War sich Deutschland zu sicher?

War sich Deutschland zu sicher?

Der Fluch des Titelverteidiger hat nun auch Deutschland ergriffen. Italien reiste 2010 als amtierender Weltmeister nach Südafrika und schied in der Gruppenphase als letzter aus, hinter Neuseeland. Die Spanier erlebten das Gleiche: 2010 holten sie den ersten Titel, vier Jahre später in Brasilien ging es nach drei Spielen wieder nach Hause. Diese Reihe setzt sich nun mit dem überraschend frühen Ausscheiden der Deutschen fort. Hat die DFB-Elf die Angelegenheit unterschätzt? Oder sich selber überschätzt?

Frühe Vorzeichen nicht erkannt

Jahrelang lief alles glatt bei Deutschland. 2014 krönten sich die Jungs von Jogi Löw mit dem WM-Titel. Deutschland ist es gewohnt, erfolgreich zu sein. Und in den Pflichtspielen vor der Weltmeisterschaft gab es noch keine Bedenken: In der Qualifikation erwischte man eine vergleichsweise leichte Gruppe, die man mit zehn Siegen souverän als Erster bewältigte. Im Confed-Cup 2017 holte man trotz vieler junger, unerfahrener Spieler sogar den Titel. Erst in den Testspielen im Frühjahr zeigten sich Schwächen. Im Spiel gegen Brasilien verlor Deutschland verdient, es fehlten Ideen nach vorne. Die Auftritte gegen Österreich und Saudi-Arabien waren alles andere als weltmeisterlich. Und trotzdem dachte jeder "irgendwie werden sie es richten, wenn es darauf ankommt". Ein Trugschluss, wie sich gegen die Mexikaner herausstellte. Und selbst nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden, der eigentlich ein Startschuss hätte sein können, reicht es nicht gegen Südkorea ins Achtelfinale einzuziehen. Selbst gestandene Stars wie Müller, Kroos oder Khedira sind nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz fassungs- und regungslos.

Der DFB zu selbstsicher?

Das Marketing um "Die Mannschaft" war vor der WM in Russland so ausgeprägt wie noch nie. Der DFB brachte die Kampagne #ZSMMN ("zusammen") ins Leben, parallel dazu erschien der WM-Song "Zusammen" von Clueso feat. Die Fantastischen Vier. Die Automarke Mercedes Benz entwickelte den Slogan "Best Never Rest", wobei das V golden hervorgehoben ist. Es ist das römische Zeichen für die Fünf, symbolisch für den fünften Stern, den Deutschland holen sollte. Das Ganze Drumherum stimmte eigentlich, doch auf dem Platz zählt eigentlich nur eins: Die Leistung der Mannschaft. Und nicht, wer das bessere Marketing hat. Der DFB plante noch viel mehr für die Zukunft: Bald soll der Bau der neuen DFB-Akademie in Frankfurt starten. Man bewirbt sich um die Europameisterschaft 2024. Aber es läuft auch nicht alles rund: Bitburger wird nach jahrelanger Partnerschaft zum Ende des Jahres als Werbepartner aussteigen. Die Nachfragen werden zurückgehen, Trikots sind schon zu billigeren Preisen zu erwerben. Doch vor allem muss die Einstellung der Nationalspieler wieder stimmen, nur so kommt der sportliche  und damit auch der wirtschaftliche Erfolg zurück.

Beitrag teilen:

Artikel kommentieren