
(IMAGO / Eibner)
Zwei Typen für Klopps neue DFB-Elf | Warum Jeltsch und Janelt ins Bild passen
Als Jürgen Klopp seinen ersten Kader als Bundestrainer vorstellte, wirkte vieles nach einem bewussten Bruch. Nicht nur die Aufteilung in zwei Aufgebote, nicht nur die schiere Zahl von 44 Namen. Vor allem die Mischung aus sehr jungen Debütanten und einem 28-jährigen Premier-League-Arbeiter ließ erkennen, wonach der Trainer sucht:
Intensität, Robustheit und Spieler, die sein Fußballverständnis nicht erst erklärt bekommen müssen. Finn Jeltsch vom VfB Stuttgart und Vitaly Janelt vom FC Brentford stehen für zwei Seiten derselben Idee.
Am Donnerstag trifft Deutschland in München auf Serbien, drei Tage später folgt das Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki. Für beide könnte es das A-Länderspieldebüt werden. Doch was verspricht sich der ehemalige Liverpool-Coach eigentlich von beiden Protagonisten?
🚨🇩🇪 Finn Jeltsch, nominated by Jürgen Klopp for the Nations League if nothing extraordinary happens.
The highly talented 20 y/o centre-back from VfB Stuttgart is included for the first time.
As also reported by @AgardiJulian. @SkySportDE pic.twitter.com/ewzeU9KWl2— Florian Plettenberg (@Plettigoal) September 16, 2026
Finn Jeltsch (20) - Der Verteidiger, der Klopp zuerst auffiel
Finn Jeltsch ist 20 Jahre jung, Innenverteidiger beim VfB Stuttgart und bereits U17-Welt- und Europameister. Trotzdem war er Klopp wie vielen anderen Fußballfans anfangs kein geläufiger Name. Genau das macht die Begründung des Bundestrainers so aufschlussreich.
Von den Spielern, die mir nicht sofort geläufig waren, ist er mir als Erster aufgefallen“, sagte Klopp bei der Kaderpräsentation. Der Blick auf die Statistik habe gereicht: Alter, Einsätze, Belastung. „Dann guckt man ein bisschen genauer hin und stellt fest: außergewöhnlicher Verteidiger, der es sehr gut macht, eine außergewöhnliche Athletik hat und kicken kann.
Das ist kein bloßes Talentlob. Klopp beschreibt damit ein Profil, das zu seinem Spiel passt. Jeltsch gilt als abgeklärt, zweikampfstark und ballsicher. Vor allem seine Passquote von über 90 Prozent, progressive Pässe ins letzte Drittel und die Fähigkeit, den Ball selbst nach vorne zu tragen, zeichnen ihn aus. Defensiv punktet er weniger durch grobe Härte als durch Timing: Er antizipiert Pässe, unterbindet Konter früh und foult vergleichsweise selten.
Genau das braucht ein Team, das unter Klopp wieder höher stehen, früher pressen und nach Ballgewinn schnell umschalten soll. Ein Innenverteidiger, der nur absichert, reicht dafür nicht. Einer, der den ersten Pass nach vorne wagt und im Aufbau mitspielt, schon.
🚨 Arsenal, Real Madrid and Juventus are all tracking Stuttgart centre-back Finn Jeltsch.
Stuttgart value the 20-year-old at around €45M, making a potential January transfer difficult.
Jeltsch is under contract until 2030, leaving Stuttgart in a strong position over any… pic.twitter.com/TbDDZRst1e— Transfer News Live (@DeadlineDayLive) September 29, 2026
Jeltsch selbst sieht die Schnittmenge
Ich würde sagen, ich bin ein aggressiver Verteidiger, mutig, auch offensiv denkend“, erklärte er vor dem zweiten Block. „Ich hoffe, dass ich mich zeigen kann und dass ihm das gefallen wird.“
Die Nationalmannschaft ist das Größte, was es gibt. Zuerst will ich im Camp in Herzogenaurach das Trainerteam von meinen Qualitäten überzeugen.
Dass Klopp den Stuttgarter trotz dessen Jugend direkt in den A-Kreis holt, fügt sich in seine Linie: „Wir wollen bei der Entwicklung dabei sein.“ Nach dem frühen WM-Aus wollte er nicht länger darüber sprechen, was fehlt – sondern sichtbar machen, was da ist. Jeltsch, Fritz-Walter-Medaillengewinner in Gold, steht für diese Generation. Er kann zentral, rechts und notfalls sogar im defensiven Mittelfeld spielen. Für einen Trainer, der Systeme flexibel denkt, ist das Gold wert.
🚨🇩🇪 OFFICIAL | Vitaly Janelt, nominated by Jürgen Klopp for the Nations League.
The 28 y/o midfielder from FC Brentford is included for the first time. pic.twitter.com/4IUBp6TdRh— Florian Plettenberg (@Plettigoal) September 17, 2026
Vitaly Janelt (27) - Der unauffällige Arbeiter aus der Premier League
Vitaly Janelt ist der Gegenpol zum Wunderkind – und trotzdem kein Zufall. Der Hamburger, einst HSV-Talent, später bei RB Leipzig und Bochum, hat sich seit 2020 beim FC Brentford in der Premier League festgespielt. Über 160 Einsätze in Englands höchster Spielklasse, oft von Beginn, selten verletzt, selten spektakulär, jedoch oftmals solide – und genau deshalb interessant für Klopp.
Janelt selbst formuliert seine Rolle ohne Umschweife: „Ich bin ein Teamspieler. Ich mache die Drecksarbeit für die Jungs vor mir.“ Mit 28 Jahren sieht er die Nominierung als späte, vielleicht letzte große Chance. „Das ist wohl die letzte Chance für mich, bei dem einen oder anderen großen Turnier dabei zu sein.“ Die EM 2028 in Großbritannien und Irland wäre für den Legionär fast ein Heimturnier.
Warum gerade jetzt? Weil Klopp den englischen Fußball kennt. Brentford spielt unter Keith Andrews einen direkten, laufintensiven Stil mit aggressivem Pressing – näher an Klopps Liverpool-Jahren als mancher Bundesliga-Klub. Janelt gewinnt Bälle, unterbricht Angriffe, schiebt Räume zu und bleibt dabei sicher und ruhig am Ball. Statistisch gilt er als einer der besten “Pass-Abfänger” seiner Mannschaft, mit hoher Passsicherheit und der Bereitschaft, links in die Kette zu fallen, damit Außenverteidiger aufrücken können.
Janelt, der Spätberufene: "Ich bin niemandem böse"
Vitaly Janelt ist einer von elf Neulingen, die Jürgen Klopp für seinen XXL-Kader nominiert hat und doch unterscheidet er sich von den anderen Debütanten: Der Mittelfeldsp...https://t.co/FT9RX8L3gT— kicker Fussball News Feed (@kickDE) September 29, 2026
Genau solche Sechser braucht ein DFB-Team, das nach dem 1:1 gegen die Niederlande und der 0:1-Niederlage gegen Griechenland noch nach Balance sucht und wiederkehrende Konzentrationsaussetzer, beispielsweise von Nmecha, nicht mehr tragen kann.
Florian Wirtz, Lennart Karl oder Said El Mala können kreativ sein. Dafür braucht es jemanden, der hinter ihnen aufräumt, ohne dass die Nationalelf bei einem Konter blank steht.
Janelt hat lange nicht mehr über eine mögliche Nominierung gesprochen. „Wenn der Trainer Bock hat auf mich, hat er Bock. Wenn nicht, dann nicht.“
Dass ausgerechnet Klopp diesen Bock hat, ist kein Zufall. Der Bundestrainer wollte nach der WM nicht nur Stars recyceln, sondern Spielertypen finden, die zu seiner Idee passen – auch wenn sie nicht bei Bayern, Dortmund oder Liverpool spielen.
➡️ℹ️Why @BrentfordFC 's Vitaly Janelt could be a key fit in the @DFB_Team squad for Klopp 🇩🇪✅;
✍️"For Klopp, this could make a player interesting who gives security to the more attacking players and at the same time works in the build-up. Janelt himself formulates his claim… pic.twitter.com/po5RjDrjh1— Bavarian Football Works (@BavarianFBWorks) September 30, 2026
Was beide verbindet
Auf den ersten Blick könnten die Unterschiede größer kaum sein: 20 gegen 28 Jahre, Bundesliga-Nachwuchstalent gegen unauffälligen Premier-League-Arbeiter, Innenverteidiger gegen Sechser. Taktisch passen sie trotzdem in Klopps Spielidee.
Klopp denkt Fußball von der Intensität her. Wer den Ball früh erobern will, braucht Verteidiger, die mutig herausrücken, und Mittelfeldspieler, die den ersten Zweikampf führen, bevor der Gegner sortiert ist. Jeltsch bringt Athletik, Spieleröffnung und Entwicklungspotenzial. Janelt bringt Erfahrung im englischen Tempo, britische Zweikampfhärte und das Selbstverständnis, unsichtbar zu bleiben, solange das Team funktioniert.
Beide sind zudem belastbar. Jeltsch hat in jungen Jahren bereits Dutzende Pflichtspiele in Liga, Pokal und Europapokal absolviert. Janelt ist bei Brentford über Jahre der zuverlässigste Mittelfeldspieler gewesen – der Mann, der da ist, wenn andere fehlen.
Ob einer von beiden am Donnerstag von Beginn an spielt, ist offen. Klopp hat angekündigt, dass die Nominierung allein nicht reicht: „Ihre Chance nutzen müssen sie selbst.“ Genau das macht die Berufung so typisch für seinen Start. Er öffnet die Tür weit – und schaut dann, wer sie mit dem richtigen Tempo durchläuft.
Für Jeltsch wäre ein Debüt der nächste logische Schritt einer steilen Kurve. Für Janelt wäre es die Bestätigung, dass jahrelange harte Arbeit in der zweiten Reihe der Premier League am Ende doch noch ins Trikot der Nationalelf führt. Für Klopp sind beide Belege dafür, dass sein Blick nicht nur auf Namen, sondern auf Spielertypen gerichtet ist.

Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹
Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams.
PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.

