Umbruch mit vielen Baustellen bei 96

Umbruch mit vielen Baustellen bei 96

Nach 28 Spieltagen sind die Roten mit mickrigen 14 Punkten Zählern Letzter der Bundesliga. Selbst vereinsintern glaubt man nicht mehr so richtig an den Klassenerhalt. Nun soll im Sommer der große Umbruch erfolgen. Doch in Hannover gibt es mehr als nur eine Baustelle.

Drohender Ausverkauf bei Abstieg

Die Aussichten auf den Verbleib in der Bundesliga sind schlecht. Bei einem Gang in Liga 2 droht Hannover der Verlust einiger Leistungsträger. Zum Saisonende werden sämtliche geliehene Spieler den Verein wieder verlassen, darunter Leistungsträger wie Nicolai Müller, Kevin Wimmer, Takuma Asano oder Bobby Wood. Dazu kommen noch die kuriosen Klauseln um Wimmer und Asano, bei einer gewissen Anzahl an Einsätzen die Kaufoption ziehen zu müssen. Im Vertrag von Asano mit Arsenal beträgt der Kaufpreis 3,5 Millionen Euro. Um den zwangsläufigen Kauf zu verhindern, darf der Japaner bis zum Saisonende nicht mehr eingesetzt werden. Und auch bei Wimmer sind Trainer Doll die Hände gebunden, er kann ihn nicht mehr allzu oft einsetzten. Ansonsten müsste 96 satte 12 Millionen an den englischen Zweitligist Stoke City blechen.

Füllkrug und Bebou im Sommer weg?

Die zwei Topstürmer von Hannover, Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou, sind bereits im Visier anderer Bundesligisten. Beide Spieler sind derzeit verletzt und kamen in der Rückrunde noch nicht zum Einsatz. An Niclas Füllkrug ist offenbar Werder Bremen interessiert, wo "Fülle" bereits in seiner Jugend kickte. Im Sommer hatte Borussia Mönchengladbach sogar 20 Millionen für Füllkrug geboten, doch 96 lehnte ab. Füllkrugs Marktwert liegt aktuell bei 15 Mio. Doch die Fohlen sind wohl auch an Ihlas Bebou sowie Linton Maina interessiert. Letzteren würde Hannover jedoch ungern abgeben. Offensivmann Maina ist gerade einmal 19 Jahre jung und spielt in der U20-Nationalmannschaft Deutschlands, genau wie Florent Muslija. Beide Youngsters könnten eine wichtige Rolle beim "Umbruch" spielen. Ebenso Stürmer Hendrik Weylandt, welcher zuletzt von Thomas Doll gelobt wurde und sich bei den Fans großer Beliebtheit erfreut. 

Problem in der Defensive

Den Abgang von Stabilisator Salif Sané vergangenen Sommer konnte Hannover nicht wirklich kompensieren. Kevin Wimmer und Waldemar Anton präsentierten sich einige Male wackelig. Dabei lastete hoher Druck auf Waldemar Anton, welcher zu Saisonbeginn zum Kapitän ernannt wurde. Offenbar eine zu hohe Last für den 22-Jährigen, mittlerweile trägt Bakalorz die Binde. Doch der Vertrag des erfahrenen Sechsers läuft im Sommer aus, genauso die Verträge von Außenverteidiger Oliver Sorg und Innenverteidiger Felipe. Mit dem Abgang von Wimmer zu Stoke kann man fest rechnen. Hannover muss zusehen, geeignete Spieler für die Defensive zu verpflichten. Als Gerücht steht ein Wechsel von Innenverteidiger Robin Bormuth von Fortuna Düsseldorf zu 96 im Raum.

Nachwuchs aus der Akademie

Bei der 3:1-Niederlage in Wolfsburg feierte US-Amerikaner Sebastian Soto sein Debüt für die erste Mannschaft von Hannover 96. Der 18-Jährige erzielte in der U19-Bundesliga bereits 14 Treffer in 21 Spielen. Bei einem Abgang von Füllkrug oder Bebou käme Soto als eine Option für die Stürmerposition in Frage. Ebenso plant der Club ab Sommer mit Justin Neiß in der Offensive. Der Linksfuß traf sogar sechzehn Mal in 18 Partien in der U19-Bundesliga. Kürzlich unterzeichnete Neiß seinen Profivertrag bei Hannover 96 für die kommende Saison. 

Interner Strukturwandel

96-Geschäftsführer Martin Kind hatte kürzlich Horst Heldt für die schlechte Kaderzusammensetzung im Sommer kritisiert. Am Dienstag trennte sich der Verein dann vom eher wenig beliebten Manager. Nach Trainer Breitenreiter folgt nun also auch der Rauswurf von Heldt. Als Nachfolger wurde bereits Dieter Hecking, welcher schonmal bei 96 als Trainer tätig war, gehandelt. Die Entscheidung auf einen adäquaten Nachfolger vertagt 96 vorerst. Doch wie steht es um Thomas Doll? Wahrscheinlich wird der Coach bis zum Saisonende bleiben, doch eine Erfüllung des Vertrags bis 2020 ist unwahrscheinlich. Zum geplanten Neuanfang soll auch ein neuer Trainer auf der Bank gehören, auch wenn Kind zuletzt hinter Doll stand und seinen Kampfgeist lobte.

Was natürlich bleibt, ist der Clinch zwischen Kind selbst und seinen Gegnern im Verein. Bei der Mitgliederversammlung im März siegte die Kind-Opposition in der Wahl um den Aufsichtsrat deutlich und entthronte Martin Kind als Präsident. Viele Fans wollen den 74-Jährigen sogar ganz raus sehen. Die Situation um Martin Kind ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist er immer noch der Hauptinvestor des Vereins. Ohne Kinds finanzielle Unterstützung wäre Hannover 96 womöglich schon in der 2. Liga. Doch solange Kind bei Hannover 96 fungiert, wird es wohl weiterhin interne Unruhen geben.

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