Darum nominiert Klopp Max Rosenfelder und Derry Scherhant
Warum Freiburg für Klopp kein Randthema ist
Klopp hat das selbst kaum verschleiert. „Mentalität kann man nicht kaufen, aber entwickeln. Die Freiburger haben Mentalität. Das hat auch damit zu tun, wo sie herkommen“, sagte er bei der Kaderpräsentation. Vier Nominierte aus einem Verein, der weder den größten Etat noch die lautesten Namen hat, sind keine Zufallsquote. Sie sind Programm.
Der SC Freiburg steht nach drei Bundesliga-Spieltagen mit 10:1 Toren an der Tabellenspitze, hat alle sechs Pflichtspiele der Saison gewonnen und war im Frühjahr im Finale der Europa League. Julian Schuster hat den Verein nach Christian Streich nicht umgebaut, sondern weiterentwickelt:
Intensives Anlaufen, klare Rollen, hoher Anteil selbst ausgebildeter oder gezielt integrierter Spieler. Genau das sucht Klopp. Er will Intensität, Flügelspiel im 4-3-3, defensive Stabilität als Voraussetzung für Offensive – und Spieler, die in zwei Jahren Stütze sein können, nicht nur für den nächsten Länderspielzyklus.
Freiburg liefert ihm beides: ein funktionierendes Kollektiv und Typen, die in diesem Kollektiv eine erkennbare Rolle haben. Rosenfelder und Scherhant stehen dabei für zwei unterschiedliche Bausteine derselben Idee.
🚨🇩🇪 Max Rosenfelder, nominated by Jürgen Klopp for the Nations League if nothing extraordinary happens.
As confirmed by BILD and kicker.
The 23 y/o versatile defender from SC Freiburg is included for the first time.@berger_pj @SkySportDE pic.twitter.com/W1GCcRU1Nv— Florian Plettenberg (@Plettigoal) September 17, 2026
Max Rosenfelder: Tempo in der Innenverteidigung
Rosenfelder ist Freiburger Eigengewächs, Rechtsfuß, rund 1,87 Meter, Innenverteidiger – und einer der schnellsten Spieler auf dieser Position in der Liga. Der Kicker maß ihn mit 35,91 km/h; schon in der U21 galt er als rasanter, ballsicherer Verteidiger mit Offensivdrang. Julian Schuster hat ihn nicht nur zentral, sondern auch rechts in der Viererkette eingesetzt. Beim 1:0 in Wolfsburg letzte Saison erzielte er dort sein erstes Bundesligator. Schuster beschrieb ihn als Spieler, der Räume überwindet, Gegner bindet und Torgefahr aus der Tiefe erzeugt.
Genau das macht ihn für Klopp interessant. Die DFB-Abwehr nach Neuer und Rüdiger braucht nicht nur Zweikämpfer, sondern Innenverteidiger, die im Aufbau mitspielen und gegen schnelle Konter Schritt halten. Rosenfelder ist kein klassischer Abräumer vom Typ Ginter, den Klopp bewusst nicht nominiert hat. Er ist jünger, schneller, offensiver – und noch formbar. Dass er zuletzt hinter Lienhart und Ginter oft auf der Bank saß, relativiert die Berufung nur auf den ersten Blick. Klopp nominiert nicht die aktuelle Startelf der Liga, sondern Profile mit Zukunft.
Die Einschränkung ist bekannt: Rosenfelders Körper. Patellasehne, Oberschenkel, immer wieder Wochen und Monate ohne Pflichtspiel. In der Saison 2023/24 fiel er komplett aus, 2025/26 bremsten ihn erneut muskuläre Probleme. Nagelsmann hätte ihn nach der U21-EM schon früher berufen wollen. Klopp holt ihn trotzdem – als Wette auf Potenzial und als Signal, dass Belastung, Regeneration und Entwicklung Teil des neuen DFB-Alltags sein sollen. Im ersten Kaderblock gegen die Niederlande und Griechenland bekommt Rosenfelder die Chance, sich im direkten Vergleich mit Tah, Schlotterbeck und Bisseck zu zeigen.
✨DERRY SCHERHANT -AILIER GAUCHE (SC Freiburg) pic.twitter.com/aNyXx9kJLX
— Unser Fußball (@unserfussball) September 17, 2026
Derry Scherhant - der inverse Flügel, den Klopp sucht
Scherhant kommt den umgekehrten Weg. Geboren in Berlin, ausgebildet bei Hertha BSC, 2025 für rund zwei Millionen Euro nach Freiburg gewechselt. Linksaußen, Rechtsfuß, 1,85 Meter. Ein inverser Flügelstürmer: Er zieht nach innen auf den starken Fuß, sucht das Eins-gegen-eins, hat Zug zum Tor. Tempo, Dribbling und Flair sind seine Stärken, Entscheidungsfindung und Flanken die Entwicklungsfelder. Schuster wollte genau das:
Er kann eben auch diese Intensität gehen, die wichtig für unser Spiel ist.
Der Saisonstart 2026/27 hat die Berufung erzwungen. In sechs Pflichtspielen ein Tor und sechs Vorlagen, Höhepunkt das Conference-League-Hinspiel gegen Motherwell: ein Treffer, zwei Standards, die zu Toren führten. Lucas Höler sagte danach:
Sein feines Füßchen ist gut eingestellt. Er ist supergut drauf und hilft uns gerade brutal.
Scherhant teilt sich die linke Seite weiter mit Vincenzo Grifo, kann aber auch rechts spielen. Das macht ihn für Klopp doppelt nutzbar.
Hinzu kommt die Geschichte, die zum neuen DFB-Narrativ passt. Scherhant hatte erst vor wenigen Tagen im FAZ-Fragebogen Jürgen Klopp als Wunschtrainer genannt:
Es wäre ein großer Traum, irgendwann einmal unter dem Bundestrainer spielen zu dürfen.
Wenige Tage später war der Traum da. Klopp hat öffentlich betont, wie sehr den Debütanten die Nominierung bedeutet. Bei Scherhant ist das kein Marketing. Es ist dokumentiert.
Klopp bekommt nicht nur einen motivierten Debütanten, sondern darüber hinaus ein Flügelspieler mit Tempo und Abschlussdrang für das 4-3-3, das der neue Nationaltrainer angekündigt hat. Während etablierte Namen wie Sané und Leweling außen vor bleiben, bringt Scherhant Frische, Laufbereitschaft und eine gewisse defensive Arbeit gegen den Ball – statistisch eine seiner stärkeren Kategorien im Vergleich zu anderen Offensivspielern.
Er steht im zweiten Kaderblock neben Wirtz, Adeyemi und El Mala. Das ist kein Stammplatz. Es ist ein offener Kampf auf der Position, auf der Deutschland seit Jahren zwischen Genie und Unzuverlässigkeit schwankt.
Jürgen Klopp's first Germany NT squad includes some interesting U23 names:
🇩🇪 𝐀𝐥𝐞𝐤𝐬𝐚𝐧𝐝𝐚𝐫 𝐏𝐚𝐯𝐥𝐨𝐯𝐢ć (𝟐𝟐,𝐃𝐌)
🇩🇪 𝐌𝐚𝐱 𝐑𝐨𝐬𝐞𝐧𝐟𝐞𝐥𝐝𝐞𝐫 (𝟐𝟑,𝐂𝐁)
🇩🇪 𝐇𝐞𝐧𝐧𝐞𝐬 𝐁𝐞𝐡𝐫𝐞𝐧𝐬 (𝟐𝟏,𝐋𝐁)
🇩🇪 𝐒𝐚ï𝐝 𝐄𝐥 𝐌𝐚𝐥𝐚 (𝟐𝟎,𝐋𝐖)
🇩🇪 𝐍𝐚𝐭𝐡𝐚𝐧𝐢𝐞𝐥… pic.twitter.com/bZO3jhxKuK— Pro Future Stars (@ProFutureStars1) September 17, 2026
Zwei Rollen, eine Botschaft
Rosenfelder und Scherhant sind keine fertigen Nationalspieler. Der eine kämpft mit dem eigenen Körper, der andere muss auf höchstem Niveau noch Konstanz nachweisen. Klopp weiß das. Sein erster Kader ist ausdrücklich kein Endzustand, sondern eine Bestandsaufnahme:
„Wir haben nicht geguckt, was haben wir nicht, sondern was haben wir." Was er in Freiburg gefunden hat? Beide tragen, genau wie der dritte nominierte Breisgauer Yannik Engelhardt, die Freiburger Alltagsmentalität mit: wenig Starallüren, hohe Trainingsintensität, Bereitschaft, Rollen zu teilen.Ob daraus Länderspiele werden, entscheidet die Nations League.
Klopp hat den beiden die Tür geöffnet, weil sie in einem funktionierenden Verein klare Aufgaben erfüllen – und weil er nach der WM nicht mehr auf Namen setzen will, sondern auf Charakter und Entwicklungsspielraum. In Freiburg hat er beides gefunden. Die Nominierung erinnert an seine Transferpolitik im ersten Jahr beim BVB, als er aus vielen No-Names eine intensive Meistermannschaft formte.
Klopps Überraschungspaar | Warum Ebnoutalib und Keidel ins DFB-Team passen
Der Stürmer, den niemand auf dem Zettel hatte
Der 23-jährige Younes Ebnoutalib kickte vor zwei Jahren noch er in der Regionalliga bei Gießen. Dazwischen lag ein gescheiterter Italien-Versuch bei Perugia, dann der Sprung zu Elversberg. In der 2. Liga explodierte er: zwölf Tore in 17 Hinrundenspielen, Torschützenkönig der ersten Saisonhälfte, physisch und mental ein Spieler, der Spiele öffnet. Im Winter 2025/26 holte ihn Eintracht Frankfurt für rund acht Millionen Euro nach Hause.
Bei der SGE ist er kein reiner Bankdrücker-Joker. Er ist Zielspieler und Tiefenläufer zugleich: bindet Innenverteidiger, arbeitet gegen den Ball, hat ein Gespür dafür, wann er sich löst. Der Dreierpack zum Saisonauftakt bei Union Berlin (3:3) war die Visitenkarte. Klopp selbst brachte es auf den Punkt: Als er Ebnoutalib zum ersten Mal im Eintracht-Trikot sah, habe er sich gefragt:
„Wo haben die den denn her?“ Im Trainerstab habe es „keine Diskussion“ gegeben. „Seine Art zu spielen, seine Bereitschaft, seine Intelligenz, immer da zu sein.“ Er sei „ein Buch, das man gerne lesen würde“.
Genau das ist der Mehrwert für die Nationalmannschaft. Deutschland hat unter Nagelsmann oft einen Stürmer vom Typ Havertz gebraucht – intelligent, verbindend, aber nicht immer die physische Spitze. Ebnoutalib bringt Größe, Tempo (Höchstwerte um 35 km/h!) und Abschlussinstinkt mit. Er kann als klassische Neun dienen, aber auch als zweiter Stürmer neben Burkardt oder Havertz Räume aufreißen.
Dazu kommt die Geschichte: ein Late Bloomer mit Hunger, der sich nach Umwegen und einer parallelen Nominierung durch Marokko bewusst für den DFB entschieden hat – nachdem Klopp persönlich im Frankfurter Trainingszentrum mit ihm gesprochen hatte. Für einen Neuaufbau ist das Gold wert: Identifikation, Demut und der Wille, nichts als selbstverständlich zu nehmen.
🆕🇩🇪 Younes Ebnoutalib semble avoir 𝗖𝗛𝗢𝗜𝗦𝗜 l’Allemagne. 🇲🇦🤔
Un supporter le félicite pour sa convocation avec la sélection allemande.
Younes : « Merci ❤️ »
— « Qu’est-ce qui t’excite le plus avec la Mannschaft ? »
Younes : « Tout. » pic.twitter.com/K65PdFQFCM— FRMF Xtra (@FRMFXtra) September 16, 2026
Der Allrounder vom Dorfclub
Felix Keidel ist die noch größere Überraschung. Nach 13 Jahren beim FC Ingolstadt wechselte der 23-jährige Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für eine Ablöse von rund 400 Tausend Euro nach Elversberg. Mit den Saarländern stieg er sofort in die höchste deutsche Spielklasse auf. In der Bundesliga stand er in den ersten drei Spielen in der Startelf – und traf per Freistoß gegen Gladbach.
Nie ein DFB-Jugendspiel, nie auf dem großen Radar. Jetzt der erste Elversberger der Vereinsgeschichte in der A-Nationalmannschaft.
Seine Vereinsrolle erklärt die Nominierung besser als jede Statistik. In Ingolstadt war er das Eigengewächs, das überall funktionierte: Rechtsverteidiger, Linksverteidiger, zentrales und sogar offensives Mittelfeld. Bei Elversberg begann er als Außenverteidiger, steht in dieser Saison im defensiven Mittelfeld neben Lukasz Poreba. Trainer Vincent Wagner schätzt dessen Ausdauer, Zweikampfstärke und Übersicht. Keidel selbst sagt:
Die Position ist mir egal, ich suche den Weg zum Tor!
Freistöße, Flanken, Laufleistung – ein Spieler, der Lücken schließt, statt eine einzige Position zu besetzen. Für Klopp ist das die klassische Allzweckwaffe die bei jedem Turnier bei verletzungsbedingten Ausfällen besonders wertvoll werden und dem ehemaligen Liverpool-Coach aufgrund der taktischen Flexibilität ein besseres Ingame-Coaching ermöglichen.
Gegenpressing lebt von Spielern, die umschalten, laufen und mehrere Rollen verstehen. Deutschland hat seit Jahren eine Baustelle auf der rechten Abwehrseite: Nach Philipp Lahm und Kimmichs Verschiebung ins Zentrum experimentierten Flick und Nagelsmann mit Henrichs, Baku, Vagnoman – ohne dauerhafte Lösung.
Keidel ist kein fertiger Stammspieler auf höchstem Niveau. Er ist aber eine Option, die Klopp in der Breite testen kann: als rechter Verteidiger, als Sechser, als Flex-Spieler in einem System, das Intensität verlangt. In einem 44-Mann-Kader, der bewusst keine A- und B-Elf sein soll, ist genau diese Flexibilität der Punkt.
🚨🇩🇪 Felix Keidel, nominated by Jürgen Klopp for the Nations League if nothing extraordinary happens.
Debut for the 23 y/o right-back is expected. Keidel, revealed on Sky yesterday.
Already reported at the end of July: Jürgen Klopp’s first top priority is to find a new… pic.twitter.com/csgNI99Mrq— Florian Plettenberg (@Plettigoal) September 16, 2026
Was beide verbindet und was Klopp sucht
Beide Wege führen über Elversberg. Der Aufsteiger aus dem Saarland wird plötzlich zum Talentlieferanten: Ebnoutalib ging weiter nach Frankfurt, Bambasé Conté nach Hoffenheim, Nick Woltemade sogar nach Turin – und Keidel bleibt und wird trotzdem nominiert. Das ist kein romantisches Dorfclub-Märchen, sondern ein Hinweis auf Klopps Auswahlkriterium: nicht der Verein, sondern das, was der Spieler auf dem Platz macht und wie er geworden ist.
Klopp hat gesagt, er habe nicht geschaut, was fehlt, sondern was da ist.
Uns ist ganz, ganz viel Talent ins Auge gesprungen.
Ebnoutalib und Keidel stehen für den Teil dieser Sichtung, der jenseits der üblichen Bayern-, Dortmund- und Leipzig-Schiene liegt.
Der eine bringt eine physische, schlaue Mittelstürmer-Alternative und hat sich in einem Zweikampf der Verbände für Deutschland entschieden. Der andere bringt Laufbereitschaft, Variabilität und die Mentalität eines Spielers, der den Weg von der 3. Liga in drei Jahren bis zur Nationalelf gegangen ist. Beides passt zu einem Trainer, der Mannschaften über Intensität und Persönlichkeit formt – und der nach einem WM-Debakel bewusst neue Gesichter ins Training holt, statt nur die alte Hierarchie zu bestätigen.
Ob daraus Stammplätze werden, entscheidet nicht die Nominierung. Ebnoutalib muss in Frankfurt konstant treffen und darf nicht wieder zum Systemopfer werden. Keidel muss zeigen, dass Bundesliga-Startelf und Nations-League-Niveau nicht zwei verschiedene Welten sind. Aber als Signal ist die Berufung klar: Klopp will Spieler, die etwas durchgemacht haben, die mehrere Rollen können und die noch nicht glauben, sie gehörten selbstverständlich dazu. In Ebnoutalib und Keidel hat er zwei gefunden, die genau das verkörpern.
Ein Holzfuß mit Torriecher | Alessandro Vogt in der Analyse
Alessandro Vogt ist einer jener Spieler, deren Aufstieg so rasch und geradlinig wirkt, dass er fast schon unwirklich anmutet. Der am 3. Februar 2005 im Aargau geborene Mittelstürmer wechselte diesen Sommer von St. Gallen zur TSG Hoffenheim und wurde Ende August auf Leihbasis an den Zweitligisten 1. FC Heidenheim abgegeben.
In seiner ersten vollständigen Profisaison in der Super League hatte er 15 Tore und drei Vorlagen in 35 Ligaspielen erzielt, dazu kamen weitere Treffer im Pokal. Mit 1,88 Metern, einem kräftigen Körperbau und einem unbedingten Willen zum Abschluss verkörpert er den Typus des klassischen Neuners, der sich seinen Weg weniger über Eleganz als über Präsenz und Instinkt gebahnt hat.
Werdegang - Vom Freiämter Talent zum Shootingstar
Vogt begann mit sieben Jahren beim FC Wohlen, dem Verein, für den schon sein Vater Roland als Innenverteidiger gespielt hatte. Stationen bei Baden und Aarau folgten, doch mit 16 Jahren wurde er in Aarau aussortiert. Technische Mängel seien der Grund gewesen. Er kehrte nach Wohlen zurück, spielte in der vierthöchsten Schweizer Spielklasse und machte im November 2022 mit einem Pokal-Tor gegen Servette auf sich aufmerksam.
2023 holte ihn St. Gallen in die U21, wo er in der Saison 2024/25 in 25 Spielen 13 Tore schoss. Im Sommer 2025 wurde er fest in die erste Mannschaft hochgezogen und unterschrieb einen Profivertrag bis 2029. Was folgte, war ein Durchbruch, den selbst im Verein kaum jemand in diesem Tempo erwartet hatte: fünf Tore in den ersten fünf Super-League-Spielen, am Ende 15 Ligatreffer bei einem xG-Wert von rund 12,12.
Vogt übertraf damit seine erwarteten Tore deutlich und gehörte zu den produktivsten Angreifern der Liga. Hoffenheim aktivierte im März 2026 die Ausstiegsklausel von etwa 2,7 Millionen Franken und band ihn langfristig. Andreas Schicker, Sportgeschäftsführer der TSG, nannte ihn «einen kraftvollen, athletischen Mittelstürmer mit gutem Torriecher und hoher Trefferquote.
Bis bald, Alessandro 👋
Die TSG Hoffenheim verleiht Stürmer Alessandro Vogt bis zum Ende der laufenden Saison an den 1. FC Heidenheim.
Der 21 Jahre alte Schweizer kam im Sommer vom FC St. Gallen in den Kraichgau pic.twitter.com/XPdrM4SnjW— TSG Hoffenheim (@tsghoffenheim) August 31, 2026
Spielerprofil – Ein Mittelstürmer alter Schule
Seine größte Stärke sitzt zwischen Sechzehner Linie und Torlinie. In der Super League 2025/26 kam er auf etwa 0,58 Tore pro 90 Minuten und lag damit in der Liga ganz oben. Er schoss rund 3,6-mal pro Spiel, davon knapp 1,5 Schüsse aufs Tor. Die meisten Abschlüsse entstanden im Strafraum, Weitschüsse waren die Ausnahme.
Das ist kein Zufall: Vogt sucht nicht den schönen Winkel von 25 Metern, sondern den Kontaktpunkt nah am Tor. Görtler hat das einmal so beschrieben, dass man ihn kaum zum Abspiel bewegen kann, sobald er den Ball hat.
Wenn Vogt den Ball hat, sieht er nur das Tor.
Genau dieser Zug erklärt, warum er seine xG-Werte oft übertraf. Er traf aus unmöglichen Winkeln, so dass die Quote bei rund einem Tor alle sechs Schüsse lag. Das ist kein schlechtes Profil, aber auch kein eiskalter Vollstrecker mit 30 Prozent Genauigkeit. Daher muss er gefüttert werden. Wenn Bälle in den Sechzehner kommen, ist er gefährlich. Wenn das Spiel vor dem Strafraum stehen bleibt, verschwindet er wie ein Chamäleon im heiligen Grün.
Mit 1,88 Metern und rund 88 Kilo kann er sich festsetzen. Bereits in seiner Wohlen-Zeit war er früh für seine Wucht, Robustheit und Pressing bekannt. In St. Gallen passte er ins physische Konzept neben anderen großen Spielern. Er kann einen Innenverteidiger wegdrücken, den Ball abschirmen und zweite Bälle aufnehmen. Im Training verdiente er sich Respekt, weil Zweikämpfe bei ihm nicht zimperlich enden. Das ist die Stärke eines klassischen Zielspielers: Er bietet der Offensive eine Anspielstation.
Gleichzeitig gewinnt er zu wenige Duelle, um als dominanter “Target-Man” zu gelten. In der Super League lag die Zweikampfquote teils unter 30 Prozent, Kopfballduelle oft nur um die 27 bis 33 Prozent. Das klingt paradox bei dieser Größe, erklärt sich aber über Timing und Sprungtechnik. Er ist präsent, aber nicht automatisch Herr der Lüfte. In Heidenheim deutete sich nach zwei Einsätzen etwas mehr Kopfballbeteiligung an – vier von sieben Abschlüssen per Kopf –, die Verwertung fehlte noch. Physisch ist er also eher ein Störer und Platzhalter als ein Luftkönig.
Laufwege, Tempo und Arbeit gegen den Ball
Vogt ist kein Sprinter des Typen Erling Haaland. Das Tempo liegt bei ihm mit 30,8 km/h im mittleren Bereich, die Beschleunigung reicht für den Strafraum, nicht für lange Gegenstöße über 40 Meter. Seine Qualität liegt eher in den Laufwegen: Er startet in die Schnittstelle, greift den ersten Pfosten an, bleibt im Strafraum, wenn andere schon drehen.
Defensiv war er kein Ausputzer, aber auch kein Zuschauer wie ein Rafa Leao. In der Super League bewegte sich sein defensiver Beitrag um den Ligadurchschnitt der Stürmer. Er läuft mit, stellt Passwege zu, gewinnt nicht viele Bälle durch Grätschen, sondern wie ein Füllkrug durch Präsenz. Für ein Team, das hoch presst, ist das brauchbar. Für ein Team, das den Stürmer als ersten Verteidiger mit vielen erfolgreichen Tackles braucht, reicht es (noch) nicht.
Alex Frei, der Rekordtorschütze der Schweizer Nati, sprach von «interessanten Anlagen» und freute sich, «wieder mal einen Schweizer Stürmer zu haben, der das Tor trifft».

Die Entwicklungsfelder
Die Schwächen liegen dort, wo der Weg nicht der übliche war. Vogt ist kein Edeltechniker. Teamkollegen nannten ihn gar «Stolperi», weil er im Training den Ball kaum sechs Mal hintereinander jonglieren konnte. Feinste Kombinationen, enge Räume und das letzte Zusammenspiel sind nicht seine große Stärke. Die Chancenkreation lag in der Super League nur im unteren Drittel im Vergleich zu anderen Stürmern, Kopfballduelle gewann er ebenfalls nicht überdurchschnittlich oft.
Sein Spiel wirkt mitunter roh und ungeschliffen: Er jagt jedem Ball hinterher und drischt ihn, sobald es irgendwie geht, aufs Tor. Das feine Kombinationsspiel ist nicht seine Sache. Genau diese Direktheit macht ihn gefährlich, begrenzt aber auch sein Repertoire, wenn der Gegner tiefer steht oder sich auf seine Spielweise eingestellt hat.
🚨💥 Alessandro Vogt to Heidenheim - DONE DEAL ✔️
Full agreement reached with TSG Hoffenheim.
The 21-year-old striker will join Heidenheim on loan until the end of the season, with no buy option. Medical and signing to follow. @SkySportDE 🇨🇭🇮🇹 pic.twitter.com/PlIX6MjWbc— Florian Plettenberg (@Plettigoal) August 30, 2026
Herkunft, Lehre und ein Charakter, der nicht hadert
Vogts Mentalität lässt sich ohne seinen Hintergrund kaum erklären. Der Vater Roland Vogt, Kriminalpolizist in Zürich und politisch in Wohlen aktiv, war selbst kein Techniker, sondern ein Verteidiger, der über Einstellung funktionierte.
Du musst nicht 1000-mal jonglieren können", soll er dem Sohn gesagt haben. "In erster Linie musst du marschieren können, die Einstellung ist wichtig, der Charakter.
Der Rückschlag in Aarau mit 16 Jahren, das vorübergehende Ausbleiben von Toren in der U21, die kaufmännische Lehre beim Kanton Aargau, die er vier Monate vor dem ersten Profivertrag abschloss – all das formte einen Spieler, der nicht hadert. Sportchef Roger Stilz betonte, Vogt lasse sich nicht unterkriegen. Er blieb demütig, auch als 19 000 Zuschauer ihm stehend Beifall spendeten.
Schüchtern geht er nach solchen Momenten vom Platz, meidet lange Interviews und wirkt neben dem Rasen zurückhaltend. Die Lehre, die er trotz Fußball-Fokus durchzog, und die Nähe zur Familie – die kurze Distanz nach Hause sprach für Hoffenheim – geben ihm eine Bodenhaftung, die bei jungen Torjägern selten ist.
Ich bin auch ein Familienmensch", sagte er nach dem Transfer. Dass er den Schritt nach Deutschland wagte, obwohl Maassen und andere mehr Geduld in St. Gallen empfohlen hatten, passt zu einem Charakter, der Chancen nimmt, wenn sie da sind: "Niemand weiß, was morgen ist.
Potenzialeinschätzung: 7 /10

Auf einer Skala von 1 bis 10, schätze ich das Bundesliga-Potenzial von Alessandro Vogt bei einer 7 ein. Er kann ein belastbarer, physischer Neuner der ersten Liga werden, der in guten Phasen 8 bis 12 Tore schießt und einem Team Präsenz im Strafraum gibt.
Keine 8 oder 9, weil ihm dafür die technische Bandbreite, die Spielintelligenz auf engem Raum und die Konstanz gegen Topverteidiger noch fehlen. Keine 6, weil Torriecher, Körper und Mentalität schon jetzt über dem Durchschnitt liegen und er in der Super League seine erwarteten Tore klar übertroffen hat.
Die 7 setzt voraus, dass die Leihe in Heidenheim funktioniert: regelmäßige Minuten, Tore gegen eine defensiv kompakte zweite Liga, Fortschritte bei der Ballannahme und dem Kombinationsspiel. Gelingt das, ist er in ein bis zwei Jahren ein ernsthafter Kandidat für Hoffenheims Rotation oder sogar die Startelf.
Scheitert die Anpassung an Tempo, Technik und Zweikampfhärte, bleibt er eher ein solider Zweitliga- oder Super-League-Stürmer. Die Mentalität spricht für die höhere Variante, das technische Fundament begrenzt jedoch das Potenzial.
Aus dem Nichts in die Startelf | Kölns Paul Okon-Engstler (21) in der Analyse
Paul Okon-Engstler ist erst 21 und steht bereits mitten in einem Lebenslauf, der sich wie eine verdichtete Version europäischer Fußballsozialisation liest. Geboren am 24. Januar 2005 in Ostende, während sein Vater Paul Okon für den KV Oostende spielte, wuchs der defensive Mittelfeldspieler zwischen Belgien, Australien und später Portugal auf, ehe ihn der 1. FC Köln diesen Sommer für 1,75 Millionen Euro vom Sydney FC verpflichtete und ihn mit einem Vertrag bis 2030 ausstattete.
Wer ihn analysiert, sieht nicht nur einen jungen Sechser mit Weltmeisterschaftserfahrung, sondern das Produkt einer Familie, in der Fußball Sprache, Anspruch und Alltag zugleich ist. Mit bereits zwei Einsätzen als Stammspieler für den Effzeh, sahen wir uns veranlasst ihn für euch auf Herz und Nieren zu untersuchen.
Ein Weg über drei Kontinente
Die ersten Schritte machte Okon-Engstler wie sein Vater bei den Marconi Stallions, danach folgte eine Station bei den Western Sydney Wanderers. 2019 zog die Familie zurück nach Belgien, weil Paul Okon Senior dort seine Trainerkarriere vorantreiben wollte. Alle vier Söhne landeten dann in der Jugend des Club Brügge.
Drei Jahre später wurde der damals 17-Jährige bei einem Jugendturnier in Portugal von Scouts Benficas entdeckt – ausgerechnet in einem Turnier, in dem Brügge schwach auftrat. Er unterschrieb in Lissabon und durchlief U19, U23 und schließlich die zweite Mannschaft, für die er acht Partien in der Segunda Liga bestritt.
Der Sprung in die erste Mannschaft blieb aus. Stattdessen kehrte er im Juli 2025 bewusst nach Australien zurück, um sich auf Seniorenniveau zu beweisen. Bei Sydney FC wurde aus dem Experiment eine Saison, die seine Karriere beschleunigte: 27 Ligaeinsätze, zwei Vorlagen, der Titel als Spieler der Saison, eine Nominierung ins "PFA-Team of the Season" und der Einzug ins Grand Final. Parallel dazu etablierte er sich bei den Socceroos.
Seit seinem Debüt gegen Venezuela im November 2025 kam er in jedem verfügbaren Länderspiel zum Einsatz, bei der WM 2026 stand er in allen vier Partien auf dem Platz und bereitete mit einem präzisen langen Ball auf Nestory Irankunda den Führungstreffer gegen die Türkei vor. Köln holte ihn unmittelbar danach.
Thomas Kessler sprach von einem jungen Spieler mit großem Potenzial, der „gute fußballerische Qualitäten, eine hohe Intensität und die Bereitschaft mitbringt, jeden Tag an sich zu arbeiten“. Okon-Engstler selbst nannte den Wechsel den richtigen Schritt: Der FC habe eine enorme Geschichte, unglaubliche Fans und ein Stadion, auf das er kaum warten könne.
Welcome to #effzeh, Paul Okon-Engstler! 🤩
Another player who featured at this year's World Cup, Paul joins from A-League side, Sydney FC and has signed a deal with FC until 30th June 2030!
All infos 👉 https://t.co/jP98WxBJlw pic.twitter.com/8fq8TfcbHy— 1. FC Cologne (@fckoeln_en) July 23, 2026
Das Spielerprofil - Der Langpass-Experte auf der Sechs
Okon-Engstler ist Linksfuß, rund 1,85 Meter groß und spielt vor allem als defensiver Mittelfeldspieler, der auch ins zentrale Mittelfeld rücken kann. Der junge Aussie gilt als aufbauender Sechser mit einer großen Bandbreite an langen präzisen Pässen (50,8 Prozent Erfolgsquote), der Angriffe aus der Tiefe eröffnet.
Genau das zeigte sich bei der WM: In den ersten Minuten eines Spiels, so formulierte er selbst, sei oft Hektik, seine Rolle bestehe darin, ruhig zu bleiben, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das sah man vor allem im hitzigen Spiel gegen die Türkei, in welchem er die Übersicht behielt und Irankunda mit einem langen Pass steil schickte und dieser den wichtigen Führungstreffer erzielte.
Diese Selbstbeschreibung trifft den Kern. Der Neu-Kölner ist für australische Verhältnisse ein ungewöhnlich technisch starker Regisseur, der den Ball unter Druck annimmt, sich mit Körper und enger Ballführung löst und den Spielaufbau nicht über Tempo, sondern über Übersicht und Passpräzision organisiert. Er bietet sich hinter oder neben der gegnerischen Angriffslinie an, hält den Ball mit kurzen, sicheren Pässen und sucht dann den vertikalen Pass.
Gegen Italiens U20 konnten elf von 23 versuchten linienbrechenden Pässen den Block durchbrechen. Wenn er in Fahrt kommt, trägt er den Ball kraftvoll durch das Mittelfelddrittel; einmal in Bewegung ist er ein robuster Ballträger. Defensiv arbeitet er eher intelligent als verbissen: Er stellt Passing-Linien zu, liest Läufe, fängt Bälle ab und jagt Träger nach, statt sich dauernd in Zweikämpfe zu werfen.
In Sydney deckte er große Minutenkontingente ab und gewann viele Duelle, auch wenn die Statistik zugleich eine hohe Foulanzahl und mehrere Gelbe Karten ausweist – Ausdruck einer körperlichen Präsenz, die er noch nicht immer fair zu dosieren weiß.
Sigue habiendo debate sobre si la convocatoria de Paul Okon- Engstler fue nepotismo no (su padre Paul Okon es asistente de Australia)
Para mí está claro. Cuando fue llamado mientras estaba en Benfica B era un poco dudoso pero desde que juega en el Sydney es lo merece sin duda pic.twitter.com/VNjXbZ735f— Futbol Australia (@AustraliaFut) May 5, 2026
Die Entwicklungsfelder
Die Schwächen liegen dort, wo die Stärken aufhören. Mehrere Statistiken halten fest, dass er mit 29,4 km/h kein Sprinter ist und deshalb Räume hinter sich nicht immer rechtzeitig schließt. Die kluge Positionierung kompensiert das oft, jedoch bleiben schnellere Gegner ein Risiko. Am Ball ist das Bild gemischt: Die Sicherheit im Kurz- und Langpassspiel steht neben Phasen, in denen er zu lange zögert oder den progressiven Pass verpasst.
Hin und wieder spielt er zu konservativ nach vorne und ist zu langsam in der Entscheidungsfindung, weshalb das Spiel nicht so oft nach vorne getragen wird, wie es sein Potenzial eigentlich erlaub. In engen Räumen dribbelt er kontrolliert, selten jedoch über mehrere Gegner hinweg.
Darüber hinaus war er in der A-League mit 60,6 Prozent am Boden und 65,3 Prozent in der Luft ziemlich zweikampfstark. In seinen 111 Minuten in der Bundesliga konnte er jedoch mit gerade einmal 37,5 Prozent (Boden-) und 50 Prozent (Luftduelle) bei weitem nicht an die Werte in der Vorsaison anknüpfen, was jedoch auch eine Frage der Adaption sein kann.
In Köln wirkte er zuletzt als Ergänzung und Backup auf der Sechs, nicht als gesetzter Taktgeber. Beim 3:2-Sieg gegen Hoffenheim startete er überraschend und blieb 65 Minuten auf dem Platz, beim 1:4 in Stuttgart wurde er zur Pause für Ellyes Skhiri ausgewechselt, während er beim 1:1 gegen Bremen in der Nachspielzeit eingesetzt wurde. Die ersten Bundesliga-Minuten waren solide bis unauffällig, was normal ist für einen so jungen Spieler aus der A-Leauge.

Familie, Herkunft & Mentalität
Der private Hintergrund erklärt vieles von dem, was auf dem Platz als Reife erscheint. Der Vater war einer der kultiviertesten australischen Mittelfeldspieler seiner Generation, belgischer Fußballer des Jahres 1995, später in Italien und England unterwegs, heute Co-Trainer der Soccerroos. Die Mutter Yamaira hat kubanische Wurzeln, das Paar lernte sich in Italien kennen, daher wird zu Hause italienisch gesprochen.
Okon-Engstler besitzt die italienische Staatsbürgerschaft und wäre auch für Belgien und Kuba spielberechtigt gewesen. Er wählte Australien. Die Familie selbst nannte ihr Leben einmal „verrückt“: vier Söhne, Stationen in Australien und Belgien, eine Mutter, die in Flandern näher bei ihrer Familie in Miami war als in Sydney.
Die Brüder Gianluca, Alessandro und Davide gingen ebenfalls durch die Brügger Jugend; Gianluca gilt als großes Talent und lief bereits für die italienische U17 auf.
In diesem Haushalt war Konkurrenz Alltag, ob im Garten oder an der Konsole. Der Vater machte den Söhnen klar, dass Fußball kein halbes Engagement duldet: Entweder man gibt alles, oder man sucht sich etwas anderes. Druck im Sinne ständiger Anweisungen wollte er nicht ausüben, eher als Taxi-Fahrer und Ratgeber dienen. Paul Junior hat diesen Anspruch verinnerlicht und zugleich Distanz gesucht.
Auf väterliche Distanz in Lissabon
Als der Vater 2022 Co-Trainer in Brügge wurde, wechselte der Sohn nach Lissabon, um eigene Wege zu gehen. Später entschied er sich gegen ein weiteres Jahr in Europas Reservemannschaften und für Spielzeit bei Sydney – eine Entscheidung, die er selbst als bisher beste seiner Karriere bezeichnete. Die Sprachen, die er mitbringt – Englisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch – sind mehr als Lebenslauf-Einträge. Sie stehen für Anpassungsfähigkeit.
Die WM, die dem Vater nie vergönnt war, hat der Sohn gespielt. Als Paul Senior ihn gratulierte, soll er gesagt haben, der Junge habe bereits etwas geschafft, das ihm selbst versagt blieb. Solche Sätze erzeugen keine Selbstzufriedenheit, sondern eine Mischung aus Dankbarkeit und Pflicht.
Wer in einer Familie aufwächst, in der der eigene Vater auf der Bank sitzt und der jüngere Bruder als noch größeres Talent gehandelt wird, entwickelt entweder Eitelkeit oder eine stille, hartnäckige Arbeitsmoral. Bei Okon-Engstler überwiegt bisher Letzteres. Kessler hob genau diese Haltung hervor, und sie passt zu einem Verein, der nach dem Abgang von Eric Martel im zentralen Mittelfeld neu sortieren muss.
Potenzialeinschätzung: 7 /10

Eine ehrliche Einschätzung seines Potenzials liegt bei 7 von 10 – mit einer realistischen Bandbreite nach oben Richtung 7,5, wenn die Anpassung an die Bundesliga gelingt.
Die 7 begründet sich aus dem, was bereits belastbar ist: Mit 21 hat er WM-Minuten, eine komplette A-League-Saison als Stammspieler mit Auszeichnung, einen technisch starken linken Fuß auf der Sechs, Übersicht unter Druck und eine Mentalität, die aus einem professionellen, international geprägten Elternhaus kommt. Köln hat ihn günstig und langfristig geholt, was zum Profil eines entwicklungsfähigen Ergänzungsspielers mit Aufstiegschance passt, nicht zum fertigen Leistungsträger.
Eine 8 oder höher würde bedeuten, dass er sich innerhalb von ein bis zwei Jahren als solider Bundesliga-Sechser etabliert, der das Spiel zuverlässig nach vorne trägt und defensiv gegen Tempo und Pressing besteht. Genau dort liegen meine offenen Fragen:
Erhöht er sein Entscheidungstempo, und spielt auch in der Bundesliga mehr progressive Pässe? An seiner mangelnden Höchstgeschwindigkeit wird er nicht viel ändern können, allerdings kann er diese mit einem guten Stellungsspiel, Antizipation und Handlungsschnelligkeit kompensieren. Ohne diese Schritte bleibt er ein solider Rotationsspieler mit Nationalmannschaftsbonus – wertvoll, aber nicht das nächste große Mittelfeld-Gesicht des Effzeh.
Kurz: Das Fundament für eine gute Bundesligakarriere ist da - das für einen Top-6- oder Nationalmannschafts-Leader über Jahre hinweg muss er in Köln erst noch beweisen.
Der Neuner, den Paderborn selbst gebaut hat | Lasse Eickel (18) in der Analyse
Vom Sauerland in die Nullsieben-Akademie
Eickels fußballerische Wurzeln liegen beim FC Iserlohn, bevor er 2022 als U15-Spieler zum SC Paderborn wechselte. Seitdem durchlief er die Jahrgänge der Akademie konsequent und entwickelte sich zum torgefährlichsten Stürmer seines Alters. In der U17-Nachwuchsliga erzielte er 14 Tore in 24 Spielen, für die U19 kamen in der Saison 2025/26 rund 14 Treffer in 16 Partien der DFB-Nachwuchsliga hinzu, dazu ein Tor im Junioren-Pokal. Parallel sammelte er erste Erfahrungen im Männerfußball: Für die Regionalliga-Mannschaft des SCP kam er auf etwa elf Einsätze mit zwei Toren und einer Vorlage.
Der Sprung zur Nationalmannschaft folgte rasch. Bei der U17-Weltmeisterschaft 2025 in Katar gehörte Eickel zum Kader, nachdem er kurzfristig aus verletzungsbedingten Gründen nachgerückt war. Im Vorbereitungsspiel gegen Kanada traf er nach seiner Einwechslung platziert aus 14 Metern zum 2:0, gegen El Salvador erzielte er als Joker das 6:0 und wurde damit der erste Paderborner Spieler, der bei einer Junioren-WM für den DFB traf.
Insgesamt stehen für die U17 fünf Länderspiele und zwei Tore zu Buche, für die U19 kamen drei Kurzeinsätze in der EM-Qualifikation hinzu. Seit April 2026 bindet ihn ein Lizenzspielervertrag bis 2031. Sportchef Sebastian Lange betonte:
„Lasse hat sich bei uns hervorragend entwickelt. Er steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“
Lasse Eickel (18) (SC Paderborn) -> contrat pro pic.twitter.com/rbNL12i0NY
— 🇲🇫⚽ (@blazers_on_fire) April 15, 2026
Spielerprofil - Ein Stürmer mit Körper und Instinkt
Eickels größte Stärke liegt im Strafraum und in der Art, wie er dort Gefahr erzeugt. Er ist kein dribbelnder Flügelstürmer, der Räume erst erschafft, sondern ein Mittelstürmer, der Räume besetzt und Abschlüsse sucht. Mit 1,87 Metern und bereits gut entwickelter Physis bringt er die Grundvoraussetzungen eines Zielspielers mit.
Bei der U17-WM wurde er genau in dieser Rolle eingesetzt: Die Mitspieler suchten ihn gezielt, er holte Ecken heraus und stieg in übersichtlichen Situationen zum Kopfball hoch. Gegen Kolumbien touchierte ein solcher Kopfball den Pfosten, gegen Gladbachs U19 zwang er den Torhüter in der Nachspielzeit zu einer Parade. Das Kopfballspiel ist noch kein fertiges Alleinstellungsmerkmal, aber die Timing-Qualität und die Bereitschaft, den zweiten Pfosten und den Fünfmeterraum anzulaufen, sind klar erkennbar.
Noch klarer zeigt sich seine Abschlussqualität. Eickel trifft nicht nur aus kurzer Distanz, sondern variiert die Art des Schusses. Gegen Kanada schob er den Ball aus etwa 14 Metern frontal vor dem Tor platziert links unten ins Eck, eine ruhige, fast unaufgeregte Bewegung. Gegen El Salvador traf er nach Ballgewinn von halbrechts sicher mit rechts.
Im Halbfinale der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft gegen den 1. FC Köln zeigte er eine andere Facette: Nach einem langen Schlag des eigenen Torhüters landete der Ball über Umwege vor seinen Füßen, und Eickel feuerte aus rund 20 Metern perfekt ins linke Eck. Das war kein Zufallstreffer eines Jugendspielers, der einfach draufhält, sondern ein platzierter Distanzschuss in einer Verlängerung, in der jede Ungenauigkeit das Spiel hätte kippen können.
Dazu kommt ein Gespür für den richtigen Moment. Gegen El Salvador brauchte er nach seiner Einwechslung drei Minuten, um zu treffen. Gegen Köln war er in der Verlängerung der erste, der eine unübersichtliche Szene in ein Tor verwandelte. Das deutet auf eine Stürmermentalität hin, die über reines Laufen hinausgeht: Er bleibt im Spiel, auch wenn er lange nur Joker war, und positioniert sich so, dass der Ball ihn findet.
Körperlich auch gegen den Ball
Vor allem, geht er dahin, wo es wehtut – also in den engen Raum zwischen Innenverteidigern und Torhüter, statt am Strafraumrand auf den perfekten Pass zu warten. Körperlich steht er den älteren Jahrgängen schon jetzt wenig nach, was Trainer Ralf Kettemann ausdrücklich betont hat. Das ist für einen 18-Jährigen keine Selbstverständlichkeit.
Körperlichkeit im Zweikampf, das Festmachen von hohen Bällen und das Behaupten der Position gegen schiebende Innenverteidiger sind deshalb Stärken, auf denen Paderborn aufbauen kann. In der Bundesliga wird genau das der erste Filter sein: Ob er Flanken und Steilpässe nicht nur erreicht, sondern auch so bindet, dass Mitspieler nachstoßen können.
Trotz seiner großen Statur sind seine Pressingstärke, seine Explosivität und sein Antritt auf einem beeindruckenden Niveau. Vor allem bei hohem Pressing im vorderen Bereich sind der intensive Druck und der körperliche Kontakt, den er auf die Verteidiger ausübt, von einer Qualität, die den Spielaufbau des Gegners stören kann. Seine Spielfreude, seine Kampfkraft und sein Tempo sind erstklassig.
Sportchef Sebastian Lange sagte zur Beförderung in den Profikader:
„Wir werden Lasse Eickel fest in den Profikader integrieren. Er hat sich bei uns hervorragend entwickelt und steht exemplarisch für den Paderborner Weg und die nachhaltige Förderung junger Talente.“
Die Entwicklungsfelder
Schwächen ergeben sich vor allem aus dem Altersunterschied und der noch geringen Erfahrung gegen erwachsene Gegner. In der Regionalliga blieb die Ausbeute mit zwei Toren überschaubar, was darauf hindeutet, dass Tempo, Zweikampfführung und das Spiel mit dem Rücken zum Tor gegen körperlich reife Verteidiger noch Entwicklung brauchen.
Als Einwechselspieler bei der WM kam er oft erst in der Schlussphase und musste sich in begrenzter Zeit beweisen. Link-up-Spiel, Pressingverhalten und die Konstanz über 90 Minuten gegen Bundesliga-Niveau sind Bereiche, in denen er sich in den kommenden Monaten beweisen muss. Kettemann formuliert den Anspruch realistisch: Es wäre der Wunsch, dass Eickel in den nächsten Jahren irgendwann Stürmer Nummer eins werde, man lasse ihm aber zunächst Zeit.

Fußballfamilie und Sauerländer Bodenständigkeit
Der private Hintergrund erklärt viel von Eickels Mentalität. Sein Vater Sascha Eickel ist ein erfahrener Nachwuchstrainer, der selbst die U19 des SC Paderborn betreute, später bei Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig arbeitete und heute sportlicher Leiter der U23 von Borussia Mönchengladbach ist.
Lasse wuchs in Neheim auf, einem Umfeld, in dem Fußball und Bodenständigkeit zusammengehören. Seit der Saison 2025/26 lebt er im Sportinternat Paderborn und besucht das Reismann-Gymnasium – ein Alltag, der Disziplin und Selbstständigkeit fordert.
Diese Prägung zeigt sich in seinen öffentlichen Äußerungen. Den ersten Regionalliga-Einsatz beschrieb er als „echt cool“, das Training mit den Profis als neue, aber angenehme Erfahrung. Es fehlt das typische Selbstinszenieren mancher Talente; stattdessen wirkt er bescheiden und arbeitsbereit.
Die Nähe zum Vater, der den Weg durch die Nachwuchsleistungszentren kennt, dürfte ihm geholfen haben, Erwartungen einzuordnen und Rückschläge wie das frühe WM-Aus gegen Burkina Faso nicht überzubewerten. Gleichzeitig kann die familiäre Fußballkompetenz ein doppeltes Schwert sein: Der Vergleich und der interne Anspruch sind hoch, doch sie vermitteln auch ein realistisches Bild davon, wie lang der Weg vom Talent zum Bundesliga-Stammspieler ist.
Lasse Eickel 💎
Doğum tarihi: 28 Şub 2008
Boy: 1,87 m
Mevki: Forvet - Santrafor
Güncel kulüp: SC Paderborn 07 U19
Uzun boyuna rağmen sergilediği pres gücü, patlayıcılık ve ilk adım ivmesi dikkat çekici seviyede. Özellikle önde baskı anlarında savunma oyuncularına uyguladığı… https://t.co/oiqkIzmCEq pic.twitter.com/1COS214bfd— Scoutiger (@Scoutiger) February 13, 2026
Potenzialeinschätzung: 7 / 10
Für mich liegt Eickels langfristiges Bundesliga-Potenzial bei einer 7. Das ist kein Superstar-Wert, aber eine ernstzunehmende Bewertung für einen 18-jähriges Eigengewächs bei einem Aufsteiger. Die 7 speist sich aus dem, was schon da ist: Größe, Abschlussruhe, Strafraumgespür und eine Torquote in der Jugend, die zeigt, dass er Chancen nicht nur bekommt, sondern auch verwertet.
Trainer und Verein behandeln ihn nicht als Mitläufer, sondern als möglichen späteren Stürmer Nummer eins. Der feste Profivertrag bis 2031 und die Integration in den Bundesliga-Kader sind dafür das stärkste interne Signal. Körperlich steht er älteren Spielern schon näher als viele Gleichaltrige, und die Mentalität wirkt belastbar: nach dem frühen WM-Aus sofort wieder da, hat er im Trainingslager sofort wieder Vollgas gegeben und verdiente sich den Spitznamen "Maschine" bei den ortsansässigen Medien.
Die Abzüge kommen vom Abstand zur ersten Liga. Noch fehlt das Pflichtspieldebüt bei den Profis, die Regionalliga-Ausbeute blieb überschaubar, und klassische Neuner-Schwächen gegen ausgereifte Innenverteidiger – wie Konstanz über 90 Minuten, Kombinationsspiel auf engem Raum – sind auf Erstliga-Niveau noch nicht geprüft. Eine 8 oder höher wäre erst gerechtfertigt, wenn er in der Bundesliga innerhalb von zwei Jahren regelmäßig trifft und nicht nur Minuten sammelt.
Realistisch bedeutet die 7 - Eickel kann sich beim SCP zum rotierenden, und später festen Erstliga-Stürmer entwickeln. Ein Sprung zum Top-Klub-Stammspieler oder zur A-Nationalmannschaft ist möglich, aber nicht die wahrscheinlichste Prognose - eher die eines soliden Bundesliga-Neuners.
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Vom Bäckerjungen zum FCA | Juma Bah (20) in der Analyse
Juma Bah ist erst 20 Jahre alt und trägt bereits die Nummer 35 beim FC Augsburg. Der Innenverteidiger aus Sierra Leone kam am Deadline Day 2026 auf Leihbasis von Manchester City ins Schwabenland, inklusive einer Kaufoption in Höhe von 21,5 Millionen Euro.
„Nach dem Wechsel von Keven Schlotterbeck war es für uns wichtig, in der Innenverteidigung gezielt Qualität hinzuzugewinnen. Mit Juma haben wir einen talentierten Spieler verpflichtet, der mit seiner Größe, Physis und seinen Anlagen sehr gut zu uns passt. Er bringt bereits in jungen Jahren viel Spielpraxis und wertvolle Erfahrung auf höchstem europäischem Niveau mit. Wir sind überzeugt, dass er beim FCA den nächsten Schritt machen wird, und freuen uns sehr, ihn bei uns zu haben“, sagt FCA-Sportdirektor Benni Weber.
Wer nur auf das Transferdatum schaut, unterschätzt den Weg, den dieser Spieler hinter sich hat. In weniger als zwei Jahren ist er von den staubigen Plätzen Freetowns in La Liga, die Ligue 1 und nun die Bundesliga gesprungen. Genau diese Geschwindigkeit und der Hintergrund, aus dem sie kommt, machen ihn zu einem der interessantesten jungen Abwehrspieler im deutschen Oberhaus, weshalb wir ihn für euch analysiert haben.
Juma #Bah wechselt von Manchester City zum FC Augsburg. Der 20-jährige Innenverteidiger wird für ein Jahr ausgeliehen - inklusive Kaufoption. ✍️
— FC Augsburg (@FCAugsburg) September 1, 2026
🇸🇱 Nationalspieler
📏 1,95 m groß
🔢 Rückennummer 35
👉 Alle Infos zum Transfer: https://t.co/bZ6k3S5J96 pic.twitter.com/PcRgKdCmFW
Vom Bäckerjungen zum Europaprofi
Abdulai Juma Bah wurde am 11. April 2006 in Freetown geboren und wuchs im Viertel "Congo Market" auf. Bevor er Fußballer wurde, war er Helfer in der Familienbäckerei. Um vier Uhr morgens schleppte er Holz für den Ofen seines Vaters Abdul Karim, trug das fertige Brot zu den Läden und half seiner Mutter Umu, die auf der Straße Chicken Balls verkaufte.
„Um vier Uhr morgens habe ich Holz getragen, weil mein Vater früh backt. Ich würde sagen, er hat das beste Brot der Welt“, erzählte Bah später lächelnd.
Parallel spielte er barfuß auf unebenen Straßen gegen ältere und größere Jungs. Ein Scout namens Chernor Musa Jalloh entdeckte ihn bei der Freetown Giant Academy und holte ihn 2021 zu AIK Freetong. Schon als 15-Jähriger landete er per Leihe in der Premier League Sierra Leones bei Freetonians SLIFA, wo er in der Saison 2023/24 sogar Kapitän war.
Im Sommer 2024 wagte Real Valladolid den Sprung. Der Scout Pachu Martínez hatte ihn in Sierra Leone entdeckt und glaubte an ihn. Nach nur einem Spiel für die Reserve debütierte Bah am 21. September 2024 in der La Liga gegen Real Sociedad und wurde damit der erste Sierra-Leoner in Spaniens Eliteklasse. Zwölf Erstligaeinsätze folgten, ehe Manchester City im Januar 2025 zugriff und rund sechs Millionen Euro zahlte.
City lieh ihn sofort an den RC Lens aus (zehn Ligue-1-Spiele), danach folgte eine volle Saison bei OGC Nizza mit 26 Ligaeinsätzen plus Europapokal.
Für die Citizens selbst hat er noch kein Pflichtspiel bestritten. Die Leihe nach Augsburg ist der nächste, logische Entwicklungsschritt. Bah selbst sagte dazu:
„Der FCA ist ein Verein, bei dem sich junge Spieler sehr gut entwickeln können. Es gibt viele aktuelle Beispiele dafür. Deshalb ist dieser Wechsel der richtige nächste Schritt für mich.“
Breaking ⚽️🇸🇱🚨FC Augsburg have completed a substantial deadline-day reshaping of Manuel Baum’s squad, adding Manchester City defender Juma Bah 🇸🇱⚽️‼️ He arrives from Manchester City for the remainder of the 2026/27 campaign with Augsburg holding an option to buy reportedly worth… pic.twitter.com/ZgtJ45vz8u
— Salonedrips🇸🇱 (@salonedrips) September 1, 2026
Spielerprofil - Physis trifft Zweikampfdominanz
Mit 1,95 Metern und einem athletischen, noch nicht voll ausgereiften Körperbau bringt Bah das klassische Profil eines modernen Innenverteidigers mit, der sowohl in einer Viererkette als auch in einer Dreierkette funktionieren kann. Trotz seiner imposanten Physis bringt die City-Leihgabe mit 33,5 km/h eine überdurchschnittliche Pace mit, die mit Spielern wie beispielsweise Antonio Rüdiger mithalten kann.
Seine größten Stärken liegen jedoch im direkten Zweikampf und in der Luft. In Spanien gehörte er zu den jungen Verteidigern mit der höchsten Quote gewonnener Luftduelle (70,5%), und kratzte mit 64,9 Prozent gewonnener Bodenzweikämpfe an der Schwelle zu einer sehr guten Bewertung.
Er blockt Schüsse, räumt konsequent ab und gewinnt Boden- wie Luftduelle durch Timing und Körperlichkeit. WhoScored hob bei ihm Konzentration, Zweikampfstärke und das Blocken von Schüssen hervor. Gegen Marseille lieferte er für Lens einmal zwölf Klärungen und starke Balleroberungen, während er eine bemerkenswerte Ruhe am Ball behielt, selbst wenn zwei Gegner auf ihn zustürmten.
Sierra Leones Nationaltrainer Mohamed Kallon beschrieb ihn so:
„Technisch ist er ein wirklich guter Spieler. Er kann den Ball sichern und schützen und hat eine gute Passreichweite. Er duelliert sich sehr gut, dribbelt in engen Räumen und kann das Spiel aufbauen.“
Genau diese Mischung aus Präsenz und Spielaufbau macht ihn für Augsburg so attraktiv, das nach dem Abgang von Keven Schlotterbeck physische Stabilität in der Zentrale suchte. Sportdirektor Benni Weber formulierte es knapp:
„Mit Juma haben wir einen talentierten Spieler verpflichtet, der mit seiner Größe, Physis und seinen Anlagen sehr gut zu uns passt.“
Die Entwicklungsfelder
Die Schwächen sind typisch für einen 20-Jährigen, der in kurzer Zeit drei Ligen und Kulturen durchlaufen hat. Die Konstanz schwankt noch, besonders wenn der Gegner früh und aggressiv presst. In den ersten Wochen bei Lens wirkte er gelegentlich schwerfällig im Antritt und unsicher in der Spieleröffnung.
Die Passgenauigkeit, vor allem über längere Distanzen und unter Druck, ist gut, aber noch nicht auf dem Niveau, das ein Guardiola-System oder eine sehr ballbesitzorientierte Bundesligamannschaft dauerhaft verlangt, was jedoch im Spielsystem von Trainer Manuel Baum nicht gefordert wird.
Er sammelt gerne gelbe Karten, weil er körperlich sehr zur Sache geht und manchmal eine Sekunde zu spät kommt. Auch die Spielintelligenz auf engem Raum und das Lesen schneller Kombinationen müssen weiter reifen. Das sind keine strukturellen Defizite, sondern Entwicklungsfelder. Seine Lernkurve hat bisher fast immer dafür gesorgt, dass die schwierigen Momente nicht zum dauerhaften Problem wurden.
Herkunft als Charakterschule
Der private Hintergrund erklärt vieles an Bahs Auftreten. Wer mit 14 Jahren um vier Uhr morgens Holz schleppt und danach auf Steinen und Matsch trainiert, entwickelt eine andere Widerstandsfähigkeit als jemand, der von klein auf in einer Nachwuchsakademie lebt. Bah spricht täglich mit seinen Eltern, die lange in bescheidenen Verhältnissen in Freetown lebten.
Später hat er der Familie ein Haus in einem ruhigeren Stadtteil finanziert. Diese Verbindung hält ihn geerdet.
„Wenn ich mit meiner Mutter spreche, erinnere ich mich, woher ich komme“, sagte er.
Die Entscheidung, den Vertrag in Valladolid selbst zu kündigen und die Ausstiegsklausel zu ziehen, weil er sich nicht wertgeschätzt fühlte, zeigt zudem einen ausgeprägten Entwicklungswillen. Er ließ sich nicht einfach verwalten, sondern suchte aktiv den nächsten Schritt. Gleichzeitig wirkt er auf dem Platz oft unbeschwert, fast unbeeindruckt von Kulissen.
Französische Zeitungen nannten das eine „Form von Unbekümmertheit“, die bei einem Teenager vor 40.000 Zuschauern in Lens beeindruckte. Diese Mischung aus Demut, Familiensinn und Durchsetzungsvermögen prägt seine Mentalität: Er kommt nicht als Star, sondern als jemand, der weiß, dass Fußball ihn und seine Familie aus einer anderen Welt geholt hat. Das macht ihn in einem Verein wie Augsburg, der auf Charakter und Gruppenzusammenhalt setzt, potenziell besonders anschlussfähig.
🇸🇱🔥 | 𝐉𝐮𝐦𝐚 𝐁𝐚𝐡 (𝟏𝟖) is a 𝐑𝐄𝐀𝐋 𝐁𝐄𝐀𝐒𝐓.
— Rising Stars XI (@RisingStarXI) April 7, 2025
pic.twitter.com/TceP6IuUmr
Potenzialeinschätzung: 8 / 10
Juma Bahs Potenzial liegt für mich bei einer 8. Die Bewertung ergibt sich daraus, dass er mit 20 Jahren bereits La Liga und Ligue 1 in relevanter Minutenanzahl gespielt hat und dabei genau jene physischen Eigenschaften mitbringt, die in der Bundesliga besonders zählen: Größe, Zweikampfstärke, Luftüberlegenheit und eine robuste Präsenz, die sich gegen direkte Angriffe behaupten kann.
Dazu kommt eine Mentalität, die aus einem harten Alltag entstanden ist und ihn lernfähig und widerstandsfähig macht. Was die Note nicht in den Bereich von 9 oder 10 hebt, ist der Abstand zur absoluten Elite: Das Passspiel unter hohem Druck, die Konstanz über eine volle Saison und das Lesen sehr schneller Kombinationen sind noch nicht auf dem Niveau eines gesetzten Top-Verteidigers.
Wenn er diese Schritte in Augsburg geht, kann aus ihm ein zuverlässiger Bundesliga-Stammspieler werden, der auch für größere Klubs oder eine Rückkehr zu Manchester City interessant bleibt. Scheitert die Feinarbeit, bleibt er ein solider, körperlich beeindruckender Verteidiger mit limitierter Obergrenze. Die 8 steht damit für ein klares Aufstiegsszenario mit realistischem, aber nicht garantiertem Hoch.
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Sascha
@sascha_baharianHingebungsvoller Fachmann in Bezug auf den italienischen Fußball und speziell die Serie A 🇮🇹
Wenn es um die Serie A oder im Allgemeinen den Fußball in Italien geht, ist man bei Sascha goldrichtig. Seit Jahren verfolgt er ganz genau die Entwicklungen der höchsten Spielklasse in Italien und weiß mit qualitativ hochwertigen Analysen zu glänzen. Diese könnt Ihr Euch auch jederzeit in seinem eigenen Podcast anhören. Des Weiteren weiß er auch mit seinem Wissen in Sachen Jugendfußball zu überzeugen und ist daher insgesamt ein sehr wertvoller Teil unseres Teams.
PS: Seit neuestem ist Sascha zudem auch Zertifizierter Scout & Spielanalyst nach IST.







