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Erzgebirge Aue: Das gescheiterte Projekt Aleksey Shpilevski

Erzgebirge Aue: Das gescheiterte Projekt Aleksey Shpilevski

Platz Achtzehn nach sieben Spieltagen. Torverhältnis von 3:12. Drei Punkte. Man kann wohl bei Erzgebirge Aue von einem klassischen Fehlstart in die neue Spielzeit 2021/22 der 2.Bundesliga sprechen. Nach der Heimniederlage am vergangenen Spieltag gegen den SC Paderborn 07 (1:4) reagierten die Verantwortlichen um Veilchen-Präsident Helge Leonhardt und beurlaubten Cheftrainer Aleksey Shpilevski. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Shpilevski, der im vergangenen Sommer den Posten des Cheftrainers der Veilchen erst übernommen hatte, musste also bereits nach sieben Spieltagen schon wieder seinen Hut nehmen. Wenn man nun im Nachhinein auf sein kurzfristiges Engagement im Erzgebirge schaut, fällt auf, dass die Zeit bei den Veilchen von einer ständigen Unruhe geprägt war. Doch was sind die Gründe für das Scheitern von Shpilevski im Erzgebirge?

Verpflichtung sorgt für Vorfreude bei Fans

Dem Großteil der Veilchen-Fans dürfte wohl der Name Aleksey Shpilevski im ersten Moment unbekannt gewesen sein. Jedoch war in den Lagern der Aue-Fans schnell die Vorfreude verbreitet nach genauer Recherche über den erst 33-jährigen Fußballlehrer.

Denn wenn man auf die Stationen Shpilevskis schaute, konnte man sich so einiges vom jungen Trainer versprechen. Immerhin durchlief dieser in den Jahren 2013 bis 2018 die Jugendmannschaften von RB Leipzig, bevor er sich Sommer 2018 zu einem Wechsel nach Belarus zu Dynamo Brest entschied. Nach einer erfolgreich absolvierten Spielzeit führte ihn sein Weg schließlich zum FK Kairat Almaty, mit welchem er in der Spielzeit 2019/20 die Meisterschaft in Kasachstan gewinnen konnte.

Die Voraussetzungen schienen also optimal zu sein und so mancher Veilchen-Fan träumte bereits davon, dass Shpilevski eine neue Ära im Erzgebirge prägen wird.

Aus Vorfreude wird Unruhe

Doch die anfängliche Euphorie im Lager der Veilchen-Fans war nur von kurzer Dauer. Bereits vor dem ersten Pflichtspiel der Saison war die Stimmung bereits schon angespannt. Der Grund für diesen Stimmungswechsel dürfte wohl die Transferstrategie der Veilchen gewesen sein.

Denn schließlich gaben die Sachsen mit Florian Krüger, wechselte zu Arminia Bielefeld, und Pascal Testroet, wechselte zum SV Sandhausen, die torgefährlichsten Stürmer der vergangenen Spielzeiten ab. Der Abgang von Krüger dürfte wohl niemanden überrascht haben, nachdem der flinke Mittelstürmer eine überragende Saison gespielt hatte und bereits während der vergangenen Saison das Interesse größerer Vereine geweckt hatte.

Doch der Transfer von Pascal Testroet zum SV Sandhausen dürfte für die Fans wohl überraschend gewesen sein. Schließlich hatte man zuvor Krüger schon abgegeben müssen und gab nun mit Testroet auch noch die zweite Konstante im Sturm direkt an einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt ab. Die Offiziellen teilten mit, dass Testroet nicht zu der neuen Spielphilosophie der Veilchen passen würde und man sich deswegen zu dieser Maßnahme entschlossen hatte.

Neuzugänge bleiben vorerst aus

Wer jetzt jedoch dachte, dass die Verantwortlichen bemüht waren schnellstmöglich gleichwertigen Ersatz für das Sturmzentrum zu verpflichten, sah sich getäuscht. Die Verantwortlichen der Veilchen reagierten zurückhaltend auf dem Transfermarkt und holten für das Sturmzentrum zunächst einmal lediglich Babacar Gueye vom Ligarivalen Karlsruher SC.

Die Fans der Veilchen blickten aufgrund der getätigten Transfers mit großer Sorge in die neue Spielzeit und ihre Sorgen sollten sich bestätigen. Innerhalb der ersten vier Spieltage der neuen Spielzeit 201/22, konnten die Veilchen lediglich zwei Tore erzielen und ließen im Offensivbereich jede Torgefährlichkeit vermissen.

Veranlasst durch die gezeigte Offensivschwäche, verpflichteten die Verantwortlichen den kroatischen Mittelstürmer Antonio Mance, auf Leihbasis von NK Osijek, um die Probleme im Offensivbereich zu lösen.

Reagieren statt Agieren

Es dürfte wohl niemanden überrascht haben, dass Erzgebirge Aue in der 2.Bundesliga seinen Fokus nicht auf dominanten Ballbesitz Fußball legen wird. Doch von den einstigen Ankündigungen seitens Shpilevskis bezüglich der Spielphilosophie, war lediglich nur in wenigen Momenten etwas zu erkennen.

Die neue Spielphilosophie der Veilchen sollte ursprünglich sein, dass man aus einer kompakt stehenden Defensive agiert und seinen Fokus auf das Pressing gegen den Ball legt mit anschließendem schnellen und zügellosen Umschaltspiel nach Ballgewinnen.

Unterschied zwischen Anspruch & Wirklichkeit

In der Realität sah die Spielphilosophie jedoch anders aus. Die Veilchen zeigten sich in der Defensive weitestgehend löchrig und anfällig, sodass sie nach sieben Spieltagen bereits zwölf Gegentore hinnehmen mussten. Hierbei muss jedoch noch erwähnt werden, dass Torhüter-Urgestein Martin Männel seine Veilchen des Öfteren vor einer höheren Niederlage bewahrte.

Das angekündigte Pressing gegen den Ball mit anschließendem schnellen Umschaltspiel war ebenfalls nur in sehr wenigen Situationen zu beobachten. In den wenigen Fällen, als das Pressing und Umschaltspiel funktionierte, scheiterten die Veilchen jedoch beim Torabschluss entweder am Torhüter oder an sich selbst.

Diese Probleme waren auch bei der Heimniederlage am vergangenen Spieltag gegen den SC Paderborn 07 (1:4) zu erkennen. Die Abwehr der Veilchen zeigte sich des Öfteren anfällig, währenddessen der Angriff von seinen zahlreichen Chancen lediglich eine einzige Chance verwerten konnte. Nach dem Spiel sahen sich die Verantwortlichen um Klub-Präsident Helge Leonhardt zum Handeln gezwungen und gaben bereits in der anschließenden Pressekonferenz die Trennung von Aleksey Shpilevski bekannt.

Präsident Leonhardt mit fragwürdigen Verhalten

Ein eher fragwürdiges Verhalten dürfte bei der Entlassung von Shpilevski wohl Aue-Präsident Helge Leonhardt gezeigt haben. Schließlich stärkte dieser seinem jungen Trainer Anfang September noch den Rücken in der Öffentlichkeit und betonte zudem, dass man vollständig hinter dem Trainer stehe und diesen nicht in frage stellen werde. Zusätzlich verwies Leonhardt darauf, dass es eine gewisse Zeit benötigt, bis die Mannschaft die neue Spielidee des Trainers verinnerlicht habe und umsetzen könne.

Doch nicht einmal ganze zwei Wochen später, scheint sich Leonhardt nicht mehr an seine eigenen Worte erinnern zu können und entschloss sich dazu das Projekt Shpilevski als gescheitert zu bezeichnen.

Fazit zur kurzfristigen Amtszeit Aleksey Shpilevskis in Aue

Grundsätzlich ist es hierbei zu einfach die Schuld am Misserfolg einzig und allein bei Aleksey Shpilevski zu suchen. Denn immerhin ist Fußball kein Einzelsport. Jedoch ist der junge Trainer möglicherweise auch an den eigenen Erwartungen gescheitert.

Seine Spielphilosophie mit einer kompakt stehenden Abwehr und aggressiven Pressing gegen den Ball mit anschließendem schnellen Umschaltspiel hätte gut in Aue funktionieren können. Jedoch hätte sich der Trainer auch ein wenig an dem bereits vorhandenen Spielerkader der Veilchen orientieren können und sein Spielsystem an ein paar Stellen zu verändern.

Auch den Umgang mit dem jahrelangen Torjäger Pascal Testroet, hätte Shpilevski sicherlich anders regeln können. Shpilevski dürfte bei der Entscheidung gegen Testroet sicherlich seine Gründe gehabt haben. Jedoch hätte er dem Publikumsliebling zumindest die Chance geben können, sodass dieser hätte zeigen können, ob er geeignet für das neue Spielsystem ist oder nicht. Einzig durch diesen Umgang mit Testroet verspielte sich Shpilevski schon Sympathien bei den eigenen Fans.

Jedoch sind hierbei auch die Verantwortlichen um Präsident Helge Leonhardt zu nennen, welche ebenfalls einen erheblichen Anteil am sportlichen Misserfolg der Veilchen besitzen. Denn jene haben es grundsätzlich einfach versäumt, ihrem jungen Trainer zu helfen und diesem für seine Spielphilosophie passende Spieler mit Format für die 2.Bundesliga zu verpflichten. Es lässt sich also sagen, dass die Verantwortlichen zwar den Umbruch bei ihrem Team einleiten wollten, jedoch dafür kaum etwas bzw. nicht genug getan haben und ihren Trainer bei der Bewältigung des Umbruchs im Stich gelassen haben.

Dem Trainer Aleksey Shpilevski gilt es für seine sportliche Zukunft nur das Beste zu wünschen und zu hoffen, dass er aus der Zeit im Erzgebirge seine Lehren gezogen hat.

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