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Max

Edmond Kapllani im Interview: Stürmerlegende und Trainer der Freiburger Frauen

Als Spieler war Edmond Kapllani unter anderem für den KSC, Augsburg und den FSV Frankfurt aktiv. Er ist mit 73 Toren der erfolgreichste ausländische Torschütze in der Geschichte der 2. Bundesliga und kann auf 41 Länderspiele für Albanien zurückblicken. Heute ist der 43 Jahre alte Kapllani Cheftrainer der Frauen des SC Freiburg in der Bundesliga. Im Kickfieber Interview spricht er über seine bewegte Karriere, den Schritt in den Trainerjob sowie die aktuelle Saison in Freiburg. (Bild: IMAGO / DeFodi Images)

Edmond, du bist 2004 vom KS Besa in Albanien nach Deutschland gekommen und hast seitdem Bundesliga, 2. Bundesliga, Regionalliga, Oberliga, Bezirksliga und Kreisliga A gespielt. Damit hat wohl kaum jemand in Deutschland das Ligasystem so ausgenutzt. Daher die Frage: In welcher Liga spielt es sich am besten in Deutschland?

Am besten spielt es sich in der Bundesliga, das ist klar, aber 2. Liga war schon auch interessant. Da gibt es viel Schlagabtausch, viele Spiele in denen jeder jeden schlagen kann. Vom Niveau her ist die Bundesliga natürlich das höchste Niveau, auch von der Konzentration, von der Intensität, von der Qualität der Spieler, da spielen eben auch die besten Spieler.

Tatsächlich standen wir beide mal zusammen auf dem Bundesligaplatz, am 4. April 2009. Du als Spieler für den KSC, ich als Einlaufkind an der Hand von Sebastian Langkamp.

Echt jetzt?! (Lacht) Das ist cool weil Sebastian ist ein sehr guter Freund von mir, wir haben immer noch sehr engen Austausch miteinander.

Damals beim KSC, auch 2006/2007 mit dem Aufstieg, das war schon eine besondere Zeit oder?

Das war auf jeden Fall eine besondere Zeit, das werde ich auch oft gefragt, das war für mich die beste Zeit. Egal wo ich war gab es gute und schlechte Zeiten, auch in Karlsruhe hatte ich gute und schlechte Zeiten, solche Phasen hast du als Fußballer oder Sportler immer.

Aber 2006/2007 war echt so eine Saison, in der alles gepasst hat. Nicht nur individuell sondern auch als Mannschaft, was wir dann mit dem Aufstieg gekrönt haben. Da wurde ich dann auch als bester Stürmer der Liga gewählt, bei den Toren wurde ich von Giovanni Federico noch überholt aber Giovanni hat auch wirklich eine gute Saison gespielt.

Ein Doppelpack gegen Fürth war das, oder?

Hattrick sogar, ich hatte 17 Tore und er 16 und damit hat er mich dann überholt. Ich konnte nicht spielen, hab mich zwei Wochen davor muskulär verletzt, deswegen habe ich das Spiel von der Tribüne mitverfolgt und die Tore von Federico auch gesehen. Zwei Tore davon waren echt wunderschöne Tore, muss man sagen, eines sogar Tor des Monats.

Danach kamen mit Augsburg und den Leihen nach Koblenz und Paderborn ja eher schwierige Jahre.

Es ist nicht so, dass es mir in Augsburg nicht gefallen hat. Der KSC war meine erste Station in Deutschland, nach Augsburg kommen war dann auch eine ganz neue Welt, eine neue Mannschaft und eine neue Mentalität. Dazu kam dann noch, dass ich nicht viel gespielt habe, immer wieder kleine, muskuläre Verletzungen hatte, weil ich auch das Jahr davor beim KSC wenig gespielt habe.

Ich hätte mir mehr Vertrauen und Unterstützung von dem Trainerteam um Jos Luhukay gewünscht. Die Leihe nach Koblenz war mein Wunsch, das wollte ich unbedingt im Winter um meine Spielzeiten zu bekommen, ich wollte auf dem Platz mehr Minuten. In Koblenz habe ich dann in der Rückrunde alle Spiele mitgemacht und das hat mir auf jeden Fall geholfen, wieder in meine Form zu kommen.

Hattest du dann selbst Gespräche mit Paderborn oder lief das in deiner Abwesenheit zwischen Vereinen und Berater ab?

Auf jeden Fall, ich hatte auch ein Gespräch mit dem Trainer und anderen Verantwortlichen, auch mit meinem Berater. Die Konstellation war so, dass auf jeden Fall Interesse da war aber es war dann eben die Zeit gegen Ende des Transferfensters wo die Abstellungen für die Länderspiele sind. Aber Austausch gab es auf jeden Fall, der Trainer hat mich überzeugt. Die Einigung der Vereine hat dann bis zur letzten Stunde gedauert.

Für mich war das sehr wichtig denn es ist das Wichtigste, auf dem Platz Minuten zu sammeln, mein Können auf den Platz zu bringen und Paderborn hat mir diese Plattform angeboten, deswegen war es für mich klar, dass ich da hin gehe. Nach Paderborn kam ich dann erstmal nach Augsburg zurück, habe nochmal etwas Bundesligaluft geschnuppert obwohl es wenig Minuten waren. Dann kam eben der Schritt nach Frankfurt.

Danach in Frankfurt beim FSV hast du sowas wie deine zweite sportliche Heimat gefunden? Da hast du in drei aufeinanderfolgenden Saisons mit 11 Toren ja richtig geliefert.

Ja das kann man so sagen, in Frankfurt habe ich mich sportlich und privat sehr wohl gefühlt. Ich habe mir im ersten Winter in einem Hallenturnier das Kreuzband angerissen, daran erinnere ich mich noch gut. Wir waren dann fünf Spiele vor Schluss immer zwischen Platz 3 und 4, haben mit Kaiserslautern gekämpft. Wir wurden am Ende 5., Kaiserslautern wurde 3. und hat in der Relegation gegen Hoffenheim verloren. Ansonsten waren das in Frankfurt wirklich tolle Jahre.

Du hast in Frankfurt ja auch mit dem jungen Vincenzo Grifo gespielt, heute Rekordtorschütze bei deinem aktuellen Arbeitgeber SC Freiburg. War damals schon absehbar was für ein Wahnsinnskicker das wird?

Ganz ehrlich, der Junge war auf jeden Fall sehr hungrig in jungen Jahren, er war sehr klar im Kopf, wusste was er haben wollte. Von seiner Qualität war er top, das hat man auch immer wieder im Training gemerkt. Er hat etwas Anlaufzeit gebraucht bei uns in Frankfurt bis er angekommen ist und dann seine Tore und seine Assists gemacht hat, wurde irgendwann auch Stammspieler. Aber man hat schon gesehen, was für ein Spieler er ist und was er erreichen will, deswegen ist das auch keine Überraschung für mich.

Wichtig ist auch, dass er gesund geblieben ist, dass er auch keine große Verletzung hatte. Ich freu mich auf jeden Fall für ihn, wir haben heute auch engen Austausch, wir schreiben uns immer wieder und er ist nicht nur ein guter Spieler sondern auch ein Familienvater mit zwei Kindern. Das passt schon perfekt bei ihm.

Wer war dein stärkster Mitspieler in deiner Karriere?

Ich hatte viele gute Mitspieler, auch dadurch dass ich Nationalmannschaft gespielt habe. Antonio da Silva zum Beispiel, der deutscher Meister geworden ist mit Dortmund und Stuttgart, Tamas Hajnal war auch ein guter Kicker. Dann habe ich mit Erwin Skela oder Lorik Cana bei der Nationalmannschaft gespielt, die auch in der Champions League ihre Karriere gemacht haben. Alexander Iashvilli war auch ein guter Spieler mit seiner Geschwindigkeit, seiner Ballbehandlung und seiner Wendigkeit. Grifo war sicherlich auch einer davon.

Dein nächster Verein war dann der SV Elversberg, ihr habt den Aufstieg in die 3. Liga damals knapp verpasst, heute kämpfen sie erneut um den Aufstieg in die Bundesliga. War eine solche Entwicklung absehbar?

Wenn man es so betrachtet ja, deswegen bin ich den Schritt damals auch bewusst gegangen. Auch wenn es Regionalliga war, war das alles professionell, ich habe keinen Unterschied zwischen Regionalliga und 2. Liga gesehen. Vom Trainerteam und den Trainingsinhalten, wir hatten damals mit Michael Wiesinger einen Trainer der wirklich sehr akribisch gearbeitet hat und uns die Profiinhalte und das Drumherum angeboten hat. Er hat mich damals auch von dem Wechsel überzeugt.

Daher war das zu erwarten, auch durch die Präsidenten, die haben das Stadion gebaut und alles aufgebaut. Natürlich braucht man auch eine Schippe Glück dazu aber sie haben gut gearbeitet und deswegen sind sie jetzt da wo sie sind und ich denke sie werden da auch lange Zeit bleiben. Wir haben auch eine tolle Saison gespielt, waren eigentlich von Anfang bis Ende Erster und haben dann in der Relegation verloren. Das war damals etwas blöd, wir hatten das Pokalfinale zwei Tage vor dem Spiel gegen Unterhaching und haben im Hinspiel dann 3:0 verloren und sind als Meister dann nicht aufgestiegen.

Nach Elversberg ging es für dich nach Spielberg, wo du auch das erste Mal in den Trainerberuf rein geschnuppert hast. War das schon immer der Plan?

Die Zeit in Elversberg habe ich ausgenutzt, auch weil ich da viel verletzt war in der zweiten Saison. Sie wollten den Kader verkleinern, weniger auf erfahrene Spieler setzen und in der Zeit habe ich die B-Lizenz gemacht und dachte mit der aktiven Karriere ist es jetzt auch vorbei. Mein Wunsch war es, zurück nach Karlsruhe zu kommen, dort als Trainer im Nachwuchsleistungszentrum rein zu schnuppern und vielleicht für die zweite Mannschaft zu kicken. Ich habe mich auch fit genug gefühlt für die Oberliga, aber genau in dem Jahr hat der KSC die 2. Mannschaft abgemeldet.

Durch die Kooperation von Karlsruhe mit Spielberg und Gesprächen mit Trainer und Vorstand wurde ich dann überzeugt, dort noch zu kicken und gleichzeitig als Co-Trainer zu arbeiten. Das hat mir gut getan, dann auch zu sehen ob das der richtige Weg ist und meine ersten Einheiten als Trainer selbst zu führen. Nach den zwei Jahren in Spielberg, in der Coronazeit, kam der Punkt an dem ich gesagt habe „Jetzt kann ich nicht mehr spielen“, es war mir dann einfach zu viel. Danach kam das Angebot, als Co-Trainer von Sirus Motekallemi bei der U17 vom KSC einzusteigen, das habe ich natürlich gemacht und es war für mich eine sehr sehr sehr spezielle Zeit. Ich habe dort sehr viel mitgenommen und gemerkt, das ist genau mein Weg, genau wo ich hin will. Die tägliche Arbeit mit Jungs oder jetzt Mädels, ihnen etwas mitzugeben, ihre Entwicklung zu verfolgen und ihnen diese Möglichkeiten zu geben.

Seit Sommer bist du jetzt Cheftrainer beim SC Freiburg, die erste Station als Chef gleich in der Bundesliga. Wie kam es dazu?

Ein guter Freund und Berater von mir, der viel mit dem Frauenfußball zu tun hat, hat mich kontaktiert und gefragt ob ich es mir vorstellen kann. Ich habe gesagt ich muss mal eine Nacht darüber schlafen und wir telefonieren morgen. Morgens früh schickt er mir eine SMS, ich habe zwei Karten fürs Wochenende. So fing die Entwicklung an, wir haben uns das Spiel angeschaut und ich kam mit Bereichsleiterin Birgit Bauer-Schick in Kontakt. In der Zeit habe ich meine Fußballlehrer Lizenz gemacht, war dazu als Experte im albanischen Fernsehen vor Ort.

Freiburg wollte dann noch ein Gespräch mit mir, das mussten wir dann über Teams machen da ich zu der Zeit in meiner Expertenfunktion in Albanien war. Da hieß es dann „Lass uns nochmal treffen“, ich habe mir das ganze Gelände, das Stadion und die Strukturen angeschaut und wir haben uns über unsere Philosophien ausgetauscht. Für mich war dann klar, es ist ein toller Verein, die Strukturen sind da, also würde ich das auch gerne machen. Klar, der Verein hat auch mit anderen Trainern Gespräche geführt und sich dann für mich entschieden was mich sehr freut. Ich freue mich über die Aufgabe und freue mich jeden Tag, da zu sein und den Spielerinnen etwas mitzugeben.

Bei deinem Antritt hast du im Interview gesagt „Fußball ist bei allen immer das Gleiche. Der Unterschied ist, dass die Spielerinnen weiblich sind und die anderen Männer.“ Ein tolles Statement, mich würde nach einem Jahr jetzt interessieren: Hat sich an deiner Perspektive etwas geändert, gibt es Unterschiede die auffallen oder bleibst du dabei?

Ich bleibe dabei, wir trainieren auch nicht anders als bei den Herren, nur die Dosierung ist etwas anders. Bei den Mädels ist die Dosierung etwas weniger, aber was wir auch unter der Woche machen ist nichts anderes als bei den Herren. Wir müssen darauf achten, dass die Mädels immer fit sind unter der Woche und am Wochenende und wegen Verletzungen aufpassen. Die Belastungssteuerung müssen wir etwas mehr im Blick behalten als bei den Herren, vor allem da wir viele junge Spielerinnen haben müssen wir darauf achten, dass wir ihnen die nötigen Trainingseinheiten geben aber sie nicht zu stark belasten.

Nach einem personellen Umbruch und mit einem sehr jungen Team, in Abwesenheit von Laura Benkrath habt ihr keine Spielerin über 30 im Kader, steht ihr aktuell in der Liga auf Platz 7. Seid ihr zufrieden?

Es ist auf jeden Fall ein Ziel des Vereins, die jungen Spielerinnen hier zu entwickeln und mit ihnen den nächsten Schritt zu gehen, aber auch einen Weg zu finden, dass wir tabellarisch gut abschneiden. Als Trainer bin ich da natürlich etwas anspruchsvoller, um das Beste mit den Mädels rauszuholen. Wir sind alle zufrieden aber uns fehlen auch 3-4 Punkte weil wir Spiele, die wir auf unsere Seite hätten ziehen können, nicht gewonnen haben. Dann wurden wir eben in der Bundesliga sofort bestraft.

Aber mit dem Kader den wir haben, mit der Konstellation die du angesprochen hast, sind wir auf jeden Fall zufrieden. Wichtig ist, dass eine Entwicklung zu erkennen ist und das sehe ich. Den Umbruch kennt Freiburg schon seit Jahren, dass Spielerinnen immer wieder zu höheren Vereinen wechseln und wir versuchen entsprechend talentierte Spielerinnen zu verpflichten und sie auf ein anderes Level zu bringen. Deswegen wird es auch über den Sommer hinaus in der gleichen Konstellation weiter gehen, es wird sich nicht viel ändern. Wir müssen schauen, dass wir ein gewisses Gerüst in der Mannschaft aufbauen und weiter entwickeln.

Wir haben ja schon über die jungen Spielerinnen geredet, im Sommer hast du gesagt du musst den Markt und die Branche, also den Frauenfußball, noch näher kennenlernen. Das geht zugegebenermaßen mir und sicher vielen Leserinnen und Lesern ähnlich. Kannst du uns deswegen einige Namen nennen, auf die wir in den nächsten Jahren achten müssen?

Wir haben im Kader wirklich, wenn ich jetzt Namen nennen muss, mit Luca Birkholz (22) eine Spielerin, die jetzt Nationalspielerin wurde in der U23, die enorme Schritte gemacht hat. Wir haben eine Maj Schneider (18), die jetzt zu vielen Einsätzen gekommen ist und die den Durchbruch, aber auch den nächsten Step schaffen kann, nicht nur in die Bundesliga sondern eben auch zu den Topmannschaften. Nicole Ojukwu (20), die sich diese Saison wirklich stark entwickelt hat, sie ist Nationalspielerin von Österreich geworden. Dann gibt es eine Mia-Lena Maas (18) die auch schon Einsätze von Anfang an bekommen hat.

Auch Selina Vobian (23), ihre Qualitäten kennen wir, und Sophie Nachtigall (22), die noch aus Frankfurt eine Verletzung hatte und operiert werden musste. Das sind alles Spielerinnen, die ein großes Talent haben, sie brauchen aber auch Konstanz in ihren Leistungen, um hoch hinaus zu kommen. Diese Konstanz haben sie teilweise noch nicht geschafft, Woche für Woche auf den Platz zu bringen. Wie gesagt, dafür sind wir da, jetzt auch geduldig zu sein mit den Mädels, damit sie diese Konstanz jetzt in die Wochen bringen. Bringen sie das noch rein, wird der nächste Step auf jeden Fall kommen.

Ich habe nachgelesen, Ziel war es auf jeden Fall mehr Tore zu schießen als letztes Jahr. Nach 22 Spielen steht ihr aktuell bei einem Tor mehr als letzte Saison.

Ja?! Das war auf jeden Fall das Ziel, wir hatten auch die Möglichkeiten. Wir hatten jetzt auch jedes Spiel 2-3 große Chancen, auch gegen Wolfsburg und Bayern. Wir hatten auch gegen Bayern die Möglichkeit etwas mitzunehmen aber kleine Fehler werden sofort bestraft. Wir sind aber auf einem guten Weg, haben uns in der Rückrunde auch stabilisiert und den Gegnern nicht so viele Chancen geboten. Dafür sind wir im letzten Drittel nicht effektiv genug, haben auch zu viele Chance liegen gelassen.

Für was für einen Fußball steht der Trainer Kapllani?

Es heißt immer, als Stürmer will man offensiv spielen aber man braucht so oder so ein ausgewogenes Spiel. Dann kommt es auch einfach darauf an, gegen wen du spielst. Meine Philosophie ist es auf jeden Fall, das Spiel so oft es geht in das letzte Drittel zu bringen, auf Chancen zu kommen und dort muss man dann einfach mal eiskalt sein und die Tore auch machen. So kommst du als Einzelspieler, aber auch als Team weiter. Das ist auf jeden Fall meine Idee, sich selbst so immer die Möglichkeit zu geben, an Chancen zu kommen um die Box und dort dann zielstrebig zu sein.

Das haben wir jetzt auch Woche für Woche geschafft und es ist auch ein Verdienst der Mädels, dass sie das umsetzen. Wir sind auf jeden Fall zumindest auf dem Weg, das richtig umzusetzen. Im Grundsatz ist Fußball auf jeden Fall ein Sport, der auch eine gewisse Attraktivität bieten soll und das bieten wir jetzt auch in vielen Spielen. Jetzt gilt es noch, einige Fehler, mit denen wir den Gegnern Chancen geben abzuschalten, noch mehr in die Torraumszenen zu kommen, dann sind wir auf jeden Fall noch stabiler.

Welcher Trainer hat dich in deinem Stil am meisten inspiriert?

Von allen ein bisschen. Du kannst dich als Trainer heutzutage nicht auf eine Sache festlegen. Es ist auch abhängig davon, welche Mannschaft du hast und du versuchst deine Philosophie mit der Mannschaft voran zu bringen. Wie gesagt, ich schaue mir sehr gerne sehr viel von anderen Trainern an, ich nehme das an, was für mich in dem Moment hilfreich erscheint für mich und die Mannschaft. Ich versuche auf jeden Fall, das auf den Platz zu bringen, was für die Mädels auch umsetzbar ist. Ich brauche kein Spielsystem reinbringen, das zu den Mädels nicht passt. Diese Balance muss ich immer finden.

Abschließend natürlich noch die Frage: Welche Ziele hast du noch für deine Trainerkarriere? In Karlsruhe wäre ja zum Beispiel ab Sommer eine Stelle frei.

(Lacht) Da kommen erstmal andere Trainer in Frage, die auch mehr Erfahrung haben als ich, auch im Herrenbereich. Für mich ist das hier und jetzt wichtig, bei meiner ersten Station hier in Freiburg. Der Verein weiß was er an mir hat, ich weiß genau was ich am Verein habe. Deswegen versuche ich, hier mein Bestes zu geben, mein Herzblut reinzustecken und einfach von Woche zu Woche, von Tag zu Tag die Mannschaft und mich persönlich zu entwickeln und zu verbessern. Mein Ziel ist es, als Trainer dieselbe Leidenschaft für den Fußball zu haben wie ich sie schon als Spieler hatte. Wie weit ich es schaffe weiß niemand, aber ich versuche mein Wissen Woche für Woche auf den Platz zu bringen und es der Mannschaft an die Hand zu geben.

Vielen Dank an Edmond Kapllani und den SC Freiburg für dieses Interview!

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Max

Yasin Zor - Hoffenheims Neuzugang im Profil

„Mein Ziel ist es, irgendwann Champions League zu spielen." (Yasin Zor über seine Ambitionen)

Die Zielsetzung von Yasin Zor, aktuell für Astoria Walldorf in der Regionalliga aktiv, ist so klar wie ambitioniert. Im Sommer zieht es den 20 Jahre alten Offensivspieler zuerst in das wenige Kilometer entfernte Hoffenheim. (Bild: IMAGO / foto2press)

In der U10 schon zog es Zor aus seiner Geburtsstadt Bretten in das Nachwuchsleistungszentrum nach Karlsruhe. Dort traf ihn ein Schicksal, das viele hoch talentierte Kicker ereilt: Nach nur vier Jahren wurde Zor aussortiert, galt als körperlich zu schwach. Über Waldhof Mannheim landete er schließlich in Kaiserslautern, wo er in der vergangenen Saison für die Zweitvertretung in der Oberliga zum überragenden Mann avancierte. Nach 36 Torbeteiligung in 32 Ligaspielen stand ein Profivertrag im Raum, doch eine dauerhafte Teilnahme am Profitraining sicherte man Zor nicht zu. Somit entschied er sich, beim frisch in die Regionalliga abgestiegenen SV Sandhausen zu unterschreiben, die jedoch nicht bereit waren, die fällige Ausbildungsentschädigung zu entrichten. Beide Vereine dürften diese Entscheidungen heute bereuen.

Nach einem turbulenten Transfersommer unterschrieb Zor spät bei Astoria Walldorf, Ligakonkurrent Sandhausens. Dort ist der variable Offensivmann der überragende Mann, nicht nur seines Teams sondern der ganzen Liga. 25 Torbeteiligungen in ebensovielen Spielen, 13 Tore und 12 Vorlagen, sprechen eine eindeutige Sprache. Darüber hinaus vereint er den Spielwitz eines klassischen Straßenkickers mit dem Spielverständnis eines modernen Akademiespielers. Dabei glänzt er vor allem mit seinen Dribblings, denen die Verteidiger der Regionalligisten selten gewachsen sind. Außerdem weisen die Statistiken ihn als einen erstklassigen Spielmacher aus, der regelmäßig gefährliche Bälle in das letzte Drittel spielt.

Daher ist es keine Überraschung, dass er mit gerade mal 20 Jahren in der Scorerliste noch vor erfahrenen Spielern wie Fabian Eisele und Pascal Testroet, der über 150 Spiele in der 2. Bundesliga aufweisen kann, steht. Zor zeigt sich als Prototyp eines Spielers, der in der Zeit des leistungsorientierten Jugendfußballs oft auftritt. Körperliche Spätentwickler, die trotz technischer und taktischer Überlegenheit aussortiert werden, da sie kurzfristig nicht mit ihren größeren, stärkeren und schnelleren Altersgenossen mithalten können. Viele geben danach den Traum vom Profifußball auf, doch nicht so Yasin Zor. Er ging den Umweg, legte die Extraschichten ein und wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen ersten Profivertrag unterschreiben können. Im Gegensatz zu vielen Spielern seines Alters kann er dabei bereits auf zwei Jahre als Stammspieler im Herrenbereich zurücksehen, die ihn körperlich auf ein sichtbar höheres Niveau gehoben haben.

„Ich komme eher über meine Dribblings." (Yasin Zor über seine Stärken)

Dass er mit seinen Leistungen das Aufsehen diverser Zweitligisten sowie der TSG Hoffenheim geweckt hat, ist keine Überraschung. So gingen im vergangen Sommer mit Noah Pesch und Leon Opitz zwei junge Topscorer der Regionalliga den Schritt in die 2. Liga - nachhaltig überzeugen konnten beide jedoch nicht. Sollten diese Beispiele möglichen Interessenten Sorgen bereiten? Ich denke nein. Denn Pesch und Opitz glänzten neben nicht zu leugnender fußballerischer Qualität in der Viertklassigkeit vor allem durch ihr Tempo. In den zwei oberen Ligen Deutschlands, wo Sprintgeschwindigkeiten über 34 km/h keine Seltenheit sind, sind die Verteidiger deutlich schwieriger zu überlaufen als zwei Ligen tiefer. Zor hingegen ist kein großer Sprinter, er ist der Liga in seinem ersten Jahr schlichtweg fußballerisch entwachsen. Und so sehe ich es als wahrscheinlich an, dass er auch in der kommenden Saison seinen Weg gehen wird, wenn auch mit anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten.

In Hoffenheim ist Zor zunächst für die Zweitvertretung in der 3. Liga eingeplant, der Schritt nach oben in das Bundesligateam scheint unter Coach Christian Ilzer jedoch nicht weit entfernt.

Yasin ist ein sehr spannender Offensivspieler mit einem guten Abschluss und einer guten Agilität, dem in der aktuellen Saison in Walldorf in der Regionalliga Südwest in beeindruckender Weise der Durchbruch gelungen ist.
(Hoffenheims Sportdirektor Frank Kramer)

Und so rückt für Zor der Traum von internationalen Einsätzen, und sei es nur die Euro League, schneller als zunächst erwartet in greifbare Nähe. Noch diese Woche habe ich einen Wechsel in die 2. Bundesliga prognostiziert, für die Karriereplanung Zors könnte der nun erfolgte Schritt jedoch genau der richtige sein.

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Max

Leverkusens Schattenkader - Flop oder Zukunft?

Nach den namhaften Abgängen im Sommer wurde der sogenannte Schattenkader von Bayer Leverkusen, eine Mannschaft hinter der Mannschaft, medial stark aufgebauscht. Diese Gruppe hochtalentierter Spieler, teils leihweise bei anderen Vereinen untergebracht, soll langfristig in die erste Mannschaft rutschen und diese über Jahre hinweg prägen. Ist dieser hoch angepriesene Weg die Zukunft oder erweist er sich als großer Flop? (Bild: IMAGO / Sportfoto Rudel)

Ein Spieler hat diesen Schritt bereits nachhaltig geschafft. Christian Kofane, im Sommer für 5 Millionen Euro mit der Erfahrung von nur 20 Zweitligaspielen aus Spanien verpflichtet, ist aus der Mannschaft von Kaspar Hjulmand nicht mehr weg zu denken. 15 Scorerpunkte in 39 Spielen trotz der namhaften Konkurrenz durch Patrick Schick sprechen eine eindeutige Sprache. Mit seinen erst 19 Jahren vereint er die für den modernen Stürmer wichtigen Attribute aus Tempo und Körperlichkeit mit seiner Größe von knapp 1,90 m mit einer beachtlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Kofane ist längst aus dem Schatten getreten, ihm gehört die Zukunft im Leverkusener Sturmzentrum.

Vor der Saison hatten ihn die wenigsten Beobachter auf dem Schirm, in den vergangenen Wochen gehört jedoch ein junger Mann regelmäßig zum Stammpersonal: Montrell Culbreath. Der 18-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs füllt gemeinsam mit Ernest Poku die Lücke, die die verletzten Vasquez und Arthur auf der rechten Seite hinterlassen. Im variablen System Hjulmands tritt er somit sowohl offensiv als auch als Außenverteidiger an. Mit seinem hohen Tempo, gegen den FC Bayern war er mit über 33 km/h schnellster Leverkusener, und starken Flankenbällen sorgt der DFB-Junior vor allem offensiv für Akzente, zeigt sich dabei aber auch defensiv bemüht. Nach seinem Debüt in Leipzig, bei dem er sich als Torschütze auf Platz 4 der jüngsten Leverkusener Torschützen hinter die durchaus namhaften Wirtz, Brandt und Havertz einreihen konnte, war noch der Plan, ihn im Sommer für Spielpraxis zu verleihen. Aktuell ist realistischer, dass Culbreath schon einen festen Kaderplatz ergattern wird.

Für Axel Tapé (18) hingegen könnte eine Leihe im Sommer eine Möglichkeit sein, auf wertvolle Spielzeit zu kommen. Seit seinem ablösefreien Wechsel von Ausbildungsclub PSG im Sommer kam der variabel einsetzbare Defensivspieler erst auf knapp über 200 Bundesligaminuten, wurde für Spielpraxis bereits drei mal in der U19 Bundesliga eingesetzt. Sein Potenzial konnte der französische U19 Nationalspieler durchaus unter Beweis stellen, mit seinem Tempo von über 34 km/h ist er prädestiniert für die rechte Seite einer Dreierkette. Im Sommer sehe ich ihn beispielsweise in der niederländischen Erendivisie.

Dort spielt aktuell Artem Stepanov. Seine bullige Statur und seine langen blonden Haare, aber auch seine beeindruckende Torquote in der Jugend Leverkusens brachten dem Stürmer schon sehr schnell Vergleiche zu Erling Haaland ein. Große Fußstapfen für einen 18 Jährigen, die er bei seiner ersten Leihstation in der abgelaufenen Hinrunde nicht annähernd füllen konnte. In einer formschwachen Nürnberger Mannschaft konnte der Ukrainer in 13 Zweitliga-Einsätzen keinen Scorer beisteuern. Aufgrund dieser Erfolglosigkeit wurde das Leihverhältnis beendet, Stepanov zog direkt weiter zum niederländischen Erstligisten Utrecht. Dort zeigt er aktuell in Abwesenheit des ehemaligen Dortmunders Sebastien Haller, warum man in Leverkusen so große Stücke auf ihn hält: In der Rückrunde gelangen ihm bereits drei Treffer, zwei davon in den vergangenen zwei Partien. Beim Blick auf diesen wunderschönen Treffer ist klar: auch von Stepanov werden wir noch viel zu sehen bekommen.

Im Gegensatz zu Stepanov wusste ein weiterer 18 Jähriger in der 2. Bundesliga zu überzeugen. Ohne große Anlaufzeit wusste Francis Onyeka beim VfL Bochum zu überzeugen, spielte sich auf der 10 des Revierclubs fest. Dort ist er, neben einem bundesligaerfahrenen Sturmtank namens Philipp Hofmann, mit 8 Treffern Toptorschütze. Mit einer exzellenten Technik, starken Abschlüssen und einer für einen Zehner ungewöhnlichen Größe von 1,86 m erinnert der Linksfuß stark an ein früheres Talent des Werksclubs: Kai Havertz. Ob sich Onyeka in der Zukunft wie Havertz zum Stürmer entwickelt, Spielmacher bleibt oder die bei seiner Laufstärke und Physis auch passende Rolle des Box to Box Spielers füllt steht in den Sternen. Dass er trotz namhaftem Interesse aus dem Ausland ein Teil des Leverkusener Kaders der neuen Saison sein wird gilt als wahrscheinlich. Wichtig wird, dass er im quantitativ und qualitativ stark besetzten Mittelfeld Leverkusens auf die in jungen Jahren so wichtige Spielzeit kommt.

Dabei trifft er auf den letzten Teenager unserer Liste, den ebenfalls 18 Jahre alten Kerim Alajbegovic. Der bosnische Nationalspieler, der mit seinem verwandelten Elfmeter gegen Wales die WM Hoffnung seines Landes am Leben hielt, schnürt diese Saison bei RB Salzburg die Schuhe. Dorthin verkaufte ihn Bayer im vergangenen Sommer für 2 Millionen Euro, jedoch nicht ohne sich eine Rückkaufoption zu sichern. Diese haben die Verantwortlichen um Simon Rolfes in der vergangenen Woche bereits gezogen. Sieben Treffer in der Liga sowie überzeugende Auftritte in der Euro League machten den Transfer über 8 Millionen Euro zu einem No Brainer für Leverkusen. Schließlich hätte Salzburg auf dem freien Markt bereits einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen können. Der schussgewaltige Rechtsfuß, der am liebsten über den linken Flügel kommt, zählt zu den aufregendsten Spieler seines Jahrgangs und könnte diese Summe, sollte er sich an die Qualität der Bundesliga schnell gewöhnen können, bald vervielfachen können.

Neben den genannten stehen auch die Zugänge der Stürmer Aleksa Damjanovic (17) und Ndjicoura Bomba (18) fest. Bei beiden gilt abzuwarten, ob sie einen Kaderplatz bekommen oder sich wie Onyeka, Stepanov und Alajbegovic an anderer Stelle beweisen müssen.

Beim Blick auf diese Talente, alle noch keine 20 Jahre alt, sieht die Zukunft von Bayer Leverkusen rosig aus. Doch wichtig ist nun, diesen jungen Talenten auch nachhaltig das Vertrauen zu schenken. Der durch die Rückkehr der Leihspieler zusätzlich aufgeblähte Kader Leverkusens muss dringend verschlankt werden, kostspielige externe Zugänge wie Eliesse Ben Seghir, Martin Terrier oder Equi Fernandez sollten den Verein zugunsten der eigenen hochveranlagter Talente verlassen. Nur so kann diese Strategie auf Dauer Erfolg haben, nur so kann man Talente auch zukünftig von Leverkusener Weg überzeugen, nur so kann der Schattenkader ins Licht treten und die Zukunft unterm Bayerkreuz prägen.

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Max

David Herold - Gladbachs neuer Linksverteidiger?

Nach dem Winterabgang von Luca Netz ist die linke Abwehrseite der Borussia aus Mönchengladbach auf Kante genäht. Lukas Ulrich geht auf der Schiene in der 5er-Kette von Eugen Polanski bisher unter, kann kaum offensiven Output generieren. Ersatzmann Jens Castrop, eigentlich zentraler Mittelfeldmann, glänzte zwar im Derby gegen Köln mit zwei Toren, spätestens nach dem Sommerabgang von Mittelfeldmotor Rocco Reitz wird er wohl wieder auf seiner Stammposition benötigt werden. Ein Neuzugang bahnt sich an und Gerüchten zufolge soll es sich dabei um David Herold (23) vom Karlsruher SC handeln. (Bild: IMAGO / DeFodi Images)

Nach drei Jahren in blau-weiß deutet aktuell alles darauf hin, dass der beim FC Bayern ausgebildete Herold bereit für den nächsten Schritt ins deutsche Oberhaus ist. Dabei helfen wird ihm auch eine vertraglich festgelegte Klausel, die im Bereich von 3,5 bis 4,5 Millionen Euro liegen soll. Für die klammen Gladbacher eine saftige Summe, die nur ausgegeben werden sollte, wenn der gebürtige Mindelheimer auf Dauer die Problematik auf der linken Schiene lösen kann. Und wenn man sich seine bisherige Entwicklung anschaut, könnte genau das der Fall sein.

Nach einer starken Halbserie beim FC Bayern II zog es den der Regionalliga entwachsenen Herold im Winter 2023 leihweise nach Österreich zum SCR Altach. Nach einer überzeugenden Rückrunde sicherte sich der KSC den damals 20 Jahre alten Linksverteidiger inklusive Kaufoption als Backup für Philipp Heise. Den Premier League erfahrenen Heise, einen Zweitliga Veteran mit über 200 Spielen auf dem Buckel, verdrängte Herold in der Rückrunde auf die Bank. Vor allem sein physisch intensiver Spielstil und seine rigorose Zweikampfführung zeichneten ihn gegenüber dem eher offensiv ausgerichteten Heise aus.

Nachdem Coach Christian Eichner in der vergangenen Saison auf eine 5er-Kette umstellte, erhöhte sich auch Herolds offensiver Output. Vor allem im Kombinationsspiel mit Marvin Wanitzek, mit dem er ein kongeniales Duo auf Karlsruhes linker Seite bildet, kann der Modellathlet glänzen. Auch seine anfangs noch unpräzisen Flanken verbessern sich stetig, in der laufenden Saison stehen immerhin fünf Vorlagen zu Buche, wobei es hier auch Karlsruhes schwache Strafraumbesetzung zu erwähnen gilt. Ein Sturm bestehend aus Tim Kleindienst und Haris Tabakovic dürfte hier ein deutlich dankbarerer Abnehmer für seine Hereingaben darstellen.

Herausstechen kann Herold in der laufenden Saison auch durch seine Laufstärke. Nur drei Akteure in der 2. Bundesliga haben in dieser Spielzeit mehr Meter gemacht, ganze 12,3 Kilometer spult Herold pro 90 Minuten ab. Trotz dieser auf der Schiene wichtigen Laufstärke lässt er zuweilen die Balance zwischen Defensive und Offensive vermissen, zu oft zeigt er sich noch anfällig für schnelle Gegenstöße. Auch im eins gegen eins auf der Außenbahn muss er sich noch verbessern, um in der Bundesliga vermehrt offensive Akzente setzen zu können.

Für die Fohlen wäre Herold eine starke Ergänzung, um das intensive Spiel von Trainer Polanski zu ergänzen. Anfängliche Anlaufschwierigkeiten dürften nicht ausbleiben, doch in seiner bisherigen Karriere zeigte Herold, dass er in der Lage ist, sich schnell an ein höheres Niveau anzupassen und sich stetig weiter zu entwickeln. Mit seinem Paket aus Physis, Mentalität und einer sichtbar guten fußballerischen Ausbildung ist er als 23 Jahre alter, deutscher Linksverteidiger für unter 5 Millionen ein No Brainer für die Elf vom Niederrhein.

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Max

Deutschland bekommt (doch) kein Torwart-Problem

Vor etwa einem Jahr habe ich hier die Frage aufgeworfen: Bekommt Deutschland ein Torwartproblem? Das damalige Fazit: Wir haben bereits eines. Nicht personell, genug Talent ist in den Mannschaften und den Akademien definitiv vorhanden, sondern strukturell. Es ist an den Vereinen, die Kette zu durchbrechen und ihren jungen Torhütern das Vertrauen zu schenken. Heute, nur 15 Monate später, zeichnet sich eine positive Entwicklung ab.

Schon damals war absehbar, dass Noah Atubolu den Patz des wechselwilligen Mark Flekken im Tor des SC Freiburg übernehmen wird. So kam es dann im Sommer tatsächlich, der erst 21 Jahre junge Keeper kann mittlerweile auf eine Saison als Stammtorhüter im Oberhaus inklusive Euro League zurückblicken. Dabei zeigte der U21 Nationalspieler Licht und Schatten, geriet wegen einigen Patzern häufiger in Kritik. Bei einem blutjungen Torhüter ist das jedoch kein Grund zur Sorge, zumal man ihm in Freiburg das uneingeschränkte Vertrauen schenkt. Auf seine weitere Entwicklung darf man durchaus gespannt sein.

„Es ist mir viel zu unruhig mit ihm. Wir sind der SC Freiburg und haben einen 21 Jahre alten Torwart, der 40 Spiele gemacht und neunmal in der Liga zu null gespielt hat“ – Christian Streich

In der 2. Bundesliga sorgen derweil auch zwei junge deutsche Torhüter für Aufsehen. Vor allem Jonas Urbig (20), vom FC Köln an Greuther Fürth verliehen, beeindruckt. Nach Kickernoten ist er in der laufenden Saison bester Torhüter der Liga. Im Sommer geht es für ihn dann zurück zum Effzeh, wo beim bevorstehenden Abstieg die Nummer 1 Marvin Schwäbe wohl kaum zu halten sein wird. Wie einst Timo Horn soll sich mit Urbig das nächste Kölner Eigengewächs im Unterhaus im Kölner Kasten etablieren, ehe er sich nach dem sicherlich angestrebten Aufstieg zu einem Top-Keeper der Bundesliga mausert.

Überhaupt nicht als Stammspieler eingeplant war Tjark Ernst (21) der Berliner Hertha. Doch nach dem Prügel-Skandal um den als Nummer 1 aus Karlsruhe verpflichteten Marius Gersbeck war es der damals erst 20 Jahre alte Ernst, in Bochum ausgebildet und als Teenager nach Berlin gekommen, dem Pal Dardai das Vertrauen schenkte. In einer schwierigen Saison für den Absteiger war er einer der größten Lichtblicke und konnte sich wohl auch über die laufende Saison als Stammspieler etablieren.

Auch in den Niederlanden sammeln deutsche Nachwuchstorhüter wichtige Einsätze auf hohem Niveau. Als der Topclub Ajax Amsterdam im Sommer kolportierte 5 Millionen Ablöse für Ersatzkeeper Diant Ramaj nach Frankfurt überwies, war die Verwunderung groß, konnte der damals 21 Jahre alte Ramaj doch nur auf zwei Bundesliga-Einsätze zurückblicken. Anfangs noch auf der Bank, wurde der 1,89 m Mann beim kriselnden Giganten ins kalte Wasser geworfen und half mit starken Leistungen, Ajax zu stabilisieren. Aktuell fällt Ramaj, der auch noch für die Nationalmannschaft des Kosovo spielen könnte, mit einer Ellenbogenverletzung aus. 22 Ligaeinsätze sowie 8 im internationalen Wettbewerb sind dabei trotzdem eine Empfehlung für einen Stammplatz in der kommenden Saison – oder auch bald für höhere Aufgaben.

"Es ist geplant, dass ich im Sommer zurückkehre. Und dann ist es natürlich auch mein Ziel, irgendwann die Nummer eins zu werden. [...] Ich will im Sommer jedenfalls so weit sein, dass ich mit einer breiten Brust nach Bremen komme und in jedem Training zeige, was ich drauf habe." - Mio Backhaus

Weniger Strahlkraft als Ajax besitzt derweil der FC Volendam, trotzdem gibt es aus deutscher Sicht eine spannende Personalie im Tor des Abstiegskandidaten. Vor wenigen Tagen feierte Mio Backhaus seinen 20. Geburtstag, Stammspieler in der Eredivisie war er schon vorher, absolvierte in der laufenden Saison jedes Ligaspiel über die volle Spielzeit. Trotz 74 Gegentoren wusste er dabei beim Underdog aus der Küstenstadt über weite Strecken zu überzeugen. Im Sommer geht es für den in Japan aufgewachsenen Torhüter zurück zu seinem Stammclub Werder Bremen, wo er nach dem bevorstehenden Abgang von Jiri Pavlenka vorerst als Nummer 2 hinter Michael Zetterer eingeplant ist. Dem Vernehmen nach soll sich Backhaus vorerst mit dem Bankplatz zufriedengeben, ist jedoch intern als klarer Herausforderer von Zetterer eingeplant. Denkbar also, dass wir nächstes Jahr über den Bundesliga-Stammspieler Mio Backhaus reden.

Innerhalb eines Jahres haben also fünf junge, deutsche Torhüter den Schritt zu einem Stammplatz im bezahlten Fußball geschafft, sammeln Spielzeit auf hohem Niveau. Damit hat sich auch mein Blick auf die Zukunft der Torwartposition im deutschen Fußball etwas verändert. Zwar steht noch in den Sternen, ob einer der genannten Spieler das Niveau der Ausnahmespieler Neuer und ter Stegen auch nur annähernd erreichen kann, die Chancen auf eine positive Entwicklung stehen aktuell jedoch besser als in den vergangenen Jahren. Mit Spielern wie Dennis Seimen (VfB) oder Max Weiß (KSC) warten derweil weitere Ausnahmetalente in zweiter Reihe auf ihre Chance. Wir werden auch Ihre Entwicklung weiter im Blick behalten.

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Max

Paul Nebel: Bereit für die Bundesliga?

Aus dem Mainzer Nachwuchs kommend galt Paul Nebel als großes Versprechen für die Zukunft, auf Anhieb durchsetzen konnte er sich im Bundesliga-Kader der 05er jedoch nicht. Eineinhalb Leihjahre beim Zweitligisten Karlsruhe später stellen wir die Frage: Ist Nebel, heute 21 Jahre alt, bereit für die Bundesliga? (Bild: IMAGO / Lobeca)

In den Jugendmannschaften war der nur 1,69m große Nebel noch Flügelspieler, glänzte in der Junioren-Bundesliga vor allem mit vielen Scorerpunkten. Nach zwei Saisons in der Regionalliga und auf der Bank der Profis ging es im Sommer 2022 dann leihweise zum KSC, wo dringend nach einem Flügelflitzer gesucht wurde. Als dann Trainer Christian Eichner nach wenigen Spielen auf eine Formation ohne Flügel umstellte schien alles gegen den jungen Außenspieler zu laufen - doch es hätte kaum besser kommen können. Fortan lief Nebel zentral hinter einem Doppelsturm auf und wusste durchaus zu beeindrucken.

Mit seinem niedrigen Körperschwerpunkt und der herausragenden Technik blühte er in den engen Räumen vor der Abwehrkette auf. Vor allem in der Rückrunde konnte er mit 8 Torbeteiligungen auf sich aufmerksam machen. Persönliches Saisonhighlight war dabei der 4:2 Sieg gegen den HSV, zu dem er jeweils ein Tor und eine Vorlage beisteuern konnte, vom Kicker wurde er zum Spieler des Spieltages ausgezeichnet. Trotz dieser starken Saison war mal in Mainz wohl noch nicht von der Bundesligatauglichkeit des Junioren-Nationalspielers überzeugt, somit wurde der Vertrag verlängert und Nebel ein weiteres Jahr nach Karlsruhe verliehen. Sein angestammter Platz auf der 10 wurde jedoch vom heimgekehrten Ex-Nationalspieler Lars Stindl belegt und so ging es für den einstigen Flügelflitzer auf die rechte Seite einer engen Mittelfeldraute.

Hier zeigt Nebel, was er bereits als Jugendspieler andeuten konnte. Der klein gewachsenen Edeltechniker verfügt über eine gleichermaßen überraschende und beeindruckende Bissigkeit im Defensivzweikampf, womit er sich im Karlsruher Wildpark schnell in die Herzen der Fans spielte. Zudem gehört er in der laufenden Saison zu den fünf laufstärksten Spielern der Liga, läuft regelmäßig 12 Kilometer in einem Spiel. An der Seite der erfahrenen Stindl, Wanitzek und Gondorf entwickelt sich der junge Nebel exzellent, trifft immer häufiger die richtige Entscheidung und wurde schon längst zu einem Schlüsselspieler im Kader der Karlsruher. Auch wenn man ihn selbstverständlich gerne länger in der Fächerstadt halten würde, nach dieser Saison führt der Weg wohl zwangsläufig zurück nach Mainz.

Welche Situation er dort vorfindet steht aktuell noch in den Sternen. Die Mainzer kämpfen aktuell gegen den Abstieg, ob Interimstrainer Jan Siewert zur neuen Saison noch auf der Trainerbank sitzen wird ist ungewiss. Doch eins ist in Mainz gewiss, es soll wieder vermehrt auf die Talente aus dem eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Mit Brajan Gruda und Nelson Weiper sowie dem schon erfahreneren Leandro Barreiro und dem genesenen Jonathan Burkardt steht hier schon eine starke Achse, in die sich Paul Nebel optimal einfügen könnte. Dabei kommt ihn seine neu gewonnene Variabilität zu Gute. Egal in welcher Formation der FSV zukünftig auflaufen sollte, Nebel ist auf jeweils mehreren Positionen bundesligareif. Die Mischung aus seinen offensiven Fertigkeiten, die der U21 Nationalspieler stetig verbessert, und den Stärken in der Rückwärtsbewegung ergeben dabei ein selbst auf höchstem Niveau seltenes Profil. Vor allem in einem auf Pressing auselegten Spiel kann er dabei Gold wert sein.

Für die Entwicklung des Talents zu einem gestandenen Spieler mit Erfahrung auf gehobenem Zweitliga-Niveau war die Leihe nach Karlsruhe schon ein halbes Jahr vor ihrem Ende ein voller Erfolg. Sollte der als harter Arbeiter bekannte Nebel sich weiter wie bisher entwickeln, wird er auch im Oberhaus auf sich aufmerksam machen.

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