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Nach der Entlassung in Neapel | Ist Ancelottis Zeit vorbei?

Nach der Entlassung in Neapel | Ist Ancelottis Zeit vorbei?

Carlo Ancelotti, ein Mann, welcher schon zahlreiche Trophäen des europäischen Spitzenfußballs gewinnen konnte, von denen andere Trainer nur träumen wagen. Doch bröckelt die glanzvolle Fassade der lebenden Trainerlegende langsam dahin? Eine Frage die sich mir schon nach seiner Entlassung beim FC Bayern stellte.

Klar galt die Truppe des deutschen Rekordmeisters als schwierig, dennoch sollte man doch von einem der erfolgreichsten Welttrainer erwarten können, dass er diese Charaktere zu einer homogenen Mannschaft formt. Gerade Ancelotti, welcher bekannt dafür war, über eine enorm hohe soziale Intelligenz zu verfügen und auch mit egozentrischen Diven ein harmonisches Arbeitsverhältnis schaffen zu können.

Der Anspruch eines Spitzentrainers

Doch beim FCB ging ihm diese Stärke wohl in Teilen verloren, als er sich mit zu vielen Führungsspielern anlegte und falsches „Leadership-Vermögen“ an den Tag legte. Die Ausrede, dass das Team nur unter Jupp Heynckes funktioniere, kann nicht als Omni-Entschuldigung gewertet werden. Es gehören immer zwei Parteien dazu und der 60-jährige Italiener hatte gewiss seinen Anteil am Misserfolg der Bayern.

Nach seiner Zwischenstation in Deutschland zog es ihn ins beschauliche Neapel. Im ersten Jahr änderte er nur wenig an der Taktik des Teams und profitierte sicherlich weiterhin von Sarris implementierten Elementen. Der schnelle „One-Touch-Fußball“ war immer noch allgegenwärtig und die Spieler waren im 4-3-3 eingespielt und besaßen ihre Automatismen. Ancelotti erbte also ein voll funktionierendes und homogenes Team.

Im zweiten Jahr ging es bergab

Dessen Handschrift war daher eher gegen den Ball zu sehen, indem er das Team etwas ausbalancierte. Im zweiten Jahr jedoch, beseitigte er die „Überbleibsel“ Sarris und änderte die Formation auf sein präferiertes 4-4-2 um. Viele Akteure spielten plötzlich nicht mehr auf ihren Idealpositionen und fanden sich mehr schlecht als recht in seiner Taktik wieder.

Abgesehen davon, dass der taktische Ansatz nicht zur Ausrichtung des Kaders passte, geriet Ancelotti in einen Krieg zwischen Präsident, Fans und Spieler. Sicherlich eine mörderische Atmosphäre, doch der ehemalige Napoli-Coach wählte, indem er sich gegen das vom Präsident verordnete Straftrainingslager stellte, einen Weg, welcher unbewusst die Meuterei seiner Spieler rechtfertigte und weiteren Nährboden für deren schlechte Arbeitsmoral bot.

Der Gentleman war nicht mehr gefragt

Zudem gibt es immer noch Akteure die auf dem Platz alles in die Waagschale werfen und Ancelotti hätte mit harter Hand die Spreu vom Weizen trennen und genau auf diese Spieler setzen müssen. Doch der Fußballlehrer blieb der „Gentleman“ und versuchte weiterhin mit allen gut auszukommen, was dem Teamgeist der Mannschaft geschadet hat.

Ancelotti hat mit seiner zu netten Art und den laschen Trainigseinheiten, genau diesen "faulen Äpfeln" im Team den Raum geboten, eben nur 70 oder 80 Prozent auf dem Platz zu geben. Unter Gattuso wird diese Attitüde niemals Platz finden und genau deshalb wird sich Aurelio De Laurentis nun für ihn entschieden haben, denn es muss Ordnung und Disziplin in diese Napoli-Mannschaft.

Das verflixte zweite Jahr

Ancelotti scheint das Fingerspitzengefühl zwischen „harter Hand“ und „Streicheleinheiten“ verloren zu haben, was sich aus seinen letzten beiden Trainerstationen immer mehr heraus kristallisierte. Zudem konnte sich der bekennende Weinliebhaber nach seiner siebenjährigen Amtsperiode beim AC Milan, nie länger als zwei Jahre bei seinen Vereinen halten.

Macht es also Sinn langfristig auf einen Trainer zu setzen, welcher im heutigen sehr taktischen Fußball überlaufen scheint? Denn nach vorne, setzte Ancelotti eher auf Individualität, als auf ein akribisch ausgearbeitetes taktisches Konzept, was im modernen Fußball jedoch immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Ancelottis Taktik überlaufen?

Ein Spitzentrainer muss heutzutage nicht nur durch soziale Intelligenz glänzen, sondern auch auf taktischer Ebene auf allerhöchstem Niveau performen. Bei allem Respekt vor Ancelottis Erfolgen in der Vergangenheit, scheint nicht nur an seinen Fähigkeit im Leadership-Bereich eingebüßt zu haben, sondern gehört auch auf taktischer Ebene nicht mehr zur Weltelite.

Sollte sich der Italiener nun für einen Club wie den FC Everton entscheiden, welcher gerade gegen den Abstieg in der Premier League spielt, dann wird er sich wohl innerlich genau das eingestanden haben, ansonsten ist es wohl kaum nachvollziehbar, warum sich der Altmeister auf einen mittelmäßigen englischen Erstligisten einlässt.

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