Katar auf der Überholspur

Katar auf der Überholspur

Die Fußballnationalmannschaft Katars sorgte am Freitag für eine riesige Überraschung: Das Team gewann durch einen 3:1-Erfolg im Finale gegen Japan die Asienmeisterschaft 2019. Als Nächstes ist die WM 2022 im eigenen Land im Visier.

Souveräner Asienmeister 

Eigentlich ist das kleine Emirat am persischen Golf im Weltfußball bislang ziemlich bedeutungslos gewesen. Doch schon in der Gruppenphase, die Katar mit drei Siegen und 10:0 Toren bewältigte, zeichnete sich ab, dass es Katar diesmal weit bringen könnte. Nach einem 1:0-Erfolg gegen Deutschland-Besieger Südkorea erreichten die Kataris zum ersten Mal das Halbfinale einer Asienmeisterschaft. 

Im Halbfinale traf man ausgerechnet auf die Vereinigten Arabischen Emirate, den Ausrichter des Turniers. Es sollte ein Prestige-Duell sein, denn politisch stehen beide Nationen auf Kriegsfuß. Umso bedeutender ist letztendlich der klare 4:0-Erfolg Katars in Abu Dhabi. VAE legte nach dem Spiel noch Protest ein, Katar hätte nicht spielberechtigte Spieler zum Einsatz gebracht - der asiatische Verband wies die Vorwürfe jedoch schnell zurück.

Und auch im Endspiel gegen den vermeintlichen Favoriten aus Japan bekamen die Kicker aus Katar keine kalten Füße und lenkten schon früh das Spiel in ihre Richtung, was sie am Ende mit 3:1 gewinnen konnten. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer von Takumi Minamino ist der einzige Gegentreffer Katars im gesamten Turnier. 

Das Erfolgsrezept: Akademie-System und spanisches Mitwirken

Es tauchen immer wieder die Vorwürfe auf, Katar baue sich durch Einbürgerung eine immer stärker werdende Fußballnationalmannschaft auf, ähnlich wie es im Handball geschah. Daher rührten auch die Vorwürfe der Vereinigten Arabischen Emiraten nach der Halbfinalpartie. Im Finalspiel gegen Japan kamen immerhin vier Spieler bei Katar zum Einsatz, die nicht im Land geboren wurden. Allerdings kann man da noch nicht von einer großen Einbürgerung sprechen - die große Mehrheit der Nationalspieler stammen aus Katar. Außerdem gibt es in vielen anderen Ländern auch solche Fälle. Podolski und Klose wurden beide in Polen geboren und spielten im Dress des DFB. 

Vielmehr ist es das Geld, dass die Scheichs des Landes bereit sind, in den Sport zu investieren. Die sogenannte Aspire Academy nahe der Hauptstadt Doha wurde 2004 ins Leben gerufen, um junge Sportler aus Katar zu entdecken und zu fördern. Auf ihrer Website preist die Akademie ihr Scouting- und Trainingsprogramm im Bereich Fußball als eines der stärksten der Welt. 

Des Weiteren bedient sich Katar auch europäischer Hilfe: Seit zwei Jahren ist der Spanier Felix Sanchez Trainer der Nationalmannschaft. Zuvor hatte er unter anderem zehn Jahre beim FC Barcelona Jugendteams gecoacht. Im Trainerstab befinden sich drei weitere Spanier sowie ein Deutscher, Torwarttrainer Julius Büscher.

Das große im Visier: WM 2022

Viele stehen der Weltmeisterschaft 2022 in Katar aus mehreren Gründen kritisch gegenüber. Seien es die Korruptionsvorwürfe bezüglich der Vergabe der WM nach Katar, oder die Milliarden-Ausgaben für gigantische Stadien mit Lüftungssystemen, dessen Nachhaltigkeit zu hinterfragen ist. Das Lusail Iconic Stadium, was sich noch im Bau befindet, soll fast 90.000 Plätze fassen. Bei Ligaspielen in Katar liegt die Zuschauerzahl wenn es gut läuft vielleicht im vierstelligen Bereich. Auch die Tatsache, dass die WM total antizyklisch kurz vor Weihnachten stattfinden wird, begeistert nicht sehr viele. 

Der größte Kritikpunkt ist jedoch, warum ein Fußballzwerg wie Katar die Weltmeisterschaft 2022 ausrichten darf. Noch nie hat sich das Land sportlich für eine WM-Endrunde qualifiziert. Und bei der WM-Premiere im eigenen Land will man sich natürlich auf keinen Fall blamieren. Doch in diesem Punkt hat die Fußballauswahl Katars die Kritiker nun eines Besseren belehrt. Mit dem Titelgewinn der Asienmeisterschaft ist die Teilnahme an einer WM auch aus sportlichen Gesichtspunkten durchaus gerechtfertigt. Wer weiß, was das kleine Katar mit seinen großen Scheichs noch bis 2022 auf die Beine stellen kann.

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