Jan-Luca

Luka Modric - der Außenrist-Künstler

Nicht erst seit seiner spektakulären und schlussendlich entscheidenden Vorlage auf Rodrygo im Champions League Halbfinal-Rückspiel gegen Chelsea weiß man: Luka Modric hebt das (Pass-)Spiel mit dem Außenrist auf ein bisher nicht dagewesenes Level. Während man bei dem Thema bisher vor allem an den ehemaligen portugiesischen Nationalspieler Ricardo Quaresma denkt, hat der 36-jährige Kroate das Außenrist-Spiel neu definiert, revolutioniert und normalisiert.

Ästhetik vom feinsten

Rufen wir uns nochmal den oben angesprochenen Pass vor Augen: Der Pass sollte rein physikalisch nicht möglich sein, ohne Anlauf spielt Modric den perfekten Pass über gut 30 Meter. Jedem Fußball-Fan dürfte dabei klar gewesen sein, dass es sich um ein Kunstwerk handelt. Selbst die Kommentatoren bei DAZN schwiegen für eine Weile und ließen den Moment ebenjenen sein.
Der perfekte Moment. Der perfekte Pass. Der perfekte Abschluss.

Unerwartet, überraschend und kettenübergreifend

Mit seinem rechten Außenrist spielt der Kroate bessere Pässe als jeder Linksfuß, weil die Bälle einen unerwarteten Rechtsdrall haben, den man dem Ball eigentlich nur mit dem linken Fuß mitgeben kann. Das kommt für sehr viele Abwehrreihen unerwartet und so werden, sofern Modric den Ball optimal trifft, viele Spieler überspielt und die königlichen Angreifer kommen schnell vors gegnerische Tor. In folgenden Video kann man sehr gut sehen, was ich meine. Natürlich überragen die besonderen Momente, beispielsweise das Tor bei der Europameisterschaft gegen Schottland, aber die vielen wichtigen Pässe werden oftmals vergessen.

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London Calling

Wenn man, so wie ich, aus einem kleinen Dorf mit nicht einmal 1000 Einwohnern kommt, hat man eine gewisse Erwartungshaltung, wenn es in die britische Hauptstadt geht. London calling. Und noch dazu gibt es Fußball vom Feinsten: League Cup-Finale zwischen Manchester City und dem FC Liverpool. Zumindest an den Bildschirmen im Goose-Island-Pub. Ins Stadion ging es dann für das etwas weniger spektakulär klingende (und um Vielfaches günstigere) Match zwischen West Ham United und dem FC Burnley. Premier League erleben. (Foto: IMAGO / Shutterstock)

Spezielle Vorzeichen

Ganz so uninteressant wie im ersten Absatz skizziert war es dann nicht, zumal auch die Vorzeichen nicht schlecht standen: Die Hammers träumen von der Champions League-Teilnahme und für Burnley war es immerhin das erste Spiel, nachdem der langjährige Trainer und Vereinslegende Sean Dyche entlassen wurde.

Eher maues Spiel

Zunächst gab es einige vielversprechende Offensiv-Aktionen von West Ham, bis dann in der 24. Minute der Burnley-Profi Ashley Westwood schwer verletzt vom Feld getragen werden musste. Vorläufige Diagnose: Gebrochenes Sprunggelenk. Und jede Menge emotionale Unterstützung von Mit- und Gegenspielern. Vor der Halbzeit gab es für den FC Burnley dann noch das 1:0 sowie einen verschossenen Elfmeter. Franz Beckenbauer sollte mit seiner Aussage „Es ist Gesetz, dass der Gefoulte nicht schießt“ recht behalten. In der zweiten Halbzeit war dann abgesehen vom Ausgleichstreffer eher wenig los.

Was bleibt, ist die Bewunderung

In Erinnerung wird der Tag auch trotz des eher ereignisarmen Spielgeschehens bleiben. Die Atmosphäre im Stadion, die körperbetonte Spielweise sowie die enorm hohe Spielgeschwindigkeit suchen Ihresgleichen. Eine vergleichbare Atmosphäre findet man vermutlich auch beim BVB, aber die körperbetonte Spielweise und die Geschwindigkeit gibt es außerhalb von England einfach nicht. Selbst dieses eher mittelmäßige Duell hat mich komplett überzeugt, nochmal ein Premier League Spiel zu besuchen.

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King Karim und die königlichen Nächte

Ja, die Lobeshymnen auf Karim Benzema sind nicht Neues. Ja, man kann der Meinung sein, dass Robert Lewandowski der bessere Stürmer von beiden ist. Aber das ist ein anderes Thema. Das hier soll auch keine typische 0815-Märchengeschichte um den französischen Nationalspieler und seine Phönix aus der Asche-artige Entwicklung nach dem Abgang von CR7 aus Madrid werden. Auch wenn man die Geschichte immer und immer wieder erzählen sollte, weil er erst langsam die Wertschätzung bekommt, die seine spielerischen Leistungen verdienen. (Foto: IMAGO / NurPhoto)

Madrids MVP

Eine Sache, die bei Benzema sofort auffällt: Seine Bedeutung für den Verein. Während Bayern auch ohne Lewandowski einen Sieg nach dem anderen einfährt, hängt bei Real die gesamte Offensive an ihrer Nummer 9. Im Alleingang schoss der 33-jährige Franzose die Pariser-Individualisten-Übermannschaft im Achtelfinale aus der Champions League und auch in der Liga wäre Real ohne ihn wohl auch nicht so deutlich auf Meisterschaftskurs. Das zeigt nicht zuletzt die 0:4 Klatsche im Clásico gegen den FC Barcelona, als Benzema mit einer Oberschenkelverletzung aussetzen musste.

CR7eske Willensstärke

Es ist dieser unbedingte Sieges- und Kampfeswille, der nie abreißende Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der Benzema zu etwas ganz Besonderem im europäischen Fußball macht. Diesen Willen kann man besonders in der CL regelmäßig bestaunen, sei es im bereits angesprochenen Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris St. Germain oder im Hinspiel des Viertelfinales gegen den FC Chelsea, als er Édouard Mendy einen Hattrick einschenkte. In Madrid macht man sich berechtige Hoffnung auf das erste CL-Halbfinale. Aber woher kommt diese unwiderstehliche Willensstärke? – Eine Spurensuche.

Fastenbruch erst 13 Minuten vor Anpfiff

Nachdem Benzema an der Stamford Bridge zum Man of the Match gewählt wurde, sickerte durch, dass er erst wenige Minuten vor dem Spiel mit dem Fasten gebrochen hatte. Als gläubiger Moslem nimmt er am Fastenmonat Ramadan teil und darf somit erst nach Sonnenuntergang Nahrung zu sich nehmen - in London gab es Datteln für ihn. Obwohl in Lyon geboren, bezeichnet sich der Sohn algerischer Eltern selbst als Araber und hat eine enge Bindung zum Heimatland seiner Eltern. Auch wenn eine ähnliche Herkunft bei vielen französischen Stars gegeben ist, lebt kaum einer so gläubig wie Benzema. Sein Glaube und die damit verbundene enthaltsame, gesunde Lebensweise könnten sicherlich Gründe für seine Leistungsexplosion sein, gerade weil er nicht immer so vorbildlich lebte.

Da wären beispielsweise die Anklage wegen Sexes mit einer Minderjährigen (2009) oder der Eklat rund um die Sex-Tape-Affäre, als er seinen damaligen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena zu erpressen versuchte und als Konsequenz aus der Nationalmannschaft flog (2015). Im Jahr 2016 lernte Benzema dann seine spätere Ehefrau Cora Gauthier kennen, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. Zusammen lebt die kleine Familie ein ruhiges, zurückgezogenes Leben und sucht nicht gerade die Öffentlichkeit. Einen gewissen Einfluss kann man der bald 33-jährigen Französin sicherlich eingestehen, denn seitdem sich die beiden kennengelernt haben, zeigt die Formkurve ihres Ehemanns steil nach oben und er liefert mittlerweile lieber Schlagzeilen auf als neben dem Platz.

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