Bambasé Conté für Deutschland - Warum nominiert ihn Klopp?

Am längsten gelacht hat Bamba Conté. Da habe ich nur Jürgen Klopp gesagt und er hat zwei Minuten gelacht.
- Bundestrainer Jürgen Klopp
Verwunderlich ist die Überraschung über diese Nominierung nicht, hat Conté in seiner Karriere doch gerade einmal 200 Minuten Bundesliga-Fußball gespielt. Zum Vergleich, der gleichaltrige Florian Wirtz hat allein in der Bundesliga 10.000 Minuten mehr auf dem Buckel, spielt zudem seit einem Jahr in der Premier League. Selbst der fünf Jahre jüngere Lennart Karl kann bereits die siebenfache Einsatzzeit aufweisen. Die Konkurrenz im Offensivbereich ist Conté in diesen Belangen um Meilen voraus, entsprechend stößt seine Nominierung für die DFB-Elf in den sozialen Medien schnell auf Kritik.
Es ist ja gut von Klopp, dass er sich möglichst viele Spieler anschauen möchte, aber irgendwann sollte es auch gut sein...
— 𝗦𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲𝗿𝘁𝗿𝗮𝗶𝗻𝗲𝗿 (@spielertrainer_) September 17, 2026
Aber warum ist Conté dabei?
Zuerst ist wichtig zu erwähnen, dass es sich hierbei nicht um die Nominierung eines WM-Kaders handelt. Wie oft erwähnt will sich Neu-Bundestrainer Klopp möglichst viele Spieler anschauen, folgerichtig stehen nicht weniger als 44 Spieler im Kader. Unter die ersten 23 würde Conté heute wohl noch nicht fallen. Doch Klopp scheint etwas in ihm erkannt zu haben, was auch der TSG Hoffenheim nicht verborgen blieb. Nach einer einjährigen Leihe nach Karlsruhe, wo Conté erst gegen Saisonende sein Können aufblitzen ließ, strebte der KSC eine weitere Leihe mit Kaufoption an - Hoffenheim verwehrte ihnen diesen Wunsch jedoch. Stattdessen ging es ohne Option nach Elversberg, wo sich Conté laut kicker zum notenbesten Feldspieler der 2. Bundesliga aufschwang.
🇩🇪 Bambasé Conté | 22 | CM | SV Elversberg Role Archetype: Advanced #8/CAM Conté is a forward-thinking & creator who combines chance creation with ball-carrying and attacking output. He creates advantages through movement, progression & involvement in the final third. https://t.co/CbSBUMiH70
— The Scout Metrics 📈 (@TheScoutMetrics) June 5, 2026
Als Spielmacher hinter der Spitze konnte der variabel einsetzbare Linksfuß dabei seine Kreativität als eine seiner großen Waffen ins Spiel bringen. Technisch exzellent und mit einem feinen Auge für den Mitspieler hatte er großen Anteil am Aufstieg der Elv. Während es in Karlsruhe oft noch an der Entscheidungsfindung im letzten Drittel haperte, konnte er sich diesbezüglich in Elversberg klar steigern.
In der noch jungen Saison 26/27 stand Conté in einer stark besetzten Hoffenheimer Offensive bei jeder Partie auf dem Platz, konnte dabei bereits drei Vorlagen beisteuern. Zudem ist er zu diesem frühen Zeitpunkt der meistgefoulte Spieler der Bundesliga. Außerdem fällt hier wieder die Variabilität des gebürtigen Saarländers auf. Am ersten Spieltag in Köln lief der gelernte Zehner als zweite Spitze auf, in den beiden folgenden Spielen auf dem rechten Flügel. Eine solche Polyvalenz ist im heutigen Fußball ein nicht zu unterschätzendes Ass. Nichtsdestotrotz liegt ein weiter Weg vor Bambasé Conté, will er sich als fester Teil der deutschen Nationalmannschaft etablieren. Vor allem körperlich und im Abschluss hat er noch viel Luft nach oben.
Doch mit seinen bisherigen Leistungen hat er sich den Vertrauensvorschuss Klopps durchaus verdient. Und wer weiß, vor fünf Jahren debütierte schon einmal ein Hoffenheimer, frisch aus der zweiten Liga kommend, nach nur drei Bundesliga-Einsätzen. Am Ende der Saison spielte David Raum seine erste Weltmeisterschaft, auch heute steht er wieder im DFB-Kader. Vielleicht lacht am Ende der am besten, der am längsten lachte.
Soufiane Messeguem nach Aufstieg in Portugal im Kickfieber-Interview

Ein Aufsteiger gibt sich die Ehre im Kickfieber-Interview! Aus dem Nachwuchs des VfL Wolfsburg ging Soufiane Messeguem (25) über die Station Erzgebirge Aue den Schritt in die 2. Liga Portugals zu Academico Viseu. In der abgelaufenen Saison verhalf der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler seinem Club zum Aufstieg in die Liga Portugal, wo er sich mit Vereinen wie dem FC Porto, Sporting und Benfica Lissabon messen wird. Dabei wurde er in die 11 der Saison gewählt und steigerte seinen Marktwert auf beachtliche 1,5 Millionen. Im Interview spricht er auch über seine Zeit in Portugal, sein Verhältnis zu Aues Präsident Helge Leonhardt sowie seine Ambitionen, das Nationaldress Algeriens zu tragen. (Bild: IMAGO / Prime Sports Images)
Zu Beginn erstmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg, Soufi. War das von Anfang an euer Saisonziel?
Es war auf jeden Fall unser Ziel. Schon als ich vor 3 Jahren nach Viseu gewechselt bin, war das Ziel ausgeschrieben, in den kommenden Jahren aufzusteigen. Das hat dieses Jahr dann endlich geklappt.
Karriereweg
Aus dem Nachwuchs des 1. FC Magdeburg ging Messeguem 2016 nach Wolfsburg, wo er 2020 für die Zweitvertretung in der Regionalliga auflief. Danach ging es für eine Saison zum Zweitligisten Erzgebirge Aue, wo er als Stammspieler den Abstieg nicht verhindern konnte. Seit 2022 ist er in Portugal bei Academico Viseu aktiv.
Du hattest persönlich auch eine sehr starke Saison mit unter anderem 11 Vorlagen. War das die beste Saison deiner Karriere?
Ja, würde ich schon sagen. Also auch im Gesamtpaket, die Mannschaft war erfolgreich und ich persönlich auch. Ich bin, was auch wichtig ist, verletzungsfrei geblieben, habe nur wegen Sperren Spiele verpasst. Dadurch konnte ich im Rhythmus bleiben und dann auch aus einer defensiveren Position als Sechser die meisten Vorlagen geben. Für mich war das eine wirkliche Top-Saison.
Comandante Messeguem
— Liga Portugal (@ligaportugal) May 27, 2026
O capitão do Académico FC©️e líder de assistências da #LigaPortugalMeuSuper foi eleito pelos Treinadores e Capitães para o 𝗫𝗜 𝗱𝗼 𝗔𝗻𝗼
Boa escolha? pic.twitter.com/fKZDqz4dmE
Ein kurzer Blick auf die Statistiken, in deiner gesamten Karriere hast du 24 Assists gegeben, wie gesagt 11 davon in der abgelaufenen Saison. Woher kommt diese Entwicklung?
Einen großen Anteil daran haben meine Mitspieler. Es bringt nichts, wenn du Weltbälle spielst und die Jungs am Ende die Tore nicht machen. Außerdem habe ich vom Trainerteam mehr Freiheiten bekommen als in den letzten Jahren. Da habe ich öfter mit dem Rücken zum Tor in den Achter- oder Zehnerräumen gespielt. Mir liegt es allerdings mehr, das Spiel vor mir zu haben, um meine Mitspieler in Szene setzen zu können. Das war dieses Jahr der Fall und ich denke, das hat sich auch widergespiegelt.
Wie würdest du dich generell als Spielertyp beschreiben?
Ich bin nicht der Prototyp Sechser, der vor der Abwehr alles abräumt. Ich bin eher ein mobiler Spieler, der gerne den Ball am Fuß hat, aber auch gegen den Ball also sehr viel läuft und, würde ich so sagen, zweikampfstark und giftig ist - auch wenn ich jetzt vom Körperbau nicht der klassische Traktor bin. Mein Ziel war schon immer, auf alle Phasen des Spiels Einfluss zu nehmen, sowohl defensiv als auch offensiv.
Wie weit ist die Planung für die neue Saison?
Der Vertrag unseres Aufstiegstrainers wurde nicht verlängert, das hat mich selbst überrascht. Daher bekommen wir einen neuen Trainer. Und auch wenn wir eine super Saison hatten, wird es noch einige Veränderungen geben, um uns an das Niveau der ersten Liga anzupassen. Auch in der Breite müssen wir uns da anders aufstellen, aber das gehört alles dazu.
Wie ist eure Zielsetzung für die neue Saison? Erstmal Klassenerhalt oder schielt ihr nach oben?
Das Ziel des Vereins ist es natürlich, in der Liga zu bleiben und sich dort dann auch langfristig zu etablieren. Ich persönlich bin kein Fan davon zu sagen, man hat nur den Klassenerhalt als Ziel. Ich gehe die Saison so an wie immer, wir wollen einfach jedes Spiel für sich gewinnen. Ich glaube auch, dass der Sprung von der zweiten in die erste Liga in Portugal nicht so groß ist wie beispielsweise in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben regelmäßig die Aufsteiger eine gute Rolle gespielt und das trau ich uns auch zu.
Soufiane Messeguem fez magia e garantiu os pontos para o Académico de Viseu #sporttvportugal #LIGAnaSPORTTV #ligaportugalsabseg #AcademicoViseu #UniaoLeiria pic.twitter.com/jMyMGL9beZ
— sport tv (@sporttvportugal) January 6, 2024
Du spielst seit 3 Jahren in Portugal, wie würdest du den Fußball dort beschreiben, auch im Vergleich zu Deutschland?
In Deutschland ist der Fußball intensiver, auch schneller, es gibt mehr Nettospielzeit. In Portugal bekommen die Spieler dafür mehr Freiheiten, es geht mehr um das Spielerische. Wir hatten in unserer Liga auch die Zweitvertretungen von Porto, Benfica und Sporting, dazu nutzen viele südamerikanische und afrikanische Talente die Liga als Sprungbrett. Bei ihnen sieht man dann auch den spielerischen Aspekt der Förderung sehr stark. Es ist kein Zufall, dass ein verhältnismäßig kleines Land so viele starke Spieler hervorbringt. Viele der Talente der großen Clubs wie zuletzt auch Rodrigo Mora debütieren schon früh in der zweiten Liga und haben schon zwei Jahre Erfahrung im Männerfußball, wenn sie zu den Profis hochgezogen werden, sind sie die Zweikampfintensität schon gewohnt.
Fühlst du dich in Portugal heimisch oder hast du eine Rückkehr nach Deutschland im Hinterkopf?
Also generell fühle ich mich wohl in Portugal. Trotzdem kann ich es nicht ausschließen, nochmal irgendwo anders zu spielen oder zurück nach Deutschland zu wechseln denn als Fußballer will ich so hoch hinaus wie möglich.
ROGON, Hopp und Viseu
ROGON ist eine erfolgreiche deutsche Berateragentur, geführt von Roger Wittmann. Wittmann verbindet eine Freundschaft mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, seine Einflussnahme in Hoffenheim sorgte jüngst für einen aufsehenerregenden Machtkampf bei der TSG. Hopp steht hinter der Investmentgesellschaft HOBRA, die Mehrheitseigner von Academico Viseu ist. Entsprechend stark ist die Verknüpfung Viseus mit ROGON. Bei seinem Wechsel zu Viseu war Soufiane Messeguem 6. ROGON-Klient im Kader, mittlerweile wird er von der Agentur B360 vertreten.
Dein Verein ist sehr eng mit der deutschen Berateragentur Rogon verknüpft, du selbst wurdest auch von Rogon vertreten, hast jetzt aber den Berater gewechselt. Warum?
Genau, ich bin damals noch mit Rogon nach Viseu gewechselt. Jetzt bin ich seit einem Jahr bei B360 und damit sehr glücklich, habe mich in der Zeit auch sehr gut entwickelt. Ich wurde auch bei Rogon sehr gut betreut, bei einer Agentur dieser Größe liegt allerdings der Fokus doch eher auf den Stars, hier werde ich viel individueller betreut.
Also war die Trennung von der eng mit deinem Verein vernetzten Agentur kein Zeichen für die Zukunft?
Nein, das war eine rein persönliche Entscheidung.
Während du mit Viseu den Aufstieg feiern konntest sind deine beiden Ex-Vereine Wolfsburg und Erzgebirge Aue abgestiegen. Inwieweit verfolgst du die Vereine noch, blutet da ein bisschen das Herz?
Auf jeden Fall. In Wolfsburg habe ich fünf Jahre lang gespielt, habe auf verschiedenen Positionen im Verein noch Freunde, sei es in der Jugend oder bei den Physios, daher ist der Kontakt zum Verein nie verloren gegangen. Es ist natürlich schade wenn man dann sieht, dass so ein Verein absteigt. Bei beiden hat es sich auch nicht abgezeichnet, beide sind mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gegangen. Auch in Aue hatte ich, obwohl wir abgestiegen sind, eine tolle Zeit. Dort habe ich mich auch sehr wohl gefühlt, wurde vom Team aber auch vom Präsidenten super aufgenommen. Dadurch ist man da nie komplett raus und verfolgt den Verein auch weiter.
Wenn du den Präsidenten erwähnst, hattest du als Spieler viel mit Helge Leonhardt zu tun?
Helge war ein Präsident, der auch regelmäßig zum Trainingsplatz gekommen ist oder sich mit dir im Physioraum unterhält. Viele denken wegen seiner Art, er ist vielleicht ein wenig speziell aber er ist wirklich ein sehr sehr netter und offener Mensch. Er hat mir tatsächlich auch zum Aufstieg hier mit Viseu gratuliert, da sieht man auch was für ein Mensch er ist. Bei ihm hängt das Herz am Verein und wenn man mit so einer Leidenschaft dabei ist kommt es natürlich auch mal zu lustigen Situationen. Aber ansich ist das ein super Typ.
Du warst lange deutscher Junioren-Nationalspieler, einige deiner damaligen Mitspieler waren bei der WM dabei. Du hast aber auch algerische Wurzeln. Lebt für dich noch der Traum vom Nationalspieler, vielleicht auch für Algerien?
Ja, auf jeden Fall! Auch wenn ich lange nicht mehr dort war, fühle ich mich mit dem Heimatland meines Vaters sehr verbunden. Daher ist das definitiv eine Option, die ich im Kopf habe.
Warst du schon mit dem Verband in Kontakt oder sind das eher lose Vorstellungen?
Bisher waren wir noch nicht in Kontakt. Das liegt aber auch daran, dass ich in der Jugend immer beim DFB war, deswegen war das für mich nie ein Thema. Und bei der aktuellen Nationalmannschaft von Algerien, die sich auch für die WM qualifiziert hat, laufen auch richtig gute Kicker rum. Da war es mit der Plattform zweite Liga Portugal nicht so leicht, rein zu kommen. Aber ich denke, wenn ich jetzt in der ersten Liga konstant meine Leistungen bringe, ist das perspektivisch möglich. Gerade in einer so fußballbegeisterten Nation ist das natürlich sehr reizvoll. Obwohl ich „nur“ in Viseu spiele, schreiben mir oft algerische Fans, die meinen Weg verfolgen. Oder wenn man sich die Meisterfeier dieses Jahr in Algerien anschaut, da geht schon die Post ab.
This is how MC Alger fans celebrated the Algerian league title! 🇩🇿☄️🤯 pic.twitter.com/JtLLhRb1KO
— 𝐂𝐚𝐬𝐮𝐚𝐥 𝐔𝐥𝐭𝐫𝐚 𝐎𝐟𝐟𝐢𝐜𝐢𝐚𝐥 (@thecasualultra) June 5, 2026
Dann hätte ich noch die klassischen zwei Fragen: Wer war denn der beste Mitspieler deiner Karriere?
Also der erste, der mir in den Kopf kommt, ist John Yeboah. Der war auch gerade bei der WM für Ecuador. Mit ihm habe ich in Wolfsburg zusammen gespielt und er war damals schon unglaublich. Er war nicht die ganze Saison bei uns in der Mannschaft, weil er dann schon zu den Profis hochgezogen wurde, war aber trotzdem Topscorer der Liga. Er hatte es danach teilweise schwer, war in Duisburg und in Polen unterwegs, hat dort dann überzeugt und spielt jetzt in Venedig in der Serie A. Er ist für mich ein klassisches Beispiel dafür, dass nicht jeder sofort mit 17 oder 18 durchbricht und ein Weltstar ist, sondern jeder seinen eigenen Weg geht.
Spieler wie Woltemade, Leweling oder Kevin Schade sind natürlich auch krasse Wege gegangen, das sind alles Top-Spieler, die nicht ohne Grund da sind, wo sie jetzt stehen.
Und dann noch dein bester Gegenspieler?
Da kommt mir als erstes Nuno Mendes von Portugal in den Kopf, das müsste mit der U20 gewesen sein. Das war einfach eine Vollrakete, das sah teilweise aus als würde er FIFA auf Halbprofi spielen. Er hat sich den Ball 10 Meter vorgelegt und ist einfach an uns vorbei gerannt. In der U18 haben wir gegen Frankreich mit Kephren Thuram gespielt, der war damals auch schon eine riesige Erscheinung. Da sind auf jeden Fall einige sehr große Namen dabei.
An dieser Stelle vielen Dank an Soufiane Messeguem für dieses Interview, wir werden seine weitere Karriere mit großem Interesse verfolgen!
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Danyal Zor - Karlsruhes neues Juwel

Seinen Bruder Yasin haben wir vor einigen Wochen an dieser Stelle bereits vorgestellt (Link zum Artikel), damals war Danyal Zor (19) noch Spieler der Zweitvertretung des Karlsruher SC in der Oberliga. Ein vielversprechendes Talent, ausgestattet mit einem Profivertrag, jedoch im Schatten der großen Talente Ben Farhat, Pinto Pedrosa oder Laghrissi. Unter Neutrainer Maximilian Senft hat sich der Sechser nun zu einem Anwärter auf die Startelf gemausert, wird voraussichtlich am 8. August gegen Bielefeld starten.
Schon seit der U9 war Zor Teil des Karlsruher Nachwuchses, unterschrieb im vergangenen September seinen ersten Profivertrag. Unter dem langjährigen Coach Christian Eichner durfte Zor zwar regelmäßig mit den Profis trainieren, sein Profidebüt blieb ihm allerdings verwehrt. Dabei galt seine Position im defensiven Mittelfeld als eine der Schwachstellen im Kader der Badener, im Winter wurde mit Hyeok-kyu Kwon ein Spieler mit Ligue 1 Erfahrung dazu geholt. Auch er brachte die erhoffte Besserung nicht, weder er noch Nicolai Rapp, Andreas Müller und WM-Fahrer Dzenis Burnic konnten das Zentrum dicht machen, der Spielaufbau blieb ebenfalls ausrechenbar. Nichtsdestotrotz wurde Zor seine Chance verwehrt, er galt im Sommer als klarer Kandidat für einen Abgang, per Leihe oder fest.
Dann kam der Start der Vorbereitung, schon in den Leistungstests soll Zor mit eindrucksvollen Werten auf sich aufmerksam gemacht haben. In der Folge stand der 19 Jährige in jedem Testspiel auf dem Platz, konnte überzeugen. Während Rapp nach Dresden ging und Kwon in die Innenverteidigung versetzt wurde, ließ der Deutsch-Türke auch den zweitligaerfahrenen Müller sowie den ihm letzte Saison noch vorgezogenen Meiko Wäschenbach hinter sich. Beide gelten aktuell als klare Kandidaten für einen Abgang. So bildete Zor auch am vergangenen Sonntag gegen Inter Mailand das Herzstück des Karlsruher Mittelfelds.
Gegen eine Zentrale aus klangvollen Namen wie Barella, Mkhitharyan und Stankovic (der Sohn des großen Goran) wusste der Sechser mal wieder zu beeindrucken. Mit seiner Laufstärke passt er perfekt in das intensive Pressing Senfts, läuft konsequent Lücken zu. Plötzlich spazierten die gegnerischen Mittelfeldspieler nicht mehr ungestört durch die Reihen der Karlsruher, wie das in der Vorsaison häufig zu beobachten war. Auffällig war auch die Ruhe, mit der Zor auch unter erheblichen Gegnerdruck oft mit einem Kontakt den Ball verteilte. Damit bestätigte er die Eindrücke aus der U19 Bundesliga, wo er in der Vorsaison beinahe 90% der Pässe an den Mann brachte. Dazu traute er sich mehrfach, mit dem Ball am Fuß durch die Mittelfeldkette Mailands zu brechen. Auch damit war er in der Jugend erfolgreich, mehr als 60% seiner Dribblings waren erfolgreich, viele davon durch die Zentrale.
Zusammen mit seinem Nebenmann, dem auch erst 20 Jahre jungen Kevin Wiethaup, bildete er ein zwar noch etwas rohes, aber in höchstem Maße agiles, laufstarkes und technisch versiertes Duo. Die nach dem Seitenwechsel ins Spiel gebrachten Tim Civeja und der neu verpflichtete finnische Nationalspieler Santeri Väänänen, Zors direkter Konkurrent auf der Sechs, fielen dabei auffällig ab. Auch deswegen ist davon auszugehen, dass der noch zwei Jahre an Karlsruhe gebundene Zor am 1. Spieltag gegen Bielefeld bei seinem Profidebüt gleich starten wird. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich dieser positive Eindruck verfestigen kann oder ob ihm Väänänen den Stammplatz streitig machen wird.
Klar ist, dass der 1,74 Meter große Zor körperlich noch weiter an sich arbeiten muss, um mit den Hünen der 2. Bundesliga mithalten zu können. Doch Spieler wie Soufiane El-Faouzi zeigen, dass auch kleinere Sechser mit Einsatz und spielerischer Klasse das Mittelfeld in Liga 2 dominieren können. Sollte Zor also an die bisher gezeigten Leistungen anknüpfen können, ist er das nächste Juwel aus der eigenen Akademie, das den Durchbruch in der Fächerstadt schafft.
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Hamburger für Ecuador: Wer ist John Yeboah?

Geboren in Hamburg, ausgebildet in Wolfsburg, 30 Einsätze für die deutschen Junioren-Nationalmannschaften - heute tritt Offensivmann John Yeboah im Trikot Ecuadors gegen die deutsche Nationalelf an. Wir stellen den 25 Jährigen vor, der mit seinem Tempo zum Problem für die deutsche Defensive werden könnte.
Der Sohn eines ghanaischen Vaters und einer ecuadorianischen Mutter wurde am 23.06.2001 in Hamburg geboren, das Kicken lernte er beim Hamburger Stadtteilclub FC Türkiye Wilhelmsburg. Kurz nach seinem 14. Geburtstag lockte dann die Akademie des VfL Wolfsburg, wo Yeboah zum Überflieger avancierte. Schon als Teil des jüngeren Jahrgangs sammelte er in der U19 Bundesliga 19 Scorerpunkte, für die deutsche U18 Nationalmannschaft traf er gegen Frankreich um den heutigen Real-Star Aurélien Tchouaménie doppelt. In der Saison 18/19 erzielte er in nur 19 Einsätzen in der Juniorenbundesliga 20 Tore, legte 7 weitere auf. Sein damaliger Mitspieler Soufiane Messeguem, unser nächster Interviewgast, erinnert sich.
„Er war damals schon unglaublich. Er war nicht mal die ganze Saison bei uns in der Mannschaft, weil er zu den Profis hochgezogen wurde, aber war dann trotzdem mit fünf, sechs, sieben Scorern Abstand Topscorer der Liga.“ - Soufiane Messeguem
Folgerichtig debütierte Yeboah schließlich im Alter von 17 Jahren in der Bundesliga. Für Aufsehen sorgte er dabei vor allem durch das Gerücht, er sei der Neffe der Bayern-Legende Anthony Yeboah. Kurios: Auch John selbst war lange der Meinung, erst seine Mutter konnte den Trugschluss aufklären. Sportlich begann für den 1,70 Meter kleinen Yeboah die schwierigste Phase seiner Karriere. Einer Leihe zu VV Venlo folgte der feste Transfer zu Willem II in die Niederlande inklusive erneuter Leihe zum zweitklassigen Almere. Überall zeigte Yeboah sein Potenzial, mit seinem Tempo und seiner herausragenden Ballbehandlung wirkte er wie ein Star kurz vor dem Durchbruch. Doch dieser blieb lange aus. Einen Stammplatz ergatterte er erst bei einer halbjährigen Leihe zum Drittligisten Duisburg, danach ging es in die polnische Ekstraklasa. Starke Leistungen für Slask Wroclaw und Rakow riefen schließlich Ecuador, das Heimatland seiner Mutter, auf den Plan. Seither läuft Yeboah für die Südamerikaner auf.
John Yeboah scored his first goal for Ecuador vs Guatemala back in 2024.
— Footy Condor 🇪🇨 (@FootyCondor) June 6, 2026
pic.twitter.com/3ZOJwjHVrT
Auf Vereinsebene zog es ihn schließlich zum FC Venedig, wo er den Abstieg aus der Serie A nicht verhindern konnte. Dieser Schritt erwies sich allerdings als optimal für die Entwicklung des Stürmers. Als Teil einer Doppelspitze konnte er dort endlich seine Qualitäten optimal auf den Platz bringen. Durch seine Kombinationsstärke gepaart mit einem enormen Antritt und herausragenden Dribblingfähigkeiten erwies er sich als perfektes Gegenstück zum treffsicheren Andrea Adorante, gemeinsam schoss das kongeniale Duo die Venezianer umgehend wieder zurück in die Serie A.
From heartbreak to redemption. 🇪🇨
— Footy Condor 🇪🇨 (@FootyCondor) May 1, 2026
May 2025: John Yeboah & Venezia were relegated to Serie B.
May 2026: PROMOTED back to Serie A.
A full-circle moment, Yeboah stayed the course, trusted the process, and found light at the end of the tunnel. 🟢🟠 pic.twitter.com/lTBDQvlzMN
Yeboah selbst, der meist als hängende Spitze mit vielen Freiheiten agierte, konnte dazu jeweils 10 Tore und Vorlagen beisteuern. Nun scheint er bestens gewappnet zu sein, um einen neuerlichen Anlauf in einer der Top Ligen Europas zu starten.
„Er ist für mich ein klassisches Beispiel dafür, dass nicht jeder mit 17 oder 18 direkt durchbricht und ein Weltstar ist, sondern jeder seinen eigenen Weg geht.“ - Soufiane Messeguem
Auf Nationalmannschaftsebene konnte er sich derweil als fester Bestandteil von „La Tri“ etablieren. Dabei trägt er neben Yeboah auch den Nachnamen seiner ecuadorianischen Mutter, Zamora, auf dem Trikot. Anders als im Vereinsdress kommt er unter Sebastián Beccacece über den rechten Flügel, bei der laufenden Weltmeisterschaft bearbeitet er diesen als Schienenspieler sogar allein. Trotzdem konnte er in beiden bisherigen Spielen eine weitere große Stärke zeigen: seinen Zug zum Tor. Schon in der abgelaufenen Saison in der Serie B suchte kein Spieler so oft den Abschluss wie Yeboah. Auch in den bisher nicht von Erfolg gekrönten Gruppenspielen Ecuadors suchte er regelmäßig den Abschluss, gegen die Elfenbeinküste blieb es leider nur bei einem Lattentreffer. Mit 6 Schüssen zählt er zu den Spielern mit den meisten Abschlüssen des Weltturniers.
🔥 ¡Yeboah, MVP total en Italia! 🇪🇨🇮🇹
— TERADEPORTES (@Teradeportes) October 4, 2025
John Yeboah brilló con gol ⚽ y asistencia 🎯 en la victoria del Venezia 3-0 ante el Frosinone.⁰
El ecuatoriano fue la gran figura del partido 💎, encendiendo los sueños de su club y de toda Ecuador.
pic.twitter.com/hOYOfieAYB
Heute steht er neben Jonathan Tah und Felix Nmecha als einer von drei in Hamburg geborenen Spielern auf dem Rasen des MetLife Stadiums. Dabei liegt es auch an ihm, die größte Schwäche der Ecuadorianer zu besiegen. Mit zwei Champions League Finalisten in der Verteidigung, Willian Pacho und Piero Hincapie, sowie Sechser Moises Caicedo vom FC Chelsea verfügt La Tri über eine fantastische Defensive, kassierte in 18 Qualifikationsspielen für die laufende WM nur 5 Gegentreffer. Die Offensive neigt derweil eher zu Ladehemmungen, kam im gleichen Zeitraum auf gerade einmal 14 Treffer. Nach dem alten Motto „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.“ qualifizierten sich die Südamerikaner trotz vorherigem Punktabzug noch vor Schwergewichten wie Kolumbien, Uruguay und Brasilien. Doch um weiter die Möglichkeit zu haben, die Meisterschaft zu gewinnen, muss Ecuador heute zwingend ein Spiel gewinnen, das Spiel gegen den viermaligen Weltmeister Deutschland. Da kommt mit John Yeboah der Hoffnungsträger der Offensive ins Spiel.
Zu erwarten ist, dass er in dieser wichtigen Partie offensiver eingesetzt wird als bisher und die rechte Seite einer Dreierspitze bekleidet. Dort kann er die bekanntermaßen gegen Tempovorstöße anfällige deutsche Defensive vor eine schwer zu bewältigende Aufgabe stellen und soll Manuel Neuer prüfen und im Optimalfall überwinden.
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Martin Adeline - Spielmacher im Fokus von Köln und HSV

Gerade mal 16 Jahre alt war Adeline, da lag bereits ein Profivertrag bei Meister Paris Saint Germain auf dem Tisch. Zwei Jahre lang spielte er zuvor in den Jugendmannschaften des Hauptstadtclubs, war davor schon in Trainingscamps der Pariser aktiv. Doch das Talent, das den Schritt in die erste Mannschaft von PSG weiterhin als Karriereziel bezeichnete, lehnte ab. Stattdessen ging er nach Reims, um wieder näher bei seiner damals kranken, alleinerziehenden Mutter zu sein. Es folgten Höhen und Tiefen in der noch jungen Karriere. Sein Profidebüt feierte er noch gemeinsam mit Hugo Ekitiké, doch während sich der Stürmer Adelines Traum von PSG erfüllte und schließlich über Frankfurt für 95 Millionen Euro beim FC Liverpool landete, ging es für Adeline in die Ligue 2.
Info : Le milieu polyvalent du @PSG_inside Martin Adeline est en négociations avancées avec le @StadeDeReims. Le joueur de 17 était sous contrat aspirant jusqu'en 2021.
— Santi Aouna (@Santi_J_FM) July 29, 2020
(Crédit : https://t.co/ha0yTqw6um) pic.twitter.com/XsTkik2Bn5
Eine Leihe zu Rodez, wo er als kleiner Junge das Kicken lernte, danach eine Saison bei Annecy. Keine schlechte Leistungen, aber auch keine Konstanz, die Ligue 1 immer weiter entfernt. Für 600.000 € folgte der Wechsel zu ESTAC Troyes. Auch an die Seine, doch eben nicht Paris. Doch für Adeline ging es seitdem bergauf, nach einer noch durchwachsenen Vorsaison folgte in der abgelaufenen Runde nun der Durchbruch. 32 Spiele, 10 Tore und 11 Vorlagen sprechen Bände. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Tawfik Bentayeb, der vor einem Wechsel zum FC Schalke 04 stehen soll, führt der Mittelfeldspieler die Scorerliste an, dazu kommt der verdiente Meistertitel und somit Aufstieg in die Ligue 1.
نجم نادي Troyes المتصدر 🔥🔥
— Haythem (@99_haythem) May 3, 2026
و أحد أفضل لاعبي الدرجة الثانية الفرنسية هذا الموسم
كلامي على صاحب 22 سنة 🌟🇫🇷
الجوكر أو محرك الفريق الفرنسي Martin Adeline
10 أهداف ⚽️ و 10 أسيست 🅰️ في 32 مباراة
يستحق المتابعة 👀pic.twitter.com/jWTlaAvwir
Noch beeindruckender wirken die Werte, wenn man bedenkt, dass Adeline bei Troyes keinesfalls den klassischen Zehner gibt. Vielmehr taucht er an beiden Enden des Platzes regelmäßig auf, zeigt sich somit als Verkörperung des Box to Box Spielers. Glanzpunkte setzt er dabei vor allem als Spielmacher, dessen Bewegungen von einer beeindruckenden Eleganz geprägt sind und der ein fantastisches Auge für seine Mitspieler hat. Zum Abschluss der oft selbst eingeleiteten Angriffe findet er regelmäßig den Weg in den Strafraum, in dem er alle seine zehn Ligatore erzielen konnte. Das spiegelt sich auch in der Statistik der meisten Angriffsläufe wider, wo er in den Top 5 der Liga steht - gemeinsam mit ausschließlich reinen Offensivspielern. Auch seine Arbeit im Pressing ist erwähnenswert, mehr als sechs mal pro Spiel gewinnt er im Durchschnitt den Ball in der gegnerischen Hälfte. In Troyes wird Adeline meist auf der linken Acht eingesetzt, auch eine zentralere Position ist ihm zuzutrauen.
Wohin zieht es Adeline?
Ohne Zweifel wird Martin Adeline in der kommenden Saison in einer ersten Liga antreten. Ob Troyes, dem sowieso der Ausverkauf seines Tafelsilbers droht, den ambitionierten Spielmacher halten kann, ist ungewiss. Mit dem RC Lens lockt der Vorjahres-Zweite der Ligue 1, doch auch der Wechsel in die Bundesliga ist denkbar. In Köln, das sein Werben in den vergangenen Tagen intensiviert haben soll, könnte er in Konkurrenz zum selten überzeugenden Isak Johannesson treten. Doch in Köln, das mit Eric Martel seinen defensiven Anker verliert, dürfte der Fokus eher auf einem klassischen Sechser liegen.
Mit Martin Adeline (22,OM,🇫🇷) würde der HSV an Torgefahr+Flexibilität gewinnen. In der jetzigen Formation wäre LF/ZM denkbar.
— Jan Schultz (@jahesch0) May 17, 2026
Adeline überzeugt mit seiner Ballführung, Zug zum Tor und Gespür für Räume.
Troyes gerade aufgestiegen und Teil der City Group, Vertrag läuft 2027 aus. https://t.co/jbsCVPOxzS pic.twitter.com/6pymxSiasQ
In Hamburg hingegen wird der Schlüsselspieler der vergangenen Saison den Club verlassen - Fabio Vieira. Ein fester Transfer dürfte an den hohen Ablöseforderungen seines Stammvereins, dem englischen Meister Arsenal London, scheitern. Vieira ist ein lauf- und spielstarker Achter/Zehner, der sowohl selbst Torgefahr ausstrahlen als auch Chancen für seine Kollegen kreieren kann. Ein Profil, in das auch Martin Adeline perfekt passt. Auch er dürfte kein Schnäppchen sein, sein Zweitliga-Gehalt lässt jedoch ein deutlich günstigeres Gesamtpaket zu, als bei Premier League Veteran Vieira. Zudem bietet er mit seinen 22 Jahren eine Menge Entwicklungs- und dadurch auch Wiederverkaufspotenzial. Als Zehner hinter zwei Spitzen oder auf der Halbposition könnte er in Hamburg seine offensiven Qualitäten voll zur Geltung bringen, auch sein Fleiß im Spiel gegen den Ball kommt dem Fußball von Trainer Merlin Polzin sehr entgegen. Mit seinen Stärken im Pressing könnte er der Elf aus Hamburg zudem helfen, im Jahr 2 nach dem Wiederaufstieg das gesamte Spiel weiter in die gegnerische Hälfte zu verlagern.
Wie unschwer zu erkennen ist, sehe ich den HSV als die geeignete nächste Station in der jetzt schon bewegten Karriere des Martin Adeline. Ihm traue ich zu, ohne große Anlaufschwierigkeiten das Spiel des HSV zu bereichern. Und wer weiß, vielleicht lebt dann der Traum von Paris wieder auf. Er wäre nicht der Erste, der den Sprung aus der Bundesliga in die Stadt der Liebe schafft.
Roggerio Nyakossi - Diesen Innenverteidiger jagt die Bundesliga

Im Januar 2025 für 800.000€ aus Marseille gekommen, tat sich der Innenverteidiger Nyakossi zuerst schwer, kam kaum zum Einsatz. Erst nach dem Trainerwechsel auf Felice Mazzù im Oktober rückte er in die Stammformation und war seither aus dieser kaum mehr wegzudenken. Dabei glänzte er nicht nur als defensiver Anker des belgischen Erstligisten, der Defensivmann ist zudem zweitbester Torschütze seines Teams. Vor beiden Toren profitiert der in Genf geborene Nyakossi von seinem nicht nur großen, sondern auch wuchtigen Körper. Er gilt als aggressiver Zweikämpfer, der kein direktes Duell scheut und dabei seinen Körper intelligent einzusetzen weiß.
🚨🇨🇭 | Chelsea are monitoring Switzerland UN21 captain and former Olympic Marseille defender Roggerio Nyakossi pic.twitter.com/JPo4kcCNA0 https://t.co/3sJcZmcCrZ
— Nature_CFC 🔅 (@Natureryme1) May 27, 2026
Doch es wäre ein Fehler, Nyakossi als reinen Defensivbrecher abzutun. Neben seiner Zweikampfstärke zeichnet er sich durch eine starke Antizipation aus, fängt oft Flanken und lange Bälle ab, ohne ins direkte Duell gehen zu müssen. Zudem zeigt er sich als moderner Innenverteidiger, der das Aufbauspiel Leuvens als zentraler Mann einer 3er-Kette dirigiert. Seine Passgenauigkeit liegt dabei bei über 90%, ein überragender Wert, der nicht nur durch Sicherheitspässe in der Kette zustande kommt. Gerade bei langen Bällen, die er gerne diagonal auf die Außenspieler spielt, ist Nyakossi beeindruckend effizient, bringt 60% davon an den Mann - ein ähnlicher Wert wie Nico Schlotterbeck, einer der fußballerisch besten Innenverteidiger im Weltfußball. Einzige wirklich auffällige Schwäche in seinem Spiel ist wohl das fehlende Tempo, im Laufduell gegen flinke Spieler zieht er häufig den Kürzeren.
Auch Leaderfähigkeiten zeigt der Schweizer mit togolesischen Wurzeln, mit seinen gerade mal 22 Jahren hat er sich in Windeseile als Abwehrchef etabliert, die U21 Nationalmannschaft der Eidgenossen führt er als Kapitän auf den Platz. Durchaus beeindruckend für einen Spieler, der bisher wenig Erfahrung in der höchsten Spielklasse vorzuweisen hat. Nachdem er mit 17 Jahren für seinen Jugendclub Servette Genf in der Schweizer Super League debütierte, folgte nach nur fünf Spielen der 2 Millionen Euro Transfer zu Olympique Marseille, wo er jedoch in zwei Jahren nur in der Youth League sowie bei der in der Fünftklassigkeit aktiven Zweitvertretung eingesetzt wurde. Der nächste Einsatz in einer ersten Liga folgte dann erst in Belgien. Nun steht für Nyakossi schon der Wechsel in eine europäische Topliga an.
⚪️✅ Officiel & Confirmé!
— Sacha Tavolieri (@sachatavolieri) January 27, 2025
🇨🇭 Comme annoncé, Roggerio Nyakossi quitte l’#OM et rejoint Oud Heverlee Leuven qui a bien annoncé son arrivée ce lundi. #mercato #OHL #JPL https://t.co/MH3Cw32ioB pic.twitter.com/4JMlk62fAa
Neben den deutschen Clubs sollen sich weitere europäische Schwergewichte wie Straßburg, Lyon, Everton oder Feyenoord Rotterdam nach dem Verteidiger erkundigt haben. Auch Inter Mailand, Chelsea und Liverpool wird nachgesagt, sich schon lose mit ihm beschäftigt zu haben. Das Heft des Handelns hat jedoch zuerst einmal Marseille in der Hand, das sich im Zuge des Transfers nach Leuven eine Rückkaufoption in Höhe von 6 Millionen Euro sicherte. Gut möglich, dass hier auch ein direkter, gewinnbringender Weiterverkauf in Frage kommt, dann sicherlich nicht zur direkten Konkurrenz in der Ligue 1 - ein Vorteil für die Interessenten aus der Bundesliga.
Welcher Bundesligist wird zuschlagen?
Dabei kann es sehr schnell um Summen gehen, die für die klammen Bremer zu einem Problem werden können. Eine Transfersumme von näherungsweise 10 Millionen Euro wäre wohl nur bei einem lukrativen Transfer des begehrten Karim Coulibaly zu stemmen, dessen Position in der Innenverteidigung er direkt übernehmen könnte. Auch in Augsburg könnte mit Chrislain Matsima ein Innenverteidiger für eine ganze Stange Geld gehen, die Fuggerstädter sind allerdings in der Defensivzentrale deutlich besser und breiter aufgestellt als beispielsweise Bremen, dort wird man eher auf das eigene Tafelsilber, namentlich Noahkai Banks, setzen. Bayer Leverkusen hingegen wird, sollte einer der gesetzten Edmond Tapsoba und Jarell Quansah den Verein verlassen, auf einen etablierteren Spieler setzen, für die Backup-Rollen dürften die bereits unter Vertrag stehenden Oermann, Tapé und Belocian vorgesehen sein.
Bleiben also die TSG Hoffenheim und der VfB Stuttgart. Beide sind in der Innenverteidigung hochklassig besetzt, haben aber eine Saison mit Dreifachbelastung vor der Brust und sind finanziell problemlos in der Lage, eine beachtliche Summe für einen Spieler wie Nyakossi zu entrichten. In Stuttgart, das zuletzt wieder häufiger mit drei Innenverteidigern auflief, könnte er durch seine Beidfüßigkeit gleich alle drei Positionen als Backup ausfüllen und so auf wichtige Spielzeit kommen. Die Schwaben können zudem mit der Chance auf Champions League Fußball locken. In Hoffenheim, wo Trainer Christian Ilzer die Viererkette vorzieht, stehen für die kommende Saison nur drei nennenswerte Innenverteidiger unter Vertrag, dazu der noch verletzte Koki Machida.
Dort sehe ich für Nyakossi den besten Fit, da er in Hoffenheim auf die für seine weitere Entwicklung essenzielle Spielzeit kommen und sich gleichzeitig auf höchstem Niveau präsentieren kann. Gemeinsam mit Ozan Kabak könnte die TSG dabei Duo auf den Platz stellen, das bei jeder Standardsituation mehr Torgefahr ausstrahlt als manch ein Stürmer in 90 Minuten.

Max
22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.
Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!
In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.
Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.






