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Sascha

Der Neuner den Paderborn selbst gebaut hat | Lasse Eickel (18) in der Analyse

Lasse Eickel steht am Beginn einer Profikarriere, die sich beim gerade aufgestiegenen SC Paderborn in der 1. Bundesliga konkretisieren soll. Der Mittelstürmer aus dem Sauerland gilt im Verein als großes Stürmertalent. Noch ohne Pflichtspieleinsatz für die erste Mannschaft, wurde er fest in den Profikader integriert – doch besitzt Eickel wirklich schon das Potenzial für die 1. Bundesliga? (Bild: IMAGO / DeFodi Images)

Vom Sauerland in die Nullsieben-Akademie

Eickels fußballerische Wurzeln liegen beim FC Iserlohn, bevor er 2022 als U15-Spieler zum SC Paderborn wechselte. Seitdem durchlief er die Jahrgänge der Akademie konsequent und entwickelte sich zum torgefährlichsten Stürmer seines Alters. In der U17-Nachwuchsliga erzielte er 14 Tore in 24 Spielen, für die U19 kamen in der Saison 2025/26 rund 14 Treffer in 16 Partien der DFB-Nachwuchsliga hinzu, dazu ein Tor im Junioren-Pokal. Parallel sammelte er erste Erfahrungen im Männerfußball: Für die Regionalliga-Mannschaft des SCP kam er auf etwa elf Einsätze mit zwei Toren und einer Vorlage.

Der Sprung zur Nationalmannschaft folgte rasch. Bei der U17-Weltmeisterschaft 2025 in Katar gehörte Eickel zum Kader, nachdem er kurzfristig aus verletzungsbedingten Gründen nachgerückt war. Im Vorbereitungsspiel gegen Kanada traf er nach seiner Einwechslung platziert aus 14 Metern zum 2:0, gegen El Salvador erzielte er als Joker das 6:0 und wurde damit der erste Paderborner Spieler, der bei einer Junioren-WM für den DFB traf.

Insgesamt stehen für die U17 fünf Länderspiele und zwei Tore zu Buche, für die U19 kamen drei Kurzeinsätze in der EM-Qualifikation hinzu. Seit April 2026 bindet ihn ein Lizenzspielervertrag bis 2031. Sportchef Sebastian Lange betonte:

„Lasse hat sich bei uns hervorragend entwickelt. Er steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“

Spielerprofil - Ein Stürmer mit Körper und Instinkt

Eickels größte Stärke liegt im Strafraum und in der Art, wie er dort Gefahr erzeugt. Er ist kein dribbelnder Flügelstürmer, der Räume erst erschafft, sondern ein Mittelstürmer, der Räume besetzt und Abschlüsse sucht. Mit 1,87 Metern und bereits gut entwickelter Physis bringt er die Grundvoraussetzungen eines Zielspielers mit.

Bei der U17-WM wurde er genau in dieser Rolle eingesetzt: Die Mitspieler suchten ihn gezielt, er holte Ecken heraus und stieg in übersichtlichen Situationen zum Kopfball hoch. Gegen Kolumbien touchierte ein solcher Kopfball den Pfosten, gegen Gladbachs U19 zwang er den Torhüter in der Nachspielzeit zu einer Parade. Das Kopfballspiel ist noch kein fertiges Alleinstellungsmerkmal, aber die Timing-Qualität und die Bereitschaft, den zweiten Pfosten und den Fünfmeterraum anzulaufen, sind klar erkennbar.

Noch klarer zeigt sich seine Abschlussqualität. Eickel trifft nicht nur aus kurzer Distanz, sondern variiert die Art des Schusses. Gegen Kanada schob er den Ball aus etwa 14 Metern frontal vor dem Tor platziert links unten ins Eck, eine ruhige, fast unaufgeregte Bewegung. Gegen El Salvador traf er nach Ballgewinn von halbrechts sicher mit rechts.

Im Halbfinale der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft gegen den 1. FC Köln zeigte er eine andere Facette: Nach einem langen Schlag des eigenen Torhüters landete der Ball über Umwege vor seinen Füßen, und Eickel feuerte aus rund 20 Metern perfekt ins linke Eck. Das war kein Zufallstreffer eines Jugendspielers, der einfach draufhält, sondern ein platzierter Distanzschuss in einer Verlängerung, in der jede Ungenauigkeit das Spiel hätte kippen können.

Dazu kommt ein Gespür für den richtigen Moment. Gegen El Salvador brauchte er nach seiner Einwechslung drei Minuten, um zu treffen. Gegen Köln war er in der Verlängerung der erste, der eine unübersichtliche Szene in ein Tor verwandelte. Das deutet auf eine Stürmermentalität hin, die über reines Laufen hinausgeht: Er bleibt im Spiel, auch wenn er lange nur Joker war, und positioniert sich so, dass der Ball ihn findet.

Körperlich auch gegen den Ball

Vor allem, geht er dahin, wo es wehtut – also in den engen Raum zwischen Innenverteidigern und Torhüter, statt am Strafraumrand auf den perfekten Pass zu warten. Körperlich steht er den älteren Jahrgängen schon jetzt wenig nach, was Trainer Ralf Kettemann ausdrücklich betont hat. Das ist für einen 18-Jährigen keine Selbstverständlichkeit.

Körperlichkeit im Zweikampf, das Festmachen von hohen Bällen und das Behaupten der Position gegen schiebende Innenverteidiger sind deshalb Stärken, auf denen Paderborn aufbauen kann. In der Bundesliga wird genau das der erste Filter sein: Ob er Flanken und Steilpässe nicht nur erreicht, sondern auch so bindet, dass Mitspieler nachstoßen können.

Trotz seiner großen Statur sind seine Pressingstärke, seine Explosivität und sein Antritt auf einem beeindruckenden Niveau. Vor allem bei hohem Pressing im vorderen Bereich sind der intensive Druck und der körperliche Kontakt, den er auf die Verteidiger ausübt, von einer Qualität, die den Spielaufbau des Gegners stören kann. Seine Spielfreude, seine Kampfkraft und sein Tempo sind erstklassig.

Sportchef Sebastian Lange sagte zur Beförderung in den Profikader:

„Wir werden Lasse Eickel fest in den Profikader integrieren. Er hat sich bei uns hervorragend entwickelt und steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“

Die Entwicklungsfelder

Schwächen ergeben sich vor allem aus dem Altersunterschied und der noch geringen Erfahrung gegen erwachsene Gegner. In der Regionalliga blieb die Ausbeute mit zwei Toren überschaubar, was darauf hindeutet, dass Tempo, Zweikampfführung und das Spiel mit dem Rücken zum Tor gegen körperlich reife Verteidiger noch Entwicklung brauchen.

Als Einwechselspieler bei der WM kam er oft erst in der Schlussphase und musste sich in begrenzter Zeit beweisen. Link-up-Spiel, Pressingverhalten und die Konstanz über 90 Minuten gegen Bundesliga-Niveau sind Bereiche, in denen er sich in den kommenden Monaten beweisen muss. Kettemann formuliert den Anspruch realistisch: Es wäre der Wunsch, dass Eickel in den nächsten Jahren irgendwann Stürmer Nummer eins werde, man lasse ihm aber zunächst Zeit.

Fußballfamilie und Sauerländer Bodenständigkeit

Der private Hintergrund erklärt viel von Eickels Mentalität. Sein Vater Sascha Eickel ist ein erfahrener Nachwuchstrainer, der selbst die U19 des SC Paderborn betreute, später bei Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig arbeitete und heute sportlicher Leiter der U23 von Borussia Mönchengladbach ist.

Lasse wuchs in Neheim auf, einem Umfeld, in dem Fußball und Bodenständigkeit zusammengehören. Seit der Saison 2025/26 lebt er im Sportinternat Paderborn und besucht das Reismann-Gymnasium – ein Alltag, der Disziplin und Selbstständigkeit fordert.

Diese Prägung zeigt sich in seinen öffentlichen Äußerungen. Den ersten Regionalliga-Einsatz beschrieb er als „echt cool“, das Training mit den Profis als neue, aber angenehme Erfahrung. Es fehlt das typische Selbstinszenieren mancher Talente; stattdessen wirkt er bescheiden und arbeitsbereit.

Die Nähe zum Vater, der den Weg durch die Nachwuchsleistungszentren kennt, dürfte ihm geholfen haben, Erwartungen einzuordnen und Rückschläge wie das frühe WM-Aus gegen Burkina Faso nicht überzubewerten. Gleichzeitig kann die familiäre Fußballkompetenz ein doppeltes Schwert sein: Der Vergleich und der interne Anspruch sind hoch, doch sie vermitteln auch ein realistisches Bild davon, wie lang der Weg vom Talent zum Bundesliga-Stammspieler ist.

Potenzialeinschätzung: 7 / 10

Für mich liegt Eickels langfristiges Bundesliga-Potenzial bei einer 7. Das ist kein Superstar-Wert, aber eine ernstzunehmende Bewertung für einen 18-jähriges Eigengewächs bei einem Aufsteiger. Die 7 speist sich aus dem, was schon da ist: Größe, Abschlussruhe, Strafraumgespür und eine Torquote in der Jugend, die zeigt, dass er Chancen nicht nur bekommt, sondern auch verwertet.

Trainer und Verein behandeln ihn nicht als Mitläufer, sondern als möglichen späteren Stürmer Nummer eins. Der feste Profivertrag bis 2031 und die Integration in den Bundesliga-Kader sind dafür das stärkste interne Signal. Körperlich steht er älteren Spielern schon näher als viele Gleichaltrige, und die Mentalität wirkt belastbar: nach dem frühen WM-Aus sofort wieder da, hat er im Trainingslager sofort wieder Vollgas gegeben und verdiente sich den Spitznamen "Maschine" bei den ortsansässigen Medien.

Die Abzüge kommen vom Abstand zur ersten Liga. Noch fehlt das Pflichtspieldebüt bei den Profis, die Regionalliga-Ausbeute blieb überschaubar, und klassische Neuner-Schwächen gegen ausgereifte Innenverteidiger – wie Konstanz über 90 Minuten, Kombinationsspiel auf engem Raum – sind auf Erstliga-Niveau noch nicht geprüft. Eine 8 oder höher wäre erst gerechtfertigt, wenn er in der Bundesliga innerhalb von zwei Jahren regelmäßig trifft und nicht nur Minuten sammelt.

Realistisch bedeutet die 7 - Eickel kann sich beim SCP zum rotierenden, und später festen Erstliga-Stürmer entwickeln. Ein Sprung zum Top-Klub-Stammspieler oder zur A-Nationalmannschaft ist möglich, aber nicht die wahrscheinlichste Prognose - eher die eines soliden Bundesliga-Neuners.

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Sascha

Vom Bäckerjungen zum FCA | Juma Bah (20) in der Analyse

Vom Bäckerjungen auf die Bundesliga-Bühne: Diese Spieleranalyse zu Juma Bah erzählt den rasanten Weg des 20-jährigen Innenverteidigers von den staubigen Straßen Sierra Leones zum FC Augsburg. Im Mittelpunkt stehen sein Spielerprofil, sowie den noch offenen Baustellen, dazu der private Hintergrund. Am Ende geht es um die Frage, welches Potenzial der City-Leihspieler mit der 21,5-Millionen-Kaufoption für die 1. Bundesliga wirklich mitbringt. (Bild: IMAGO / kolbert-press)

Juma Bah ist erst 20 Jahre alt und trägt bereits die Nummer 35 beim FC Augsburg. Der Innenverteidiger aus Sierra Leone kam am Deadline Day 2026 auf Leihbasis von Manchester City ins Schwabenland, inklusive einer Kaufoption in Höhe von 21,5 Millionen Euro.

„Nach dem Wechsel von Keven Schlotterbeck war es für uns wichtig, in der Innenverteidigung gezielt Qualität hinzuzugewinnen. Mit Juma haben wir einen talentierten Spieler verpflichtet, der mit seiner Größe, Physis und seinen Anlagen sehr gut zu uns passt. Er bringt bereits in jungen Jahren viel Spielpraxis und wertvolle Erfahrung auf höchstem europäischem Niveau mit. Wir sind überzeugt, dass er beim FCA den nächsten Schritt machen wird, und freuen uns sehr, ihn bei uns zu haben“, sagt FCA-Sportdirektor Benni Weber.

Wer nur auf das Transferdatum schaut, unterschätzt den Weg, den dieser Spieler hinter sich hat. In weniger als zwei Jahren ist er von den staubigen Plätzen Freetowns in La Liga, die Ligue 1 und nun die Bundesliga gesprungen. Genau diese Geschwindigkeit und der Hintergrund, aus dem sie kommt, machen ihn zu einem der interessantesten jungen Abwehrspieler im deutschen Oberhaus, weshalb wir ihn für euch analysiert haben.

Vom Bäckerjungen zum Europaprofi

Abdulai Juma Bah wurde am 11. April 2006 in Freetown geboren und wuchs im Viertel "Congo Market" auf. Bevor er Fußballer wurde, war er Helfer in der Familienbäckerei. Um vier Uhr morgens schleppte er Holz für den Ofen seines Vaters Abdul Karim, trug das fertige Brot zu den Läden und half seiner Mutter Umu, die auf der Straße Chicken Balls verkaufte.

„Um vier Uhr morgens habe ich Holz getragen, weil mein Vater früh backt. Ich würde sagen, er hat das beste Brot der Welt“, erzählte Bah später lächelnd.

Parallel spielte er barfuß auf unebenen Straßen gegen ältere und größere Jungs. Ein Scout namens Chernor Musa Jalloh entdeckte ihn bei der Freetown Giant Academy und holte ihn 2021 zu AIK Freetong. Schon als 15-Jähriger landete er per Leihe in der Premier League Sierra Leones bei Freetonians SLIFA, wo er in der Saison 2023/24 sogar Kapitän war.

Im Sommer 2024 wagte Real Valladolid den Sprung. Der Scout Pachu Martínez hatte ihn in Sierra Leone entdeckt und glaubte an ihn. Nach nur einem Spiel für die Reserve debütierte Bah am 21. September 2024 in der La Liga gegen Real Sociedad und wurde damit der erste Sierra-Leoner in Spaniens Eliteklasse. Zwölf Erstligaeinsätze folgten, ehe Manchester City im Januar 2025 zugriff und rund sechs Millionen Euro zahlte.

City lieh ihn sofort an den RC Lens aus (zehn Ligue-1-Spiele), danach folgte eine volle Saison bei OGC Nizza mit 26 Ligaeinsätzen plus Europapokal.

Für die Citizens selbst hat er noch kein Pflichtspiel bestritten. Die Leihe nach Augsburg ist der nächste, logische Entwicklungsschritt. Bah selbst sagte dazu:

„Der FCA ist ein Verein, bei dem sich junge Spieler sehr gut entwickeln können. Es gibt viele aktuelle Beispiele dafür. Deshalb ist dieser Wechsel der richtige nächste Schritt für mich.“

Spielerprofil - Physis trifft Zweikampfdominanz

Mit 1,95 Metern und einem athletischen, noch nicht voll ausgereiften Körperbau bringt Bah das klassische Profil eines modernen Innenverteidigers mit, der sowohl in einer Viererkette als auch in einer Dreierkette funktionieren kann. Trotz seiner imposanten Physis bringt die City-Leihgabe mit 33,5 km/h eine überdurchschnittliche Pace mit, die mit Spielern wie beispielsweise Antonio Rüdiger mithalten kann.

Seine größten Stärken liegen jedoch im direkten Zweikampf und in der Luft. In Spanien gehörte er zu den jungen Verteidigern mit der höchsten Quote gewonnener Luftduelle (70,5%), und kratzte mit 64,9 Prozent gewonnener Bodenzweikämpfe an der Schwelle zu einer sehr guten Bewertung.

Er blockt Schüsse, räumt konsequent ab und gewinnt Boden- wie Luftduelle durch Timing und Körperlichkeit. WhoScored hob bei ihm Konzentration, Zweikampfstärke und das Blocken von Schüssen hervor. Gegen Marseille lieferte er für Lens einmal zwölf Klärungen und starke Balleroberungen, während er eine bemerkenswerte Ruhe am Ball behielt, selbst wenn zwei Gegner auf ihn zustürmten.

Sierra Leones Nationaltrainer Mohamed Kallon beschrieb ihn so:

„Technisch ist er ein wirklich guter Spieler. Er kann den Ball sichern und schützen und hat eine gute Passreichweite. Er duelliert sich sehr gut, dribbelt in engen Räumen und kann das Spiel aufbauen.“

Genau diese Mischung aus Präsenz und Spielaufbau macht ihn für Augsburg so attraktiv, das nach dem Abgang von Keven Schlotterbeck physische Stabilität in der Zentrale suchte. Sportdirektor Benni Weber formulierte es knapp:

„Mit Juma haben wir einen talentierten Spieler verpflichtet, der mit seiner Größe, Physis und seinen Anlagen sehr gut zu uns passt.“

Die Entwicklungsfelder

Die Schwächen sind typisch für einen 20-Jährigen, der in kurzer Zeit drei Ligen und Kulturen durchlaufen hat. Die Konstanz schwankt noch, besonders wenn der Gegner früh und aggressiv presst. In den ersten Wochen bei Lens wirkte er gelegentlich schwerfällig im Antritt und unsicher in der Spieleröffnung.

Die Passgenauigkeit, vor allem über längere Distanzen und unter Druck, ist gut, aber noch nicht auf dem Niveau, das ein Guardiola-System oder eine sehr ballbesitzorientierte Bundesligamannschaft dauerhaft verlangt, was jedoch im Spielsystem von Trainer Manuel Baum nicht gefordert wird.

Er sammelt gerne gelbe Karten, weil er körperlich sehr zur Sache geht und manchmal eine Sekunde zu spät kommt. Auch die Spielintelligenz auf engem Raum und das Lesen schneller Kombinationen müssen weiter reifen. Das sind keine strukturellen Defizite, sondern Entwicklungsfelder. Seine Lernkurve hat bisher fast immer dafür gesorgt, dass die schwierigen Momente nicht zum dauerhaften Problem wurden.

Herkunft als Charakterschule

Der private Hintergrund erklärt vieles an Bahs Auftreten. Wer mit 14 Jahren um vier Uhr morgens Holz schleppt und danach auf Steinen und Matsch trainiert, entwickelt eine andere Widerstandsfähigkeit als jemand, der von klein auf in einer Nachwuchsakademie lebt. Bah spricht täglich mit seinen Eltern, die lange in bescheidenen Verhältnissen in Freetown lebten.

Später hat er der Familie ein Haus in einem ruhigeren Stadtteil finanziert. Diese Verbindung hält ihn geerdet.

„Wenn ich mit meiner Mutter spreche, erinnere ich mich, woher ich komme“, sagte er.

Die Entscheidung, den Vertrag in Valladolid selbst zu kündigen und die Ausstiegsklausel zu ziehen, weil er sich nicht wertgeschätzt fühlte, zeigt zudem einen ausgeprägten Entwicklungswillen. Er ließ sich nicht einfach verwalten, sondern suchte aktiv den nächsten Schritt. Gleichzeitig wirkt er auf dem Platz oft unbeschwert, fast unbeeindruckt von Kulissen.

Französische Zeitungen nannten das eine „Form von Unbekümmertheit“, die bei einem Teenager vor 40.000 Zuschauern in Lens beeindruckte. Diese Mischung aus Demut, Familiensinn und Durchsetzungsvermögen prägt seine Mentalität: Er kommt nicht als Star, sondern als jemand, der weiß, dass Fußball ihn und seine Familie aus einer anderen Welt geholt hat. Das macht ihn in einem Verein wie Augsburg, der auf Charakter und Gruppenzusammenhalt setzt, potenziell besonders anschlussfähig.

Potenzialeinschätzung: 8 / 10

Juma Bahs Potenzial liegt für mich bei einer 8. Die Bewertung ergibt sich daraus, dass er mit 20 Jahren bereits La Liga und Ligue 1 in relevanter Minutenanzahl gespielt hat und dabei genau jene physischen Eigenschaften mitbringt, die in der Bundesliga besonders zählen: Größe, Zweikampfstärke, Luftüberlegenheit und eine robuste Präsenz, die sich gegen direkte Angriffe behaupten kann.

Dazu kommt eine Mentalität, die aus einem harten Alltag entstanden ist und ihn lernfähig und widerstandsfähig macht. Was die Note nicht in den Bereich von 9 oder 10 hebt, ist der Abstand zur absoluten Elite: Das Passspiel unter hohem Druck, die Konstanz über eine volle Saison und das Lesen sehr schneller Kombinationen sind noch nicht auf dem Niveau eines gesetzten Top-Verteidigers.

Wenn er diese Schritte in Augsburg geht, kann aus ihm ein zuverlässiger Bundesliga-Stammspieler werden, der auch für größere Klubs oder eine Rückkehr zu Manchester City interessant bleibt. Scheitert die Feinarbeit, bleibt er ein solider, körperlich beeindruckender Verteidiger mit limitierter Obergrenze. Die 8 steht damit für ein klares Aufstiegsszenario mit realistischem, aber nicht garantiertem Hoch.

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Sascha

Der mit dem verrückten Fuß tanzt | Felipe Chavez (19) in der Analyse

Felipe „Pippo“ Chávez ist eines jener Talente, an denen der FC Bayern seit Jahren geduldig arbeitet: technisch hochbegabt, kulturell zwischen zwei Welten aufgewachsen und noch mitten in der Phase, in der aus Potenzial Konstanz werden muss. Der in Aichach geborene Offensivspieler steht beim Rekordmeister unter Vertrag bis 2028 und soll diese Saison beim Zweitligisten 1. FC Magdeburg Spielpraxis sammeln. Doch besitzt Chavez langfristig das Potenzial für die Bayern? (Bild: IMAGO / Eibner)

Werdegang - Vom Dorfplatz an den Campus

Chávez’ Weg begann nicht in einem großen Nachwuchsleistungszentrum, sondern beim FC Stätzling, wo sein Vater Miguel die E-Jugend trainierte und mit seinen Söhnen Extraeinheiten einlegte. Über den FC Augsburg (2017–2019) kam er mit zwölf Jahren an den FC-Bayern-Campus. Dort durchlief er alle Jahrgänge. In der U17 traf er in 20 Spielen elfmal, in der U19 kombinierte er Torgefahr mit Kreativität und hinterließ in der UEFA Youth League bleibende Eindrücke, darunter spektakuläre Treffer. Ab Herbst 2024 etablierte er sich bei den Amateuren in der Regionalliga Bayern: 19 Einsätze, vier Tore und zwei Vorlagen.

Vincent Kompany holte ihn im Sommer 2025 in die Vorbereitung der Profis. Chávez startete im Test gegen Grasshopper und überzeugte. Im Januar 2026 folgte das Bundesliga-Debüt als Einwechselspieler beim 8:1 gegen Wolfsburg. Kurz darauf ging er auf Leihbasis nach Köln, wo er sieben Bundesliga-Spiele ohne eigenen Treffer absolvierte.

Insgesamt kommt er auf neun Erstliga-Einsätze. Parallel debütierte er im Oktober 2025 für die peruanische A-Nationalmannschaft gegen Chile. Die Vertragsverlängerung bis 2028 und die Leihe nach Magdeburg mit Kaufoption für den Leihverein und Rückkaufrecht für Bayern zeigen, dass München ihn langfristig halten will, ihm aber regelmäßige Minuten gönnt.

Spielerprofil – Der beidfüßige & progressive Ballkünstler

Chávez ist ein klassischer offensiver Mittelfeldspieler und Linksfüßer mit ausgeprägtem Flair. Jochen Sauer, lange verantwortlich für die Nachwuchsentwicklung, beschrieb ihn als „Künstler mit dem Ball“, der einen „wahnsinnigen linken Fuß“ besitze, kreativ sei und genau wisse, was auf dem Platz passiert. Der peruanische Einschlag sei spürbar, obwohl er ein Augsburger Junge sei. Christoph Freund nannte ihn „einen richtig guten Fußballer mit einem außergewöhnlich starken linken Fuß“ und viel Potenzial. Chávez selbst fasste seinen Stil in folgenden Worten zusammen:

„Ich habe meine Stärken im Spielaufbau und werde offensiv umso gefährlicher, je weiter vorne ich spiele. Ich schließe einfach gerne ab, auch wenn die Position mal nicht so aussichtsreich ist. Mein Spiel ist offensiv, kreativ und gefährlich. Meine größte Stärke auf dem Platz ist die Sicherheit am Ball.“

Er verfügt über einen niedrigen Körperschwerpunkt, hohe Schrittfrequenz, Agilität und eine sehr gute Ballbehandlung. In engen Räumen fühlt er sich wohl, dribbelt mutig und sucht den Abschluss aus allen Lagen. Besonders stark ist sein Distanzschuss und das Ausführen von Standardsituationen.

Er beherrscht progressive Pässe in die Tiefe und ins Halbfeld, kann Flügelspieler und aufrückende Außenverteidiger bedienen und bringt südamerikanisches Timing in Kombination mit der strukturierten Ausbildung des Campus. In Testspielen, etwa gegen Salzburg, unterstrich er das mit Tor und Vorlage.

Die Entwicklungsfelder

Die Schwächen liegen dort, wo viele junge Zehner sie haben. Defensiv kann er präsenter und positionssicherer werden, beim Pressing und in Zweikämpfen fehlt oft noch die letzte Kompromisslosigkeit und Konstanz über 90 Minuten. Physisch muss er Muskeln aufbauen, im Kopfballspiel hat er Nachholbedarf. Chavez ist zwar mutig und leidenschaftlich, gelegentlich aber auch als emotional oder in intensiven Phasen etwas nachlässig.

Die Leihe nach Köln brachte Bundesliga-Erfahrung, aber wenig durchschlagende Minuten – auch weil Köln selbst im Abstiegskampf steckte. Genau diese Lücken sollen in Magdeburg geschlossen werden.

Familie als Anker zwischen Bayern und Peru

Chávez wuchs als Sohn einer deutschen Mutter (Psychologin) und eines peruanischen Vaters aus der Region Trujillo/Huanchaco auf. Der Onkel Víctor „Pilón“ Chávez war historischer Torschütze von Alfonso Ugarte de Chiclín. Der Vater trainierte ihn extra, die Familie blieb der entscheidende Rückhalt. Chávez selbst betont, dass Eltern und Brüder stolz auf ihn seien und ihm Halt gäben. Er ist kein lauter Typ, trägt Themen nicht nach außen und konzentriert sich auf sich selbst. Medienrummel, der in Peru nach dem Nationalmannschaftsdebüt enorm war, lässt er weitgehend an sich abprallen.

Diese bikulturelle Prägung formt seinen Charakter. Die deutsche Seite brachte Disziplin, Struktur und die Campus-Ausbildung. Die peruanische Seite lieferte Spielfreude, Intuition und den Mut, Risiken einzugehen. Sein Leitsatz lautet:

„Wenn du es nicht probierst, kannst du auch kein Tor erzielen.“

Er wählte bewusst Peru statt Deutschland, obwohl er schon für die deutsche U15 nominiert war. Das Idol Claudio Pizarro – ebenfalls Bayern-Legende und Peruaner – prägte ihn so stark, dass er bei der Nationalmannschaft die 14 trug. Die Familie gibt ihm Erdung in einer Phase, in der Erwartungen aus zwei Ländern auf ihn treffen. Das erklärt seine ruhige Körpersprache auf dem Platz und zugleich die Leidenschaft, mit der er Tore feiert.

Potenzialeinschätzung: 8 / 10

Felipe Chávez’ Potenzial liegt für mich bei einer 8. Er bringt die technischen und kreativen Anlagen mit, die man bei einem echten Bayern-Talent sehen will: ein außergewöhnlich starker linker Fuß, Spielfreude, Übersicht und die Fähigkeit, in engen Räumen Lösungen zu finden. Diese Attribute könnten ihn zu einem Stammspieler in einem soliden bis guten Verein einer Top-5-Liga machen.

Dass der deutsche Rekordmeister den Vertrag bis 2028 verlängert und ihn bewusst weiter mit Spielpraxis versorgt, zeigt, dass man in München an genau dieses Potenzial glaubt. Die bikulturelle Prägung und die frühe Entscheidung für Peru geben ihm zudem eine gewisse innere Reife und Identitätsstärke, die vielen jungen Spielern fehlt.

Gleichzeitig ist die Bewertung keine 9 oder 10, weil der Weg vom talentierten Offensivspieler zum regelmäßigen Leistungsträger in der absoluten Spitze noch anspruchsvoll ist. Die physische Robustheit, die Defensivarbeit und vor allem die Konstanz über längere Zeiträume müssen noch spürbar zulegen.

Viele hochveranlagte Zehner- und Flügeltypen scheitern genau an diesen Punkten, wenn die Konkurrenz im Profibereich so hart ist wie beim FC Bayern. Sollte er diese Baustellen in den kommenden zwei bis drei Jahren schließen, kann aus der 8 durchaus eine höhere Bewertung werden – aktuell ist die 8 jedoch die realistischste und fairste Einschätzung seines Entwicklungspotenzials.

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Der Junge aus dem Stadion | Gil Neves kehrt als Profi nach Köln zurück

Diesen Sommer verpflichtete der 1. FC Köln mit Gil Neves einen Jungen der den Verein schon als kleiner Junge anfeuerte und sich nun seinen besonderen Traum auf dem Rasen des Rhein-Energie-Stadions erfüllen darf. Doch der in Luxemburg geborene Portugiese ist kein gewöhnliches Talent, sondern besitzt ein enormes Entwicklungspotenzial, weshalb wir uns veranlasst sahen ihn euch genauer vorzustellen. (Bild: IMAGO / Panama Pictures)

Es gibt Transfers, die rein sportlich Sinn ergeben – und es gibt jene, die sich anfühlen, als hätte jemand eine Geschichte zu Ende geschrieben. Gil Neves gehört zur zweiten Sorte. Der 18-jährige Mittelfeldspieler, der im Sommer 2025 mit Portugals U17 Europameister wurde und im Finale gegen Frankreich selbst traf, wechselt nicht einfach von Benficas Akademie nach Köln.

Er kehrt an einen Ort zurück, den er als Kind schon kannte. Regelmäßig saß er im Stadion der Geißböcke, lange bevor er selbst das Trikot tragen würde. Jetzt ist der Traum Realität: Der in Luxemburg geborene Portugiese mit den großen körperlichen Voraussetzungen und der klaren Spielübersicht trägt ab sofort die Farben des 1. FC Köln. Was als leise Verbindung begann, wird zur nächsten großen Entwicklungsgeschichte am Rhein – und niemand weiß besser als er selbst, was das bedeuten kann.

„Ich freue mich sehr, dass ich jetzt hier in Köln bin. Das ist ein besonderer Wechsel für mich und ich kann es kaum erwarten, im FC-Trikot aufzulaufen. Ich möchte mich bei allen Beteiligten bedanken, denn heute geht ein Traum für mich in Erfüllung. Ich kenne den Verein und die Stadt Köln schon sehr gut, weil ich als Kind öfter im Stadion war und freue mich, jetzt auch das Umfeld und die Fans als Spieler des FC zu erleben.“

Werdegang

Gil Matteo Neves, geboren am 9. Februar 2008 in Luxemburg, ist erst 18 Jahre alt und steht bereits an einer entscheidenden Weggabelung seiner noch jungen Karriere. Der 1,89 Meter große Mittelfeldspieler wechselte im August von der Akademie des SL Benfica Lissabon zum 1. FC Köln und unterschrieb dort einen langfristigen Vertrag. Seine bisherige Laufbahn führt ihn von den Anfängen beim luxemburgischen Klub Syra Mensdorf über F91 Düdelingen und einen Zwischenstopp in der Jugend des FC Metz bis in die hochprofessionelle Umgebung Lissabons.

In der Saison 2025/26 absolvierte er 23 Partien für Benficas U23 und kam neunmal in der UEFA Youth League zum Einsatz, in der ihm unter anderem ein Treffer gegen Bayer Leverkusen gelang. Den größten Erfolg feierte er im Sommer 2025: Mit der portugiesischen U17 wurde er Europameister und erzielte im 3:0-Finalsieg gegen Frankreich den entscheidenden dritten Treffer. Zuvor hatte er auch für luxemburgische Jugendnationalteams gespielt, bevor er sich endgültig für die Seleção entschied.

Spielerprofil - Zwischen physischer Präsenz und spielerischer Intelligenz

Im zentralen und defensiven Mittelfeld sieht der 1. FC Köln die angestammte Position des Rechtsfüßers, auch wenn Transfermarkt und andere Portale ihn primär als offensiven Mittelfeldspieler führen und ihm Nebenrollen als Achter oder sogar hängende Spitze zuschreiben.

Technischer Direktor Lukas Berg hob bei der Verpflichtung hervor, Neves bringe „für seine angestammte Position im zentralen, defensiven Mittelfeld sowohl fußballerisch als auch physisch und charakterlich hervorragende Voraussetzungen“ mit.

Schon als Jugendlicher bei F91 Düdelingen galten seine körperliche Robustheit, die gute Spielübersicht und die Passqualität als herausragende Merkmale. Neves selbst formulierte es 2024 in einem Interview prägnant:

„Spielübersicht, physisches Spiel und der Pass", sind für ihn seine stärksten Qualitäten.

Seine Größe von 1,89 Metern verleiht ihm in Zweikämpfen und bei hohen Bällen Vorteile, die in der Bundesliga besonders gefragt sind. Er liest das Spiel früh, hält den Kopf oben und sucht den vertikalen oder diagonalen Pass, statt den einfachen Weg zu wählen.

In der Youth League und in der portugiesischen U17-Auswahl zeigte er, dass er auch in entscheidenden Momenten präsent sein kann – sei es durch den Finaltreffer oder durch seine Fähigkeit, Räume zu öffnen. Die Flexibilität, sowohl als Sechser den Aufbau zu organisieren als auch als Achter oder Zehner vorzustoßen, macht ihn für moderne Systeme interessant.

Die Entwicklungsfelder

Schwächen sind bei einem Spieler dieses Alters erwartbar und noch wenig verhärtet. Professionelle Spielpraxis auf Seniorenniveau fehlt bislang komplett. Die Adaptation an die höhere Intensität und Aggressivität des Erwachsenenspiels wird eine Herausforderung darstellen – etwas, das Neves selbst schon in der luxemburgischen Jugend als größte Schwierigkeit empfand:

„Die größte Schwierigkeit war die Aggressivität. Auf diesem Niveau gehen die Spieler voll rein.“

Auch die Konstanz über 90 Minuten und die defensive Absolutheit, die in der Bundesliga von einem zentralen Mittelfeldspieler verlangt wird, müssen sich noch entwickeln. Seine bisherige Torausbeute auf U23-Niveau blieb überschaubar, was darauf hindeutet, dass er eher als Strukturgeber, denn als direkter Scorer agiert.

Privater Hintergrund, Charakter & Mentalität

Gil Neves ist luso-luxemburgischer Herkunft. Seine Großeltern wanderten aus Portugal – die väterliche Linie aus der Region Aveiro, die mütterliche aus dem Raum Porto – nach Luxemburg aus. Seine Eltern Rui und Isa wurden bereits im Großherzogtum geboren und leben dort seit Jahrzehnten. Gil wuchs in Roodt-sur-Syre auf, dem jüngsten von zwei Geschwistern.

Die Familie legte Wert auf die portugiesische Sprache und Kultur, schickte die Kinder samstags in die portugiesische Schule und fuhr regelmäßig nach Portugal, ohne jemals die Integration in Luxemburg aufzugeben. Als Gil mit 16 Jahren allein nach Lissabon zum Benfica-Campus wechselte, drehte sich die Migrationsgeschichte der Familie um: Die Enkelgeneration kehrte in das Land der Großeltern zurück, während die Eltern in Luxemburg blieben.

Diese doppelte Identität und die frühe Selbstständigkeit prägten ihn. Er spricht Luxemburgisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch – ein Vorteil, der ihm den Einstieg in Köln erleichtern dürfte. Schon als Kind war er regelmäßig im RheinEnergieStadion, was den Wechsel für ihn zu etwas Besonderem macht.

Der Transfer sei „ein Traum“. Solche emotionale Verwurzelung kann eine starke innere Motivation erzeugen und die Bereitschaft erhöhen, Rückschläge geduldig zu verarbeiten. In Interviews beschreibt er Fußball als sein Leben. Sein größtes Idol ist neben dem Vater der ehemalige Bayern- und Barcelona-Spieler Thiago Alcántara – ein technisch brillanter, spielintelligenter Mittelfeldspieler, der ebenfalls mit Dualität und hoher Spielübersicht assoziiert wird.

Die Familie und der Glaube geben ihm Halt. Als hyperaktives Kind wurde er von den Eltern früh in den Fußball gesteckt; die Leidenschaft wuchs erst mit der Zeit. Diese Kombination aus familiärer Stabilität, diasporischer Resilienz und dem frühen Schritt in die Selbstständigkeit deutet auf einen reifen, zielstrebigen Charakter hin, der Druck aushält und langfristig denkt. Die Entscheidung, trotz Interesse deutscher Klubs zunächst zu Benfica zu gehen und dann bewusst nach Köln zu wechseln, unterstreicht eine gewisse Klarheit über den eigenen Weg.

Potentialeinschätzung: 8 / 10

Gil Neves besitzt für mich ein klar überdurchschnittliches Potenzial für die Bundesliga. Seine physischen Voraussetzungen mit 1,89 Metern, kombiniert mit Spielübersicht, Passqualität und der Fähigkeit, sowohl defensiv stabil als auch offensiv anspielbar zu sein, passen sehr gut zum Anforderungsprofil eines modernen zentralen Mittelfeldspielers in Deutschland, weshalb ich ihm eine 8 gebe.

Der frühe Erfolg mit Portugals U17 – inklusive des Finaltreffers beim EM-Titel – und die Ausbildung bei Benfica zeigen, dass er bereits auf hohem Jugendniveau bestehen konnte. Die emotionale Verbindung zu Köln und die Mehrsprachigkeit erleichtern die Adaptation zusätzlich.

Noch fehlt ihm jede Seniorenerfahrung, und die Anpassung an die Intensität und Zweikampfhärte der Bundesliga bleibt die entscheidende Hürde. Wenn er diese meistert und kontinuierlich Spielpraxis bekommt, kann er sich zu einem regelmäßigen Starter und perspektivisch sogar zu einer Identifikationsfigur beim 1. FC Köln entwickeln.

Ein Sprung in die absolute europäische Spitze ist möglich, aber nicht zwingend. Die Grundlagen für eine sehr gute Bundesligakarriere sind jedoch klar vorhanden.

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Sascha

Erweckt Lustrinelli die "Boro-Bestie"? | Das ist Unions Emmanuel Latte Lath

Emmanuel Latte Lath ist kein klassischer Fußballer, der den direkten Weg nach oben genommen hat – sondern einer, der vom Straßenfußball ohne Schuhe in Abidjan über unzählige Leihstationen und drei Kontinente hinweg bis nach Köpenick gekommen ist und dessen Geschichte erst richtig spannend wird, wenn man versteht, was ihn antreibt. Daher wollen wir euch das Spielerprofil des einstigen Bergamo-Talent genauer vorstellen. (Bild: IMAGO / STEINSIEK.CH)

Werdegang

Emmanuel Latte Lath verkörpert eine jener Fußballerkarrieren, die sich nicht geradlinig, sondern über Umwege und mit bemerkenswerter Beharrlichkeit entfalten. Geboren am 1. Januar 1999 in Marcory, einem Vorort von Abidjan an der Elfenbeinküste, kam der heute 27-Jährige im Alter von acht Jahren mit seiner Mutter nach Italien in die Provinz Cremona, um sich dem Vater anzuschließen, der bereits seit Jahren dort lebte und arbeitete.

In den Straßen Abidjans hatte er zunächst ohne richtige Schuhe Fußball gespielt – frei, ohne Regeln, nur mit Freunden. „In der Elfenbeinküste habe ich mit meinen Freunden auf der Straße gespielt – ohne Schuhe. An dem Tag hat alles angefangen. Ich vermisse diese Art von Fußball ein bisschen, weil er frei war. Keine Regeln. Einfach spielen.“

Diese frühen Eindrücke prägten ihn ebenso wie die Ankunft in einer neuen Kultur. Bei Esperia Calcio in Cremona wurde er entdeckt, nachdem er in einer Partie, die 4:0 stand, eingewechselt worden war, drei Tore und zwei Vorlagen beisteuerte und so die Aufmerksamkeit der Scouts von Atalanta Bergamo weckte. Dort durchlief er die Jugendabteilungen und debütierte bereits 2016 in der ersten Mannschaft, unter anderem mit einem Tor im Coppa-Italia-Spiel gegen Juventus vor über 38.000 Zuschauern – ein Moment, den er später als eine der schönsten Erinnerungen seiner Karriere beschrieb.

„Es war eine enorme Freude. Ich habe es meinem Vater gewidmet – für die Opfer, die er gebracht hat, um mich mit acht Jahren nach Italien zu bringen.“

Doch der Weg in die Stammelf blieb ihm bei den Bergamaschi zunächst verwehrt. Stattdessen folgten zahlreiche Leihstationen in der italienischen Serie C und Serie B bei Vereinen wie Pistoiese, Carrarese, Imolese, Pianese, Pro Patria und SPAL. Bei Pro Patria erzielte er in der Saison 2020/21 acht Ligatore, bei SPAL kamen drei in der Serie B hinzu.

Durchbruch in der Championship

Der Durchbruch gelang erst 2022/23 beim FC St. Gallen in der Schweizer Super League, wo er in 31 Ligaspielen 14 Tore und vier Vorlagen beisteuerte und mit starken Schlussspurt-Leistungen – sechs Treffer in den letzten vier Partien – auf sich aufmerksam machte. Im August 2023 wechselte er für rund fünf Millionen Euro fest zu Middlesbrough in die englische Championship.

Dort entwickelte er sich zum Topscorer: In der Saison 2023/24 netzte er 16 Mal in 30 Ligaspielen ein, darunter eine Serie von sieben Toren in sechs Partien, und wurde zum Championship-Spieler des Monats April gekürt. In der Folgesaison kamen weitere 11 Treffer hinzu, sodass er auf 27 Ligatore in 59 Spielen und insgesamt 29 Tore in 67 Pflichtspielen für den Club kam.

Anfang 2025 lockte ihn Atlanta United mit einem MLS-Rekordtransfer von etwa 22 Millionen Dollar plus Boni in die USA, wo er in gut eineinhalb Jahren 9 Tore und zwei Vorlagen in 44 Ligaspielen beisteuerte. Seit Anfang August läuft er auf Leihbasis mit Kaufoption für den 1. FC Union Berlin auf und trägt die Nummer 29. Für die Elfenbeinküste debütierte er 2024 und kam bislang zu vier Länderspielen.

Spielerprofil - Der pfeilschnelle Kombinationsstürmer

Im Zentrum seines Spielerprofils steht ein beweglicher, temporeicher Mittelstürmer von 1,77 Metern, der weniger als klassischer Zielspieler denn als dynamischer, vielseitiger Angreifer agiert. Seine größte Stärke liegt in der Explosivität und dem Antritt: Er ist extrem schnell, auch mit Ball am Fuß, und nutzt diese Geschwindigkeit, um hinter die Abwehrkette zu laufen oder aus dem Mittelfeld heraus in den Strafraum zu treiben.

Schweizer Medien beschrieben ihn nach seiner Zeit in St. Gallen als „unglaublich explosiv und agil“, jemanden, der gerne dribbelt, Gegner herausfordert und spektakuläre Momente erzeugen kann. Gleichzeitig ist er kein reiner Individualist. Er lässt sich fallen, um am Spielaufbau teilzunehmen, driftet in die Halbräume oder auf die Flügel und gilt als guter Kombinationsspieler.

Sein Arbeitspensum beeindruckt: Er verfolgt Bälle bis weit in die eigene Hälfte zurück und zeigt eine „mitarbeitende“-Präsenz, die das Spiel selten an ihm vorbeiziehen lässt. Wenn er in Form ist, wirkt er abschlussstark – in heißen Phasen wie am Ende der Saison 2023/24 bei Middlesbrough schien beinahe jeder Abschluss im Tor zu landen.

Auch in der Luft überrascht er mit gutem Timing und Sprungkraft, obwohl er nicht der größte Stürmer ist. Seine Technik mit dem rechten Fuß und die Fähigkeit, kurze Pässe zu spielen, ergänzen das Bild eines Spielers, der in modernen, beweglichen Offensivsystemen Wertvolles beitragen kann.

Middlesbrough spielte unter Michael Carrick in den Phasen, in denen Latte Lath besonders stark war (vor allem 2023/24), einen klar ballbesitzorientierten und strukturierten Fußball. Das System war meist ein fluides 4-2-3-1, das im Ballbesitz oft in eine 3-2-5-Staffelung überging. Die Mannschaft baute kontrolliert von hinten auf, setzte auf viele kurze Pässe und suchte gezielt die Räume zwischen den Linien.

Latte Lath profitierte enorm davon: Als Stürmer sollte er die gegnerische Abwehr strecken und in die Tiefe laufen, während die Mitspieler vor dem Strafraum kurze Kombinationen suchten. Gleichzeitig war Boro in der Lage, bei Gelegenheit sehr schnell und vertikal umzuschalten. Der Stil war attraktiv, spielerisch und relativ ballbesitzstark.

Union Berlin unter Mauro Lustrinelli befindet sich dagegen in einer klaren Umstellung. Nach Jahren mit Fünferkette und eher defensivem, physischem Fußball setzt der Schweizer auf eine flexiblere Viererkette und einen deutlich aktiveren, intensiveren Stil. Lustrinelli fordert hohen Pressingdruck, Energie, Dynamik und vor allem schnelle Vertikalität – also möglichst geradlinig und direkt nach vorne in die Spitze, was mit den klugen Laufwegen und der Explosivität Latte Laths "matchen" könnte.

Die Entwicklungsfelder

Die Schwächen treten vor allem dann zutage, wenn das Selbstvertrauen schwankt. Latte Lath gilt als ausgesprochener Formspieler: In schwachen Phasen wird er unruhig und unzuverlässig vor dem Tor, die Abschlüsse verlieren an Präzision. Die Abseitswahrnehmung wird statistisch als Schwachpunkt geführt, ebenso wie das Passspiel in manchen Phasen.

In der MLS fiel die Torquote spürbar ab, was teilweise auf ein verändertes System und weniger klare Chancen zurückzuführen sein mag. Er ist kein klassischer Hold-up-Spieler, der Bälle über längere Zeit sichert und physisch dominiert; seine Stärke liegt eher in der Bewegung und dem Timing als in der reinen Kraft.

Privater Hintergrund, Charakter & Mentalität

Die frühe Trennung vom Vater, die Auswanderung und die jahrelangen Opfer des Vaters – der in Cremona unter anderem auf Baustellen arbeitete, damit die Familie Fuß fassen konnte – vermittelten Latte Lath früh den Wert von Arbeit und Demut.

„Ohne seine Opfer wäre ich nie Fußballer geworden“, betonte er einmal.

Gleichzeitig entwickelte er eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Er spricht fließend Französisch, Italienisch, Englisch und Spanisch und hat in Italien, der Schweiz, England und den USA gelebt. „Jede Erfahrung ist anders und hat meinen Charakter und meine Einstellung geprägt“, sagte er. Die vielen Leihstationen und die Phasen der Unsicherheit in Italien lehrten ihn Resilienz; seine Mutter gab ihm in den Auf- und Abs-Phasen den wichtigsten Rat.

Heute ist die Familie – darunter seine kleine Tochter – der zentrale Anker. „Das Erste ist das Baby, die Familie. Ich bin ziemlich glücklich“, erklärte er nach dem Wechsel in die USA. Sein Idol Didier Drogba, ebenfalls aus Abidjan, inspirierte ihn zum Stürmerposten und hält die Verbindung zur Heimat lebendig:

„Die Elfenbeinküste ist mein Herz. Dort habe ich alles – Familie, Freunde.“

Diese Mischung aus Wurzeln, Anpassung und familiärer Verankerung erklärt die Mentalität eines Spielers, der nicht aufgibt, wenn der Weg steinig wird, und der Herausforderungen als Chance begreift.

Potenzialeinschätzung: 7,5 / 10

Für die Bundesliga und speziell für Union Berlin birgt Latte Lath erhebliches Potenzial. Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball der Eisernen, betonte bei der Vorstellung: „Mit seinem Tempo, seiner Mentalität und seinem Torinstinkt passt er sehr gut zu dem Profil, das wir für unsere Offensive gesucht haben. Er bringt Eigenschaften mit, die unserem Spiel zusätzliche Möglichkeiten geben werden.“

Ich schätze daher das Potenzial von Emmanuel Latte Lath mit 7,5 ein. Mit 27 Jahren verfügt er noch über genügend Qualität und Entwicklungsspielraum, um in der Bundesliga ein sehr guter, regelmäßiger Torschütze und wichtiger Baustein zu werden, doch er ist kein absolutes Top-Talent mehr, das man auf 9 oder 10 setzen würde. Seine Explosivität, der Torinstinkt in guten Phasen und die Arbeitsmoral sind auf Bundesliga-Niveau absolut konkurrenzfähig, und er hat in der Championship bereits bewiesen, dass er über 15 bis 18 Tore pro Saison holen kann, wenn er in Form und im richtigen System ist.

Auch die mentale Stärke, die er durch viele Rückschläge, zahlreiche Leihstationen und Formschwankungen entwickelt hat, spricht dafür, dass er sich anpassen kann. Gleichzeitig relativiert das Alter die Einschätzung, denn mit 27 ist das absolute Peak-Fenster bereits geöffnet und große Sprünge wie bei einem 21-Jährigen sind unwahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass er stark formabhängig ist, in der MLS deutlich weniger effektiv war und weder als klassischer physisch dominanter Zielspieler noch als besonders konstanter Passgeber überzeugt. Für Union Berlin sehe ich ihn daher als realistischen 10- bis 15-Tore-Stürmer in einer guten Saison und damit als echten Gewinn. Eine höhere Bewertung von 8 oder 8,5 würde ich nur vergeben, wenn er in den nächsten 12 bis 18 Monaten konstant auf hohem Niveau trifft und sich als unersetzbarer Stammspieler etabliert.

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Sascha

Vom Kaffee-Feld in den Signal Iduna Park | Das ist Kauã Prates (18) vom BVB

Kauã Prates de Almeida steht seit diesem Sommer im Kader von Borussia Dortmund. Der 1,83 Meter große Linksverteidiger gehört zu den zahlreichen Wunderkindern von Nils Ole Book bei den Westfalen. Warum der 18-jährige Abwehrspieler als eines der größten Abwehrtalente seines Jahrgangs gilt, erklären wir euch in unserer Analyse. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)

Aus dem Inneren Espírito Santos, einer Stadt, in der Kaffeeplantagen und Viehweiden den Alltag bestimmen und große Fußballstadien weit entfernt liegen, kommt einer der jüngsten Brasilianer, die Borussia Dortmund je verpflichtet hat. Kauã Prates de Almeida war zehn, als Cruzeiro ihn aus Montanha holte, sechzehn, als er in der Copa Sudamericana debütierte, und kaum volljährig, als er im Sommer 2026 das ehrwürdige schwarz-gelbe Trikot überstreifte.

Der Weg von der Kleinstadt in den Signal Iduna Park ist kein romantisches Märchen, sondern die Geschichte eines Jungen, der früh die Familie hinter sich ließ, in einer Jugendakademie reifte und mit einer Mischung aus Physis, Zweikampfstärke und auffälliger Ruhe schon Trainer und Mitspieler beeindruckte, lange bevor der BVB rund sieben Millionen Euro für ihn zahlte. Wer ihn heute betrachtet, sieht nicht nur einen Linksverteidiger mit Vertrag bis 2031, sondern einen Spieler mit einer Menge Potenzial.

Werdegang

Prates kam 2019 als Zehnjähriger in die U11-Jugend von Cruzeiro, nachdem er bei Probetrainings und in einem lokalen Projekt in seiner Heimatstadt aufgefallen war. Die Entfernung von rund 400 Kilometern nach Belo Horizonte war für den Jungen aus der ländlichen Region ein großer Schritt. Er durchlief die Nachwuchsabteilungen und spielte schon als 17-jähriger Teenie regelmäßig in der U20, mit der er das Finale der brasilianischen Meisterschaft dieser Altersklasse erreichte. Im September 2024 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag über drei Jahre.

Sein Debüt in der ersten Mannschaft feierte er am 7. Mai 2025 mit 16 Jahren und neun Monaten in der Copa Sudamericana beim 1:1 gegen Mushuc Runa. Damit gehörte er zu den jüngsten Debütanten in der jüngeren Cruzeiro-Geschichte – in einer Reihe mit Größen wie Ronaldo oder Vitor Roque.

Bis zu seinem Abschied absolvierte er insgesamt 17 Pflichtspiele und erzielte am 10. Januar 2026 im Campeonato Mineiro gegen Pouso Alegre sein erstes Profitor. International gewann er 2025 mit der brasilianischen U17 die Südamerikameisterschaft und kam dort zu fünf Einsätzen; später folgten bereits zwei Partien für die U20.

Im Februar 2026 machte Dortmund den Transfer offiziell. Weil Prates noch minderjährig war, konnte er erst nach seinem 18. Geburtstag im August 2026 wechseln. Seit der Bekanntgabe kam er bei Cruzeiro kaum noch zum Einsatz, was die Vorbereitung auf den Sprung nach Europa erschwerte. Dennoch reiste er bereits im Februar nach Dortmund, absolvierte den Medizincheck und lernte Trainer Niko Kovač sowie einige Mitspieler kennen.

Spielerprofil - Der wilde & moderne Außenverteidiger

Prates ist ein moderner, athletischer Linksverteidiger, der auch als Innenverteidiger oder auf der linken Schiene in einer Dreierkette einsetzbar ist. Sein auffälligstes Merkmal ist die Kombination aus Tempo, Physis und Technik. Er verfügt über enormes Beschleunigungsvermögen und setzt seinen Körper in Zweikämpfen wie ein wilder Bulle aggressiv und konsequent ein. Gegnerische Flügelspieler haben daher oft Probleme, an ihm vorbeizukommen.

Sein Stellungsspiel und Timing wirken für sein Alter bereits reif, und er gewinnt viele Duelle, fängt Pässe ab oder blockt Bälle erfolgreich. Leonardo Jardim, sein Trainer bei Cruzeiro, beschrieb ihn als „ausgewogenen Außenverteidiger, den alle Trainer mögen“, der sowohl defensiv als auch offensiv Qualität mitbringe, gute Flanken schlage und Standards beherrsche.

„Er hat enormes Potenzial und eine überdurchschnittliche Reife“, so Jardim.

Auch Sebastian Kehl hob bei der Verpflichtung seine Qualitäten hervor.

„Er ist ein hoch veranlagter Spieler, der von seinem Profil sehr flexibel ist und in der Defensive in verschiedenen Systemen mehrere Positionen bekleiden kann. Mit seiner Zweikampfstärke, seiner Robustheit und seiner Mentalität wird er unsere Mannschaft in der kommenden Saison ganz sicher bereichern.“

Mit dem Ball sucht Prates vorwiegend den Weg nach vorne. Er dribbelt gerne, trägt den Ball in freie Räume und bringt sich als "Breitengeber" ein. Kurze und mittlere Pässe gelingen ihm solide, und in engen Situationen zeigt er eine gute Technik. Wenn er in den Strafraum vordringt, kann er mit dem linken Fuß abschließen. Seine Laufbereitschaft und Einsatzfreude sind hoch – denn er arbeitet unermüdlich gegen den Ball und neutralisiert Kontersituationen mit seiner Athletik.

Die Entwicklungsfelder

Schwächen liegen vor allem in der Feinheit der Ausführung. Die Genauigkeit seiner Flanken und das Passspiel unter Druck sind noch ausbaufähig; gelegentlich entstehen Ballverluste durch unsaubere Ballannahme oder zu riskante Dribblings.

Durch seine aggressive Art produziert er relativ viele Fouls, wie auch beim verschuldeten Elfer in der Vorbereitung. Im Luftzweikampf ist er trotz der Körpergröße nicht immer dominant. Die geringe Anzahl an Profi-Minuten – insgesamt nur rund 17 Pflichtspiele – bedeutet auch, dass er die Intensität und Taktik des europäischen Fußballs erst noch vollständig verinnerlichen muss, was man auch hin und wieder an seiner ausbaufähigen Positionierung gegen den Ball erkennen konnte.

Privater Hintergrund, Charakter & Mentalität

Montanha ist eine kleine Stadt mit etwa 19.000 Einwohnern, geprägt von Kaffeeanbau und Viehzucht, ohne große Fußballstrukturen. Prates stammt aus derselben Region wie Richarlison (Spurs) und wurde in einem lokalen Projekt entdeckt. Die frühe Trennung von der gewohnten Umgebung und der Umzug in die Jugendakademie formten ihn.

Seine Familie zog mit oder hielt sich in Belo Horizonte auf und unterstützte ihn eng. Er selbst betonte immer wieder, dass er für sie Tore schießen und Titel gewinnen wolle.

„Meine Familie ist sehr glücklich“, sagte er nach frühen Einsätzen und wünschte sich, sie mit einem Treffer zu ehren.

Diese Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen und die Erfahrung, schon mit zehn Jahren den Schritt in die große Stadt zu wagen, scheinen eine ausgeprägte Reife und Demut gefördert zu haben. Mitspieler wie Lucas Silva und Fagner lobten seine Persönlichkeit und Lernbereitschaft: Er frage viel nach und lasse sich nicht einschüchtern. Prates ist gläubig, dankt öffentlich Jesus und beschreibt sich als Familienmenschen.

Im Gespräch mit Dedê beschrieb er, was die Fans erwarten dürfen: viel Kampfgeist und den Willen, jeden Ball zu gewinnen, dazu einen Spieler, der viel nach vorne geht, oft flankt, aufs Tor schießt und zugleich gut verteidigt. Seine Ziele benannte er ohne Umschweife: Champions League und Meisterschaft mit Dortmund gewinnen und individuell zu einem der besten Außenverteidiger der Welt reifen.

Diese Prägung spiegelt sich in seiner Mentalität wider: Entschlossenheit, Demut und der Wille, hart zu arbeiten, ohne den Kontakt zu den Wurzeln zu verlieren. Dedê diagnostizierte treffend einen „Jungen aus einer guten Familie“ und einen Spieler, der „rennt, keinen Ball verliert und sich voll und ganz einsetzt“. Die frühe Selbstständigkeit und der familiäre Rückhalt scheinen ihn widerstandsfähig und fokussiert gemacht zu haben – Eigenschaften, die beim Übergang in die Bundesliga entscheidend sein dürften.

Potenzialeinschätzung 8 / 10

Prates besitzt das Profil eines Spielers, der langfristig auf höchstem Niveau bestehen kann. Lars Ricken nannte ihn „einen extrem spannenden Spieler“ und „einen der talentiertesten Spieler Südamerikas“. Mit seiner Physis, dem Tempo und der Vielseitigkeit kann er in verschiedenen Systemen Niko Kovačs eine Rolle finden. Die Fähigkeit, sowohl offensiv Breite zu geben als auch defensiv stabil zu stehen, passt zum modernen Anforderungsprofil eines Außenverteidigers.

Ich würde daher sein Potenzial bei 8 bis 8,5 von 10 ansetzen. Das ist bewusst hoch, aber nicht maximal. Prates bringt mit 18 schon die Mischung mit, die europäische Topklubs bei Außenverteidigern suchen. Dazu kommen eine für sein Alter ungewöhnliche Reife, mentale Stabilität und die Bereitschaft, sich sprachlich und kulturell anzupassen. Das sind keine Selbstverständlichkeiten.

Eine glatte 9 oder 10 würde ich ihm noch nicht geben. Dafür sind die Stichproben noch zu klein, die Feinheiten im Passspiel, in der Flanke und unter Druck sind noch nicht auf Bundesliga-Niveau, und der Sprung von Brasilien nach Dortmund ist enorm. Ob er Stammspieler auf Champions-League-Niveau wird oder „nur“ ein sehr guter, vielseitig einsetzbarer Bundesligaspieler, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Kurz: Das Talent reicht für eine Karriere als einer der besten Linksverteidiger seiner Generation. Ob er das auch erreicht, hängt weniger vom Körper als von der Anpassung, der Konstanz, der Entscheidungsqualität und der Förderung durch BVB-Coach Niko Kovac ab.

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