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Kickfieber Sascha Kritik an Wirtz wird lauter | Sollte er die Reds verlassen?
Florian Wirtz Kritik an Wirtz wird lauter

IMAGO / Branislav Racko

Kritik an Wirtz wird lauter | Sollte er die Reds verlassen?

Platz 9 nach sechs Partien in Englands höchster Spielklasse und ein deutscher Nationalspieler im Zentrum der Kritik – Florian Wirtz kommt beim FC Liverpool auch unter dem neuen Trainer Andoni Iraola nicht in Fahrt. Fehlt es dem ehemaligen Leverkusener einfach an Qualität? Sollte er die Reds wieder Richtung Bundesliga verlassen, oder weiter um seine Form kämpfen?
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Veröffentlicht: 16 Oktober 2026, 11:15

Als Liverpool im Sommer 2025 rund 116 Millionen Pfund (inklusive Boni) für Florian Wirtz an Bayer Leverkusen überwies, war die Erwartung klar: Der damals 22-Jährige sollte als kreativer Motor die Reds auf das nächste Level heben. Ein Jahr und gut 56 Pflichtspiele später sind die Stimmen deutlich kritischer geworden.
 

Jamie Carragher fordert öffentlich, den Deutschen aus der Startelf zu entfernen. "Ich denke nicht, dass er außer Form ist, sondern mehr kann er nicht!" Andere sprechen von einem der teuersten Flops der Premier-League-Geschichte. Die Zahlen geben den Kritikern zunächst Recht – und werfen die Frage auf, ob Wirtz in England bleiben sollte oder besser in eine Liga zurückkehrt, in der er schon einmal zur absoluten Elite gehörte.

Die nackten Zahlen - Wirtz erfüllt nicht die Erwartungen

In Leverkusen war Wirtz einer der besten Spieler Europas. In den Saisons 2023/24 und 2024/25 erzielte er wettbewerbsübergreifend jeweils 67 Scorerpunkte (18 Tore + 19 Assists bzw. 16 + 14). Er war Deutscher Fußballer des Jahres und zentraler Akteur der ungeschlagenen Meisterschaft unter Ex-Trainer Xabi Alonso.
 

In der Premier League sieht die Bilanz bisher anders aus: 39 Einsätze, fünf Tore und vier Assists. In der laufenden Saison 2026/27 stehen nach sechs Startelf-Einsätzen null Tore und eine Vorlage. Wettbewerbsübergreifend sind es bei Liverpool etwa sieben Tore und 9 Assists in 57 Spielen. Gegen die Top-10-Teams der Vorsaison blieb er laut Berichten ohne direkten Scorerpunkt.
 

Gleichzeitig kreierte er in seiner ersten Saison enorm viele Chancen (rund 60 allein in der Liga). Die Qualität dieser Chancen und die Verwertung blieben aber deutlich unter dem Niveau, das man von einem so teuren Neuzugang erwartet hat.

Die Gründe für die bisherige Bilanz

Wirtz selbst hat die Unterschiede offen benannt. Gegenüber TNT Sports sagte er im Frühjahr 2026: 

Jeder weiß, dass die Premier League die intensivste und physischste Liga ist. Es war ein bisschen schwieriger, als ich vorher erwartet hatte. In Leverkusen hatte ich mehr Zeit am Ball und konnte mich leichter um meinen Gegenspieler drehen. Hier musst du mit dem ersten Kontakt schon weg sein, sonst kommen drei Leute und gehen auf dich.

Der Druck, die Geschwindigkeit der Entscheidungen und die körperliche Härte seien die größten Unterschiede im Vergleich zur Bundesliga offenbarte er.
 

Micah Richards und Gary Neville bezeichneten ihn früh als zu „small” oder “petite“ beziehungsweise als „little boy“ – Formulierungen, die auf seine Statur (rund 1,76 m und nur um die 70 kg Körpergewicht) und die zunächst niedrige Zweikampfquote anspielten. 

Liverpool legte Wirtz ein gezieltes Kraftprogramm auf; dieser legte mehrere Kilogramm Muskelmasse zu und verbesserte sich dadurch in den Zweikämpfen. Dennoch bleiben die Berührungen im finalen Drittel und die Dribbling-Quote signifikant niedriger als in der Bundesliga. Er bekommt schlicht weniger Raum und Zeit, worauf er noch keine Lösungen gefunden hat.
 

Hinzu kommen mannschaftliche Faktoren: Die taktische Einbindung unter Arne Slot und später unter Andoni Iraola, die Rolle im Verhältnis zu anderen Offensivspielern und die insgesamt hohen Erwartungen nach einem Rekordtransfer. 

Einige Beobachter sehen auch ein mentales Problem – Wirtz wirke manchmal zurückhaltend, statt den Ball anzufordern und Verantwortung zu übernehmen. Carragher formulierte es nach der 0:3-Niederlage gegen Manchester City klar: Nach 60 Spielen sei das, was Wirtz liefere, „bis jetzt einfach nicht gut genug. Er muss raus aus der Stammelf“.

Was müsste sich ändern?

Für einen Durchbruch müsste vor allem die physische Anpassung weitergehen. Wirtz hat die Bereitschaft gezeigt, im Kraftraum zu arbeiten. Entscheidend ist, dass die zusätzliche Robustheit zu mehr Stabilität unter Druck führt – also zu besseren ersten Kontakten und schnelleren Entscheidungen auf engem Raum.
 

Taktisch braucht er ein System, dass im entweder mehr Raum (evtl. auf den Flügeln) oder schnelle und einfache Anspielstationen gibt. In der Champions League und in der Nationalmannschaft hat er zeitweise überzeugendere Auftritte gezeigt. Unter dem neuen Trainer Iraola könnte sich die Rolle noch einmal verschieben. 

Gleichzeitig müssen die Mitspieler seine Chancen besser verwerten – Wirtz erstellt weiterhin relativ viele Möglichkeiten, die Verwertung seiner Teamkameraden hinkt jedoch hinterher, worunter auch seine Statistik leidet.
 

Mental wäre sicherlich mehr Selbstvertrauen und Präsenz nötig. Der deutsche Nationalspieler selbst betonte immer wieder, an seine Qualitäten zu glauben. Ob das reicht, wenn die Ergebnisse weiter ausbleiben, ist offen. Zeit spielt jedoch eine immense Rolle: Viele Spieler brauchen zwei volle Saisons, um in der Premier League anzukommen. Mit 23 Jahren ist Wirtz noch jung genug, dass ein Durchbruch weiterhin möglich bleibt.

Fehlt ihm schlicht die Qualität?

Nein. Die Bundesliga-Leistungen, die technische Klasse, die Kreativität und die internationalen Auftritte sprechen deutlich dagegen. Wirtz war und ist ein hochklassiger Spieler mit hervorragender Technik, Spielintelligenz und offensiver Präsenz. 

Die Premier League ist für viele kreative Spieler aus anderen Ligen ein harter Anpassungsprozess – die Intensität und die körperliche Komponente sind deutlich höher als in der Bundesliga.
 

Dass er trotz fehlender direkter Torbeteiligungen weiterhin überdurchschnittlich viele Torchancen kreiert, deutet für mich eher auf eine positive Perspektive als auf grundsätzlichen Qualitätsmangel hin.

Weiter bei den Reds oder doch ein Transfer?

Sascha Baharian
Sascha Baharian

Ich denke Florian Wirtz sollte mindestens noch eineinhalb Jahre beim FC Liverpool bleiben. Sein Alter, die bisherige Kreativität, die Investition Liverpools und die Chance unter einem akribisch arbeitenden Trainer wie Iraola, der schon bei Bournemouth viele junge Spieler signifikant weiterentwickelt hat, sprechen für einen Verbleib. Der Coach der Reds glaubt an den Deutschen:

Ich bin zuversichtlich, dass ich dazu beitragen kann, Wirtz zum besten Spieler der Welt zu machen. Ich weiß, wozu er fähig ist, und werde eng mit ihm zusammenarbeiten, um das Beste aus seinem Spiel herauszuholen. Er wird die Welt in Staunen versetzen. Die Leute beurteilen ihn zu früh!

Doch die Spielidee des Basken benötigt Zeit, was man auch am kollektiven Problem der Mannschaft mit nur 9 Punkten aus 6 Partien und Platz 9 merkt. Florian Wirtz fehlt es also nicht an Qualität, wohl aber bislang an der vollständigen Anpassung an die Premier League. Die Gründe liegen vor allem in der Intensität, der physischen Dimension und den hohen Erwartungen. 

Ob er bleibt, hängt davon ab, ob er in den kommenden Monaten den Schritt vom kreativen Zulieferer zum entscheidenden Spieler schafft. Liverpool hat ihm Zeit und Unterstützung gegeben – die Geduld ist aber endlich. Ein weiteres Jahr ohne klaren Fortschritt würde die Frage nach einem Abschied deutlich lauter machen.

Sascha
Sascha @sascha_baharian

Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹

Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams. 

PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.