18+ | Spiele mit Verantwortung | Es gelten die AGB | Glücksspiel kann süchtig machen | Wir erhalten Provisionen von den aufgeführten Wettanbietern

Kickfieber Sascha Deutschland, Italien oder Österreich? | Verbände reißen sich um Matteo Palma
Matteo Palma beim DFB im Oktober 2024

(IMAGO / DeFodi)

Deutschland, Italien oder Österreich? | Verbände reißen sich um Matteo Palma

Es gibt Spieler, deren Namen man kennt, bevor man ihr Spiel gesehen hat. Matteo Palma gehört zum umgekehrten Typ. In Berlin geboren, mit vierzehn nach Italien gegangen, hat er als 16-Jähriger seine ersten Profiminuten in einer Liga gesammelt, die Teenager eher verschluckt als fördert. Daher wollen wir euch in dieser Spieleranalyse erklären, warum dieses außergewöhnliche Talent trotz seiner vielfältigen Wurzeln für Deutschland spielen muss.
Sascha Baharian Profile Image
Veröffentlicht: 7 Oktober 2026, 10:59

Mit sechzehn Jahren und sechs Monaten kam Matteo Palma in der Coppa Italia gegen Salernitana, mit siebzehn in der Serie A unter Kosta Runjaić zum Einsatz, dazwischen lernte er bei Weltmeister Fabio Cannavaro die hohe Kunst des Verteidigens, als andere seines Jahrgangs noch in der A-Jugend um Stammplätze stritten.

Was ihn ausmacht, ist nicht nur seine Statur. Es ist die Biografie dazwischen: die Mutter in Berlin, der italienisch-österreichische Vater in Italien, der ältere Bruder Léonard, der in Deutschland blieb, die U15-Trikots der Azzurrini und danach die DFB-Junioren, in denen er mit Lennart Karl ein Zimmer teilte. Palma selbst sagt dazu nur, als Kind habe er gerne beide Trikots getragen.

Die Frage, die diese Spieleranalyse beantworten muss, lautet deshalb nicht, ob Matteo Palma Talent hat. Die Frage lautet, welches Spielerprofil und welcher Charakter aus diesem Talent geworden sind – und für welche Fußballnation er es am Ende einsetzen wird.

Werdegang - Von Wedding ins Friaul

Palma wuchs zunächst bei seiner Mutter in Berlin auf und begann in der U9 von Hertha BSC. Der Vater, italienisch-österreichischer Herkunft, lebte in Italien; die Mutter besitzt deutsch-kamerunische Wurzeln. Mit 14 Jahren zog er zum Vater, während der ältere Bruder Léonard, ebenfalls Innenverteidiger, länger in Berlin blieb und später über die Hertha den Weg in den Profifußball suchte. 

Dieser Schnitt durch die Familie ist mehr als eine biografische Fußnote. Wer mit vierzehn Sprache, Schule, Freunde und den vertrauten Verein wechselt, lernt früh, dass Talent allein nicht trägt. Palma selbst hat das nüchtern beschrieben: 

Ich habe in der U9 bei Hertha angefangen, bei meiner Mutter in Berlin gewohnt und bin dann zu meinem Vater nach Italien gezogen, wo sich der Wechsel zu Udinese ergeben hat.

Die Trennung der Wege, die doppelte Heimat, das frühe Alleinsein in einer fremden Liga – das erklärt viel von der Ruhe, die Trainer an ihm rühmen. 

Kosta Runjaić, der ihn in die Profimannschaft beförderte, nannte ihn einen Jungen mit imposanter Präsenz, der auf dem Platz keinen Druck spüre und älter wirke als er sei. Fabio Cannavaro, der Palma in dessen ersten Profimonaten trainierte, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei unserem Protagonisten:

Es war natürlich etwas Besonderes, von einem Ballon-d’Or-Gewinner trainiert zu werden“, sagte Palma. “Cannavaro hat den Verteidigern Distanz zum Angreifer, Gegneranalyse und Kopfballspiel beigebracht – „fast alles, was ein Innenverteidiger braucht.

Dass ein Berliner Teenager bei Udinese von einem Weltmeister der italienischen Schule geformt wird und gleichzeitig beim DFB Zimmerkamerad von Lennart Karl war, beschreibt ziemlich genau die kulturelle Kerbe, in der Palma steckt.

Das Spielerprofil - Ein agiler Abwehr-Turm

Palma ist in erster Linie ein raum- und luftdominanter Spieler. In Vergleichen mit anderen Innenverteidigern seiner Alters- und Einsatzklasse gewinnt er Luftzweikämpfe in einem hohen Prozentbereich (über 60% in der Serie B), blockt und fängt überdurchschnittlich viele Bälle durch sein kluges Stellungsspiel ab.

Darüber hinaus macht die 195 cm Statur ihn in der eigenen und gegnerischen Box schwer zu überspielen; gleichzeitig ist er für diese Größe überraschend beweglich und besitzt eine gute Geschwindigkeit.

Palma ist ein athletischer Innenverteidiger, der seine Größe in der Luft optimal nutzt, dank seiner Agilität schnell Räume schließt, anspruchsvolle progressive Bälle riskiert und dadurch auch im Spielaufbau überzeugt. 

Der Vergleich mit Giorgio Scalvini von Atalanta Bergamo liegt daher nahe: früher Durchbruch, Körperlichkeit, und Persönlichkeit am Ball.
Auf der anderen Seite erinnert er gleichermaßen an den früheren Radu Drăgușin – einem Innenverteidiger, der in der Viererkette oder zentral in der Dreierkette am stärksten ist, weil er in der direkten Manndeckung glänzt.

Das bekam auch der 17-Tore-Stürmer Anastasios Douvikas vom FC Como beim 1:1-Remis gegen Udinese Calcio zu spüren. Palma dominierte den Griechen körperlich, zeigte perfektes Timing in seinem Positionsspiel und im Zweikampf. Zudem bewies der Berliner Mut, wenn er nach vorne ging, um den Gegner anzupressen und den Lombarden den Schwung zu nehmen.

Die Entwicklungsfelder

Natürlich gibt es bei einem Rohdiamanten Ecken und Kanten, die man bei einem 18-Jährigen erwarten darf und die man trotzdem benennen muss. Der linke Fuß ist klar schwächer als der rechte; das erhöht seine Berechenbarkeit im Aufbau und in der Verlagerung des Spiels. Generell wirkt sein Umgang mit dem Ball steif und nicht sehr flüssig.

Die Disziplin schwankte bei der Leihe für Sampdoria, wo auf elf Ligaeinsätze drei Gelbe und eine Rote kamen und damit unterstreichen, dass das Talent der "Zebras" sich häufig mit unfairen Mitteln helfen musste.

Zwei Muskelverletzungen innerhalb eines Jahres – zuletzt eine Oberschenkelverletzung ab Ende August dieses Jahres – erinnern daran, dass der Körper bei dieser Größe und diesem frühen Belastungssprung nicht automatisch mitwächst. Und trotz des Hypes bleiben die reinen Minuten überschaubar:

Debüt in der Coppa Italia am 25. September 2024 beim 3:1 gegen Salernitana als einer der jüngsten Udinese-Profis der Klubgeschichte, Serie-A-Einstand am 25. Mai 2025 in der 86. Minute gegen Fiorenz, dann bei Sampdoria elf Serie-B-Spiele und das erste Tor am 22. März 2026 gegen Avellino, danach die Rückkehr nach Udine.

Das ist eine steile, aber noch dünne Datenlage. Palma selbst formuliert das Ziel unspektakulär: erst Leistung für den Verein, Verletzungsfreiheit, Entwicklung mit Spaß. Champions League und WM nennt er als ferne Träume, „die man sich hart erarbeiten muss“.

Sein eigenes Leitbild ist bezeichnend. Nicht nur Cannavaro, sondern Sergio Ramos, Virgil van Dijk und vor allem Nico Schlotterbeck:

Schlotterbeck ist nicht nur physisch sehr gut, sondern auch am Ball. Das ist im modernen Fußball auch für Innenverteidiger extrem wichtig. Diesen Mix will ich ebenfalls haben, daran arbeite ich. 

Wer Schlotterbeck als Referenz wählt, will nicht nur gewinnen, sondern das Spiel von hinten mitprägen. Das trennt Palma von klassischen Abwehrspielern und erklärt, warum Runjaić und später die Sampdoria-Verantwortlichen ihm trotz des Alters Verantwortung gaben.

Wie seine Herkunft den Charakter formte

Die private Geschichte ist kein Beiwerk, sondern der eigentliche Resonanzraum seines Spiels. Aufgewachsen zwischen Berliner Alltag und italienischem Vaterhaus, zwischen Hertha-Jugend und Primavera, zwischen der Mutter in Deutschland und dem Bruder, der den anderen Weg ging, hat Palma früh gelernt, Zugehörigkeit nicht als Besitz, sondern als Entscheidung zu begreifen. 

Als Kind trug er beide Trikots. Diese Selbstverständlichkeit im Wechsel erklärt die fehlende Lampenfieber-Attitüde, die Runjaić auffiel, und die Bereitschaft, Risiken im Aufbau einzugehen. Wer mit vierzehn ein Land wechselt, fürchtet sich weniger vor einem frühen Pass in die Spitze.

Zugleich bleibt eine leise Unentschiedenheit. Theoretisch wäre Palma für Deutschland, Italien, Österreich und über die mütterliche Linie sogar für Kamerun spielberechtigt. Nach Einsätzen für Italiens U15 – acht Spiele, darunter ein Tor – holte der DFB ihn in die U16 und U17. Im September 2026, noch verletzt, sagte er Gianluca Di Marzio: 

Ich stehe mit Italien, Deutschland und Österreich in Kontakt, habe aber noch keine Entscheidung getroffen; zuerst muss ich zurückkommen und spielen.

Warum er für Deutschland spielen sollte

Deutschland sollte ihn nicht nur wollen, weil er 1,95 Meter misst und Luftzweikämpfe gewinnt. Die Nationalmannschaft braucht Innenverteidiger, die körperlich dominieren und trotzdem mit dem Ball etwas kreieren können – genau den Mix, den Palma bei Schlotterbeck studiert. Geboren in Berlin, sozialisiert in der Hertha-Jugend, bereits in den DFB-Jahrgängen verankert und von einem deutschen Trainer in der Serie A debütiert, ist seine deutsche Prägung tiefer als nur sein Pass. 

Die Entscheidung für die U16 und U17 war keine Zufallsnote; sie war eine erste Bindung. Italien kann die Cannavaro-Schule und die tägliche Serie-A-Härte anbieten, Österreich die familiäre Linie des Vaters. Aber Palmas erster Fußball, seine erste Sprache auf dem Platz und der Verein, der ihn als Kind formte, liegen in Deutschland.

Für den DFB wäre er mehr als ein weiteres großes Talent. Er wäre ein Spieler, der die heutige deutsche Mannschaft spiegelt: multikulturell, früh gereift durch einen Ortswechsel, defensiv robust und offensiv lernwillig. Wenn Palma sagt, er fühle sich beim DFB „super“, aber erst die Leistungen für Udinese zählen müssten, dann ist das keine Absage, sondern eine Einladung: 

Wer ihn binden will, muss ihm den Weg in die A-Mannschaft glaubwürdig machen, sobald der Körper verletzungsfrei bleibt. Ein Berliner, der in Udine unter Cannavaro und Runjaić gelernt hat und trotzdem Schlotterbeck als Maßstab nimmt, gehört in Schwarz-Rot-Gold nicht trotz, sondern wegen dieser Courage diese Umwege zu gehen.

Sascha
Sascha @sascha_baharian

Hingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹

Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams. 

PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.