Gibt es in dieser Saison keinen Deutschen Meister?

Das Coronavirus hält derzeit die Welt in Atem und es gibt sicherlich im Augenblick wichtigere Sachen als Entscheidungen in der Bundesliga oder in der Champions League.

Dennoch lohnt eine Betrachtungsweise über die Situation, weil sie im Fußball historische Dimensionen annimmt. Dass überhaupt sogenannte Geisterspiele, also Partien ohne Zuschauer, reihenweise stattfinden, hat es so noch nie gegeben.

In der höchsten deutschen Spielklasse machte am Mittwoch die Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln den Anfang.

Doch für keinen der Beteiligten war dieses Spiel befriedigend.

So merkte auch Sky-Experte Friedhelm Funkel in der Halbzeit an, dass dieser Partie vor allen Dingen Tempo und Leidenschaft fehlen würden. Am Ende schien der Sieg der Gladbacher fast egal, aber weitere Geisterspiele werden wohl folgen, wenn nicht plötzlich auftretende Ereignisse alles über den Haufen werfen.

Denn im Fußballgeschäft gibt es nun auch Akteure, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Dabei wird die Liste immer länger. Der Vereinspräsident von Olympiakos Piräus hat sich mit dem Coronavirus infiziert, der Coach von Arsenal London, ein Mitglied aus der Real-Madrid-Familie, ein Spieler von Zweitligist Hannover 96 und eine Angestellte von Borussia Mönchengladbach.

In anderen Ländern und Sportarten wurden daher schon Konsequenzen gezogen. Der Ligabetrieb in der italienischen Serie A und in Spanien ist für zwei Wochen ausgesetzt. Inter Mailand hat sich sogar ganz aus allen Wettbewerben abgemeldet. Die Deutsche Eishockeyliga (DEL) hat ihre Saison gänzlich beendet, ohne einen Titelträger zu küren.

Dieses Szenario ist auch für die Fußballbundesliga denkbar.

Saisonunterbrechung oder Abbruch?

Ein Abbruch der Spielzeit ohne jegliche Entscheidungen in der Meister- und Abstiegsfrage wünscht sich wohl keiner. Doch eine Unterbrechung des aktuellen Spielbetriebs gestaltet sich gar nicht so einfach.

Schuld ist der enge Terminkalender. Die nächsten neun Wochen sind an jedem Wochenende Bundesligaspieltage angesetzt. Mitte Mai würde normalerweise die Saison vorüber sein, mit einem anschließenden Pokalfinale. Danach müssten die Vereine jedoch ihre Nationalspieler für die Europameisterschaft, die Mitte Juni starten soll, abstellen. Zusätzlich gibt es noch die Sommertransferperiode und den 30.6. An diesem Tag laufen zahlreiche Verträge von Spielern und Trainern aus und ab dem 1. Juli dürfen Vereine neue Profis verpflichten.

Daher ist es unvorstellbar, dass im Juni oder Juli Bundesligaspieltage stattfinden können. Zudem startet die neue Saison auch schon wieder im August und alle Beteiligten des Fußballgeschäfts brauchen zwischen den Spielzeiten Urlaub und Regenerationsphasen.

Es ist inzwischen mehr als ein Gerücht, dass die UEFA die Champions League und die Europa League abbrechen wird und die EURO auf 2021 verlegen möchte.

In der Bundesliga sind für die nächsten zwei Spieltage alle Partien als Geisterspiele angesetzt, doch aktuelle Ereignisse könnten die Pläne der DFL über den Haufen werfen. Wenn sich zum Beispiel noch mehr Spieler und Trainer mit dem Coronavirus infizieren.

Das ist jedoch jetzt schon der Fall und daher ist ein Abbruch der laufenden Saison nicht unrealistisch.

Was würde ein Abbruch bedeuten?

Zunächst einmal würde es 2020 keinen Deutschen Meister geben. Das wäre bitter, denn in dieser Saison ist der Meisterschaftskampf so spannend wie lange nicht mehr.

Absteiger würde es nicht geben, was bedeuten würde, dass die Bundesliga in der Spielzeit 2020/21 mit 20 oder 21 Teams starten würde.

Die Frage nach den internationalen Startplätzen gestaltet sich da etwas schwieriger. Fakt ist jedoch, dass man hier nicht den aktuellen Tabellenstand heranziehen könnte, weil nicht jeder Verein zweimal gegen die anderen Vereine gespielt hat.

Angesichts der derzeitigen Lage um das Coronavirus ist es zudem auch nicht sicher, ob eine neue Saison überhaupt stattfinden kann. Virenexperten prophezeien einen Rückgang der Infizierten im Sommer und einen Anstieg im Herbst. Auch Zeiträume von zwei oder fünf Jahren mit dieser Pandemie sind nicht auszuschließen.

So könnte es erst einmal keinen Fußball mehr geben, so wie wir ihn kennen.

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