In unserem neuen Format „Spieler-Check: Wer macht den Unterschied“ stellen wir euch je einen Spieler zweier Mannschaften vor, die am folgenden Wochenende gegeneinander spielen und dabei eine gewichtige Rolle auf einer ähnlichen Position spielen können. Wir schauen auf die Leistungen der letzten Spiele und gehen in die Analyse, welcher Spieler auf seine Mannschaft einen größeren Einfluss hat. Dazu gibt es relevante Statistiken und das ein oder andere Filmmaterial zum Zurücklehnen. Viel Spaß damit!
Die 64. Spielzeit beginnt mit dem Süd-Klassiker FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart. Die letzte Begegnung beider Mannschaften war im Mai das Pokalfinale in Berlin vor über 74.000 Zuschauer. Dort konnte sich der Rekordmeister durch drei Tore von Harry Kane mit 3:0 durchsetzen. Aufgrund der Leistung der vergangenen Saison wurde der Engländer folgerichtig zum Fußballer des Jahres 2026 gewählt.
Die Vorbereitung beider Teams
Die Saisonvorbereitung der Bayern bestand aus fünf Siegen, dem eine Auftaktniederlage gegen Wehen Wiesbaden zu Buche steht. Allerdings stand in diesem Spiel kein Spieler der ersten regulären Elf auf dem Platz. Das erste Pflichtspiel und sogleich der erste Titel der Saison konnte mit einem 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund eingefahren werden. Der Supercup ging somit einmal mehr nach München.
Der VfB aus Stuttgart bestritt ebenfalls sechs Spiele, wobei die Bilanz bei vier Siegen, einem Remis und einer Niederlage endete. Den Erfolgen gegen unterklassige Mannschaften stehen ein Unentschieden gegen Paris FC sowie eine 1:0 Niederlage gegen Fulham gegenüber. Als es wichtig wurde, gewannen die Schwaben allerdings mit 4:0 im DFB-Pokal bei Hansa Rostock und präsentierten sich äußerst dominanz. Neuzugang Dzenan Pejcinovic erzielte einen Dreierpack und Tiago Tomas komplettierte das Ergebnis.
Diese Spieler nehmen wir in den Fokus
Bei der Spielerauswahl haben wir uns für Joshua Kimmich und Angelo Stiller ausgesprochen. Beide bekleiden in einem flexiblen System die 6er-Position und geben gerne den Takt an. Die Spielmacher sind sowohl defensiv als auch offensiv außergewöhnlich aktiv. Sie sind für die Ordnung sowie Geschwindigkeit im Spielaufbau zuständig und entscheiden, ob der Ball tief, zur Seite oder als Verlagerung genutzt wird. Manchmal darf es auch der Torhüter sein, wenn sich keine sinnvolle Anspielstation findet.

Joshua Kimmich vs Angelo Stiller – das sagen die Statisitiken
In der Bundesliga gibt es nur wenige Spieler, die den Ball so konsequent fordern wie Joshua Kimmich. Der Bayern-Mittelfeldspieler will das Spiel jederzeit an sich ziehen und ist im Aufbau praktisch überall zu finden. 82,88 Pässe pro 90 Minuten und 2.608 Pässe insgesamt bei einer Passquote von 91,1 Prozent in der letzten Bundesliga-Saison sprechen eine deutliche Sprache. Dazu kommen 77,21 erhaltene Pässe. Fast jeder Angriff des FC Bayern nimmt irgendwann den Weg über seine Füße.
Kimmich ist damit weit mehr als nur eine Anspielstation. Er gibt den Münchnern Struktur, bestimmt das Tempo und entscheidet, wann ein Angriff beschleunigt oder beruhigt wird. Er fordert den Ball auch dann, wenn der Gegner Druck macht, und übernimmt damit bewusst Verantwortung für den Spielaufbau.
Angelo Stiller ist im Stuttgarter System ebenfalls eine zentrale Figur, geht seine Aufgabe jedoch etwas anders an. Mit 65,8 Pässen pro 90 Minuten, einer Passquote von 90,1 Prozent und 48,3 erhaltenen Pässen kommt er auf ein geringeres Volumen als Kimmich. Das bedeutet allerdings nicht, dass er weniger Einfluss auf das Spiel besitzt.
Vielmehr wirkt Stiller etwas dosierter. Während Kimmich das Spiel beinahe an sich zieht und ständig neue Aktionen einleitet, verteilt Stiller den Ball mit großer Ruhe und wartet häufiger auf den richtigen Moment. Er muss nicht jeden Angriff selbst steuern. Oft reicht ihm ein einziger sauberer Pass, um das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken.
Genau hier liegt ein interessanter Unterschied: Kimmich braucht den Ball, um das Spiel zu kontrollieren. Stiller kontrolliert das Spiel teilweise gerade dadurch, dass er nicht jeden Ballkontakt erzwingt.
Vertikalität und Torgefahr: Kimmich spielt mit Tempo, Stiller mit Gefühl
Auch wenn beide Mittelfeldspieler ihre Mannschaft aus der Tiefe heraus nach vorne bringen, tun sie dies auf unterschiedliche Art und Weise. Kimmich ist der klassische Raumüberwinder. Sobald sich eine Lücke auftut, sucht er den direkten Weg nach vorne. 16,58 Pässe ins letzte Drittel pro 90 Minuten bei einer Erfolgsquote von 85,4 Prozent zeigen, wie häufig er versucht, die gegnerischen Linien direkt zu überspielen. Dazu kommen 4,59 Pässe in den Strafraum.
Der Bayern-Spieler will das Spielfeld also nicht einfach nur verwalten. Er möchte es verkleinern. Mit seinen Pässen bringt er den Ball gezielt in jene Zonen, in denen aus Ballbesitz schließlich Torgefahr entstehen kann. Auch bei der Chancekreation ist Kimmich aus der Tiefe heraus gefährlich. Ein xA-Wert von 0,29 und durchschnittlich 1,67 Torschussvorlagen pro Spiel zeigen, dass seine Aktionen nicht erst im letzten Drittel relevant werden. Er kann einen Angriff bereits aus dem Mittelfeld heraus in eine gefährliche Richtung lenken.
Stiller wirkt dagegen weniger wie ein Spieler, der ständig den großen Raum vor sich sucht. Seine Stärke liegt vielmehr darin, den Ball durch enge Räume zu bringen. Besonders bei Steilpässen zeigt sich seine Präzision. Bei 1,68 Versuchen pro 90 Minuten bringt er 64,1 Prozent dieser Zuspiele an den Mann. Kimmich kommt bei 2,13 Versuchen auf 48,0 Prozent.
Das klingt zunächst nach einem kleinen statistischen Unterschied, ist taktisch aber durchaus interessant. Stiller setzt den Pass durch die Schnittstelle wesentlich gezielter ein. Er wartet auf den Moment, in dem sich die Lücke tatsächlich öffnet, und spielt dann den Ball mit hoher Genauigkeit hinein.
Defensivprofil: Stiller räumt auf, Kimmich antizipiert
Wenn es gegen den Ball geht, werden die Unterschiede zwischen den beiden Mittelfeldspielern noch deutlicher. Angelo Stiller bringt eine bemerkenswerte Robustheit in die Stuttgarter Zentrale. 77,8 Prozent gewonnene Bodenzweikämpfe bei 3,91 Duellen pro 90 Minuten sind ein starker Wert. Noch überraschender wird das Bild bei den Luftzweikämpfen: 68,1 Prozent seiner 2,54 Duelle pro 90 Minuten gewinnt Stiller ebenfalls.
Der 25-Jährige ist damit keineswegs nur der elegante Passspieler, als der er häufig wahrgenommen wird. Er kann auch den Kampf annehmen und seinem Team vor der Abwehr Stabilität geben. Wenn ein Gegner versucht, durch das Zentrum zu kommen, ist Stiller zur Stelle und stellt sich dem Duell.
Kimmich löst diese Aufgaben etwas anders. Seine Defensivwerte sind stark vom Spielstil des FC Bayern geprägt. Mit 3,87 Abfangaktionen und 8,49 Balleroberungen wird deutlich, wie Kimmich auch gegen den Ball mitarbeitet. Knapp 48 Prozent seiner Balleroberungen entstehen dabei sogar in der gegnerischen Hälfte. Das ist auch Ausdruck der hohen und dominanten Spielweise der Bayern.
Im direkten Duell ist er dagegen weniger dominant. 64,4 Prozent gewonnene Bodenzweikämpfe und 42,0 Prozent gewonnene Luftzweikämpfe liegen deutlich unter Stillers Werten. Zudem erobert Stiller seine Bälle sogar prozentual betrachtet noch höher. Über 50 Prozent seiner Balleroberungen befinden sich in des Gegners Hälfte.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Kimmich defensiv der schwächere Spieler ist. Er verteidigt schlicht anders. Seine größte Waffe ist nicht die körperliche Präsenz, sondern die Antizipation. Er erkennt häufig früh, wohin der Ball gespielt werden soll, rückt aggressiv nach und versucht, den Gegner bereits bei der ersten Aktion nach dem Ballverlust unter Druck zu setzen. Stiller dagegen kann eine Situation auch über den direkten Zweikampf lösen. Kimmich versucht sie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die interessantesten statistischen Werte im Überblick.




