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Max

Soufiane Messeguem nach Aufstieg in Portugal im Kickfieber-Interview

Ein Aufsteiger gibt sich die Ehre im Kickfieber-Interview! Aus dem Nachwuchs des VfL Wolfsburg ging Soufiane Messeguem (25) über die Station Erzgebirge Aue den Schritt in die 2. Liga Portugals zu Academico Viseu. In der abgelaufenen Saison verhalf der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler seinem Club zum Aufstieg in die Liga Portugal, wo er sich mit Vereinen wie dem FC Porto, Sporting und Benfica Lissabon messen wird. Dabei wurde er in die 11 der Saison gewählt und steigerte seinen Marktwert auf beachtliche 1,5 Millionen. Im Interview spricht er auch über seine Zeit in Portugal, sein Verhältnis zu Aues Präsident Helge Leonhardt sowie seine Ambitionen, das Nationaldress Algeriens zu tragen. (Bild: IMAGO / Prime Sports Images)

Zu Beginn erstmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg, Soufi. War das von Anfang an euer Saisonziel?

Es war auf jeden Fall unser Ziel. Schon als ich vor 3 Jahren nach Viseu gewechselt bin, war das Ziel ausgeschrieben, in den kommenden Jahren aufzusteigen. Das hat dieses Jahr dann endlich geklappt.

Karriereweg

Aus dem Nachwuchs des 1. FC Magdeburg ging Messeguem 2016 nach Wolfsburg, wo er 2020 für die Zweitvertretung in der Regionalliga auflief. Danach ging es für eine Saison zum Zweitligisten Erzgebirge Aue, wo er als Stammspieler den Abstieg nicht verhindern konnte. Seit 2022 ist er in Portugal bei Academico Viseu aktiv.

Du hattest persönlich auch eine sehr starke Saison mit unter anderem 11 Vorlagen. War das die beste Saison deiner Karriere?

Ja, würde ich schon sagen. Also auch im Gesamtpaket, die Mannschaft war erfolgreich und ich persönlich auch. Ich bin, was auch wichtig ist, verletzungsfrei geblieben, habe nur wegen Sperren Spiele verpasst. Dadurch konnte ich im Rhythmus bleiben und dann auch aus einer defensiveren Position als Sechser die meisten Vorlagen geben. Für mich war das eine wirkliche Top-Saison.

Ein kurzer Blick auf die Statistiken, in deiner gesamten Karriere hast du 24 Assists gegeben, wie gesagt 11 davon in der abgelaufenen Saison. Woher kommt diese Entwicklung?

Einen großen Anteil daran haben meine Mitspieler. Es bringt nichts, wenn du Weltbälle spielst und die Jungs am Ende die Tore nicht machen. Außerdem habe ich vom Trainerteam mehr Freiheiten bekommen als in den letzten Jahren. Da habe ich öfter mit dem Rücken zum Tor in den Achter- oder Zehnerräumen gespielt. Mir liegt es allerdings mehr, das Spiel vor mir zu haben, um meine Mitspieler in Szene setzen zu können. Das war dieses Jahr der Fall und ich denke, das hat sich auch widergespiegelt.

Wie würdest du dich generell als Spielertyp beschreiben?

Ich bin nicht der Prototyp Sechser, der vor der Abwehr alles abräumt. Ich bin eher ein mobiler Spieler, der gerne den Ball am Fuß hat, aber auch gegen den Ball also sehr viel läuft und, würde ich so sagen, zweikampfstark und giftig ist - auch wenn ich jetzt vom Körperbau nicht der klassische Traktor bin. Mein Ziel war schon immer, auf alle Phasen des Spiels Einfluss zu nehmen, sowohl defensiv als auch offensiv.

Wie weit ist die Planung für die neue Saison?

Der Vertrag unseres Aufstiegstrainers wurde nicht verlängert, das hat mich selbst überrascht. Daher bekommen wir einen neuen Trainer. Und auch wenn wir eine super Saison hatten, wird es noch einige Veränderungen geben, um uns an das Niveau der ersten Liga anzupassen. Auch in der Breite müssen wir uns da anders aufstellen, aber das gehört alles dazu.

Wie ist eure Zielsetzung für die neue Saison? Erstmal Klassenerhalt oder schielt ihr nach oben?

Das Ziel des Vereins ist es natürlich, in der Liga zu bleiben und sich dort dann auch langfristig zu etablieren. Ich persönlich bin kein Fan davon zu sagen, man hat nur den Klassenerhalt als Ziel. Ich gehe die Saison so an wie immer, wir wollen einfach jedes Spiel für sich gewinnen. Ich glaube auch, dass der Sprung von der zweiten in die erste Liga in Portugal nicht so groß ist wie beispielsweise in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben regelmäßig die Aufsteiger eine gute Rolle gespielt und das trau ich uns auch zu.

Du spielst seit 3 Jahren in Portugal, wie würdest du den Fußball dort beschreiben, auch im Vergleich zu Deutschland?

In Deutschland ist der Fußball intensiver, auch schneller, es gibt mehr Nettospielzeit. In Portugal bekommen die Spieler dafür mehr Freiheiten, es geht mehr um das Spielerische. Wir hatten in unserer Liga auch die Zweitvertretungen von Porto, Benfica und Sporting, dazu nutzen viele südamerikanische und afrikanische Talente die Liga als Sprungbrett. Bei ihnen sieht man dann auch den spielerischen Aspekt der Förderung sehr stark. Es ist kein Zufall, dass ein verhältnismäßig kleines Land so viele starke Spieler hervorbringt. Viele der Talente der großen Clubs wie zuletzt auch Rodrigo Mora debütieren schon früh in der zweiten Liga und haben schon zwei Jahre Erfahrung im Männerfußball, wenn sie zu den Profis hochgezogen werden, sind sie die Zweikampfintensität schon gewohnt.

Fühlst du dich in Portugal heimisch oder hast du eine Rückkehr nach Deutschland im Hinterkopf?

Also generell fühle ich mich wohl in Portugal. Trotzdem kann ich es nicht ausschließen, nochmal irgendwo anders zu spielen oder zurück nach Deutschland zu wechseln denn als Fußballer will ich so hoch hinaus wie möglich.

ROGON, Hopp und Viseu

ROGON ist eine erfolgreiche deutsche Berateragentur, geführt von Roger Wittmann. Wittmann verbindet eine Freundschaft mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, seine Einflussnahme in Hoffenheim sorgte jüngst für einen aufsehenerregenden Machtkampf bei der TSG. Hopp steht hinter der Investmentgesellschaft HOBRA, die Mehrheitseigner von Academico Viseu ist. Entsprechend stark ist die Verknüpfung Viseus mit ROGON. Bei seinem Wechsel zu Viseu war Soufiane Messeguem 6. ROGON-Klient im Kader, mittlerweile wird er von der Agentur B360 vertreten.

Dein Verein ist sehr eng mit der deutschen Berateragentur Rogon verknüpft, du selbst wurdest auch von Rogon vertreten, hast jetzt aber den Berater gewechselt. Warum?

Genau, ich bin damals noch mit Rogon nach Viseu gewechselt. Jetzt bin ich seit einem Jahr bei B360 und damit sehr glücklich, habe mich in der Zeit auch sehr gut entwickelt. Ich wurde auch bei Rogon sehr gut betreut, bei einer Agentur dieser Größe liegt allerdings der Fokus doch eher auf den Stars, hier werde ich viel individueller betreut.

Also war die Trennung von der eng mit deinem Verein vernetzten Agentur kein Zeichen für die Zukunft?

Nein, das war eine rein persönliche Entscheidung.

Während du mit Viseu den Aufstieg feiern konntest sind deine beiden Ex-Vereine Wolfsburg und Erzgebirge Aue abgestiegen. Inwieweit verfolgst du die Vereine noch, blutet da ein bisschen das Herz?

Auf jeden Fall. In Wolfsburg habe ich fünf Jahre lang gespielt, habe auf verschiedenen Positionen im Verein noch Freunde, sei es in der Jugend oder bei den Physios, daher ist der Kontakt zum Verein nie verloren gegangen. Es ist natürlich schade wenn man dann sieht, dass so ein Verein absteigt. Bei beiden hat es sich auch nicht abgezeichnet, beide sind mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gegangen. Auch in Aue hatte ich, obwohl wir abgestiegen sind, eine tolle Zeit. Dort habe ich mich auch sehr wohl gefühlt, wurde vom Team aber auch vom Präsidenten super aufgenommen. Dadurch ist man da nie komplett raus und verfolgt den Verein auch weiter.

Wenn du den Präsidenten erwähnst, hattest du als Spieler viel mit Helge Leonhardt zu tun?

Helge war ein Präsident, der auch regelmäßig zum Trainingsplatz gekommen ist oder sich mit dir im Physioraum unterhält. Viele denken wegen seiner Art, er ist vielleicht ein wenig speziell aber er ist wirklich ein sehr sehr netter und offener Mensch. Er hat mir tatsächlich auch zum Aufstieg hier mit Viseu gratuliert, da sieht man auch was für ein Mensch er ist. Bei ihm hängt das Herz am Verein und wenn man mit so einer Leidenschaft dabei ist kommt es natürlich auch mal zu lustigen Situationen. Aber ansich ist das ein super Typ.

Du warst lange deutscher Junioren-Nationalspieler, einige deiner damaligen Mitspieler waren bei der WM dabei. Du hast aber auch algerische Wurzeln. Lebt für dich noch der Traum vom Nationalspieler, vielleicht auch für Algerien?

Ja, auf jeden Fall! Auch wenn ich lange nicht mehr dort war, fühle ich mich mit dem Heimatland meines Vaters sehr verbunden. Daher ist das definitiv eine Option, die ich im Kopf habe.

Warst du schon mit dem Verband in Kontakt oder sind das eher lose Vorstellungen?

Bisher waren wir noch nicht in Kontakt. Das liegt aber auch daran, dass ich in der Jugend immer beim DFB war, deswegen war das für mich nie ein Thema. Und bei der aktuellen Nationalmannschaft von Algerien, die sich auch für die WM qualifiziert hat, laufen auch richtig gute Kicker rum. Da war es mit der Plattform zweite Liga Portugal nicht so leicht, rein zu kommen. Aber ich denke, wenn ich jetzt in der ersten Liga konstant meine Leistungen bringe, ist das perspektivisch möglich. Gerade in einer so fußballbegeisterten Nation ist das natürlich sehr reizvoll. Obwohl ich „nur“ in Viseu spiele, schreiben mir oft algerische Fans, die meinen Weg verfolgen. Oder wenn man sich die Meisterfeier dieses Jahr in Algerien anschaut, da geht schon die Post ab.

Dann hätte ich noch die klassischen zwei Fragen: Wer war denn der beste Mitspieler deiner Karriere?

Also der erste, der mir in den Kopf kommt, ist John Yeboah. Der war auch gerade bei der WM für Ecuador. Mit ihm habe ich in Wolfsburg zusammen gespielt und er war damals schon unglaublich. Er war nicht die ganze Saison bei uns in der Mannschaft, weil er dann schon zu den Profis hochgezogen wurde, war aber trotzdem Topscorer der Liga. Er hatte es danach teilweise schwer, war in Duisburg und in Polen unterwegs, hat dort dann überzeugt und spielt jetzt in Venedig in der Serie A. Er ist für mich ein klassisches Beispiel dafür, dass nicht jeder sofort mit 17 oder 18 durchbricht und ein Weltstar ist, sondern jeder seinen eigenen Weg geht.

Spieler wie Woltemade, Leweling oder Kevin Schade sind natürlich auch krasse Wege gegangen, das sind alles Top-Spieler, die nicht ohne Grund da sind, wo sie jetzt stehen.

Und dann noch dein bester Gegenspieler?

Da kommt mir als erstes Nuno Mendes von Portugal in den Kopf, das müsste mit der U20 gewesen sein. Das war einfach eine Vollrakete, das sah teilweise aus als würde er FIFA auf Halbprofi spielen. Er hat sich den Ball 10 Meter vorgelegt und ist einfach an uns vorbei gerannt. In der U18 haben wir gegen Frankreich mit Kephren Thuram gespielt, der war damals auch schon eine riesige Erscheinung. Da sind auf jeden Fall einige sehr große Namen dabei.

An dieser Stelle vielen Dank an Soufiane Messeguem für dieses Interview, wir werden seine weitere Karriere mit großem Interesse verfolgen!

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Max

Danyal Zor - Karlsruhes neues Juwel

Seinen Bruder Yasin haben wir vor einigen Wochen an dieser Stelle bereits vorgestellt (Link zum Artikel), damals war Danyal Zor (19) noch Spieler der Zweitvertretung des Karlsruher SC in der Oberliga. Ein vielversprechendes Talent, ausgestattet mit einem Profivertrag, jedoch im Schatten der großen Talente Ben Farhat, Pinto Pedrosa oder Laghrissi. Unter Neutrainer Maximilian Senft hat sich der Sechser nun zu einem Anwärter auf die Startelf gemausert, wird voraussichtlich am 8. August gegen Bielefeld starten. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)

Schon seit der U9 war Zor Teil des Karlsruher Nachwuchses, unterschrieb im vergangenen September seinen ersten Profivertrag. Unter dem langjährigen Coach Christian Eichner durfte Zor zwar regelmäßig mit den Profis trainieren, sein Profidebüt blieb ihm allerdings verwehrt. Dabei galt seine Position im defensiven Mittelfeld als eine der Schwachstellen im Kader der Badener, im Winter wurde mit Hyeok-kyu Kwon ein Spieler mit Ligue 1 Erfahrung dazu geholt. Auch er brachte die erhoffte Besserung nicht, weder er noch Nicolai Rapp, Andreas Müller und WM-Fahrer Dzenis Burnic konnten das Zentrum dicht machen, der Spielaufbau blieb ebenfalls ausrechenbar. Nichtsdestotrotz wurde Zor seine Chance verwehrt, er galt im Sommer als klarer Kandidat für einen Abgang, per Leihe oder fest.

Dann kam der Start der Vorbereitung, schon in den Leistungstests soll Zor mit eindrucksvollen Werten auf sich aufmerksam gemacht haben. In der Folge stand der 19 Jährige in jedem Testspiel auf dem Platz, konnte überzeugen. Während Rapp nach Dresden ging und Kwon in die Innenverteidigung versetzt wurde, ließ der Deutsch-Türke auch den zweitligaerfahrenen Müller sowie den ihm letzte Saison noch vorgezogenen Meiko Wäschenbach hinter sich. Beide gelten aktuell als klare Kandidaten für einen Abgang. So bildete Zor auch am vergangenen Sonntag gegen Inter Mailand das Herzstück des Karlsruher Mittelfelds.

Gegen eine Zentrale aus klangvollen Namen wie Barella, Mkhitharyan und Stankovic (der Sohn des großen Goran) wusste der Sechser mal wieder zu beeindrucken. Mit seiner Laufstärke passt er perfekt in das intensive Pressing Senfts, läuft konsequent Lücken zu. Plötzlich spazierten die gegnerischen Mittelfeldspieler nicht mehr ungestört durch die Reihen der Karlsruher, wie das in der Vorsaison häufig zu beobachten war. Auffällig war auch die Ruhe, mit der Zor auch unter erheblichen Gegnerdruck oft mit einem Kontakt den Ball verteilte. Damit bestätigte er die Eindrücke aus der U19 Bundesliga, wo er in der Vorsaison beinahe 90% der Pässe an den Mann brachte. Dazu traute er sich mehrfach, mit dem Ball am Fuß durch die Mittelfeldkette Mailands zu brechen. Auch damit war er in der Jugend erfolgreich, mehr als 60% seiner Dribblings waren erfolgreich, viele davon durch die Zentrale.

Zusammen mit seinem Nebenmann, dem auch erst 20 Jahre jungen Kevin Wiethaup, bildete er ein zwar noch etwas rohes, aber in höchstem Maße agiles, laufstarkes und technisch versiertes Duo. Die nach dem Seitenwechsel ins Spiel gebrachten Tim Civeja und der neu verpflichtete finnische Nationalspieler Santeri Väänänen, Zors direkter Konkurrent auf der Sechs, fielen dabei auffällig ab. Auch deswegen ist davon auszugehen, dass der noch zwei Jahre an Karlsruhe gebundene Zor am 1. Spieltag gegen Bielefeld bei seinem Profidebüt gleich starten wird. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich dieser positive Eindruck verfestigen kann oder ob ihm Väänänen den Stammplatz streitig machen wird.

Klar ist, dass der 1,74 Meter große Zor körperlich noch weiter an sich arbeiten muss, um mit den Hünen der 2. Bundesliga mithalten zu können. Doch Spieler wie Soufiane El-Faouzi zeigen, dass auch kleinere Sechser mit Einsatz und spielerischer Klasse das Mittelfeld in Liga 2 dominieren können. Sollte Zor also an die bisher gezeigten Leistungen anknüpfen können, ist er das nächste Juwel aus der eigenen Akademie, das den Durchbruch in der Fächerstadt schafft.

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Max

Hamburger für Ecuador: Wer ist John Yeboah?

Geboren in Hamburg, ausgebildet in Wolfsburg, 30 Einsätze für die deutschen Junioren-Nationalmannschaften - heute tritt Offensivmann John Yeboah im Trikot Ecuadors gegen die deutsche Nationalelf an. Wir stellen den 25 Jährigen vor, der mit seinem Tempo zum Problem für die deutsche Defensive werden könnte.

Der Sohn eines ghanaischen Vaters und einer ecuadorianischen Mutter wurde am 23.06.2001 in Hamburg geboren, das Kicken lernte er beim Hamburger Stadtteilclub FC Türkiye Wilhelmsburg. Kurz nach seinem 14. Geburtstag lockte dann die Akademie des VfL Wolfsburg, wo Yeboah zum Überflieger avancierte. Schon als Teil des jüngeren Jahrgangs sammelte er in der U19 Bundesliga 19 Scorerpunkte, für die deutsche U18 Nationalmannschaft traf er gegen Frankreich um den heutigen Real-Star Aurélien Tchouaménie doppelt. In der Saison 18/19 erzielte er in nur 19 Einsätzen in der Juniorenbundesliga 20 Tore, legte 7 weitere auf. Sein damaliger Mitspieler Soufiane Messeguem, unser nächster Interviewgast, erinnert sich.

„Er war damals schon unglaublich. Er war nicht mal die ganze Saison bei uns in der Mannschaft, weil er zu den Profis hochgezogen wurde, aber war dann trotzdem mit fünf, sechs, sieben Scorern Abstand Topscorer der Liga.“ - Soufiane Messeguem

Folgerichtig debütierte Yeboah schließlich im Alter von 17 Jahren in der Bundesliga. Für Aufsehen sorgte er dabei vor allem durch das Gerücht, er sei der Neffe der Bayern-Legende Anthony Yeboah. Kurios: Auch John selbst war lange der Meinung, erst seine Mutter konnte den Trugschluss aufklären. Sportlich begann für den 1,70 Meter kleinen Yeboah die schwierigste Phase seiner Karriere. Einer Leihe zu VV Venlo folgte der feste Transfer zu Willem II in die Niederlande inklusive erneuter Leihe zum zweitklassigen Almere. Überall zeigte Yeboah sein Potenzial, mit seinem Tempo und seiner herausragenden Ballbehandlung wirkte er wie ein Star kurz vor dem Durchbruch. Doch dieser blieb lange aus. Einen Stammplatz ergatterte er erst bei einer halbjährigen Leihe zum Drittligisten Duisburg, danach ging es in die polnische Ekstraklasa. Starke Leistungen für Slask Wroclaw und Rakow riefen schließlich Ecuador, das Heimatland seiner Mutter, auf den Plan. Seither läuft Yeboah für die Südamerikaner auf.

Auf Vereinsebene zog es ihn schließlich zum FC Venedig, wo er den Abstieg aus der Serie A nicht verhindern konnte. Dieser Schritt erwies sich allerdings als optimal für die Entwicklung des Stürmers. Als Teil einer Doppelspitze konnte er dort endlich seine Qualitäten optimal auf den Platz bringen. Durch seine Kombinationsstärke gepaart mit einem enormen Antritt und herausragenden Dribblingfähigkeiten erwies er sich als perfektes Gegenstück zum treffsicheren Andrea Adorante, gemeinsam schoss das kongeniale Duo die Venezianer umgehend wieder zurück in die Serie A.

Yeboah selbst, der meist als hängende Spitze mit vielen Freiheiten agierte, konnte dazu jeweils 10 Tore und Vorlagen beisteuern. Nun scheint er bestens gewappnet zu sein, um einen neuerlichen Anlauf in einer der Top Ligen Europas zu starten.

„Er ist für mich ein klassisches Beispiel dafür, dass nicht jeder mit 17 oder 18 direkt durchbricht und ein Weltstar ist, sondern jeder seinen eigenen Weg geht.“ - Soufiane Messeguem

Auf Nationalmannschaftsebene konnte er sich derweil als fester Bestandteil von „La Tri“ etablieren. Dabei trägt er neben Yeboah auch den Nachnamen seiner ecuadorianischen Mutter, Zamora, auf dem Trikot. Anders als im Vereinsdress kommt er unter Sebastián Beccacece über den rechten Flügel, bei der laufenden Weltmeisterschaft bearbeitet er diesen als Schienenspieler sogar allein. Trotzdem konnte er in beiden bisherigen Spielen eine weitere große Stärke zeigen: seinen Zug zum Tor. Schon in der abgelaufenen Saison in der Serie B suchte kein Spieler so oft den Abschluss wie Yeboah. Auch in den bisher nicht von Erfolg gekrönten Gruppenspielen Ecuadors suchte er regelmäßig den Abschluss, gegen die Elfenbeinküste blieb es leider nur bei einem Lattentreffer. Mit 6 Schüssen zählt er zu den Spielern mit den meisten Abschlüssen des Weltturniers.

Heute steht er neben Jonathan Tah und Felix Nmecha als einer von drei in Hamburg geborenen Spielern auf dem Rasen des MetLife Stadiums. Dabei liegt es auch an ihm, die größte Schwäche der Ecuadorianer zu besiegen. Mit zwei Champions League Finalisten in der Verteidigung, Willian Pacho und Piero Hincapie, sowie Sechser Moises Caicedo vom FC Chelsea verfügt La Tri über eine fantastische Defensive, kassierte in 18 Qualifikationsspielen für die laufende WM nur 5 Gegentreffer. Die Offensive neigt derweil eher zu Ladehemmungen, kam im gleichen Zeitraum auf gerade einmal 14 Treffer. Nach dem alten Motto „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.“ qualifizierten sich die Südamerikaner trotz vorherigem Punktabzug noch vor Schwergewichten wie Kolumbien, Uruguay und Brasilien. Doch um weiter die Möglichkeit zu haben, die Meisterschaft zu gewinnen, muss Ecuador heute zwingend ein Spiel gewinnen, das Spiel gegen den viermaligen Weltmeister Deutschland. Da kommt mit John Yeboah der Hoffnungsträger der Offensive ins Spiel.

Zu erwarten ist, dass er in dieser wichtigen Partie offensiver eingesetzt wird als bisher und die rechte Seite einer Dreierspitze bekleidet. Dort kann er die bekanntermaßen gegen Tempovorstöße anfällige deutsche Defensive vor eine schwer zu bewältigende Aufgabe stellen und soll Manuel Neuer prüfen und im Optimalfall überwinden.

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Martin Adeline - Spielmacher im Fokus von Köln und HSV

Torgefahr, Spielmacherqualitäten, Laufstärke, Defensivarbeit - die Anforderungen an einen modernen Mittelfeldspieler sind enorm. Gleichzeitig lesen sie sich wie ein Profil des 22 Jahre jungen Martin Adeline, der mit ESTAC Troyes kürzlich den Aufstieg in die Ligue 1 feiern durfte. Kein Wunder also, dass mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln zwei deutsche Traditionsvereine um den Franzosen buhlen. (Bild: IMAGO / Icon Sport)

Gerade mal 16 Jahre alt war Adeline, da lag bereits ein Profivertrag bei Meister Paris Saint Germain auf dem Tisch. Zwei Jahre lang spielte er zuvor in den Jugendmannschaften des Hauptstadtclubs, war davor schon in Trainingscamps der Pariser aktiv. Doch das Talent, das den Schritt in die erste Mannschaft von PSG weiterhin als Karriereziel bezeichnete, lehnte ab. Stattdessen ging er nach Reims, um wieder näher bei seiner damals kranken, alleinerziehenden Mutter zu sein. Es folgten Höhen und Tiefen in der noch jungen Karriere. Sein Profidebüt feierte er noch gemeinsam mit Hugo Ekitiké, doch während sich der Stürmer Adelines Traum von PSG erfüllte und schließlich über Frankfurt für 95 Millionen Euro beim FC Liverpool landete, ging es für Adeline in die Ligue 2.

Eine Leihe zu Rodez, wo er als kleiner Junge das Kicken lernte, danach eine Saison bei Annecy. Keine schlechte Leistungen, aber auch keine Konstanz, die Ligue 1 immer weiter entfernt. Für 600.000 € folgte der Wechsel zu ESTAC Troyes. Auch an die Seine, doch eben nicht Paris. Doch für Adeline ging es seitdem bergauf, nach einer noch durchwachsenen Vorsaison folgte in der abgelaufenen Runde nun der Durchbruch. 32 Spiele, 10 Tore und 11 Vorlagen sprechen Bände. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Tawfik Bentayeb, der vor einem Wechsel zum FC Schalke 04 stehen soll, führt der Mittelfeldspieler die Scorerliste an, dazu kommt der verdiente Meistertitel und somit Aufstieg in die Ligue 1.

Noch beeindruckender wirken die Werte, wenn man bedenkt, dass Adeline bei Troyes keinesfalls den klassischen Zehner gibt. Vielmehr taucht er an beiden Enden des Platzes regelmäßig auf, zeigt sich somit als Verkörperung des Box to Box Spielers. Glanzpunkte setzt er dabei vor allem als Spielmacher, dessen Bewegungen von einer beeindruckenden Eleganz geprägt sind und der ein fantastisches Auge für seine Mitspieler hat. Zum Abschluss der oft selbst eingeleiteten Angriffe findet er regelmäßig den Weg in den Strafraum, in dem er alle seine zehn Ligatore erzielen konnte. Das spiegelt sich auch in der Statistik der meisten Angriffsläufe wider, wo er in den Top 5 der Liga steht - gemeinsam mit ausschließlich reinen Offensivspielern. Auch seine Arbeit im Pressing ist erwähnenswert, mehr als sechs mal pro Spiel gewinnt er im Durchschnitt den Ball in der gegnerischen Hälfte. In Troyes wird Adeline meist auf der linken Acht eingesetzt, auch eine zentralere Position ist ihm zuzutrauen.

Wohin zieht es Adeline?

Ohne Zweifel wird Martin Adeline in der kommenden Saison in einer ersten Liga antreten. Ob Troyes, dem sowieso der Ausverkauf seines Tafelsilbers droht, den ambitionierten Spielmacher halten kann, ist ungewiss. Mit dem RC Lens lockt der Vorjahres-Zweite der Ligue 1, doch auch der Wechsel in die Bundesliga ist denkbar. In Köln, das sein Werben in den vergangenen Tagen intensiviert haben soll, könnte er in Konkurrenz zum selten überzeugenden Isak Johannesson treten. Doch in Köln, das mit Eric Martel seinen defensiven Anker verliert, dürfte der Fokus eher auf einem klassischen Sechser liegen.

In Hamburg hingegen wird der Schlüsselspieler der vergangenen Saison den Club verlassen - Fabio Vieira. Ein fester Transfer dürfte an den hohen Ablöseforderungen seines Stammvereins, dem englischen Meister Arsenal London, scheitern. Vieira ist ein lauf- und spielstarker Achter/Zehner, der sowohl selbst Torgefahr ausstrahlen als auch Chancen für seine Kollegen kreieren kann. Ein Profil, in das auch Martin Adeline perfekt passt. Auch er dürfte kein Schnäppchen sein, sein Zweitliga-Gehalt lässt jedoch ein deutlich günstigeres Gesamtpaket zu, als bei Premier League Veteran Vieira. Zudem bietet er mit seinen 22 Jahren eine Menge Entwicklungs- und dadurch auch Wiederverkaufspotenzial. Als Zehner hinter zwei Spitzen oder auf der Halbposition könnte er in Hamburg seine offensiven Qualitäten voll zur Geltung bringen, auch sein Fleiß im Spiel gegen den Ball kommt dem Fußball von Trainer Merlin Polzin sehr entgegen. Mit seinen Stärken im Pressing könnte er der Elf aus Hamburg zudem helfen, im Jahr 2 nach dem Wiederaufstieg das gesamte Spiel weiter in die gegnerische Hälfte zu verlagern.

Wie unschwer zu erkennen ist, sehe ich den HSV als die geeignete nächste Station in der jetzt schon bewegten Karriere des Martin Adeline. Ihm traue ich zu, ohne große Anlaufschwierigkeiten das Spiel des HSV zu bereichern. Und wer weiß, vielleicht lebt dann der Traum von Paris wieder auf. Er wäre nicht der Erste, der den Sprung aus der Bundesliga in die Stadt der Liebe schafft.

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Max

Roggerio Nyakossi - Diesen Innenverteidiger jagt die Bundesliga

Roggerio Nyakossi ist in diesem Sommer ein begehrter Mann. Gleich fünf Bundesligisten - Bayer Leverkusen, der VfB Stuttgart, die TSG Hoffenheim sowie Werder Bremen und der FC Augsburg - sollen den Kapitän der Schweizer U21 Nationalmannschaft auf dem Radar haben. Was macht den 1,95 Meter Riesen im Dienste von OH Leuven so begehrt? (Bild:
IMAGO / Geisser
)

Im Januar 2025 für 800.000€ aus Marseille gekommen, tat sich der Innenverteidiger Nyakossi zuerst schwer, kam kaum zum Einsatz. Erst nach dem Trainerwechsel auf Felice Mazzù im Oktober rückte er in die Stammformation und war seither aus dieser kaum mehr wegzudenken. Dabei glänzte er nicht nur als defensiver Anker des belgischen Erstligisten, der Defensivmann ist zudem zweitbester Torschütze seines Teams. Vor beiden Toren profitiert der in Genf geborene Nyakossi von seinem nicht nur großen, sondern auch wuchtigen Körper. Er gilt als aggressiver Zweikämpfer, der kein direktes Duell scheut und dabei seinen Körper intelligent einzusetzen weiß.

Doch es wäre ein Fehler, Nyakossi als reinen Defensivbrecher abzutun. Neben seiner Zweikampfstärke zeichnet er sich durch eine starke Antizipation aus, fängt oft Flanken und lange Bälle ab, ohne ins direkte Duell gehen zu müssen. Zudem zeigt er sich als moderner Innenverteidiger, der das Aufbauspiel Leuvens als zentraler Mann einer 3er-Kette dirigiert. Seine Passgenauigkeit liegt dabei bei über 90%, ein überragender Wert, der nicht nur durch Sicherheitspässe in der Kette zustande kommt. Gerade bei langen Bällen, die er gerne diagonal auf die Außenspieler spielt, ist Nyakossi beeindruckend effizient, bringt 60% davon an den Mann - ein ähnlicher Wert wie Nico Schlotterbeck, einer der fußballerisch besten Innenverteidiger im Weltfußball. Einzige wirklich auffällige Schwäche in seinem Spiel ist wohl das fehlende Tempo, im Laufduell gegen flinke Spieler zieht er häufig den Kürzeren.

Auch Leaderfähigkeiten zeigt der Schweizer mit togolesischen Wurzeln, mit seinen gerade mal 22 Jahren hat er sich in Windeseile als Abwehrchef etabliert, die U21 Nationalmannschaft der Eidgenossen führt er als Kapitän auf den Platz. Durchaus beeindruckend für einen Spieler, der bisher wenig Erfahrung in der höchsten Spielklasse vorzuweisen hat. Nachdem er mit 17 Jahren für seinen Jugendclub Servette Genf in der Schweizer Super League debütierte, folgte nach nur fünf Spielen der 2 Millionen Euro Transfer zu Olympique Marseille, wo er jedoch in zwei Jahren nur in der Youth League sowie bei der in der Fünftklassigkeit aktiven Zweitvertretung eingesetzt wurde. Der nächste Einsatz in einer ersten Liga folgte dann erst in Belgien. Nun steht für Nyakossi schon der Wechsel in eine europäische Topliga an.

Neben den deutschen Clubs sollen sich weitere europäische Schwergewichte wie Straßburg, Lyon, Everton oder Feyenoord Rotterdam nach dem Verteidiger erkundigt haben. Auch Inter Mailand, Chelsea und Liverpool wird nachgesagt, sich schon lose mit ihm beschäftigt zu haben. Das Heft des Handelns hat jedoch zuerst einmal Marseille in der Hand, das sich im Zuge des Transfers nach Leuven eine Rückkaufoption in Höhe von 6 Millionen Euro sicherte. Gut möglich, dass hier auch ein direkter, gewinnbringender Weiterverkauf in Frage kommt, dann sicherlich nicht zur direkten Konkurrenz in der Ligue 1 - ein Vorteil für die Interessenten aus der Bundesliga.

Welcher Bundesligist wird zuschlagen?

Dabei kann es sehr schnell um Summen gehen, die für die klammen Bremer zu einem Problem werden können. Eine Transfersumme von näherungsweise 10 Millionen Euro wäre wohl nur bei einem lukrativen Transfer des begehrten Karim Coulibaly zu stemmen, dessen Position in der Innenverteidigung er direkt übernehmen könnte. Auch in Augsburg könnte mit Chrislain Matsima ein Innenverteidiger für eine ganze Stange Geld gehen, die Fuggerstädter sind allerdings in der Defensivzentrale deutlich besser und breiter aufgestellt als beispielsweise Bremen, dort wird man eher auf das eigene Tafelsilber, namentlich Noahkai Banks, setzen. Bayer Leverkusen hingegen wird, sollte einer der gesetzten Edmond Tapsoba und Jarell Quansah den Verein verlassen, auf einen etablierteren Spieler setzen, für die Backup-Rollen dürften die bereits unter Vertrag stehenden Oermann, Tapé und Belocian vorgesehen sein.

Bleiben also die TSG Hoffenheim und der VfB Stuttgart. Beide sind in der Innenverteidigung hochklassig besetzt, haben aber eine Saison mit Dreifachbelastung vor der Brust und sind finanziell problemlos in der Lage, eine beachtliche Summe für einen Spieler wie Nyakossi zu entrichten. In Stuttgart, das zuletzt wieder häufiger mit drei Innenverteidigern auflief, könnte er durch seine Beidfüßigkeit gleich alle drei Positionen als Backup ausfüllen und so auf wichtige Spielzeit kommen. Die Schwaben können zudem mit der Chance auf Champions League Fußball locken. In Hoffenheim, wo Trainer Christian Ilzer die Viererkette vorzieht, stehen für die kommende Saison nur drei nennenswerte Innenverteidiger unter Vertrag, dazu der noch verletzte Koki Machida.

Dort sehe ich für Nyakossi den besten Fit, da er in Hoffenheim auf die für seine weitere Entwicklung essenzielle Spielzeit kommen und sich gleichzeitig auf höchstem Niveau präsentieren kann. Gemeinsam mit Ozan Kabak könnte die TSG dabei Duo auf den Platz stellen, das bei jeder Standardsituation mehr Torgefahr ausstrahlt als manch ein Stürmer in 90 Minuten.

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Max

Lennart Moser im Kickfieber-Interview

Lennart Moser blickt mit seinen 26 Jahren schon auf eine bewegte Karriere zurück. Union Berlin, Energie Cottbus, dazu Stationen in Belgien, Österreich und Dänemark stehen in seiner Vita. Im Kickfieber Interview spricht er über seinen bisherigen Weg, die aktuelle Station bei Fagiano Okayama in der japanischen J1 League, seine ehemaligen Trainer Pele Wollitz und Urs Fischer sowie seine Zukunft. (Bild: IMAGO / Gonzales Photo)

Lennart, du bist im Winter vom dänischen Zweitligisten Kolding IF nach Japan gewechselt. Wie gefällt es dir bisher?

Japan ist ein tolles Land und die Japaner sind ein unheimlich herzliches Volk. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass nicht nur die Kultur im täglichen Leben eine völlig andere ist, sondern auch das Verständnis von Fußball. Sowohl das Training als auch der Spielansatz sind mit Europa nicht zu vergleichen. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen und klarkommen. Deswegen würde ich lügen, wenn ich sagen würde, es wäre alles perfekt. Vielleicht erinnerst Du Dich an Philipp Max, der nach zwei Monaten in Japan seinen Vertrag aufgelöst hat. Es gibt schon Gründe, warum Europäer sich hier schwertun und nach kurzer Zeit wieder zurückkehren.

Was waren die größten fußballerischen Umstellungen für dich?

Das, was hier von einem Torwart verlangt wird, ist sehr viel einfacher als die Anforderungen in Europa. In Japan wird risikoarmer Fußball gespielt. Ich schlage einen langen Ball und dann gehen wir auf die zweiten Bälle. Das ist eigentlich der größte Unterschied. In Europa ist es viel komplexer. Du analysierst den Gegner und versuchst, den Ball hinten rauszuspielen, um Ballbesitz zu haben und Aktionen zu kreieren. In Japan ist das komplett anders.

Du bist im Kader von Okayama der einzige Europäer. Drei Brasilianer, ein Bolivianer und sonst nur Japaner. Wie läuft das mit der Kommunikation?

Als einziger Europäer war es für mich am Anfang sehr schwierig und kleinere Probleme gibt es nach wie vor. Fußball lebt von der Kommunikation und dafür muss ich Japanisch lernen. Auf dem Feld sprechen wir eigentlich nur Japanisch. Demzufolge musste ich die fußballspezifischen Vokabeln verinnerlichen. Auch zwischenmenschlich gibt es natürlich Hürden, da ich keine normale Unterhaltung mit irgendeinem Spieler führen kann, weil kein Englisch gesprochen wird. Ich habe einen Übersetzer, der für mich auf Englisch übersetzt. Und die Brasilianer haben einen brasilianischen Übersetzer, der dann dementsprechend auf Portugiesisch übersetzt.

Bist du eigentlich allein in Japan?

Nein, meine Freundin ist bei mir und darüber bin ich auch sehr froh.

J1 100 Year Vision League

Die japanischen Profiligen befinden sich gerade im Übergang von der Saison im Kalenderjahr auf das europäische System. Daher findet von Februar bis Juni 2026 die einmalige „J1 100 Year Vision League“ statt. Dabei werden die 20 Teams in zwei regionale Gruppen aufgeteilt, jede Mannschaft bestreitet 18 Spiele. Bei einem Unentschieden geht es sofort ins Elfmeterschießen. Einen Absteiger gibt es dabei nicht. Die beiden Gruppensieger spielen im Finale den Startplatz für die asiatische Champions League aus.

Wie stehst du zum aktuellen Spielsystem in der J1 League, gerade als Torwart mit Bezug auf das Elfmeterschießen?

Ich finde das mittlerweile eigentlich eher nervig. Du machst teilweise ein richtig gutes Spiel oder die andere Mannschaft war sehr viel besser und du spielst gerade so unentschieden, weil du in der letzten Minute noch ein Tor machst. Normalerweise nimmst du diesen Punkt sehr gerne mit und freust dich. Aber dann gibt es jetzt das Elfmeterschießen, wo du Hoffnung hast und trotzdem verlierst. Danach ist die Stimmung irgendwie gedrückt. Ich bin kein Fan von diesem Elfmeterschießen. Am Anfang war es wirklich ganz cool, aber mittlerweile ist es einfach zu viel. Ich glaube alle freuen sich, wenn es den normalen Rhythmus wieder gibt.

Ein kleiner Zeitsprung: Du warst ja zwei Jahre in Dänemark, davor warst du ein halbes Jahr vereinslos. Wie geht man vor allem als junger Profi mit so einer Situation um?

Dass ich vereinslos war, war damals eine bewusste Entscheidung von mir. Ich war in Belgien in der ersten Liga bei Eupen und Stammspieler. Dann wurde das System in Eupen umgestellt. Der Verein hat einen neuen Investor bzw. Sponsor bekommen. Dadurch kam ein neuer Trainer. Ich wurde von der Nummer eins zur Nummer drei degradiert. Deswegen habe ich keine Perspektive gesehen und den Vertrag aufgelöst. Leider hat es etwas länger gedauert, einen Verein zu finden, aber das war mir bewusst und kalkuliertes Risiko.

Das Problem war, dass wir den Vertrag aufgelöst haben, als das Transferfenster schon geschlossen war. Ich wusste, dass ich erstmal eine gewisse Zeit vereinslos sein werde. Natürlich habe ich in der Zeit gemerkt, in welchem Business ich mich bewege. Niemanden interessiert es, wer jetzt irgendwo spielt. Du wirst einfach schnell vergessen. Und dementsprechend ist es auch schwierig, wieder einen neuen Verein zu finden, wenn du vereinslos bist. Diese Zeit war sehr wertvoll, um zu lernen, was es eigentlich bedeutet, Fußballprofi zu sein. Wie schnelllebig das Geschäft ist und was alles passieren kann. Ich habe in der Phase sehr viel gelernt und deswegen war es eine gute Zeit.

Gab es in der Zeit viele Anfragen oder war Kolding der erste Verein, der ernsthaft auf dich zukam?

Ehrlicherweise gab es größere und klangvollere Namen als Kolding. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt mit kleineren Blessuren zu kämpfen und war froh über das Angebot von Kolding und den Schritt nach Dänemark. Ich habe einen ganz neuen Fußball erfahren, da ich einen spanischen Trainer hatte. Ich konnte mich sehr gut weiterentwickeln und bewerte die Zeit als positiv. Im ersten Moment dachte ich, es sei ein Rückschritt, doch wir haben in der dänischen 2. Liga einen deutlich besseren Fußball gespielt als in der 1. belgischen Liga.

Du bist bei der Berateragentur Siebert & Backs Fußballmanagement GmbH, die sich speziell auf Torhüter und Trainer spezialisiert hat. Inwiefern habt ihr Torhüter ganz andere Bedürfnisse, dass so was nötig wird und wie hilft dir das weiter?

Die Torwartposition ist eine ganz spezielle Position und mit einem Feldspieler überhaupt nicht zu vergleichen. Wir brauchen ganz anderes Training und müssen mental ganz anders fit sein. Dementsprechend ist eine Torwartagentur sehr hilfreich, weil sie weiß, was ein Torwart benötigt und was ein Verein leisten muss. Mein Berater Nico Pellatz war selber Profi-Torhüter und hat einen sehr guten Draht zu den Torwarttrainern der Vereine. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich Teil der Agentur bin. Nach meinem Gefühl hat sich die Agentur in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt und wird auch kontinuierlich weiterwachsen.

Leihstationen

Von Union Berlin wurde Lennart Moser 2019 nach Cottbus, 2020 zu Cercle Brügge sowie ebenfalls 2020 an Austria Klagenfurt verliehen.

Du kommst ja aus der Jugend von Union Berlin, hattest dann von Union aus drei Leih-Stationen und seitdem auch eher kurze Stationen. Wie schwierig ist es, sich da immer wieder neu zu orientieren?

Mir fällt es nicht schwer, mich häufiger umzustellen und es macht mir grundsätzlich Spaß, Neues zu erleben. Ich bin wissbegierig und lerne gerne andere Kulturen kennen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich für Japan entschieden. Bei meinen Leihstationen konnte ich es mir häufig nicht immer aussuchen. Ich war für ein Jahr ausgeliehen und bin zu meinem Stammverein zurückgekehrt. Natürlich gibt es immer Situationen, in denen du dich einfach nicht wohlfühlst. Meine längste Station in Kolding hat mir sehr gut gefallen und ich wäre gerne länger geblieben, aber es war dann der richtige Zeitpunkt für Veränderungen.

Du warst auch bei Energie Cottbus, die jetzt in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Damals hast du schon unter Pele Wollitz gespielt. Wie ist es eigentlich unter einem Trainer und Menschen wie Pele Wollitz zu kicken?

Es hat sehr großen Spaß gemacht. Ich habe nur positive Erinnerungen an meine Zeit in Cottbus. Energie war der Verein, bei dem ich als junger Spieler das erste Mal Männerfußball gespielt habe. Wollitz ist ein erstklassiger Trainer, der einfach für den Verein brennt. Er stellt sich immer vor die Mannschaft und gibt 100 Prozent. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu viel an der Außenlinie und in der Coachingzone, aber menschlich und charakterlich ein super Trainer, der die ganze Mannschaft mitnimmt und weiß, wie man seine Spieler motiviert. Pele hat Cottbus im Blut. Er passt super und das merkt man. Es hat sich ausgezahlt und ich gönne es dem Verein.

Bei Union hattest du Urs Fischer, der ist dann natürlich ein ganz anderer Typ Mensch und Trainer, oder?

Ganz anders, ja. Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, die das deutlich gemacht hat, was Urs Fischer für ein Typ ist. Wenn Du bei Union aus der Jugend gekommen bist, hattest Du eigentlich keine Chance. Das war damals bei Lennard Maloney so und bei mir ebenfalls. In einem Gespräch mit Urs hat er mir gesagt, dass ich einen super Job mache und er sich nicht beklagen könnte. Doch für ihn ist ein guter Torwart einer, der alt und erfahren ist. Da wusste ich, dass ich nicht spielen werde, so lange Urs Fischer bei Union ist. Deswegen wurde ich dreimal ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln.

Du bist aus Berlin, bei Union dann in der Jugend gewesen und zum Profi geworden. War Union immer dein Herzensverein?

Ich bin ehrlich. Ich bin ein relativer Freigeist. Egal, für welchem Verein ich spiele, ich werde alles geben. Union war einfach der nächste Verein. Wir haben in Treptow-Köpenick gewohnt. Das liegt in der Nähe von Union Berlin und somit war Union der nächste Verein. Deswegen habe ich meine ganze Jugend bei Union gespielt. Ich hätte mir natürlich gewünscht, auch mal als Profi für Union zu spielen, aber man weiß ja nie, was noch passiert in der Karriere.

Das wäre jetzt tatsächlich meine nächste Frage, liebäugelst du insgeheim mit einer Rückkehr zu Union?

Im Moment nicht, weil mein Karriereweg aktuell in eine andere Richtung verläuft, als dass ich für Union interessant wäre. Aber sicherlich wird mein nächster Karriereschritt zurück nach Europa oder vielleicht in die MLS sein. Ich denke, wenn ich in einer ersten Liga in Europa oder in der MLS spiele, kann der Weg in die zweite Liga als Stammtorhüter oder auch vielleicht als Nummer zwei bei einem Bundesligisten möglich sein.

Du hast also auch einen klaren Karriereplan im Kopf?

Ich muss realistisch sein und schauen, welche Ziele in meinem Alter noch erreichbar sind.

In der näheren Zukunft steht nächste Saison schon die J League auf dem Plan, oder?

Das ist schwierig zu sagen. Fußball ist sehr schnelllebig. Ich muss schauen, wie alles zusammenpasst, da ich ja auch mit meiner Freundin hier bin. Wenn irgendwas kommt, was für mich und meinen Verein lukrativ ist, würde ich definitiv nicht ablehnen. Im Moment habe ich noch einen Vertrag für zwei Jahre und den will ich erfüllen. Meine Priorität ist Japan.

Hast du von Japan selbst schon viel gesehen und mitbekommen, trotz Fußballeralltag?

Ich habe schon einige Ausflüge gemacht. Ich nehme alles mit, was geht. Wenn wir frei haben, unternehmen wir immer etwas. Okayama selbst ist nicht so attraktiv, aber man fährt maximal 45 Minuten mit dem Zug und ist in einer schönen Stadt.

Okayama

Okayama liegt im Westen Japans am Seto-Binnenmeer und ist für sein mildes und sonnenreiches Klima bekannt. Mit dem Shinkansen-Schnellzug ist die Millionen-Metropole Osaka in unter einer Stunde erreichbar.

Zum Abschluss habe ich noch die zwei klassischen Kinderfragen. Als erstes, wer war dein bester Mitspieler?

Das ist interessant. Möchtest du jetzt wissen, wer mein bester Mitspieler war, mit dem ich aber selber nicht gespielt habe, oder ein bester Mitspieler, mit dem ich selber aktiv auf dem Feld gestanden habe?

Gerne beides.

Mein bester Mitspieler war wahrscheinlich Max Kruse zu seiner besten Zeit. Der war schon wirklich gut. Aber ich habe selber nicht mit ihm aktiv gespielt. Und wenn es rein ums aktive Spielen geht? (Überlegt lange) Ich würde tatsächlich sagen, einer in meinem aktuellen Team. Ataru Esaka ist echt ein Wahnsinnskicker. Der ist schon ein bisschen älter, aber er hätte 100 % La Liga und so spielen können. Der ist wirklich richtig gut.

Und dann noch dein bester Gegenspieler?

Da kommen viele in Frage, vor allen Dingen in Belgien. Doku, Nainggolan, Alderweireld, Vertonghen, Kompany. Mit Cottbus haben wir damals im DFB-Pokal gegen Bayern gespielt, da wurde ich Man of the Match. Das war eines meiner besten Spiele. Da könnte ich es mir einfach machen und Lewandowski, Kimmich oder Neuer sagen.

Wenn man gegen Lewandowski, Kimmich und Neuer gekickt hat, ist das schon eine Sache, die man erwähnen darf.

Wahrscheinlich schon. Von daher nehmen wir das. Kompany war auch nicht schlecht. Ich habe gegen ihn gespielt, da ist er gerade neu zu Anderlecht gekommen und hat seine ersten Spiele gespielt. Ich stand im Tor. Aber die letzten Saisonspiele war er schon Trainer. Ich war sozusagen in einem seiner letzten Karrierespiele im Tor gewesen. Jetzt sieht es sogar so aus, als ob er vielleicht eine noch erfolgreichere Karriere als Trainer haben wird. Gegen Salzburg habe ich auch gespielt und dort waren ebenfalls sehr gute Spieler wie Adeyemi und Sesko, der es zu Manchester United geschafft hat.

An dieser Stelle vielen Dank an Lennart Moser für dieses Interview, wir werden seine weitere Karriere mit großem Interesse verfolgen!

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