualitäten allen voran seine unnachahmlichen Antritte, mit denen er aus dem Stand an seinen Gegenspielern vorbeiziehen und so aus dem Nichts gefährliche Situationen kreieren kann. Bislang hat es Coman nicht geschafft, eine ganze Saison lang konstant auf hohem Niveau zu performen, denn auch in der abgelaufenen und für ihn persönlich bisher besten Saison bei den Bayern, hat er zwischen dem 21. und dem 31. Spieltag lediglich einen einzigen Scorerpunkt erzielen können (1 Assist). Und auch sein 1:0 Siegtreffer gegen Paris St. Germain im CL-Finale 2020 kann nicht mit Arjen Robben´s Tor im Champions League Finale 2013 im Wembley gleichgestuft werden, der in der 89. Spielminute durch sein überragendes Dribbling und seinem unnachahmlichen Abschluss jedem Bayern Fan einen Fußballorgasmus bescherte, wohingegen Coman eine Weltklasse-Flanke von Joshua Kimmich mit geschlossenen Augen ins Tor köpfte. Möchte man ganz gemein sein, könnte man behaupten, dass den jeder reingemacht hätte, wohingegen das Tor vom „Mr. Wembley“ gegen den BVB eine ganz besondere Leistung gewesen ist. Auch bei der französischen Nationalmannschaft, der Equipe Tricolore, hat Coman keinen Stammplatz. Im EM-Spiel gegen Deutschland saß er nur auf der Bank und wurde nicht einmal eingewechselt.

Coman polarisiert nicht und ist kein Aushängeschild

„King“ möchte nicht nur zu den Top-Verdienern im Verein aufsteigen, sondern scheint es auch nicht verkraftet zu haben, dass die legendäre und so beliebte Trikotnummer 10, nach Arjen Robben´s Abschied, zunächst an Phillipe Coutinho und im letzten Sommer an Sané vergeben wurde, obwohl Coman diese besondere Trikotnummer nach seinem Empfinden eher verdient hätte. Die legendäre Zehn auf dem Rücken zu tragen, vor allem bei einer Topmannschaft, ist eine Art Statussymbol, wofür man entweder bereits als Star zu einem Verein stoßen muss, wie es z.B. bei Robben und Coutinho der Fall war, oder man muss es sich schlicht und ergreifend verdienen, da auch aus Marketinggründen ein Trikot mit der „10“ ein bedeutendes Produkt darstellt, da es für Fußballfans aus aller Welt bis ins Kindesalter heißbegehrt ist (Maradona, Zidane, Pele, Ronaldinho, Messi…). Daher dient sie bei Transfers auch nicht selten als Köder, um einen Wechsel noch schmackhafter zu machen, was man besonders beim Transfer von Coutinho, aber auch im Falle Sané, beobachten konnte.

Fazit

Kingsley Coman hat sich aufgrund seiner Leistungen eine Vertragsverlängerung zu höheren Bezügen absolut verdient und ein Verbleib, des kürzlich erst 25 Jahre alt gewordenen Leistungsträgers, wäre auch für den FC Bayern München ein Gewinn. Zwar gibt es bereits Interessenten aus der Premier League, allen voran Manchester United, allerdings haben die Bayern angeblich eine Ablösesumme im dreistelligen Millionenbereich aufgerufen und haben bis zum Sommer 2022 keinen akuten Handlungsbedarf, was die Ausdehnung des Vertrags von Kingsley Coman angeht.

Coman ist aber (noch) kein Star und kann daher keine Ansprüche stellen, die ihn im internen Ranking ganz weit nach oben hieven würden, da er Gerüchten zufolge 20 Millionen Euro fordert. Gerade nach der Alaba-Causa sollte die Coman-Seite bei solchen Forderungen auch stets an das Image des Franzosen denken, da selbst die Bayern wegen der Pandemie erhebliche finanzielle Bußen erlitten haben.

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Darum ist Edin Terzic der perfekte BVB-Trainer

Mit der gesicherten Qualifikation für die Champions League Gruppenphase und dem DFB-Pokalsieg kann der BVB unterm Strich mit dem Saisonergebnis durchaus zufrieden sein. Edin Terzic hat die Mannschaft zum Saisonendspurt in die richtige Bahn gelenkt und seinem Herzensverein den ersten Titelgewinn seit 2017 beschert.

Nach der 1:2 Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am 27. Spieltag war die Champions League angesichts von sieben Punkten Rückstand mehr oder weniger abgeschrieben und es drohte der Super-GAU. Man setzte daher den Fokus voll auf den Gewinn des DFB-Pokals, nachdem die Bayern als Rekordpokalsieger und stets haushoher Favorit bereits in der zweiten Runde gegen Holstein Kiel die Segel streichen mussten. Bei einem solch seltenen Szenario reiben sich die übrig gebliebenen Mannschaften die Hände und machen sich berechtigte Hoffnungen auf den Pokal, allen voran der BVB, da die Meisterschaft oder ein internationaler Triumph ob der Macht der Bayern nach wie vor reine Utopie zu sein scheint.

Edin Terzic – der perfekte BVB-Trainer?

Einen nicht unerheblichen Anteil am erfolgreichen Saisonabschluss hat wie immer auch der Cheftrainer. Edin Terzic hat dieser verunsicherten, glücklos agierenden und mitunter in manchen Spielsituationen lethargisch wirkenden Mannschaft zum Saisonendspurt eine kriegsentscheidende, brutale Siegermentalität eingeimpft und den BVB wieder „BVB-like“ gemacht. Und genau letzteres hat seit Kloppo keiner seiner Nachfolger geschafft und auch genau deshalb wird der BVB nicht mit dem perfekten BVB-Trainer in die Saison gehen, sondern „nur“ mit Marco Rose.

Jeder im und um den Verein erinnert sich gerne an die Ära unter Jürgen Klopp, der es geschafft hat, aus einer noch in der Saison 2008/2009 abstiegsbedrohten Mannschaft einen Doublesieger und CL-Finalisten zu formen sowie mit seinem begeisternden Gegenpressing den europäischen Fußball zu revolutionieren. Auf dem Borsigplatz wurden endlich wieder Titel bejubelt. Mit Thomas Tuchel holte man erneut einen Trainer vom FSV Mainz 05 und erhoffte sich, einen „zweiten Klopp“ an die Seitenlinie zu holen, allerdings wohlwissend, dass Tuchel ein ganz anderer Trainertyp ist. Trotzdem hat man für die Bewertung der jeweiligen Cheftrainer stets Klopp´s Erfolge als Maßstab genommen und war deshalb nie rundum glücklich, was die Trainerbesetzung angeht. Sie suchten vergebens nach dem perfekten BVB-Trainer, doch wie sieht dieser aus? Wenn man ehrlich ist, wären sie nur mit einem Klopp-Klon vollends zufrieden gewesen, wenn überhaupt, und haben deshalb ganz drastisch ausgedrückt, jeden Trainer, der „anders“ war, letzten Endes geschasst.

Leidenschaft, Sieger-Mentalität und die Fans als 12. Mann

Wir alle kennen die Bilder des ehemaligen BVB-Trainers, wie er jeden Millimeter seiner Coaching-Zone beackert, seine Spieler zur maximalen Leistungsvermögensabschöpfung gepeitscht, die Dortmund-Fans ganz Diego-Simeone-like zu mehr Stimmung gepusht und Tore gegen Mannschaften wie Augsburg oder Freiburg so gefeiert hat, als ob es der entscheidende Finaltreffer eines WM- oder CL-Finales wäre. Diese Emotionalität hat er sowohl auf die Fans als auch auf seine Spieler übertragen, die sich fortan als unschlagbar fühlten und genauso auch bis zum Abpfiff auf dem Spielfeld aufgetreten sind, bis der Schlusspfiff ertönte. Genau diese Gefühlsausbrüche und Motivationsschübe vermisste man bei allen darauffolgenden Trainern. Tuchel war vielleicht sogar der lauteste, allerdings hörte man ihn entweder Kommandos gebend oder seine Spieler lautstark kritisierend, während man die anderen Coaches so gut wie gar nicht hörte.

Edin Terzic ist jedoch der erste Trainer, der die Mannschaft von der Seitenlinie nicht nur coacht, sondern sie auch pusht und die in Dortmund erwünschte Mentalität auslebt. Er hat Leidenschaft, Siegeswillen und den Glauben an die eigenen Stärken ins Team gebracht. Die Seitenlinie rennt er zwar nicht rauf und runter und regt sich auch nicht über eine falsche Einwurf-Entscheidung so auf, als ob davon die Meisterschaft abhängen würde. Wenn man jedoch sieht, wie er Tore und Siege frenetisch jubelt und sich kaum zurückhalten kann, wie er seine Spieler mit geballter Faust nach vorne peitscht und nach dem Abpfiff seine Spieler herzlich abklatscht und umarmt, erinnert das schon stark an Klopp und unterscheidet ihn doch erheblich von seinen Vorgängern. Als waschechter Dortmunder Junge und durch seine Vereinsliebe sind auch die Fans wieder voll hinter dem Team und können sich endlich wieder mit der Mannschaft identifizieren, was wir sicherlich mit Zuschauern und Fans im Stadion am deutlichsten erkennbar gewesen wäre. Man könnte sogar sagen, er bringt den etwas anderen „Stallgeruch“ mit. Mit seiner ruhigen, ehrlichen und seiner direkten aber sehr respektvollen Art, erfreut er sich auch großer Beliebtheit bei der breiten Öffentlichkeit, was vor allem bei Lucien Favre eines der größten Kritikpunkte gewesen sind.

Taktisch auf Augenhöhe mit Toptrainern

Den Vorgängern von Terzic wurden höchste taktische Raffinesse nachgesagt, was sie größtenteils auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Doch Terzic hat gezeigt, dass auch er den Fußball versteht und in der Lage ist, eine erfolgsbringende Taktik zu entwickeln und diese seiner Mannschaft so zu vermitteln, dass auf dem Platz die berühmtberüchtigte Handschrift des Trainers erkennbar wird. Dabei hat er sowohl mit einer Dreier- als auch mit einer Viererkette spielen lassen, was zeigt, dass er nicht nur taktisch variabel ist, sondern im Vorfeld des Spiels den Gegner perfekt analysiert.

Man darf nicht vergessen, sondern muss es sogar hervorheben, dass Terzic alle drei Duelle gegen den zukünftigen FCB-Trainer, Julian Nagelsmann, für sich entscheiden konnte, Marco Rose´s Gladbacher im DFB-Pokalhalbfinale besiegte, und gegen die Bayern vor allem in der ersten Halbzeit eindrucksvoll gezeigt, wie perfekt er sein Team auf das Spiel eingestellt hat. Die frühe 2-0 Führung war absolut verdient, indem sie den Plan des Trainers, die Bayern schon früh beim Spielaufbau zu stören, die Anspielstationen zu decken und gleichzeitig Pressing auf den ballführenden Spieler auszuüben, perfekt umgesetzt haben und ihre Chancen eiskalt genutzt haben. Dass sie am Ende des Spiels trotzdem mit leeren Händen dastanden, lag nicht an Terzic, sondern vielmehr an der individuellen Qualität der Bayern und ihrer in dieser Saison auszeichnenden Comeback-Fähigkeiten durch ihre überragende Mentalität. Auch gegen ManCity mit Pep Guardiola haben die Dortmunder sehr gut dagegengehalten und waren phasenweise sogar überlegen, und hätte Bellinghams irreguläres Tor korrekterweise gezählt, hätte der BVB womöglich das Halbfinale erreicht. Terzic hat in beiden Partien erneut unter Beweis gestellt, dass er gegen Toptrainer mehr als nur mithalten kann und auch in internationalen Spielen in der Lage ist, seiner Mannschaft einen erfolgsversprechenden guten Plan mit auf den Weg zu geben.

Terzic der Bessermacher und Krisenbewältiger

Für den Erfolg der Mannschaft scheut er auch nicht davor zurück, auch mal den Kapitän des Teams, Marco Reus, auf die Bank zu setzen und damit das Zeichen zu setzen, dass unter ihm das Leistungsprinzip vorherrscht. Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern hat er bezüglich Reus allerdings nicht eine Bestrafung des Spielers im Sinn gehabt und anstatt fortan nicht mehr auf ihn zu setzen, hat er Reus aus seiner Formkrise herausgeholt und zu alter Stärke verholfen hat. Auch den fast schon auf dem Abstellgleis gestellten und seit seiner Ankunft in Dortmund nie wirklich angekommenen Mo Dahoud hat er sein Vertrauen geschenkt und ihn zum Stammspieler gemacht, das dieser durch teilweise Weltklasse-Leistungen mehr als nur zurückgezahlt hat. Dahoud war einer der Garanten für den erfolgreichen Saisonendspurt.

Zwischen dem Bayern-Spiel am 24. Spieltag und dem Viertelfinalrückspiel gegen City konnte er aus acht Pflichtspielen nur zwei Spiele gewinnen und kassierte in dieser Phase vier Niederlagen, unter anderem die bittere Pleite gegen die Eintracht, wonach das Erreichen der CL-Gruppenphase ob der sieben Punkte Rückstand schier unmöglich schien. Doch Terzic bewahrte die Ruhe, stärkte die Spieler und bereitete sie jedes Mal auf neue perfekt auf die Spiele vor und startete in der Folge eine Serie mit sieben Siegen in Folge. Er kann also auch eine Krisensituation meistern und seine Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringen. Bezeichnend dafür, ist die Aussage von Mats Hummels nach der 1:2 Pleite gegen Freiburg am 20. Spieltag, er nach dem Spiel ein kleines Loblied auf Terzic gesungen und ihn in Schutz genommen hat ("Seit Edin da ist, machen wir sehr viele Dinge sehr viel besser. Wir kriegen nur nicht die Ergebnisse, um das zu unterstreichen", sagte der Innenverteidiger bei Sky.).

Kann es in der nächsten Saison mit Terzic als Co-Trainer von Rose überhaupt funktionieren?

Das Wunschszenario des Vereins ist es, dass Terzic auch in der nächsten Saison bei seinem Herzensverein bleibt und im Trainerteam vom zukünftigen Cheftrainer arbeitet. Damit tut man Rose womöglich keinen Gefallen, denn der erfolgreiche und beliebte aktuelle Cheftrainer würde wie ein Damoklesschwert über Rose schweben und sobald die Ergebnisse ausbleiben, wird es Trainerdiskussionen mit lauten Rufen nach Terzic geben. Zudem wäre ein Behalten von Terzic auch kein Vertrauensbeweis gegenüber Rose, wenn der BVB seinen „Plan B“ behält, anstatt Rose vollständig den Rücken zu stärken und mit einer Trennung von Terzic zu zeigen, dass man voll und ganz auf den neuen Trainer setzt und absolut davon überzeugt ist, dass er der richtige Trainer für den BVB ist und man keinen Plan B bräuchte.

Terzic hat jedoch oft genug betont, dass er den Verein im Herzen trägt und genau wie die Führungsriege der Dortmunder auch in der nächsten Saison bleiben möchte. Er befindet sich jedoch in einer komfortablen Situation, da er aufgrund seiner Leistungen das Interesse anderer Vereine auf sich gezogen hat und aufgrund eines „Gentlemen-agreements“ den Verein verlassen darf, sollte es ein für ihn interessantes Angebot als Cheftrainer geben. Und an Interessenten mangelt es nicht, zwar hat er angeblich Eintracht Frankfurt bereits abgesagt, allerdings gibt es auch eine Premier League Clubs, die ein Auge auf ihn geworfen haben. Erfahrungen in England konnte er an der Seite von Slaven Billic als Co-Trainer bei West Ham United zwischen der Saison 15/16 - 17/18 sammeln.

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