Drastische Veränderung im Fußball - Der Fan hat das Nachsehen

Drastische Veränderung im Fußball - Der Fan hat das Nachsehen

Nicht nur in Deutschland ist der Fußball Volkssport Nummer 1, weltweit erfreut er sich riesiger Fangemeinschaften und Traditionen. Doch vor allem die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino stellen den Vereins- und Nationalmannschaftsfußball vor massive Veränderungen. Der Sport wird immer gewinnorientierter, ohne Rücksicht auf Spieler- oder Faninteressen. 

Aufstockung der Klub-WM und Champions League

Anstelle des Confed-Cups soll 2021 zum ersten Mal eine erweiterte Klub-WM mit 24 Teilnehmern stattfinden, so lautet der Plan von FIFA-Boss Infantino. Auf europäischer Seite stößt diese Idee jedoch auf Kritik. Die ECA, eine Interessensvertretung europäischer Spitzenklubs, hatte sogar einen Boykott angekündigt. In der reformierten Klub-WM sollen acht Teilnehmer aus Europa antreten. Dies würde für einige Klubs eine große Belastung darstellen, denn vor der Klub-WM im Sommer wird wie gehabt die Champions League ausgespielt. Aber nicht nur aus der Sicht der Spieler, sondern auch aus der Perspektive der Fans ist so eine große Klub-WM unnötig. Die Klub-WM, wie sie heute existiert, stößt bereits auf wenig Resonanz. Eine Erhöhung auf 24 Teilnehmern wird vermutlich auch nichts daran ändern, dass es am Ende wieder Europa und Südamerika unter sich ausmachen, sodass die anderen Kontinente wieder leer ausgehen. Das einzige, was die neue Klub-WM 2021 bringen wird, ist Profit. Für Übertragungsrechte und Werbung wird natürlich viel Geld fließen.

So sehr die UEFA sich bemüht, Infantino Paroli zu bieten, treibt sie selber Veränderungen im Kerngeschäft des Fußballs an. Ab 2024 soll die Champions League Gruppenphase in vier Achtergruppen ausgetragen werden, sodass jedes Team sieben Heim- und Auswärtsspiele in der Gruppe bestreitet. Der Terminkalender, welcher heute bereits voll ist, würde sich noch weiter füllen. Die Champions League soll außerdem an Wochenenden statt unter der Woche stattfinden, denn zur Prime-Time gibt es natürlich nochmal mehr Kohle. Dies würde einen massiven Einschnitt in den Spielbetrieb der nationalen Ligen bedeuten. Sollten sich die Pläne der UEFA durchsetzen, würde die Bundesliga in die Woche verdrängt werden. Dass an einem Mittwochabend mit weniger Zuschauern zu rechnen ist, ist offensichtlich. Es würde eine Hierarchie entstehen mit einer großen Kluft zwischen europäischen Top-Klubs und Vereinen, die nur auf nationaler Ebene spielen. Entweder, man gehört zu Europas Elite und sahnt finanziell noch mehr ab, als man es bisher schon tat. Oder aber man ist nur ein kleiner Klub mit deutlichem Rückgang der Einnahmen und einem Verlust der Attraktivität.

Doch die Pläne der UEFA greifen noch tiefer. Ähnlich wie bei der vor Kurzem eingeführten Nations League soll es im internationalen Klubfußball auch ein Auf- und Abstiegssystem geben. Denn neben der Champions League und der Europa League soll bereits 2021 die Europa League 2 ins Leben gerufen werden. Die bestehende Europa League wird dabei auf 32 Mannschaften reduziert, die Europa League 2 soll ebenfalls aus 32 Teams bestehen. Zwischen diesen drei Ligen (CL, EL1 & EL2) sollen Vereine nun aufsteigen bzw. absteigen können. In gewisser Weise existiert bereits schon eine Art Abstieg von der Champions League in die Europa League, indem die Gruppendritten der CL im EL-Achtelfinale weiterspielen dürfen. Wie genau das System aussehen wird, ist noch unklar. Doch auch dieses Vorhaben fördert die Internationalisierung des Fußballs und beraubt die nationalen Ligen ihrer Bedeutung. 

WM mit 48 Teams

Die WM-Vergabe an Katar ist höchst umstritten. Abgesehen von Korruptionsvorwürfen, Geldverschwendung für hochmoderne Stadien und Belüftungssysteme sowie unmenschliche Arbeitsbedingungen will Gianni Infantino auf Biegen und Brechen schon 2022 die Aufstockung auf 48 Teams durchsetzen. In 16 Dreiergruppen sollen die Länder antreten, die K.o.-Phase setzt bereits im Sechzehntelfinale ein. Einerseits bedeutet das eine Chance für kleinere Länder, sich für eine WM zu qualifizieren. Doch die Leistungsunterschiede in der Gruppenphase werden noch größer. Der Terminplan wird zwangsläufig voller, denn die Anzahl der Spiele steigt von 64 auf 80. Gerade im Fall Katar ist dies ungünstig, denn die WM findet vom 21. November bis zum 18. Dezember statt und ist somit schon auf 25 Tage komprimiert, um nicht mit den Weihnachtsfeiertagen zu kollidieren. Außerdem werden weitere Stadien benötigt, sodass Katar vermutlich auf einen Co-Gastgeber angewiesen ist, sollte bereits 2022 die Aufstockung erfolgen. Jedoch ist die politische Lage mit den Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Bahrain sowie den Vereinigten Arabischen Emirate äußerst angespannt. Katar hatte bereits beklagt, dass die FIFA ohne Absprache mit ihnen die Änderungspläne in den Raum warf. Unbeeindruckt davon, wird die FIFA am 5. Juni über ihre Köpfe hinweg über eine Teilnehmererhöhung bei der Weltmeisterschaft 2022 abstimmen.

Es wird Widerstand geben

Die Verbände entscheiden über die Interessen der Fans und auch über die Belastungsgrenzen der Profis hinweg. Es werden neue Wettbewerbe erschaffen, welche keinerlei Bedeutung oder Tradition vorweisen, dafür aber Einnahmen generieren. Der Fußball wird kommerzialisiert, das ist heute schon spürbar: Um alle Champions League spiele schauen zu können muss man Sky und DAZN haben, zwei zahlungspflichtige Plattformen. Für einige Bundesliga-Spiele ist sogar zusätzlich der Eurosport Player notwenig. Dieses Pay-TV-Konstrukt kann sich auf Dauer nicht jeder Fußball-Liebhaber leisten. Selbst die deutsche Nationalmannschaft ist mittlerweile nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern beim Privatsender RTL zu sehen.

Natürlich werden einerseits die Spitzenklubs immer attraktiv bleiben und die Nachfrage wird nach wie vor bestehen, auf der anderen Seite wird der Durchschnitts-Fan bei bei den aktuellen Entwicklungen nicht mehr mitziehen. Bereits bei den Montagsspielen in der Bundesliga gab es Protestaktionen der Fans zu sehen - und zwar mit Erfolg: In zwei Jahren werden keine Bundesligaspiele mehr an einem Montag stattfinden. Man darf also gespannt sein, welche Proteste sich die Fanszene einfallen lässt, um z.B. die Austragung der Bundesliga-Spieltage am Wochenende zu bewahren.

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