Henrik

Schafft der FC Ingolstadt 04 den Klassenerhalt?

Platz Achtzehn nach Neunzehn Spieltagen. Torverhältnis von 15:39. Bislang lediglich zehn Punkte geholt. Die Rückkehr in das Unterhaus der Bundesliga hätte man sich in den Reihen der Schanzer sicherlich anders vorgestellt. (Foto: IMAGO / Picture Point LE)

Nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer fand in Ingolstadt der große Umbruch statt. Mit Cheftrainer Tomas Oral und Sportdirektor Michael Henke verließen den Klub gleich zwei Akteure, welche die Vergangenheit der Schanzer sehr geprägt haben. Mit dem zum Cheftrainer beförderten Roberto Pätzold und dem neuen Manager Malte Metzelder sollte der Umbruch in den Führungspositionen des Klubs stattfinden.

Doch die Amtszeit von Trainer Pätzold sollte nur von kurzer Dauer sein. Nach Pätzold probierte sich ebenfalls Andre Schubert als Cheftrainer der Schanzer und scheiterte jedoch kläglich. Nun ist mit Rüdiger Rehm bereits der dritte Trainer in der laufenden Saison im Amt. Sein Start bei den Schanzer verlief jedoch etwas holprig.

Doch kann der FC Ingolstadt die Wende schaffen und am Ende der Saison den Klassenerhalt feiern?

Pätzold übernimmt Traineramt im Sommer 2021

Es dürfte wohl die meisten überrascht haben, als die Verantwortlichen des FCI bekanntgaben, dass der bisherige U19-Trainer Roberto Pätzold die Nachfolge von Tomas Oral antreten wird. Die Verantwortlichen waren überzeugt von den Fähigkeiten Pätzolds und waren sich sicher, dass er die Mannschaft vor allem spielerisch weiterentwickeln werde.

Jedoch konnte Pätzold die in ihn gesetzten Hoffnungen nur in ganz wenigen Spielen erfüllen. Die Schanzer wirkten unter seiner Leitung über weite Strecken der Spiele planlos und schienen mit der neuen Herausforderung zweite Bundesliga maßlos überfordert zu sein.

Besonders erschreckend zu beobachten dürfte es wohl gewesen sein, dass die Mannschaft die Grundtugenden und ursprünglichen Stärken der Schanzer komplett vermissen ließen. Die Mannschaft trat nicht als eine geschlossene Einheit auf, puschte sich nicht gegenseitig nach gewonnenen Zweikämpfen und agierte nicht eklig und hartnäckig gegen den Ball.

Und so kam es wie es kommen musste, sodass Roberto Pätzold nach lediglich neun Pflichtspielen als Cheftrainer seinen Hut nehmen musste.

Rüdiger Rehm kommt und soll es richten

Nach Roberto Pätzold verpflichteten die Verantwortlichen Andre Schubert als neuen Übungsleiter. Jedoch war die Zeit des 50-jährigen Fußballlehrers ebenfalls nicht von Erfolg geprägt. Nach neun Spielen ohne einen einzigen Sieg, musste auch er seinen Posten als Cheftrainer der Schanzer wieder räumen.

Als dritten Trainer in der laufenden Saison präsentierte der FCI Rüdiger Rehm. Der 43-jährige ist unter anderem durch seine Explosivität und seinen Ehrgeiz bekannt, welche er bei seinen vorherigen Stationen stets an den Tag legte.

Die Verantwortlichen dürften mit der Personalie Rehm genau den Trainer geholt haben, welcher durch seine kämpferische Einstellung und seine Idee spielen zu lassen möglicherweise die dringend benötigten Impulse setzen kann.

Kader wird in Winterpause verstärkt

Den Verantwortlichen dürfte wohl zu Beginn der Winterpause klar gewesen sein, dass die Mannschaft an einigen Stellen dringend Verstärkungen benötigt, um das Ziel Klassenerhalt erreichen zu können.

Die Schanzer konnten in der Winterpause erfolgreich auf dem Transfermarkt zuschlagen und unter anderem mit Offensivspieler Florian Pick, Innenverteidiger Nikola Stevanovic und Torhüter Dejan Stojanovic neue Spieler für sich gewinnen.

Besonders die Verpflichtung von Torhüter Dejan Stojanovic gilt es zu erwähnen. Der 28-jährige Schlussmann, welcher auf Leihbasis inklusive Kaufoption vom FC Middlesbrough kommt, kennt die 2.Bundesliga bereits bestens aus seiner Zeit beim Ligakonkurrenten FC. St.Pauli.

Dieser Transfer dürfte für die Verantwortlichen wohl von höchster Priorität gewesen sein, da der bisherige Stammtorhüter Fabijan Buntic nicht als sicherer Rückhalt agieren konnte und zu großen Teilen unsicher wirkte.

Kutschke - Hoffnungsträger oder Problem?

Die Personalie Stefan Kutschke dürfte wohl auch für Rüdiger Rehm zu einer ganz besonderen Aufgabe werden. Denn immerhin befindet sich der einstige Hoffnungsträger und aktueller Mannschaftskapitän in einem schon länger anhaltenden Formtief.

Der einstige Torgarant kommt in der laufenden Spielzeit lediglich auf zwei erzielte Tore und bereite zudem einen weiteren Treffer vor. Auch die Leistungen von Kutschke waren nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit und man könnte meinen, dass er aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und seiner Tempodefizite nicht mehr bzw. nur mit großer Mühe in der 2.Bundesliga mithalten kann.

Und warum sollte Rüdiger Rehm dann trotzdem noch auf ihn setzen? Ganz einfach. Denn Kutschke ist immer noch ein unersetzlicher Führungsspieler in den Reihen der Schanzer, der stets versucht sein Team anzutreiben und zu motivieren. Besonders in Zweikämpfen gibt der 33-jährige Routinier oftmals die Linie vor, wenn er konsequent dazwischen geht, zu einem Foul greift und dem Gegner damit klar die Grenzen aufzeigt.

Es dürfte also für Rehm eine große Bedeutung haben, dass er weiterhin auf den Mittelstürmer baut, da Kutschke die dringend benötigte Mentalität und Aggressivität in das Team bringt und dies auch von seinen Mitspielern fordert. Auch die Erfahrung des Routiniers und seine ursprünglichen Torjäger-Qualitäten werden für den Abstiegskampf noch eine wichtige Rolle spielen.

Chance auf Klassenerhalt unter bestimmten Voraussetzungen

Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt aktuell bereits zehn Punkte und auch auf den Relegationsplatz sind es stolze sieben Punkte Rückstand. Jedoch gilt es hier auch zu erwähnen, dass gerade einmal 19 Spieltage gespielt sind und noch sehr viele Punkte geholt werden können.

Deswegen wäre man in den Reihen der Schanzer gut damit beraten, wenn man jetzt noch nicht den Kopf in den Sand steckt und ganz im Gegenteil nun eine “Jetzt-erst-recht-Mentalität” entwickelt. Schließlich haben die Ingolstädter noch alles in der eigenen Hand.

Jedoch muss man dringend wieder zu den alten Stärken Ingolstadts wieder finden, welche den Verein in seiner Vergangenheit so enorm geprägt haben. Das Team sollte den Abstiegskampf nun endgültig angenommen haben und dies auch in den Spielen zeigen, indem man als eine Einheit um jeden einzelnen Punkt kämpft.

Besonders das Zweikampfverhalten dürfte für die Schanzer eine große Rolle spielen. Hierbei gilt es, dass das Team wieder eklig zu bespielen werden muss und es auch nicht davor zurückschreckt ein Foul zu ziehen bzw. konsequent zur Sache zu gehen.

Zudem muss Trainer Rehm wohl speziell am Abschlussverhalten seiner Akteure arbeiten. Schließlich muss dies einfach effektiver werden, da man aktuell die schlechteste Offensive der 2.Bundesliga besitzt. Vor allem muss die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor wieder zurückkehren, da man nicht erwarten kann, dass sich der FCI in den verbleibenden Spielen jeweils ein klares Chancenplus an guten Torchancen erspielen wird.

Vorschau auf den kommenden Spieltag

Am kommenden Spieltag wartet mit dem Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 eine äußerst schwierige Aufgabe auf die Schanzer.

Die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht gilt wohl neben Tabellenführer St.Pauli als das Überraschungsteam der 2.Bundesliga und zeichnet sich besonders durch seine Torgier und Offensivstärke aus. Besonders durch das Hinspiel dürfte man in Ingolstadt vor der kommenden Aufgabe gewarnt sein, da sich in der Hinrunde Darmstadt im direkten Duell deutlich durchsetzen konnte (6:1).

Alles in allem dürfen sich die Fans auf eine sehr hitzige und brisante Begegnung freuen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der FCI die dringend benötigten Punkte im Abstiegskampf gegen den Tabellenzweiten holen kann oder ob die Südhessen ihrer Favoritenrolle gerecht werden und die drei Zähler aus Ingolstadt mitnehmen.

Die Favoritenrolle für das Aufeinandertreffen liegt jedoch nach den Buchmachern auf Seiten des SV Darmstadt 98.

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Henrik

Wohin geht die Reise für Hannover 96?

Platz Fünfzehn nach Achtzehn Spieltagen. Torverhältnis von 14:27. Die Spielzeit 2021/22 hätten sich sowohl die Verantwortlichen als auch die Fans der Niedersachsen sicherlich anders vorgestellt. (Foto: IMAGO / Joachim Sielski)

Im vergangenen Sommer sollte unter Trainer Jan Zimmermann eine neue Ära aufgebaut und der Umbruch im Team eingeleitet werden. Doch die Amtszeit von Zimmermann war nur von kurzer Dauer.

Doch seitdem Christoph Dabrowski das Team übernommen hat, scheint Hannover so langsam wieder die Kurve zu bekommen. Aber können die Niedersachsen auch an die zuletzt guten Leistungen anknüpfen und in der Tabelle nach oben ins gesicherte Mittelfeld klettern? Oder wird es das große Zittern um den Klassenerhalt?

Amtszeit von Zimmermann wenig glanzvoll

Es herrschte eine regelrechte Aufbruchstimmung im vergangenen Sommer, als die Verantwortlichen mit Jan Zimmermann ihren neuen Cheftrainer bekanntgaben. Schließlich verpflichtete man einen gebürtigen Hannoveraner, der sich durch seine Arbeit beim TSV Havelse einen guten Ruf erarbeitet hatte.

Zimmermann sollte eine neue Ära prägen und ein Team aufbauen, um den Klub vorübergehend zu stabilisieren und langfristig wieder zu alter Stärke zu führen. Doch diese Erwartungen konnte der junge Trainer nicht mal ansatzweise erfüllen.

Zu Beginn der Saison musste H96 in letzter Sekunde den schmerzvollen Abgang von Torjäger Marvin Ducksch zum Ligakonkurrenten SV Werder Bremen hinnehmen. Die Verantwortlichen der Niedersachsen versuchten zwar diese Lücke im Sturmzentrum zu schließen, indem man mit Lukas Hinterseer einen erfahrenen Stürmer holte, welcher die in ihn gesetzten Erwartungen bisher jedoch noch nicht erfüllen konnte.

Das Sturmproblem zog sich bisher wie ein roter Faden durch die Spielzeit der Roten. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor, die nur selten überzeugenden Auftritte der Mannschaft und ein teilweise desaströses Abwehrverhalten führten dazu, dass sich der Klub bereits nach dem fünfzehnten Spieltag von Jan Zimmermann trennte.

U23-Trainer Christoph Dabrowski übernimmt

Die Sorgen der Fans dürften wohl sehr groß gewesen sein. Denn schließlich befand sich ihr Team nicht in der erhofften oberen Tabellenhälfte wieder, sondern steckte im Tabellenkeller fest.

Die Verantwortlichen um Sportdirektor Marcus Mann entschieden sich, nach der Trennung von Jan Zimmermann, auf die Schnelle mit Christoph Dabrowski für eine Interimslösung. Der ehemalige Profi und Trainer der U23 Mannschaft sollte das Team auf das anstehende Ligaspiel gegen den Hamburger SV vorbereiten.

Dabrowski haucht Team neues Leben ein

Die Erwartungen der Fans für das Spiel gegen den einstigen Bundesliga-Dino dürften sich wohl in Grenzen gehalten haben. Umso erstaunter dürften sie wohl gewesen sein, als die Niedersachsen das Duell mit dem HSV für sich entscheiden konnten (1:0).

Doch besonders die Art und Weise, wie das Team agierte dürfte den Fans wohl sehr gefallen haben. Das Team präsentierte sich als eine geschlossene Einheit, welche hoch konzentriert in den Zweikämpfen agierte und mit Entschlossenheit das schnelle Umschaltspiel nach vorne suchte.

Auch in den darauffolgenden Spielen gegen den FC Ingolstadt 04 (2:1) und den SV Werder Bremen (1:4) wusste die Arbeit von Dabrowski zu überzeugen, sodass die Verantwortlichen dem 43-jährigen Fußballlehrer das Vertrauen aussprachen und dieser das Team zunächst bis zum Saisonende betreuen wird. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass sich Dabrowski gegen namhafte Konkurrenz auf den Trainerposten durchsetzen konnte, da unter anderem Uwe Rösler und Daniel Thioune mit den Niedersachsen in Verbindung gebracht worden sind.

Mannschaft wird in der Winterpause verstärkt

Den Verantwortlichen dürfte wohl zu Beginn der Winterpause klar gewesen sein, dass die Mannschaft an ein paar wenigen Stellen verstärkt werden muss. Es galt also für Sportdirektor Mann nach potenziellen Neuzugängen zu schauen, welche der Mannschaft auf Anhieb weiterhelfen würden und über eine gewisse Erfahrung bereits verfügen.

Der erste Winterneuzugang ist ein alter Bekannter bei den Roten. Es handelt sich nämlich um Mittelstürmer Cedric Teuchert, der in der Spielzeit 2019/20 schon einmal das Trikot von Hannover 96 getragen hat. Teuchert, der neben dem Sturmzentrum auch flexibel auf den beiden Offensivflügeln spielen kann, dürfte die Offensive der Niedersachsen beleben. Ein weiterer Pluspunkt von Teuchert dürfte wohl seine Mentalität und seine Laufstärke sein. Denn schließlich konnte er sich in den zwei Jahren beim Bundesligist 1.FC Union Berlin unter Trainer Urs Fischer enorm weiterentwickeln und an seinem Taktikverständnis, seiner Disziplin und seiner Zweikampfführung arbeiten.

Zusätzlich konnten die Niedersachsen mit dem Niederländer Mark Diemers einen erfahrenen zentralen Mittelfeldspieler in die eigenen Reihen holen. Der 28-Jährige kommt auf Leihbasis vom niederländischen Erstligisten Feyenoord Rotterdam und zeichnet sich besonders durch seine Ballsicherheit und seine Flexibilität im Mittelfeld aus. Jedoch muss hierbei erwähnt werden, dass Diemers in der aktuellen Spielzeit aufgrund einer Knieverletzung lange ausfiel und seinen Stammplatz im Mittelfeld bei Feyenoord verlor. Es könnte also sein, dass Diemers ein wenig Zeit benötigt, um wieder in den Spielrhythmus zu gelangen.

Wo muss Hannover 96 in der Rückrunde ansetzen?

Aufgrund der aktuell gefährlichen Tabellensituation dürfte sich wohl jeder klar sein, dass man von H96 in der kommenden Rückrunde keinen Zauberfußball erwarten kann. Es gilt für die Niedersachsen an dem bereits eingeschlagenen Weg unter Christoph Dabrowski festzuhalten und sich auf die Grundtugenden zu konzentrieren.

Das Hauptaugenmerk dürfte jedoch auf dem Stabilisieren der Abwehr liegen. Mit 27 Gegentoren ist diese zwar für den Tabellenplatz verhältnismäßig gut, jedoch nicht ausreichend, da die Offensive bisher lediglich 14 Tore erzielen konnte und somit die schlechteste Offensive der 2.Bundesliga ist.

In der Offensive dürften die Roten gut damit beraten sein, ihren Fokus auf das schnelle Umschaltspiel zu legen und ihre schnellen Offensivspieler wie unter anderem Linton Maina einzusetzen. Es wird zudem viel von Mittelfeldspieler Sebastian Kerk abhängen, der in der laufenden Saison der beste Torjäger der Mannschaft ist und als Schaltzentrale im offensiven Mittelfeld agiert.

Vorschau auf den kommenden Spieltag

Nach der Winterpause wartet mit dem Auswärtsspiel beim FC Hansa Rostock eine äußerst knifflige Aufgabe auf Hannover 96.

Die Mannschaft von Trainer Jens Härtel zeichnet sich über ihre Disziplin, Zweikampfstärke und ihre Mentalität aus. Besonders durch das Hinspiel dürfte man in Hannover vor der kommenden Aufgabe gewarnt sein, da sich in der Hinrunde Rostock im direkten Duell durchsetzen konnte (3:0).

Alles in allem dürfen sich die Fans auf ein hitziges und brisantes Duell freuen. Es wird spannend zu sehen sein, ob Hannover 96 seine Form unter Trainer Dabrowski auch im neuen Jahr bestätigen und es etwas Zählbares aus Rostock mitnehmen kann oder ob Hansa auch das zweite Duell mit den Roten für sich entscheiden kann.

Aufgrund der aktuellen Landesverordnung werden bei diesem Spiel am Freitagabend jedoch keine Fans im Stadion sein.

Die Favoritenrolle für das Aufeinandertreffen liegt jedoch nach den Buchmachern knapp auf Seiten von Hansa Rostock.

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Henrik

Das Kickfieber-Interview - Heute mit Elton da Costa

In unserer Serie "Das Kickfieber-Interview – Heute mit ..." wollen wir Euch in jeder Ausgabe ein spannendes Interview mit einem Protagonisten aus der Fußballszene präsentieren. Dabei erwarten Euch interessante Einblicke hinter die Kulissen der Welt des Fußballs, die mit Sicherheit den einen oder anderen von Euch zum Nachdenken bringen werden.

In der heutigen Ausgabe ist dieser Protagonist Elton da Costa, ehemaliger Zweitligaprofi und aktueller Trainer beim hessischen Gruppenligisten 1.FCA 04 Darmstadt.

Herr da Costa, Sie haben sich im Sommer 2014 aus dem Profifußball verabschiedet und sind in die Verbandsliga zum 1.FCA Darmstadt gewechselt. Aus welchen Gründen haben Sie sich damals zu diesem Schritt in den Amateurfußball entschlossen?

Ich hatte damals einige Anfragen aus der Regionalliga und aus den USA und habe mich schließlich nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, dass es besser sei meine Profikarriere zu beenden und das Leben danach zu starten. Ich wollte weiterhin im Fußball erhalten bleiben und der FCA, damals haben sie in der Verbandsliga gespielt, hat mir die Möglichkeit gegeben als Spieler/Trainer zu fungieren und das war das, was ich machen wollte. Es kam ziemlich plötzlich, aber zum richtigen Zeitpunkt.

Nach Zwischenstationen in Bensheim und Kalbach hat Sie nun Ihr Weg im vergangenen Sommer wieder zurück zum 1.FCA Darmstadt geführt. Jedoch sind Sie nun nicht mehr ausschließlich als Spieler tätig, sondern agieren als Spielertrainer. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was reizt Sie speziell an dieser Doppelfunktion?

In dieser Doppelfunktion agiere ich, seitdem ich das erste Mal für den 1.FCA Darmstadt tätig war. In Bensheim war ich zunächst nur als Spieler aktiv, bevor ich dann jedoch für die letzten sechs Spiele in der Verbandsliga (damals) in der Doppelfunktion agierte, nachdem Ronald Borchers zurückgetreten war und ich übernommen hatte. In Kalbach und später anschließend wieder in Bensheim war ich jeweils in der Doppelfunktion tätig. Deshalb wollte ich auch beim 1.FCA Darmstadt in der Doppelfunktion tätig sein und es war genau das, was ich weitermachen machen wollte, bis ich der Meinung bin, dass ich nicht mehr mithalten kann und das mein Körper nicht mehr mitmacht.

Elton Da Costa 1 FCA Darmstadt

Elton da Costa in seiner Spielerfunktion beim FCA Darmstadt. (Foto: IMAGO / HMB-Media)

Natürlich stellt sich dann auch die Frage nach der Zukunft des Trainers Elton da Costa. Was sind Ihre Ziele im Bezug auf Ihre Trainerkarriere und wollen Sie später als Cheftrainer im Profifußball arbeiten?

Ich möchte natürlich als Trainer weitermachen, aber ich schaue nicht so weit nach vorne. Ich versuche mich stets zu verbessern und werde sehen, wohin die Reise gehen wird. Lust habe ich auf jeden Fall, nicht nur als Cheftrainer, sondern auch als Co-Trainer einer Profimannschaft zu arbeiten wäre mein Ziel.

Werfen wir nun aber einen Blick auf Ihre langjährige Spielerkarriere im Profifußball. Im Alter von 19 Jahren wechselten Sie von ihrem Heimatverein Esporte Club Internacional aus Brasilien zum FSV Frankfurt und konnten sich bereits in Ihrer zweiten Saison einen Stammplatz erspielen. Gab es bei diesem Sprung Spieler, die besonders bei Ihrer Integration in die Mannschaft und an das anfangs ungewohnte Umfeld geholfen haben? Und welche Rolle haben Ihre damaligen Trainer gespielt?

Ich darf dich erstmal korrigieren ;), Ich bin tatsächlich mit 17 Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Vertrag beim FSV Frankfurt unterschrieben. Es gab einige Spieler, die mir damals geholfen haben, mich besser zu integrieren. Michael Pereira da Silva ist Portugiese und hat mir enorm geholfen, die anderen waren Emanuele Giuliana, Antonio Castellino, Andreas Rüppel, Mikayil Kabaca und Youssef Mokhtari. Ich hoffe, dass ich keinen vergessen habe, da sie mir alle extrem geholfen haben, um mich hier besser zu fühlen, wofür ich ihnen allen sehr dankbar bin. Mein damaliger Trainer Michael Blättel hat mir auch sehr geholfen. Ich war sehr jung und hatte trotzdem Erfahrung aus der 2.Liga in Brasilien, aber hier war alles anders und neu.

Nach den Stationen beim FSV Frankfurt, SV Darmstadt 98 und bei der Spielvereinigung Unterhaching führte Sie Ihr Weg im Jahr 2005 zum FC Augsburg. Sie trugen das Trikot des FCA stolze fünf Jahre lang und waren unter dem damaligen FCA Trainer Jos Luhukay eine Stütze im Mittelfeld der Fuggerstädter. Wenn Sie nun einmal auf Ihre Zeit bei Augsburg zurückblicken, was war das einprägsamste Erlebnis in Augsburg, was Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird?

Die Fans, das sehr familiäre Umfeld und sicherlich unser Aufstieg in die 2. Bundesliga damals, wonach sich der Verein sehr lange Zeit gesehnt hatte. Es war eine wunderbare Zeit dort, die ich sehr vermisse.

Auf Ihre Zeit in Augsburg folgten zwei Spielzeiten bei den Offenbacher Kickers, bevor Sie 2012 zum zweiten Mal in Ihrer Karriere zum SV Darmstadt 98 wechselten. Nachdem die Lilien in der Spielzeit 2012/13 den Klassenerhalt in der 3.Liga lediglich durch den Lizenzentzug der Offenbacher Kickers schafften, sollte in der Spielzeit 2013/14 Fußballgeschichte geschrieben werden. Die Lilien spielten eine überragende Saison und konnten am Saisonende den Aufstieg in die 2.Bundesliga feiern, nachdem man sich in der Aufstiegsrelegation gegen Arminia Bielefeld durchgesetzt hatte. Ihnen gelang damals in der Verlängerung des Rückspiels das goldene Tor, welches die Lilien schlussendlich in die 2.Bundesliga beförderte. Kann man bei diesem Tor von dem wichtigsten Tor Ihrer kompletten Karriere sprechen und werden Sie auch 7 Jahre danach noch auf diesen Moment angesprochen?

Das war der mit Abstand schönste Moment in meiner Fußballkarriere. Der Aufstieg, wie wir ihn an dem Abend geschafft haben, war einmalig und sensationell, was man nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann.

Jedoch entschlossen sich im Sommer 2014 die Verantwortlichen der Lilien dazu, Ihren auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Wie enttäuscht waren Sie damals, als Ihnen die Verantwortlichen um Präsident Rüdiger Fritsch diese Entscheidung mitteilten?

Ich war sehr enttäuscht und traurig darüber und habe erstmal einige Zeit gebraucht bis es mir besser ging, weil der Verein mir immer was bedeutet hat und ich diesen Verein lieben gelernt habe. Dann hatte ich keine Möglichkeit in irgendeiner Funktion dort weiterzumachen, was mich damals echt sehr getroffen hat. Ich bin aber niemanden dort böse gewesen, ich musste es akzeptieren. Ich mache bis zum heutigen Tag auch ab und zu was für die Lilien und bin sehr happy darüber, wenn ich danach gefragt werde. Es bleibt aber ein Traum von mir, dort mit den Profis zusammenzuarbeiten.

Wenn wir gerade schon beim Thema SV Darmstadt 98 sind. Die Lilien sind wohl aktuell das Team der Stunde in der laufenden Spielzeit der 2.Bundesliga und eilen von Sieg zu Sieg. Was macht Ihrer Meinung nach die Mannschaft aktuell so stark und was glauben Sie, können die Lilien in dieser Saison erreichen?

Die absolut gute Transferpolitik in diesem Sommer und die Verpflichtung von Torsten Lieberknecht. Sie spielen absolut überzeugend und selbstbewusst und klar, es ist in dieser Saison vieles möglich, was die ersten drei Plätze angeht. Nachdem was sie bisher geschafft haben, haben sie sich eine sehr gute Ausgangslage erarbeitet, aber erreicht haben sie noch nichts und das wissen sie auch. Es erfordert mehr Konzentration und harte Arbeit als bisher, wenn sie oben weiter bleiben wollen in der mit Abstand besten 2.Bundesliga seit langem.

In der laufenden Spielzeit der 2. Bundesliga spitzt sich die Lage im Aufstiegskampf zu. Gleich mehrere Teams liegen teilweise nur hauchdünn voneinander entfernt und der Traum vom Aufstieg in die Bundesliga dürfte wohl bei vielen existieren. Was glauben Sie, wer wird am Ende der Saison den direkten Aufstieg feiern können? Und wer muss den Gang in die Aufstiegsrelegation antreten?

Es ist echt schwer was zu sagen, da viele Vereine es verdient haben dort oben zu stehen, aber ich bin Lilie durch und durch und möchte den SV Darmstadt 98 als direkten Aufsteiger sehen und die anderen sind mir egal ;).

Vielen Dank für Ihre Zeit für das Interview!

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Henrik

Robert Klauß - der Stabilisator des 1.FC Nürnberg

Platz Sieben nach 15 Spieltagen. Torverhältnis von 21:15. Bislang bereits 24 Punkte geholt. Mit dem bisherigen Saisonverlauf in der Spielzeit 2021/22 der 2.Bundesliga kann man wohl beim 1.FC Nürnberg zufrieden sein. (Foto: IMAGO / Zink)

Denn schließlich haben die Nürnberger unter Cheftrainer Robert Klauß aktuell nichts mit den Abstiegsrängen zu tun und sind sogar lediglich vier Punkte vom dritten Tabellenplatz entfernt.

Doch selbstverständlich ist dieser momentane Erfolg aufgrund der schwierigen letzten Jahre keinesfalls. Auch Robert Klauß hatte in seiner ersten Spielzeit an der Seitenlinie des Klubs mit einigen Widerständen zu kämpfen. Doch was hat Klauß in Nürnberg verändert, um den Klub wieder in ruhiges Fahrwasser und seine Kritiker zum Schweigen zu bringen?

Wird nach Horror-Saison verpflichtet

Die Spielzeit 2019/20 der 2.Bundesliga dürfte den Fans des Clubs wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Der FCN musste nach einer katastrophalen Saison den Gang in die Abstiegsrelegation antreten und konnte sich in dieser nur ganz knapp durch einen Treffer von Fabian Schleusener in allerletzter Sekunde retten.

Die Verantwortlichen des Klubs waren sich nach dem mit großer Mühe geschafften Klassenerhalt einig, dass der Klub dringend einen Umbruch benötige, um zukünftig solche Szenarien wie die Abstiegsrelegation zu verhindern. Jedoch dürfte es wohl viele überrascht haben, als sich die Verantwortlichen rund um Sportvorstand Dieter Hecking für den noch relativ unerfahren Robert Klauß als neuen Cheftrainer entschieden haben.

Mit der Verpflichtung von Klauß, der zuvor zahlreiche Jugendmannschaften von RB Leipzig trainiert hatte, wollten die Verantwortlichen des FCN neue Impulse setzen und die Weichen für einen Neuanfang stellen. Der 37-jährige Fußballlehrer genoß schon damals ein hohes Ansehen in der Branche und man durfte gespannt sein, wie sich das Trainer-Talent Klauß in Nürnberg schlagen werde.

Debüt-Saison endet im gesicherten Tabellenmittelfeld

Die Spielzeit 2020/21 der 2.Bundesliga war geprägt von Höhen und Tiefen für den 1.FC Nürnberg. Jedoch erreichte man trotz so einiger Leistungsschwankungen dennoch das angestrebte Saisonziel, nämlich den Klassenerhalt.

Hierbei muss jedoch erwähnt werden, dass der FCN durchaus die Möglichkeit hatte, um in der Tabelle weiter oben zu stehen. Doch aufgrund fahrlässiger Chancenverwertung und teils desaströsen Abwehrverhalten verspielte das Team leichtsinnig viele Punkte.

Jedoch gab es in der Spielzeit 2020/21 auch gewisse Phasen, wo der Club und besonders Trainer Klauß so manche Kritik einstecken musste. Bei Klauß kritisierten viele, dass er ein zu kompliziertes Fachchinesisch sprechen würde und zweifelten zugleich, ob die Spieler dies überhaupt verstehen würden.

Am Ende der Saison konnte Klauß trotz Formschwankungen und anhaltender Kritik den elften Tabellenplatz erreichen. Die Club-Verantwortlichen konnten sich in ihrer Entscheidung bestätigt sehen, dass man mit Robert Klauß einen jungen Trainer geholt hat, der dem Verein eine klare Linie gegeben hat, um den benötigten Schritt in der Entwicklung zu gehen.

Klauß setzt auf Mix aus Erfahrung und Talent

Nach seiner erfolgreichen Debüt-Saison beim FCN, veränderte Klauß den Kader des Klubs im vergangenen Sommer auf so einigen Positionen. Es wurden teils erfahrenen Routiniers geholt, wie Christopher Schindler, die in dem jungen Team als Führungsspieler vorangehen sollen.

Trotz der zahlreicher Veränderungen im Kader, blieb Klauß seiner Spielidee treu. Die Nürnberger zeichnen sich sich über 4-3-1-2 System aus, indem es keine richtigen Flügelspieler gibt. Man kann hierbei schon behaupten, dass Klauß ein wenig RB-DNA mit nach Nürnberg gebracht und installiert hat.

Besonders auffallend ist, dass der FCN stets darum bemüht ist, einen gepflegten Fußball zu spielen. Hierbei gilt es zu erwähnen, dass Klauß täglich am Selbstvertrauen der Spieler arbeitet und ihnen vorgibt, dass sie sich vor keinem Gegner verstecken und stets Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben sollen.

Klauß fördert Angreifer Shuranov

Neben den erfahrenen Führungsspielern gehen jedoch auch junge Spieler mit guten Leistungen voran. Einer dieser jungen Wilden ist Erik Shuranov. Der 19-jährige Mittelstürmer, der aus der eigenen Jugend kommt, könnte wohl als größter Gewinner unter Trainer Klauß bezeichnet werden.

Denn schließlich gelang Shuranov unter Klauß der Durchbruch im Profibereich. Bereits in der vergangenen Saison bekam Shuranov in der 2.Bundesliga Einsätze und wusste durchaus zu überzeugen. Ihm gelangen fünf Tore in 14 Einsätzen und man konnte sich in Nürnberg darauf freuen, was dieses Talent zukünftig schaffen wird.

Der junge Mittelstürmer scheint die Spielidee von Klauß perfekt zu verstehen, sodass er auch in der aktuellen Spielzeit schon wieder glänzen konnte. Seine starken Leistungen blieben jedoch keinesfalls unbemerkt und so kam es, dass Shuranov erstmals für die deutsche U-21 Nationalmannschaft nominiert wurde.

Doch von all dem lässt sich der 19-Jährige nicht blenden und vergisst seine Förderer nicht. Dies zeigt auch seine kürzliche Vertragsverlängerung. Der Stürmer zeigt sich dankbar für das in ihn gesetzte Vertrauen und will laut eigener Aussage noch so manches mit dem Klub erreichen. Shuranov scheint vom dem unter Klauß eingeschlagenen Weg komplett überzeugt zu sein, um die nächsten Schritte in seiner Karriere zu machen.

Bodenständigkeit trotz Erfolges

Jedoch auch Robert Klauß scheint seine Wurzeln nicht vergessen zu haben. Schließlich nutzte der 37-Jährige die vergangene Länderspielpause, um bei seinem ehemaligen Verein, dem SSV Markranstädt vorbeizuschauen. Doch lediglich vorbeischauen, wäre wohl zu einfach gewesen.

Der Club Trainer erklärte sich dazu bereit, um im Spiel des Sachsen Pokals wieder als Spieler mitzuwirken. Er wurde zwar erst in der Schlussphase des Spiels eingewechselt und musste am Ende eine Niederlage einstecken, jedoch zeigt diese Angelegenheit, wie bodenständig Klauß trotz Erfolges geblieben ist.

Vorschau auf den kommenden Spieltag

Am kommenden Spieltag wartet mit dem Heimspiel gegen die KSV Holstein Kiel eine äußerst knifflige Aufgabe auf die Franken. Jedoch darf man die Kieler trotz einer aktuell eher enttäuschenden Saison keinesfalls unterschätzen.

Denn die Kieler scheinen sich unter ihrem neuen Cheftrainer Marcel Rapp gefangen zu haben und befinden sich aktuell wieder auf dem Weg aus dem Tabellenkeller der 2.Bundesliga.

Alles in allem dürfen sich die Fans auf eine intensive Begegnung freuen. Es wird spannend zu beobachten sein, ob der FCN wieder in die Erfolgsspur zurückfinden kann oder ob es den Kielern gelingt auch in Nürnberg etwas Zählbares mitzunehmen.

Die Favoritenrolle für das Aufeinandertreffen liegt jedoch nach den Buchmachern auf Seiten vom 1.FC Nürnberg.

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Henrik

Peter Hyballa - das große Rätsel

Das Jahr 2021 neigt sich so langsam dem Ende hingegen und viele können es wohl kaum mehr erwarten, dass das Jahr 2022 beginnt. Zu diesen Personen dürfte wohl auch Peter Hyballa gehören. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)

Denn wenn man den sportlichen Werdegang Hyballas in dem Jahr 2021 betrachtet, hätte es wohl kaum unglücklicher laufen können. Schließlich heuerte der 45-Jährige innerhalb der letzten zwölf Monate bei gleich drei Vereinen an, bei denen jedoch seine Tätigkeit jeweils nur von kurzer Dauer war.

Der Weltenbummler Hyballa, der bereits viel von der Welt gesehen und schon in sieben verschiedenen Ländern gearbeitet hat, scheint offenbar bisher noch nicht den richtigen Verein gefunden zu haben, bei dem er langfristig arbeiten kann. Doch woran liegt es, dass die Engagements von Peter Hyballa oftmals nur von kurzfristiger Dauer sind?

Überzeugt bei EM als TV-Experte

Er dürfte wohl einen maßgeblichen Anteil daran gehabt haben, dass das ZDF für seine Berichterstattung bei der Fußball-Europameisterschaft, im vergangenen Sommer, so viel Lob erhalten hat. Denn Peter Hyballa konnte in seiner Rolle als Taktikexperte durchaus überzeugen.

Schließlich erklärte er in den Halbzeitpausen gewisse Spielszenen sehr professionell und ging haargenau auf die einzelnen Spieltaktiken der jeweiligen Nationen ein. Aber auch von der menschlichen Seite konnte Hyballa durchaus mit Charme, Cleverness und Humor überzeugen.

Besonders mit den beiden ZDF-Experten Per Mertesacker und Christoph Kramer bildete Hyballa ein kongeniales Trio, das verschiedene Thematiken sehr genau analysierte, aber zugleich auch die vom Zuschauer gern gesehene Lockerheit nicht vermissen ließ. Es wurden teilweise ein paar humorvolle und nicht ernst gemeinte Sprüche gemacht, bevor man sich dann wieder auf das Wesentliche konzentrierte.

Alles in allem können sowohl das ZDF als auch Peter Hyballa mit der Zusammenarbeit mehr als zufrieden sein.

Zeit bei Esbjerg fB mit unschönem Ende

Seine Tätigkeit beim dänischen Zweitligisten Esbjerg fB hätte sich Peter Hyballa sicherlich anders vorgestellt. Denn dieses Engagement sollte nur von sehr kurzer Dauer sein und mit einem eher hässlichen Ende beendet werden.

Zu Beginn der Spielzeit 2021/22 gab der dänische Zweitligist die Verpflichtung von Peter Hyballa bekannt. Der 45-jährige Fußballlehrer freute sich auf die neue Herausforderung und war sich sicher, dass er etwas aufbauen und entwickeln kann bei Esbjerg.

Jedoch kam Hyballa gar nicht erst dazu etwas aufzubauen und zu entwickeln, da er bereits nach vier Spielen seinen Hut nahm und den Posten als Cheftrainer niederlegte. Es schien offenbar zwischen ihm und der Mannschaft des Zweitligisten so einige Unstimmigkeiten gegeben zu haben. Aufgrund dieser Unstimmigkeiten brachten 21 Spieler des Teams, in einem öffentlichen Brief ihr Misstrauen gegenüber Peter Hyballa zum Ausdruck.

Hyballa selbst zeigte sich von dem öffentlichen Brief sehr überrascht, da er laut eigener Aussage sich gut mit dem Team verstanden und keinerlei größeren Probleme gehabt habe. Jedoch brachte der öffentlich Brief der Mannschaft und die anschließenden Reaktionen im Netz das “Fass” zum Überlaufen.

Aufgrund diverser Anfeindungen gegenüber seiner Person als auch gegenüber seiner Familie, entschloss sich Hyballa daraufhin seinen Job beim dänischen Zweitligisten niederzulegen.

Tätigkeit bei Türkgücü München

Es dürfte wohl den ein oder anderen überrascht haben. als der Drittligist Türkgücü München die Verpflichtung von Peter Hyballa bekanntgab. Die Münchner hatten sich zuvor von ihrem Cheftrainer Peter Ruman getrennt, nachdem man eher enttäuschend in die Spielzeit 2021/22 der 3.Liga gestartet ist.

In den Reihen des Klubs war man sich sicher, dass man mit Hyballa genau den richtigen Trainer geholt habe, mit dem man die hohen sportlichen Ansprüche des Klubs, nämlich den Aufstieg in die 2.Bundesliga, erreichen könne. Jedoch sollte es anders kommen, als sich alle Beteiligten die Zusammenarbeit vorgestellt hatten.

Denn schließlich endete die Zusammenarbeit der beiden Seiten, bereits nach gerade einmal sieben Pflichtspielen. Innerhalb dieser sieben Spiele gelang es Hyballa lediglich zwei Spiele zu gewinnen und er musste ansonsten fünf Niederlagen einstecken. Dies konnte der Führungsetage der Münchner nicht gefallen. Was jedoch stärker für die Trennung von Hyballa gesprochen habe, dürften wohl die teils erschreckend schwachen Auftritte der Mannschaft gewesen sein.

Persönlichkeit stößt oft auf Widerstand

Wenn man Peter Hyballa eines nicht absprechen kann, dann ist das seine Persönlichkeit. Der 45-Jährige verfügt über eine starke Persönlichkeit, die kein Blatt vor den Mund nimmt und auch unangenehme Angelegenheiten offen anspricht. Jedoch scheint genau diese Eigenschaft dem Fußball-Lehrer des Öfteren zum Verhängnis zu werden.

Dies ließ sich auch in gewissen Zügen, bei seinen Stationen vor Türkgücü München beobachten, wo Hyballa nicht aufgrund mangelnden Erfolges, sondern sich eher aufgrund seiner Persönlichkeit oftmals keine Freunde machte. Jedoch gilt es hierbei zu erwähnen, dass in der heutigen Fußballbranche, manche Spieler bzw. Funktionäre nicht mehr mit richtigen Meinungen umgehen können.

Interviews sorgten für Aufregung bei Türkgücü

Jedoch während seiner Amtszeit bei Türkgücü München war es Hyballa selbst, der oftmals in sogenannte “Fettnäpfchen” trat. Besonders durch seine Interviews nach den Spielen der Münchner sorgte er für Schlagzeilen und erzeugte eine negative Stimmung im Verein. Der 45-Jährige kritisierte oftmals die Spieler und unterstellte ihnen fehlende Einstellung bzw. das Nichteinhalten der Spieltaktik.

Auch bei der Führungsetage des Klubs verspielte sich Hyballa mittels der Interviews wohl von Zeit zu Zeit immer mehr an Kredit. Besonders den Aspekt, dass Hyballa das ursprüngliche Saisonziel, den Aufstieg in die 2.Bundesliga, herunter schraubte und den Klassenerhalt als Saisonziel ausgab, dürfte wohl bei den Verantwortlichen alles andere als gut angekommen sein.

Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern das Saisonziel zwischen den beiden Parteien innerhalb der Vertragsverhandlungen angesprochen worden ist. Schließlich dürfte es Peter Hyballa bereits vor seinem ersten Tag zum einen bewusst gewesen sein, was der Klub in naher Zukunft erreichen will und zum anderen, was der aktuelle Kader an Spielstärke hergibt und was für sportliche Ziele erreicht werden können.

Die sportliche Zukunft

Es dürfte wohl spannend zu beobachten sein, wie die sportliche Zukunft von Peter Hyballa aussehen wird. Aufgrund der fachlichen Kompetenz dürfte man sich jedoch sicher sein, dass der 45-jährige Fußballlehrer künftig wieder an der Seitenlinie zu sehen sein wird.

Jedoch wäre Hyballa sehr gut beraten, wenn er an seiner Art und Weise ein wenig arbeiten würde, damit er nicht zukünftig dieselben Probleme haben wird, wie er sie bereits in der Vergangenheit des Öfteren hatte. Jedoch man darf nicht vergessen, dass Peter Hyballa ansonsten ein fachlich guter Trainer ist, der sicherlich in einem Verein mit ruhigen Arbeitsumfeld Erfolg haben kann.

Dem Trainer Peter Hyballa gilt es für seine sportliche Zukunft nur das Beste zu wünschen und gleichzeitig zu hoffen, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit seine Lehren gezogen hat.

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Henrik

Die medial erzeugte Unruhe beim Hamburger SV

Der abgewandelte Titel des Films könnte wohl “Und jährlich grüßt das Murmeltier” lauten, wenn man die Art und Weise der Berichterstattung der Medien hinsichtlich des Hamburger SV verfilmen würde. (Foto: IMAGO / Ulrich Hufnagel)

Doch was in den vergangenen Jahren des Traditionsvereins erst mit einem wiederkehrenden Formtief in der Rückrunde begann, scheint in der jetzigen Saison nach gerade einmal dreizehn gespielten Spieltagen der Fall zu sein. Die Medien ziehen den Hamburger SV medial durch den “Fleischwolf” und lassen kaum ein gutes Haar am Traditionsverein.

Nach dreizehn Spieltagen belegt der HSV den siebten Tabellenplatz. Natürlich, gelang den Rothosen damit kein traumhafter Start in die Spielzeit 2021/22 der 2.Bundesliga. Doch ganz so schlecht, wie die Medien es offenbar mit Genuss schreiben, ist der HSV aktuell nicht. Doch welche wichtigen und positiven Aspekte übersehen die Medien?

Klub holt neuen Trainer im Sommer

Diesen Aspekt scheinen die meisten Kritiker des Hansestadt Klubs zumeist zu vergessen. Nach der enttäuschend verlaufenen Spielzeit 2020/21 trennten sich die Rothosen von ihrem damaligen Cheftrainer Daniel Thioune. Einer der größten Schleudersitze für Trainer im deutschen Fußball war also wieder frei und es galt einen neuen starken Mann für diese anspruchsvolle Aufgabe zu finden.

Nach langen Gesprächen präsentierte der Klub mit Tim Walter den neuen Cheftrainer. Eine durchaus mutige und zugleich spannende Entscheidung von Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt. Denn immerhin war man gerade in der abgelaufenen Spielzeit mit einem ebenfalls eher jüngeren und unerfahrenen Trainer gescheitert.

Drastische Team-Verjüngung im Sommer

Es wurde in den vergangenen Jahren stets in den Medien kritisiert, dass der HSV in Sachen Jugend nichts bzw. nicht genügend etwas machen würde. Der eigene Nachwuchs würde nicht an die Profimannschaft herangeführt werden und Neuverpflichtungen wären stets bereits im etwas höheren Alter.

Was jedoch anscheinend komplett untergeht, ist, dass der HSV in dieser Saison noch größeren Wert auf junge Spieler setzt. Im kompletten Kader der Rothosen befindet sich kein einziger Spieler mehr, der bereits 30 oder älter ist. Bei den Neuzugängen lässt sich diese Philosophie des Klubs, auf junge Spieler zu setzen, bestens erkennen. Die Sommerneuzgänge des HSV besaßen im Durchschnitt gerade einmal ein Alter von 22,1 Jahren.

Diese jungen Spieler benötigen eben eine bestimmte Zeit, bis sie sich vollkommen an die neuen Verhältnisse und Ambitionen des großen Traditionsvereins gewöhnt haben. Ein gutes Beispiel hierfür dürfte wohl Mittelfeldspieler Ludovit Reis sein.

Der 22-jährige zentrale Mittelfeldspieler, vor der Saison ablösefrei vom FC Barcelona B gekommen, scheint sich nach anfänglichen Schwierigkeiten nun immer besser beim HSV zurechtzufinden. Mit seiner Dynamik und Spielfreude kann er das Mittelfeld des Klubs wesentlich bereichern und könnte noch eine wichtige Rolle im weiteren Saisonverlauf einnehmen.

Spielweise gerät komplett in den Hintergrund

“Fußball ist ein Ergebnissport”. Natürlich stimmt diese Aussage, aber man darf dennoch nicht die Spielweise dabei vergessen. Immerhin lässt sich beim Hamburger SV eine vollkommen neue Spielphilosophie und nach langer Zeit mal wieder eine klare Handschrift des Trainers erkennen.

Denn die meisten scheinen hier offenbar zu vergessen, dass es eben eine bestimmte Zeit benötigt bis ein Team eine vollkommen neue Spielphilosophie verinnerlicht hat und reibungslos umsetzen kann. Das vorrangige Ziel von Walter beim HSV ist es zudem auch, ein Spielsystem von langfristiger Natur aufzubauen, welches auch bei einem möglichen Aufstieg in die Bundesliga funktionieren könnte.

Aber auch schon zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich eine positive Entwicklung der Mannschaft sehen. Der HSV zeichnet sich aktuell durch eine große Flexibilität im Spielaufbau aus. Es kommt hierbei auch nicht gerade selten vor, dass sich die Außenverteidiger im Spielaufbau in das Zentrum des Mittelfelds bewegen und die Außenbahnen von anderen Spielern besetzt werden. Zudem setzt Walter hierbei besonders Wert auf gepflegtes Passspiel und will nur in absoluten Ausnahmefällen den langen Ball im Aufbauspiel sehen.

Aufstieg wird medial fast schon abgehakt

Es wirkt teilweise so, als wäre die Spielzeit 2021/22 der 2.Bundesliga bereits zu Ende gespielt oder der HSV hätte rechnerisch absolut keine Chance mehr, um einen Aufstiegsplatz erreichen zu können. Nach dem neulichen Remis (1:1) beim Karlsruher SC, wurde der HSV in unzähligen Medien als nur noch “mittelmäßiger Zweitligist” bezeichnet.

Diese Aussagen sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg übertrieben. Der HSV musste sich in der laufenden Spielzeit einzig und allein beim Auswärtsspiel gegen den Lokalrivalen FC.St.Pauli (2:3) geschlagen geben und konnte ansonsten unter anderem die Auswärtsspiele beim SV Werder Bremen (2:0) und beim FC Schalke 04 (3:1) erfolgreich gestalten.

Natürlich stehen auf dem Konto des HSV auch bereits acht Remis, welche jedoch hauptsächlich auf die mangelnde Chancenverwertung zurückzuführen sind. Der Abstand auf den dritten Tabellenplatz beträgt aktuell lediglich vier Punkte. In einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann, können vier Punkte auch relativ schnell aufgeholt werden.

Aufgrund der vergangenen Jahre, sollte man sich beim HSV über die aktuellen Startprobleme des Teams nicht unterkriegen lassen und nicht direkt alles schlecht reden. Vielleicht könnte gerade dies, am Saisonende ein Vorteil werden, wenn sich das Team im Laufe der Saison gefunden und eine Mini-Ergebniskrise überwunden hat, um in der entscheidenden Phase den langersehnten Aufstieg in die Bundesliga zu realisieren.

Vorschau auf den kommenden Spieltag

Nach der Länderspielpause wartet mit dem Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg eine äußerst knifflige Aufgabe auf den Hamburger SV.

Die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegovic ist bisher die Überraschung der Spielzeit 2021/22 der 2.Bundesliga. Nach dreizehn Spieltagen steht der Jahn vollkommen überraschend aber keineswegs unverdient auf dem zweiten Tabellenplatz. Besonders der attraktive Offensivfußball dürfte wohl zu ihren großen Stärken gehören.

Alles in allem dürfen sich die Fans wohl auf ein wahres Topspiel freuen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der HSV seinen “Remis-Fluch” beenden und gegen den Jahn einen Heimsieg einfährt oder ob der Jahn auch den HSV überraschen und aus Hamburg etwas Zählbares mitnehmen kann.

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