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Das Kickfieber-Interview - Heute mit Sebastian Jacob

Das Kickfieber-Interview - Heute mit Sebastian Jacob

In unserer Serie "Das Kickfieber-Interview – Heute mit ..." wollen wir Euch in jeder Ausgabe ein spannendes Interview mit einem Protagonisten aus der Fußballszene präsentieren. Dabei erwarten Euch interessante Einblicke hinter die Kulissen der Welt des Fußballs, die mit Sicherheit den einen oder anderen von Euch zum Nachdenken bringen werden.

In der heutigen Ausgabe ist dieser Protagonist Sebastian Jacob, Mittelstürmer des Drittligisten 1. FC Saarbrücken.

Herr Jacob, Sie haben sich leider im vergangenen Jahr beim Heimspiel gegen den FSV Zwickau (3:2) das Kreuzband gerissen. Wie geht es Ihnen? Wie läuft die Reha bisher und wann denken Sie, können Sie wieder auf dem Platz stehen?

Mir geht es den Umständen entsprechend sehr gut. Die Reha schreitet bisher problemlos voran und ich kann inzwischen wieder joggen. Auch die Muskulatur ist schon wieder auf einem sehr guten Stand. Bisher kann ich mich nicht über den Heilungsverlauf beklagen, der lief bis zum jetzigen Zeitpunkt perfekt. Geplant ist, erst zur neuen Saison wieder auf den Platz zurückzukehren. Eventuell wird es gegen Ende der Saison schon möglich sein, Teile des Mannschaftstrainings mitzumachen, allerdings ist das aktuell noch Zukunftsmusik. Das vollständige Auskurieren der Verletzung hat jedenfalls oberste Priorität.

Wenn man sich Ihre bisherige Karriere so anschaut, dürfte auffallen, dass Sie von Verletzungen nicht gerade verschont geblieben sind. Was hat Ihnen in diesen schwierigen Zeiten die Kraft gegeben, wieder stärker zurückzukommen?

Leider gehören Verletzungen zum Profisport dazu, auch wenn man natürlich gerne darauf verzichten würde. In jungen Jahren belasten solche Verletzungen noch mehr, mit zunehmendem Alter weiß man aber immer besser damit umzugehen. Der Kontakt zu Familie und Freunden ist für mich dabei ganz wichtig. Ich habe das Glück in meiner Heimat Fußball zu spielen und folgerichtig sind auch in diesen schwierigen Zeiten meine Liebsten immer um mich herum. Bei der aktuellen Verletzung habe ich mir aber beispielsweise auch das Gefühl eingeprägt, ein Tor in unserem Ludwigspark zu schießen. Wieder an diesen Punkt zu kommen um dieses überwältigende Gefühl zu erleben, treibt mich jeden Tag an.

Gehen wir nun in Ihrer Karriere etwas weiter zurück. Im Alter von 18 Jahren haben Sie sich damals dazu entschieden, dass Sie den 1. FC Saarbrücken verlassen und sich dem 1. FC Kaiserslautern anschließen. Bei der U23-Mannschaft der Pfälzer konnten Sie mit starken Leistungen in der Regionalliga Südwest auf sich aufmerksam machen und erspielten sich einen Platz im Kader der ersten Mannschaft. Jedoch wurden Sie immer wieder von schweren Verletzungen ausgebremst, sodass Ihnen der große Durchbruch in der Profimannschaft verwehrt blieb. Nach der Spielzeit 2016/17 war dann das Kapitel 1. FC Kaiserslautern für Sie zu Ende. Bereuen Sie im Nachhinein den Wechsel nach Kaiserslautern oder konnten Sie trotz des nicht geschafften Durchbruchs viel Positives aus Ihrer Zeit am Betze mitnehmen?

Alle Erfahrungen, die man im Laufe seiner Karriere macht, sind wichtig und bringen einen weiter, egal ob diese positiv oder negativ waren. Die Entscheidung von damals bereue ich nicht, da ich in der U23 in der Regionalliga erstmal eine gewisse fußballerische Ausbildung genießen durfte, die aufgrund meiner Vita bis zu dem Zeitpunkt nicht in dem Umfang gegeben war. Ich konnte in dieser Zeit viel lernen und die Perspektive 2. Bundesliga war damals in Kaiserslautern auch gegeben. Zum Glück ist der Weg dann auch in den Profibereich weitergegangen. Um den Aufstieg in die Bundesliga zu spielen war ebenfalls eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Wie das Kapitel Kaiserslautern dann zu Ende ging, mit teils schweren Verletzungen, war natürlich nicht ganz so schön, aber so ist der Fußball beziehungsweise das Leben manchmal.

Im Jahr 2018 entschlossen Sie sich dazu, in ihre Heimatstadt Saarbrücken zurückzukehren und sich dem 1. FC Saarbrücken wieder anzuschließen. Jedoch spielte der FCS damals noch in der Regionalliga Südwest und Sie kamen von einem Zweitligisten. Viele Stürmer aus der 2. Bundesliga würden solch einen Wechsel wohl als einen Rückschritt in ihrer Karriere einstufen und kategorisch ausschließen. Wieso haben Sie dies jedoch nicht getan und haben sich zu einem Wechsel zum 1. FC Saarbrücken in eine unterklassige Liga entschieden?

Nach meiner Verletzung und dem Ende meines Vertrages in Kaiserslautern hing die Karriere laut Meinung meines Operateurs am seidenen Faden. Ich habe mich damals bewusst für den Wechsel in die Heimat entschieden, auch wenn es andere Optionen gab. Ich wollte erstmal wieder richtig Fuß fassen, fit werden und dann gemeinsam mit dem FCS den Aufstieg in die 3. Liga schaffen. Leider sind wir 2018 in der Relegation gescheitert und somit musste das Ziel erstmal aufgeschoben werden. Ich konnte mich allerdings mit den Ambitionen des FCS total identifizieren und wollte meinen Teil dazu beitragen, dass wir den Aufstieg in die 3. Liga schaffen. In diesem gewohnten Umfeld und so nahe bei meiner Familie und Freunden Fußball spielen zu dürfen, war damals der ausschlaggebende Punkt, der mich zu einem Wechsel zurück nach Saarbrücken bewegt hat. Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um zwei nach vorne machen zu können. Dieses Sprichwort hatte ich mir damals vor Augen geführt.

In der Spielzeit 2018/19 konnten Sie beim FCS wieder einen regelmäßigen Spielrhythmus aufweisen und zu alter Stärke finden. Unter Ihrem damaligen Trainer Dirk Lottner galten Sie als gesetzt und gehörten zu den besten Torjägern der Regionalliga Südwest. Mit Ihren Toren und Leistungen dürften Sie doch bestimmt das Interesse höherklassiger Klubs geweckt haben. Wieso sind Sie trotz guter Leistungen beim FCS in der Regionalliga geblieben?

Zu dem Zeitpunkt gab es den ein oder anderen Interessenten, auch im Ausland gab es interessante Möglichkeiten. Da der FCS aber einen Wechsel kategorisch ausschloss, hatte ich da gar nicht weiter nachgehakt. Ich war zu dem Zeitpunkt einfach glücklich und zufrieden, dass es für mich persönlich wieder so gut lief. Manchmal ist das mehr Wert als ein womöglich besser dotierter Vertrag. Außerdem war das Ziel 3. Liga mit dem FCS auch noch nicht erreicht. Das stand für mich über Allem, da ich wusste, was es bedeuten würde, einen Aufstieg mit diesem Verein feiern zu können.

Dirk Lottner musste seinen Hut in der Spielzeit 2019/20 jedoch nehmen und Sie bekamen mit Lukas Kwasniok einen neuen Cheftrainer. Unter Kwasniok erreichten Sie sensationell das Halbfinale des DFB-Pokals, den Aufstieg in die 3. Liga sowie einen starken fünften Tabellenplatz am Ende der Spielzeit 2020/21. Kwasniok ist inzwischen beim SC Paderborn 07 in der 2. Bundesliga tätig und gilt als Trainer, der die Tatsachen klar anspricht. Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Trainer Kwasniok aus und wie sehr hat er Sie persönlich und sportlich geprägt?

Unter Lukas Kwasniok habe ich nochmals sehr viel im taktischen Bereich gelernt. Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der solch eine Akribie und positive Verrücktheit versprüht hat. Das hat sich in ganz klaren, teils detailverliebten Matchplänen widergespiegelt, die oftmals (wenn alle ihre Aufgabe wahrgenommen haben) zum Erfolg führten. Außerdem hat er eine extrem tolle menschliche Seite, die ihn oftmals wie einen Kumpel hat wirken lassen. Es hat einfach extrem Spaß gemacht mit Lukas zu arbeiten. Natürlich war das auch in Kombination mit der erfolgreichen Spielweise einhergehend, aber das eine hat eben auch das andere beeinflusst.

Auf Kwasniok sollte Uwe Koschinat folgen. Jedoch konnte sich Koschinat lediglich die Spielzeit 2021/22 und zu Beginn der Spielzeit 2022/23 halten, bevor die Verantwortlichen die Reißleine zogen. Zu Beginn der aktuellen Spielzeit stimmten zwar die Ergebnisse, jedoch wurde regelmäßig Kritik an der Taktik von Seiten der Medien und Fans geübt. Im weiteren Saisonverlauf wurden jedoch auch die Ergebnisse schlechter, der FCS rutschte in der Tabelle ab und die Stimmung bei den Fans wurde permanent schlechter. Wie war die Stimmung in diesen schwierigen Wochen innerhalb des Teams? Kam es zu Spannungen?

Natürlich wird die Stimmung bei ausbleibendem Erfolg zwangsweise schlechter, sowohl im Umfeld als auch im Team. Uwe Koschinat hat eine andere Philosophie von Fußball in die Mannschaft gebracht. Der Fokus lag erstmal auf der Stabilisierung der Defensive. Während wir unter Kwasniok öfter auch mal Torfestivals mit glücklichem Ausgang für uns feiern durften, haben wir unter Koschinat öfter mal “nur” 1:0 gewonnen. Das ist für den Fußballfan meistens weniger schön anzusehen, hat jedoch für uns oft zum Erfolg geführt. Dementsprechend wurden die Stimmen von Außen immer lauter, als dann der Erfolg etwas weniger wurde. Ich denke, dass der Gedanke grundsätzlich richtig war, die Defensive zu stabilisieren, ich glaube aber auch, dass die taktische Ausrichtung und das fußballerische Können der Truppe manchmal mehr hergegeben hätte als das, was wir dann auf den Platz gebracht haben. Im Fußball ist es dann eben so, dass als Erstes der Trainer den Kopf dafür hinhalten muss.

Der Nachfolger von Uwe Koschinat sollte schnell gefunden werden. Schließlich übernahm Rüdiger Ziehl den Posten des Cheftrainers und wird die Mannschaft vorübergehend bis zum Ende der Spielzeit betreuen. Ihm gelang es jedoch bereits, die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu bringen, sodass man auf dem zweiten Tabellenplatz überwintern konnte. An welchen Schrauben hat er gedreht und was zeichnet Ziehl aus?

Rüdiger Ziehl zeichnet definitiv seine ruhige, sehr sachliche Art aus. Er kann in seinen Ansprachen auch mal laut werden, allerdings tut er dies stets mit Bedacht. Er hat zu Beginn seiner Tätigkeit als Trainer sofort versucht wieder Spaß, aber auch ein gewisses Feuer in die Mannschaft zu bringen. Es wurden einige klare Abläufe einstudiert, die gleich im ersten Spiel erfolgreich umgesetzt werden konnten. Damit gab es sofort eine gewisse Vertrauensbasis zwischen Trainer und Mannschaft, die sich dann durch die folgenden Spiele durchgezogen hat.

Im Winter fand die umstrittene Weltmeisterschaft in Katar statt. Vor ein paar Wochen wechselte Superstar Cristiano Ronaldo nach Saudi-Arabien, wo er laut Medien unglaubliche Summen verdient. Dies sind lediglich zwei Beispiele dafür, was heutzutage den Fußball leider zu prägen scheint. Denken Sie, dass sich der Fußball bereits von seinem ursprünglichen Sinn und Zweck verabschiedet hat bzw. sich immer weiter davon entfernen wird?

Man muss sich eingestehen, dass der Profifußball inzwischen ein Multi-Milliardengeschäft geworden ist. Fußballvereine sind heutzutage eigenständige Wirtschaftsunternehmen mit Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Deals geschlossen werden, die Unmengen an Geld einbringen. So schade das auch für den Fußballnostalgiker ist, so muss man doch sagen, dass Wirtschaft eben auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist und die Vereine teilweise heute auch genau so kalkulieren müssen, da sonst ganz schnell die Insolvenz respektive die Nicht-Wettbewerbsfähigkeit droht. Entsprechend macht es Spaß am Wochenende ein Spiel in der Kreisliga anschauen zu gehen. Da wird aus den ursprünglichen Motiven Fußball gespielt und zu sehen, wie manch einer sonntags sein Herz auf dem Platz liegen lässt, nur um danach ein 3-Punkte-Bierchen zu trinken, macht einfach nur Bock. Daher denke ich, Fußball an sich wird immer Fußball bleiben, jedoch geht es im Spitzensport leider nur noch ums Geld, da es einfach durch die hohe Konkurrenz und die fortschreitende Professionalität unausweichlich geworden ist, sich darauf zu fokussieren.

Natürlich ist Ihr Karriereende noch weit entfernt. Haben Sie sich jedoch schon damit befasst, was Sie in Ihrer aktiven Karriere unbedingt noch erleben wollen? Wäre für Sie ein Wechsel ins Ausland eine Option, um die Karriere ausklingen zu lassen?

Ein weiterer Aufstieg mit dem FCS, in die 2. Liga, wäre ein absoluter Traum. Das ist das Ziel, worauf ich noch hinarbeiten möchte. Das Ausland würde mich tendenziell schon reizen, allerdings glaube ich nicht, dass das noch in Erfüllung gehen wird. Ausschließen sollte man sowas jedoch nie, man weiß nie, wie das Leben so spielt.

In der laufenden Spielzeit der 3. Liga spitzt sich die Lage im Aufstiegskampf zu und gleich mehrere Teams liegen teilweise nur hauchdünn auseinander. Einzig Spitzenreiter Elversberg konnte sich leicht absetzen. Wer wird Ihrer Meinung nach den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffen?

Ich glaube, dass der Rückrundenstart ganz entscheidend sein wird, auch wenn natürlich noch viele Spiele zu spielen sind. Da kann also noch ganz viel passieren. Elversberg hat sich ein schönes Polster aufgebaut und so wie sie in der Hinrunde aufgetreten sind, wäre ein Durchmarsch definitiv denkbar. Ich hoffe natürlich, dass wir uns da nur anschließen können und mindestens den zweiten Tabellenplatz belegen können. Das Feld der Aufstiegsanwärter ist allerdings extrem groß. Die Liga ist sehr ausgeglichen und daher können noch einige Mannschaften vom Aufstieg träumen. Ich denke, dass es bis zum Ende noch sehr eng bleiben wird und der Aufstieg erst an den letzten Spieltagen entschieden wird.

Vielen Dank für Ihre Zeit für das Interview!

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