
(IMAGO / Fussball-News Saarland)
Unter dem Radar - Pascal Reinhardt: Das Trainer-Talent vom Dorf

Vom Bayern-Stürmer zum Trainer
33 Jahre alt war Harry Kane, als er am Montag verdient mit dem Ballon d'Or als bester Fußballer der Welt ausgezeichnet wurde. Doch nicht jeder Bayern-Stürmer ist gleich ein Harry Kane. Nach seiner Jugendzeit in Reutlingen und bei den Stuttgarter Kickers ging der junge Stürmer Pascal Reinhardt 2011 zum großen FC Bayern München. Dort teilte er sich mit Fabian Hürzeler, heute gefeierter Coach von Brighton and Hove Albion, öfter die Bank als das Spielfeld. Beiden, so Reinhardt heute, hätte damals niemand eine Trainerkarriere zugetraut.
Nach 10 Regionalliga-Einsätzen ging es für den Offensivmann nach Homburg, wo er unter dem damals noch unerfahrenen Christian Titz spielte. Titz, schon damals sehr visionär unterwegs, prägte und inspirierte Reinhardt früh mit seiner Detailversessenheit. Über Mainz, Ulm und Neuseeland landete er schließlich beim Verbandsligisten VfL Nagold, wo er verletzungsgebeutelt seine Karriere als spielender Co-Trainer beenden musste. Nach einer Saison als Co-Trainer führte ihn der Weg zum Ligakonkurrenten FC Holzhausen, den er als Hauptverantwortlicher zum Aufstieg in die Oberliga und dort zum souveränen Klassenerhalt führte. Diese Leistungen riefen die Verantwortlichen der SG Sonnenhof Großaspach auf den Plan; der frühere Drittligist war zu diesem Zeitpunkt in die Oberliga abgestürzt. Reinhardt sollte den gefallenen Dorfclub zurück in die Regionalliga führen.
Pascal hat in Holzhausen bereits erfolgreiche Arbeit geleistet und wertvolle Erfahrungen als Trainer gesammelt.
Sportvorstand Michael Ferber
In der ersten Spielzeit scheiterte dieses Vorhaben noch knapp, in der Folgesaison gelang der souveräne Aufstieg sowie der Einzug in den DFB Pokal. Während die drei Mitaufsteiger direkt wieder den Gang in die Oberliga antreten mussten, konnte Großaspach den SGV Freiberg am Saisonende noch abfangen und im Sommer 2026 den Durchmarsch in die 3. Liga feiern. 33 Jahre alt war der Erfolgstrainer zu diesem Zeitpunkt – so alt wie Harry Kane auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Pressingfaktor und Intensität
In der Regionalliga begeisterte Großaspach mit attraktivem Offensivfußball. Seine Mannschaft lässt er bevorzugt in einem flachen 4-4-2 auflaufen, zu situativen Anpassungen ist er jedoch bereit. Ein Reinhardt-Team, so der Coach selbst, erkenne man an einem hohen Pressingfaktor und Intensität gegen den Ball. Die teilweise davon überforderten Regionalliga-Teams wählten dagegen meist nur den weiten Schlag.
Reinhardt veranlasste das dazu, teilweise mit einem Spieler weniger anzulaufen, um weiter Pressingmomente generieren zu können. Im tiefen Block zu verteidigen - ein heute wieder immer öfter gewähltes Mittel - gehört nicht zu den liebsten Stilmitteln des Trainers. Mit dem Ball setzt Reinhardt auf ein offensives Spiel mit kurzen Passwegen. Die Offensivspieler sollen dabei die Freiheit haben, mutige und kreative Lösungen zu finden, um den Ball möglichst früh im Angriff scharf zu machen. In der Regionalliga resultierte dieser Ansatz in der besten Offensive der Liga.
Die Herausforderung Profifußball
Die 3. Liga dürfte für Reinhardt zur Reifeprüfung werden. Während viele Regionalligisten mit dem mutigen Ansatz des Übungsleiters ihre Probleme hatten, fällt eine taktische Anpassung den Vollprofis in Liga 3 selbstverständlich leichter. Mit der ungewohnten sportlichen Qualität der Gegner konfrontiert, stand Reinhardt mit dem laut Transfermarkt zweitgünstigsten Kader der Liga vor einem Adaptionsprozess. Das Ziel war von Beginn an klar: Klassenerhalt. Öfter muss die SG tiefer verteidigen als gewohnt und setzt zudem ungewohnt oft auf lange Bälle. Nichtsdestotrotz bleibt sich der Coach treu und will weiterhin den Ball in den eigenen Reihen sehen. Der Aufsteiger und Außenseiter kann im Schnitt 53 % Ballbesitz verzeichnen und spielte in der laufenden Saison die fünftmeisten erfolgreichen Pässe.
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— DORFKLUB® (@sgaspach) October 27, 2026
Auch bei der 2:4-Niederlage im Pokal gegen den Bundesligisten aus Augsburg spielte der Außenseiter lange stark mit. Tabellarisch befinden sich die Schwaben in einer kritischen Situation: Mit 12 Punkten stehen sie nur knapp über dem Strich auf Platz 16, am vergangenen Spieltag setzte es eine herbe 7:1-Klatsche gegen Wehen Wiesbaden. Dabei gilt es auch anzumerken, dass die Offensivreihe um Routinier Fabian Eisele bisher die meisten Großchancen der gesamten Liga vergeben hat. Sollte sich das Endprodukt der Reinhardt-Elf im Saisonverlauf noch stabilisieren, gilt ein Klassenerhalt jedoch nicht als ausgeschlossen.
Mein größter Traum ist es, in den oberen Ligen Europas trainieren zu dürfen.
Pascal Reinhardt
Für diesen Traum muss der jüngste Trainer im deutschen Profifußball noch einige Hürden meistern. Die größte davon: die UEFA Pro Lizenz, ohne die er aktuell nur aufgrund einer Übergangsregelung für Aufsteiger im Profifußball trainieren darf. Ein hauptverantwortliches Traineramt in einer höheren Liga ist ohne diese Lizenz ausgeschlossen, daher strebt Reinhardt diese als nächsten Schritt seiner steilen Karriere an. Er selbst nennt zudem die Arbeit in einem größeren Trainerteam als Herausforderung, die es für die nächsten Schritte zu meistern gilt. In der Regionalliga hatte er noch keinen hauptamtlichen Trainerkollegen neben sich; schon in Liga 2 sind heute mindestens drei Assistenten Usus. Die Koordination und Zusammenarbeit in einer solchen Konstellation sind essenziell, um in den Topligen Fuß fassen zu können.

Sollte es Pascal Reinhardt gelingen, mit dem Dorfclub Großaspach gegen alle Widrigkeiten im Profifußball zu bestehen, dürfte er mit Erlangen seiner Pro Lizenz sehr schnell für offene Stellen in den beiden Bundesligen in Betracht kommen. Mit seinem attraktiven und pressingorientierten Spielstil passt sein Profil perfekt in den heutigen Fußball. Sollte er zudem Anpassungsfähigkeit beweisen, steht einer großen Trainerkarriere nichts im Weg.

22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.
Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!
In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.
Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.
