Juventus Turin hat es wieder getan und nach Kenan Yildiz dem FC Bayern München einen weiteren Rohdiamanten ablösefrei abgeluchst. Der 19-jährige Adin Ličina hat sich entschlossen dem Weg des türkischen Jungstars in die Serie A zur alten Dame zu folgen. Beide Spieler haben ähnliche Anlagen und daher könnte dieser Transfer der nächste große langfristige Coup des italienischen Rekordmeisters sein. (Bild: IMAGO / Beautiful Sports)
Adin Ličina verkörpert den klassischen Fall eines Talents, das in einer der weltbesten Nachwuchsakademien reifte – und dann den Mut hatte, den nächsten Schritt anderswo zu wagen. Der am 6. Januar 2007 in Landshut geborene deutsche U19-Nationalspieler wechselte Anfang Februar 2026 ablösefrei vom FC Bayern München zu Juventus Turin, wo er zunächst bei der Next Gen in der Serie C eingesetzt wird, parallel aber bereits mit der Profimannschaft trainieren darf.
Aus der Bayern-Akademie zum italienischen Neuanfang
Ličina trat bereits mit acht Jahren (2015) in die Bayern-Akademie ein und durchlief dort sämtliche Jugendstufen bis zur U19 und den Bayern-Amateuren. In der Regionalliga bei Bayern II absolvierte er bis zu seinem Abgang 33 Einsätze, erzielte dabei drei Tore und gab sechs Vorlagen – vielversprechende, aber noch nicht spektakuläre Zahlen für einen damals 18-Jährigen in der vierten Liga.
Parallel sammelte er internationale Erfahrung in den deutschen Nachwuchsnationalmannschaften: von der U15 bis zur U19 bestritt er insgesamt 27 Länderspiele und erzielte vier Tore. Seine Wurzeln liegen übrigens teilweise in Montenegro – die Familie stammt aus der Region um Bijelo Polje –, was ihm neben der deutschen auch die montenegrinische Nationalmannschaft eröffnet.
Bayern sicherte sich beim Abgang eine 30-prozentige-Weiterverkaufsbeteiligung sowie ein Mitverkaufsrecht. Der Transfer erinnert frappierend an den Weg von Kenan Yildiz, der 2022 ebenfalls von Bayern-Campus zu den Bianconeri wechselte und dort inzwischen zum echten Jungstar aufgestiegen ist. Beide werden von derselben Agentur (Leaderbrock) vertreten, die nun vielleicht ein bewährtes Muster darin sehen.
Adin Ličina’s AURA. 🥶🔥 pic.twitter.com/GCIvRYIHDu
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Spielweise erinnert an Di Maria
Ličina ist 1,80 m groß, Linksfuß und vielseitig einsetzbar. Offiziell wird er hauptsächlich als rechter Flügelstürmer geführt, bringt aber auch Qualitäten als offensiver Mittelfeldspieler, linker Flügel und Schienenspieler mit.
Der flexible Offensivakteur zeichnet sich vor allem durch eine außergewöhnliche technische Qualität aus. Sein starker linker Fuß ermöglicht ihm präzise Abschlüsse, gefährliche Flanken und kreative Pässe, die oft den Unterschied machen. In 1-gegen-1-Situationen, besonders in engen Räumen, gilt er als nahezu unaufhaltbar, weil er mit seiner Beweglichkeit, hohen Agilität und exzellentem Ballgefühl seine Gegenspieler mühelos ausspielt.
Seine Ballkontrolle und sein erster Kontakt sind auf höchstem Niveau, was ihm erlaubt, das Spiel schnell zu beschleunigen oder in engen Zonen Lösungen zu finden. Dazu kommen eine gute Übersicht, und eine hohe Spielintelligenz, die ihn zu einem echten Spielmacher machen – er sieht Räume und Mitspieler früh und setzt sie mit präzisen Pässen in Szene.
Seine Beschleunigung und sein Tempo auf den ersten Metern machen ihn zusätzlich gefährlich, wenn er mit dem Ball am Fuß ins Rollen kommt. Seine Kreativität sowie sein Flair sorgen dafür, dass er unberechenbar für den Gegner ist. Sein Spielstil kann mit Spielern wie Ángel Di María oder Hakim Ziyech verglichen werden, da er ähnlich trickreich und spielintelligent agiert.
Next Gen | Adin Licina è bianconero ⚪⚫
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Deutliche physische Defizite
Trotz dieser beeindruckenden Stärken hat Ličina noch klare Entwicklungsfelder. Seine Physis und Robustheit sind derzeit seine größten Schwächen – er wirkt in Zweikämpfen oft zu labil und verliert daher noch zu oft physische Duelle, besonders wenn es körperlich hart zur Sache geht. Die Intensität über die volle Spieldauer fehlt ihm noch, was dazu führt, dass seine Leistungskurve in manchen Partien schnell nachlässt und er nicht immer die gleiche Präsenz zeigt.
Sein schwacher rechter Fuß ist ein weiterer limitierender Faktor, da er zu sehr auf links angewiesen ist und Gegner das antizipieren können, indem sie ihn auf seine rechte Seite drängen. Im Kopfballspiel ist er aufgrund seiner Größe von 1,80 Metern und seines Gewichts ebenfalls unterlegen, was in der Serie A, wo Zweikämpfe und Standardsituationen eine große Rolle spielen, ein Nachteil sein könnte.
Adin Licina debut vs Ravenna pic.twitter.com/83T0EYMy43
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Kann er der nächste Yildiz werden?
Insgesamt überwiegen bei dem 19-Jährigen die technischen und kreativen Pluspunkte deutlich, was ihn zu einem hochinteressanten Talent macht. Seine Schwächen sind typisch für einen jungen Offensivspieler und können durch gezieltes Training – vor allem im Athletikbereich und in der Zweikampfstärke – behoben werden. Wenn Juventus es schafft, ihn physisch robuster und konstanter zu machen, hat er das Zeug, sich zu einem Top-Flügelspieler oder offensiven Mittelfeldspieler in Europa zu entwickeln.
Das Potenzial ist hoch – viele Scouts zählten Ličina in den Jahren 2024/25 zu den interessantesten deutschen U19-Talenten außerhalb der absoluten Top-Namen. Juventus traut ihm zu, mittelfristig den Sprung in den Profikader zu schaffen, ähnlich wie es Kenan Yildiz in den letzten Jahren vorgemacht hat.
Ob er tatsächlich das Niveau eines Top- europäischen Flügelspielers erreicht, hängt stark von seiner Entwicklung in den nächsten 18–24 Monaten ab – insbesondere von der Frage, ob er den Schritt von der Technik- zur physischen und taktischen Reife schafft, die in der Serie A gefordert wird.
Fest steht: Mit 19 Jahren hat Adin Ličina gerade erst das Kapitel „Bayern-Talent“ geschlossen und ein neues, spannendes in Turin begonnen. Die Alte Dame setzt erneut auf den bewährten Mix aus „deutscher Grundausbildung und italienische Weiterentwicklung“. Ob daraus ein Star wird, zeigt die Zeit – die ersten Highlights aus seiner Bayern-Zeit lassen aber durchaus hoffen.



