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Daniel

Warum es bei Woltemade läuft, aber bei Wirtz noch nicht – Die Nationalspieler im Formcheck!

125 Millionen Euro für Florian Wirtz, 75 Millionen Euro für Nick Woltemade. Zwei deutsche Offensivhoffnungen wagten in diesem Sommer den Schritt auf die Insel. Während letzterer voll einschlug und bereits zum Fanliebling im St. James' Park avancierte, jagt Florian Wirtz noch seiner Form aus Bundesliga-Zeiten hinterher. Die aktuellen Umstände der beiden Deutschen könnten kaum unterschiedlicher sein. (Bild: IMAGO / Moritz Müller)

Florian Wirtz ist zurzeit das Gesicht der Krise der Reds. In neun Spielen in der Premier League und der Champions League gelangen ihm weder ein Tor noch eine Vorlage. Er wirkt hilflos, alleingelassen und nicht ausreichend eingebunden in das Spiel der Slot-Elf und saß zuletzt auch immer öfter auf der Bank. Der niederländische Übungsleiter nimmt seinen Schützling aber öffentlich in Schutz: "Ja, er hat noch keine vier Tore erzielt oder zwölf vorbereitet – aber für mich liegt das an der Qualität der Gegner, denen wir gegenübergestanden haben. Er ist Teil der Mannschaft, die im Moment auf Platz eins der Premier League steht", ließ der 47-Jährige im Vorlauf der Champions-League-Partie verlauten. Nichtsdestotrotz bleibt die Form des Offensivspielers eine der vielen Sorgen des FC Liverpools.

Ganz anders sieht es bei Nick Woltemade aus: Der 23-Jährige wechselte erst sehr spät in der Transferphase an die Tyneside, brauchte aber keine Anlaufzeit. Nach kaum 30 Minuten traf er bei seinem Debüt für die Magpies gegen Wolverhampton Wanderers. Zuletzt erzielte er sogar in drei aufeinanderfolgenden Spielen ein Tor, unter anderem auch gegen Meisterschaftsfavorit Arsenal und in der Champions League gegen Union St. Gilloise. Sein Trainer Eddie Howe kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus: "Er hat großes Potenzial. Seine herausragenden Qualitäten sind seine technischen Fähigkeiten und sein Gespür für Tore, was großartig ist. Und natürlich seine Größe und seine Präsenz. Aber es gibt bestimmte Dinge, die wir noch mehr von ihm sehen wollen."

Woltemade zeigt, dass ein Wechsel von der Bundesliga in die Premier League nicht unbedingt mit Anpassungsproblemen einhergeht, aber warum ist der Start der beiden so unterschiedlich verlaufen?

#1 Das Umfeld

Der Blick auf die Tabelle mag diese These nicht bestätigen, doch das Umfeld in Liverpool ist deutlich unruhiger als in Newcastle. Obwohl die Reds im Meisterschaftsrennen sind und das Team von Eddie Howe sich in der unteren Tabellenhälfte befindet.

Wenn man nur nach einer Korrelation und keiner Kausalität sucht, könnte man argumentieren, dass Alexander Isak diese Unruhe mitgebracht hat. Der Schwede war während der gesamten Vorbereitung das Hauptgesprächsthema bei den Magpies. Isak kommunizierte sehr deutlich und auch öffentlich, dass er den Verein verlassen möchte und ausgerechnet zum FC Liverpool wechseln will. Eddie Howe musste sich auf zahlreichen Pressekonferenzen mit dieser Thematik auseinandersetzen und die dadurch entstehende Unruhe war zu Saisonbeginn spürbar. Newcastle gewann keines der drei Auftaktspiele in der Premier League. Der erste Sieg? Am 13. September bei Woltemades Debüt. Seitdem verlor man auch nur noch gegen den FC Barcelona in der Champions League und den FC Arsenal. Tatsächlich ist seit dem Abgang von Alexander Isak und der Verpflichtung von Woltemade Ruhe im St. James' Park eingekehrt und die Formkurve zeigt auch schon wieder nach oben.

Beim FC Liverpool stockt der Motor in dieser Saison und das nicht erst seit den drei Niederlagen zuletzt. Nachdem man den Community Shield verloren hatte, zeigte man sich auch in der Liga nicht von seiner besten Seite. Allerdings gewann man trotzdem – teils auch unverdient – die Spiele. Dieses Spielglück ist ihnen abhandengekommen, auch seitdem Alexander Isak regelmäßig in der Startelf steht. Das ist natürlich nicht alleine am Schweden festzumachen, da er nicht ohne Grund für 145 Millionen Euro den Verein wechselte. Allerdings stimmt seit dessen Verpflichtung die Balance in der Mannschaft nicht. Arne Slot hat noch keinen Weg gefunden, neben seinen neuen Starstürmern Alexander Isak und Hugo Ekitike auch Florian Wirtz in seine Taktik mit einzubeziehen. Der Niederländer hat zurzeit verschiedene Feuer zu löschen, sodass der Fokus auf den Ergebnissen liegt und nicht darauf, Neuzugänge optimal zu integrieren.

#2 Die Physis

Die englische Beletage ist für ihre Härte und Intensität bekannt. Die Anpassung aus anderen Ligen kann sich daher durchaus schwierig gestalten. Woltemade bekam bereits bei seinem Debüt die harte Gangart der Liga zu spüren: "Es war ziemlich hart, ich hatte Krämpfe", gab er nach dem Spiel zu.

Doch genau dort liegt der Unterschied zwischen den beiden. Die Liga verlangt einem physisch sehr viel ab, doch auch technisch starke Spieler können auf der Insel glänzen. Das haben David Silva, Philippe Coutinho oder auch Juan Mata in der Vergangenheit gezeigt. Allerdings verlassen sie sich auf ihre technischen und mentalen Fähigkeiten, um in Spielen einen Unterschied zu machen. Diese sind aber im Fall von Florian Wirtz schwierig ins Spiel einzubinden, weil er in einer neuen Mannschaft spielt, in der ihm die taktischen Abläufe oder die Laufwege seiner Mitspieler einfach noch nicht so bewusst sein können. Wenn diese Aspekte schließlich wegfallen und einen Adaptionsprozess mit sich bringen, ist Wirtz nicht in der Lage, mit seiner Physis dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Nick Woltemade hat neben seinen außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten auch eine Physis, die ihm hilft, vor allem in der Premier League Einfluss zu nehmen, auch wenn die anderen Aspekte seines Spiels nicht funktionieren. Er kann zahlreiche Fehlpässe spielen, doch aufgrund seiner Größe aus dem Nichts ein Kopfballtor erzielen und so den (medialen) Druck auf seinen Schultern lösen. Diese Möglichkeit hat Florian Wirtz nicht. Er besitzt weder die Schnelligkeit noch die Stärke, um in der Premier League herauszustechen.

#3 Die Position

Nick Woltemade hatte bei seinem Debüt das "Glück", dass er nach nicht einmal einer halben Stunde eine brillante Flanke von Jacob Murphy serviert bekam. Seine Bewegung im Strafraum und auch der anschließende Kopfball waren ebenfalls gut, aber er bekam auch den entsprechenden Ball, um früh in seiner Newcastle-Karriere ein Tor zu erzielen.

Florian Wirtz ist als Spielmacher von seinen Teamkollegen abhängig, dass sie die Chancen, die er kreiert, auch nutzen. Allein in den letzten beiden Spielen gegen Galatasaray und Chelsea konnte er drei Großchancen für seine Teamkollegen kreieren, die allesamt nicht in Toren mündeten. Insbesondere seine Fast-Vorlage auf Salah gegen den FC Chelsea hätte einen Scorerpunkt für den Deutschen verdient gehabt.

Wann sehen wir den alten Florian Wirtz wieder?

Florian Wirtz ist bei Weitem nicht auf seinem Leistungsniveau, das wir aus der Bundesliga kennen, angekommen. Allerdings ist er bei Liverpool nicht der einzige. Alle Neuzugänge – mit Ausnahme von Hugo Ekitike – befinden sich zurzeit noch nicht in Form. Das Problem ist also viel größer als nur Florian Wirtz, der bisher sich deutlich besser präsentiert, als null Scorerpunkte in neun Spielen vermuten lassen würden. Wenn Arne Slot aber kein System findet, um seinen neuen Spielmacher besser in Szene zu setzen, wird der teuerste Deutsche aller Zeiten schnell zu einem sehr teuren Problem für die Reds.

Nick Woltemade hingegen ist bereits vollends in Newcastle angekommen und hat dabei auch schon die Fans verzückt. Der 1,99 Meter große Mittelstürmer überzeugt neben seinen Toren auch mit seiner Technik und seinem Arbeitseinsatz. Insbesondere Letzterer kommt bei den englischen Anhängern immer gut an.

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Daniel

Liverpools 17-jähriges Wunderkind | Rio Ngumoha im Porträt

Die meisten Jugendspieler feiern den ersten Profivertrag als Startschuss ihrer Karriere. Bei Rio Ngumoha lief es anders: Bevor er unterschrieb, hatte er schon Geschichte geschrieben - als 16-Jähriger, der nur vier Minuten nach seiner Einwechslung in der Premier League traf. (Bild: IMAGO / Shutterstock)

Liverpool legte im Sommer rund 500 Millionen Euro für neue Stars auf den Tisch, unter anderem für Alexander Isak, Florian Wirtz und Hugo Ekitike. Für den 16-jährigen Rio Ngumoha schien die Konkurrenz damit gigantisch. Doch der Youngster ließ sich davon nicht beirren: In den wenigen Einsatzminuten unter Arne Slot nutzte er sofort seine Chance. Gegen Newcastle erzielte er das entscheidende Tor, gegen Burnley war er maßgeblich am späten Sieg beteiligt.

Gerade weil Florian Wirtz noch Anlaufschwierigkeiten hat, verleiht Ngumohas Leichtigkeit dem Angriff spürbare Frische.

Ngumohas Weg nach Liverpool

Rio Chima Ngumoha wurde am 29. August 2008 in Newham im Osten Londons geboren. Mit acht Jahren schloss er sich der Jugend des FC Chelsea an und durchlief dort nahezu alle Nachwuchsteams. Früh galt er als Ausnahmetalent: Für Englands U-Mannschaften stand er regelmäßig auf dem Platz, mit 15 Jahren spielte er bereits in Chelseas U21.

Doch für die Blues nahm die Geschichte kein gutes Ende. Trotz intensiver Bemühungen, selbst Klublegende John Terry pries ihn schon früh als „top, top player“, entschied sich Ngumoha im Sommer 2024 für den Schritt nach Liverpool. Der Hauptgrund: die Durchlässigkeit von Talenten in die erste Mannschaft. Beispiele wie Trent Alexander-Arnold, Curtis Jones oder Conor Bradley überzeugten ihn. Beim FC Chelsea schafften seit der Übernahme von Todd Boehly & Co. nur noch wenige Jugendspieler den Sprung in die erste Mannschaft. Stattdessen verkaufte man häufig talentierte Spieler aus der eigenen Akademie, um Profit mit ihnen zu erzielen. Mason Mount, Conor Gallagher, Ian Maatsen und Lewis Hall verließen allesamt den Verein, obwohl sie sportlich wertvoll gewesen wären.

Ngumohas Aufstieg bei den Reds

Rio Ngumoha begann seine Laufbahn in Liverpool zunächst bei der U18 - ein Schritt, der sein Potenzial unterschätzte. Innerhalb eines Jahres spielte er sich jedoch bis in die erste Mannschaft vor und gehört inzwischen fest zum Profikader. Trainer Arne Slot förderte ihn früh, weil er überzeugt war, dass das Training im Umfeld von Führungsspielern wie Virgil van Dijk oder Mohamed Salah seine Entwicklung beschleunigen würde.

Im Dezember 2024 folgte die erste Nominierung für den Carabao Cup gegen den FC Southampton, auch wenn er noch nicht zum Einsatz kam. Sein Debüt ließ dennoch nicht lange auf sich warten: In der dritten Runde des FA Cups gegen Accrington Stanley stand der 16-Jährige direkt in der Startelf und wurde zum jüngsten Pflichtspielspieler in der Vereinsgeschichte. Seit Jahresbeginn trainiert Ngumoha regelmäßig mit den Profis, sammelt parallel aber weiterhin Spielpraxis in der U21.

"Der Junge ist unglaublich"

Schon vor den Testspielen im Sommer hatte Rio Ngumoha die Verantwortlichen und Mitspieler in Liverpool beeindruckt. Auf der Asien-Tour gegen Yokohama F. Marinos und Athletic Bilbao stellte der Flügelspieler seine Abschlussstärke eindrucksvoll unter Beweis. Ben Doak, der im Sommer zu Bournemouth wechselte, adelte ihn damals mit den Worten: "Dieser Junge ist unglaublich. Er wird eine tolle Karriere vor sich haben." Bislang behält er damit recht.

Trainer Arne Slot äußerte sich zurückhaltender - auch, um die Erwartungen an den Teenager zu bremsen. „Rio zeigt in jedem Vorbereitungsspiel eine gute Leistung“, sagte er nach dem Duell mit Yokohama. Dann schob er allerdings nach: „Es gab eine Situation, in der er querlegen musste. Da sieht man: Er hat noch einiges zu lernen.“

"Wenn du aber mit 16 ein Spiel in dieser Art und Weise beeinflussen kannst, ist das auf jeden Fall ein Kompliment"
- Arne Slot

Tempo, Technik, Tore

Ngumoha zeigt sich bislang völlig unbeeindruckt von der Premier League. Immer wieder sucht er das Eins-gegen-eins und ist dank seines niedrigen Körperschwerpunkts selbst für routinierte Verteidiger schwer zu stoppen. Auf den ersten Metern bringt er enormes Tempo mit, das er mit enger Ballführung und präzisen Richtungswechseln kombiniert. Dazu kommt ein auffallend reifer Offensiv-Output: Der 16-Jährige verfügt über eine ausgeprägte Abschlussstärke aus kurzer wie aus weiterer Distanz. Er kann sowohl mit rechts als auch mit seinem schwächeren linken Fuß treffen.

Englands nächster Flügelspieler?

Mit gerade einmal 17 Jahren übernimmt Rio Ngumoha bereits Verantwortung und entscheidet Spiele. Wenn Liverpool ihn weiterhin behutsam entwickelt, kann er sich Schritt für Schritt zu einem herausragenden Flügelspieler formen, der das Potenzial hat, auch langfristig international zur Elite zu gehören. Auch die englische Nationalmannschaft dürfte in Zukunft von seinen Qualitäten profitieren.

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Daniel

Von Europa in den Abstiegskampf: Aston Villa im freien Fall

Fünf Spiele, ein Tor, fünf Gegentore, drei Punkte und der 18. Tabellenplatz. Das ist die grausame Bilanz der Villains in der noch jungen Premier-League-Saison. Vor wenigen Monaten führte Unai Emery sein Team noch ins europäische Geschäft, doch nun der freie Fall. Aston Villa steckt in einer Krise und das aus einer Vielzahl an Gründen. (Bild: IMAGO / Pro Sports Images)

Ein 0:0-Unentschieden zum Auftakt gegen Newcastle stimmte die Anhänger im Villa Park noch durchaus positiv, doch diese Zuversicht verflog spätestens nach den zwei darauffolgenden Niederlagen gegen Brentford und Crystal Palace. Nach einem weiteren 0:0-Remis gegen Everton dauerte es bis zur 67. Minute des 5. Spieltags, ehe Aston Villa - in Person von Rechtsverteidiger Matty Cash - das erstes Tor dieser Premier-League-Saison erzielte. Gegen ein dezimiertes Sunderland kam man jedoch nicht über ein 1:1 hinaus. Zusammen mit Tabellenschlusslicht Wolverhampton Wanderers bleibt Villa damit eine der wenigen Mannschaften ohne Dreier.

Vor weniger als sechs Monaten empfing man im Villa Park den Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und besiegte ihn sogar mit 3:2. Für den Einzug ins Halbfinale reichte es aufgrund der 3:1-Hinspielniederlage zwar nicht, doch Aston Villa bewies sich auf Europas größter Bühne und zeigte eindrucksvoll, dass mit ihm zu rechnen ist.

Das Aston Villa von heute ist allerdings nur noch ein Schatten seiner selbst und mit dem Team, das PSG bis an seine Grenzen brachte, kaum noch vergleichbar.

Problem 1: Die Offensive

Erst ein geschossenes Tor in dieser Saison deutet auf eine äußerst unfruchtbare Offensive hin - vor allem, wenn man bedenkt, dass dieses Tor von einem Rechtsverteidiger erzielt wurde. Ollie Watkins & Co. kommen einfach noch nicht in Fahrt, und das entpuppt sich als großes Problem für die Villains. Mit nur fünf Gegentoren stellen sie immerhin eine solide Defensive.

Ein Blick auf die xG-Statistik (erwartete Tore) zeigt, dass Aston Villa sich schlichtweg nicht genug Chancen herausspielt. Das Team kreierte in den ersten fünf Saisonspielen gerade einmal 3,9 xG, was der schwächste Wert der Liga ist. Hinzu kommt, dass die Villains ihre wenigen Chancen auch nicht nutzen: Der Statistik nach hätten sie eigentlich schon vier Tore erzielen sollen.

Der Ausfall von Tielemans schmerzt in dieser Hinsicht gewaltig. Der Belgier ist für den Großteil der Kreativität im Spiel der Villains zuständig; in der vergangenen Saison steuerte er sieben Vorlagen bei. Auch die erst sehr späten Verpflichtungen der kreativen Offensivspieler Jadon Sancho und Harvey Elliott haben zur Folge, dass sie bislang noch keinen großen Einfluss auf das Spiel von Aston Villa nehmen konnten.

Die schwache Form von Torjäger Ollie Watkins ist ebenfalls ein Grund zur Sorge. Der Engländer steht trotz acht abgegebener Schüsse und einem xG-Wert von über eins noch immer bei null Saisontoren.

Problem 2: Eine unruhige Transferphase

Aston Villa ging bereits mit einer Hypothek in den Sommer: Durch die Squad Cost Rules der UEFA (SCR) musste das Verhältnis von Lohnkosten zu Umsatz des Vereins auf maximal 70 Prozent gesenkt werden - nach zuletzt über 80 Prozent. Gleichzeitig begrenzt die Football Earnings Rule (FER) kumulierte Verluste auf 60 Millionen Euro. Laut The Athletic liegt Villa immer noch oberhalb des Limits und riskiert in dieser Saison erneut eine Strafe. Diese Zwänge haben die Transferaktivitäten stark beeinflusst und das Fenster von vornherein erschwert.

Die finanziellen Restriktionen führten dazu, dass zahlreiche Wunschspieler nicht verpflichtet werden konnten und improvisiert werden musste. Symbolisch dafür stand das Martinez-Drama: Der Torhüter wartete am Deadline Day stundenlang im Trainingszentrum, um einen Wechsel zu Manchester United zu erzwingen, allerdings vergeblich. Aston Villa hatte zu Beginn des Transferfensters schon Gespräche mit Mark Flekken als Ersatz geführt, verlor aber die Zeit und musste zusehen, wie der Keeper zu Bayer Leverkusen ging.

Am Ende blieb der große Umbruch aus. Jacob Ramsey war der einzige prominente Abgang, doch sein Verkauf wurde intern als „notwendig“ bezeichnet, um verschiedene Regularien einzuhalten, und drückte die Stimmung. Auf dem Platz wirkte das Team in den ersten Spielen passiv, die Startelf bestand zu großen Teilen noch aus Spielern vor Emerys Amtszeit. Es fehlten hochwertige Neuzugänge. Trotz 28 Verpflichtungen seit 2023 hat Villa derzeit einen alternden Kader. Es wurde viel Geld ausgegeben, aber es gibt nur wenig greifbaren Fortschritt.

Problem 3: Interne Unruhen

Das einst viel gepriesene Duo aus Trainer Unai Emery und Sportdirektor Monchi erlebte in diesem Sommer erstmals Turbulenzen. Die prekäre finanzielle Situation des Vereins und das teils versäumte Transferfenster ließen erstmals Zweifel an der Arbeit der beiden aufkommen. Insbesondere der Sportdirektor Monchi geriet zunehmend in die Schusslinie.

Die Gerüchte, dass der Spanier seinen Posten räumen würde, kursierten daher bereits seit Ende des Transferfensters. Inzwischen ist es offiziell - intern überrascht diese Entscheidung wohl kaum jemanden.

Der Nachfolger kommt ebenfalls aus Spanien und heißt Roberto Olabe. Der 57-Jährige war sieben Jahre lang bei Real Sociedad tätig und unter anderem verantwortlich für die Transfers von Alexander Isak, Martin Ödegaard, Mikel Merino oder Martin Zubimendi. Er soll die Villains nun mit seinem Scharfsinn im Scouting und auf dem Transfermarkt wieder auf die richtige Bahn lenken.

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Daniel

Der nächste 100-Millionen-Mann? Antoine Semenyo ist in Topform!

Balleroberung tief in der eigenen Hälfte. Antoine Semenyo erkennt die Konterchance gegen sehr weit vorgerückte Reds. Er läuft und läuft und läuft. Wataru Endo kann nicht mithalten, Curtis Jones kann nicht mithalten und auch Milos Kerkez fällt zurück. Am gegnerischen Sechzehner angekommen steht er vor Ibrahima Konate und Virgil Van Dijk - der wohl furchteinflößendsten Innenverteidigung Europas. Was nun? Semenyo bleibt cool. Ein kleiner Haken auf seinen schwächeren linken Fuß und platziert ihn mit aller Ruhe in die rechte untere Ecke an Alisson vorbei. Der Jubel: Ein Knierutscher im Anfield vor den mitgereisten Bournemouth-Fans. Seine Teamkollegen fassungslos, die Zuschauer in Ekstase. Bournemouth jubelt und Antoine Semenyo ist mal wieder der Freudenbringer. (Bild: IMAGO / IPS)

Der Ghanaer erlebte bereits in der vergangenen Saison seinen Durchbruch, als er wettbewerbsübergreifend 19 Scorerpunkte beisteuerte, doch in diesem Jahr scheint er noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht zu haben. In drei Premier-League-Spielen kann er bereits einen Doppelpack an der Anfield Road sowie eine Vorlage beim 1:0-Sieg gegen die Wolves verbuchen.

Seine Wichtigkeit für die Cherries ist nicht zu unterschätzen: Er ist der Fixpunkt der Offensive. Kein Wunder also, dass Bournemouth seinen Leistungsträger im Sommer langfristig an den Verein binden wollte. Sein neues Arbeitspapier läuft bis zum Sommer 2030 und soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von 65 Millionen Pfund enthalten, die es ihm erlaubt, bei einem passenden Angebot im nächsten Jahr den Verein zu verlassen. Im vergangenen Sommer waren sowohl Manchester United als auch Arsenal am Flügelspieler interessiert.

Ein unkonventioneller Weg in die Premier League

Antoine Semenyos Weg an die Spitze war durchaus unkonventionell. Geboren am 7. Januar 2000 in Chelsea (London), war seine Jugendzeit von diversen Rückschlägen geprägt. Bereits in jungen Jahren wurde er von den Jugendakademien des FC Arsenal, Tottenham Hotspur, Millwall und später Crystal Palace abgelehnt, sodass er mit 15 Jahren eigentlich die Schuhe schon an den Nagel hängen wollte. Insbesondere die letzte Absage von den Eagles traf ihn schwer.

Er spielte ein Jahr lang gar keinen Fußball, und erst der ehemalige Leeds-Trainer Dave Hockaday überzeugte ihn, sich wieder dem Fußball zu widmen, nachdem er Semenyo bei einem Probetraining gesehen hatte. Anschließend schloss er sich dem College-Programm von Hockaday in Swindon an. In Freundschaftsspielen gegen Akademieteams traf Semenyo regelmäßig, sodass viele Vereine plötzlich auf ihn aufmerksam wurden. Bristol City bekam den Zuschlag und verpflichtete ihn nach einem zweiwöchigen Probetraining. Hockaday war dabei sein ständiger Begleiter, fuhr ihn zwischen Swindon und Bristol und unterstützte ihn in allen Aspekten seiner jungen Fußballkarriere.

Von dort aus machte Semenyo seine ersten Schritte im Männerfußball: Mit 18 ging er auf Leihbasis zu Bath City in die sechste Liga, lernte dort die körperliche Seite des Spiels kennen und sammelte erste Erfolgserlebnisse. Weitere Leihen führten ihn zu Newport County, wo ihn Trainer Michael Flynn vom Stürmer zum Flügelspieler umschulte, und später zu Sunderland, bevor er sich bei Bristol City unter Nigel Pearson endgültig durchsetzte. Dort erzielte er in einer Saison acht Tore und gab zwölf Assists, wurde für Ghanas WM-Kader 2022 nominiert und wechselte im Januar 2023 zu Bournemouth. Dort ist er mittlerweile unter Andoni Iraola zum Stammspieler gereift.

"I just want to prove I am good enough to be where I'm at, that's just my mindset from when I was young"

Was macht ihn so stark?

Der Ghanaer überzeugt auf den ersten Blick mit seiner Physis. Der 1,83 m große Flügelspieler ist aufgrund seiner Stärke kaum vom Ball zu trennen. Dazu ist er sehr explosiv auf den ersten Metern und bringt eine Wucht mit, die für die meisten Verteidiger kaum zu verteidigen ist.

Allerdings sollte dies nicht von seiner herausragenden Technik ablenken. Semenyo ist einer der wenigen Spieler, die man wirklich als beidfüßig bezeichnen kann. Gegen Liverpool schoss er beide Tore mit seinem vermeintlich schwächeren linken Fuß. Diese Stärke verdankt er seinem Vater, der ihn in dieser Hinsicht bereits früh förderte.

"My dad used to get me kicking anything with both feet, whether it was paper, a can, anything. At the age of six I was able to kick with both feet. Now it feels like second nature."

Im Dribbling ist er ebenfalls sehr effektiv. Neben seiner Beidfüßigkeit und Explosivität besitzt er auch die nötige Technik und den nötigen Flair, um an Verteidigern vorbeizukommen. Seine Physis erlaubt es ihm vor allem in Kontersituationen, sehr effektiv zu sein und große Räume zu dominieren.

Bournemouths Trainer Andoni Iraola lässt einen sehr intensiven Fußball spielen, der insbesondere gegen den Ball viel Disziplin und Laufarbeit von seinen Spielern abverlangt. Antoine Semenyo ist dem auf jeden Fall gewachsen: Er sticht mit seiner Arbeitseinstellung hervor und gewinnt dank seiner Physis auch viele Zweikämpfe. Der Flügelspieler selbst betont, dass diese Arbeit in der Defensive der Grund ist, weshalb sein Trainer ihm die Freiheiten mit dem Ball zugesteht.

"I feel like that's the reason why I'm getting so much freedom, because I'm doing the defensive job that I need to. So then we get the ball, I've got all the space in the world for attacking. So, yeah, he's giving me that license of freedom."

Folgt bald der nächste Karriereschritt?

Trotz des erst im Sommer unterzeichneten neuen Vertrags ist davon auszugehen, dass Semenyo den Cherries nicht mehr allzu lange erhalten bleibt. Ein Spieler seiner Qualität kann auch bei den besten Vereinen des Landes eine Rolle spielen. Der 25-Jährige zeigte in den vergangenen Jahren eine konstant positive Entwicklung, die sich auch zu Beginn dieser Saison wieder bestätigt.

Laut Transfermarkt hat der Ghanaer einen Marktwert von 40 Millionen Euro. Allerdings dürfte eine mögliche Ablösesumme deutlich höher ausfallen, wenn man ihn mit anderen Transfers in der Premier League vergleicht. Bournemouth ist zudem dafür bekannt, Spieler teuer zu verkaufen - das zeigen etwa die Transfers von Dean Hujsen, Illia Zabarnyi oder Milos Kerkez.

Unabhängig von einem möglichen Abgang im kommenden Sommer dürfen sich die Cherries über einen Spieler in Topform freuen, der auch in dieser Spielzeit einen erheblichen Anteil am Erfolg der Iraola-Elf haben wird.

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Daniel

Wie schlagen sich die Premier-League-Aufsteiger?

Sich als Aufsteiger in der Premier League zu etablieren, ist so schwierig wie nie zuvor. In den vergangenen beiden Saisons mussten alle sechs Neuankömmlinge den direkten Gang in die Championship antreten. In diesem Jahr stellen sich Leeds United, Burnley und Sunderland der Herausforderung. (Bild: IMAGO / Sportsphoto)

Die Schere zwischen der Premier League und der Championship wird Jahr für Jahr größer. Jede Saison mit Erstligaeinnahmen vergrößert dabei den Vorsprung auf die Zweitligaklubs. Die restlichen 17 Vereine gehören nun seit mindestens drei Jahren zum Kern der Beletage und auch die Teams aus der unteren Tabellenhälfte sind für die Aufsteiger finanziell kaum aufzuholen.

Auch dieses Jahr haben Leeds und Sunderland jeweils über 100 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Summen, die notwendig sind, um in der Premier League zu bestehen. Denn ein Kader, der für den Aufstieg aus der Championship ausreicht, kann nicht mehr in der ersten Liga mithalten. Dieser Zwang, viel Geld in Neuzugänge zu stecken, um die Qualitätsunterschiede aufzuholen, zerbricht die Aufstiegsmannschaft und somit auch das Mannschaftsgefüge. Dort die richtige Balance zu finden, fällt vielen Aufsteigern enorm schwer.

Burnley

Die Clarets sind wie auch schon vor zwei Jahren unter Vincent Kompany nach nur einem Jahr in der Championship direkt wieder aufgestiegen. Allerdings ist man auch diesmal nicht unbedingt besser für die unruhigen Gewässer in der Premier League gewappnet.

Mit Scott Parker steht ein Trainer an der Seitenlinie, der bereits mit Fulham und Bournemouth nach einem geglückten Aufstieg in der Premier League scheiterte. Er ist gerade einmal 44 Jahre alt, was für einen Fußballtrainer noch relativ jung ist, und hat in den letzten Jahren weiter Erfahrungen sammeln können. Nichtsdestotrotz spricht seine Bilanz gegen ihn. In der vergangenen Saison überzeugte Burnley vor allem mit ihrer brillanten Defensive. Dort haben sie aber nun ein elementares Puzzlestück in James Trafford verloren, der zu Manchester City zurückkehrte. Gegen bessere Gegner ist eine ähnliche Defensivstärke auch nicht zu erwarten.

Es fehlt den Clarets im Kader auch an Qualität, um in der Premier League zu bestehen. Mit Maxime Esteve und Marcus Edwards hatte man bereits zwei Unterschiedsspieler im Kader. Allerdings hat man auf dem Transfermarkt nicht ausreichend nachgelegt. Lesley Ugochukwu kam von Chelsea und bringt definitiv das nötige Niveau mit, und auch Kyle Walker wird trotz seines hohen Alters eine gute Rolle im Abstiegskampf spielen können. Mit Armando Broja geht man ein hohes Risiko ein. Der Albaner sucht seit Jahren seine Form und könnte sich, trotz seines Potenzials, als Fehleinkauf erweisen. Es fehlt dem Team von Scott Parker an allen Enden an Qualität. Ein schwieriges Jahr steht bevor.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 95%

Sunderland

Die Black Cats sind sicherlich der spannendste Aufsteiger dieses Jahr. Nach vielen grauen Jahren, die zwischenzeitlich in der dritten Liga ihren Tiefpunkt fanden, ist man nun zurück im englischen Obergeschoss. Seit Jahren setzt man dabei auf junge Spieler, die sich gemeinsam mit dem Verein weiterentwickeln. Eine Strategie, die sich ausgezahlt hat. Man hat zahlreiche spannende Spieler im Kader wie Chris Rigg, Daniel Ballard, Trai Hume oder Eliezer Mayenda.

Dieses Potenzial hat man mit weiteren jungen Spielern erweitert. Habib Diarra (21) und Noah Sadiki (20) überzeugten bereits am ersten Spieltag beim 3:0-Auftaktsieg. Chemsdine Talbi (20) und Simon Adingra (23) bringen außerdem Schwung in die Offensive. Man hat dabei die Erfahrung nicht vernachlässigt. Granit Xhaka (32) kam von Bayer Leverkusen und wurde prompt zum Kapitän ernannt. Reinildo (31) wurde von Atlético Madrid verpflichtet und Arthur Masuaku (31) bringt ebenfalls Premier-League-Erfahrung mit.

Mit Régis Le Bris steht außerdem ein sehr kompetenter Trainer an der Seitenlinie, der bereits in der Ligue 1 beim FC Lorient seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte. Man hat außerdem mittlerweile Eigentümer, die den Verein sowohl finanziell als auch in anderen Hinsichten stark unterstützen, sodass in Sunderland zurzeit eine sehr positive Stimmung herrscht. Die Euphorie, endlich nach zahlreichen Jahren in der Bedeutungslosigkeit wieder im Main-Event des englischen Fußballs angekommen zu sein, könnte vor allem bei Heimspielen ein entscheidender Faktor sein.

Trotz des Potenzials der Mannschaft und des Vereins wird das keine einfache Saison. Der Kader ist sehr jung und bis auf wenige Ausnahmen befindet sich kein Spieler auf seinem Zenit. Die meisten sind noch davor oder schon drüber. Die Premier League ist unbarmherzig und gewährt jungen Spielern nicht immer die Zeit, sich in Ruhe zu entwickeln. Vor allem in engen, nervenzehrenden Spielen könnte die junge Mannschaft unter Druck geraten. Die Konkurrenz im Abstiegskampf ist ebenfalls stark.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 45%

Leeds United

Das Team von Daniel Farke geht als Zweitligameister in diese Saison. Sie haben einen sehr ausbalancierten Kader, den sie gezielt verstärkt haben. Die bereits gute Defensive um Ampadu, Rodon und Strujk wurde mit Jaka Bijol weiter verstärkt. Der Slowene bringt die nötige Physis mit, die man als Aufsteiger in der Innenverteidigung braucht. Mit Anton Stach von der TSG Hoffenheim und Sean Longstaff verpflichtete man zwei sehr physisch starke zentrale Mittelfeldspieler, die das Mittelfeld um Ao Tanaka komplettieren.

Es fehlen allerdings noch Unterschiedsspieler in der Offensive. Daniel James und Wilfried Gnonto sind gute Alternativen. Zudem verpflichtete man Noah Okafor, der aber wie auch Dominic Calvert-Lewin und Lukas Nmecha, die man ebenfalls für den Angriff verpflichtete, eine lange Verletzungshistorie hat.

Daniel Farke wird sich nach zwei Premier-League-Abstiegen mit Norwich City ebenfalls nochmal beweisen müssen. Der Deutsche überzeugt aber seit seiner Ankunft bei Leeds.

Der starke Kern der Mannschaft, rund um die Innenverteidigung und das zentrale Mittelfeld, lässt den Klassenerhalt realistisch erscheinen. Wenn in den letzten Wochen des Transferfensters noch weitere Alternativen für die Offensive verpflichtet werden, darf Leeds sich Hoffnungen auf ein zweites Jahr in der Premier League machen.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 30%

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Daniel

Everton im Aufschwung - Das Überraschungsteam dieser Premier-League-Saison?

Nach vielen grauen Jahren in der unteren Tabellenhälfte breitet sich nun im blauen Teil Liverpools Optimismus aus. Der FC Everton, wiedererstarkt seit der Rückkehr von David Moyes, hofft in seiner ersten Saison im neuen Stadion, endlich dem Abstiegskampf zu entkommen und auf die obere Tabellenhälfte zu schielen. Werden die Toffees das Überraschungsteam der Liga? (Bild: IMAGO / Pro Sports Images)

David Moyes kennt die Underdog-Rolle in der Premier League nur zu gut und weiß auch, wie man die Großen ärgert. Mit West Ham United galt er in der Saison 2020/21 als Abstiegskandidat und führte die Hammers auf Platz sechs. In der folgenden Saison bestätigte er die Form und qualifizierte sich dank eines siebten Rangs erneut für Europa. Beim FC Everton träumt man natürlich von ähnlichen Erfolgen.

Es ist zudem die erste Saison im neuen Hill-Dickinson-Stadium. Die neue Heimstätte bietet Platz für 52.888 Zuschauer und ersetzt den legendären Goodison Park, der über 130 Jahre die Spiele des FC Evertons beherbergte und als Herzstück des Vereins galt. Das neue Stadion liegt direkt am Hafen der Stadt und läutet eine neue Ära des Vereins ein. Die Weichen für eine besondere Saison sind gestellt.

Formaufschwung unter David Moyes

Inmitten von Abstiegssorgen entschied man sich letztes Jahr, Sean Dyche zu entlassen und David Moyes zurückzuholen. Es war eine Entscheidung, die sich auszahlte, denn der schottische Übungsleiter, der bereits zwischen 2002 und 2013 an der Seitenlinie stand, stabilisierte die Mannschaft und führte sie auf den 13. Platz, 23 Punkte vor einem Abstiegsrang. Moyes sammelte 1,48 Punkte pro Spiel. Auf eine gesamte Saison gerechnet hätte man 56 Zähler, was gleichbedeutend mit dem neunten Platz wäre. Diese Form gilt es, auch in der kommenden Saison zu bestätigen.

David Moyes lässt seine Mannschaften gerne in einem sehr kompakten 4231-System spielen, das sich vor allem darauf konzentriert, möglichst wenig Gegentore zu kassieren. Die Innenverteidiger sind für diesen Spielstil prädestiniert. Tarkowski, Branthwaite, O'Brien und auch Keane sind allesamt physisch sehr robust und auch kopfballstark.

Nach Ballgewinn sucht man den direkten Weg nach vorne. Da hat man einerseits sehr physische Stürmer in Thierno Barry und Beto, die den Ball gut festmachen können, und zahlreiche Spieler, die durch progressive Dribblings hervorstechen. Neben Iliman Ndiaye und Kiernan Drewsbury-Hall verpflichtete man nun auch Jack Grealish, der diese Qualitäten besitzt.

Der Kader der Toffees ist also sehr gut auf den David-Moyes-Fußball ausgelegt.

Eine vielversprechende Transferphase

Man verlor in diesem Sommer in Dominic Calvert-Lewin und Abdoulaye Doucouré zwar zwei wichtige Spieler, konnte diese aber gut ersetzen. Thierno Barry kam für 30 Millionen von Villarreal und bringt ebenfalls eine gute Körperlichkeit mit. Außerdem ist er gerade einmal 22 Jahre alt und somit noch sehr entwicklungsfähig.

Doucoure ersetzte man mit dem zehn Jahre jüngeren Carlos Alcaraz, der alle drei Positionen im offensiven Mittelfeld abdecken kann. Der Argentinier sticht auch mit seiner Arbeit gegen den Ball heraus und hat dazu noch eine sehr gute Technik.

Außerdem verpflichtete man mit Kiernan Drewsbury-Hall, der für 28 Millionen vom FC Chelsea kam, und Jack Grealish, der sich den Toffees leihweise von Manchester City anschließt, zwei erfahrene Premier-League-Spieler, die das Niveau der Mannschaft sofort anheben können. Mit Adam Aznou konnte man sich zudem die Dienste eines äußerst talentierten Linksverteidigers sichern. Der 19-jährige Marokkaner wechselt vom FC Bayern München für neun Millionen an die Merseyside.

Ein Kader mit Schwachstellen

Die 1:0-Auftaktniederlage gegen Aufsteiger Leeds United hat aber aufgezeigt, dass diese Mannschaft noch Verstärkungen benötigt. In der Verteidigung ist man noch zu dünn besetzt. Aufgrund der Verletzung von Mykolenko musste James Garner, ein gelernter Mittelfeldspieler, aushelfen. Auch auf der rechten Seite hat man abgesehen von Jake O'Brien keine Alternative.

Auf den Flügeln könnte man ebenfalls nachlegen. Dort fehlt ein Spieler, der Tempo mitbringt und dem Spiel von Everton etwas Tiefe verleiht.

Prognose

Der FC Everton bewegt sich grundsätzlich in eine sehr gute Richtung. Das neue Stadion und die bisher getätigten Transfers scheinen vielversprechend. Außerdem hat man mit David Moyes einen sehr guten Trainer an der Seitenlinie, der das Beste aus seinen Mannschaften rausholt. Eine direkte Qualifikation für das europäische Geschäft ist wahrscheinlich etwas hoch gegriffen, aber eine Platzierung in den Top 10 ist definitiv möglich.

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