RB Leipzig verramscht sein Tafelsilber

RB Leipzig verramscht sein Tafelsilber

Der Weg, den RB Leipzig seit dem Bundesligaaufstieg 2016 bestreitet, ist zweifellos erfolgreich. Die Sachsen haben sich innerhalb kürzester Zeit mindestens zur dritten Kraft in Deutschland aufgeschwungen, sind regelmäßig in der Champions League vertreten und konnten kürzlich mit dem Gewinn des DFB-Pokals den ersten Titel holen. (Foto: IMAGO / Picture Point LE)

Doch die Nachrichten, dass hochtalentierte Eigengewächse nach und nach den Club verlassen, sorgt für Verwunderung, wenn nicht sogar für Entsetzen bei den eigenen Fans.

Denn gerade die lokale Verbundenheit ist es, was einen Bundesligaclub ausmacht und womit sich die Fans identifizieren. Zumindest ist das ein Erfolgsfaktor. Bestes Beispiel ist Bayern-Spieler Thomas Müller, der seit 22 Jahren bei den Münchnern ist.

RB Leipzig hatte Tom Krauß, einen gebürtigen Leipziger. Vielmehr noch, die Geschichte der Krauß-Ahnen reicht bis in das Leipzig des 19. Jahrhunderts zurück.

Zudem ist Tom Krauß in vierter Generation seiner Familie Fußballer. Die Verantwortlichen der „Roten Bullen“ wissen das natürlich und haben den defensiven Mittelfeldspieler im Juni 2020 mit einem Vertrag bis 2025 ausgestattet, nachdem das Eigengewächs, welches vom 10. Lebensjahr an alle RB-Nachwuchsmannschaften durchlaufen hat, an den 1. FC Nürnberg in die 2. Liga verliehen wurde. Bei den Franken wurde Tom Krauß schnell Stammspieler und absolvierte in zwei Jahren 62 Zweitligapartien. Zudem ist Tom Krauß ein wichtiger Bestandteil der DFB-Nachwuchsmannschaften.

„Ich bin bei meinem Herzensverein angekommen.“ Tom Krauß nach seiner Vertragsunterschrift bei Schalke 04

Mehr als Stammspieler bei seinem Leihverein und sich in den U-Mannschaften zu behaupten, hätte Tom Krauß nicht tun können. Stattdessen freuen sich die Schalker über ein Schnäppchen. 500.000 Euro Leihgebühr und eine Kaufsumme, die bei einem Klassenerhalt der Gelsenkirchener greift, von 3 Millionen Euro werden kolportiert. Für RB Leipzig sind das Peanuts. Stattdessen wurde die Chance verpasst, einen lokalen Helden aufzubauen, mit dem sich die Fans, aber auch das Umfeld der Leipziger identifizieren.

Das Career Center entscheidet

Als wäre das noch nicht genug, wurde gestern bekannt, dass Sidney Raebiger die „Roten Bullen“ in Richtung Fürth verlässt. Der gebürtige Freiberger war ebenfalls als 10-Jähriger zu RB Leipzig gekommen und gilt als Top-Talent, der aber im Leipziger Stadion künftig nur als Spieler eines Auswärtsteams auflaufen wird. Oder als deutscher Nationalspieler, denn das ist gar nicht einmal so unrealistisch.

Ebenfalls aus Sachsen kommt Frederik Jäkel, der mit 12 Jahren zu den Leipzigern kam und in den letzten beiden Spielzeiten an den KV Ostende verliehen war. Aber auch in diesem Fall sah das Career Center des Bundesligisten zu wenig Perspektive und gab Frederik Jäkel an die Bielefelder, die nun eine Kaufoption haben, ab.

Sicherlich wird RB Leipzig auch in den kommenden Jahren Erfolg haben, doch es wurde die große Chance vertan, regionale Identifikationsfiguren zu schaffen.


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