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Max

Yasin Zor - Hoffenheims Neuzugang im Profil

„Mein Ziel ist es, irgendwann Champions League zu spielen." (Yasin Zor über seine Ambitionen)

Die Zielsetzung von Yasin Zor, aktuell für Astoria Walldorf in der Regionalliga aktiv, ist so klar wie ambitioniert. Im Sommer zieht es den 20 Jahre alten Offensivspieler zuerst in das wenige Kilometer entfernte Hoffenheim. (Bild: IMAGO / foto2press)

In der U10 schon zog es Zor aus seiner Geburtsstadt Bretten in das Nachwuchsleistungszentrum nach Karlsruhe. Dort traf ihn ein Schicksal, das viele hoch talentierte Kicker ereilt: Nach nur vier Jahren wurde Zor aussortiert, galt als körperlich zu schwach. Über Waldhof Mannheim landete er schließlich in Kaiserslautern, wo er in der vergangenen Saison für die Zweitvertretung in der Oberliga zum überragenden Mann avancierte. Nach 36 Torbeteiligung in 32 Ligaspielen stand ein Profivertrag im Raum, doch eine dauerhafte Teilnahme am Profitraining sicherte man Zor nicht zu. Somit entschied er sich, beim frisch in die Regionalliga abgestiegenen SV Sandhausen zu unterschreiben, die jedoch nicht bereit waren, die fällige Ausbildungsentschädigung zu entrichten. Beide Vereine dürften diese Entscheidungen heute bereuen.

Nach einem turbulenten Transfersommer unterschrieb Zor spät bei Astoria Walldorf, Ligakonkurrent Sandhausens. Dort ist der variable Offensivmann der überragende Mann, nicht nur seines Teams sondern der ganzen Liga. 25 Torbeteiligungen in ebensovielen Spielen, 13 Tore und 12 Vorlagen, sprechen eine eindeutige Sprache. Darüber hinaus vereint er den Spielwitz eines klassischen Straßenkickers mit dem Spielverständnis eines modernen Akademiespielers. Dabei glänzt er vor allem mit seinen Dribblings, denen die Verteidiger der Regionalligisten selten gewachsen sind. Außerdem weisen die Statistiken ihn als einen erstklassigen Spielmacher aus, der regelmäßig gefährliche Bälle in das letzte Drittel spielt.

Daher ist es keine Überraschung, dass er mit gerade mal 20 Jahren in der Scorerliste noch vor erfahrenen Spielern wie Fabian Eisele und Pascal Testroet, der über 150 Spiele in der 2. Bundesliga aufweisen kann, steht. Zor zeigt sich als Prototyp eines Spielers, der in der Zeit des leistungsorientierten Jugendfußballs oft auftritt. Körperliche Spätentwickler, die trotz technischer und taktischer Überlegenheit aussortiert werden, da sie kurzfristig nicht mit ihren größeren, stärkeren und schnelleren Altersgenossen mithalten können. Viele geben danach den Traum vom Profifußball auf, doch nicht so Yasin Zor. Er ging den Umweg, legte die Extraschichten ein und wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen ersten Profivertrag unterschreiben können. Im Gegensatz zu vielen Spielern seines Alters kann er dabei bereits auf zwei Jahre als Stammspieler im Herrenbereich zurücksehen, die ihn körperlich auf ein sichtbar höheres Niveau gehoben haben.

„Ich komme eher über meine Dribblings." (Yasin Zor über seine Stärken)

Dass er mit seinen Leistungen das Aufsehen diverser Zweitligisten sowie der TSG Hoffenheim geweckt hat, ist keine Überraschung. So gingen im vergangen Sommer mit Noah Pesch und Leon Opitz zwei junge Topscorer der Regionalliga den Schritt in die 2. Liga - nachhaltig überzeugen konnten beide jedoch nicht. Sollten diese Beispiele möglichen Interessenten Sorgen bereiten? Ich denke nein. Denn Pesch und Opitz glänzten neben nicht zu leugnender fußballerischer Qualität in der Viertklassigkeit vor allem durch ihr Tempo. In den zwei oberen Ligen Deutschlands, wo Sprintgeschwindigkeiten über 34 km/h keine Seltenheit sind, sind die Verteidiger deutlich schwieriger zu überlaufen als zwei Ligen tiefer. Zor hingegen ist kein großer Sprinter, er ist der Liga in seinem ersten Jahr schlichtweg fußballerisch entwachsen. Und so sehe ich es als wahrscheinlich an, dass er auch in der kommenden Saison seinen Weg gehen wird, wenn auch mit anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten.

In Hoffenheim ist Zor zunächst für die Zweitvertretung in der 3. Liga eingeplant, der Schritt nach oben in das Bundesligateam scheint unter Coach Christian Ilzer jedoch nicht weit entfernt.

Yasin ist ein sehr spannender Offensivspieler mit einem guten Abschluss und einer guten Agilität, dem in der aktuellen Saison in Walldorf in der Regionalliga Südwest in beeindruckender Weise der Durchbruch gelungen ist.
(Hoffenheims Sportdirektor Frank Kramer)

Und so rückt für Zor der Traum von internationalen Einsätzen, und sei es nur die Euro League, schneller als zunächst erwartet in greifbare Nähe. Noch diese Woche habe ich einen Wechsel in die 2. Bundesliga prognostiziert, für die Karriereplanung Zors könnte der nun erfolgte Schritt jedoch genau der richtige sein.

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Max

Leverkusens Schattenkader - Flop oder Zukunft?

Nach den namhaften Abgängen im Sommer wurde der sogenannte Schattenkader von Bayer Leverkusen, eine Mannschaft hinter der Mannschaft, medial stark aufgebauscht. Diese Gruppe hochtalentierter Spieler, teils leihweise bei anderen Vereinen untergebracht, soll langfristig in die erste Mannschaft rutschen und diese über Jahre hinweg prägen. Ist dieser hoch angepriesene Weg die Zukunft oder erweist er sich als großer Flop? (Bild: IMAGO / Sportfoto Rudel)

Ein Spieler hat diesen Schritt bereits nachhaltig geschafft. Christian Kofane, im Sommer für 5 Millionen Euro mit der Erfahrung von nur 20 Zweitligaspielen aus Spanien verpflichtet, ist aus der Mannschaft von Kaspar Hjulmand nicht mehr weg zu denken. 15 Scorerpunkte in 39 Spielen trotz der namhaften Konkurrenz durch Patrick Schick sprechen eine eindeutige Sprache. Mit seinen erst 19 Jahren vereint er die für den modernen Stürmer wichtigen Attribute aus Tempo und Körperlichkeit mit seiner Größe von knapp 1,90 m mit einer beachtlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Kofane ist längst aus dem Schatten getreten, ihm gehört die Zukunft im Leverkusener Sturmzentrum.

Vor der Saison hatten ihn die wenigsten Beobachter auf dem Schirm, in den vergangenen Wochen gehört jedoch ein junger Mann regelmäßig zum Stammpersonal: Montrell Culbreath. Der 18-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs füllt gemeinsam mit Ernest Poku die Lücke, die die verletzten Vasquez und Arthur auf der rechten Seite hinterlassen. Im variablen System Hjulmands tritt er somit sowohl offensiv als auch als Außenverteidiger an. Mit seinem hohen Tempo, gegen den FC Bayern war er mit über 33 km/h schnellster Leverkusener, und starken Flankenbällen sorgt der DFB-Junior vor allem offensiv für Akzente, zeigt sich dabei aber auch defensiv bemüht. Nach seinem Debüt in Leipzig, bei dem er sich als Torschütze auf Platz 4 der jüngsten Leverkusener Torschützen hinter die durchaus namhaften Wirtz, Brandt und Havertz einreihen konnte, war noch der Plan, ihn im Sommer für Spielpraxis zu verleihen. Aktuell ist realistischer, dass Culbreath schon einen festen Kaderplatz ergattern wird.

Für Axel Tapé (18) hingegen könnte eine Leihe im Sommer eine Möglichkeit sein, auf wertvolle Spielzeit zu kommen. Seit seinem ablösefreien Wechsel von Ausbildungsclub PSG im Sommer kam der variabel einsetzbare Defensivspieler erst auf knapp über 200 Bundesligaminuten, wurde für Spielpraxis bereits drei mal in der U19 Bundesliga eingesetzt. Sein Potenzial konnte der französische U19 Nationalspieler durchaus unter Beweis stellen, mit seinem Tempo von über 34 km/h ist er prädestiniert für die rechte Seite einer Dreierkette. Im Sommer sehe ich ihn beispielsweise in der niederländischen Erendivisie.

Dort spielt aktuell Artem Stepanov. Seine bullige Statur und seine langen blonden Haare, aber auch seine beeindruckende Torquote in der Jugend Leverkusens brachten dem Stürmer schon sehr schnell Vergleiche zu Erling Haaland ein. Große Fußstapfen für einen 18 Jährigen, die er bei seiner ersten Leihstation in der abgelaufenen Hinrunde nicht annähernd füllen konnte. In einer formschwachen Nürnberger Mannschaft konnte der Ukrainer in 13 Zweitliga-Einsätzen keinen Scorer beisteuern. Aufgrund dieser Erfolglosigkeit wurde das Leihverhältnis beendet, Stepanov zog direkt weiter zum niederländischen Erstligisten Utrecht. Dort zeigt er aktuell in Abwesenheit des ehemaligen Dortmunders Sebastien Haller, warum man in Leverkusen so große Stücke auf ihn hält: In der Rückrunde gelangen ihm bereits drei Treffer, zwei davon in den vergangenen zwei Partien. Beim Blick auf diesen wunderschönen Treffer ist klar: auch von Stepanov werden wir noch viel zu sehen bekommen.

Im Gegensatz zu Stepanov wusste ein weiterer 18 Jähriger in der 2. Bundesliga zu überzeugen. Ohne große Anlaufzeit wusste Francis Onyeka beim VfL Bochum zu überzeugen, spielte sich auf der 10 des Revierclubs fest. Dort ist er, neben einem bundesligaerfahrenen Sturmtank namens Philipp Hofmann, mit 8 Treffern Toptorschütze. Mit einer exzellenten Technik, starken Abschlüssen und einer für einen Zehner ungewöhnlichen Größe von 1,86 m erinnert der Linksfuß stark an ein früheres Talent des Werksclubs: Kai Havertz. Ob sich Onyeka in der Zukunft wie Havertz zum Stürmer entwickelt, Spielmacher bleibt oder die bei seiner Laufstärke und Physis auch passende Rolle des Box to Box Spielers füllt steht in den Sternen. Dass er trotz namhaftem Interesse aus dem Ausland ein Teil des Leverkusener Kaders der neuen Saison sein wird gilt als wahrscheinlich. Wichtig wird, dass er im quantitativ und qualitativ stark besetzten Mittelfeld Leverkusens auf die in jungen Jahren so wichtige Spielzeit kommt.

Dabei trifft er auf den letzten Teenager unserer Liste, den ebenfalls 18 Jahre alten Kerim Alajbegovic. Der bosnische Nationalspieler, der mit seinem verwandelten Elfmeter gegen Wales die WM Hoffnung seines Landes am Leben hielt, schnürt diese Saison bei RB Salzburg die Schuhe. Dorthin verkaufte ihn Bayer im vergangenen Sommer für 2 Millionen Euro, jedoch nicht ohne sich eine Rückkaufoption zu sichern. Diese haben die Verantwortlichen um Simon Rolfes in der vergangenen Woche bereits gezogen. Sieben Treffer in der Liga sowie überzeugende Auftritte in der Euro League machten den Transfer über 8 Millionen Euro zu einem No Brainer für Leverkusen. Schließlich hätte Salzburg auf dem freien Markt bereits einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen können. Der schussgewaltige Rechtsfuß, der am liebsten über den linken Flügel kommt, zählt zu den aufregendsten Spieler seines Jahrgangs und könnte diese Summe, sollte er sich an die Qualität der Bundesliga schnell gewöhnen können, bald vervielfachen können.

Neben den genannten stehen auch die Zugänge der Stürmer Aleksa Damjanovic (17) und Ndjicoura Bomba (18) fest. Bei beiden gilt abzuwarten, ob sie einen Kaderplatz bekommen oder sich wie Onyeka, Stepanov und Alajbegovic an anderer Stelle beweisen müssen.

Beim Blick auf diese Talente, alle noch keine 20 Jahre alt, sieht die Zukunft von Bayer Leverkusen rosig aus. Doch wichtig ist nun, diesen jungen Talenten auch nachhaltig das Vertrauen zu schenken. Der durch die Rückkehr der Leihspieler zusätzlich aufgeblähte Kader Leverkusens muss dringend verschlankt werden, kostspielige externe Zugänge wie Eliesse Ben Seghir, Martin Terrier oder Equi Fernandez sollten den Verein zugunsten der eigenen hochveranlagter Talente verlassen. Nur so kann diese Strategie auf Dauer Erfolg haben, nur so kann man Talente auch zukünftig von Leverkusener Weg überzeugen, nur so kann der Schattenkader ins Licht treten und die Zukunft unterm Bayerkreuz prägen.

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Max

David Herold - Gladbachs neuer Linksverteidiger?

Nach dem Winterabgang von Luca Netz ist die linke Abwehrseite der Borussia aus Mönchengladbach auf Kante genäht. Lukas Ulrich geht auf der Schiene in der 5er-Kette von Eugen Polanski bisher unter, kann kaum offensiven Output generieren. Ersatzmann Jens Castrop, eigentlich zentraler Mittelfeldmann, glänzte zwar im Derby gegen Köln mit zwei Toren, spätestens nach dem Sommerabgang von Mittelfeldmotor Rocco Reitz wird er wohl wieder auf seiner Stammposition benötigt werden. Ein Neuzugang bahnt sich an und Gerüchten zufolge soll es sich dabei um David Herold (23) vom Karlsruher SC handeln. (Bild: IMAGO / DeFodi Images)

Nach drei Jahren in blau-weiß deutet aktuell alles darauf hin, dass der beim FC Bayern ausgebildete Herold bereit für den nächsten Schritt ins deutsche Oberhaus ist. Dabei helfen wird ihm auch eine vertraglich festgelegte Klausel, die im Bereich von 3,5 bis 4,5 Millionen Euro liegen soll. Für die klammen Gladbacher eine saftige Summe, die nur ausgegeben werden sollte, wenn der gebürtige Mindelheimer auf Dauer die Problematik auf der linken Schiene lösen kann. Und wenn man sich seine bisherige Entwicklung anschaut, könnte genau das der Fall sein.

Nach einer starken Halbserie beim FC Bayern II zog es den der Regionalliga entwachsenen Herold im Winter 2023 leihweise nach Österreich zum SCR Altach. Nach einer überzeugenden Rückrunde sicherte sich der KSC den damals 20 Jahre alten Linksverteidiger inklusive Kaufoption als Backup für Philipp Heise. Den Premier League erfahrenen Heise, einen Zweitliga Veteran mit über 200 Spielen auf dem Buckel, verdrängte Herold in der Rückrunde auf die Bank. Vor allem sein physisch intensiver Spielstil und seine rigorose Zweikampfführung zeichneten ihn gegenüber dem eher offensiv ausgerichteten Heise aus.

Nachdem Coach Christian Eichner in der vergangenen Saison auf eine 5er-Kette umstellte, erhöhte sich auch Herolds offensiver Output. Vor allem im Kombinationsspiel mit Marvin Wanitzek, mit dem er ein kongeniales Duo auf Karlsruhes linker Seite bildet, kann der Modellathlet glänzen. Auch seine anfangs noch unpräzisen Flanken verbessern sich stetig, in der laufenden Saison stehen immerhin fünf Vorlagen zu Buche, wobei es hier auch Karlsruhes schwache Strafraumbesetzung zu erwähnen gilt. Ein Sturm bestehend aus Tim Kleindienst und Haris Tabakovic dürfte hier ein deutlich dankbarerer Abnehmer für seine Hereingaben darstellen.

Herausstechen kann Herold in der laufenden Saison auch durch seine Laufstärke. Nur drei Akteure in der 2. Bundesliga haben in dieser Spielzeit mehr Meter gemacht, ganze 12,3 Kilometer spult Herold pro 90 Minuten ab. Trotz dieser auf der Schiene wichtigen Laufstärke lässt er zuweilen die Balance zwischen Defensive und Offensive vermissen, zu oft zeigt er sich noch anfällig für schnelle Gegenstöße. Auch im eins gegen eins auf der Außenbahn muss er sich noch verbessern, um in der Bundesliga vermehrt offensive Akzente setzen zu können.

Für die Fohlen wäre Herold eine starke Ergänzung, um das intensive Spiel von Trainer Polanski zu ergänzen. Anfängliche Anlaufschwierigkeiten dürften nicht ausbleiben, doch in seiner bisherigen Karriere zeigte Herold, dass er in der Lage ist, sich schnell an ein höheres Niveau anzupassen und sich stetig weiter zu entwickeln. Mit seinem Paket aus Physis, Mentalität und einer sichtbar guten fußballerischen Ausbildung ist er als 23 Jahre alter, deutscher Linksverteidiger für unter 5 Millionen ein No Brainer für die Elf vom Niederrhein.

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Max

Deutschland bekommt (doch) kein Torwart-Problem

Vor etwa einem Jahr habe ich hier die Frage aufgeworfen: Bekommt Deutschland ein Torwartproblem? Das damalige Fazit: Wir haben bereits eines. Nicht personell, genug Talent ist in den Mannschaften und den Akademien definitiv vorhanden, sondern strukturell. Es ist an den Vereinen, die Kette zu durchbrechen und ihren jungen Torhütern das Vertrauen zu schenken. Heute, nur 15 Monate später, zeichnet sich eine positive Entwicklung ab.

Schon damals war absehbar, dass Noah Atubolu den Patz des wechselwilligen Mark Flekken im Tor des SC Freiburg übernehmen wird. So kam es dann im Sommer tatsächlich, der erst 21 Jahre junge Keeper kann mittlerweile auf eine Saison als Stammtorhüter im Oberhaus inklusive Euro League zurückblicken. Dabei zeigte der U21 Nationalspieler Licht und Schatten, geriet wegen einigen Patzern häufiger in Kritik. Bei einem blutjungen Torhüter ist das jedoch kein Grund zur Sorge, zumal man ihm in Freiburg das uneingeschränkte Vertrauen schenkt. Auf seine weitere Entwicklung darf man durchaus gespannt sein.

„Es ist mir viel zu unruhig mit ihm. Wir sind der SC Freiburg und haben einen 21 Jahre alten Torwart, der 40 Spiele gemacht und neunmal in der Liga zu null gespielt hat“ – Christian Streich

In der 2. Bundesliga sorgen derweil auch zwei junge deutsche Torhüter für Aufsehen. Vor allem Jonas Urbig (20), vom FC Köln an Greuther Fürth verliehen, beeindruckt. Nach Kickernoten ist er in der laufenden Saison bester Torhüter der Liga. Im Sommer geht es für ihn dann zurück zum Effzeh, wo beim bevorstehenden Abstieg die Nummer 1 Marvin Schwäbe wohl kaum zu halten sein wird. Wie einst Timo Horn soll sich mit Urbig das nächste Kölner Eigengewächs im Unterhaus im Kölner Kasten etablieren, ehe er sich nach dem sicherlich angestrebten Aufstieg zu einem Top-Keeper der Bundesliga mausert.

Überhaupt nicht als Stammspieler eingeplant war Tjark Ernst (21) der Berliner Hertha. Doch nach dem Prügel-Skandal um den als Nummer 1 aus Karlsruhe verpflichteten Marius Gersbeck war es der damals erst 20 Jahre alte Ernst, in Bochum ausgebildet und als Teenager nach Berlin gekommen, dem Pal Dardai das Vertrauen schenkte. In einer schwierigen Saison für den Absteiger war er einer der größten Lichtblicke und konnte sich wohl auch über die laufende Saison als Stammspieler etablieren.

Auch in den Niederlanden sammeln deutsche Nachwuchstorhüter wichtige Einsätze auf hohem Niveau. Als der Topclub Ajax Amsterdam im Sommer kolportierte 5 Millionen Ablöse für Ersatzkeeper Diant Ramaj nach Frankfurt überwies, war die Verwunderung groß, konnte der damals 21 Jahre alte Ramaj doch nur auf zwei Bundesliga-Einsätze zurückblicken. Anfangs noch auf der Bank, wurde der 1,89 m Mann beim kriselnden Giganten ins kalte Wasser geworfen und half mit starken Leistungen, Ajax zu stabilisieren. Aktuell fällt Ramaj, der auch noch für die Nationalmannschaft des Kosovo spielen könnte, mit einer Ellenbogenverletzung aus. 22 Ligaeinsätze sowie 8 im internationalen Wettbewerb sind dabei trotzdem eine Empfehlung für einen Stammplatz in der kommenden Saison – oder auch bald für höhere Aufgaben.

"Es ist geplant, dass ich im Sommer zurückkehre. Und dann ist es natürlich auch mein Ziel, irgendwann die Nummer eins zu werden. [...] Ich will im Sommer jedenfalls so weit sein, dass ich mit einer breiten Brust nach Bremen komme und in jedem Training zeige, was ich drauf habe." - Mio Backhaus

Weniger Strahlkraft als Ajax besitzt derweil der FC Volendam, trotzdem gibt es aus deutscher Sicht eine spannende Personalie im Tor des Abstiegskandidaten. Vor wenigen Tagen feierte Mio Backhaus seinen 20. Geburtstag, Stammspieler in der Eredivisie war er schon vorher, absolvierte in der laufenden Saison jedes Ligaspiel über die volle Spielzeit. Trotz 74 Gegentoren wusste er dabei beim Underdog aus der Küstenstadt über weite Strecken zu überzeugen. Im Sommer geht es für den in Japan aufgewachsenen Torhüter zurück zu seinem Stammclub Werder Bremen, wo er nach dem bevorstehenden Abgang von Jiri Pavlenka vorerst als Nummer 2 hinter Michael Zetterer eingeplant ist. Dem Vernehmen nach soll sich Backhaus vorerst mit dem Bankplatz zufriedengeben, ist jedoch intern als klarer Herausforderer von Zetterer eingeplant. Denkbar also, dass wir nächstes Jahr über den Bundesliga-Stammspieler Mio Backhaus reden.

Innerhalb eines Jahres haben also fünf junge, deutsche Torhüter den Schritt zu einem Stammplatz im bezahlten Fußball geschafft, sammeln Spielzeit auf hohem Niveau. Damit hat sich auch mein Blick auf die Zukunft der Torwartposition im deutschen Fußball etwas verändert. Zwar steht noch in den Sternen, ob einer der genannten Spieler das Niveau der Ausnahmespieler Neuer und ter Stegen auch nur annähernd erreichen kann, die Chancen auf eine positive Entwicklung stehen aktuell jedoch besser als in den vergangenen Jahren. Mit Spielern wie Dennis Seimen (VfB) oder Max Weiß (KSC) warten derweil weitere Ausnahmetalente in zweiter Reihe auf ihre Chance. Wir werden auch Ihre Entwicklung weiter im Blick behalten.

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Max

Paul Nebel: Bereit für die Bundesliga?

Aus dem Mainzer Nachwuchs kommend galt Paul Nebel als großes Versprechen für die Zukunft, auf Anhieb durchsetzen konnte er sich im Bundesliga-Kader der 05er jedoch nicht. Eineinhalb Leihjahre beim Zweitligisten Karlsruhe später stellen wir die Frage: Ist Nebel, heute 21 Jahre alt, bereit für die Bundesliga? (Bild: IMAGO / Lobeca)

In den Jugendmannschaften war der nur 1,69m große Nebel noch Flügelspieler, glänzte in der Junioren-Bundesliga vor allem mit vielen Scorerpunkten. Nach zwei Saisons in der Regionalliga und auf der Bank der Profis ging es im Sommer 2022 dann leihweise zum KSC, wo dringend nach einem Flügelflitzer gesucht wurde. Als dann Trainer Christian Eichner nach wenigen Spielen auf eine Formation ohne Flügel umstellte schien alles gegen den jungen Außenspieler zu laufen - doch es hätte kaum besser kommen können. Fortan lief Nebel zentral hinter einem Doppelsturm auf und wusste durchaus zu beeindrucken.

Mit seinem niedrigen Körperschwerpunkt und der herausragenden Technik blühte er in den engen Räumen vor der Abwehrkette auf. Vor allem in der Rückrunde konnte er mit 8 Torbeteiligungen auf sich aufmerksam machen. Persönliches Saisonhighlight war dabei der 4:2 Sieg gegen den HSV, zu dem er jeweils ein Tor und eine Vorlage beisteuern konnte, vom Kicker wurde er zum Spieler des Spieltages ausgezeichnet. Trotz dieser starken Saison war mal in Mainz wohl noch nicht von der Bundesligatauglichkeit des Junioren-Nationalspielers überzeugt, somit wurde der Vertrag verlängert und Nebel ein weiteres Jahr nach Karlsruhe verliehen. Sein angestammter Platz auf der 10 wurde jedoch vom heimgekehrten Ex-Nationalspieler Lars Stindl belegt und so ging es für den einstigen Flügelflitzer auf die rechte Seite einer engen Mittelfeldraute.

Hier zeigt Nebel, was er bereits als Jugendspieler andeuten konnte. Der klein gewachsenen Edeltechniker verfügt über eine gleichermaßen überraschende und beeindruckende Bissigkeit im Defensivzweikampf, womit er sich im Karlsruher Wildpark schnell in die Herzen der Fans spielte. Zudem gehört er in der laufenden Saison zu den fünf laufstärksten Spielern der Liga, läuft regelmäßig 12 Kilometer in einem Spiel. An der Seite der erfahrenen Stindl, Wanitzek und Gondorf entwickelt sich der junge Nebel exzellent, trifft immer häufiger die richtige Entscheidung und wurde schon längst zu einem Schlüsselspieler im Kader der Karlsruher. Auch wenn man ihn selbstverständlich gerne länger in der Fächerstadt halten würde, nach dieser Saison führt der Weg wohl zwangsläufig zurück nach Mainz.

Welche Situation er dort vorfindet steht aktuell noch in den Sternen. Die Mainzer kämpfen aktuell gegen den Abstieg, ob Interimstrainer Jan Siewert zur neuen Saison noch auf der Trainerbank sitzen wird ist ungewiss. Doch eins ist in Mainz gewiss, es soll wieder vermehrt auf die Talente aus dem eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Mit Brajan Gruda und Nelson Weiper sowie dem schon erfahreneren Leandro Barreiro und dem genesenen Jonathan Burkardt steht hier schon eine starke Achse, in die sich Paul Nebel optimal einfügen könnte. Dabei kommt ihn seine neu gewonnene Variabilität zu Gute. Egal in welcher Formation der FSV zukünftig auflaufen sollte, Nebel ist auf jeweils mehreren Positionen bundesligareif. Die Mischung aus seinen offensiven Fertigkeiten, die der U21 Nationalspieler stetig verbessert, und den Stärken in der Rückwärtsbewegung ergeben dabei ein selbst auf höchstem Niveau seltenes Profil. Vor allem in einem auf Pressing auselegten Spiel kann er dabei Gold wert sein.

Für die Entwicklung des Talents zu einem gestandenen Spieler mit Erfahrung auf gehobenem Zweitliga-Niveau war die Leihe nach Karlsruhe schon ein halbes Jahr vor ihrem Ende ein voller Erfolg. Sollte der als harter Arbeiter bekannte Nebel sich weiter wie bisher entwickeln, wird er auch im Oberhaus auf sich aufmerksam machen.

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Max

Dortmunder Transferziel - wer ist Ferdi Kadıoğlu?

Nachdem sich der Sommer-Transfer von Linksverteidiger Rami Bensebaini bisher als Missverständnis herausgestellt hat, ist man Berichten zufolge in Dortmund auf der Suche nach einer Verstärkung für die Position des Linksverteidigers. In den Fokus gerückt ist dabei der türkische Nationalspieler Ferdi Kadıoğlu (24) von Fenerbahce Istanbul - eine unkonventionelle, aber spannende Option. (Bild: IMAGO / Seskim Photo TR)

Als rechtsfüßigen Rechtsaußen, der auch über das Skillset eines solchen verfügt und der jetzt als linker Verteidiger spielt, beschreibt Marius Fischer, Head of Scouting and Analysis beim dänischen Erstligisten Viborg FF und Interviewpartner bei Kickfieber, den Türken. Tatsächlich wurde der im niederländischen Arnhem, keine zwei Autostunden von Dortmund entfernt, geborene Kadıoğlu im Nachwuchs des NEC Nijmengen als offensiver Mittelfeldspieler ausgebildet.

Mit gerade mal 17 Jahren debütierte er in der Eredivisie und konnte sich als Spielmacher oder auf der rechten Außenbahn direkt einen Stammplatz erarbeiten. Nach dem Abstieg glänzte er in der zweiten niederländischen Liga mit 19 Torbeteiligungen, auch für die U19 und U21 der Niederlande kam er mehrfach zum Einsatz. Danach ging er den Schritt in die Türkei zum Istanbuler Topclub Fenerbahce.

Nach einer enttäuschenden ersten Saison, die er vor allem in der Zweitvertretung verbrachte, erkämpfte sich Kadıoğlu bei Fener immer mehr Spielzeit, zuerst noch auf den offensiven Außenbahnen wo er mit Tempo, Technik und Kreativität zu glänzen wusste. Trainer Vitor Pereira war es dann, der den Offensivspieler dann als erstes auf die linke Schiene vor einer Dreierkette stellte, nach einem erneuten Trainerwechsel fand er sich plötzlich als Außenverteidiger in einer Viererkette wieder. Seitdem entwickelte sich Kadıoğlu, mittlerweile für die Türkei international aktiv, stetig weiter. So wurde aus dem einstigen Kreativspieler mit heute 24 Jahren ein Außenverteidiger von internationalem Format, an dem neben Dortmund auch Arsenal London und der FC Porto interessiert sein sollen.

Seine Stärken liegen dabei nach wie vor im Offensivspiel, in das er sich mit Vorliebe einschaltet. Während er letzte Saison vornehmlich über die rechte Seite kam und auf der Außenbahn Richtung Grundlinie zog, kommt Kadıoğlu mittlerweile meistens über links. Hier agiert er oft als inverser Außenverteidiger, der seine exzellente Ballbehandlung und die früh als Zehner erlernte Kombinationsstärke in den engen Räumen vor dem gegnerischen Strafraum optimal zur Geltung bringen kann.

Besonders auffällig ist er, wenn er von der Außenbahn mit Tempo in die Mitte dribbelt und mit seinem starken rechten Fuß entweder auf das Tor schießt oder eine Flanke auf den langen Pfosten schlägt. Selten habe ich einen Außenverteidiger gesehen, der für so viele offensive Glanzmomente sorgt und mit seiner unkonventionellen Spielweise die gegnerische Defensive vor große Probleme stellt.

Wie bei einem so offensivstarken Verteidiger zu erwarten, ist die Defensivarbeit auch bei Kadıoğlu eher als Schwachpunkt zu betrachten. Vor allem in der ersten Zeit nach seiner Versetzung in die Abwehr prägten eklatante Stellungsfehler sein Spiel. Doch zuletzt zeigte er sich hier stark verbessert, auch im Zweikampfverhalten gleicht er immer mehr einem gelernten Verteidiger.

So konnte er im Länderspiel seiner Türken gegen die DFB-Auswahl den aktuell so formstarken Leroy Sané weitestgehend in Schach halten, nebenbei war er auch selbst mit einem Treffer erfolgreich. Und so trau ich ihm auch auf höchstem nationalem und internationalem Niveau zu, seine Seite dicht zu halten.

Die Dortmunder Borussia würde einen Spielertyp bekommen, der so im Kader noch nicht zu finden ist. Dem diese Saison oft eindimensional wirkenden Offensivspiel könnte er eine neue Note verleihen. Vor allem das Zusammenspiel mit Julian Brandt und dem immer stärker werdenden Jamie Bynoe-Gittens stelle ich mir spektakulär und brand(t)gefährlich vor.

Allerdings bedarf es zum Ausgleich dieser offensiven linken Außenbahn einer defensiven Absicherung, vorzugsweise im zentralen Mittelfeld. Während Kapitän Emre Can diese Saison auf ganzer Linie enttäuscht, war Salih Özcan, Nationalmannschafts-Kollege von Kadıoğlu, bisher ein Lichtblick. Nichtsdestotrotz ist hier in naher Zukunft ein Upgrade fällig. Im Winter scheint allerdings nur einer dieser Transfers möglich, für Ferdi Kadıoğlu soll Fenerbahce eine Summe von über 20 Millionen Euro fordern.

Trotz der happigen Summe und einiger Fragezeichen könnte Kadıoğlu ein Spieler sein, der hilft, der bisher farblos auftretenden Dortmunder Mannschaft ein neues Gesicht zu verleihen. Nachdem zuletzt ohne Erfolg auf Bundesliga-Transfers gesetzt wurde, konnten Sebastian Kehl und Co. eine neue Facette in der Transferstrategie zeigen.

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