Zwei Jahre vor der Heim-WM lag der deutsche Fußball buchstäblich am Boden. Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der EURO 2004 war Bundestrainer Rudi Völler zurückgetreten. Dazu gab es damals seit einiger Zeit eine sportliche Abwärtsbewegung, auch weil gute Spieler fehlten. (Bild: IMAGO / Panthermedia)
Doch erst einmal musste ein neuer Bundestrainer gefunden werden, was sich schwierig gestalten sollte, nachdem die Wunschlösung Ottmar Hitzfeld abgesagt hatte. Eine Trainerfindungskommission wurde eingesetzt und Namen wie Otto Rehagel und Lothar Matthäus diskutiert. Schlussendlich entschied sich der DFB für den 1990er-Weltmeister Jürgen Klinsmann.
Auch wenige Wochen vor WM-Beginn war von Euphorie kaum etwas zu spüren. Schuld daran war ein desaströses 1:4 gegen Italien. Zudem gab es Kritik an Jürgen Klinsmann, weil sich dieser die meiste Zeit in den USA aufhielt, seiner Wahlheimat.
Das änderte sich spätestens durch einen gewissen David Odonkor und Gladbachs Stürmer Oliver Neuville. Im zweiten Vorrundenspiel gegen Polen rannte die deutsche Mannschaft in der Schlussphase an, um den 2:1-Siegtreffer zu erzielen. Kader-Überraschung David Odonkor setzte sich schließlich in der Nachspielzeit auf dem rechten Flügel durch und bediente Oliver Neuville, der den Ball nur noch ins Tor schieben musste.
#OnThisDay 14/06/2006 - #WorldCup Drama in Dortmund 😱
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🇩🇪 🆚 🇵🇱 1-0
⚽️ Oliver #Neuville pic.twitter.com/CAkuxt3GXY
Ein ganzes Land war elektrisiert. Auch ansonsten nicht-fußballinteressierte Menschen fieberten bei den WM-Spielen mit. In allen Teilen der Republik fanden Public Viewings statt, bei denen Fans gemeinsam Fußball schauten. Zahlreiche Autos waren mit Deutschland-Fahnen beflaggt und überall wurde fleißig diskutiert. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ war der Slogan dieser WM. Und so war es auch.
Das Wetter passte ebenfalls und so wurde die Weltmeisterschaft 2006 wirklich ein Sommermärchen, was sich von der Stimmung her auch noch durch die nächsten Turniere zog. Mit dem absoluten Höhepunkt des WM-Triumphs 2014 in Brasilien. Mit Spielern wie Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski, die schon 2006 dabei waren.
Von dieser einzigartigen Stimmung von damals ist in der Gegenwart jedoch kaum etwas übriggeblieben. Deutschland und seine Menschen, seit vielen Jahren uneins, zerstritten und gespalten, haben auch inzwischen ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Nationalmannschaft, was auch an den letzten beiden enttäuschenden Weltmeisterschaften liegt.
Dagegen lag sich 2006 ein ganzes Land in den Armen, obwohl es am Ende nicht für den WM-Titel reichte. Schuld daran war Angstgegner Italien und Fabio Grosso, der das DFB-Team im Halbfinale in der 119. Minute erlegte. Trotzdem konnten Michael Ballack & Co. das Turnier mit erhobenem Haupt verlassen, denn sie hatten den Menschen viel Freude bereitet.
Wird Deutschland Gruppensieger?
Ja
1,30
Wird Deutschland Weltmeister?
Ja
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