Podolskis Rohdiamant: MLS-Profi Lawrence Ennali im Kickfieber-Interview

Bevor wir auf dich persönlich eingehen – erst mal ganz allgemein: Ihr steht aktuell auf dem 5. Platz, seid klar auf Playoff-Kurs. Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf?
Die letzte Saison war sehr schwierig für uns, wir haben es leider nicht in die Playoffs geschafft. Dieses Jahr haben wir ein extrem starkes Team. Wir hatten zwischenzeitlich 5 Siege in Folge, dabei kein Gegentor bekommen. Das hat uns natürlich einen Push gegeben, wir waren danach auch kurz Erster. Daher können wir mit unseren Leistungen bisher sehr zufrieden sein.
Wie ist eure Zielsetzung für die restliche Saison? Die Playoffs erreichen und dann?
Die Playoffs sind immer für jedes Team das Ziel. Danach kann in der MLS alles passieren. Wenn du einen Run hast, kann es sehr weit nach vorne gehen, an einem schlechten Tag kann aber auch alles vorbei sein. Aber wir haben ein starkes Team und wollen den MLS-Cup gewinnen.
Im Vergleich zu den Ligen in Deutschland und Polen, in denen du bisher aktiv warst, ist die MLS durch Mechanismen wie die Salary Cap schon extrem ausgeglichen, oder?
Definitiv, man sieht es hier jede Woche, dass auch mal der Letzte den Ersten oder Zweiten schlagen kann. Auch wenn es Teams wie Inter Miami gibt, bei denen man sich teilweise fragt, wie die das eigentlich machen, liegt das natürlich auch an der Salary Cap.
Salary Cap und Designated Players
Die MLS nutzt ein zentral reguliertes Gehaltssystem mit einer strengen Gehaltsobergrenze (Salary Cap), um die finanzielle Stabilität und Chancengleichheit der Teams zu wahren. Mithilfe von Ausnahmeregelungen wie der Designated Player Rule (ehemals Beckham-Regel) dürfen die Vereine bis zu drei Spieler verpflichten, deren Gehälter die Budgetgrenze überschreiten können.
Du persönlich spielst auch eine gute Saison. Was auffällt ist, dass du als gelernter Offensivspieler vermehrt auch auf beiden Abwehrseiten eingesetzt wurdest. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Das war für mich persönlich auch ein wenig verrückt. Zum Start der Saison haben wir mit einer Fünferkette gespielt. Wegen meines brutalen Speeds hat mich der Trainer dann als Schienenspieler getestet. Das lief dann wohl so gut, dass wir das nicht mehr ändern wollten. Ich kann wohl besser verteidigen, als ich es selbst von mir erwartet hätte. Einige Spiele habe ich auch auf den offensiven Flügeln gemacht, da ist die Konkurrenz mit unseren zwei Designated Players Mateusz Bogusz und Guilherme aber wirklich sehr stark.
Wie schwer fällt dir dabei die ständige Umstellung, auch von rechts nach links?
Ich bin ein wirklich sehr offensiver Verteidiger, eher wie ein Flügelspieler. Da macht das keinen großen Unterschied für mich, da ich kaum in den Spielaufbau involviert bin. Obwohl ich Rechtsfuß bin, bevorzuge ich sogar die linke Seite, da kann ich mich in der Offensive besser einschalten; defensiv macht das für mich keinen Unterschied.
Du bist 2024 von Górnik Zabrze nach Houston gewechselt, hast in deinem zweiten Einsatz gleich getroffen und dir im gleichen Spiel das Kreuzband gerissen. Wie geht man, gerade auch als junger Spieler, mit so einem Nackenschlag um?
Es war eine Katastrophe, um ehrlich zu sein. Erst gegen Hugo Lloris getroffen und zehn Minuten später habe ich mir das Kreuzband und beide Menisken zerstört. Das war die schwerste Zeit in meinem Leben, ich hatte keine Freunde und keine Familie hier. Auch wenn ich natürlich immer anrufen kann, hat die Zeitverschiebung das auch erschwert. Das Team hier hat mich aber klasse aufgefangen, wir sind in kürzester Zeit extrem zusammengewachsen. Das ist für mich hier mittlerweile wie eine Familie.
Natürlich gab es auch Tage, an denen ich frustriert war und keinen Bock auf die Reha hatte, aber sie haben mich immer auf dem höchsten Standard gehalten und mich gepusht. Es war, wie gesagt, die schwerste Zeit meines Lebens, aber ich bin zu einem gewissen Grad auch dankbar, denn die Zeit hat mich als Mensch extrem geformt. Ich schätze den Sport und jede Sekunde auf dem Platz noch mal mehr und bin als Person daran gewachsen.

Nach der Verletzungspause von 9 Monaten warst du sehr schnell wieder in Topform. War das die gute Reha-Arbeit in Houston?
Wir haben wirklich sehr gut gearbeitet. Mein persönliches Ziel waren zwar 7 Monate, aber 9 sind auch in Ordnung. In meinem zweiten Spiel nach der Verletzung bin ich dann meinen persönlichen Topspeed gelaufen – 36,5 km/h – und habe ein Tor geschossen, das ein wenig viral gegangen ist. Kurz nach einem Kreuzbandriss ist das wirklich nicht schlecht.
Lawrence Ennali made his first start for Houston last night since tearing his ACL. The 23-year-old winger showed flashes last year -- turns out he might be the Flash. Ennali registered the the 2nd-fastest speed in MLS (22.74 mph) behind Emiro Garces. The dude can play, too. https://t.co/SaFkbHkpb3
— Joseph Lowery (@joeclowery) July 6, 2025
Wie ist dein bisheriger Eindruck vom Fußball in den USA, vor allem was die öffentliche Wahrnehmung betrifft?
Die öffentliche Wahrnehmung ist durch die WM noch mal gestiegen. Früher konnte ich hier völlig unerkannt ins Kino gehen, heute werde ich schon regelmäßig angesprochen. Auch die Liga wird immer stärker, es fließen mittlerweile ganz andere Summen, und es gehen immer mehr Spieler direkt aus der MLS in die großen europäischen Ligen. Fußballerisch ist die Liga sehr offensiv orientiert, das sieht man teilweise auch an den Ergebnissen. Ich persönlich habe in dieser Liga wirklich extrem viel Spaß. Ich bin schnell und gehe gern ins 1-gegen-1, genau das ist hier gefragt.
Also hast du vor, noch eine Weile in Houston und der MLS zu bleiben?
(Lacht) Wir werden sehen.
In Deutschland gewinnt die MLS auch durch die Transfers von Marco Reus und Thomas Müller an Aufmerksamkeit. Du hast in den letzten Monaten gegen beide gespielt.
Das ist immer wieder schön, mit Müller habe ich auch ein gemeinsames Bild auf Instagram. Beide sind immer noch unfassbare Spieler, haben eine enorme Ruhe am Ball. Das ist einfach ein ganz anderes Niveau, sie können wirklich alles aus dem Stand. Da bist du als Gegenspieler fast schon Zuschauer.
In Polen bei Górnik Zabrze hast du auch mit Lukas Podolski gespielt. Er hat dich damals als Rohdiamant bezeichnet, oder?
Er hat mich als Rohdiamant aufgenommen aus Essen, hat er damals immer gesagt. Er hat mich zu 100 % zu einem besseren Spieler gemacht, mir gesagt, was er von mir sehen will. Ich habe einfach diesen Speed, den viele andere nicht haben. Der wird mich weit bringen, sagte er immer. Dann natürlich noch dieser linke Fuß, die Rakete. Es macht einfach Spaß, mit ihm zu spielen, der findet dich, wo dich kein anderer findet.
La 𝓶𝓪𝓰𝓷𝓲𝓯𝓲𝓺𝓾𝓮 passe décisive de Podolski pour Ennali. 🍗✨ https://t.co/h8BUOIPP44
— Skład (@SkladFR) March 4, 2024
Er war damals „nur“ Spieler, noch kein Eigentümer des Vereins. Trotzdem hat er so klare Ansagen gemacht?
Klar, er war zwar noch Spieler, aber er hatte trotzdem schon was zu sagen im Verein. Und von wem soll ich sonst etwas lernen, wenn nicht von ihm? Er ist Lukas Podolski.
Wahrscheinlich hast du unsere klassische Frage zum Ende eines Interviews jetzt schon beantwortet, ich stelle sie trotzdem: Wer war dein bester Mitspieler bisher?
Da habe ich tatsächlich zwei: In Houston spiele ich mit Héctor Herrera zusammen, der unter anderem beim FC Porto und Atlético Madrid gespielt hat. Aber ich glaube, ich gehe trotzdem mit Poldi.
Und dein bester Gegenspieler?
Ich hatte tatsächlich noch nicht das Vergnügen, gegen Inter Miami mit Lionel Messi zu spielen, vielleicht passiert das ja in den Playoffs. Das wäre auf jeden Fall ein Karrierehighlight. Aber dann gehen wir mit Thomas Müller.
Vielen Dank an Lawrence Ennali und das Team von Houston Dynamo für dieses Interview.
Unter dem Radar - Niklas Swider: Spielt Gladbachs bester Sechser in Köln?

In der laufenden Saison ist die Defensive der Borussen aus Mönchengladbach wahrlich eine Schießbude. 6 Heimtore in den ersten beiden Spielen stehen 0 Punkte gegenüber - beide Male lautete das Ergebnis 3:4. Kein Wunder also, dass als neuer Cheftrainer der Defensivkönner Blessin verpflichtet wurde. Bei seinen bisherigen Stationen in Belgien, Genua und beim FC St. Pauli setzte der aus der RB Schule stammende Übungsleiter meist auf eine klassische Doppel-Sechs.
Bei den beiden Testspiel-Auftritten gegen Siegen und Ex-Club St. Pauli schickte er sein Team in der 3-4-3 Formation aufs Feld, das Mittelfeldzentrum besetzten dabei die spielerisch veranlagten Neuhaus, Stöger und Nguefack. Philipp Sander, der am ehesten defensiv orientierte Mittelfeldspieler im Kader, bekleidete derweil die zentrale Position in der Innenverteidigung. Ein Spielertyp wie Jackson Irvine, unter Blessin bei St. Pauli essenziell, fehlt dabei im Kader.
Bis Mittwoch soll Alexander Blessin offiziell als neuer Gladbach-Trainer vorgestellt werden. 🗞️[RP] https://t.co/KdyBRdBIfh
— Torben | 《B》- News (@TorbenBMG) September 20, 2026
Hoffnung machen könnte dabei das Debüt von Zento Uno, der jedoch trotz aller Zweikampfstärke die von Blessin so geschätzte physische Komponente vermissen lässt. Fraglich ist, ob die Borussen mit dieser Mittelfeldbesetzung die unsichere Defensive nachhaltig stabilisieren können. Dabei wandert der Blick zwangsläufig in die Stadt des Derbyrivalen, Köln. Dort überzeugt seit dem Sommer ein echtes Fohlen, seit 2014 schon im Verein.
Ein fast 1,90 Meter großer Sechser, zweikampfstark, mit Lufthoheit und einem beeindruckend sicheren Aufbauspiel - Niklas Swider. Im Sommer noch erschien der Leihtransfer des Eigengewächs wie ein logischer Schritt. Swider sammelte Erfahrung im Regionalligateam Gladbachs, entwuchs der Liga in seinem ersten Jahr im Herrenfußball schnell.
Niklas trainiert schon seit Längerem bei den Profis, doch leider ist es aus unterschiedlichen Gründen noch nicht zu seinem Bundesligadebüt gekommen. [...] Wir hoffen auf eine erfolgreiche Leihe, damit er sich anschließend dem starken Konkurrenzkampf bei der Borussia stellen kann.
- Sportchef Rouven Schröder
Heute würde den Gladbachern ein Spieler mit den Qualitäten Swiders gut zu Gesicht stehen. Mit seinen 1,88 Metern gewinnt er in der 3. Liga über 70% aller Luftzweikämpfe. Auch am Boden zeigt er sich sehr zweikampfstark. Mit dem Ball weist Swider eine beeindruckende Passquote von über 90% auf, mit bisher 446 erfolgreichen Pässen in 7 Spielen liegt er auf Platz 1 seiner Positionskollegen. Mit seiner Ballsicherheit und Zweikampfstärke hält er der potenten Offensive der Viktoria den Rücken frei, eine Absicherung, die man in Gladbach schmerzlich vermisst.
In Kombination mit den spielstarken Neuhaus und Stöger oder den Laufwundern Nguefack, Castrop oder auch Sander könnte Swider schon heute eine wichtige Rolle im Mittelfeld der Rheinländer spielen. Zudem kann er auch die aktuelle Sander-Rolle als zentraler Innenverteidiger mit seinen Fähigkeiten beinahe perfekt ausfüllen. Nach aktuellem Stand wird sich Swider im kommenden Sommer fest in den Profikader integrieren. Ein Fohlen Duo gemeinsam mit Nguefack kann die neuerdings wenig erfolgsverwöhnten Fans der Borussia mal wieder zum Träumen bringen.

Ich persönlich halte es derweil für nicht ausgeschlossen, dass Swider schon im Winter wieder auf dem Radar der Verantwortlichen Gladbachs auftaucht. Eine frühzeitige Rückkehr dürfte zwar in Köln auf wenig Gegenliebe stoßen, für den Kader Gladbachs wäre er jedoch eine passende und günstige Ergänzung mit dem Prädikat Sofortlösung.
Unter dem Radar - Liam Omore: Würzburger gegen Messi

Diese Partie, bei der Omore über die volle Spielzeit auf dem Feld stand, dürfte das Highlight der noch jungen Karriere gewesen sein. Eine Karriere, die sich über die vergangenen Monate steil entwickelt hat. Noch in der vergangenen Spielzeit kam er als Neuzugang aus Illertissen für Würzburg in der eher schwachen Regionalliga Bayern auf nur 900 Minuten Spielzeit. Trotzdem debütierte er für die Nationalmannschaft Benin. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga entwickelte er sich als Schienenspieler in einer 5er-Kette sofort zum Leistungsträger, verpasste bisher noch keine Sekunde.
🚨🗣️ Liam Omore, joueur du FC Würzburger Kickers 🇩🇪, en 3. Liga, la D3 allemande (il jouait en D4 la saison dernière) : « Ça a toujours été un rêve pour moi de voir Messi jouer en direct dans un stade. Mais jusqu’à présent, je n’en avais jamais eu l’occasion. Je n’aurais jamais imaginé qu’un jour, je pourrais même jouer contre lui. » 🥹🇧🇯 Ces surprises totalement inattendues que le football peut parfois réserver… 😄⚽️
— Joueurs Béninois 🇧🇯 (@JoueursBJ) October 2, 2026
Die außergewöhnliche Kombination aus hohem Tempo, im Pokalspiel gegen den FC Köln erreichte Omore 34,93 km/h, und einer Körpergröße von 1,86 Metern verleiht ihm dabei einen erheblichen Vorteil. Er ist in der Lage, über 90 Minuten die komplette Außenbahn zu bearbeiten. Dabei glänzt er mit späten Läufen in die Box, die er durch sein exzellentes Timing in der Luft vollenden kann. Zudem schlägt er mit seinem rechten Fuß präzise Flanken, gerne auf den knapp 2 Meter großen Tarsis Bonga. Auf dem Papier zeugen je 2 Tore und Vorlagen in den ersten zwei Ligaspielen von einem herausragenden Saisonstart des 23 Jahre alten Omore.
Was bringt die Zukunft?
Als gelernter Offensivspieler leistet sich Omore defensiv noch den ein oder anderen Fauxpas, muss noch an seiner Zweikampfführung arbeiten. Doch als Schienenspieler scheint er seine passende Rolle gefunden zu haben, steht dabei jedoch noch am Anfang seiner Entwicklung. Sollte diese so weitergehen wie bisher, könnte ihn sein Weg schnell nach oben führen. Eine ähnliche Entwicklung wie bei Oualid Mhamdi, den es im Sommer aus Verl zu Bundesliga-Absteiger Heidenheim zog, ist im Bereich des möglichen.
Dabei dürfte er in Zukunft für jeden Zweitligisten interessant werden, der mit einer 5er-Kette aufläuft. In Kaiserslautern stand Paul Joly bereits im Sommer kurz vor einem Abschied nach Italien, sollte sich hier eine Vakanz ergeben wäre Omore definitiv eine Option für den Konkurrenzkampf mit Simon Asta. Auch Hannover 96 würde eine spielstarke Alternative zu Maurice Neubauer gut zu Gesicht stehen, auch beim VfL Osnabrück dürfte er ins Anforderungsprofil passen.

Nach dem Karrierehighlight vor 85.000 Zuschauern geht es für Omore im heimischen Würzburg gegen Hansa Rostock, erwartet werden um die 4.000 Leute. Doch sollte der Flügelflitzer seine aktuelle Form halten können, dürfte er in nicht allzu ferner Zukunft wieder in deutlich größeren Stadien auflaufen.
Unter dem Radar - Rouven Tarnutzer ist Freiburgs nächstes Juwel

Wie schon bei Rekordverkauf Johan Manzambi und Verteidiger Bruno Ogbus nutzen die Freiburger im Fall Tarnutzers die geographische Nähe zur Schweiz, um sich ein vielversprechendes Talent der Eidgenossen schon im Juniorenbereich zu sichern. Der Abschied aus seinem Geburtsort Schaffhausen sollte für den jungen Mittelfeldmann alles andere als ein Reinfall werden. Schon im Nachwuchsbereich überzeugte er mit seiner beeindruckenden Ballsicherheit. Vorzugsweise auf einer Doppel-Sechs kann er dabei sowohl zwischen die Innenverteidiger abkippen, als auch mit Ball am Fuß durch das Mittelfeld marschieren oder linienbrechende Bälle spielen.
Rouven Tarnutzer ('07 🇨🇭🇩🇪) vs. Bayer Leverkusen U19: https://t.co/iHpnp2kI0q
— SC Talente (@SCTalente) October 8, 2024
Schnell entwuchs der Schweizer der U19 Bundesliga und durfte sich in der Regionalliga erstmals im Herrenfußball beweisen. 20 Einsätze mit jeweils 2 Toren und Vorbereitungen konnte er in der vergangenen Spielzeit als eigentlich A-Jugendlicher beitragen. Eine Leistung, die auch Profi-Trainer Julian Schuster nicht verborgen blieb. Am 31. Spieltag belohnte er Tarnutzer mit seinem Profi-Debüt in Dortmund - vor über 80.000 Zuschauern. In die Partie kam er damals für Nicolas Höfler. Das Freiburger Eigengewächs und Urgestein steht nach Ende seiner professionellen Laufbahn in der laufenden Saison in der Regionalliga an der Seite des 17 Jahre jüngeren Tarnutzer auf dem Platz.
Er spielt aktuell unten, weil der Kader im Profiteam sehr stark besetzt ist und jeder fit ist, wird aber auf lange Sicht den Schritt nach oben machen.
Das macht Tarnutzer so stark:
Im Sommer folgte der nächste Schritt, Tarnutzer wurde zum festen Bestandteil des Freiburger Profikaders ernannt, absolvierte die komplette Vorbereitung des Bundesliga-Teams. Einzig die überragende Form der Doppelsechs Eggestein und Engelhardt verhindert wohl die regelmäßige Berufung in den Spieltagskader. Stattdessen sammelt er weiterhin in der Regionalliga die in seinem jungen Alter wichtige Spielzeit, zählt dabei zu den Stützen seines Teams. Als Taktgeber im Mittelfeld wird er von seinen Mitspielen gesucht, verteilt klug die Bälle.
Immer öfter spielt er diese auch in die Spitze, im Schnitt spielt er als defensiver Mittelfeldspieler pro Spiel 8,77 Pässe ins letzte Drittel 2,44 Bälle davon in den gegnerischen Strafraum. Dadurch konnte er mit bisher 3 Assists nach nur 7 Spielen seine Ausbeute aus der Vorsaison übertrumpfen. Auch in der Defensivarbeit zeigt er sich frühreif, seinen Körper setzt er im Zweikampf oft klug ein. Durch seine starke Antizipation kann er zudem regelmäßig ohne Zweikampf den Ball erobern.

Sein Spiel ist nicht besonders spektakulär, eher von Souveränität geprägt. Doch schaut man sich seine Vorlage zum 1:1 gegen die SG Barockstadt an, wird sofort klar: Der SC Freiburg hat ein weiteres Juwel in seinen Reihen. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis zu Tarnutzers 6 Minuten Bundesliga-Fußball noch mehr dazu kommen. Aktuell dürfte er in Abwesenheit des mal wieder verletzten Patrick Osterhage der erste Anwärter sein, sollte ein Teil der bisher so glänzenden Zentrale Freiburgs ausfallen.
Eine Saison mit Dreifach-Belastung ist lang. Und die Saison 26/27 könnte noch die des Rouven Vuk Tarnutzer werden.
Anthony Jung im Kickfieber-Interview

Du spielst jetzt seit etwas mehr als einem Jahr in Freiburg. Ist dein Sohn eigentlich immer noch Werder-Fan?
Er ist natürlich aufgrund der Tatsache, dass er in Bremen aufgewachsen ist beziehungsweise seine ersten Berührungspunkte mit dem Fußball hatte, sehr mit Werder verbunden. Wenn es die Zeit zulässt, schauen wir uns auch noch die Spiele gemeinsam an. Wir kennen natürlich noch einige Spieler und waren auch beim ersten Heimspiel in Freiburg in der Gästekabine. Mein Sohn klatscht da immer noch alle Spieler voller Freude ab. Die Zuneigung zum Verein ist also definitiv noch da.
Jung über seine neue Rolle als Herausforderer
Du wurdest als Herausforderer nach Freiburg geholt, hast dich jedoch gegen die Bezeichnung als reiner Sparringspartner gewehrt. Wie zufrieden bist du bisher mit deiner Rolle?
Es war natürlich eine Umstellung für mich. In der ersten Saison hatte ich gerade zu Beginn noch die ein oder andere Einsatzzeit. Bruno Ogbus wurde nach seiner Verletzung wieder herangeführt, Max Rosenfelder ist ausgefallen und auch Philipp Lienhart hatte einige Ausfallzeiten. Danach wurde es doch immer weniger. Rein sportlich gesehen ist das natürlich nicht immer einfach und aus diesen Gesichtspunkten hätte ich wahrscheinlich auch im Sommer nicht sofort verlängert. Aber das Gesamtpaket hier ist einfach sehr gut, wir sind als Familie sehr gut in Freiburg angekommen, auch mein Sohn hat im Kindergarten gut Fuß gefasst. Dieser Aspekt war für mich ausschlaggebend. Diese Saison hat sich das ganze noch etwas verschoben, ich pendle ein wenig zwischen Kader und Tribüne, die Einsatzzeiten sind gerade noch etwas weiter weg. Ich bin aber auch kein junger Spieler mehr, der unbedingt auf seine Spielzeit kommen muss, um sich zu zeigen und sich ständig zu beweisen. Trotzdem bin ich Wettbewerber genug, um nicht die Füße hochzulegen sondern das ganze als Ansporn zu sehen. Ich habe jetzt auch einige Spiele in der zweiten Mannschaft gemacht, um auf meine Spielzeit zu kommen. Ich bin gesund und fit und habe Spaß an meinem Job, ich sehe das als großes Privileg.
SC Freiburg hat sich zur kommenden Saison die Dienste von Innenverteidiger Anthony Jung gesichert. 🚨 ↪️ Über Vertragsinhalte vereinbarten die Vereine Stillschweigen. 🎙️ "Tony ist zweikampfstark und mit seinem linken Fuß in mehreren Systemen auf unterschiedlichen Positionen einsetzbar", sagte SC-Sportvorstand Jochen Saier, "er wird uns angesichts der anstehenden Belastungen in mehreren Wettbewerben guttun." #SkyTransfer #TU
— Sky Sport (@SkySportDE) May 23, 2025
Wie ist deine persönliche Zielsetzung für diese Saison?
Genau kann ich das jetzt natürlich nicht sagen. Der nächste Schritt wäre, mal wieder in den Kader zu rutschen. International ist der Kader auch etwas größer, da war ich bei den Playoff-Spielen auch mal dabei. Ich denke aber auch, dass noch einige Spiele in der zweiten Mannschaft dazu kommen werden. Wir haben für die Regionalliga dort unheimlich gute Bedingungen, dürfen im Dreisam-Stadion spielen. Das ist eine richtig gute Truppe und ich persönlich möchte die Spiele auch nutzen, um in meinem Rhythmus zu bleiben. Trotzdem bin ich, wie gesagt, ein Wettkämpfer und möchte es hier nicht austrudeln lassen sondern mich jede Woche optimal vorbereiten und bereit sein.
#Sky Info: #Freiburg denkt an Verlängerung mit Anthony #Jung. Aktueller Vertrag läuft im Sommer aus. Erste Gespräche haben gestartet. Der 34-Jährige kam im Sommer ablösefrei aus #Bremen. Wichtiger Bezugspunkt für junge Spieler in der Kabine. @SkySportDE https://t.co/PRwXjXRaTN
— Dennis Bayer (@_dennisbayer) March 26, 2026
Du stehst beim SC noch für die laufende Saison unter Vertrag. Wie ist deine Planung für die Zeit danach - Karriereende oder doch eine neue Aufgabe?
Ich werde Ende des Jahres 35, natürlich werde ich immer öfter gefragt, was ich nach der Karriere machen will. Ich schau da auch über den Tellerrand hinaus. Aber ich sehe mich noch einige Jahre auf dem Platz. Das muss auch irgendwann nicht mehr das höchste Regal sein, es kann auch eine Liga tiefer sein. Da muss man abwarten, was sich für Möglichkeiten auftun, die dann auch Sinn ergeben.
Ein Positionswechsel ebnete den Weg für die Profikarriere
Du bist Linksfuß, wie nur ca. 10-15% der Fußballer. Inwiefern hat dir dieses Alleinstellungsmerkmal in deiner Karriere geholfen?
Das ist auf jeden Fall ein Vorteil. In der Jugend habe ich immer offensiver gespielt. Danach war ich bei Eintracht Frankfurt Teil der zweiten Mannschaft. Im Zentrum hätte ich dort regelmäßig für die Profis, die in die Zweite runterkommen, Platz machen müssen. Daher hat mich der Trainer damals wegen meines linken Fußes nach links in die Viererkette gestellt. Das war sicherlich ein Aspekt, der mir den Weg in den Profifußball geebnet hat. Auch hier in Freiburg bin ich der einzige Innenverteidiger mit einem starken linken Fuß. Das war natürlich auch ein Merkmal, das letztes Jahr mit meiner Person gerne ergänzt wurde.
Wir haben schon über die zweite Mannschaft gesprochen, die ist in Freiburg ja seit Jahren ein Sammelbecken für talentierte Spieler. Gibt es dort aktuell einen Spieler, den wir auf dem Zettel haben sollten, der deiner Meinung nach bald in der Bundesliga auftaucht?
Klar, wir haben viele gute, junge Spieler, die nicht unentdeckt bleiben. Rouven Tarnutzer ist definitiv ein Spieler, den man beobachten sollte. (Hier kommst du zu unserer Spieleranalyse zu Rouven Tarnutzer.) Er spielt aktuell unten, weil der Kader im Profiteam sehr stark besetzt ist und jeder fit ist, wird aber auf lange Sicht den Schritt nach oben machen. Auch Mladen Mijajlovic ist sehr stark in den Herrenfußball gestartet, obwohl er noch U19 spielen könnte. Am Ende sind die Jungs selbst dafür verantwortlich, wo es am Ende hin geht. Aber der SC hat durchaus ein Händchen für den Umgang mit Talenten bewiesen.
Aktuell sind jetzt vier Freiburger bei der Deutschen Nationalmannschaft. Wie waren die Reaktionen auf die Nominierungen, die zum Beispiel bei Derry Scherhant etwas überraschend kamen? Gab das nochmal einen gewissen Motivationsschub in der Kabine?
Gerade bei Derry ist es schön, dass seine jüngsten Leistungen in der Mannschaft direkt mit einer Nominierung belohnt wurden, davon konnte man nicht unbedingt ausgehen. Es ist natürlich schwer, als einzelner Spieler voranzukommen, das ist irgendwo auch immer eine Gesamtleistung der Mannschaft. Wir sind gut gestartet und haben dann den Fokus im richtigen Moment auf uns als Mannschaft gelenkt. Wir haben uns in der Kabine wirklich extrem darüber gefreut, dass wir jetzt vier Spieler für die A-Nationalmannschaft abstellen dürfen. Das ist natürlich auch ein Zeichen für die gute Arbeit hier in Freiburg.
Zum Abschluss noch die zwei Fragen, denen sich jeder im Kickfieber-Interview stellen muss: Wer war denn dein bester Mitspieler an deiner Karriere?
Ich hatte schon einige gute Mitspieler. Ich habe noch den jungen Joshua Kimmich erlebt, der in Leipzig als junger Bub zu uns kam und damals schon sehr weit war von seiner Spielanlage. Aber wenn ich jetzt auf meine Bremer Zeit zurückblicke war Mitchell Weiser ein Spieler, der im Training und im Spiel mit seiner Persönlichkeit vorangegangen ist. Er hat viel eingefordert, aber auch selbst viel geleistet.

Und dein bester Gegenspieler?
Das wird wohl einer von den Bayern gewesen sein. Vermutlich an einem guten Tag Leroy Sané. Wenn der einen guten Tag und Lust hatte, dann war er wirklich sehr schwer, fast unmöglich, zu verteidigen.
Vielen Dank an Anthony Jung und den SC Freiburg für dieses Interview!
Unter dem Radar - Spielt sich Nürnbergs Eric Porstner in die Bundesliga?

Geboren in Nürnberg ging Porstner im zarten Alter von 7 Jahren den Schritt in die Akademie des Nürnberger Lokalrivalen Fürth, um dann 2018 mit 11 Jahren in seine Geburtsstadt heimzukehren. Dort durchlief er sämtliche Nachwuchsmannschaften, ehe er im Sommer 2025 als A-Jugendlicher bereits den Schritt in den Herrenfußball gehen durfte. 5 Tore und 3 Vorlagen konnte der offensivstarke Verteidiger in 16 Regionalliga-Partien für die Zweitvertretung der Franken beisteuern, ehe der Schritt in die 2. Bundesliga folgte.
Nach nur 122 Zweitligaminuten ging der Club im Sommer ein großes Risiko ein. Nach dem Abgängen von Danilo Soares und Berkay Yilmaz entschieden die Verantwortlichen, mit dem Teenager Porstner als gesetzten Linksverteidiger in die Saison zu starten. Konkurrent Andrea Ceresoli, für eine halbe Million Euro aus Bergamo verpflichtet, kommt bisher nach Trainingsrückstand auf keine einzige Minute Einsatzzeit. Porstner hingegen stand in allen Pflichtspielen in der Startelf, konnte sich dabei als einer der besten Außenverteidiger der Liga positionieren. Das sieht auch Coach Miroslav Klose so:
Eric macht das momentan wirklich top. Ich bin stolz auf ihn. Hoffen wir mal, dass Eric das lange genug halten kann.
Heraus sticht dabei die Athletik des Eigengewächses, der 1,86 m große Porstner lief in der Spitze beeindruckende 35,64 km/h, trat zudem in 6 spielen bereits zu über 100 Sprints an. Auch eine durchschnittliche Laufleistung von fast 11,5 km pro 90 Minuten ist ein beeindruckender Wert. Im Offensivspiel überzeugt er vor allem mit seinen präzisen Flanken und im Kombinationsspiel mit seinem kongenialen Partner Zoma.
Das Highspeed-Duo dürfte die wohl gefährlichste Seite der Liga bilden. In Zahlen klingt das wie folgt: 13 herausgespielte Chancen in 6 Ligaspielen, damit liegt Porstner ligaweit auf Rang 11. Nur ein Verteidiger, Bochums Maximilan Wittek, liegt dabei vor ihm. Zudem zeigt er sich mit einer Passquote von fast 90% als ein sehr verlässlicher Aufbauspieler.
Defensiv ist Porstner solide, leistet sich jedoch von Zeit zu Zeit die für sein Alter wenig verwunderlichen Stellungsfehler und Unkonzentriertheiten. Durch den sehr offensiven Spielstil Nürnbergs wird Porstner selten im defensiven Block getestet, in der Rückwärtsbewegung gegen Konter hilft ihm sein hohes Tempo, kleinere Stellungsfehler zu kaschieren.
Im Gesamtpaket bringt der U20-Nationalspieler sehr vieles mit, was im modernen Fußball von einem Außenverteidiger erwartet wird. Durch seine Offensivstärke und seine beeindruckenden Sprintwerte kann er außerdem auf der Schiene vor einer defensiven Dreierkette agieren. Aktuell kann er sich im Schatten des alles überschattenden Zoma noch in Ruhe entwickeln, doch es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Porstner selbst in den Schlagzeilen auftaucht.
Enfant : Papa peux tu me décrire ce qu’est la passion ? Papa: https://t.co/byV8xs3KqB
— 1.FC Nürnberg - FR (@NurnbergFrance) September 14, 2026

Ich persönlich gehe fest davon aus, dass Eric Porstner in der kommenden Saison Bundesliga spielt - mit dem Club oder bei einem anderen Verein. Diverse Bundesligisten dürften Porstner bereits auf dem Zettel haben und seine Entwicklung intensiv beobachten. Mit seiner Intensität gepaart mit einem erheblichen Offensivdrang und fußballerischer Qualität würde der Franke exzellent zum Fußball von Sebastian Hoeneß passen. Gut denkbar, dass der VfB die Fühler nach einer entwicklungsfähigen Alternative zu Maximilian Mittelstädt ausstreckt.
Eintracht Frankfurt derweil ist auf der linken Defensivseite mit Keita Kosuki als einzigem gelernten Außenverteidiger vergleichsweise dünn besetzt, auch ihnen würde ein deutsches Talent auf dieser Position bestens zu Gesicht stehen. Somit könnte Porstner den Weg gehen, der Nathaniel Brown in die Nationalmannschaft und zum FC Bayern führte.
Alles in Allem ist Eric Porstner ein Spieler, der alles für eine große Karriere mitbringt und der in nicht allzu ferner Zukunft auch auf dem Radar des Bundestrainers Jürgen Klopp auftauchen dürfte, zu dessen Ansatz er exzellent passt.

Max
22 Spieler & 1 Ball. Es könnte so einfach sein, ist's aber nicht. Daher hier unser Experte für's Taktische.
Mit seinem Herzensverein, dem KSC, hat Max schon einiges durchgemacht. Seine Leidenschaft für den Fußball blieb dennoch ungebrochen!
In seinen Analysen vermittelt er diese Begeisterung, vor allem für die komplexen Taktiken in unserem eigentlich so simplen Sport.
Neben den heimischen Ligen beschäftigt er sich auch sonst mit jedem, der weltweit gegen den Ball tritt. Und so war es nach 20 Jahren intensivem Studium sämtlicher Fußballpublikationen der logische nächste Schritt, nun selbst Artikel zu verfassen.






