Ole Book, "Der Perlentaucher", zieht nun beim BVB die Fäden auf dem Transfermarkt. Der neue Sportdirektor ist bekannt dafür, Talente aufzuspüren, bevor sie auf dem Radar der ganz Großen auftauchen. Nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt in Dortmund brodelt die Gerüchteküche bereits gewaltig. Mittendrin: Ibrahima Ba. Ein 20-jähriger Innenverteidiger aus der portugiesischen Liga. Kickfieber hat das Profil des Senegalesen unter die Lupe genommen. (Bild: IMAGO / Sports Press Photo)
Ba ist ein 1,90 m großer Innenverteidiger, der aktuell für den FC Famalicão aufläuft. Sein Weg nach Europa führte ihn 2023 von AJEL Rufisque aus seiner senegalesischen Heimat zum FC Valenciennes in die zweite französische Liga. Doch erst der Wechsel nach Portugal löste den Knoten: Nach einem Jahr der Akklimatisation ist Ba im Kalenderjahr 2026 zum absoluten Leistungsträger und unangefochtenen Stammspieler gereift.
Dass seine Leistungen Begehrlichkeiten wecken, ist kein Wunder. Der BVB braucht trotz der Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck dringend Verstärkung in der Abwehrzentrale. Niklas Süle wird den Verein verlassen, Emre Can fällt langfristig mit einem Kreuzbandriss aus und das Intermezzo von Leihspieler Aarón Anselmino endete abrupt. Die kolportierte Ablöse für Ba: 25 Millionen Euro. Ist er dieses Investment wert?
Der moderne Quarterback
Ibrahima Ba nur auf seine Fähigkeiten gegen den Ball zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Seine wohl größte Waffe ist die Spieleröffnung. Ba agiert fast wie ein Quarterback: Immer wieder streut er präzise Diagonalbälle oder Pässe hinter die gegnerische Abwehrkette ein.
Zum Vergleich: Nico Schlotterbeck, einer der besten Aufbauspieler Europas, kommt auf 6,59 lange Bälle bei einer Quote von 57,9 %. Ba ist also bereits jetzt auf Tuchfühlung mit der internationalen Klasse.
Sein Repertoire ist vielseitig: Mit 4,87 progressiven Pässen (91. Perzentil) sucht er stets die vertikale Lösung. Beeindruckend für sein Alter ist vor allem die Ruhe, die er selbst unter intensivem Gegnerdruck ausstrahlt. Ba präferiert eindeutig das Passspiel. Er dribbelt nur ungern mit dem Ball am Fuß an. Wenn er doch ins Dribbling geht, hält er den Ball oft zu lange oder verpasst den richtigen Zeitpunkt für das Abspiel.
Ibrahima Ba vs Sporting
— Talking Sporting (@TalkingSporting) April 10, 2026
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Antizipation statt Aggression
Ibrahima Ba hätte die physische Statur, um aggressiv und proaktiv in die Zweikämpfe zu gehen, doch das ist nicht sein Stil. Der Senegalese agiert bedacht und kalkuliert. Er fängt viele Bälle ab und liest das Spiel hervorragend.
- 1,77 abgefangene Bälle pro 90 Minuten siedeln ihn im 91. Perzentil an. Ein weiterer interessanter Wert, der seine Spielintelligenz unterstreicht: Ba provoziert 0,73 Abseitsstellungen pro Spiel (94. Perzentil).
Auch im eigenen Sechzehner zeigt er ein gutes Gespür für gefährliche Situationen: Immer wieder ist er in den richtigen Positionen, um Schüsse abzublocken oder den Ball aus gefährlichen Situationen zu klären.
- 0,92 geblockte Schüsse pro Spiel -> 89. Perzentil; 3,33 geklärte Bälle pro Spiel -> 65. Perzentil
Im aktiven Verteidigen hat Ba jedoch noch Luft nach oben. Er rückt selten ins Mittelfeld vor, um aggressiv nach vorne zu verteidigen. Auch seine Erfolgsquote hat noch Luft nach oben.
- Mit 1,1 Bodenzweikämpfen pro 90 Minuten steht Ba nur im 19. Perzentil und auch seine Zweikampferfolgsquote (61%) muss er noch verbessern (18. Perzentil).
Solche Schwächen können jedoch durch die richtige Struktur und einen passenden Partner maskiert werden. Ein Pendant, das aggressiv attackiert, käme ihm entgegen, damit Ba seine Stärken in der Absicherung gewinnbringend einsetzen kann. Von Nico Schlotterbeck könnte er sich in diesem Bereich zudem viel abschauen.

Ibrahima Ba - Scout Report
Physisches Komplettpaket
Dank seiner Größe von 190 cm ist Ba eine Macht in der Luft. Er ist sich seiner Lufthoheit auch bewusst und geht sehr oft in Kopfballduelle. Seine Erfolgsquote kann er dabei noch verbessern.
- Ba gewinnt pro Partie durchschnittlich 2,68 Kopfballduelle, was einem Perzentil-Rang von 87% entspricht. Starke statistische Werte in der Luft sind oftmals ein gutes Indiz dafür, dass sich junge Spieler körperlich gut entwickeln werden. Viele Profis, die mit enormer physischer Stärke assoziiert werden, zeigen in Luftzweikämpfen gute Statistiken.
Auch in Sachen Schnelligkeit muss sich Ba vor nur wenigen Angreifern verstecken. Darüber hinaus ist er auch wendig und agil genug, um flinke Dribbler effektiv zu verteidigen.
Der BVB als nächster Schritt?
Ibrahima Ba könnte eine hochintelligente Marktchance sein. Für knapp über 20 Millionen Euro erhält man einen extrem entwicklungsfähigen Verteidiger, der später ein Vielfaches dieser Summe einspielen könnte. Es ist das Transfermodell, das den BVB über Jahre so erfolgreich gemacht hat.
Ba sollte allein aufgrund seiner Physis kein Problem haben, sich an die Bundesliga anzupassen. Im Passspiel, im Andribbeln und im aggressiven Verteidigen müssen definitiv noch ein paar Stellschrauben gedreht werden, doch die Anlagen sind da. Man darf allerdings keinen fertigen Stammspieler erwarten. Der Senegalese hat viel Potenzial, kommt jedoch aus einer deutlich schwächeren Liga mit einem weniger intensiven Fußball. Ähnlich wie bei zahlreichen jungen Talenten in der Vergangenheit müsste man ihm eine gewisse Akklimatisierungszeit eingestehen.
Die Konkurrenz um die Unterschrift des 20-Jährigen könnte jedoch groß werden. Sporting Lissabon soll bereits Interesse hinterlegt haben und es dürfte niemanden wundern, wenn sich dort weitere europäische Spitzenklubs einreihen. Für die Schwarz-Gelben gilt es nun, den Transfer möglichst schnell abzuwickeln und wenn möglich die Transfersumme noch etwas zu drücken. Sollte Book es schaffen, nur rund 15 Millionen Euro für den Innenverteidiger zu bezahlen, kann man fast von einem Schnäppchen sprechen.
Bonus: Famalicao hat noch mehr zu bieten
Ibrahima Ba ist nicht der einzig interessante, junge Spieler bei Famalicao. Wenn der BVB mit dem Tabellenfünften der portugiesischen Liga ohnehin verhandelt, sollte über ein weiteres Talent definitiv gesprochen werden: Gustavo Sá.
Der 21-Jährige ist im offensiven Mittelfeld zuhause und kann als klassischer Spielmacher betitelt werden. Der junge Portugiese überzeugt mit einem brillanten Passspiel über jegliche Distanzen. Er kreiert viele Großchancen und sucht immer wieder seine Stürmer mit Steckpässen hinter die Abwehr.
- Sá überragt mit 0,31 kreierten Großchancen pro Spiel (84. Perzentil) und zeigt auch hinsichtlich Steckpässe sehr gute Statistiken (0,27 pro 90 min -> 83. Perzentil). Eine hohe Anzahl an Steckpässen ist bei offensiven Mittelfeldspieler oftmals ein Indiz für sehr kreative Spieler, auch wenn die Erfolgsquote, insbesondere bei jungen Spielern, eventuell noch nicht überzeugt.
Gustavo Sá assist earlier tonight for Famalicão. One of my favourite talents in Portugal. The highest ceiling player outside of the big 3 in Portugal.
— Ben Mattinson (@Ben_Mattinson_) August 19, 2024
Highly intelligent 8/10/SS profile, moves very well for his size.pic.twitter.com/elgRIW93wW
Sá bringt jedoch auch eine körperliche Komponente mit. Der 1,89-Meter große Mittelfeldspieler gewinnt enorm viele Kopfballduelle und arbeitet auch gegen den Ball dank seiner Körperlichkeit gut mit. Eigenschaften, die Kovac bekanntlich schätzt.
- 1,91 gewonnene Kopfballduelle pro 90 Minuten sind ein Top-Wert, genauso wie seine Erfolgsquote von 56,8% (beides im 92. Perzentil).
Sá ist ein sehr kompletter Mittelfeldspieler, der nur wenige eklatante Schwächen aufweist. Er kann Großchancen kreieren und auch selber verwerten. Er findet sich immer wieder in gefährlichen Abschlusssituationen wieder. Aufgrund seiner Physis ist er für Verteidiger nur schwer zu bändigen. Darüber hinaus überzeugt er auch als Dribbler, sowohl in engen als auch in weiten Räumen. Ein einziger Makel bleibt noch: Sá verliert enorm oft den Ball, weil er stets den progressivsten Pass sucht.



