„Vaterfigur“, „zweite Familie“, „Zuhause“. Sir Alex Ferguson und David Beckham waren zu Beginn der Karriere des Freistoßspezialisten unzertrennlich. Ferguson verehrte seinen Schützling, da er ihn für einen außergewöhnlichen Spieler hielt. Doch die Beziehung sollte nicht für immer harmonisch bleiben. Im Februar 2003 kippte die Stimmung, als Ferguson einen Fußballschuh nach Beckham schoss. Die Geschichte. (Bild: IMAGO / Colorsport)
Spieler wie David Beckham verließen früh ihr Zuhause, um für Manchester United zu spielen. "Becks" durchlief diverse Jugendmannschaften der Red Devils und wurde dabei genauestens vom Trainerstab der Profimannschaft beobachtet, allen voran Sir Alex Ferguson. Der Schotte sah sich als Vaterfigur für diese jungen Spieler und nahm es sich als Ziel, insbesondere Talente wie Beckham zu fördern.
David Beckham war Teil der "Class of '92", die Manchester United Mitte der Neunzigerjahre wieder zu altem Glanz verhalf. Neben ihm erlebten auch Gary Neville, Phil Neville, Paul Scholes, Ryan Giggs und Nicky Butt ihren Durchbruch beim englischen Rekordmeister und sollten eine Ära prägen.
Ferguson verehrte die sechs Jungs und sie verehrten ihren Coach. Alles schien harmonisch, doch das sollte nicht so bleiben.
26 years ago today, the Class of '92 started as trainees at Manchester United.
— Football Talk (@FootballTalkHQ) July 8, 2017
The rest is history. 🏆🔴 pic.twitter.com/NqW64ETV6w
Die ersten Risse
Der Fußball veränderte sich Ende der Neunzigerjahre Der (englische) Fußball wurde immer kommerzieller und die Spieler wurden zu Stars. Ein Trainer konnte nicht mehr alles kontrollieren und die Hingabe der Spieler war nicht mehr lediglich dem Fußball gewidmet. David Beckham wurde sukzessive zu einem Rockstar der Fußballwelt, zu einer Persönlichkeit, die für Fergusons Empfinden zu groß für Manchester United wurde.
Beckham liebäugelte in der Saison 2002/03 bereits mit einem Wechsel zu Real Madrid, den Königlichen, dem größten Verein der Welt. Neben dem Platz wurde er aufgrund seiner Beziehung zu Victoria Adams, auch bekannt als "Posh Spice" (Teil der Pop-Girlgroup "Spice Girls"), immer interessanter in der Öffentlichkeit und in den Boulevardzeitungen. Eine Entwicklung, die Alex Ferguson gar nicht gefiel, der mehrfach die Hingabe des Mittelfeldspielers hinterfragt hatte.
"Man konnte sehen, dass dort Spannungen entstanden"
- Ole Gunnar Solskjaer, ehemaliger Manchester United-Stürmer
Der berühmte Vorfall
Manchester United schied im FA Cup gegen Arsenal mit 0:2 aus und Ferguson war erbost. Der langjährige United-Trainer gab Beckham die Schuld an einem der Gegentore, doch das ließ der Engländer nicht auf sich sitzen. Sie fingen an, heftig zu diskutieren, und es gipfelte darin, dass Ferguson einen Fußballschuh, der vor ihm in der Kabine lag, in Richtung Beckham schoss. „Er hat den Schuh absolut im Stil eines Mittelstürmers getroffen“, erzählte der damalige Assistenztrainer Mike Phelan Jahre später. Der Schuh trifft Beckham oberhalb des linken Auges. Das Resultat: eine sichtbar offene Wunde an der Augenbraue des 115-fachen englischen Nationalspielers.
In einer Netflix-Dokumentation viele Jahre später erzählte Beckham von dem Vorfall aus seiner Sicht. Während der Diskussion habe der Flügelspieler seinem Trainer gegenüber „F*** Off!“ gesagt, was er sofort bereute. „Ich hätte das wirklich nicht sagen sollen“, war Beckhams erster Gedanke , sobald die Worte seine Lippen verließen, gab er später zu. Denn das ließ das Fass Fergusons überlaufen. Der Schotte trat gegen den Fußballschuh und kreierte somit einen der kultigsten Bilder der Premier League-Geschichte.
The time Sir Alex Ferguson kicked a football boot at David Beckham’s head… 😂
— Alex Turk (@TurkTalksFC) October 4, 2023
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Beckham war außer sich und die Kabine geriet ins Chaos. Beckham ging auf seinen Trainer los, als er bemerkte, dass er blutete, doch seine Mitspieler hielten ihn zurück. Ferguson konnte sich nicht direkt entschuldigen, um in einer sowieso schon aufgebrachten Kabine als schwach dazustehen. Doch seinen Spieler mit einem Fußballschuh zu treffen, war nicht seine Absicht: „Ich meine, ehrlich gesagt war es ein absoluter Zufallsunfall“, gab der Übungsleiter Jahre später zu. In dem Moment klopfte er Beckham nur kurz ans Knie, sagte „Entschuldigung dafür“ und verließ die Kabine. Doch wie Nicky Butt in einer BBC-Dokumentation erzählte, war es Ferguson anzusehen, dass es ihm leidtut.
Der Anfang vom Ende
Sir Alex Fergusons Ethos bei Manchester United war immer, dass kein Spieler größer ist als der Klub. Zahlreiche große Spieler verließen den Verein während seiner Amtszeit, um diese Regel zu wahren, und so auch David Beckham. Im Sommer 2003, nur wenige Monate nach dem Vorfall, verließ er die Red Devils in Richtung Real Madrid.
Die zwischenzeitlich geschädigte Beziehung zwischen David Beckham und Sir Alex Ferguson ist mittlerweile wieder eine sehr innige. Beide Parteien haben sich vergeben und "Becks" bewahrt den Schuh, der ihn überm Auge traf, inzwischen bei sich zuhause als Andenken auf.








