Christian

Welche Spieler haben die meisten Länderspieltore?

Es war ein historischer Moment, als Cristiano Ronaldo im September beim WM-Qualifikationsspiel seiner Portugiesen in der 89. Minute gegen Irland zum 1:1 traf. Denn der mehrmalige Weltfußballer hatte damit sein 110. Länderspieltor erzielt und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Die alte Bestmarke hielt Ali Daei, der zwischen 1993 und 2006 109-mal für den Iran traf. (Foto: IMAGO / Pressefoto Baumann)

Doch der Ex-Bayernspieler schoss von diesen 109 Treffern nur ein Tor gegen ein Top10-Team der FIFA-Weltrangliste. Dagegen kommt er auf 55 Treffer gegen Teams, die zwischen Platz 100 und 208 standen.

Cristiano Ronaldo legte gegen die Iren noch ein Tor nach und schraubte den neuen Weltrekord auf die Marke von 111. Dafür brauchte er insgesamt 179 Länderspiele, was einen Schnitt von 0,62 Toren pro Spiel macht.

Sein ewiger Konkurrent Lionel Messi hat in Länderspielen einen Toreschnitt von 0,50 und ist derzeit mit 76 Länderspieltreffern, die er in 152 Partien erzielt hat, auf Platz neun des Rankings der Spieler mit den meisten Länderspieltoren. Einen Treffer benötigt der Argentinier noch, um den großen Pelé einzuholen und noch acht Tore, um Ungarns Legende Ferenc Puskás vom 4. Platz des Rankings zu verdrängen. Platz drei belegt ein gewisser Mokhtar Dahari (89 Treffer) der für Malaysia in den 1970er-Jahren aktiv war.

Drei Spieler mit einem Toreschnitt von über 1,0

Ferenc Puskás war Teil der großen Mannschaft von Real Madrid, das zwischen 1956 und 1960 fünfmal den Europapokal der Landesmeister in Serie gewonnen hat, aber auch Mitglied von Ungarns berühmter WM-Mannschaft 1954. In dieser spielte auch Sándor Kocsis, der für die Magyaren in 68 Länderspielen 75 Tore erzielte. Das entspricht einem Toreschnitt von 1,10 pro Spiel. Der Schnitt von Ferenc Puskás (0,94) kann sich aber auch sehen lassen. Wie der von Pelé (0,84).

Deutschlands wohl größter Stürmer war Gerd Müller. Der „Bomber der Nation“ bestritt nur 62 Länderspiele, in denen ihm aber 68 Treffer gelangen (Toreschnitt 1,10). Der Rekordtorschütze des viermaligen Weltmeisters ist allerdings Miroslav Klose mit 71 Treffern. Dafür brauchte der 43-Jährige jedoch 137 Partien (Toreschnitt 0,52).

Unübertroffen in dieser Statistik ist dagegen der Däne Poul Nielsen, der 1891 geboren wurde, und auf 52 Treffer in 38 Länderspielen kommt (Toreschnitt 1,37).

Von den aktiven Spielern können sich neben Lionel Messi noch Romelu Lukaku (67 Tore, Platz 26) und Robert Lewandowski (72 Tore, Platz 14) nach vorne arbeiten.

Cristiano Ronaldo aber ist ein lebendes Denkmal und strebt sicherlich die 120-Tore-Marke an. Seine inzwischen 180 Länderspiele sind zudem europäischer Rekord. Zum Weltrekordhalter Soh Chin Ann (Malaysia 1969-1984) fehlen dem Portugiesen nur noch 15 Länderspiele und dann ist der 36-Jährige wirklich einer der Größten aller Zeiten.

Und hier die 10 Spieler mit den meisten Länderspieltoren:

1.Cristiano Ronaldo 111 Tore, 180 Länderspiele, 0,62 pro Spiel

2.Ali Daei 109 Tore, 148 Länderspiele, 0,73 pro Spiel

3.Mokhtar Dahari 89 Tore, 142 Länderspiele, 0,63

4.Ferenc Puskás 84 Tore, 89 Länderspiele, 0,94 pro Spiel

5.Godfrey Chitalu 79 Tore, 111 Länderspiele, 0,70 pro Spiel

6. Hussain Said 78 Tore, 137 Länderspiele, 0,57 pro Spiel

7.Ali Mabkhout 77 Tore, 93 Länderspiele, 0,82 pro Spiel

7.Pelé 77 Tore, 92 Länderspiele, 0,84 pro Spiel

9.Lionel Messi 76 Tore, 152 Länderspiele, 0,50 pro Spiel

Es folgen vier Spieler mit jeweils 75 Treffern (u.a. Sándor Kocsis).

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Christian

Vorschau auf den 4. Spieltag

Für viele Fußballfans ist die Länderspielpause vorbei, obwohl die deutsche Nationalmannschaft unter Hansi Flick in ihren drei Partien mehr als überzeugte. Doch jetzt steht wieder der Vereinsfußball im Fokus. Bevor nächste Woche die Champions League in ihre neue Saison startet, findet an diesem Wochenende der 4. Bundesligaspieltag statt.

Dabei kommt es zu zwei Spitzenspielen. Besonders die Begegnung zwischen RB Leipzig und den Bayern verspricht viel Brisanz. Denn bei den Münchnern gab es in der Sommerpause drei Neuzugänge aus Leipzig. Sicherlich werden die Sachsen daher besonders motiviert sein, vor allen Dingen, um Julian Nagelsmann seine Rückkehr in die Red Bull Arena zu vermiesen. Aber für die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch geht es auch darum, den eigenen schlechten Saisonstart mit lediglich drei Punkten aus drei Spielen vergessen zu machen.

Auch deshalb gehen die Bayern als Favorit in diese Partie. So vergibt Betano für einen Sieg des Nagelsmann-Teams eine Quote von 2,15. Ein Erfolg der Leipziger brächte eine Quote von 3,00 ein. Anpfiff dieser Partie ist Samstag um 18.30 Uhr.

Bereits drei Stunden vorher tritt der BVB bei Bayer Leverkusen an. Viele Tore sind hier sicherlich garantiert, denn es treffen zwei sehr offensivstarke Mannschaften aufeinander. Zudem ist es ein echtes Spitzenspiel, denn die Leverkusener belegen derzeit mit sieben Punkten den zweiten Platz. Die Dortmunder folgen mit sechs Zählern auf Rang fünf.

Ebenfalls am Samstag versucht der VfL Wolfsburg, die Tabellenspitze zu behaupten. Dazu reisen die Niedersachsen nach Fürth. Die Spielvereinigung wartet noch immer auf ihren ersten Bundesligaheimsieg. Die Wettanbieter trauen dies jedoch den Fürthern auch diesmal nicht zu. Bei Betano beträgt die Siegquote des Aufsteigers 5,60. Ein Dreier der „Wölfe“ wird mit einer Quote von 1,57 taxiert.

Drei Partien am Sonntag

Die Montagsspiele sind bekanntlich Geschichte. Dafür wurde ein neuer Termin am frühen Sonntagabend gefunden. So kommt es um 19.30 Uhr zum Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Arminia Bielefeld. Die Gladbacher können mit ihrem Saisonstart nicht zufrieden sein, denn bisher steht lediglich ein mageres Pünktchen auf der Habenseite. Bielefeld ist dagegen mit drei Punkten ordentlich in die Saison gekommen.

Zudem gibt es am Sonntag die Paarungen Eintracht Frankfurt-VfB Stuttgart und VfL Bochum-Hertha BSC. Dabei stehen die Hessen und die Berliner unter besonderem Druck. Denn beide Teams sind noch sieglos. Die Hertha hat sogar ihre drei Spiele allesamt verloren und sich zuletzt in der Allianz Arena desolat gezeigt. Die Eintracht hingegen sucht in dieser Saison noch etwas ihre Identität, nachdem es im Sommer einige Wechsel in der Führungsetage gab.

Alle drei Begegnungen am Sonntag werden von DAZN übertragen. Die Samstagsspiele zeigt Sky.

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Christian

Was macht eigentlich Michael Ballack?

Elf Jahre war Michael Ballack Nationalspieler. Sechs Jahre davon führte er das DFB-Team als Kapitän an. Er spielte unter anderem für den FC Bayern und den FC Chelsea und war lange Zeit das einzige Aushängeschild des deutschen Fußballs, bevor die Weltmeistergeneration um Manuel Neuer, Thomas Müller und Mats Hummels nachrückte. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Der ganz große Triumph, etwa ein WM-Sieg oder der Titel in der Champions League, blieb Michael Ballack in seiner Karriere versagt. Doch insgesamt konnte der gebürtige Görlitzer elf Trophäen während seiner Profizeit gewinnen. Darunter mehrere Meisterschaften und nationale Pokale. 2012 hängte der heute 44-Jährige seine Fußballschuhe an den Nagel.

Doch was macht Michael Ballack heute?

Privatmann und einige Schicksalsschläge

Der Kapitän des DFB-Teams während der Heim-WM 2006 war der erste deutsche Spieler, der richtig viel Geld verdiente. Anfang dieses Jahrtausends explodierten die Gehälter der Fußballprofis und so bezog Michael Ballack nach seinem Wechsel zu den Bayern 2002 ein Jahresgehalt von acht Millionen Euro. 2006 erfolgte der Wechsel zum FC Chelsea, wo er zehn Millionen pro Jahr verdiente. Zahlreiche Werbeverträge kamen hinzu und so muss sich Michael Ballack auch heute keine Sorgen um Geld machen.

Der 44-Jährige könnte eigentlich sein Leben an seinem Wohnort am Starnberger See genießen. Auf allzu viel Publicity und Medienaufmerksamkeit war der eher bodenständige Michael Ballack ohnehin nie aus. Daher sind Fotos wie dieses mit seiner damaligen Freundin auf dem Münchner Oktoberfest eher selten.

Doch dann gab es eben auch die Schicksalsschläge, die Michael Ballack in den letzten Jahren erleiden musste. Nach der Scheidung von Simone Ballack war er einige Jahre mit der Bankerin Natacha Tannous zusammen. Diese Beziehung ging jedoch 2019 in die Brüche. Im August 2020 musste sich der "Capitano" einen Tumor, der zum Glück gutartig war, aus dem Gehirn entfernen lassen. Und dann gab es im August 2021 den tragischen Unfalltod seines Sohnes Emilio, der mit 18 Jahren verstarb.

Fußball verkommt bei solchen Ereignissen wirklich zur Nebensache, doch Michael Ballack ist seit seinem Karriereende im Profigeschäft ein gefragter Mann. Er arbeitete schon als Experte für ESPN und die britischen Sender Sky und ITV. Zudem hat der ehemalige Mittelfeldspieler eine eigene Kolumne in der „Times“. Auch deutsche Medien befragen hin und wieder den Ex-Nationalspieler und für die ARD und RTL war er auch schon als Experte tätig. Zur Fußballeuropameisterschaft 2021 hat Michael Ballack einige Spiele für Magenta TV begleitet

Wird Michael Ballack irgendwann Trainer?

Sicherlich könnte der „Capitano“ heutigen Fußballern einiges mitgeben. In seiner Spielerzeit war Michael Ballack ein Führungsspieler, der andere auf dem Platz mitreißen konnte und mit Siegeswillen voranging. Im Sommer 2019 überraschte der 44-Jährige mit Bildern, die ihn beim Erwerb der UEFA B-Lizenz zeigten.

Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass irgendwann eine Trainerkarriere bevorsteht. Doch das hat für Michael Ballack vorerst wohl nicht oberste Priorität und so kümmert er sich aktuell um seinen ersten Verein, den kränkelnden Chemnitzer FC. Mit großzügigen Spenden etwa und wertvollen Ratschlägen.

Doch sicherlich wäre Michael Ballack jemand, der auch einen Bundesligaklub oder ein Team aus der Premier League voranbringen könnte.

Einen Champions-League-Titel hat der Mittelfeldspieler nie gewinnen können, im Gegensatz zu seinen Nachfolgern beim FC Chelsea. Die Londoner triumphierten bekanntlich 2012 und 2021. Auch in dieser Saison gehört der Ex-Club von Michael Ballack zu den Favoriten auf den Gewinn der Königsklasse (Siegquote bei Bwin 8,50). Allerdings schätzt der österreichische Wettanbieter die Chancen von Paris St. Germain (3,75), Manchester City (4,50) und den Bayern (8,00) höher ein. Dortmunds Chancen auf den Gesamtsieg taxiert Bwin mit einer Quote von 29,00.

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Christian

Darum haben die Bayern Marcel Sabitzer geholt

In dieser Woche wurde bekannt, dass Marcel Sabitzer zum FC Bayern wechselt. Zuvor hatte er sechs Jahre für die Leipziger gespielt, für die er in der Vorsaison als Kapitän auflief. Doch was zeichnet den Österreicher aus? Kann er wirklich eine Verstärkung für die Münchner sein? (Foto: IMAGO / Revierfoto)

Marcel Sabitzer ist mit fast 150 Ligaeinsätzen ein gestandener Bundesligaprofi. Mehr noch, der 27-Jährige war in den letzten Jahren einer der Erfolgsgaranten von RB Leipzig. Als Führungsfigur und als torgefährlicher Mittelfeldspieler. Zudem hat sich Marcel Sabitzer inzwischen als Stammspieler in der österreichischen Nationalmannschaft etabliert und an den Europameisterschaften 2016 und 2021 teilgenommen.

Auch in der Champions League hat der Mittelfeldspieler reichlich Erfahrung sammeln können, da die Leipziger regelmäßig in der Königsklasse vertreten sind. Und Marcel Sabitzer hat zwei Jahre unter Julian Nagelsmann trainiert. Dieser hatte ihn in dieser Zeit noch einmal verbessert. Auch dass der neue Bayerntrainer Marcel Sabitzer bestens kennt, dürfte die Eingewöhnung in München erleichtern. So kann der 27-Jährige den Bayern sofort weiterhelfen.

Ein überragendes Mittelfeld

Hasan Salihamidzic hat in den letzten Wochen Weichen für die Zukunft gelegt. Mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka, dem Herzstück der aktuellen Bayernmannschaft, wurde über eine Vertragsverlängerung verhandelt. Bei Joshua Kimmich ist inzwischen alles in trockenen Tüchern (Vertrag bis 2025). Der Aufsichtsrat der Münchner hat im Fall von Leon Goretzka das finanzielle Gesamtpaket am Montag abgesegnet.

Nun kommt mit Marcel Sabitzer ein weiterer Mittelfeldspieler nach München, der mehr als nur ein Ergänzungsspieler ist.

Dazu stehen mit Marc Roca und Corentin Tolisso, immerhin französischer Weltmeister, zwei weitere Akteure für das Mittelfeld parat.

Marcel Sabitzer hat jedoch den Vorteil, dass er nicht nur Joshua Kimmich und Leon Goretzka entlasten kann, sondern auch in der Offensive eine Verstärkung ist. Gerade seine Schussstärke und seine Spielübersicht zeichnen ihn hier aus. Bekanntlich haben die Bayern eine starke erste Elf. Die Bayernverantwortlichen haben nun etwas bei der viel geforderten Kaderbreite gemacht. Marcel Sabitzer gehört hier sicherlich in die Top15 des Bayernkaders.

Den Gegner geschwächt

In der letzten Saison hat RB Leipzig den Bayern lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Die Sachsen sind inzwischen mindestens die dritte Kraft in Deutschland und auf jeden Fall ein Bundesligaspitzenteam.

Hätte man die Münchner Bosse und die Fans im April gefragt, welche drei Figuren des Leipziger Erfolgsmodelles man am Liebsten an die Isar lotsen würde, wären höchstwahrscheinlich die Namen Dayot Upamecano, Julian Nagelsmann und Marcel Sabitzer gefallen. Nun stehen diese drei Akteure wirklich in München unter Vertrag und ein direkter Konkurrent in der Bundesliga ist geschwächt.

Solch ein Szenario ist nicht neu, in dieser geballten Form aber schon. Daher wird im nächsten Aufeinandertreffen beider Teams besonders viel Brisanz stecken. Schon am Samstag, dem 11. September kommt es zum Showdown zwischen RB und den Bayern. Das Nagelsmann-Team ist in dieser Partie bei Tipico leichter Favorit (Siegquote 2,05). Dagegen schätzt Tipico Leipzigs Chancen auf einen Dreier mit einer Quote von 3,30 ein.

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Christian

Zwei Tage in Köpenick

In der vergangenen Woche weilte ich für zwei Tage in Köpenick. Von Mittwochmittag bis Freitagnachmittag. Vor allen Dingen war ich wegen des Union-Spiels gegen Kuopio in der Hauptstadt, aber auch, weil ich finde, dass Köpenick ein sehr schönes Fleckchen ist.

Dabei hatte ich vorgehabt, die zwei Tage in Berlin auch mit meiner Freundin zu verbringen. Sie war von ihrer Cousine, die in der Kaulsdorfer Straße wohnt, für sieben Tage eingeladen worden. Doch leider hatte sich meine Freundin an ihrem zweiten Urlaubstag eine Erkältung zugezogen und hat dementsprechend von Berlin überhaupt nichts gesehen, was schade ist, weil wir als Thüringer nicht oft die Gelegenheit haben, in der Hauptstadt zu sein.

Doch zum Glück für mich hat die Cousine einen Garten in der Verlängerten Hämmerlingstraße, wo ich übernachten konnte. So bin ich der Ansteckungsgefahr entgangen. Aber es hatte auch etwas, nur einen Steinwurf entfernt von der Alten Försterei entfernt nächtigen zu können.

Ein unvergessliches Stadionerlebnis

Natürlich hätte ich es schön gefunden, wenn das Europapokalspiel gegen den finnischen Vertreter in der Alten Försterei stattgefunden hätte, aber in diesem Fall hätte ich wohl keine Karte bekommen.

Ich war jedoch froh, dass von Köpenick aus eine S-Bahn direkt bis zum Olympiastadion fährt. Und auch zurück. Ohne, dass man spätabends noch irgendwo umsteigen muss.

Mit einem Union-Schal am linken Handgelenk machte ich mich schließlich 17.00 Uhr auf den Weg.

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Am Einlass hatte alles geklappt. Anschließend nahm ich das Mottoshirt in Empfang und streifte es mir über. Danach nahm ich meinen Platz im Block 12.1. ein. Die Zeit bis zum Anpfiff verging wie im Flug. Zwei Reihen vor mir saß ein etwa 60-jähriger Mann mit einem Union-Trikot und einem Union-Schal. Sicherlich war dieses Europapokalspiel für ihn ein besonderer Moment. Vor allen Dingen, wenn man die Union-Historie der letzten 45 Jahre betrachtet.

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Links neben mir hatte sich ein junges Pärchen hingesetzt, welches sich bis zum Spielbeginn mit ihren Handys beschäftigte und sich unterhielt. Dann betrat jedoch Christian Arbeit das Spielfeld, um die Mannschaftsaufstellung vorzulesen. Der Mann des Pärchens war auf einmal wie verwandelt. Für die folgenden 90 Minuten. Wie das ganze Stadion supportete er fast die komplette Spielzeit das Team. Mit Sprechchören, mitsingend und anfeuernd. Ich war begeistert und genoss jede Sekunde des Spiels. Rechts neben mir saß ein ca. 55-jähriger Außendienstmitarbeiter aus Kassel, der mir erzählte, dass er durch seinen Job zu Union gekommen sei und am heutigen Tag sich gleich nach der Arbeit auf den Weg zum Olympiastadion gemacht hätte. Wir verfolgten das Spiel sitzend, wie auch der etwa 60-jährige Union-Fan. Um uns herum war jedoch richtig Bambule.

Für die Union-Spieler muss es eine tolle Sache sein, für den 1. FCU zu spielen. Gerade beim Einlaufen zum Warmmachen habe ich mir das gedacht. Da stehen die Fans wirklich wie ein Mann hinter der Mannschaft.

Es gibt wirklich schöne Union-Sprechchöre und Hymnen. Na ja, mein Lieblingslied ist „Dem Morgengrauen entgegen“, welches nach der 80. Minute angestimmt wurde.

„Wir werden alles zerlegen, bis wir deutscher Meister sind“ ist dabei gar nicht einmal so unrealistisch. Es gab schon Jahre in der Bundesliga, da haben 63 oder 64 Punkte zur deutschen Meisterschaft gereicht. Klar, um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Bayern, und auch einige andere Teams ein schlechtes Jahr haben, aber Kaiserslautern (1998), der VfB Stuttgart (2007) und der VfL Wolfsburg (2009) haben es vorgemacht. Und 2017 oder 2018 hätte wohl keiner an der Alten Försterei gedacht, dass Union wenige Jahre später europäisch spielt.

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Bei solch einem geilen Erlebnis am vergangenen Donnerstag war es auch zu verschmerzen, dass bei der Organisation der Bierwagen etwas schiefgelaufen war. Das Bier wurde nämlich in der Halbzeit knapp. Ich gab irgendwann entnervt auf und war in der 50. Minute wieder an meinem Platz. Ohne Bier. Der Mann des Pärchens kam in der 55. Minute zurück. Der Außendienstmitarbeiter aus Kassel in der 60. Minute. Beide hatten jeweils ein Bier ergattern können. Doch wir drei verpassten die Pyro-Show am Anfang der zweiten Halbzeit.

Dafür hatte ich nach Spielende noch einmal einen großartigen Moment. Ich verließ in der 89. Minute meinen Block, um einer überfüllten S-Bahn zu entgehen.

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Auf dem Weg zur S-Bahnstation hörte ich die Fangesänge. Minutenlang, bis weit nach Abpfiff. Auch als ich an der S-Bahn stand. An diese Gesänge erinnere ich mich bis heute noch und sie werden lange in meinem Gedächtnis bleiben.

Wie auch zahlreiche schöne Erlebnisse in Köpenick. So hatte ich einige nette Begegnungen. Mit Adrian zum Beispiel, der in Alt-Köpenick wohnt und ebenfalls an dem Abend ins Olympiastadion wollte und froh war, dass er für das Gladbach-Spiel Karten bekommen hatte. Mit Adrian saß ich vor dem Brauhaus, der kleinsten Brauerei Deutschlands. In einem Döner in Alt-Köpenick traf ich auf zwei Fußballinteressierte, die zwar kaum Ahnung von Fußball hatten, aber sehr nett und sympathisch waren. Überhaupt bekam ich immer freundlich Auskunft, wenn ich mal nach dem Weg fragen musste oder wegen ÖPNV-Tickets etwas wissen wollte.

Ein Besuch in der Köpenicker Bierstube ist zudem auch immer wieder schön. Insider-Informationen, auch zu den Mieten in Berlin, erhielt ich ebenfalls von der Cousine meiner Freundin, mit der ich mich am Freitagvormittag über anderthalb Stunden in ihrem Garten unterhalten hatte.

Es war nicht mein letzter Besuch in Köpenick, obwohl ich vieles hier in Weimar und Jena auch habe. Hier sieht es zum Beispiel an vielen Orten genauso wie in der Bahnhofsstraße oder in Alt-Köpenick aus. Der Menschenschlag ist auch ähnlich. Aber in Weimar und Jena gibt es die bessere Currywurst. Das liegt an Fritz Mitte, die in Weimar und Jena drei Filialen haben und wo vor allen Dingen junge Leute und Studenten Schlange stehen. Fritz Mitte würde es locker in die Top10 der besten Currywurstbuden Berlins schaffen. Aber der Imbiss „Zur Currywurst“ in der Bahnhofstraße war auch gut. Kurz vor meiner Abreise genehmigte ich mir hier noch eine Currywurst. Und dann hörte ich es wieder. Ein Mann in einem Union-Shirt, der sich zwei Bockwürste und einen Kaffee bestellt hatte, sagte zu jedem in der Lokalität: „Eisern“.

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Christian

Das ist Leverkusens Trainer Gerardo Seoane

Bayer Leverkusen hat mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen einen überzeugenden Start in die Bundesligasaison hingelegt. Zahlreiche Experten waren sich jedoch einig, dass die Rheinländer eine gute Spielzeit absolvieren und an der Tabellenspitze mitmischen werden. Auch weil sich die Bayer-Verantwortlichen mit Gerardo Seoane ein wahres Trainerjuwel sichern konnten. (Foto: IMAGO / Sven Simon)

Dabei war der 42-Jährige alles andere als ein überragender Spieler. Mitte der 1990er-Jahre als großes Talent im Schweizer Fußball gehandelt, schaffte er es am Anfang nicht, sich beim FC Luzern und beim FC Sion durchzusetzen. So führte sein Weg in die galizische Heimat seiner Eltern zu Deportivo La Coruna. Allerdings lief er bei den Spaniern nie für die erste Mannschaft auf, sondern stand von 1998 bis 2002 im B-Kader La Corunas. Nur unterbrochen durch eine halbjährige Leihe zum AC Bellinzona.

Nach vier Jahren in Spanien war Gerardo Seoane bis zu seinem Karriereende 2010 für den FC Aarau, die Grasshoppers Zürich und erneut für den FC Luzern aktiv. Einen Titel konnte der Innenverteidiger aber nie gewinnen. Im Gegensatz zu seinem Trainerdasein. Nachdem Gerardo Seoane bis 2018 in verschiedenen Funktionen bei seinem Heimatclub FC Luzern tätig war, übernahm er Young Boys Bern. Mit den Gelb-Schwarzen gewann er dreimal in Folge die Schweizer Meisterschaft. Mit zum Teil exorbitanten Vorsprüngen. So hatte Young Boys in der abgelaufenen Saison eine Differenz von 31 Punkten auf den Tabellenzweiten Basel aufgebaut. Auch deshalb erschien Gerardo Seoane auf dem Radar zahlreicher Bundesligaclubs. Bayer Leverkusen angelte sich schließlich den 42-Jährigen.

Kann das Bayer-Team eine konstante Saison spielen?

Man kann schon jetzt sagen, dass die Leverkusener mit Gerardo Seoane einen echten Glücksgriff gemacht zu haben. Zudem hat der Europa-League-Teilnehmer einen lauf- und spielstarken Kader beisammen, der mit hervorragenden Spielern und hoffnungsvollen Talenten gespickt ist.

Doch zur Bayer-DNA gehört es auch, dass oftmals gute Hinrunden gelingen, um dann am Ende einzubrechen. So war es zum Beispiel auch in der letzten Saison. Nach dem 12. Spieltag war Leverkusen ungeschlagener Tabellenführer. Kurz vor Weihnachten gab es jedoch die Last-Minute-Niederlage gegen die Bayern. Danach ging es abwärts. In der Rückrunde musste sogar Peter Bosz gehen. Hannes Wolf rettete schließlich Bayer in die Europa League.

Nun möchte es Gerardo Seoane besser machen. Natürlich redet in Leverkusen keiner von der deutschen Meisterschaft, aber der Zeitpunkt für den Titelgewinn wäre kaum passender. Denn Rudi Völler, seit 2005 in verschieden Positionen im Bayer-Management, bestreitet seine letzte Saison als Clubverantwortlicher. Von daher wäre es ein schönes Abschiedsgeschenk für den Weltmeister von 1990, der von 1994 bis 1996 als Spieler für die Leverkusener aktiv war. Allerdings beträgt die Meisterquote für Bayer Leverkusen bei Tipwin 41,00. Doch lediglich drei Teams schätzt der Buchmacher stärker ein (FC Bayern München 1,22, Borussia Dortmund 6,50, RB Leipzig 11,00).

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