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Kickfieber Sascha Darum wird sich Vietnam 2030 erstmals für die WM qualifzieren
Analyse Vietnam WM 2030

(IMAGO / ZUMA Press Wire)

Darum wird sich Vietnam 2030 erstmals für die WM qualifzieren

Die „Goldenen Sterne“ Vietnams haben noch nie an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen. Für die Endrunde 2030 in Spanien, Portugal und Marokko rückt ein Debüt jedoch so nah wie nie zuvor. Was lange wie ein ferner Wunsch wirkte, wird zunehmend als realistische Perspektive diskutiert – getragen von Jugendstärke, strategischer Personalpolitik und der gezielten Nutzung der Diaspora.
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Veröffentlicht: 26 Oktober 2026, 17:49

Besonders sichtbar wurde das Potenzial der nächsten Generation beim diesjährigen AFC U23 Asian Cup in Saudi-Arabien. Die "Krieger des goldenen Sterns" erreichten zum zweiten Mal in der Geschichte das Halbfinale – acht Jahre nach dem Lauf unter Park Hang-seo.

Nach einem dramatischen 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen die Vereinigten Arabischen Emirate im Viertelfinale unterlag man China im Halbfinale zwar mit 0:3, sicherte sich aber im Spiel um Platz drei gegen Favorit Südkorea nach Elfmeterschießen den dritten Rang.
Nguyễn Đình Bắc, der 22-jährige Linksaußen von CAHN FC (1. Liga Vietnam), wurde Torschützenkönig und stand sinnbildlich für den Fortschritt der vietnamesischen Talentförderung. Weitere junge Kräfte wie die Verteidiger Nguyễn Hiếu Minh und Phạm Lý Đức unterstrichen die gewachsene Reife unter dem südkoreanischen Nationaltrainer Trainer Kim Sang-sik (49).

Klare Fortschritte in der Talentförderung

Was lange vor allem von einzelnen Impulsen und der Ära Park Hang-seo abhing, hat sich in den letzten Jahren zu einem strukturierteren System entwickelt. Das sichtbarste Beispiel ist die PVF Football Academy in Hưng Yên. Sie war die erste Akademie in Südostasien, die von der AFC als Drei-Sterne-Akademie anerkannt wurde, und zählt damit zu den wenigen Einrichtungen auf diesem Niveau in ganz Asien. Mit moderner Infrastruktur, systematischer Video-Analyse und internationalem Austausch liefert sie regelmäßig Spieler für die U23 und die A-Nationalmannschaft.
 

Daneben haben Vereine und Akademien wie beispielsweise HAGL JMG, Nutifood, Công An Hà Nội ihre Nachwuchsabteilungen ausgebaut. Viele schicken ihre Teams früh zu internationalen Jugendturnieren und integrieren Spieler in die unteren Profi-Ligen. Die Folge ist eine breitere Basis: Die jüngsten Erfolge der U23 – mehrfache ASEAN-Titel, SEA-Games-Gold und der dritte Platz beim AFC U23 Asian Cup 2026 – stützen sich nicht mehr auf eine einzelne Generation, sondern auf diesen Anpassungen.
 

Parallel dazu hat die Vietnam Football Federation in die Trainerausbildung und Talentidentifikation investiert. Zwischen 2022 und 2026 organisierte sie über 80 Lehrgänge mit rund 1.600 Teilnehmern; die Pro-Kurse sind von der AFC anerkannt, und vietnamesische Ausbilder übernehmen zunehmend eigenständig die Lehre.
 

Gemeinsame Workshops mit der FIFA zur Talentidentifikation ergänzen das Bild. In der Saison 2025/26 qualifizierten sich acht vietnamesische Nationalteams unterschiedlicher Altersklassen für AFC-Endrunden – ein Hinweis auf ein stabileres Fundament. Die Talentförderung in Vietnam hat sich von einem fragmentierten Modell zu einem professionelleren System entwickelt. Die U23-Erfolge sind das sichtbarste Zeichen dafür – sie sind kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit an der Basis.

Die Rolle der Vietnamesen im Ausland

Parallel dazu hat Vietnam die Rekrutierung ausländischer und auslandsvietnamesischer Spieler, das sogenannte "Việt Kiều", forciert. Eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts erleichterte Einbürgerungen. Der Verband verzichtet auf feste Quoten, während der Trainer nach sportlicher Eignung entscheidet. Sichtbar wurden brasilianisch-stämmige Akteure wie Nguyễn Xuân Sơn (vorher: Rafaelson), Đỗ Hoàng Hên und Nguyễn Tài Lộc, die Physis und Abschlusssicherheit einbrachten.
 

Ergänzt werden sie durch etablierte “Việt Kiều” wie die Torhüter Đặng Văn Lâm (russisch), Nguyễn Filip (tschechisch) und Lê Giang Patrik (slowakisch) sowie Verteidiger wie Cao Pendant Quang Vinh (Jason Pendant, französisch) und Nguyễn Adou Leygley Minh (Leygley Adou, französisch). Auch jüngere Kräfte wie der Engländer Williams Minh Hoàng (Lee Williams) und der Australier Ngô Đăng Khoa wurden eingebunden.

Diese Spieler können sich noch für Vietnam entscheiden

Ein weiteres Reservoir liegt bei Spielern, die noch oder bis vor Kurzem im Ausland aktiv sind und sich theoretisch für Vietnam entscheiden könnten. Besonders im Fokus steht der 24-jährige Innenverteidiger Kenneth Schmidt. Der deutsche Profi mit vietnamesisch-nigerianischen Wurzeln (über die Mutter) durchlief die Jugendakademie des SC Freiburg, spielt derzeit für Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga.
 

Er absolvierte Länderspiele für deutsche Juniorennationalmannschaften von der U18 bis zur U21, hat aber keine Senioren-Einsätze für Deutschland. Damit bleibt er nach FIFA-Regeln grundsätzlich für Vietnam (oder Nigeria) verfügbar. Der vietnamesische Fußballverband hat Interesse bekundet; Nigeria wirbt jedoch gleichermaßen um ihn.
 

Sein Markt- und Leistungsniveau läge deutlich über dem aktuellen Standard der vietnamesischen Nationalmannschaft und würde die Defensive signifikant aufwerten – vorausgesetzt, er entscheidet sich tatsächlich für den Weg nach Hanoi und die notwendigen Formalitäten werden abgeschlossen. Mit 24 ist der 189 cm große Abwehrhüne kein Talent mehr und muss sich angesichts der kommenden großen Turniere wie dem Asia Cup/Afrika Cup oder der WM in 4 Jahren langsam entscheiden.

Viet-Talent in den Reihen der Fortuna

Noch klarer liegt der Fall bei Simon Vũ (20). Der deutsch-vietnamesische Mittelfeldspieler besitzt bereits einen vietnamesischen Pass und ist damit für Jugend- und A-Nationalmannschaft verfügbar. Er durchlief die Akademie von Fortuna Düsseldorf, spielt regelmäßig in der zweiten Mannschaft (Regionalliga) und wurde bereits in Freundschaftsspielen bei den Profis eingesetzt.

Für die U23 und langfristig die A-Nationalmannschaft gilt er als interessanter Perspektivspieler, weil er die europäischen Ausbildungsstandards genießen durfte und die formalen Hürden für eine Nominierung niedrig sind.

Weitere Namen tauchen immer wieder in den Medien auf – etwa der französische Stürmer Aymeric Faurand-Tournaire (vietnamesische Mutter, Ligue-2-Erfahrung) oder jüngere Kräfte aus Belgien, Österreich und den USA, die teilweise bereits den Weg in die V-League gefunden haben. Die Hürden bleiben jedoch hoch:
 

Viele Spieler haben Jugend-Länderspiele für andere Verbände absolviert, die emotionale Bindung an Vietnam ist zwar da, jedoch muss der sportliche Anreiz deutlich zulegen. FIFA-Regeln erlauben in der Regel einen Verbandswechsel, solange keine Senioren-Pflichtspiele für ein anderes Land gespielt wurden; die vietnamesische Staatsbürgerschaft ist jedoch Voraussetzung.

Vietnam heißester Anwärter Südostasiens

Sascha Baharian
Sascha Baharian

Unter Kim Sang-sik hat die Mannschaft regionale Erfolge gefestigt, darunter den ASEAN Cup 2024, bei dem hauptsächlich Nationalteams aus Südostasien teilnehmen. Bei der Ausgabe 2026 endete das Turnier auf Platz vier. Aktuell steht Vietnam auf Rang 99 der FIFA-Weltrangliste und gehört damit zu den 17 stärksten Teams in Asien.

Das reicht voraussichtlich aus, um die erste Qualifikationsrunde für die WM 2030 zu überspringen und aus Topf 2 in die zweite Runde zu starten. Die ersten beiden Tabellenplätze jeder Gruppe kommen weiter; die zweite Runde beginnt voraussichtlich 2027. Eine mögliche Erweiterung der WM auf 64 Teams würde Asiens Plätze weiter erhöhen und die Chancen Vietnams enorm verbessern.

Stabilere Strukturen in der V-League, wie die erste Liga in Vietnam genannt wird, Investitionen in die Infrastruktur, und die langfristige Zusammenarbeit mit Nationaltrainer Kim bilden das Fundament. Die Lücke zu Japan, Südkorea oder dem Iran ist noch da, aber bei weitem nicht mehr so groß wie vor einigen Dekaden.

Stadiontechnisch wird diese Lücke mit dem Bau der Hung-Vuong-Arena geschlossen, da diese hochmodern und mit 135 Tausend Zuschauern das größte Stadion der Welt darstellen wird. Bereits im Juni 2027 soll sie als das Herzstück der riesigen Olympischen Dorfstadt in Hanoi fertig gestellt werden.

Die Kombination aus einer verbesserten Talentförderung, gezielter Personalpolitik und der Option auf weitere europäisch ausgebildete Việt Kiều macht Vietnam zum heißesten Anwärter Südostasiens auf ein historisches Debüt bei der WM 2030.

Sascha
Sascha @sascha_baharian

Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹

Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams. 

PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.